Martin Bäumle
Martin Bäumle (* 3. Juni 1964 in Thalwil; heimatberechtigt in Dübendorf, Hombrechtikon und Zürich) ist ein Schweizer Atmosphärenwissenschafter und Politiker (GLP). Er ist seit 2003 Nationalrat. Von 2007 bis 2017 war er Präsident der Grünliberalen Partei Schweiz und war langjähriger Finanzvorstand der Stadt Dübendorf.
Biografie
Nach abgeschlossenem Chemiestudium an der ETH Zürich und einem postgradualen Studium als Atmosphärenwissenschafter arbeitete Bäumle im Bereich Luftschadstoff-Messungen und -Analysen, insbesondere von Kohlenwasserstoffen (VOC) als Ozon-Vorläufer und führte seit 2003 eine eigene Einzelunternehmung, die Bäumle Messungen und Beratungen. Seit 2007 ist dieses Unternehmen nicht mehr aktiv. Am 3. Juni 2019 wurde er als Vertreter der Stadt Dübendorf in den Stiftungsrat Innovationspark Zürich gewählt.<ref>Redaktion Züriost: Martin Bäumle vertritt Dübendorf im Innovationspark. Abgerufen am 4. August 2019.</ref><ref>Switzerland Innovation Park Zurich: Stiftungsrat Innovationspark Zürich neu konstituiert. Abgerufen am 4. August 2019.</ref> Am 17. Januar 2025 wurde er in den Verwaltungsrat der Axpo Holding gewählt.<ref>Generalversammlung Axpo Holding AG Aktionäre verabschieden Statutenänderung Wechsel im Verwaltungsrat. In: axpo.com. 17. Januar 2025, abgerufen am 17. Januar 2025.</ref><ref>Spitzenlöhne bei der Axpo - Eigentümer-Kantone reden jetzt bei den Kaderlöhnen der Axpo mit. In: srf.ch. 17. Januar 2025, abgerufen am 17. Januar 2025.</ref>
Bäumle ist seit 2011 verheiratet.<ref>Nico Menzato, Marcel Odermat: Am 11. 11. sagte er JA zu seiner schönen Ukrainerin. In: SonntagsBlick vom 13. November 2011</ref>
Politischer Werdegang
Martin Bäumle wurde durch den WWF und die Atomfrage politisiert.<ref name="TA 2007-02-16">Walter von Arburg: Martin Bäumle: Velo fahrender Schnelldenker im Anzug. (PDF; 280 kB) Tages-Anzeiger Online / Newsnetz, 16. Februar 2007, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 29. November 2010. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Er ist seit 1981 Mitglied der Gruppe Energie und Umwelt Dübendorf und war von 1986 bis 1990 als Vertreter dieser Gruppe im Vorstand der Grünen Partei des Kantons Zürich. Von 1987 bis 1995 und 1999 bis 2004 war er Mitglied im Zürcher Kantonsrat für den Bezirk Uster und einige Jahre Mitglied der Finanzkommission und Präsident der Elektrizitätswerk-Kommission. Von 1998 bis 2004 war er Präsident der Grünen Partei des Kantons Zürich (ab 2002 Co-Präsident). 1990 wurde er in den Gemeinderat (Parlament) und 1998 in den Stadtrat (Exekutive) von Dübendorf gewählt, wo er als Finanzvorstand amtete und 2006, 2010, 2014, 2018 und 2022 mit jeweils bestem Resultat wiedergewählt wurde.<ref name="TA 2007-02-16" /><ref>Stadt Dübendorf: Stadtrat (S. 5). In: Geschäftsbericht 2014. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 24. Juli 2019.</ref><ref>Die Wahlen in Dübendorf. Abgerufen am 27. März 2022.</ref> Zur Gesamterneuerungswahl im Frühling 2026 trat er nicht mehr an und beendete damit seine 28-jährige Amtszeit als Stadtrat und Finanzvorstand von Dübendorf<ref>Thomas Bacher: Martin Bäumle will nicht mehr Stadtrat sein. In: ZO Online. 11. Juli 2025, abgerufen am 14. April 2026 (deutsch).</ref>.
In den Schweizer Parlamentswahlen 2003 wurde er für die Grüne Partei des Kantons Zürich in den Nationalrat gewählt und in den Wahlen 2007 als Mitglied der Grünliberalen Partei wieder gewählt. Auch in den Wahlen vom 23. Oktober 2011, 2015, 2019 und 2023 wurde er im Amt bestätigt.<ref>Bäumle Martin ¦ Nationalrat. Parlamentsdienste, abgerufen am 24. Juli 2019.</ref> Er gehört seit Beginn seiner Amtszeit der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) an; zudem war er von 2003 bis 2007 Mitglied der Kommission öffentliche Bauten (KöB), von 2007 bis 2011 der Finanzkommission und von 2011 bis 2015 der Staatspolitischen Kommission.
