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Prednisolon

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Prednisolon (1,2-Dehydrocortisol, auch Metacortandralon oder Deltahydrocortison) ist ein synthetisches Glucocorticoid. Seine Struktur ähnelt stark einem körpereigenen Steroidhormon der Nebennierenrinde, dem Cortisol, allerdings ist eine weitere C=C-Doppelbindung in den A-Ring eingefügt worden.

Geschichte

Das Hydroxyketon wurde von Wissenschaftlern der Chemical Research and Development Division der Schering Corporation in den USA (späterer Firmenname Schering-Plough) durch Reduktion von Prednison gewonnen, zunächst durch Reduktion des Bis-3,20-Semicarbazons mit Kaliumborhydrid, dann durch eine enzymatisch-mikrobiologische Reaktion.<ref>Hershel L. Herzog, Constance C. Payne, Margaret A. Jevnik, David Gould, Elliot L. Shapiro, Eugene P. Oliveto, E. B. Hershberg: 11-Oxygenated Steroids. XIII. Synthesis and Proof of Structure of △1,4-Pregnadiene-17α,21-diol-3,11,20-trione and △1,4-Pregnadiene-11β,17α,21-triol-3,20-dione, In: Journal of the American Chemical Society Jg. 1955 Bd. 77, Heft 18, S. 4781–4784, doi:10.1021/ja01623a027</ref><ref>Arthur Nobile, William Charney, Preston L. Perlman, Hershel L. Herzog, Constance C. Payne, Maryann E. Tully, Margaret A. Jevnik, Emanuel B. Hershberg: Microbiological Transformation of Steroids. I. Δ1,4-Diene-3-ketosteroids. In: Journal of the American Chemical Society, Jg. 1955, Bd. 77, S. 4184–4184.</ref><ref>Arthur Nobile, US-Patente 2837464 und 3134718 (1958 und 1964).</ref> Der Mikrobiologe Arthur Nobile verwendete dafür Kulturen von Corynebacterium simplex und anderen Mikroorganismen, was für die industrielle Produktion entscheidend war.<ref>Arthur Nobile, US-Patente 2837464 und 3134718 (1958 und 1964).</ref>

Physikalische Eigenschaften

Prednisolon ist eine feste kristalline Substanz, die in zwei polymorphen Formen und einer Hydratform auftritt.<ref name="Veiga">Maria D. Veiga, Rafael Cadorniga: Thermal Study of Prednisolone Polymorphs, in: Thermochim. Acta, 1985, 96, S. 111–115, doi:10.1016/0040-6031(85)80012-5.</ref> Das kommerzielle Produkt schmilzt bei 239 °C mit einer Schmelzenthalpie von 33,1 kJ·mol−1.<ref name="Veiga" /> Das zweite Polymorph zeigt einen Schmelzpunkt bei 243 °C mit einer Schmelzenthalpie von 23,7 kJ·mol−1.<ref name="Veiga" /> Beide Kristallformen stehen somit enantiotrop zueinander, wobei das tiefer schmelzende Polymorph die bei Raumtemperatur thermodynamisch stabilere Form darstellt. Die Hydratform besitzt eine 1,5-Stöchiometrie und kann aus Methanol-Wasser-Gemischen kristallisiert werden.<ref name="Veiga" /> Die Hydratwasserabgabe erfolgt bereits ab 30 °C unter Bildung der höher schmelzenden Kristallform.<ref name="Veiga" />

Neben den beiden C=C-Doppelbindungen enthält das Molekül zwei Carbonylgruppen und drei Hydroxygruppen, ist also ein Hydroxyketon (11β,17α,21-Trihydroxy-1,4-pregnadien-3,20-dion).

Wirkung

Prednisolon besitzt eine ausgeprägte immunsuppressive, stark entzündungshemmende und antiallergische Wirkung. Es ist ein aktiver Metabolit des Prednisons. Die Substanz galt lange als Wirkstoff der Wahl für systemische antiinflammatorische und immunsuppressive Effekte.<ref>Pharmacology/H. P. Rang et al. – Churchill Livingstone, Edinburgh 2003, S. 412.</ref> Prednisolon kann sich in die Membran von Zellen einlagern und diese so stabilisieren, was eine geringere Beweglichkeit von Immunzellen zur Folge hat.

