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Philharmonisches Staatsorchester Halle

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Großer Saal der festen Spielstätte Georg-Friedrich-Händel-Halle (2020)
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Ehemalige Hauptspielstätte Steintor-Varieté in Halle (2016)
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Kongress- und Kulturzentrum, Spielstätte von 1995 bis 1998 (2016)
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Ehemaliger Veranstaltungsort der Konzertreihe „Konfrontation – Neue Musik im Gespräch“: Konzerthalle St.-Ulrich-Kirche in Halle (2009)

Das Philharmonische Staatsorchester Halle war ein von 1946 bis 2006 bestehendes Sinfonieorchester in Halle (Saale), das als Konzertorchester fungierte und zuletzt überwiegend vom Land Sachsen-Anhalt getragen wurde. Durch die Fusion mit dem Orchester des Opernhauses Halle ging das A-Orchester 2006 in der Staatskapelle Halle auf.

Es wurde 1946 von Arthur Bohnhardt als Hallisches Sinfonie-Orchester gegründet und firmierte in der Folge unter verschiedenen Namen. Nachdem ihm 1953 die Robert-Franz-Singakademie angeschlossen und Hermann Abendroth Ehrendirigent geworden war, wurde es 1954 eines von drei Staatlichen Sinfonieorchestern in der DDR.

Seine Glanzzeit erlebte das Orchester unter dem Chefdirigat von Olaf Koch, der die Hallesche Philharmonie in den 1970er und 1980er Jahren zu überregionaler Anerkennung führte. Das Orchester brachte mehrere zeitgenössische Musikwerke zur Uraufführung. Ab 1979 setzte das angeschlossene avantgardistische Ensemble Konfrontation mit seiner gleichnamigen Reihe Maßstäbe. Wiederholt wurde die Philharmonie mit dem Händelpreis des Bezirkes Halle ausgezeichnet.

Nach der politischen Wende wurde der Klangkörper zum Staatsorchester erhoben und von Generalmusikdirektor Heribert Beissel weitergeführt. Namhafte Orchesterleiter wie Bernhard Klee (1999/2000) und Wolf-Dieter Hauschild (2001–2004) wirkten nun als Dirigenten in Halle. Feste Spielstätte war ab 1998 die Georg-Friedrich-Händel-Halle.

Namen

  • 1946–1949: Hallisches Sinfonie-Orchester
  • 1949–1952: Landes-Volksorchester Sachsen-Anhalt
  • 1952–1954: Landes-Sinfonieorchester Sachsen-Anhalt
  • 1954–1972: Staatliches Sinfonieorchester Halle
  • 1972–1991: Hallesche Philharmonie
  • 1991–2006: Philharmonisches Staatsorchester Halle

Geschichte

Arthur Bohnhardt (1946–1949)

Nach der Wiedereröffnung des Thalia Theaters war das Städtische Orchester in die Einstudierung von Bühnen- und Orchesterwerken eingebunden, sodass die Notwendigkeit für ein Unterhaltungsorchester aufkam.<ref name="Baselt23bis37">Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 23–37.</ref> Der zweite Konzertmeister am Stadttheater Halle, Arthur Bohnhardt, ergriff nun die Chance und formte im April 1946 ein Streichorchester, das am Karfreitag ein erstes Konzert in der St.-Laurentius-Kirche gab.<ref name="Baselt23bis37"/> Bohnhardt trat dann mit seinem Orchester unter verschiedenen Namen auf, wobei es im Juli 1946 im Hof der Moritzburg als Halliches Sinfonie-Orchester erstmals eine größere Öffentlichkeit erreichte.<ref name="Baselt23bis37"/>

Im September 1946 wurde auf einer Sitzung der sächsischen Provinzialverwaltung der Abteilung Kunst und Literatur und des städtischen Volksbildungsamtes der Gesellschaftsvertrag für das Orchester beschlossen.<ref name="Baselt23bis37"/> Der Chefdirigent stellte sich in den Dienst verschiedener politischer, sozialer und kultureller Aufgaben.<ref name="Baselt23bis37"/> Nach der Gründung der Staatlichen Hochschule für Theater und Musik Halle fungierte es auch als Hochschulorchester.<ref name="Baselt23bis37"/>

