Fritz Keller (Fußballfunktionär)
Friedrich Walter „Fritz“ Keller (* 2. April 1957 in Freiburg im Breisgau) ist ein deutscher Winzer, Weinhändler, Gastronom, Hotelier und ehemaliger Fußballfunktionär. Von 2019 bis 2021 war er der 13. Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Zuvor war er von 2010 bis 2019 Präsident des SC Freiburg.
Leben
Fritz Keller ist ein Sohn von Franz Keller Senior und dessen Frau Irma aus der Winzer- und Gastronomenfamilie in Oberbergen am Kaiserstuhl. Sein älterer Bruder ist der Koch Franz Keller. Sein Patenonkel ist Fritz Walter, nach dem er benannt wurde.<ref>DFB-Kandidat Keller: Winzer, Clubchef, Walter-Patenkind. In: Augsburger Allgemeine. Abgerufen am 15. August 2019.</ref> Durch einen Hundebiss in seiner frühen Jugend ist er von einer Narbe im Gesicht gezeichnet.<ref>Neuer DFB-Boss Fritz Keller: Sein Vater wollte ihn als Kind „vom Sportplatz prügeln“ – Von Gastwirtssohn zum Präsidenten. In: stern.de. Abgerufen am 18. Mai 2021.</ref>
Die Winzer- und Gastronomenfamilie betreibt neben dem Restaurant Schwarzer Adler, das seit 1969 unter seiner Mutter Irma mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde, einen Winzerbetrieb. Seine Mutter war damit die erste Sterne-Köchin in Deutschland.<ref name=":1">Porträt - Der gute Bulle. Abgerufen am 4. Januar 2025.</ref> Seit dem Jahre 1990 führt Fritz Keller mit seiner Frau Bettina in der dritten Generation das Weingut Franz Keller.<ref>Das neue Weingut von Fritz Keller in Oberbergen ist eröffnet. In: Badische Zeitung. 19. Juli 2013.</ref> Danach übernahm er den Weinimport für exklusive Weine vor allem aus Bordeaux und dem Burgund. Dann kamen das Hotel, das Mitglied bei L’Art de Vivre Residenzen ist,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Restaurant Schwarzer Adler im Hotel Schwarzer Adler ( vom 15. Juni 2019 im Internet Archive) lartdevivre-residenzen.com, abgerufen am 15. August 2019.</ref> sowie das „Winzerhaus Rebstock“, eine typisch badische Gastwirtschaft, und im Jahr 2013 mit dem Bau des neuen Weinguts das Restaurant „Kellerwirtschaft“ hinzu.<ref>franz-keller.de. In: franz-keller.de. Abgerufen am 10. September 2022.</ref>
Keller hat mit seiner Ehefrau drei Söhne, die ebenfalls in den Familienunternehmen tätig sind.<ref>Pascal Lienhard: Macht sein Ding: Fritz Keller und der Schwarze Adler in Oberbergen. In: chilli:freiburg:stadtmagazin. 5. Oktober 2019, abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref> Sohn Vincent ist zudem Chefscout des SC Freiburg.<ref>David Weigend: SC-Freiburg-Scout Vincent Keller: "Wir diskutieren kontrovers über die Spieler, die wir beobachten". Badische Zeitung, 15. Juli 2025, abgerufen am 1. Februar 2026.</ref>
Als „Botschafter der Weinkultur Badens“ gewann Keller mit seinen Weinen internationale Anerkennung. Keller war zwanzig Jahre lang Vizepräsident der Sommelier-Union Deutschland und initiierte die Gründung der Sommelier-Colleges.<ref>Website der Sommelier Union Deutschland. In: sommelier-union.de. Abgerufen am 15. August 2019.</ref>
Fußballfunktionär
Keller war seit 1994 Marketingvorstand beim Fußballbundesligisten SC Freiburg.<ref>Rosenkrieg im Paradies. In: stern.de. Abgerufen am 20. August 2019.</ref> Ab 2010 war er Erster Vorsitzender des Vereins und ab Oktober 2014 – nach einer Satzungsänderung – dessen Präsident.
