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Nordisches Modell für Prostitution

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Begriff Nordisches Modell (auch als Gleichstellungsmodell bezeichnet<ref>Maria Noichl, Berichterstatterin des Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter des Europäischen Parlaments: BERICHT über die Regulierung der Prostitution in der EU: ihre grenzübergreifenden Auswirkungen und ihr Einfluss auf die Gleichstellung und die Frauenrechte. In: europarl.europa.eu. 30. August 2023, abgerufen am 19. November 2023.</ref>) steht für eine Form des Verbots von Prostitution und hat keinen Bezug zum Nordischen Modell im Bereich der Sozialpolitik. Es handelt sich um eine „asymmetrische Kriminalisierung“ bei der die Person, die sexuelle Dienstleistungen anbietet, dafür nicht bestraft wird.<ref>The Nordic Model of Prostitution Legislation: Health, Violence and Spillover Effects • FREE NETWORK. 21. April 2019, abgerufen am 2. Juli 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Das bekannteste Element des Nordischen Modells ist die Kriminalisierung der Kunden von Prostituierten durch das sog. Sexkaufverbot. Die Kriminalisierung der Kunden wurde erstmals 1999 in Schweden eingeführt, weshalb lange von einem schwedischen Modell die Rede war.<ref></ref>

Das Nordische Modell wird hauptsächlich von religiösen Organisationen und kleineren Bündnissen und Vereinen unterstützt. Menschenrechts- und Hilfsorganisationen, Sozialverbände und Prostituierte selbst lehnen das Modell überwiegend ab. Weltweit haben nur 8 von 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen das Nordische Modell eingeführt.

Konzept und Verbreitung des Nordischen Modells

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Die konkrete Gestaltung des Verbotes unterscheidet sich stark zwischen den skandinavischen Ländern, die es eingeführt haben. Wissenschaftler haben betont, dass der Begriff „Nordisches Modell“ daher eher einen Überbegriff unterschiedlicher Ansätze zum Erreichen des gleichen Ziels darstellt.<ref>Charlotta Holmström, Justice, Home Affairs, May-Len Skilbrei|5 Comments: The ‘Nordic model’ of prostitution law is a myth. In: EUROPP. 3. Januar 2014, abgerufen am 26. November 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Aufbau und Konzept

Der Modellcharakter des Nordischen Modells entspringt aus der Kombination strafrechtlicher und sozialpolitischer Maßnahmen, wobei die Kriminalisierung von Kunden, also der einvernehmlichen entgeltlichen Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen (Sexkaufverbot), als unentbehrliches Kernstück gilt. Unterstützer des Modells zeichnen es als Vier-Säulen-Modell, das jedoch an vielen Stellen unpräzise ist, insbesondere hinsichtlich der Nachteile, welche die Deregulierung mit sich bringt.

  1. umfassende Kriminalisierung auch einvernehmlicher Prostitution, darunter insbesondere: Inanspruchnahme entgeltlicher sexueller Dienstleistungen (in den Debatten auch Sexkaufverbot genannt), Vermietung von Arbeits- und Wohnräumen an Prostituierte, Vermittlung von sexuellen Dienstleistungen, gemeinsames Arbeiten von Prostituierten,
  2. Nicht-Bestrafung des Anbietens sexueller Dienstleistungen,
  3. Angebote zum Ausstieg aus der Prostitution, unter der Bedingung, dass die Sexarbeit sofort eingestellt wird,
  4. Aufklärungs- und Bildungsmaßnahmen in der Bevölkerung gegen Prostitution

Insgesamt versucht das Modell, Prostitution weitgehend einzudämmen, indem es die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen zu reduzieren versucht.<ref name="Nordic Model Now">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig What is the Nordic Model?] In: Nordic Model Now! Nordic Model Now!, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Verbreitung

In chronologischer Reihenfolge haben folgende Länder, davon drei nordische, das Nordische Modell in verschiedenen Varianten eingeführt:

Folgende Länder haben das Modell bisher nach einer parlamentarischen Debatte abgelehnt:

Nordische Länder ohne „Nordisches Modell“

Mit Dänemark und Finnland haben zwei der fünf nordischen Staaten das Modell nicht eingeführt. Die Inanspruchnahme legaler sexueller Dienstleistungen gegen Entgelt ist dort erlaubt.<ref name=":6" />

Geschichte und Umsetzung

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Datei:Countries that adopted the Nordic Model approach on prostitution (2019).png
Länder, die das Nordische Modell implementiert haben (2019)

Das Modell wurde 1999 in Schweden entwickelt und im Zuge eines Gesetzespakets gegen Gewalt an Frauen eingeführt (Kvinnofrid-Gesetz). Diesem Beispiel folgten 2009 Norwegen (Sexkjøpsloven – Sex-Käufer-Gesetz)<ref name="AmnestyUSA">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig THE HUMAN COST OF 'CRUSHING' THE MARKET.] In: amnestyusa. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> und Island. Umfragen zufolge befürworteten dort 70 % der Bevölkerung die Kriminalisierung der Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen.<ref name="Jafnréttisstofa">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig A new law makes purchase of sex illegal in Iceland.] In: jafnretti.is. Jafnréttisstofa – The Centre for Gender Equality, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Kanada führte 2014 als Teil des Protection of Communities and Exploited Persons Act (Beschluss zum Schutz von Gemeinden und ausgebeuteten Personen) ein Sexkaufverbot ein.<ref name="conversation">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Canada's laws designed to deter prostitution, not keep sex workers safe.] In: theconversation.com. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> In Nordirland trat eine ähnliche Regelung 2015 in Kraft.<ref name="reuters">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Reuters, Juni 2015. Abgerufen am 1. August 2019 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Frankreich folgte 2016.<ref name="feministcurrent">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig France adopts the Nordic model.] In: feministcurrent.com. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> In Irland wurde die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen 2017 als Teil des Sexual Offenses act (Gesetz zu Sexualstraftaten) kriminalisiert.<ref name="Nordic Model Now 2">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Lessons from Ireland on Prostitution.] In: Nordic Model Now! Nordic Model Now!, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> In Israel trat am 10. Juli 2020 ein Sexkaufverbot in Kraft.<ref name="jpost">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig ISRAEL BECOMES 10TH COUNTRY TO CRIMINALIZE HIRING PROSTITUTES.] In: jpost.com. The Jerusalem Post, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Schweden

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Bereits 1999 führte Schweden als erstes Land das Nordische Modell zum Sexkaufverbot ein.<ref name="ZEI" /> Im Jahre 2008 berief die schwedische Regierung ein Komitee ein, das die Wirkung des Modells zwischen 1999 und 2008 evaluieren sollte. Diesem Komitee stand Anna Skarhed, ehemalige Richterin des obersten Gerichtshofes, vor. Es kam zum Ergebnis, dass ein Rückgang der Straßenprostitution um 50 % auf die Einführung des Sexkaufverbots zurückführbar sei. Im Vergleich der Städte Oslo, Kopenhagen und Stockholm zeigte sich, dass während des Jahres 1999 die Straßenprostitution in allen drei Städten einen vergleichbaren Umfang hatte, er sich in Stockholm 2008 auf etwa 30 % des Umfangs in den beiden anderen Städten reduziert hatte.<ref name="europa">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig “The Ban against the Purchase of Sexual Services. An evaluation 1999–2008”.] Swedish Institute, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Laut dem Bericht hätten zum damaligen Zeitpunkt keine Informationen vorgelegen, die darauf hindeuten, dass frühere Straßen-Prostituierte nach dem Sexkaufverbot vermehrt in der In-Haus-Prostitution tätig sind.<ref name="europa" /> Der Regierungsbericht bestätigte die eigene Vorgehensweise und stellte erwartungsgemäß fest, dass Frauen, die sich weiterhin prostituierten, das Sexkaufverbot kritisch sahen, Aussteigerinnen dagegen positiv.<ref>Regeringen och Regeringskansliet: Evaluation of the prohibition of the purchase of sexual services. 8. März 2011, abgerufen am 26. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Bericht betonte auch, dass die negativen Folgen des Gesetzes für Sexarbeitende aus der Perspektive der Prostitutionsbekämpfung positiv zu betrachten sind.<ref name="europa" />

Weitere Ergebnisse legte das Komitee für Frauenrechte und Gleichstellung der Europäischen Union 2013 vor. Demnach sei die Anzahl von Prostituierten in Dänemark trotz der kleineren Gesamtbevölkerung ungefähr zehnmal so hoch wie in Schweden. Das Komitee führte auch einen Wandel in der öffentlichen Meinung auf das neue Gesetz zurück. So hätten sich 1995 noch 45 % der Frauen und 20 % der Männer dafür ausgesprochen, die Inanspruchnahme von Sexdienstleistungen zu kriminalisieren. Demgegenüber hätten sich 2008 rund 79 % der Frauen und 60 % der Männer dafür ausgesprochen. Unter Verweis auf Angaben schwedischer Polizeibehörden stellte das Komitee ferner fest, dass das neue Gesetz vor Menschenhandel und sexueller Ausbeutung abschrecke.<ref name="europarl">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig On sexual exploitation and prostitution and its impact on gender equality.] In: europarl.europa.eu. European Parliament, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Auswirkung des Sexkaufverbots auf sich weiterhin prostituierende sowie auf ausstiegswillige Frauen:

  • Die Bereitschaft der Kunden, sich in der Öffentlichkeit zu nähern, hat aus Angst vor Bestrafung stark abgenommen.
  • Missstände werden der Polizei seltener gemeldet im Fall von Prostituierten, die entweder keine Aufenthaltserlaubnis vorweisen können, oder eigenen Wohnraum gesetzeswidrig für ihre Tätigkeit nutzen. Von Zwangsprostituierten, die zum Ausstieg bereit sind, kann jedoch eine größere Bereitwilligkeit zur Kooperation mit den Behörden erwartet werden, da sie vom Staat soziale und juristische Unterstützung erhalten.<ref>Gunilla S. Ekberg: SWEDISH LAWS, POLICIES AND INTERVENTIONS ON PROSTITUTION AND TRAFFICKING IN HUMAN BEINGS: A COMPREHENSIVE OVERVIEW. Februar 2018, abgerufen am 29. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • Von den mit der Polizei eng zusammenarbeitenden Sozialarbeitern wird den Frauen konkrete Unterstützung und Beratung angeboten.<ref>Wanjiku Kaime-Atterhög (Konrad-Adenauer-Stiftung): Perspectives on the Swedish Model to prevent and combat prostitution and trafficking for purposes of sexual exploitation (S.10/11). (PDF) S. 20, abgerufen am 12. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • Bei der Anfrage nach Haus- und Hotelbesuchen nehmen Anrufe mit unterdrückter Nummer zu.