Anwendungsgebiete

Seit 1957 wird Prednisolon als „Solu-Decortin H“ von Merck in Deutschland vermarktet.<ref>Horst Finger: Der Einfluß von Avil und Solu-Decortin H auf die experimentelle „allergische“ Encephalomyelitis des Meerschweinchens und Kaninchens. Research in Experimental Medicine, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, 135 (3), S. 276–280, doi:10.1007/BF02045076.</ref> Der Wirkstoff wird sowohl in freier Form als auch als Prednisolonacetat überall dort eingesetzt, wo es gilt, akute Entzündungsreaktionen zu unterdrücken. Dazu gehören unter anderem: Schock/anaphylaktischer Schock, schwere Verlaufsformen allergischer Reaktionen, beispielsweise nach Wespenstich, Hirnödem, Meningitis, nach neurochirurgischen Operationen, Transplantationen (bei Gefahr der Organabstoßung), Inhalation toxischer Substanzen (wie z. B. Chlorgas), Pseudokrupp, schweren Infektionskrankheiten oder bei akuten Verschlechterungen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und bei schwerem Asthma Stufe 4, bei rheumatoiden Erkrankungen, entzündlichen Augenerkrankungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Multipler Sklerose, langanhaltenden Migräneattacken (status migraenosus),<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Autoimmunerkrankungen und Hautkrankheiten (insbesondere Neurodermitis).

Bei durch Immunkrankheiten ausgelösten Herzbeutelentzündungen können Wirkstoffe auf der Basis von Glucocorticoiden verabreicht werden.

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Prednisolon ist die vorbeugende Behandlung bei Cluster-Kopfschmerz.<ref name="DG">Vorlage:AWMF.</ref>

Neben der Ausgangsverbindung gibt es eine Reihe von Estern (siehe Tabelle unten), von denen – auch in Form ihrer wasserlöslichen Salze – pharmazeutisch vor allem das oben erwähnte Acetat, das Sulfobenzoat-Natrium, das Succinat-Natrium, das Dihydrogenphosphat oder das Pivalat der Verbindung ebenfalls zum Einsatz kommen. Sie entsprechen in ihren pharmakologischen Eigenschaften dem Prednisolon.<ref name="Hager">Vorlage:Literatur</ref><ref name="vetpharm.uzh.ch">CliniPharm/CliniTox: Wirkstoff: Prednisolon - Chemie, abgerufen am 5. Februar 2025</ref> So werden zum Beispiel zur intravenösen Gabe das Hemisuccinat und Dinatriumphosphat eingesetzt, welche im Körper in Minuten die Ausgangsverbindung freisetzen.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Der in Wasser praktisch unlösliche Ester Prednisolonacetat<ref>Vorlage:Toter Link</ref> kommt in Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung oder als Kristallsuspension für die intraartikuläre oder intrafokale Gabe zur Anwendung.

Nebenwirkungen

Prednisolon hat zahlreiche Nebenwirkungen, die auch gefährlich sein können (siehe hierzu auch Glucocorticoide#Nebenwirkungen). So resultiert aus der immunsuppressiven Wirkung eine erhöhte Infektanfälligkeit des betroffenen Patienten. Bei längerer Einnahme führt ein kataboler Effekt zu Schäden am Knochenbau (Osteopenie bzw. Osteoporose) und einem iatrogenen (durch ärztliche Therapie verursachten) Cushing-Syndrom. Es kann auch zur Entstehung eines Diabetes mellitus kommen.

Bei Beendigung einer länger dauernden Therapie mit Prednisolon oder anderen Steroiden kann es erforderlich sein, die tägliche Dosis langsam zu reduzieren, was als „Ausschleichen“ bezeichnet wird. Erfolgt dies nicht, kann es zum akuten Steroid-Entzugssyndrom kommen, welches einer Nebennierenrindeninsuffizienz ähnlich ist. Blutspiegelbestimmungen des spontanen morgendlichen Kortisolwerts (der über 500 nmol/l betragen sollte) sofort nach Ende der Prednisolontherapie können helfen, das zu vermeiden.<ref>B. Kreutzkamp, in Medical Tribune 49, 11. Juli 2014, S. 4.</ref>

Äquivalenzdosen

Die relative entzündungshemmende Äquivalenzdosis anderer Präparate, welche beachtet werden muss, wenn Prednisolon die Einnahme eines anderen Glukokortikoids ersetzen soll, lässt sich aus der folgenden Gleichung ablesen:

5 mg Prednisolon = 5 mg Prednison = 0,7 mg Dexamethason = 4 mg Triamcinolon = 4 mg Methylprednisolon = 20 mg Hydrocortison = 25 mg Cortison.