Eine Findungskommission schlug Keller im August 2019 zur Wahl als neuen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes vor.<ref>Freiburg-Präsident Fritz Keller soll neuer DFB-Präsident werden. In: Sportschau. 15. August 2019, abgerufen am 15. August 2019.</ref> Am 27. September 2019 wurde er vom DFB-Bundestag einstimmig zum Präsidenten gewählt, nachdem er als Präsident des SC Freiburg zurückgetreten war.<ref>Fußball Fritz Keller zum DFB-Präsidenten gewählt. In: tagesschau.de. Abgerufen am 29. September 2019.</ref><ref>Fritz Keller zum neuen DFB-Präsidenten gewählt. In: Zeit Online. 27. September 2019, abgerufen am 27. September 2019.</ref>
Im Dezember 2019 kritisierte er die WM-Vergabe an Katar in der Presse als „ganz schlechte Entscheidung“ in „vielerlei Hinsicht“. Damit spielt er auf die klimatischen Bedingungen und die Lage der Menschenrechte im Land an.<ref>DFB-Boss Keller kritisiert WM-Vergabe an Katar. In: swr.de. 12. Dezember 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Dezember 2019; abgerufen am 12. Dezember 2019.</ref>
Im Juli 2020 veröffentlichte der DFB erstmals die Einkünfte seiner Spitzenfunktionäre. Der Vergütungsausschuss des DFB, dessen Einrichtung Keller noch vor seiner Wahl angekündigt hatte, legte für Keller eine Vergütung von 246.000 Euro pro Jahr fest. Bei Präsidiumsmitgliedern des DFB, die gleichzeitig Mitglieder in Gremien der Verbände FIFA und UEFA sind, gilt eine Deckelung der Funktionärsvergütung auf 246.000 Euro pro Jahr. Die DFB-Aufwandsentschädigung soll dann gekürzt werden.<ref>DFB: 246 000 Euro für Präsident Fritz Keller. In: Münchner Merkur. 3. Juli 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. August 2020.</ref><ref>DFB gibt Gehälter von Verbandsspitze um Präsident Fritz Keller bekannt – Keine Angaben zu Löw und Bierhoff. In: sportbuzzer.de. 3. Juli 2020, abgerufen am 7. Juli 2020.</ref>
Am 11. Mai 2021 gab der DFB bekannt, dass Keller am 17. Mai 2021 sein Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zur Verfügung stellen werde, um eine personelle Neuaufstellung des Verbands zu ermöglichen.<ref>DFB-Präsident Fritz Keller stellt sein Amt zur Verfügung. In: spiegel.de. Abgerufen am 11. Mai 2021.</ref>
Kritik
Im März 2020 warf die Süddeutsche Zeitung (SZ) Keller „Wortbruch statt Aufbruch“ wegen seines Wunsches auf Eintritt in den FIFA-Rat vor. Keller hatte bei seiner Wahl zum DFB-Präsidenten ein halbes Jahr zuvor noch erklärt, keinen Sitz in den Leitgremien von FIFA und UEFA anzustreben. Die SZ stufte daneben seine Beiträge zu Themen wie Fans, Rassismus und Frauen als „weitgehend substanzfrei“ ein.<ref>Wortbruch statt Aufbruch. In: Süddeutsche Zeitung. 6. März 2020.</ref>
Nazivergleich und DFB-Krise 2021
Am 23. April 2021 verglich Keller in einer DFB-Präsidiumssitzung den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch (früher Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht München) mit NS-Richter Roland Freisler. Freisler hatte als Präsident des Volksgerichtshofs über 2600 Todesurteile verhängt und war als Teilnehmer der Wannseekonferenz mitverantwortlich für die Organisation des Holocaust. DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius erstattete wegen des NS-Vergleichs Anzeige bei der DFB-Ethikkommission. Keller bat Koch schriftlich und persönlich um Entschuldigung,<ref>Anzeige gegen Präsident Keller nach Nazivergleich. In: Der Spiegel. Der Spiegel GmbH & Co. KG, 26. April 2021, abgerufen am 26. April 2021.