In einer Studie der schwedischen Gleichstellungsbehörde aus dem Jahr 2021 wurde zwar eine Abnahme der Straßenprostitution, jedoch auch eine Zunahme der Prostitutionsangebote über Escort- und Sugardatingwebseiten festgestellt. Auch die Anzahl der Kinder in der Prostitution habe sich erhöht. Einer Erhebung der schwedischen Gesundheitsbehörde aus dem Jahr 2017 zufolge hatten trotz der Einführung des Nordischen Modells 10 % der Männer und 0,5 % der Frauen mindestens einmal sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt in Anspruch genommen und 1,5 % aller Frauen sowie 1 % aller Männer für sexuelle Handlungen Geld erhalten.<ref>Swedish Gender Equality Agency: Prostitution policy in Sweden. (PDF) 12. November 2021, abgerufen am 12. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Seit 2025 sind in Schweden auch bestimmte Online-Sexdienstleistungen wie Webcam-Übertragungen und bestimmte Formen von Pornographie illegal.<ref>European Digital Rights: Sweden further cracks down on sex workers: What it means for digital rights, 28. Mai 2025, abgerufen am 21. Juni 2025.</ref>

Norwegen

Zehn Jahre nach Schweden führte Norwegen 2009 als zweites Land Gesetzesänderungen ein, die den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe stellten.<ref name="NOR" />

Fünf Jahre nach der Einführung des Nordischen Modells in Norwegen ergab eine Studie, dass es dort Prostitution und Menschenhandel dämpfe. Schätzungsweise habe sich die Straßenprostitution seit Einführung des Gesetzes um 45–60 % reduziert.<ref name="regjeringen">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Evaluering av forbudet mot kjøp av seksuelle tjenester.] In: regjeringen.no. Justis- og beredskapsdepartementet, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 2. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung p. 7.</ref> Außerdem habe sich die Kundenzusammensetzung von Prostituierten verändert: Junge Männer und Männer gehobener sozialer Herkunft nahmen seltener, Ausländer anteilig hingegen öfter Sexdienstleistungen in Anspruch. Umfragen zufolge neigten vor allem junge Männer stärker dazu, Prostitution abzulehnen.<ref name="regjeringen3">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Evaluering av forbudet mot kjøp av seksuelle tjenester.] In: regjeringen.no. Justis- og beredskapsdepartementet, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 2. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung p. 9.</ref>

Der Evaluationsbericht der norwegischen Regierung von 2014 sieht keine Erhöhung von Gewalt gegen Prostituierte nach Einführung des Sexkaufverbots. Allerdings zeigen sich bei solchen Prostituierten, die über keine Aufenthaltserlaubnis verfügen, oder diese aufgrund ihrer Tätigkeit zu verlieren fürchten sowie bei Beteiligten, die ihre Wohnung zur Prostitutionsausübung nutzen, oder vermieten, eine höhere Hemmschwelle, erlittene Gewalt anzuzeigen.<ref></ref>

Island

Zeitgleich mit der Einführung in Norwegen wurde das Nordische Modell 2009 in Island etabliert. Nach Angaben der dortigen Polizei im Jahr 2017 habe das Gesetz sein Ziel nicht erfüllt. In den 18 Monaten bis zur Veröffentlichung des Berichts sei es zu einer „Explosion“ der Prostitution gekommen.<ref name="icemon">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Organized Crime and Prostitution on the rise in Iceland.] In: Iceland Monitor. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 2. Februar 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Dabei stamme die Mehrzahl der Prostituierten aus Osteuropa, den baltischen Staaten und Südamerika, die nach Angaben der Polizei Opfer organisierter Kriminalität und Menschenhandel seien. Auf diesem Wege sei Island zu einem beliebten Ziel von Sextouristen geworden.<ref name="icerev">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Sex Tourism a Problem in Iceland.] In: Iceland Review. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 2. Februar 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Für diese Entwicklung werden mehrere Faktoren benannt. Insbesondere Opfer des Menschenhandels hätten nicht mit der Polizei kooperiert und daher nicht gegen die Täter ausgesagt. Außerdem habe Island an touristischer Bedeutung gewonnen, was zu einer erhöhten Nachfrage nach Sexdienstleistungen führen könne. Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Zugehörigkeit Islands zum Schengenraum, sodass fehlende Grenzkontrollen auch den Menschenhandel aus ärmeren EU-Staaten nach Island begünstigten. Insbesondere sei bei einem dreimonatigen Aufenthalt kein Visum und keine behördliche Registrierung nötig.<ref name="grapevine">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Prostitution In Iceland Mostly Occurring In AirBnB Apartments.] In: grapevine.is. grapevine, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 4. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Einzelne Autoren werfen der Justiz vor, Prozesse wegen der Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen und dort nur relativ geringe Geldstrafen zu verhängen, was nicht genügend abschrecke.<ref name="sigriduringibjorg">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig The effect of the law on prostitution in Iceland – Changing laws, changing attitudes.] In: sigriduringibjorg.is. Ingebjörg, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 4. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Von der für die Bekämpfung von Menschenhandel zuständigen US-Behörde Office to Monitor and Combat Trafficking in Persons wurde Island im Jahre 2017 von einem Tier 1 (erfüllt alle Minimum-Standards) zu einem Tier 2 (erfüllt nicht alle Minimum-Standards) herabgestuft.<ref name="state17">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Iceland 2017 Trafficking in Persons Report.] In: U.S. Department of State. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. Februar 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Frankreich

Das entsprechende Gesetz wurde von ca. 70 nationalen NGOs vorbereitet und 2019 in Zurückweisung der Klage weiterer NGOs vom französischen Verfassungsgericht bestätigt, welches damit bestätigte, dass Prostitution Gewalt gegenüber Frauen sei.<ref>ssk: Frankreich untermauert Sexkaufverbot. In: Stoppsexkauf. Abgerufen am 30. September 2022.</ref><ref>TDF-Webredaktion: TERRE DES FEMMES - Menschenrechte für die Frau e. V. - Französisches Verfassungsgericht erklärt Sexkaufverbot als verfassungskonform! Abgerufen am 30. September 2022.</ref> Das Gericht ließ damit auch nicht die Argumentation des „Syndikats der Sexarbeit“ STRASS gelten, dass ein Sexkauf-Verbot weiterhin tätige Prostituierte großen Gefahren aussetzen würde. Allerdings droht ihnen bei Vorliegen eines Verstoßes gegen die Aufenthaltsbestimmungen zeitnah die Abschiebung. Zwischen 2016 und 2020 wurden 5000 Sexkäufer gerichtlich belangt.

Die Unterstützung Ausstiegswilliger beinhaltet eine dreimal erneuerbare sechsmonatige Aufenthaltsgenehmigung, Unterstützung bei Umschulung, Wohnungsbeschaffung, Bildung und eine monatliche Hilfe von 330 € für maximal drei Jahre. Für Letztere wird allerdings von unterschiedlichen Seiten eine deutliche Erhöhung gefordert.<ref>FrankreichWas hat das Prostituiertengesetz gebracht? Deutschlandfunk, abgerufen am 26. Juni 2021.</ref> Insgesamt wird das Sexkaufverbot erwartungsgemäß von Abolitionisten auf der einen und Prostitutionsunterstützern auf der anderen Seite sehr unterschiedlich bewertet. Generell werden jedoch die anhaltenden Anlaufschwierigkeiten des Gesetzes vor allem in Form noch mangelnder Sensibilisierung der befassten Behörden kritisiert. Die staatliche Hilfe zur Überwindung dieser Probleme ist einer der wichtigen Bestandteile des Gesetzes gegen die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen und ihr Ausbau Befürwortern des Modells zufolge dringend erforderlich.<ref>FACT-S. Abgerufen am 30. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Einem Bericht des französischen Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2021 zufolge arbeiteten trotz der Einführung des Nordischen Modells in Frankreich zwischen 7.000 und 10.000 Minderjährige in der Prostitution. Hierbei handele es sich hauptsächlich um Mädchen aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten, die von Zuhältern oft gezielt über das Internet in die Prostitution gelockt würden. Die Anzahl minderjähriger Prostituierter sei dem Bericht zufolge seit Einführung des Nordischen Modells im Jahr 2016 um 340 % angestiegen.<ref>Ministère des Solidarités et de la Santé: Combattre la prostitution des mineurs, mieux prévenir et mieux accompagner les victimes, 12. Juli 2021, abgerufen am 5. Dezember 2023.</ref>

Im Dezember 2025 gab die größte Oppositionspartei Rassemblement National, die bis dahin die Prostitutionsgesetzgebung der Macron-Regierung weitgehend unterstützt hatte, ihre Abkehr vom Nordischen Modell bekannt. In einem mit Unterstützung von Parteichefin Marine Le Pen eingebrachten Gesetzesentwurfs fordert die Partei nun die Legalisierung von durch die Prostituierten selbst verwalteten genossenschaftlich organisierten Prostitutionsstätten. Das Nordische Modell habe die Situation der Prostituierten verschlechtert, ihre Tätigkeit in den Untergrund gedrängt und unsicherer gemacht. Prostituierte seien dadurch vermehrt Opfer von Gewalt bis hin zu Mord geworden. Das Nordische Modell sei „der Gipfel bürgerlicher Heuchelei“.<ref>Euronews: Französische Rechte wollen Bordelle legalisieren, 10. Dezember 2025, abgerufen am 12. April 2026.</ref>

Eine vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Jahr 2019 im Auftrag der prostitutionskritischen Vereinigung Coalition against Prostitution CAP International veröffentlichte Befragung ergab unter den Befragten 78 % Zustimmung zum Nordischen Modell.<ref>Mouvement du Nid: En trois ans, la loi a déjà changé beaucoup de choses! - Mouvement du Nid. 11. April 2019, abgerufen am 30. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In einer im November 2025 vom selben Institut ebenfalls im Auftrag einer prostitutionskritischen Organisation durchgeführten Umfrage unterstützten über 90 % der Befragten das Nordische Modell. 76 % stimmten der Aussage zu, dass Prostitution „eine Form von Gewalt“ sei.<ref>Fondation Scelles: Prostitution : que pensent vraiment les Français.es en 2025? Résultats du sondage Ipsos-bva pour la Fondation Scelles, 27. November 2025, abgerufen am 12. April 2026.</ref>

Irland

In Irland wurde die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen 2017 als Teil des Sexual Offenses act (Gesetz zu Sexualstraftaten) kriminalisiert.<ref name="Nordic Model Now 2" /> Gemäß einer vom Irischen Justizministerium finanzierten Studie der Universität Limerick aus dem Jahr 2022 setzt die Einführung des Nordischen Modells die Prostituierten der Gefahr der Willkür und Misshandlung durch die Strafverfolgungsbehörden aus. So hätten 20 % der Prostituierten in der Studie berichtet, dass sie von Polizeibeamten sexuell ausgebeutet worden seien.<ref>University of Limerick: New University of Limerick research finds street sex workers face ‘discriminatory behaviour’ from Gardaí. 25. August 2022, abgerufen am 13. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Betreiber einer App, mit der Prostituierte gegen sie begangene Straftaten melden können, berichteten, dass sich die Anzahl der gemeldeten Straftaten nach der Kriminalisierung um 90 % erhöht habe.<ref></ref>

Israel

In Israel wurde ein an das Nordische Modell angelehntes Gesetz, das eine zunächst zeitlich befristete Kriminalisierung der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen vorsieht, im Jahr 2020 verabschiedet. Einer Evaluation im Jahr 2025 zufolge sieht die dortige Regierung die Einführung des Modells als erfolgreich an. Das Sexkaufverbot sei laut Justizminister Yariv Levin „ein sozialer Fortschritt von höchster Bedeutung“. Die psychosoziale Betreuung und Ausstiegshilfen für Prostituierte sollen jetzt, dem Nordischen Modell folgend, ausgebaut werden. Einer jüngeren Studie zufolge erhöhte sich die gesellschaftliche Zustimmung zur Kriminalisierung der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen von 39 % im Jahr 2016 auf 72 % im Jahr 2025. Der erhoffte Rückgang der Nachfrage nach Prostituierten sei jedoch trotz der Gesetzesänderung weitgehend ausgeblieben.<ref>Jüdische Allgemeine: Israel sieht Sexkaufverbot als Erfolgsmodell, 28. Februar 2025, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