2004 führte ein Richtungsstreit in der Grünen Partei des Kantons Zürich zu einer Abspaltung des liberaleren Parteiflügels. Martin Bäumle gründete mit Gleichgesinnten die Grünliberale Partei Kanton Zürich und wurde deren Co-Präsident. 2007 scheiterte seine Wahl zum Zürcher Regierungsrat als Nachfolger seiner Parteikollegin Verena Diener. Seit der Gründung der Grünliberalen Partei Schweiz im Juli 2007 bis Sommer 2017 war er deren Präsident.
Bäumle wurde als Mitglied des Dübendorfer Stadtrats von diesem Gremium am 19. Januar 2012<ref>«Dann hätten wir Bäumle ans Messer geliefert». In: Tages-Anzeiger/Newsnet vom 5. April 2012</ref> schriftlich<ref>Andreas Schürer: Bäumle bleibt standhaft. In: Neue Zürcher Zeitung vom 11. April 2012</ref> gerügt, da er im November 2011, unmittelbar vor einer kommunalen Volksabstimmung über den Bau eines Hochhauses, einem Journalisten ohne Wissen und Zustimmung des Stadtrats Betreibungsauskünfte über den Grundeigentümer hatte zukommen lassen.<ref>Rüge für Martin Bäumle wegen Betreibungsauskunft. In: NZZ Online vom 4. April 2012</ref><ref>Martin Bäumle denkt nicht an Rücktritt. In: Schweizer Fernsehen, 5. April 2012 (Archiv)</ref><ref>Vorwürfe im Fall Giessen bereits geklärt. Medienmitteilung der Stadt Dübendorf vom 4. April 2012 (PDF-Datei; 48 kB, Archiv).</ref> Aufgrund einer Anzeige des Dübendorfer SVP-Präsidenten und Gemeinderats Orlando Wyss eröffnete die Staatsanwaltschaft Anfang Oktober 2012 eine Strafuntersuchung wegen mutmasslicher Verletzung des Amtsgeheimnisses gegen Bäumle. Bäumles Freispruch durch das Obergericht Zürich wurde vom Bundesgericht im Juni 2018 letztinstanzlich bestätigt.<ref>Bundesgericht stützt Martin Bäumle. Tages-Anzeiger, 13. Juni 2018, abgerufen am 24. Juli 2019.</ref>
Im Mai 2017 kündigte er seinen Rücktritt als Präsident der Grünliberalen auf den Sommer 2017 an, weil die Partei nach zehn Jahren auch ohne ihn als Präsident zurechtkommen werde.<ref>Bäumle tritt ab – wer wird sein Nachfolger? In: Tages-Anzeiger.ch vom 19. Mai 2017.</ref> An der Delegiertenversammlung vom 26. August 2017 – anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Grünliberalen Schweiz – wurde Jürg Grossen zu seinem Nachfolger gewählt.<ref>Jürg Grossen folgt als GLP-Präsident auf Martin Bäumle. SRF, 26. August 2017, abgerufen am 27. August 2017.</ref> Bäumle verblieb bis Februar 2021 als Vizepräsident in der Geschäftsleitung der Partei vertreten.<ref>Grünliberale wählen Präsidium und sagen klar Ja zum Abkommen mit Indonesien und zur Trinkwasserinitiative. In: grunliberale.ch. 6. Februar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021.</ref>
Positionen
Bäumle setzt sich für eine nachhaltige Politik ein. Den Begriff Nachhaltigkeit definierte er in einem Interview so: «Bei den Ressourcen: nicht mehr verbrauchen, als wir erzeugen. Bei den Finanzen: nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen. Beim Sozialen: nicht mehr versprechen, als wir halten und finanzieren können. Diese drei Bereiche bilden ein Ganzes und sollten sich im Gleichgewicht befinden». Er verneint einen Zusammenhang zwischen «Ökologie und linkem Etatismus» und tritt «für einen starken, aber schlanken Staat, der klare Rahmenbedingungen setzt, nachhaltig wirtschaftet und seine Umwelt nicht zulasten künftiger Generationen ausbeutet» ein.<ref>«Dann nennen Sie mich eben einen Neoliberalen!» Interview in: Schweizer Monat Ausgabe 987 / Juni 2011 (kostenpflichtig)</ref> 2020 machte Bäumle Differenzen bei wirtschafts- und finanzpolitischen Themen mit seiner Partei aus. So war für Bäumle die eidgenössische Volksinitiative «Für verantwortungsvolle Unternehmen – zum Schutz von Mensch und Umwelt» (verkürzt auch Konzernverantwortungsinitiative, KOVI oder auch KVI) zu weitgehend, wohingegen seine Partei sie bejahte und die Ja-Parole herausgab. Im Bereich des Datenschutzes ist für Bäumle die Gewichtung in der GLP zu hoch; so könnte der notwendige Digitalisierungsschub unnötig gebremst werden.