Antinukleäre Antikörper
Der Begriff antinukleäre Antikörper (kurz ANA; englisch antinuclear antibodies) oder antinukleärer Faktor (ANF) steht für die Gesamtheit aller Autoantikörper gegen Antigene im Zellkern. Der genaue Weg, auf dem es zur Bildung von Autoantikörpern kommt, ist nach wie vor unbekannt.
Im Blut zirkulierende Autoantikörper wie die ANA können durch den Indirekten Immunfluoreszenztest nachgewiesen und semiquantitativ bestimmt werden.
Krankheiten
Krankheiten, die oft mit einem erhöhten ANA-Titer einhergehen, sind z. B.
- Autoimmunerkrankungen
- aus dem Bereich der Kollagenosen
- Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)
- Polymyositis und Dermatomyositis
- Sjögren-Syndrom
- CREST-Syndrom
- Sklerodermie
- Rheumatoide Arthritis (primär chronische Polyarthritis, PCP)
- Sharp-Syndrom (sog. Mischkollagenose)
- Einige Vaskulitiden (u. a. Panarteriitis nodosa in 15–25 %<ref name="THO"/><ref name="NIE">Meist niedrige ANA-Titer unbekannter Spezifität</ref>)
- chronische Autoimmunhepatitis in 25–33 %<ref name="THO"/><ref name="NIE"/>
- Psoriasisarthritis in ca. 15 %<ref name="THO"/><ref name="NIE"/>
- aus dem Bereich der Kollagenosen
- Sarkoidose in ca. 5–30 %<ref name="THO"/><ref name="NIE"/>
- Myasthenia gravis in 40–60 %<ref name="THO"/><ref name="NIE"/>
- Lungenfibrose, fibrosierende Alveolitis in 20–40 %<ref name="THO"/><ref name="NIE"/>
- Diverse Neoplasien<ref name="THO"/><ref name="NIE"/>
- Gesunde Verwandte von Lupus-erythematodes-Patienten altersunabhängig in ca. 25 %<ref name="THO"/><ref name="NIE"/>
Auch gesunde Personen über 60 Jahre haben in 5–30 % niedrig titrige ANA (unter 60 Jahre nur in 0–5 %).<ref name="THO">Lothar Thomas (Hrsg.): Labor und Diagnose. Kapitel 25.3: Rudolf Mierau, Ekkehard Genth: Autoantikörper bei systemischem Lupus erythematosus und verwandten Erkrankungen. 5. Auflage. TH-Books Verlagsgesellschaft, Frankfurt/Main 1998.</ref>
Immunfluoreszenztest (IFT)
Direkter IFT
Zum Nachweis gewebe- oder zellständiger Antigene werden die zu untersuchenden Zellen mit fluoreszierenden<ref>Mit Fluoreszeinisothyanat oder Rhodamin markierten</ref> Antikörpern überschichtet und nach Entfernung überschüssiger Antikörper unter dem Fluoreszenzmikroskop beurteilt.<ref name="THO"/>
Indirekter IFT (IIFT)
Zum Nachweis von Serumantikörpern (wie ANA) werden Zellkerne von gesundem Testgewebe mit dem Patientenserum versetzt. Falls das Serum ANA enthält, binden diese an den Zellkernen. Die dabei entstehenden Antigen-Antikörper-Komplexe werden mit einem fluoreszierenden Sekundärantikörper<ref name="THO"/><ref>Anti-ANA-Antikörper, sog. „Antiantikörper“ (Roche-Lexikon Medizin, 4. Auflage, München 1998, Stichwort „Immunofluoreszenz“)</ref> markiert. Unter dem Fluoreszenzmikroskop zeigt sich dann ein Fluoreszenzmuster, das auf bestimmte Krankheitsspezifitäten hinweist. Dies erleichtert eine Differentialdiagnose der in Frage stehenden Erkrankungen.
Die größte Verdünnung des Patientenserums, die gerade noch eine Fluoreszenz zeigt, wird als ANA-Titer oder ANA-Wert bezeichnet, der normalerweise unter 1:100<ref>MVZ Labor Dr. Krause Kiel</ref> oder auch noch unter 1:160 liegt,<ref>A. Dormann, C. Luey, C. Heer: Laborwerte. Urban & Fischer Verlag, 5. Auflage 2009, S. 24.</ref> wobei allerdings auch ca. 3 % der gesunden Menschen einen Titer von bis zu 1:320 haben.<ref>G. Herold et al.: Innere Medizin. Selbstverlag Köln, 2014, S. 671</ref> Bei Titern größer 1:80 wird das Fluoreszenzmuster und die daraus resultierende Assoziation zu den jeweiligen Erkrankungen angegeben, außerdem das benutzte Testgewebe, z. B. ANA IgG IFT (HEp2) 1:320.
Literatur
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Einzelnachweise
<references />