Vereinigte Staaten von Amerika

Im Juni 2023 hob der Bundesstaat Maine das Verbot für den Verkauf von Sex auf, behielt aber die Strafen für den Kauf von Sex bei.<ref></ref> 2022 legte die Senatorin Liz Krueger dem Senat von New York einen ähnlichen Gesetzesentwurf vor. Dieser befindet sich seitdem im Senatsausschuss.<ref>NY State Senate Bill 2021-S6040A. Abgerufen am 17. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Should sex work be legal in New York? Abgerufen am 17. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ebenso gingen die Strafverfolgungsbehörden in manchen Justizbezirken in anderen Bundesstaaten, wie etwa in Manhattan<ref>Rolling Stone: New York City Just Made a Dramatic Announcement Regarding Sex Workers’ Rights, 21. April 2021, abgerufen am 27. November 2025.</ref>, dazu über, Prostitutionsdelikte nicht mehr zu verfolgen, was der vom Nordischen Modell geforderten Entkriminalisierung der Angebotsseite gleichkommt. Der im November 2025 zum Bürgermeister von New York City gewählte Zohran Mamdani lehnte als Abgeordneter im New Yorker Stadtparlament das nordische Modell noch ausdrücklich ab<ref>Candidate Answers to JOLDC: Zohran Mamdani for NY Assembly District 36. 14. Februar 2022, abgerufen am 15. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, sprach sich aber im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt dem Nordischen Modell entsprechend für eine weitgehende Dekriminalisierung von Prostitution bei gleichzeitig grundsätzlicher Beibehaltung von Strafen für die entgeltliche Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen aus.<ref>Politico: Mamdani maintains muddled view on sex work, 23. September 2025, abgerufen am 27. November 2025.</ref>

Da in den USA bisher fast im gesamten Land sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach entgeltlichen sexuellen Dienstleistungen illegal ist, entspricht das Nordische Modell anders als in den europäischen Ländern, in denen das Modell eingeführt wurde, dort einer Liberalisierung des gesellschaftlichen Umgangs mit Prostitution.

Situation in Deutschland

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Bis zum Jahr 2002 galt Prostitution in der Bundesrepublik Deutschland als sittenwidrig. Ein Lohn für sexuelle Dienstleistungen konnte nicht rechtmäßig verlangt oder eingeklagt werden. Bordelle operierten in einer rechtlichen Grauzone, wurden jedoch vielfach von den Behörden geduldet. Für Prostituierte waren die Einnahmen aus der Prostitution steuerfrei. Seit der Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes im Jahr 2002 verfolgt Deutschland eine liberale Prostitutionspolitik. Sowohl das Angebot als auch die Nachfrage sexueller Dienstleistungen ist in Deutschland legal und reguliert. Bordelle können mit staatlicher Zulassung eröffnet werden und Prostituierte selbständig oder als Angestellte sexuelle Dienstleistungen anbieten. Einnahmen aus der Prostitution sind seitdem steuerpflichtig.

Allerdings machen sich Kunden von Zwangsprostituierten seit dem 15. Oktober 2016 nach § 232a Absatz 6 StGB strafbar, wenn sie vorsätzlich gehandelt haben. Seit der am 10. November 2016 in Kraft getretenen Sexualstrafrechtsreform kommt auch eine Bestrafung nach § 177 StGB wegen sexuellen Übergriffs bzw. Vergewaltigung in Betracht. Seit 1. Oktober 2021 macht sich der Kunde auch dann nach § 232a Absatz 6 StGB strafbar, wenn er leichtfertig nicht erkennt, dass es sich um eine Zwangsprostituierte handelt.<ref>Bundesgesetzblatt. (PDF) Abgerufen am 13. März 2022.</ref>

Seit 1. Juli 2017 ist das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft<ref>Bundesministerium für familie senioren frauen und jugend: Fragen und Antworten zum Prostituiertenschutzgesetz. Abgerufen am 6. Juli 2024.</ref>, das weitreichende Regulierungsmaßnahmen für die Prostitution vorschreibt. Unter anderem wurden eine Kondompflicht, eine Pflicht zur behördlichen Anmeldung und Gesundheitsberatung für Prostituierte und zahlreiche Auflagen für das Betreiben von Prostitutionsstätten eingeführt. Außerdem wurde die Rechtsstellung von Prostituierten gegenüber von Prostitutionsstättenbetreibern gestärkt, beispielsweise durch ein Verbot von Pauschalpreisvorgaben sowie einem generellen Verbot der Einmischung des Betreibers in die Gestaltung von Preisen und Leistungen der Prostituierten.<ref>Deutscher Bundestag: Gesetzesentwurf zum Prostitutionsschutzgesetz, Begründung S. 78f. u. S. 90, 25. Mai 2016, abgerufen am 11. Dezember 2025.</ref>

Positionierungen in der Politik

In einem Positionspapier der CDU/CSU-Fraktion vom Februar 2021 werden repressive Maßnahmen gefordert, die u. a. auch ein Sexkaufverbot einschließen können. So sollte die Kriminalisierung der Käufer, die wissentlich und willentlich die Dienstleistungen von Betroffenen von Menschenhandel in Anspruch nehmen, verschärft werden (vgl. oben), Kontrollen sollen vor allem der Überprüfung des ggf. kriminellen Umfeldes dienen, Programme für Prävention und Ausstiegshilfen (im Besonderen für Schwangere) sollen aufgebaut werden. In dem Positionspapier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion heißt es: „Wir werden das Monitoring auswerten und, falls die Regelungen nicht zum gewünschten Schutz von Prostituierten geführt haben, weitere Maßnahmen vorschlagen und auch ein Sexkaufverbot in Betracht ziehen.“<ref>Prostituierte schützen – Zwangsprostitution bekämpfen – Ausstiegsangebote stärken. (PDF) Positionspapier der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, 9. Februar 2021, S. 4, abgerufen am 5. April 2021.</ref> Im November 2023 forderten Vertreter der CDU Deutschlands sowie die CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Einführung eines Sexkaufverbots in Anlehnung an das Nordische Modell. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dorothee Bär sagte zur Begründung in einem Zeitungsinterview, die „Menschenwürde“ der Prostituierten ließe sich „nur mit einem Systemwechsel“ schützen. Man könne Frauen in der Prostitution nicht retten, sondern müsse sie vor der Prostitution retten.<ref>Tagesspiegel, 7. November 2023: Sexkauf soll verboten werden: Unionsfraktion will Freier bestrafen, abgerufen am 8. November 2023.</ref><ref>Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. November 2023: [SPD-Politikerin: Unionsbeschluss für Sexkaufverbot ist richtig], abgerufen am 17. November 2023.</ref> Der Landesverband CDU NRW lehnt die Einführung eines Sexkaufverbots hingegen ab.<ref>Schweden rügt NRW-CDU! Abgerufen am 14. Oktober 2022.</ref> Am 20. Februar 2024 forderten CDU und CSU in einem formellen Antrag den Deutschen Bundestag zu einer Einführung des Nordischen Modells auf. Der Antrag fordert gemäß dem Dreisäulenmodell den Ausbau von Präventionsmaßnahmen, vermehrte Ausstiegshilfen, die Einführung einer Strafbarkeit der entgeltlichen Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen, verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung von Zwangsprostitution und Menschenhandel sowie die Stärkung der Durchsetzungsautorität der Verwaltungs- und Vollzugsorgane. Die Beschlussvorlage wurde zur weiteren Beratung an die Ausschüsse des Parlaments überwiesen.<ref>Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Menschenunwürdige Zustände in der Prostitution beenden – Sexkauf bestrafen, 20. Februar 2024, abgerufen am 23. Februar 2024.</ref> Sie fiel infolge der Bundestagswahl 2025 der Diskontinuität anheim. Im November 2025 sprachen sich Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (beide CDU) für ein Sexkaufverbot aus.<ref>Warken spricht sich für Sexkaufverbot aus. Abgerufen am 6. November 2025.</ref>

Das im Europaparlament und mehreren Landesparlamenten vertretene Bündnis Sahra Wagenknecht unterstützt ebenfalls das Nordische Modell und fordert eine Kriminalisierung der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen. Die Liberalisierung von Prostitution habe der Partei zufolge zur „Normalisierung des Frauenkaufs“ beigetragen. Prostitution bedeute für einen Großteil der Frauen Zwang, Gewalt und Ausbeutung.<ref>Emma: Wir fragen – die Parteien antworten, 14. Februar 2025, abgerufen am 26. Mai 2025.</ref>

In einem Beschluss des SPD-Parteivorstandes vom 16. November 2020 steht: „Ein Sexkaufverbot lehnen wir derzeit ab.“ Innerhalb der Landesverbände der SPD gibt es unterschiedliche Positionen. So beschloss am 12. Oktober 2019 die SPD Baden-Württemberg auf ihrem Landesparteitag in Heidenheim, sich für ein Sexkaufverbot nach nordischem Vorbild einzusetzen.<ref>SPD Baden-Württemberg: Umsetzung des Nordischen Modells in der Prostitution. (PDF) 12. Oktober 2019, abgerufen am 4. November 2019.</ref> Der SPD-Landesverband Schleswig-Holstein lehnt das Nordische Modell hingegen ab.<ref name=":2">Sexarbeit: Wir lehnen das Nordische Modell ab. Abgerufen am 26. November 2019.</ref> Die Frauenorganisation der SPD konnte sich im Jahr 2025 nicht auf eine gemeinsame Position zum Thema Prostitution einigen, wobei von Teilen der Organisation das Nordische Modell gefordert wurde, wohingegen eine andere Gruppe die Selbstbestimmung der in der Sexarbeit tätigen Frauen betont und das Nordische Modell ablehnt.<ref>Bundesvorstand der SPD Frauen: Antrag & Positionspapiere zum Themenbereich Sexarbeit, 28. Oktober 2025, abgerufen am 16. Januar 2026.</ref> Eine prominente Verfechterin des Prostitutionsverbotes nach dem Nordischen Modell ist die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier. Sie gründete zusammen mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich (CDU) 2019 einen Parlamentskreis für ein Sexkaufverbot.<ref name=":4">„Nordisches Modell“ Allianzen für ein Sexkaufverbot. In: TAZ. TAZ, abgerufen am 22. Dezember 2019.</ref> Ziel des Parlamentskreises ist die strategische Vorbereitung der Einführung des Verbotes auch in Deutschland.<ref>Lauterbach fordert Prostitutionsverbot. Pro Medienmagazin, 27. September 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.</ref> Vereinzelt sprachen sich dann auch Landtagsabgeordnete, insbesondere aus Baden-Württemberg, für die Einführung des Nordischen Modells aus.<ref name=":3">Landesparteitag in Heidenheim. Abgerufen am 4. November 2019.</ref>

