Miconazol
Miconazol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Imidazole, der in der Behandlung von Pilzerkrankungen (Mykosen) eingesetzt wird.
Das Isomer des Miconazols, Isoconazol, ist ebenfalls ein fungistatisch wirkender Stoff.
Klinische Angaben
Anwendungsgebiete (Indikationen)
Miconazol wird als Antimykotikum zur Behandlung von Pilzbefall der Haut (einschließlich Hautfalten) sowie der Schleimhäute eingesetzt. Es ist gegen praktisch alle Hautpilze beim Menschen wirksam<ref name="römpp"/> sowie gegen Trichomonaden und einige grampositive Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken. Gramnegative Bakterien werden nicht beeinflusst.<ref name="römpp"/>
Art und Dauer der Anwendung
Die Anwendung erfolgt über wenigstens 14 Tage, gegebenenfalls bis sich aus Hautproben keine Pilze mehr anzüchten lassen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Da die Substanz praktisch nicht durch die Haut resorbiert wird, können Wechselwirkungen nur mit anderen lokal aufgetragenen Medikamenten auftreten (Verdünnung usw.). Bei vaginaler Anwendung kann die Wirkung von oralen Antikoagulantien verstärkt werden.
Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit
Die vaginale Anwendung im ersten Trimenon kann die Abortrate erhöhen und ist daher relativ kontraindiziert. Die orale Anwendung in der Schwangerschaft ist wegen der fast fehlenden Aufnahme in den Körper möglich. In der Stillzeit sollte die Brust nicht behandelt werden.
Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)
Hauptsächlich können örtliche Reizungen der Haut oder Schleimhaut auftreten. Bei systemischer Aufnahme können Schädigungen der Leber auftreten. Unverträglichkeit oder Überdosierung können zu Durchfall oder Erbrechen führen. Bei lokaler Anwendung sind keine systemischen Nebenwirkungen bekannt. Miconazol und andere Azol-Präparate hemmen das Enzym Steroid-17α-Hydroxylase, was zu einer vorübergehenden Verminderung des Testosteron-Spiegels führen kann.<ref name="römpp"/>
Darreichungsformen
Die Anwendung von Miconazol erfolgt als Creme oder Lösung, ferner sind Lutsch- und Buccaltabletten sowie Vaginalzäpfchen verfügbar.
Pharmakologische Eigenschaften
Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)
Miconazol hemmt Enzyme, darunter die Lanosterin-Demethylase, die für die Synthese des für den Aufbau der Zellmembran notwendigen Ergosterins benötigt werden. Dadurch wird die Durchlässigkeit der Zellmembran erhöht, so dass lebenswichtige Zellbestandteile austreten können.<ref name="römpp"/> Darüber hinaus werden einige Stoffwechselfunktionen bei Pilzen behindert. Die mittlere inhibitorische Konzentration liegt bei 1–4 µg/ml.<ref name="römpp"/>
Aufnahme und Verteilung im Körper (Pharmakokinetik)
Miconazol wird überwiegend lokal auf Haut oder Schleimhaut angewendet. Dabei kommt es kaum zur Resorption.
Es gibt jedoch auch Mundgele (z. B. Daktar oder Micotar), die zu schlucken sind. Im Falle einer enteralen Aufnahme wird die Substanz über Cytochrom-P450-Enzyme in der Leber verstoffwechselt.
Toxikologie
Der Inhalt handelsüblicher Cremes und Lösungen ist beim Erwachsenen kaum ausreichend, Vergiftungen hervorzurufen. Bei Aufnahme großer Mengen kann es zu Leberschädigung kommen.
Stereoisomerie
Miconazol enthält ein Stereozentrum, ist also chiral. Es gibt somit zwei Enantiomere, (R)- und (S)-1-{2-(2,4-Dichlorphenyl)-2-[(2,4-dichlorbenzyl)oxy]phenylethyl}imidazol. Der Arzneistoff Miconazol wird als Racemat [1:1-Gemisch der (R)-Form und der (S)-Form] eingesetzt. Hiervon ist die (R)-Form wirksamer als die (S)-Form.<ref name="römpp"/>
Geschichte
Miconazol wurde 1970 von der Firma Janssen patentiert<ref name="römpp"/> und 1971 auf den Markt gebracht.<ref name="Fischer445">Vorlage:Literatur</ref> Es war das erste systemisch anwendbare Imidazolderivat und somit das erste gegen tiefe Mykosen wirksame Azol-Präparat.<ref>R. C. Heel, R. N. Brogden, G. E. Pakes et al.: Miconazole: A Preliminary Review of its Therapeutic Efficacy in Systemic Fungal Infections. In: Drugs. Band 19, 1980, S. 7–30. doi:10.2165/00003495-198019010-00002</ref>
Handelsnamen
Castellani-Lösung mit Miconazol (D), Daktar (D), Daktarin (A, CH), Gyno-Mykotral (D), Infectosoor Mundgel (D), Loramyc (D), Micotar (D), Mykoderm (D), Sebolox (CH), Vobamyk (D), diverse (weitere) Generika
- mit Benzoylperoxid: Acne Plus (D, CH)
- mit Hydrocortison: Daktacort (B, SE, UK)
- mit Flupredniden-21-acetat: Decoderm bivalent (CH), Decoderm tri (D), Vobaderm (D)
- mit Prednisolon und Polymyxin B: Surolan (vet.) (D)
- mit Zinkoxid: Infectosoor Zinksalbe (D), Micotar ZP (D)
Literatur
- Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 255 f.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />