Zum Inhalt springen

Pockenseuche der Schafe und Ziegen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Pockenseuche der Schafe und Ziegen (Syn. Schafpocken, Variola ovina; Ziegenpocken) ist eine den Pocken verwandte und ihr klinisch ähnelnde Viruserkrankung der Schafe und Ziegen. Die Krankheit kommt in Afrika, Asien und der Türkei, von dort ausgehend selten auch in Südosteuropa vor, wodurch die Gefahr der Einschleppung nach Mitteleuropa besteht. Die Pockenseuche gehört zu den meldepflichtigen Tierseuchen. In Deutschland ist die Erkrankung letztmals 1920 aufgetreten.<ref>Tierseuchenbericht 2011 des BMELV. In: Deutsches Tierärzteblatt. (DTBL) 60. Jahrgang, Mai 2012, S. 714–715.</ref> Der Mensch ist für die Erkrankung nicht empfänglich.

Erreger

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Capripoxvirus
Systematik
Klassifikation: Viren
Realm: Varidnaviria<ref name="ICTV_MSL#35_VarV">ICTV: ICTV Taxonomy history: Variola virus, EC 51, Berlin, Germany, July 2019; Email ratification March 2020 (MSL #35)</ref>
Reich: Bamfordvirae<ref name="ICTV_MSL#35_VarV" />
Phylum: Nucleocytoviricota<ref name="ICTV_MSL#35_VarV" />
Klasse: Pokkesviricetes<ref name="ICTV_MSL#35_VarV" />
Ordnung: Chitovirales<ref name="ICTV_MSL#35_VarV" />
Familie: Poxviridae
Unterfamilie: Chordopoxvirinae
Gattung: Capripoxvirus
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)
Links

Die Erreger dieser Erkrankungen gehören zur Gattung Capripoxvirus innerhalb der Unterfamilie Chordopoxvirinae der Pockenviren, und zwar mit Stand 30. April 2024 zu den folgende Spezies:<ref name="ICTV_Tax">ICTV: Taxonomy Browser.</ref><ref name="ICTV_VMR">ICTV: Virus Metadata Resource (VMR).</ref>

  • Capripoxvirus sheeppox (früher Capripoxvirus ovis, ehem. Typusspezies) mit dem Schafpockenvirus ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), SPV)<ref>NCBI: Sheeppox virus (species)</ref><ref>ICTV: Sheeppox virus, ICTV Taxonomy history</ref>
    – Schafpocken
  • Capripoxvirus goatpox (früher Capripoxvirus caprae) mit dem Ziegenpockenvirus ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), GtPV)<ref>NCBI: Goatpox virus (species)</ref><ref>ICTV: Goatpox virus, ICTV Taxonomy history</ref>
    – Ziegenpocken
  • Capripoxvirus lumpyskinpox (früher Capripoxvirus bovis nodularis) mit dem Dermatitis-nodularis-Virus, englisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (LSDV)
    Lumpy-skin-Krankheit

Das Genom besteht aus einem einzelnen (d. h. unsegmentieren) linearen Doppelstrang-DNA-Molekül.

Die Erkrankung verläuft bei beiden Tiergruppen gleich. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit Infektionsträgern.

Ausbrüche

Ausbrüche in jüngerer Zeit in Europa waren im September 1996 in Bulgarien und im November 2000 in Griechenland.

Von August 2024 bis Mitte November 2025 traten in Griechenland 1700+ Fälle in verschiedenen Regionen auf und es wurden 500.000 Tiere gekeult. "Der Regierung wird (...) vorgeworfen, das nationale wissenschaftliche Komitee für die Bekämpfung der Schaf- und Ziegenpocken erst Ende Oktober (...) eingerichtet zu haben. (...) [Und] Außerdem (...) ein Fehlen von Sperrzonen (...)." 417.000 Schafe und Ziegen, das sind 4–5 % des Bestands wurden bereits gekeult. Staatlich werden Massenimpfungen (noch) abgelehnt. Nach Schätzungen haben Bauern auf eigene Faust schon 1 Mio. Tiere geimpft. Eingeschmuggelt wird der Impfstoff Jovivac aus Jordanien und Poxdoll aus der Türkei. Weiter Fälle traten in Bulgarien und Rumänien auf.

Klinik

Datei:Noerès pokes agnea cawe.jpg
Pockenseuche der Schafe und Ziegen
Datei:Noerès plokes berbis axhele2.jpg
Hautknoten in der Achsel bei einem Schaf mit Pockenseuche

Die Pockenseuche ist die schwerste Pockenerkrankung bei Tieren. Die Sterblichkeitsrate kann bei Lämmern über 50 % liegen. Die Läsionen betreffen sowohl die Haut als auch die Schleimhäute des Atmungs- und Verdauungsapparates. Bei schwer erkrankten Tieren entwickelt sich eine Lungenentzündung.

Diagnose

Klinisch lässt sich bereits eine Diagnose mit hoher Wahrscheinlichkeit stellen. Sie wird durch elektronenmikroskopischen Nachweis der Pockenviren in Material aus den Läsionen untermauert. Im Zytoplasma der Hautzellen lassen sich eosinophile Einschlusskörperchen nachweisen. Das Virus-Antigen kann mittels ELISA nachgewiesen werden. Auch der Antikörpernachweis mittels indirektem Immunfluoreszenztest oder Virusneutralisationstest ist möglich, findet aber eher selten Anwendung.

Bekämpfung

In Deutschland ist die Tierseuche in der Anlage 1 der Tierseuchenmeldeverordnung (TierSeuchMeldV) vom 10. März 2026 gelistet und es besteht eine allgemeine Meldepflicht nach § 3.<ref>Verordnung über die Meldung von Seuchen bei Tieren (Tierseuchenmeldeverordnung – TierSeuchMeldV)</ref>

In Endemiegebieten werden Impfstoffe eingesetzt. Außerhalb der Endemiegebiete ist die Tierseuche in den meisten Ländern melde- oder anzeigepflichtig und Ausbrüche werden durch Isolierung des Seuchenherds und Tötung erkrankter Tiere bekämpft.

Einzelnachweise

<references/>

Weblinks

Vorlage:Hinweisbaustein