Zuletzt hat die Partei Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag für das Nordische Modell beim Bundesparteitag 2021 abgelehnt. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Ulle Schauws, spricht sich gegen das Nordische Modell einer Kriminalisierung der Käufer von sexuellen Dienstleistungen aus. Prostitution würde dann in der Illegalität stattfinden, „ohne Möglichkeit für die Prostituierten, Schutz zu bekommen“.<ref>Prostitution: Vorstoß für Nordisches Modell ist umstritten - WELT. 17. Oktober 2019, abgerufen am 25. Juli 2023.</ref>

Die FDP lehnt das nordische Modell ab. „Eine effektive Verbesserung der Zustände braucht nicht mehr Verbotsgesetze“, sagte die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Nicole Bauer.<ref>Prostitution: Vorstoß für Nordisches Modell ist umstritten - WELT. 17. Oktober 2019, abgerufen am 25. Juli 2023.</ref>

Die Alternative für Deutschland lehnt das Modell mit verschiedenen Begründungen ab. Die frauenpolitische Sprecherin Mariana Harder-Kühnel begründete die Ablehnung mit einer zu erwartenden Verlagerung von Prostitution in die Illegalität und einem entstehenden Monopol der organisierten Kriminalität. Sie befürwortet eine vollständige Legalisierung der Prostitution und begründet diese mit der sexuellen Selbstbestimmung und der individuellen Freiheit der Bürger.<ref>Wie steht die AfD zu Prostitution und Sexarbeit? | Frage an Stephan Brandner (AfD). In: abgeordnetenwatch.de. 17. September 2024, abgerufen am 18. Januar 2026.</ref> Im Februar 2024 begründete der Abgeordnete Thomas Ehrhorn die Ablehnung des Modells ebenso mit seiner Untauglichkeit, die Prostitution abzuschaffen und verwies auf die Verlegung des Strafverfolgungsschwerpunkts von Menschenhändlern und Zuhältern auf Kunden, die lediglich eine Dienstleistung in Anspruch nehmen wollten. Weiter sei ein „dramatischer Anstieg der Vergewaltigungsrate“ zu erwarten.<ref>Youtube, 29. Februar 2024: So denkt die AfD über Prostitution! - Thomas Ehrhorn - AfD-Fraktion im Bundestag, abgerufen am 22. März 2024.</ref>

Die Partei Die Linke lehnt das Nordische Modell mehrheitlich ab. Insbesondere die Bundestagsfraktion sowie programmatische Beschlüsse auf Bundes- und Europaebene sprechen sich dagegen aus. Sie betont den Schutz der Rechte, der Gesundheit und der sozialen Absicherung von Sexarbeitenden, fordert den Ausbau von Beratungs- und freiwilligen Ausstiegsangeboten und versteht Sexarbeit in ihrer offiziellen Programmatik als Teil von Erwerbsarbeit, deren Regulierung auf Solidarität, Selbstbestimmung und arbeitsrechtlichen Schutz statt auf repressive ordnungs- und strafrechtliche Maßnahmen zielen soll.<ref name="Reichinnek2024">Rede von Heidi Reichinnek zur Prostitutionspolitik. In: Fraktion Die Linke im Bundestag. 23. Februar 2024, abgerufen am 14. Januar 2026.</ref><ref name="Europawahlprogramm2024">Europawahlprogramm 2024. In: Die Linke. Abgerufen am 14. Januar 2026.</ref> Einzelne innerparteiliche Netzwerke und Akteure befürworten das Nordische Modell zur Bekämpfung von Ausbeutung und Menschenhandel, stellen jedoch keine offizielle Mehrheits- oder Programmlage der Partei dar.<ref name="NetzwerkOhneProstitution">LINKE für eine Welt ohne Prostitution. In: Innerparteiliches Netzwerk. Abgerufen am 14. Januar 2026.</ref> Die Partei setzt in ihrer offiziellen Programmatik überwiegend auf Entkriminalisierung einvernehmlicher Sexarbeit und sozialpolitische Unterstützungsmaßnahmen.<ref name="LinkeQueerBeschluss">Beschluss: Selbstbestimmte Sexarbeit. In: DIE LINKE.queer. Abgerufen am 14. Januar 2026.</ref>

Volt Deutschland spricht sich ebenfalls gegen eine Kriminalisierung der Nachfrage nach Prostitution aus.<ref>Grundstazprogramm von Volt Deutschland. Abgerufen am 25. Juli 2023.</ref>

Juristische Sichtweise

Renommierte deutsche Juristen haben sich in der öffentlichen Debatte sowohl für als auch gegen das Nordische Modell positioniert.

Der ehemalige Richter am Thüringer Verfassungsgerichtshof Ulrich Rommelfanger hält die aktuelle Gesetzeslage, in der Prostitution legal in Anspruch genommen werden kann, für potenziell verfassungswidrig.<ref>DIAKA-Pressemitteilung: Neue Studie: Deutsche Prostitutionsgesetze helfen Menschenhändlern und fördern Organisierte Kriminalität. DIAKA, 26. Juli 2013, abgerufen am 22. September 2023.</ref> In einem mit den Theologen Elke Mack und Jakob Drobnik veröffentlichten Buch argumentierte Rommelfanger, der Staat habe eine Schutzverpflichtung und müsse die „andauernden Rechtsverletzungen“ gegenüber den Prostituierten beenden. Es sei „befremdlich“, dass der Staat bei der Prostitution eine freiwillige Tätigkeit annehme, wohingegen Forschungsarbeiten gezeigt hätten, dass 90 % der Prostituierten die Tätigkeit nicht freiwillig ausüben würden.<ref>Elke Mack, Ulrich Rommelfanger: Sexkauf. Eine rechtliche und rechtsethische Untersuchung der Prostitution. Nomos 2023, 332 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-8487-7597-2.</ref> Die Studie wurde im juristischen Diskurs jedoch auch kritisiert. So bezeichnete die Juristin Stefanie Killinger die Studie als „Auftragswerk“ von Befürwortern des Nordischen Modells, in dem Gerichtsurteile selektiv dargestellt, falsch interpretiert und wesentliche Teile der nationalen und europäischen Rechtsprechung nicht berücksichtigt würden. Insbesondere sei eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2009, in dem die Prostitution dem Schutzbereich der Berufsfreiheit (Art. 12 GG) unterstellt wurde<ref>Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 28. April 2009 - 1 BvR 224/07, abgerufen am 13. September 2024.</ref>, in der juristischen Würdigung der Rechtslage nicht berücksichtigt worden.<ref></ref>

Ein vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens zur Freiwilligkeit der Prostitutionsausübung kam im Juni 2025 hingegen zu dem Ergebnis, dass Prostitution mit dem rechtlichen Konzept von Freiwilligkeit und Selbstbestimmung im Sinne von Art. 2 GG „nicht von vornherein unvereinbar“ sei. Nach den Maßstäben der deutschen Rechtsordnung werde Prostitution nicht per se unfreiwillig ausgeübt. Obwohl Prostitution teilweise auch unter Zwang ausgeübt werde, bestehe die Möglichkeit einer „im Rechtssinne freiwilligen“ Erbringung von sexuellen Dienstleistungen. Prostituierte arbeiteten zwar in vielen Fällen unter prekären Bedingungen, es sei jedoch nicht Aufgabe einer freien Rechtsordnung, „entscheidungsfähige Menschen ... vor sich selbst zu schützen“. Zur individuellen Selbstbestimmung gehöre auch das Recht für die eigene Person Risiken einzugehen oder Schäden in Kauf zu nehmen.<ref>Bundesfamilienministerium: Rechtsgutachten zur Freiwilligkeit der Prostitution, S. 89ff., Juni 2025, abgerufen am 5. September 2025.</ref> Diese Sichtweise wurde von den Unterstützern des Nordischen Modells kritisiert. So bezeichnete der Verein Solwodi den im Gutachten zu Grunde gelegten Freiwilligkeitsbegriff als „problematisch“, da er ausschließlich auf persönliche Nachteile – insbesondere für Leben und Gesundheit der Prostituierten – bei Aufgabe der Prostitution abstelle und „gefühlte Zwangslagen“ wie Armutsprostitution oder Beschaffungsprostitution nicht als unfreiwillig angesehen würden.<ref>Solwodi, Pressemitteilung vom 25. Juni 2025: Eine verpasste Gelegenheit – Die Evaluierung des Prostituiertenschutzgesetzes, abgerufen am 5. September 2025.</ref>

Der ehemalige vorsitzende Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs Thomas Fischer geht ebenfalls von einer weitgehenden Freiwilligkeit der Prostitutionsausübung aus. In einem 2015 in der Wochenzeitung Die Zeit erschienen Beitrag kommentiert er die Entscheidung von Amnesty International zur Unterstützung der Legalisierung von Prostitution und kritisiert die in der öffentlichen Debatte in Deutschland häufig geäußerte Einschätzung, dass Prostitution zumeist Zwangsprostitution sei. Er kommt zu dem Schluss, dass die meisten Prostituierten nicht juristisch belastbar dazu gezwungen würden, sondern dass es sich bei Prostituierten häufig um wirtschaftlich benachteiligte Frauen handelt, die diese Tätigkeit aufgrund von finanziellen Nöten ausüben. Bekämpft werden müsse daher Armut und mangelnde wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten und nicht die Prostitution an sich. Das nordische Modell hält Fischer für kontraproduktiv und bezeichnet es als „durch und durch polizeistaatliches Modell“, das zur „Entrechtung von Prostituierten“ führe.<ref>Thomas Fischer: Fischer im Recht/Prostitution. Freiheit für Freiwilligkeit. Eine Kolumne von Thomas Fischer. In: Zeit.de. Zuletzt abgerufen am 24. September 2023.</ref>

Der Jura-Professor Martin Heger kritisierte den Vorstoß der CDU/CSU in Richtung Nordisches Modell und betonte, es müsse ein „angemessenes Strafrecht“ durchgesetzt werden, das die unfreiwillig in die Prostitution gedrängten Opfer schützt und die freiwillig dieses Gewerbe betreibenden Personen ihre Arbeit ausüben lässt.<ref></ref>

Im Dezember 2023 sprach sich der deutsche Justizminister Marco Buschmann gegen eine Kriminalisierung der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen aus. Entscheidend sei, dass die Ausübung von Zwang auf die Prostituierten in jeglicher Form unterbunden werden müsste, wofür es im deutschen Strafrecht bereits entsprechende Instrumente gebe. Diese müssten konsequent angewendet werden.<ref>Buschmann hält nichts von generellem Sexkauf-Verbot. 30. Dezember 2023, abgerufen am 3. Januar 2023.</ref>

Im Februar 2025 positionierte sich der Deutsche Juristinnenbund in einer Stellungnahme gegen eine Einführung des Nordischen Modells. Die selbstbestimmte Arbeit im Bereich sexueller Dienstleistungen gehöre nicht in das Strafrecht. Eine Kriminalisierung versperre den Blick auf tatsächlich notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Prostituierten und suggeriere fälschlicherweise eine einfache Lösung für ein hochkomplexes Problem.<ref>Deutscher Juristinnenbund: Stellungnahme zum Sexkaufverbot, 5. Februar 2025, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

