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Minocyclin

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Minocyclin ist ein Antibiotikum aus der Klasse der Tetracycline. Es besitzt ein breites Wirkspektrum und zeigt eine bakteriostatische Wirksamkeit auf grampositive, gramnegative und zellwandlose Keime. Minocyclin wird zur Behandlung von Infektionen der Atemwege und des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches, bestimmter Formen der Lungenentzündung, von Infektionen der Harnwege, der Geschlechtsorgane und des Magen-Darm-Traktes sowie bei Hauterkrankungen, schweren Formen der Akne, Bindehautentzündungen und Borreliosen eingesetzt.

Unabhängig von der antibakteriellen Wirkung von Minocyclin wurden seit dem Jahre 2000 auch Schutzeffekte für Nervenzellen nachgewiesen sowie für die Nieren bei Diabetes mellitus.<ref name="Maier">Vorlage:Literatur</ref><ref name="Zabad">Vorlage:Literatur</ref><ref name="Zemke">Vorlage:Literatur</ref>

Herstellung

Die vielstufige Synthese des Wirkstoffes ist in der Literatur beschrieben.<ref name="A. Kleemann">Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances. 2 Bände. Thieme, Stuttgart 2000, ISBN 3-13-558404-6; seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.</ref> Dabei wird ausgehend von fermentativ und partialsynthetisch gewonnenem 6-Demethyltetracyclin zunächst hydrogenolytisch eine benzylische Hydroxygruppe abgespalten. Anschließend wird eine Nitrogruppe durch Umsetzung mit Kaliumnitrat/Flusssäure in der ortho-Position zur phenolischen Hydroxygruppe eingeführt. Durch Reduktion dieser Nitrogruppe wird das entsprechende Anilin-Derivat erhalten. Mit Nitriersäure wird eine Nitrogruppe am aromatischen Ring in para-Stellung zur phenolischen Hydroxygruppe eingeführt. Die Diazotierung des Anilin-Derivates liefert das Diazoniumsalz. Durch katalytische Reduktion wird der Stickstoff des Diazonium-Salzes abgespalten und zugleich die zweite Nitrogruppe (in para-Stellung des Phenols) zur Aminogruppe reduziert. Diese Aminogruppe wird nun mit Formaldehyd zweifach methyliert, so dass Minocyclin resultiert. Der Arzneistoff enthält somit zwei Dimethylamino-Funktionen (siehe Box).

Forschung

Die aktuelle Forschung untersucht die mögliche neuroprotektive und entzündungshemmende Wirkung von Minocyclin gegen das Fortschreiten einer Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen wie Multiple Sklerose,<ref name="Zabad" /> Chorea Huntington, Parkinson-Krankheit<ref>Preliminary Study Shows Creatine and Minocycline May Warrant Further Study In Parkinson’s Disease. National Institute of Health, Press release, 23. Februar 2006.</ref> und weiteren dieser Art<ref name="Zemke" /><ref name="pmid11390507">Vorlage:Literatur</ref><ref name="pmid20110416">Vorlage:Literatur</ref> sowie bei rheumatoider Arthritis<ref name="PMID27559186">T. McEvoy: Minocycline: Rheumatoid Arthritis. In: Hospital pharmacy, Juli 2016, Band 51, Nummer 7, S. 535–538; doi:10.1310/hpj5107-535, PMID 27559186, Vorlage:PMC.</ref> und Schlaganfall.<ref name="pmid17909152">Vorlage:Literatur</ref> Auch der Nutzen von Minocyclin bei therapieresistenten Depression wird evaluiert.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Bei der Behandlung von Akne und Lyme-Borreliose sowohl im Früh- als auch in späteren Stadien wird Minocyclin ebenfalls eingesetzt. Da es sowohl intrazellulär wirkt als auch die Blut-Hirn-Schranke gut durchdringen kann, ist es gerade in der Spätmanifestation bei Beteiligung des Zentralnervensystems für die Therapie von Neuroborreliose sehr gut geeignet.<ref>Petra Hopf-Seidel: Krank nach Zeckenstich. Borreliose erkennen und wirksam behandeln. Knaur, München 2008, S. 244.</ref>

Eine Studie zur Anwendung von Minocyclin bei Amyotropher Lateralsklerose enttäuschte jedoch und zeigte indessen, dass der Wirkstoff bei dieser Krankheit destruktive, krankheitsbeschleunigende Wirkung zeigen kann.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Im Tiermodell orofazialer Schmerzen hat Minocyclin eine signifikant abschwächende Wirkung bei tiefer entzündungsbedingter Hyperalgesie des Musculus masseter gezeigt, nicht aber bei der Hyperalgesie der Unterhaut.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Es wird vermutet, dass die neuroprotektive Wirkung von Minocyclin unabhängig von den entzündungshemmenden Eigenschaften ist.<ref name="Maier" />

Handelsnamen

Monopräparate
Aknefug Mino (D), Aknoral (CH), Aknosan (D), Minakne (D), Skid (D), Skinocyclin (D), Udima (D, A), zahlreiche Generika (D, A, CH), Cyclin (Taiwan)

Literatur

  • J. Wang et al. Minocycline up-regulates Bcl-2 and protects against cell death in mitochondria. In: J Biol Chem, 2004, 279, 19948–19954.
  • K.J. Kelly et al. Minocycline inhibits apoptosis and inflammation in a rat model of ischemic renal injury. In: American Journal of Physiology-Renal Physiology, 2004, 287, F760–F766.
  • Chen, M. et al. Minocycline inhibits caspase-1 and caspase-3 expression and delays mortality in a transgenic mouse model of Huntington disease. In: Nat Med, 2000, 6, 797–801.
  • Hayakawa, K. et al. Delayed treatment with minocycline ameliorates neurologic impairment through activated microglia expressing a high-mobility group box1 inhibiting mechanism. In: Stroke, 2008, 39(3), 951–958.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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