Das erste größere Sinfoniekonzert wurde im Januar 1948 im Saal des Volksparkes veranstaltet.<ref name="Baselt23bis37"/> Die „Bestrebungen nach mehr Anerkennung“ gingen allerdings einher mit „politischem Druck“, wie es die Chronistin Susanne Baselt zusammenfasste.<ref>Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 31.</ref> Ende des Jahres wurde die Deutsche Volksbühne Träger der Sinfoniekonzerte.<ref name="Baselt23bis37"/> Nach dem Rücktritt Bohnhardts im Februar 1949 übernahm zunächst Kapellmeister Heinz Hofmann kommissarisch die Leitung des Klangkörpers.<ref name="Baselt23bis37"/> Insbesondere Alfred Hetschko, seinerzeit Musikreferent im Volksbildungsministerium des Landes Sachsen-Anhalt, initiierte dann beim Landtag von Sachsen-Anhalt die Namensänderung in Landes-Volksorchester Sachsen-Anhalt.<ref name="Baselt23bis37"/>

Walter Schartner (1949/50)

Im September 1949 übernahm der ehemalige Musikdirektor am Stadttheater Halle, Walter Schartner, das Chefdirigat.<ref name="Baselt38bis45">Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 38–45.</ref> Da sämtliche<ref name="Heine9bis27">Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 9–27.</ref> Musiker das Orchester verlassen hatten, wurden die nun freigewordenen Stellen teilweise mit einem Mehrpersonal aus Dresden und Sondershausen besetzt.<ref name="Baselt38bis45"/> Schartner setzte u. a. einen siebenteiligen Beethoven-Zyklus aufs Programm.<ref name="Baselt38bis45"/> Mit Schartners Ruf nach Weimar sprang erneut Heinz Hofmann als kommissarischer Leiter ein.<ref name="Baselt38bis45"/>

Baselt machte eine „direkte politische Einflussnahme von Partei und Staat“ auf die Nachfolge Schartners aus.<ref>Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 44.</ref> Nachdem der Herzberger Waldemar Steinhardt und der Bielefelder Werner Gößling Probedirigate abgeleistet hatten, entschied sich die Findungskommission für letzteren.<ref name="Baselt38bis45"/>

Werner Gößling (1950–1956)

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Eingang des Volksparks 1956

Die aufgestockten Sinfoniekonzerte fanden im Klubhaus der Gewerkschaften statt.<ref name="Baselt46bis81">Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 46–81.</ref> Werner Gößling, der neue Chefdirigent, wollte die Konzerte darüber hinaus auf weitere Städte des Landes ausdehnen.<ref name="Baselt46bis81"/> Neben dem klassisch-romantischen Repertoire sollten ferner zeitgenössische Werke Einzug in das Programm finden.<ref name="Baselt46bis81"/> Gößling stellte das sinfonische Werk Bruckners vor.<ref name="Baselt46bis81"/> Im Jahr 1951 begründete er die Reihe „Ein Orchester stellt sich vor“.<ref>Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 48.</ref>

Nach der Gründung eins dritten Orchesters in Halle, das von der Gewerkschaft getragen wurde und eher die leichte Unterhaltungsmusik pflegte, konnte sich das Landes-Volksorchester Sachsen-Anhalt in den 1950er Jahren zum Kulturorchester weiterentwickeln.<ref name="Baselt46bis81"/> Ab 1950 fielen die Orchestermusiker unter das „Lohn- und Gehaltsabkommen für Theater und Kulturorchester der DDR“.<ref name="Baselt46bis81"/> Die Gastdirigenten Hermann Abendroth, Helmut Seidelmann und Kurth Barth wurden in der Saison 1951/52 gewonnen.<ref name="Baselt46bis81"/> Außerdem engagierte sich das Orchester u. a. im osteuropäischen Kulturaustausch und in der Händel-Pflege.<ref name="Baselt46bis81"/>