Meinungsumfragen

In einer Meinungsumfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA-Consulere im Jahr 2023 sprachen sich 21 % der Befragten für die Einführung des Nordischen Modells generell und 16 % für eine Kriminalisierung der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen aus.<ref>Umfrage: Jeder Fünfte ist für ein Sexkaufverbot. 21. September 2023, abgerufen am 3. Januar 2023.</ref> In einer im gleichen Jahr durch die TU Ilmenau durchgeführten Befragung befürworteten 51,9 % der Befragten eine Legalisierung der Prostitution, für die vollständige Dekriminalisierung sprachen sich 30,9 % aus. Für den im Nordischen Modell vorgesehenen Abolitionismus sprachen sich 8,3 %, für das Komplettverbot (Prohibitionismus) 8,9 % der Befragten aus.<ref>Nicola Döring, M. Rohangis Mohseni: Welches Modell der Prostitutionsregulierung präferiert die Bevölkerung in Deutschland? Ergebnisse einer bundesweiten Online-Befragung. In: Neue Kriminalpolitik. Band 36, Nr. 2, 2024, ISSN 0934-9200, S. 147–170, doi:10.5771/0934-9200-2024-2-147 (nicola-doering.de [PDF; abgerufen am 2. April 2026]).</ref>

Internationale Rechtsprechung

Eine in Frankreich eingereichte Klage gegen das dort eingeführte Verbotsgesetz wurde im Juli 2024 vom EGMR abgewiesen.<ref>Elena Raddatz ARD-Rechtsredaktion: Klage von Prostituierten: EGMR bestätigt Frankreichs Sexkaufverbot. Abgerufen am 25. Juli 2024.</ref> Die Strafverfolgung der Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen verstößt gemäß dem Urteil nicht gegen Art. 8 der europäischen Menschenrechtskonvention.<ref>Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Entscheidung vom 25. Juli 2024, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

In Kanada wurde gegen das dortige Gesetz zur Umsetzung des Nordischen Modells eine Verfassungsbeschwerde eingereicht, die 2025 durch den Obersten Gerichtshof des Landes zurückgewiesen wurde, wobei das Gericht sein Urteil jedoch auf den vorliegenden Fall beschränkte und keine Grundsatzentscheidung über die Verfassungsmäßigkeit der Käuferstrafbarkeit an sich fällte. Eine Grundsatzbeschwerde gegen die aktuellen Prostitutionsgesetze Kanadas ist derzeit vor einem Berufungsgericht in Ontario anhängig.<ref>Supreme Court finds sex work laws constitutional—at least for now. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Der Oberste Gerichtshof Indiens erkannte die Erbringung von Prostitutionsleistungen im Jahr 2022 als legalen Beruf an, dessen Ausübung unter Artikel 21 der Verfassung Indiens geschützt sei, womit eine Einführung des Nordischen Modells bei unveränderter höchstrichterlicher Rechtsprechung ohne Verfassungsänderung de-facto unmöglich gemacht wurde.<ref>The Diplomat: India’s Supreme Court Recognizes Sex Work as a Profession, 13. Juni 2022, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

In den USA wurde die Gesetzgebung im Bundesstaat Maine, der als erster Bundesstaat ein an das Nordische Modell angelehntes Prostitutionsgesetz verabschiedet hatte, noch keiner höchstrichterlichen Überprüfung unterzogen. Die aktuelle Gesetzeslage dernach fast im gesamten Land sowohl Angebot und Nachfrage kriminalisiert sind, ist jedoch Gegenstand des dortigen juristischen Diskurses und wird teilweise für verfassungswidrig gehalten.<ref>Boston Review: Do Laws Criminalizing Sex Work Violate the Constitution?, 3. April 2022, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

Debatte

Das Nordische Modell wird in der öffentlichen Debatte in Deutschland und international kontrovers diskutiert. Die Auswirkungen einer Einführung des Modells werden von Unterstützern und Gegnern des Modells unterschiedlich beurteilt.

Unterstützer des Modells

Vor allem Organisationen, die sich für das nordische Modell einsetzen, konservative politische Parteien sowie die Regierungen der Staaten, die das Nordische Modell eingeführt haben, bewerten dieses meist als Erfolg<ref>Illustrasjonsfoto: iStockphoto: Sex Purchase Act has altered Swedes’ attitudes towards prostitution. Abgerufen am 6. Januar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="europa" /><ref></ref><ref></ref>. In einer von der Psychologin Melissa Farley im Jahr 2014 durchgeführten Studie gaben 89 % der Prostituierten an, die Prostitution verlassen zu wollen, jedoch keine Möglichkeit zu haben, anderweitig ihr Überleben zu sichern.<ref></ref> Der Wissenschaftler Max Waltman der Universität Stockholm kommt zu dem Ergebnis, die Einführung des Sexkaufverbots in Schweden habe zu einem deutlichen Rückgang der Prostitution geführt. Belege, dass sich Prostitution von der Straße auf Wohnungsprostitution verschoben habe, gebe es nicht.<ref></ref> Auch die deutsche Aktivistin und Ex-Prostituierte Huschke Mau befürwortete 2022 das Nordische Modell.<ref>Ankea Janßen: Interview mit Huschke Mau über Prostitution: Freier sind Täter. In: noz.de. 5. Mai 2022, abgerufen am 30. Juni 2022: „Aktivistin Huschke Mau will Prostitution abschaffen. Die Autorin ist für das Nordische Modell.“</ref>

Auf Initiative der britischen Europa-Abgeordneten Mary Honeyball sprach das EU-Parlament am 26. Februar 2014 eine „nicht bindende Entschließung“ aus, der zufolge alle Mitgliedsstaaten der EU die entgeltliche Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen verbieten sollten, nicht jedoch die Tätigkeit der Prostituierten selbst. Die Resolution wurde mit einer Stimmenmehrheit von 343 zu 139 Gegenstimmen und 105 Enthaltungen angenommen, ist jedoch rechtlich für die Mitgliedsstaaten nicht bindend.<ref>Entschließung des Europäischen Parlaments vom 26. Februar 2014 zur sexuellen Ausbeutung und Prostitution und deren Auswirkungen auf die Gleichstellung der Geschlechter.</ref><ref>Die Freier bestrafen, nicht die Prostituierten, fordert das Parlament | Aktuelles | Europäisches Parlament. 26. Februar 2014, abgerufen am 2. Juli 2019.</ref> Am 14. September 2023 forderte das EU-Parlament mit einer Stimmenmehrheit von 234 zu 175 bei 122 Enthaltungen erneut alle Mitgliedsstaaten auf, die entgeltliche Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen unter Strafe zu stellen, wobei die Verwendung des Begriffs „Nordisches Modell“ abgelehnt wurde.<ref>Rollcall votes. Abgerufen am 14. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Resolution forderte alle Mitgliedsstaaten dazu auf, „sicherzustellen, dass es unter Strafe gestellt wird, von einer Person eine sexuelle Handlung gegen Entgelt, das Versprechen eines Entgelts, die Gewährung eines geldwerten Vorteils oder das Versprechen eines solchen Vorteils zu verlangen, anzunehmen oder zu erhalten“ sowie weitere dem Nordischen Modell entsprechende Maßnahmen zur Prävention und Ausstiegshilfe für Prostituierte umzusetzen.<ref>Europäisches Parlament: Entschließung des Europäischen Parlaments vom 14. September 2023 zu der Regulierung der Prostitution in der EU: ihre grenzübergreifenden Auswirkungen und die Konsequenzen für die Gleichstellung und die Frauenrechte, 14. September 2023, abgerufen am 5. Dezember 2023.</ref>

Befürworter des Verbots verweisen oft auf eine Studie, welche gezeigt hätte, dass die Legalisierung von Prostitution den Menschenhandel befördert. Allerdings betonen die Autoren selber, dass die Studie nicht als Argument für ein Prostitutionsverbot herangezogen werden soll. In der Pressemitteilung zur entsprechenden Studie wird betont, dass die Vorteile einer Legalisierung überwiegen, da dadurch die Arbeitsbedingungen verbessert und reguliert werden können: „However, such a line of argumentation overlooks potential benefits that the legalisation of prostitution might have on those employed in the industry. Working conditions could be substantially improved for prostitutes – at least those legally employed – if prostitution is legalised.“<ref>LSE Web Editor: Legalised prostitution increases human trafficking – 12 – 2012 – News archives – News and media – Website archive – Home. Abgerufen am 10. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Einer der Autoren, Axel Dreher, betonte ebenfalls: „Anders sieht das bei der Betrachtung der Rohdaten oder Fallstudien zu einzelnen Ländern aus. Hier sind die Ergebnisse mit äußerster Vorsicht zu genießen. ‚Beweisen‘ lässt sich mit den vorhandenen Daten hier gar nichts. Das gilt auch für die in unserem Artikel enthaltenen Fallbeispiele über Deutschland, Schweden und Dänemark.“<ref>Redaktion: Menschenhandel und legale Prostitution: Ein Interview mit Axel Dreher (Uni Heidelberg). menschenhandel heute, 11. September 2013, abgerufen am 2. Februar 2020.</ref>

Im Jahr 2019 gab Kamala Harris, die spätere Präsidentschaftskandidatin des Jahres 2024 der Demokratischen Partei der Vereinigten Staaten, ihre Unterstützung für eine Straffreiheit für Prostituierte bei gleichzeitig beizubehaltender Kriminalisierung der Nachfrageseite bekannt und unterstützte damit die wichtigste Forderung der Befürworter des Nordischen Modells. Aus U.S.-Sicht wäre eine Einführung des Nordischen Modells im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eine Liberalisierung der Prostitutionsgesetzgebung, da dort bis auf wenige Ausnahmen landesweit sowohl das Angebot als auch die Nachfrage von sexuellen Dienstleistungen strafrechtlich verfolgt wird.<ref>The Hill: Kamala Harris supports decriminalizing sex work, 26. Februar 2019, abgerufen am 28. August 2024.</ref>

Kritik am Modell

Das Nordische Modell wurde seit seiner erstmaligen Einführung von verschiedenen Seiten kritisiert. Hauptkritikpunkt ist die Auswirkung der Kriminalisierung auf Personen, die auch nach der Einführung des Modells weiter in der Prostitution tätig sind.