</ref><ref>DFB-Präsident entschuldigt sich für „unangebrachten Vergleich“. In: sportschau.de. 26. April 2021, abgerufen am 26. April 2021.</ref> musste am 27. April aber einräumen, dass der Vizepräsident diese Bitte entgegen seiner Darstellung vom Vortag nicht angenommen habe.<ref>Nach Nazi-Vergleich: Keller verliert Rückhalt. In: faz.net. FAZ, 27. April 2021, abgerufen am 28. April 2021.</ref>
Am 4. Mai 2021 legte die DFB-Ethikkommission ihr Ergebnis dem DFB-Sportgericht um Hans E. Lorenz vor, das daraufhin seine Arbeit aufnahm.<ref>DFB: Fall von Fritz Keller geht vors Sportgericht. In: Sport1.de. 3. Mai 2021, abgerufen am 4. Mai 2021.</ref><ref>Entgleisung des DFB-Chefs – DFB-Sportgericht: Urteil im Fall Keller bis Ende Mai. In: sportschau.de. 4. Mai 2021, abgerufen am 4. Mai 2021.</ref> Am 14. Mai 2021 kam es zur Anhörung vor dem DFB-Sportgericht; Keller ließ sich von Rechtsanwalt Christoph Schickhardt vertreten.<ref>Urteil vertagt – Was Keller an der Verhandlung „genossen hat“. In: kicker.de, 14. Mai 2021.</ref>
Am 19. Mai 2021 wurde das Verfahren gegen Keller eingestellt. Keller habe durch seinen erklärten Rücktritt die Verantwortung für das beschädigte Image des DFB übernommen. Eine Sanktionierung sei dadurch entbehrlich geworden, erklärte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des Sportgerichts.<ref>Sportgericht stellt Verfahren gegen Ex-DFB-Präsident Keller ein. In: spiegel.de, 19. Mai 2021.</ref>
Rücktritt 2021
Auf einer außerordentlichen Konferenz am 2. Mai 2021 in Potsdam entzogen die Präsidenten der Landes- und Regionalverbände DFB-Präsident Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius das Vertrauen. Mit 26 Ja-, neun Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen forderte die Konferenz Kellers Rücktritt.<ref>Keller und Curtius wird Vertrauen entzogen. In: dfb.de. Abgerufen am 2. Mai 2021.</ref> Am 7. Mai 2021 lehnte Keller in einer Stellungnahme einen Rücktritt zunächst ab.<ref>DFB-Präsident Keller lehnt einen Rücktritt ab. In: faz.net. FAZ, 7. Mai 2021, abgerufen am 7. Mai 2021.</ref> Nach Zunahme der öffentlichen Kritik erklärte Keller am 11. Mai 2021 seine grundsätzliche Bereitschaft zum Rücktritt.<ref>DFB-Präsident Fritz Keller zu Rücktritt bereit. In: zeit.de. 11. Mai 2021, abgerufen am 17. Mai 2021.</ref><ref>DFB-Präsident Keller stellt Amt zur Verfügung. In: kicker.de, 11. Mai 2021.</ref>
Am 17. Mai 2021 trat Keller wie zuvor angekündigt von seinem Amt als DFB-Präsident zurück.<ref>DFB-Präsident Fritz Keller tritt zurück. In: zeit.de. 17. Mai 2021, abgerufen am 17. Mai 2021.</ref><ref>Erklärung auf der Webseite des DFB. In: dfb.de, 17. Mai 2021.</ref>
Entlastung 2022
Seit März 2021 stand der Vorwurf eines angeblichen „Verstoßes gegen das Geschäftsgeheimnis“ gegen Fritz Keller und dessen damaligen Büroleiter Samy Hamama im Raum.<ref name="sz-5660085">Johannes Aumüller, Thomas Kistner: DFB-Affäre um Beratervertrag: "Instrumentalisierung der Straf-Justiz". In: sueddeutsche.de. Abgerufen am 16. Dezember 2022.</ref> Auslöser der Untersuchung war eine Strafanzeige des Medienberaters Kurt Diekmann.<ref>Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Fritz Keller ein. In: badische-zeitung.de. Abgerufen am 16. Dezember 2022.