Im Jahr 1952 wurde das Volksorchester in Sinfonieorchester umbenannt.<ref name="Baselt46bis81"/> Dies war mit der Integration des Klangkörpers in den Staatshaushalt verbunden.<ref name="Baselt46bis81"/> Es wurden Mittel für Konzerte in den Bezirken Leipzig, Magdeburg und Halle bereitgestellt.<ref name="Baselt46bis81"/> Auf dem Programm fanden sich nun auch Werke moderner und zeitgenössischer Komponisten.<ref name="Baselt46bis81"/> Es gastierten bekannte Künstler wie Eva Barth, Werner Heutling und Hugo Steurer in Halle.<ref name="Baselt46bis81"/> Ab 1952 wirkte das Orchester auch regelmäßig bei den Händel-Festspielen mit.<ref name="Baselt46bis81"/> Erste Gastspiele in die BRD wurden 1953 unternommen.<ref name="Baselt46bis81"/> Nach der Auflösung der Länder erfolgte die Unterstellung des Orchesters unter den Rat des Bezirkes Halle.<ref name="Baselt46bis81"/> Anfang der 1950er Jahre wurde der Klangkörper auch positiv durch die Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten überprüft und die Orchestermusiker in die Klasse I der Orchester eingeordnet, zuzüglich Leistungszulagen.<ref name="Baselt46bis81"/>

Ernst Sachsenberg wurde 1953 als neuer 1. Kapellmeister engagiert.<ref name="Baselt46bis81"/> Neben der Beziehung zur Musikhochschule pflegte das Orchester intensiv den Kontakt zur Kirchenmusikschule in Halle.<ref name="Baselt46bis81"/> In der Saison 1953/54 erfolgte auch der Anschluss der Robert-Franz-Singakademie und der Aufstieg des Landes-Sinfnieorchesters zum Staatlichen Sinfonieorchester, sodass es nun drei dieser Art in der DDR geben sollte: Gotha, Schwerin und Halle.<ref name="Baselt46bis81"/> Außerdem wurde Hermann Abendroth nach einem weiteren Gastdirigat zum Ehrendirigenten ernannt.<ref name="Baselt46bis81"/> Ferner spielte man nun die 9. Sinfonie Beethovens regelmäßig zum Jahreswechsel und führte die sogenannten Estradenkonzerte ein.<ref name="Baselt46bis81"/> Im Oktober 1953 weihte das Orchester das Kulturhaus Haus der Freundschaft in Schkopau ein.<ref name="Baselt46bis81"/>

In der Saison 1954/55 erhielt das Staatliche Sinfonieorchester einen eigenen Musikdramaturgen, den Musikwissenschaftler Herbert Koch.<ref name="Baselt46bis81"/> Aus Nordeuropa wurden bekannte Musiker wie Nils-Eric Fougstedt und Vibeke Warlev eingeladen.<ref name="Baselt46bis81"/> Die nächste Saison wartete mit den ebenso bedeutenden Solisten Brünnhild Friedland, Hélène Boschi, Hugo Steurer, Ingeborg Robiller-Roloff, Dieter Zechlin, Helga Hussels, Egon Morbitzer, Vittorio Brero, Karl Suske und Mirko Dorner auf.<ref name="Baselt46bis81"/>

Horst Förster (1956–1964)

Datei:Bundesarchiv Bild 183-63411-0005, Halle, Klubhaus, Nacht.jpg
Klubhaus der Gewerkschaften während der Händel-Ehrung 1959