Handelsnamen

  • Monopräparate: Aprednislon (A), Decortin H (D), Dermosolon (D), Dontisolon (D), Hefasolon (D), Hexacorton (CH), Infectocortikrupp (D), Inflanefran (D), Klismacort (D), Kuehlprednon (A), Linola H (D), Lygal Tinktur (D), Prednisolon (D), Prednisolut (D), Premandol (CH), Solu-Decortin H (D), Solu-Dacortin (A), Spiricort (CH), Ultracortenol (D, A, CH), Prednison 5 léčiva (CZ, SK), zahlreiche Generika (D, A, CH)
  • Kombinationspräparate: Alpicort (D, A, CH), Aquapred (D), Bismolan-H Corti (D), Blephamide (D, CH), Imacort (CH), Imazol comp (D), Inflanegent (D), Leioderm P (D), Linoladiol H (D), Locaseptil (CH), Mycinopred (CH), Oxytetracyclin-Prednisolon (D), Scheriproct (A, CH)

Regulierung

Über den Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986 besteht in Kalifornien seit dem 20. August 1999 eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die die Handelsform Prednisolon-Natriumphosphat enthalten.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Prednisolon-Ester

Prednisolon-Ester sind überwiegend an der Hydroxygruppe am C-21, seltener an der Hydroxygruppe am C-17 der Prednisolons, verestert. Einige bilden Salze. Offizinell sind (Stand 2025) Prednisolon, Prednisolonacetat, Prednisolondinatriumphosphat und Prednisolonpivalat.<ref>European Pharmacopoeia 11th Edition, 8th Supplement (Ph. Eur. 11.8), EDQM Council of Europe, 2024.</ref>

Name(n) Verweis Summenformel Molmasse
(g·mol−1)
Natrium(prednisolon-21-hydrogenphosphat) <ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C21H28NaO8P 462,41
Prednisolonsuccinat-Natrium,
Natrium(prednisolon-21-succinat)
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C25H31NaO8 482,50
Natrium(prednisolon-21-sulfat) <ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C21H27NaO8S 462,49
Prednisolon-17-ethylcarbonat <ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C24H32O7 432,51
Prednisolon-21-(3-sulfobenzoat),
Prednisolonmetazoat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C28H32O9S 544,61
Prednisolonsulfobenzoat-Natrium,
Prednisolon-21-(3-sulfobenzoat)-Natrium
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C28H31NaO9S 566,60
Prednisolon-21-acetat-17-ethylcarbonat <ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C26H34O8 474,54
Prednisolon-21-acetat-17-pentanoat,
Prednisolon-21-acetat-17-valerat,
Prednisolonvaleratacetat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C28H38O7 486,60
Prednisolondihydrogenphosphat,
Prednisolon-21-dihydrogenphosphat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C21H29O8P 440,42
Prednisolon-21-ethylcarbonat <ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C24H32O7 432,51
Prednisolon-21-hexanoat,
Prednisoloncaproat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C27H38O6 458,59
Prednisolonhemisuccinat,
Prednisolon-21-hydrogensuccinat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C25H32O8 460,52
Prednisolon-21-hydrogensuccinat-Perphenazin (1:1),
(Prednazat)
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C25H32O8 · C21H26ClN3OS 864,49
Prednisolon-21-propionat <ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C24H32O6 416,51
Prednisolontebutat,
Prednisolon-21-tert-butylacetat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C27H38O6 458,59
Prednisolonacetat,
Prednisolon-21-acetat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C23H30O6 400,46
Prednisolon-11,21-diacetat <ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C25H32O7 444,52
Prednisolondinatriumphosphat,
Prednisolondihydrogenphosphat-Dinatrium
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C21H27Na2O8P 484,39
Prednisolonpivalat,
Prednisolon-21-pivalat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C26H36O6 444,56
Prednisolamat,
Prednisolon-21-N,N-diethylglycinat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C27H39NO6 473,60
Prednisolamathydrochlorid <ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C27H40ClNO6 510,06
Prednisolonpalmitat,
Prednisolon-21-palmitat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C37H58O6 598,85
Prednisolonsteaglat,
Prednisolon-21-stearoylglycolat
<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> C41H64O8 684,94

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Externe Links zu Prednisolon-Abkömmlingen

<references group="S" />

Vorlage:Gesundheitshinweis