Bezüglich der Auswirkungen einer Kriminalisierung von verschiedenen Aspekten der Prostitution liegen zwei systematische Übersichtsarbeiten vor, in denen der aktuelle Forschungsstand zu diesem Thema zusammengefasst wurde. Diese sehen eine Einführung des Nordischen Modells aus Sicht der in der Prostitution verbleibenden Personen kritisch, insbesondere in Bezug auf die Gesundheitsversorgung der Prostituierten. Laut einer 2023 veröffentlichten Metastudie führt jede Form von Kriminalisierung von Prostitution, auch das nordische Modell, zu negativen Auswirkungen für die Prostituierten. So erhöht sich den Studienergebnissen zufolge durch die Kriminalisierung das Risiko für Prostituierte, mit Geschlechtskrankheiten infiziert zu werden, sowie Opfer von Gewalt zu werden. Weiterhin verstärkt die Kriminalisierung der Studie zufolge die Stigmatisierung und Diskriminierung von Prostituierten und erschwert den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen.<ref></ref> Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine 2018 veröffentlichte Metastudie. Laut dieser korreliert jede Form der Kriminalisierung von Prostitution mit häufigerer HIV-Infektion sowie mit höherer Wahrscheinlichkeit von Gewalt gegen Prostituierte durch Kunden, Polizisten oder Dritte.<ref></ref>

Neben diesen beiden Metastudien wurde von Verbänden, Menschenrechtsorganisationen und verschiedenen anderen Kommentatoren eine Reihe von weiteren Kritikpunkten am Nordischen Modell diskutiert:

Verschlechterung der Arbeitsbedingungen

Die Resolution des EU-Parlaments, die Mitgliedstaaten dazu aufrief, das Nordische Modell anzunehmen, wurde insbesondere durch ICRSE, das europäische Netzwerk von Sexworker-Organisationen, kritisiert.<ref>NSWP: ICRSE Campaign against the Honeyball Report calling for the adoption of the Swedish model across Europe. 2. Juli 2014, abgerufen am 6. Januar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die NSWP (The Global Network of Sex Work Projects) zeigt auf, dass sich die Situation von Prostituierten in Ländern wie Schweden durch das Nordische Modell stark verschlechtern.<ref name="Challenging the introduction of the Nordic Model">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Smart Sex Workers' Guide: Challenging the introduction of the Nordic Model.] NSWP Scotland UK, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 20. Dezember 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Zum selben Ergebnis kommt eine im Jahr 2019 von der Regierung Nordirlands in Auftrag gegebene Studie der zufolge die Einführung der Kriminalisierung der Kunden und damit verbundene Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zu einer wesentlichen Verschlechterung der psychischen Gesundheit der Prostituierten geführt hat.<ref></ref>

Strafverfolgung und Polizeigewalt

Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch<ref>Human Rights Watch: Spain Debates Dangerous Sex Work Law Across Europe, Criminalization is Linked to Increases in Sexual Assault, Harassment, Attacks. 26. Januar 2023, abgerufen am 13. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> zufolge seien Prostituierte auch mehr und mehr gezwungen, alleinständig und ohne das Wissen anderer zu arbeiten. Ein Gesetzesentwurf in Spanien sehe zum Beispiel Freiheitsstrafen von bis zu vier Jahren für diejenigen vor, die Zimmer oder Unterkünfte für Prostituierte bereitstellen. Dies gelte auch, wenn Prostituierte selbst Wohnungen anmieten und Zimmer an andere Prostituierte vermieten, um zur höheren Sicherheit gemeinsam zu arbeiten. Ein Vermieter, der Kenntnis davon erhält, dass seine Wohnung für Prostitution genutzt wird, muss der Mieterin umgehend kündigen. Außerdem verweist Human Rights Watch auf Berichte denen zufolge Hilfsorganisationen und Menschenrechtsaktivisten, die sich für Prostituierte einsetzen, durch das Nordische Modell in Gefahr geraten, der Unterstützung oder Förderung von Prostitution beschuldigt zu werden.<ref>Front Line Defenders: Sex Worker Rights Defenders At Risk. 1. August 2023, abgerufen am 13. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Einer Irischen Studie zufolge erhöhte die Einführung des Nordischen Modells für Prostituierte die Gefahr von Übergriffen durch Polizeibeamte.<ref>University of Limerick: New University of Limerick research finds street sex workers face ‘discriminatory behaviour’ from Gardaí. 25. August 2022, abgerufen am 13. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Einer Studie der London School of Economics zufolge entspricht die Aussage der Befürworter des Modells, dass Prostituierte nicht kriminalisiert würden, nicht der Realität. Zwar würden Prostituierte nicht strafrechtlich verfolgt, es finde aber in vielen Ländern eine de-facto Kriminalisierung durch Anwendung des Einwanderungsrechts statt. So drohe Prostituierten in den Nordischen Ländern bei Kenntnis der Behörden von ihrer Tätigkeit aufenthaltsrechtliche Konsequenzen. In Schweden und Finnland ist Prostitution ein Grund zur Abschiebung und Verbot der Wiedereinreise von Migranten von außerhalb der EU. Auch EU-Bürger seien in Schweden wegen Prostitution bereits ausgewiesen worden. In Norwegen ist die Polizei durch Einwanderungsgesetze zur Kontrolle, Verhör und Abschiebung migrantischer Sexarbeitender befugt.<ref>Niina Vuolajärv: Criminalising the Sex Buyer: Experiences from the Nordic Region, London School of Economics and Political Science, Juni 2022, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

Dieselben Vorwürfe erhebt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Obwohl das Angebot sexueller Dienstleistungen zum Beispiel in Schweden augenscheinlich legal sei, würden Prostituierte von Behörden und Polizei als „Gefahr für die öffentliche Ordnung“ betrachtet und abgeschoben.<ref>Huamn Rights Watch: Sweden Should Stop Detaining and Deporting Sex Workers, 9. Mai 2025, abgerufen am 28. November 2025.</ref>

Sicherheit und Gesundheit der Prostituierten

Human Rights Watch zufolge ergab eine französische Studie, dass die Einführung von Kaufverboten die Prostituierten dazu zwingt, ihre Dienstleistungen in abgelegenen und gefährlicheren Gegenden anzubieten.<ref>Polina Bachlakova: Long read: How the Nordic model in France changed everything for sex workers. 16. Oktober 2020, abgerufen am 13. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dadurch erhöhe sich die Gefahr von sexuellen Übergriffen und Misshandlung, was für eine auffällige Häufung von Morden an Prostituierten in Frankreich seit der Einführung des Kaufverbots mitverantwortlich sei.<ref>What do sex workers think about the French Prostitution Act? 30. April 2019, abgerufen am 13. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Einer kanadischen Studie aus dem Jahr 2020 zufolge verschlechterte sich nach der Kriminalisierung der Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen der Zugang der Prostituierten zu Gesundheitsversorgung und sozialen Diensten.<ref>Argento et al. (2020), The impact of end-demand legislation on sex workers’ access to health and sex worker-led services: A community-based prospective cohort study in Canada, PLoS.One, abgerufen am 9. März 2025.</ref>

Ausgestaltung der Ausstiegshilfen

Ausstiegshilfen für Prostituierte, die ihre Tätigkeit in der Prostitution beenden wollen, sind eine der zentralen Säulen des Modells, da auf diese Weise für Prostituierte gesorgt werden soll, die auch nach Einführung eines Sexkaufverbots weiter in der Prostitution tätig bleiben und diese sich nicht gezwungen sehen, ihre Tätigkeit unter potenziell schlechteren Bedingungen weiter auszuüben. Die konkrete Ausgestaltung dieser Ausstiegshilfen ist jedoch umstritten und wird in den Ländern, die das Modell bisher eingeführt haben sehr unterschiedlich gehandhabt.<ref>Huschke Mau: Was bewirkt das Nordische Modell? Effekt Nummer 3: Weniger Frauen in der Prostitution & der erleichterte Ausstieg, 23. April 2025, abgerufen am 25. Mai 2025.</ref> Uneinigkeit besteht unter den Unterstützern des Modells, ob und in welcher Höhe direkte Geldbeträge an die Prostituierten gezahlt werden sollen und welche weiteren Hilfen gewährt werden sollen und für wie lange (z. B. Plätze in Frauenhäusern, Arbeitsplätze über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen). Ebenso umstritten ist, ob Ausstiegshilfen schon während der bloßen Ausstiegswilligkeit oder erst nach einem nachweislich erfolgten Ausstieg aus der Prostitution gewährt werden sollten. Außerdem werden insbesondere für ausländische Prostituierte häufig auch ausländerrechtliche Erleichterungen wie ein Abschiebeschutz gefordert, wobei in den einzelnen Länder diesbezüglich keine einheitliche Linie durchgesetzt hat. In Frankreich erhalten ausstiegswillige Prostituierte bisher nur ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht.<ref>Initiative Stopp Sexkauf: Frankreich untermauert Sexkaufverbot, abgerufen am 25. Mai 2025.</ref> Auch in anderen Ländern bleiben ausstiegswillige Prostituierte oft weiter von Abschiebung bedroht.<ref>Niina Vuolajärv: Criminalising the Sex Buyer: Experiences from the Nordic Region, London School of Economics and Political Science, Juni 2022, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

Weitgehend ungeklärt ist auch die Frage, wie der tatsächliche dauerhafte Ausstieg der Prostituierten während der Bezugsdauer der Ausstiegshilfen effektiv überwacht werden kann, und wie Mitnahmeeffekte (insbesondere wenn Aussteigenden noch während der Tätigkeit in der Prostitution Leistungen gewährt werden) und Missbrauch verhindert werden kann, etwa wenn versucht wird, durch das Vortäuschen einer Tätigkeit in der Prostitution Ausstiegshilfen oder Abschiebeschutz zu erhalten. Auch die zu erwartenden Kosten flächendeckender Ausstiegshilfen werden teilweise kritisiert<ref>BesD: Gründe gegen das nordische Modell/Sexkaufverbot und sinnvolle Handlungsansätze zur Regelung von Sexarbeit, 27. Juni 2024, abgerufen am 25. Mai 2025.</ref> sowie deren Praktikabilität (ausreichendes Vorhandensein von Frauenhausplätzen, Sozialarbeitern, Bildungsangeboten usw.) angezweifelt. Als weiteres Problem wird genannt, dass Sozialarbeitende und Hilfsorganisationen – der abolitionistischen Logik des Nordischen Modells folgend – Druck auf Prostituierte ausüben, ihre Tätigkeit in der Prostitution zu beenden und sich auf Unterstützung für ausstiegswillige Prostituierte konzentrieren, während Hilfsangebote für weiter in der Prostitution tätige Prostituierte vernachlässigt werden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass in vielen Ländern, in denen die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen legal ist, auch jetzt schon Ausstiegshilfen gewährt würden.<ref>Der Freitag: Prostitution: Warum das „Nordische Modell“ ein Irrweg ist, 28. November 2023, abgerufen am 25. Mai 2025.</ref>

Auf die mit der Ausgestaltung der Ausstiegshilfen verbundenen Herausforderungen wird auch von den Befürwortern des Modells hingewiesen. Hierzu verweist etwa das Bündnis Nordisches Modell auf die zentrale Bedeutung der Nachfragekriminalisierung im Konzept des Nordischen Modells. Ausstiegshilfen könnten nur nachhaltig, finanziell und personell in hoher Qualität gewährleistet sein, wenn der Prostitutionsmarkt durch ein Sexkaufverbot deutlich verkleinert würde.<ref>Bündnis Nordisches Modell: Das Nordische Modell, abgerufen am 25. Mai 2025.</ref> Inwieweit sich der Markt für Prostitution nach Einführung des Nordischen Modells tatsächlich verkleinert oder nur in weniger sichtbare Bereiche verlagert, ist jedoch umstritten.