Im Jahr 1956 erhielt das Orchester einen neuen Chefdirigenten (Horst Förster) und einen neuen 1. Kapellmeister (Karl-Ernst Sasse).<ref name="Baselt82bis110">Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 82–110.</ref> Einige Musiker verließen den Klangkörper zum Gewandhausorchester und zum Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig.<ref name="Baselt82bis110" /> Die Saison 1956/57 brachte die neue Konzertreihe „Musica viva“ hervor, bei der auch ausländische Komponisten wie Darius Milhaud, Kurt Atterberg, Dmitri Kabalewski und Grażyna Bacewicz aufgeführt wurden. Die Anrechtskonzerte im Pädagogischen Institut Halle-Kröllwitz<ref name="Heine9bis27"/> stießen allerdings auf wenig Publikumsresonanz.<ref name="Baselt82bis110" /> Bekannte Gastdirigenten wie Otto Ebel von Sosen, Alois Klíma und Heinz Bongartz kamen in Sonderkonzerten nach Halle.<ref name="Baselt82bis110" />

Im Rahmen der Hallischen Musiktage, an dem der Klangkörper seit 1955 immer wieder teilnahm, feierte das Staatliche Sinfonieorchester 1956 sein zehnjähriges Bestehen.<ref name="Baselt82bis110" /> Darüber hinaus beteiligte man sich an der Konzertreihe „Hausmusik im Händelhaus“.<ref>Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 87.</ref> 1957 tourte das Staatliche Sinfonieorchester durch Westdeutland.<ref name="Baselt82bis110" /> Ende der 1950er Jahre mehrten sich auch die Auftritte von Interpreten aus dem osteuropäischen Ausland (Miloš Sádlo, Stanislav Knor, Josef Hrnčíř, Ilja Temkoff u. a.).<ref name="Baselt82bis110" /> Außerdem bot der Zyklus „Meisterliche Werke der Nationen“ einen Einblick in das europäische Musikschaffen.<ref name="Baselt82bis110" />

1959 wurde Harald Unger als 1. Kapellmeister verpflichtet.<ref name="Baselt82bis110" /> 1961 beteiligte sich das Orchester an der 1000-Jahr-Feier der Stadt Halle.<ref name="Baselt82bis110" /> Außerdem feierte es sein fünfzehnjähriges Bestehen.<ref name="Baselt82bis110" /> 1962 gastierte das Orchester in der Tschechoslowakei.<ref name="Baselt82bis110" /> Mit dem Sinfonieorchester in Karlsbad wurde ein Freundschaftsvertrag geschlossen.<ref name="Heine9bis27"/> Nach Försters Weggang galten Gerhart Wiesenhütter und Karl-Ernst Sasse als erfolgversprechende Kandidaten für dessen Nachfolge.<ref name="Heine9bis27"/>

Karl-Ernst Sasse (1964–1967)

Die Entscheidung fiel schließlich auf den ehemaligen Stellvertreter Försters, Karl-Ernst Sasse.<ref name="Heine9bis27"/> Dieser aber war in seiner Programmplanung wenig erfolgreich u. a. wurden die positiv aufgenommenen Kammermusik-Anrechte mit Rudi Zücker und Horst Uhlig nicht fortgeführt.<ref name="Heine9bis27"/> Darüber hinaus pflegte Sasse nicht im ausreichenden Maße den Kontakt zur Robert-Franz-Singakademie.<ref name="Heine9bis27"/> Auch beteiligte sich der Klangkörper von 1965 bis 1967 nicht an den Händel-Festspielen.<ref name="Heine9bis27"/> Obwohl der Orchestervorstand Unger zum Musikdirektor machen wollte, wurde dessen Vertrag nicht verlängert. 1967 folgte ihm Joachim Seidel als 1. Kapellmeister.<ref name="Heine9bis27"/>

Olaf Koch (1967–1990)

Datei:HAL-GroßeGosenstr12 Staatskapelle.JPG
Rekonstruiertes Probenhaus der Hallischen Philharmonie in der Großen Gosenstraße 12 (2016)