<ref>«Ich verstehe meine Partei immer weniger»: die Probleme Martin Bäumles mit «seiner» GLP. In: Luzerner Zeitung, 20. Oktober 2020, abgerufen am 29. Oktober 2020.</ref> 2023 erklärte er gegenüber der NZZ, die Partei sei wie ein eigenes Kind, das langsam erwachsen werde und eigene Wege gehe. Die Leitung der Partei stehe im Vergleich zu ihm jetzt etwas weiter links, «wie ich auch, als ich jünger war».<ref>«Die Partei wird nun langsam erwachsen», magazin NZZ, 11. März 2023</ref>
Weblinks
- Martin Bäumle auf der Website der Bundesversammlung
- Website von Martin Bäumle
- Sendung «Schawinski». Roger Schawinski im Gespräch mit Martin Bäumle. Video in: SRF 1 vom 26. Mai 2014 (Online, 27 Minuten)
- Daniel Ryser: Mir nach! Porträt in: Das Magazin vom 6. Dezember 2012 (Archiv)
- Jean-Martin Büttner: Der Kalkulator. Porträt in: Tages-Anzeiger vom 6. Februar 2015 (Archiv)
Einzelnachweise
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Nationalräte: Jacqueline Badran | Martin Bäumle | Max Binder | Toni Bortoluzzi | Hans Egloff | Hans Fehr | Jacqueline Fehr | Doris Fiala | Balthasar Glättli | Chantal Galladé | Bastien Girod | Andreas Gross | Thomas Hardegger | Alfred Heer | Markus Hutter | Maja Ingold | Daniel Jositsch | Hans Kaufmann | Filippo Leutenegger | Thomas Maier | Thomas Matter | Christoph Mörgeli | Tiana Angelina Moser | Martin Naef | Ruedi Noser | Hans-Peter Portmann | Rosmarie Quadranti | Natalie Rickli | Kathy Riklin | Gregor Rutz | Ernst Schibli | Barbara Schmid-Federer | Jürg Stahl | Daniel Vischer | Beat Walti | Thomas Weibel | Rudolf Winkler
Ständeräte: Verena Diener | Felix Gutzwiller
Liste der Mitglieder des Schweizer Nationalrats in der 49. Legislaturperiode | Liste der Mitglieder des Schweizer Ständerats in der 49. Legislaturperiode
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Nationalräte: Jacqueline Badran | Angelo Barrile | Martin Bäumle | Hans-Ulrich Bigler | Hans Egloff | Doris Fiala | Daniel Frei (ab Dez. 2018) | Chantal Galladé (bis Dez. 2018) | Bastien Girod | Balthasar Glättli | Nik Gugger (ab Nov. 2017) | Tim Guldimann (bis März 2018) | Martin Haab (ab Juni 2019) | Thomas Hardegger | Alfred Heer | Maja Ingold (bis Nov. 2017) | Roger Köppel | Philipp Kutter (ab Juni 2018) | Min Li Marti | Thomas Matter | Mattea Meyer | Fabian Molina (ab März 2018) | Tiana Angelina Moser | Martin Naef | Hans-Peter Portmann | Rosmarie Quadranti | Natalie Rickli (bis Juni 2019) | Kathy Riklin | Gregor Rutz | Regine Sauter | Therese Schläpfer (ab Juni 2019) | Barbara Schmid-Federer (bis Juni 2018) | Priska Seiler Graf | Jürg Stahl (bis Juni 2019) | Barbara Steinemann | Mauro Tuena | Hans-Ueli Vogt | Bruno Walliser | Beat Walti | Thomas Weibel | Claudio Zanetti
Ständeräte: Daniel Jositsch | Ruedi Noser
Liste der Mitglieder des Schweizer Nationalrats in der 50. Legislaturperiode | Liste der Mitglieder des Schweizer Ständerats in der 50. Legislaturperiode
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Zürcher Parlamentarier 51. LegislaturperiodeVorlage:Navigationsleiste Zürcher Parlamentarier 52. Legislaturperiode
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bäumle, Martin |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Atmosphärenwissenschafter und Politiker (GLP) |
| GEBURTSDATUM | 3. Juni 1964 |
| GEBURTSORT | Thalwil |
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