</ref> Diese Vorwürfe dementierte die Staatsanwaltschaft Frankfurt Ende August 2022. Ein solcher Verstoß läge nicht vor, das Verfahren gegen Keller wurde eingestellt. Von „Instrumentalisierung der Straf-Justiz“ heißt es in der Verfügung und „Unliebsame Funktionäre oder Führungskräfte des DFB sollten öffentlichkeitswirksam (strafrechtlich) angeprangert und dadurch aus dem Weg geschafft werden“.<ref>Benni Hoffmann: DFB-Affäre: Ermittlungen gegen Diekmann eingestellt. In: Kicker. Abgerufen am 27. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Benni Hofmann: Ermittlungsverfahren gegen Fritz Keller eingestellt. In: Kicker. Abgerufen am 27. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Tatsächlich führte das Verfahren zu neuen Ermittlungen: Die Behörden ermittelten gegen Diekmann wegen Untreue-Verdachts.<ref name="sz-5660085" />
Auszeichnungen
- Aral Schlemmer Atlas 2010: „Weingut des Jahres“
- Diners Club 2010: „Winzer des Jahres“
- Eichelmann 2010: Beste Rotweinkollektion
- Gault Millau 2011: „Restaurateur des Jahres“
- Brillat-Savarin-Plakette 2012 „Persönlichkeiten mit prägendem Einfluss auf die Branche und mit besonderen Verdiensten um Gastlichkeit und Tafelkultur“<ref>FBMA: 57. Plakette geht an Fritz Keller. In: tophotel.de. 24. April 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. April 2017; abgerufen am 10. September 2022.</ref><ref>Brillat Savarin Plakette für Fritz Keller. In: restaurant-ranglisten.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. September 2019; abgerufen am 1. Oktober 2022.</ref>
- Falstaff 2014: Falstaff Wein Trophy – Lebenswerk als Winzer
- Falstaff 2019: „Kollektion des Jahres“
- Gault Millau 2019: „Winzer des Jahres“ Friedrich und Fritz Keller<ref>Winzer des Jahres: Fritz und Friedrich Keller. In: restaurant-ranglisten.de</ref>
- Falstaff 2024: Gastronom des Jahres – zusammen mit Stephan Landwehr und Frederik Schade<ref>Restaurant- & Gasthausguide: Das sind die Gastronomen des Jahres 2024 - Falstaff. Abgerufen am 1. Januar 2025.</ref>
- 2026: Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg<ref>Verdienstorden des Landes an 27 verdiente Persönlichkeiten. In: stm.baden-wuerttemberg.de. 27. März 2026, abgerufen am 29. März 2026.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Ferdinand Hueppe | Friedrich Wilhelm Nohe | Gottfried Hinze | Felix Linnemann | Peco Bauwens | Hermann Gösmann | Hermann Neuberger | Egidius Braun | Gerhard Mayer-Vorfelder | Theo Zwanziger | Wolfgang Niersbach | Reinhard Grindel | Fritz Keller | Bernd Neuendorf
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Keller, Fritz |
| ALTERNATIVNAMEN | Keller, Friedrich Walter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Winzer, Weinhändler, Gastronom, Hotelier und Fußballfunktionär |
| GEBURTSDATUM | 2. April 1957 |
| GEBURTSORT | Freiburg im Breisgau |
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- Hotelier
- Winzer (Deutschland)
- Präsident des Deutschen Fußball-Bundes
- Sportfunktionär (SC Freiburg)
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- Ritter (Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem)
- Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg
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- Geboren 1957
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