Olaf Koch löste 1967 Sasse als Chefdirigenten ab.<ref name="Heine9bis27"/> Bei der Singakademie übernahm bereits ein Jahr zuvor Hartmut Haenchen die Funktion des Chorleiters.<ref name="Heine9bis27"/> 1969 wurde Karl-Heinz Zettl 1. Kapellmeister und stellvertretender Chefdirigent.<ref name="Heine9bis27"/> Mit diesem neuen Führungsteam gelang es nun, das Publikum wieder in die Konzertsäle zu locken.<ref name="Heine9bis27"/> Dazu wurden die Anrechtskonzerte erweitert und wieder an den Händel-Festspielen teilgenommen.<ref name="Heine9bis27"/> Koch legte neben der musikalischen Moderne einen Schwerpunkt auf die zeitgenössische Musik aus der DDR und der Sowjetunion.<ref name="Heine9bis27"/> Es erklungen Werke, die „nicht so recht einzuordnen waren in die Forderungen des ‚sozialistischen Realismus‘“.<ref>Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 21.</ref> Ferner wurden auch Werke westlicher Komponisten aufgeführt.<ref name="Heine9bis27"/> Ab 1969 wurden öffentliche Diskussionen mit Werktätigen um die Konzertpläne.<ref name="Heine9bis27"/> So fand etwa ein Ausbau bei den Anrechtskonzerten im Klubhaus „Marx-Engels“ in Zeitz statt.<ref name="Heine9bis27"/> 1970 wurden sogenannte „Arbeiterjugendkonzerte“ etabliert, die nach der Wende als „Jugendsinfoniekonzerte“ firmierten.<ref name="Heine23"/> Aber auch Schülerkonzerte wurden gepflegt.<ref name="Heine9bis27"/>

Im Jahr 1972 erfolgte der Zusammenschluss des Staatlichen Sinfonieorchesters, der Robert-Franz-Singakademie und des Stadtsingechors zur Halleschen Philharmonie.<ref name="Heine9bis27"/> 1979 begründet Hans-Jürgen Wenzel die Konzertreihe „Konfrontation – Neue Musik im Gespräch“, die in der Konzerthalle St.-Ulrich-Kirche, teilweise im neuen theater ihre Heimat hatte.<ref name="Heine25f">Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 25f.</ref>

Ende 1989 wurde Olaf Koch im Pobenhaus in der Großen Gosenstraße 12 von den Orchestermusikern abgewählt.<ref name="Heine9bis27"/> 1990 gab er sein letztes Konzert bei den Händel-Festspielen.<ref name="Heine9bis27"/> Die Kulturredakteurin Gisela Heine schrieb seinerzeit in der Liberal-Demokratischen Zeitung Halle: „In Olaf Koch sah ich immer den großen Dirigenten, der im Laufe von 23 Jahren die Hallesche Philharmonie zu einem Klangkörper mit Weltniveau entwickelt hat. [...] Von Musikern und aus eigener Erfahrung wußte ich, daß Olaf Koch ein ganz schönes Ekel sein konnte. [...] Was sich im Hintergrund abspielte, drang kaum an die Öffentlichkeit.“<ref>Zitiert bei: Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 24f.</ref>

Heribert Beissel (1990–1999)

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Ehemaliger Veranstaltungsort der Barock-Matineen: Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen (2010)

Danach wurde der Dirigent Heribert Beissel, der der sich insbesondere der Wiener Klassik verschrieben fühlt und aus Hamburg kam, in sein Amt gewählt.<ref name="Heine9bis27"/> 1991 erfolgte seine Ernennung zum Generalmusikdirektor, außerdem wurde die Hallische Philharmonie in ein Staatsorchester überführt.<ref name="Heine9bis27"/> Im gleichen Jahr wurde die Gesellschaft der Freunde der Halleschen Philharmonie e. V. gegründet, der ein Kuratorium unter Hans-Dietrich Genscher beistand.<ref name="OB">Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale): Verwaltungsbericht der Stadt Halle für die Jahre 1990–1999. Halle (Saale) 2000, S. 220f.</ref>