Stigmatisierung der Prostituierten

Die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Cornelia Möhring, kritisiert, dass sich durch ein Verbot die soziale Situation der Prostituierten nicht verbessere und das Modell selbst einen „Generalangriff auf unsere sexuelle Selbstbestimmung“ darstelle. Bezahlte Sexualität sei nicht grundsätzlich mit Gewalt gleichzusetzen. Auch seien durch die Illegalisierung die Opfer von Menschenhandel weniger sichtbar und damit auch weniger geschützt.<ref>Welt online v. 16. Oktober 2019, abgerufen am 7. Januar 2020.</ref> Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge befördert das Nordische Modell eine „Kultur von Diskriminierung und Stigmatisierung“ von Prostituierten. Bestimmte Länder wie Norwegen verfolgten damit hinter vorgehaltener Hand das Ziel, Druck auf Prostituierte auszuüben und die Arbeitsbedingungen für Prostituierte zu verschlechtern. Der Bericht zitiert einen norwegischen Ministerialbeamten mit den Worten, eine Verbesserung der Bedingungen in der Prostitution sei politisch nicht gewünscht, denn man könne nicht versuchen, die Prostitution auszurotten und gleichzeitig eine Situation schaffen, in der sich Prostituierte wohl fühlten. (“[I]s it a problem that people in prostitution are in trouble[?] No one has said at a political level that we want prostitutes to have a good time while we also try to stamp out prostitution.”)<ref>Amnesty International: The Cost of Crushing the Market: Criminalization of Sex Work in Norway, abgerufen am 26. Mai 2025.</ref>

Verlagerung der Prostitution in andere Länder

Kritiker des Modells bemängeln, dass sich bei einer Kriminalisierung und konsequenten Verfolgung der Nachfrageseite die Prostitution in andere Länder verlagert, in denen die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen weiter legal bleibt oder nicht konsequent verfolgt wird. Einer Studie der Stockholm School of Economics zufolge führte die Einführung des Nordischen Modells in Schweden, Frankreich, Kanada und Israel zu vermehrtem Sextourismus und einer damit einhergehenden Erhöhung der Prostitutionsnachfrage in anderen, teils deutlich ärmeren Ländern wie Thailand und den Philippinen, in denen Prostituierte ihre Tätigkeit teilweise unter deutlich schlechteren Bedingungen ausübten.<ref>Stockholm School of Economics (2023): Spillover effects from the nordic model of prostitution legislation.</ref>

Sexualassistenz für Menschen mit Einschränkungen

Das Nordische Modell kriminalisiert jede Form von entgeltlichen sexuellen Handlungen, also auch die Sexualbegleitung oder Sexualassistenz für Menschen mit Behinderung, Demenz oder in hohem Alter. Dass für diesen Personenkreis keine Ausnahmen vorgesehen sind, wird von Seiten der Betroffenen und von Behindertenverbänden teilweise stark kritisiert. Abhängig von Art und Schweregrad der körperlichen oder geistigen Einschränkung sei Sexualassistenz für viele Menschen mit Behinderung oft die einzige realistische Möglichkeit, ihr Grundbedürfnis nach Sexualität zu erfüllen.<ref>TAZ: Debatte um „Nordisches Modell“: Sexarbeiter wehren sich mit Fakten, 17. September 2025, abgerufen am 23. September 2025.</ref><ref>kobinet Nachrichten: Bei Debatte um sogenanntes Sexkaufverbot Belange behinderter Menschen berücksichtigen, 23. Februar 2024, abgerufen am 21. Juni 2025.</ref> Diese Haltung wird von den Befürwortern des Nordischen Modells abgelehnt. So bezeichnete die ehemalige Prostituierte und Aktivistin Huschke Mau Sexualassistenz für Menschen mit Behinderung als „Wolf im Schafspelz“. Alte und Behinderte hätten kein „Recht auf Sex“ und deren Belange würden nur vorgeschoben, um Argumente gegen ein allgemeines Sexkaufverbot zu finden. Zwar räumt Mau ein, dass viele ältere oder behinderten Menschen ihr Bedürfnis nach Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität oft nicht erfüllen könnten, bezahlte sexuelle Dienstleistungen seien hierfür jedoch keine Lösung und führten nur dazu, dass „nähebedürftige Patienten mit Sex abgespeist“ würden.<ref>Emma: „Sexualassistenz“: Wolf im Schafspelz!, 11. Januar 2017, abgerufen am 21. Juni 2025.</ref><ref>Huschke Mau: Warum Sexualassistenz auch nur Prostitution ist, 20. Februar 2017, abgerufen am 21. Januar 2025.</ref>

Allgemeine Kritik

Kritisiert wird weiterhin der Ansatz, Menschenhandel durch eine allgemeine Kriminalisierung der entgeltlichen Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen zu bekämpfen. Stattdessen werden Verbesserungen der Sozialleistungen im Sinne des sozialstaatlichen Schwedischen Modells befürwortet.<ref>Punish the client, not the prostitute | News | European Parliament. 26. Februar 2014, abgerufen am 6. Januar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="marx21">Debatte: „Verbote verschieben Prostitution nur in den Untergrund, mit verheerenden Folgen für die betroffenen Frauen“. marx21, 16. Juni 2016, abgerufen am 6. Januar 2019.</ref>

Die Auswirkungen des Nordischen Modells auf Angebot und Nachfrage von Dienstleistungen von Prostituierten ist umstritten. Eine Studie der Regierung Nordirlands ergab, dass das Prostitutionsangebot durch die Kriminalisierung der Käufer nicht wesentlich zurückgegangen sei, sondern sich sogar um fünf Prozent erhöht habe. Auch auf die Nachfrage nach Prostitution habe sich die Einführung des Kaufverbots nicht wesentlich ausgewirkt. Die Prostitutionsanbahnung habe sich einfach von der Straße ins Internet verlagert.<ref></ref> Auch einer Studie aus Israel zufolge verringerte sich die Nachfrage nach Prostitution durch das dort im Jahr 2020 eingeführte Sexkaufverbot nicht.<ref>Jüdische Allgemeine: Israel sieht Sexkaufverbot als Erfolgsmodell, 28. Februar 2025, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

In einer von Sozialwissenschaftlern der London School of Economics and Political Science in den Nordischen Ländern Schweden, Finnland und Norwegen durchgeführten Studie sprachen sich 96 % der befragten Polizisten, Sozialarbeiter, politischen Entscheidungsträger und Prostituierten gegen eine Fortsetzung des Nordischen Modells und für eine Entkriminalisierung der Prostitution aus.<ref>London School of Economics and Political Science: Criminalising the Sex Buyer: Experiences from the Nordic Region, Policy Brief 06/2022, S. 6, abgerufen am 17. November 2023.</ref>

Kritik am Begriff

In der Wissenschaft ist die Bezeichnung Nordisches Modell umstritten. Die damit in Bezug genommenen Rechtsordnungen würden zwar alle die Inanspruchnahme bestimmter sexueller Dienstleistungen kriminalisieren, tatsächlich stelle sich jedoch die rechtliche Behandlung von Prostitution im Vergleich der nordischen Länder weitaus komplexer und disparater dar. In Finnland ist der Kauf sexueller Dienstleistungen noch teilweise und in Dänemark sogar sehr weitgehend legal und ähnlich wie in Deutschland staatlich reguliert.<ref>Charlotta Holmström, May-Len Skilbrei: The ‘Nordic model’ of prostitution law is a myth. Abgerufen am 6. Januar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Von einem einheitlichen Regelungsansatz könne daher nicht die Rede sein.

Position unterschiedlicher Verbände und Institutionen

Das Nordische Modell wird gegenwärtig hauptsächlich von religiösen Organisationen und kleineren Bündnissen und Vereinen unterstützt. Menschenrechts- und Hilfsorganisationen, Sozialverbände und die Interessensverbände der Prostituierten selbst lehnen das Modell überwiegend ab.

Befürworter des Nordischen Modells

Terre des Femmes spricht sich als Frauenrechtsorganisation ebenso wie Sisters e. V. für das Nordische Modell aus. In einer gemeinsamen Stellungnahme der beiden Organisationen zu dieser Forderung, erklärten die beiden Vereine, Prostitution sei kein „normaler Job“, was allein schon daran zu erkennen sei, dass Jobcenter und Arbeitsagenturen nicht in die Prostitution vermitteln dürften. Ferner gehe es bei der Prostitution nicht um die selbstbestimmte Sexualität der Prostituierten. Frauen dürften ihre Sexualität ausleben mit wem sie wollten, es bestehe aber kein Recht auf eine Kommerzialisierung von Sex.<ref>Gemeinsame Erklärung von SISTERS e. V. und Terre des Femmes zur Forderung nach Einführung des Nordischen Modells, undatiert, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref><ref>SISTERS für den Ausstieg aus der Prostitution! e. V. Abgerufen am 30. September 2022.</ref> Innerhalb von Terre des Femmes war die Entscheidung zur Unterstützung des Nordischen Modells höchst umstritten und führte im deutschsprachigen Raum sogar zu einer Spaltung der Landesverbände. Grund hierfür war eine Kampagne des Schweizer Verbandes gemeinsam mit der Schweizer Aidshilfe für die Rechte von Prostituierten und gegen das Nordische Modell. Der Schweizer Verband beendete daraufhin die Kooperation mit Terre des Femmes und kündigte seine Umbenennung an.<ref>TAZ: Terre des Femmes spaltet sich: Die Scheidung der Schwestern, 26. Juli 2018, abgerufen am 10. April 2026.</ref>

Ebenso für das Modell ausgesprochen haben sich die Vereinigung Coalition against Prostitution CAP International,<ref>Nordic Model Now flyer, auf cap-international.org</ref> das Mouvement du Nid,<ref>Deutscher Bundestag: 1. Lesung Anhörung Frauen Sexkaufverbot stößt bei Sachverständigen auf unterschiedliches Echo, 23. September 2024, abgerufen am 9. März 2025.</ref> der Verein Solwodi,<ref>Solwodi. Abgerufen am 30. September 2022.</ref> die Heilsarmee,<ref>Es tut sich was gegen Ausbeutung in der Prostitution - Die Heilsarmee in Deutschland. In: Heilsarmee.de. 9. November 2023, abgerufen am 2. April 2026.</ref> das Netzwerk „Ella“ ehemaliger sowie noch aktiver Prostituierter,<ref>Netzwerk Ella. Abgerufen am 30. September 2022.</ref> der Bundesverband Nordisches Modell<ref>Bundesverband Nordisches Modell. Abgerufen am 2. April 2026.</ref> und das Bündnis Gemeinsam gegen Menschenhandel<ref>Klaus Engelmohr, Ute-Angelika Franke, Simon Kolbe: Positionspapier zum Gleichstellungsmodell. Gemeinsam gegen Menschenhandel e. V., 2023, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>, in dem mehrere der unterstützenden Organisationen zusammengeschlossen sind. Ihre ablehnende Haltung begründen diese Organisationen mit der Aussage, dass die Würde von Frauen in der Prostitution verletzt werde. Gewalt bis hin zur organisierten Kriminalität sei in der Prostitution allgegenwärtig. Prostitution bedeute eine „Asymmetrie der Geschlechterverhältnisse“, zerstöre die „seelische und körperliche Integrität der betroffenen Frauen“, degradiere die Frau zur Ware und sei daher als Menschenrechtsverletzung anzusehen.