Als erste Kapellmeister standen Beissel von 1990 bis 1993 Oliver Pohl<ref name="Heine9bis27"/> und von 1993 bis 1997 Marc Piollet zur Seite.<ref>Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 49.</ref> Die Sinfoniekonzerte des Philharmonischen Staatsorchesters wurden zunächst bis zur Restaurierung im Steintor-Varieté abgehalten.<ref name="Musketa108f.">Konstanze Musketa: Musikgeschichte der Stadt Halle: Führer durch die Ausstellung des Händel-Hauses. Händel-Haus, Halle an der Saale 1998, ISBN 3-910019-13-7, S. 108f.</ref> Ferner wurde das Opernhaus und die Konzerthalle Ulrichskirche genutzt.<ref name="Musketa108f."/> Von 1995 bis 1998 diente der Saal des Kongress- und Kulturzentrums als Übergangsspielstätte.<ref name="Musketa108f."/> 1998 weihte Beissel den Großen Saal der Georg-Friedrich-Händel-Halle in der Nördlichen Innenstadt ein, der ersten festen Spielstätte des Orchesters.<ref>Jörg Clemen, Michael Willing: Die Händel-Halle kostete 67 Millionen Mark und ist seit der Wende der erste Konzertsaal-Neubau im Osten. In: Leipziger Volkszeitung, 17. Oktober 1998, S. 11.</ref> Darüber hinaus veranstaltete man Konzertreihen in der Aula der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg („Wiener Klassik“), im neuen theater („Barock-Musik“) und in der Galerie Galerie Moritzburg („Neue Musik“ mit dem Ensemble Konfrontation).<ref name="Musketa107f">Konstanze Musketa: Musikgeschichte der Stadt Halle: Führer durch die Ausstellung des Händel-Hauses. Händel-Haus, Halle an der Saale 1998, ISBN 3-910019-13-7, S. 107f.</ref> Weiterhin gab es mit „Bella Musica“ eine populäre sinfonische Reihe.<ref name="Musketa107f"/> Für Sonder- und Chorkonzerte standen der Dom und die Moritzkirche zur Verfügung.<ref name="Musketa107f"/> Nicht zuletzt wurden das Händel-Haus für Kammermusik und der Freylinghausen-Saal für Barock-Matineen sowie der Domplatz und der Hof des Händel-Hauses für Freiluftkonzerte genutzt.<ref name="Musketa107f"/> Während Beissels Generalmusikdirektorat gastierte der Klangkörper u. a. in Argentinien, Spanien und Österreich.<ref name="Heine9bis27"/>

Nach Beissels Amtszeitende übernahm 1999/2000 Bernhard Klee ein festes Gastdirigat in Halle.<ref>Johannes Killyen: Staatsphilharmonie Halle. Ausblick in eine unsichere Zukunft. Programm für die nächste Spielzeit vorgestellt. In: Mitteldeutsche Zeitung. 21. März 2000.</ref>

Wolf-Dieter Hauschild (2001–2004)

Von 2001 bis 2004 war Wolf-Dieter Hauschild Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Halle.<ref>Frank Czerwonn: Philharmonie Chefdirigent wirft den Taktstock hin. Wolf-Dieter Hauschild löst Vertrag vorfristig auf. In: Mitteldeutsche Zeitung, 22. Januar 2004.</ref> Er plante ein kombiniertes Programm aus moderner und klassischer Musik samt einem integrierten Jazz-Konzert und einer konzertanten Opernaufführung.<ref>Michael Willing: Staatsorchester Halle. Neue Leitung setzt neue Schwerpunkte. In: Leipziger Volkszeitung, 10. Juli 2001, S. 8.</ref> Hauschild aber verließ dann das Orchester vorzeitig wegen der drohenden Fusion mit dem Orchester des Opernhauses Halle.<ref>Johanes Killyen: Philharmonisches Staatsorchester. Hauschild will Halle den Rücken kehren. Ab Sommer 2004 auch keine Gastdirigate mehr. In: Mitteldeutsche Zeitung, 22. Mai 2003.</ref>

Heribert Esser (2004–2005)

Letzter Chefdirigent war ab 2004 Heribert Esser, der das Orchester in das neue Konzert- und Theaterorchester, Staatskapelle Halle, überführte.<ref>Andreas Hillger: Philharmonisches Staatsorchester Halle. Helfer in der Not erhält Applaus zum Willkommen. Heribert Esser übernimmt die künstlerische Leitung des Ensembles. In: Mitteldeutsche Zeitung, 22. April 2004.</ref>

Chefdirigenten

Hermann Abendroth wurde 1953 zum Ehrendirigenten ernannt.

Uraufführungen (Auswahl)

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Kammermusikensembles

  • Camerata da camera Halle – von Harald Unger gegründetes Barockensemble, das von 1962 bis 1966 öffentlich in Erscheinung trat u. a. in der Moritzburg<ref>Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Halle (Saale) 1999, S. 105f.; Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 17.</ref>
  • 1973 gründete Olaf Koch ein Kammerorchester, dessen Leitung 1984 von Karl-Heinz Zettl übernommen wurde und seinen Schwerpunkt in der Musik des 18. Jahrhunderts, vor allem bei Georg Friedrich Händel hatte;<ref name="Heine23">Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 23.</ref> Konzertreisen führten das Ensemble auch ins westliche Ausland<ref name="Heine24">Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. Halle (Saale) 1997, S. 24.</ref>
  • Darüber hinaus gab es ein Streichquartett, ein Bläserquintett und eine Bläser-Kammermusikvereinigung<ref name="Heine23"/>
  • Hans Jürgen Wenzel begründete 1979 das auf Neue Musik spezialisierte Ensemble Konfrontation, das sich ab 1983 bei den Händel-Festspielen sowie den Hallischen Musiktagen engagierte; ab 1989 wurde es von Thomas Müller fortgeführt<ref name="Heine25f"/>

Auszeichnungen

  • 1960: Händelpreis des Bezirkes Halle<ref>Christoph Rink: Chronologie des Händelpreises. In: Mitteilungen des Freundes- und Förderkreises des Händel-Hauses zu Halle e. V. 1/2012, S. 20–25, hier: S. 23.</ref>
  • 1969: Bester der 1. Etappe des Orchesterwettbewerbs der DDR<ref>Wanderpreis ging nach Halle. Die Sieger im Hans-Otto-Wettbewerb. In: Neue Zeit, 14. Dezember 1969, Jg. 25, Ausgabe 294, S. 6.</ref>
  • 1976: Händelpreis des Bezirkes Halle<ref>Christoph Rink: Chronologie des Händelpreises. In: Mitteilungen des Freundes- und Förderkreises des Händel-Hauses zu Halle e. V. 1/2012, S. 20–25, hier: S. 24.</ref>
  • 1989: Interpretenpreis der Musik-Biennale Berlin (mit dem Ensemble Konfrontation)<ref>Konzert zum Auftakt der Xu. Berliner Musik-Biennale. In: Neues Deutschland, 18. Februar 1989, Jg. 44, Ausgabe 42, S. 4.</ref>

Literatur

  • Susanne Baselt: Chronik des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Teil I: 1946 bis 1964. Hrsg. von der Direktion des Philharmonische Staatsorchesters Halle, Halle (Saale) 1999.
  • Gisela Heine: Das Philharmonische Staatsorchester Halle. G. Heine, Halle (Saale) 1997.
  • Gisela Heine: Tradition und Moderne. 50 Jahre Staatsorchester Halle. In: das Orchester 1/1997, S. 44.
  • Konstanze Musketa: Musikgeschichte der Stadt Halle: Führer durch die Ausstellung des Händel-Hauses. Händel-Haus, Halle an der Saale 1998, ISBN 3-910019-13-7, S. 82f., 86, 107f.
  • Gilbert Stöck: Neue Musik in den Bezirken Halle und Magdeburg zur Zeit der DDR. Kompositionen, Politik, Institutionen. Schröder, Leipzig 2008, ISBN 978-3-926196-50-7, S. 247ff.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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