Mit ähnlicher Argumentation beschloss am 6. Juli 2017 auch das Kirchenparlament der Evangelischen Landeskirche in Württemberg<ref>Bericht aus der Synode: beraten & beschlossen Tagung der 15. Evangelischen Landessynode vom 6. bis 8. Juli 2017 (PDF; 430 kB).</ref><ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.elk-wue.deWortlaut des Beschlusses der Ev. Landeskirche in Württemberg zum Sexkaufverbot. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2019. Suche im Internet Archive )</ref> und am 3. Juli 2018 auch die Deutsche Evangelische Allianz.<ref>03.07.2018 – EAD „Die Würde der Frau ist unverkäuflich“.</ref> ein Sexkaufverbot nach schwedischem Vorbild zu fordern. Auch der Katholische Deutsche Frauenbund sprach sich für eine Einführung des Modells aus. Mit seiner liberalen Gesetzgebung sei Deutschland zum „Bordell Europas“ geworden. Gesetzesinitiativen zum Schutz von Prostituierten hätten nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensumstände von in der Prostitution tätigen Personen geführt. Die Bezahlung des sexuellen Zugangs zum Körper einer anderen Person sei oftmals mit der Ausnutzung von Frauen in Notsituationen verbunden, stelle „eine Form sexueller Gewalt“ dar und könne daher von der Gesellschaft nicht weiter akzeptiert werden.<ref>Katholischer Deutscher Frauenbund, Pressemitteilung vom 4. Oktober 2022: Prostitution: KDFB fordert Einführung des „Nordischen Modells“, abgerufen am 11. Dezember 2023.</ref>

Gegner des Nordischen Modells

Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International<ref name=":5">Amnesty International: The Human Cost of Crushing the Market: Criminalization of Sex Work in Norway. 26. Mai 2016, abgerufen am 1. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und Human Rights Watch<ref>Human Rights Watch: Sex Work Should Be Decriminalized. 7. August 2019, abgerufen am 23. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> lehnen das Nordische Modell ab. Human Rights Watch zufolge hat die Kriminalisierung von Prostitution eine „verheerende Auswirkung“ (devastating impact) auf Personen, die mit Sexarbeit ihren Lebensunterhalt verdienen. Amnesty International spricht sich allgemein gegen die Kriminalisierung einvernehmlicher Sexarbeit unter Erwachsenen aus, also auch gegen die Kriminalisierung von Kunden, weil sie nicht auf Menschenhandel, sondern auf einvernehmliche sexuelle Handlungen abzielt. Außerdem kritisiert Amnesty International, dass durch die Kriminalisierung die Prostitution lediglich verschoben würde und Prostituierte dann ungeschützt in einer rechtlichen Grauzone tätig seien. Dies führe zur Verletzung der Menschenrechte von Prostituierten.<ref>Amnesty International: Amnesty International Policy On State Obligations To Respect, Protect And Fulfil The Human Rights Of Sex Workers. 26. Mai 2016, abgerufen am 3. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ähnlich argumentiert die U.S.-Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union, die ebenfalls zur Dekriminalisierung von sowohl Angebot als auch Nachfrage von Sexarbeit aufruft. Studien hätten gezeigt, dass sich eine Kriminalisierung auch nur der Käuferseite negativ auf die Sicherheit von Personen in der Sexarbeit, deren Arbeitsbedingungen und die Vermeidung sexuell übertragbarer Krankheiten auswirken würde. Daher sollten die Tätigkeit in sowie die Inanspruchnahme von Sexarbeit für Angebot und Nachfrage für erwachsene Personen entkriminalisiert werden.<ref>American Civil Liberties Union: Is Sex Work Decriminalization The Answer? What The Research Tells Us (S.5/6, S.8). 21. Januar 2022, abgerufen am 23. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Dachorganisationen von Prostituierten bzw. Sexarbeitenden wie der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen e. V. (BesD), der Hydra e. V., das International Committee on the Rights of Sex Workers in Europe<ref>ICRSE: Rückmeldung des ICRSE an die Europäische Kommission zur EU-Strategie für 2021-25 zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref> und Global Network for Sex Worker Projects<ref>NSWP: Policy Brief: The Impact of ‘End Demand’ Legislation on Women Sex Workers. 12. Februar 2018, abgerufen am 6. Januar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Office of the UN High Commissioner for Human Rights / NSWP: Women Sex Worker's Human Rights in the Changing World of Work. Abgerufen am 8. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> lehnen das Sexkaufverbot ab, genauso wie andere Formen der Kriminalisierung einvernehmlicher Sexarbeit unter Erwachsenen.

Der Deutsche Frauenrat, die Deutsche Aidshilfe, der Deutsche Juristinnenbund, die Diakonie Deutschland und die Fachstelle gegen Frauenhandel contra e. V. Kiel haben sich im November 2019 in einer gemeinsamen Pressemitteilung explizit gegen eine Kriminalisierung der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen positioniert.<ref name=":0">"Für einvernehmlichen Sexkauf gilt Berufsfreiheit". Abgerufen am 26. November 2019.</ref><ref name=":1">Die Fachwelt warnt vor einem Sexkaufverbot. 21. November 2019, abgerufen am 26. November 2019.</ref> Zu den Kritikern des nordischen Modells gehören weiterhin die Koordinierungsstelle gegen Frauenhandel KOOFRA e. V., das Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (bufaS e. V.)<ref>Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter: Angeforderte schriftliche Stellungnahme des bufaS e. V. zum Antrag der CDU/CSU: „Menschenunwürdige Zustände in der Prostitution beenden – Sexkauf bestrafen“, 13. September 2024, abgerufen am 9. März 2025.</ref>, verschiedene weitere Frauenrechtsorganisationen und Selbsthilfegruppen<ref>Zum Internationalen Tag gegen Menschenhandel fordern Ban Ying e. V. und der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e. V. konkrete Unterstützung für Betroffene von Menschenhandel. Abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>, Prostituiertenhilfsorganisationen wie die Dortmunder Mitternachtsmission<ref>Dortmunder Mitternachtsmission: Stellungnahme zum Nordischen Modell, Anhörung im Landtag NRW am 14. Januar 2021, abgerufen am 4. Juli 2024.</ref> und Doña Carmen sowie der Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK e. V.), eine unabhängige Berichterstattungsstelle zum Thema Menschenhandel des Deutschen Instituts für Menschenrechte, der im Jahr 2019 in einer Stellungnahme auf verschiedene Kritikpunkte am Nordischen Modell hingewiesen hat. Sinnvoller als eine Kriminalisierung der Nachfrage seien demzufolge Maßnahmen wie der Ausbau eines niedrigschwelligen Zugangs zur Gesundheitsversorgung für Prostituierte, eine verstärkte Finanzierung von Fachberatung, Peerberatung in der Prostitution, Aufstockung von Ausstiegsangeboten, Sensibilisierung der Jugendhilfe sowie eine strengere Durchsetzung bestehender Strafgesetze. Derartige Maßnahmen seien bereits vielfach erprobt und teilweise evaluiert, während die tatsächlichen Auswirkungen einer Einführung des Nordischen Modells immer noch unklar und umstritten seien und eine detaillierte Evaluation dieses Ansatzes noch ausstehe.<ref>KOK e. V.: DIMR thematisiert Prostitution und Sexkaufverbot (S.7, unpaginiert). Abgerufen am 2. Juli 2021.</ref> Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband befürwortet eine Einführung des Nordischen Modells aufgrund einer dem Verband zufolge zu erwartenden „Gefahr der noch stärkeren Verlagerung von Sexarbeit und Prostitution in die Illegalität und Unsichtbarkeit“ derzeit nicht.<ref>Paritätischer Wohlfahrtsverband: Paritätische Position zum Schutz von Sexarbeitern, 25. April 2025, abgerufen am 31. Juli 2025.</ref>

Im Juni 2023 veröffentlichte die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands ein Positionspapier, in dem eine Kriminalisierung der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen abgelehnt wird. Stattdessen müssten Sexarbeit und Prostitution „entstigmatisiert und aus der Schmuddelecke geholt“ werden. Der im Nordischen Modell ebenfalls geforderten Ausbau von Ausstiegshilfen und Präventionsmaßnahmen wird hingegen befürwortet.<ref>Bundesverbands der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands: Positionspapier zu Sexarbeit und Prostitution, 10. Juni 2023, abgerufen am 11. Dezember 2023.</ref> Auch der Sozialdienst katholischer Frauen sprach sich gegen das Nordische Modell aus. Ein Sexkaufverbot schade den Prostituierten, die es eigentlich schützen solle, am meisten. Sexarbeit würde dann ins Dunkelfeld verlagert, Prostituierte seien für Beratung sowie Hilfs- und Gesundheitsangebote kaum noch zu erreichen und Kunden von Prostituierten fielen als Hinweisgeber und Informationsquelle aus Angst vor eigener Kriminalisierung weg. Außerdem lehne man es ab, alle Sexarbeitenden „unter Generalverdacht zu stellen, von Menschenhandel betroffen zu sein.“<ref>Sozialdienst katholischer Frauen: Caritas-SkF-Essen gGmbH und Sozialdienst katholischer Frauen e.V. stellen sich gegen Sexkauf-Verbot, 22. September 2023, abgerufen am 23. Dezember 2025.</ref>

Im September 2024 sprach sich die Frauengruppe der Gewerkschaft der Polizei in einer Stellungnahme gegen die Kernforderung der Befürworter des Nordischen Modells aus, die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen strafrechtlich zu verfolgen, unterstützte aber gleichzeitig andere Aspekte des Modells wie eine stärkere gesellschaftliche Aufklärung sowie einen verstärkten Opferschutz bei Straftaten gegen Prostituierte und forderte „flächendeckende, finanziell abgesicherte Ausstiegsprogramme“ für Prostituierte.<ref>Gewerkschaft der Polizei: Stellungnahme der Frauengruppe (Bund) der Gewerkschaft der Polizei (GdP), 16. September 2024, abgerufen am 9. März 2025.</ref>

Auch der Bundesfrauenrat der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di lehnte in einer Stellungnahme im Jahr 2025 das Nordische Modell ab und forderte stattdessen eine verbesserte soziale Absicherung, arbeitsrechtliche Unterstützung und gesundheitliche Versorgung für Sexarbeitende. Ein Verbot würde genau das Gegenteil bewirken und Sexarbeit in den Untergrund drängen. Außerdem würden bei einer Kriminalisierung der Nachfrage Stigmatisierung und Abhängigkeit von Prostituierten verstärkt und die Risiken für Gewalt und Ausbeutung steigen. Sexarbeit sei Arbeit und wie andere Arbeitnehmer hätten auch Sexarbeitende Anspruch auf grundlegende Arbeitnehmerrechte.<ref>ver.di Bundesfrauenrat: Sexarbeit ist Arbeit! Gemeinsam gegen Kriminalisierung und für bessere Arbeitsbedingungen, 15. April 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025.</ref>

Das Gemeinsame Programm für HIV/Aids der Vereinten Nationen spricht sich für eine Entkriminalisierung von Sexarbeit, sowohl auf der Käufer- als auch der Verkäuferseite, aus. Gesetze zur Kriminalisierung würden demzufolge die Bekämpfung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten behindern und außerdem zu Stigmatisierung und moralischer Verurteilung von Personen beitragen, die in der Sexarbeit tätig sind.<ref>Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids: UNAIDS Guidance Note on HIV and Sex Work (S.6). 1. April 2012, abgerufen am 23. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sich für eine Entkriminalisierung von Sexarbeit aus und verweist auf Modellstudien, denen zufolge HIV-Neuerkrankungen unter Personen, die Sexarbeit ausüben, durch eine Entkriminalisierung innerhalb von 10 Jahren um 46 % gesenkt werden könnten.<ref>Weltgesundheitsorganisation (WHO): Global HIV, Hepatitis and STIs Programmes. Abgerufen am 23. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zu Diskriminierung gegen Frauen und Mädchen empfahl 2023 die vollständige Entkriminalisierung von Sexarbeit. Laut einem Bericht der Arbeitsgruppe habe das Nordische Modell „problematische Implikationen für Menschenrechte“. Es habe sich gezeigt, dass das nordische Modell die Überwachung und Belästigung von Prostituierten durch die Polizei verschärft und die Stigmatisierung und Diskriminierung von Prostituierten verstärke.<ref>ODS HOME PAGE. Abgerufen am 8. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Einzelnachweise

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