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Nitrotoluole

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(Weitergeleitet von M-Nitrotoluol)

Die Nitrotoluole bilden eine Stoffgruppe in der Chemie und sind aromatische Verbindungen mit einer Methylgruppe (–CH3) und einer Nitrogruppe (–NO2) als Substituenten am Benzolring. Durch unterschiedliche Anordnung der Substituenten (ortho, meta oder para) ergeben sich drei Konstitutionsisomere mit der Summenformel C7H7NO2. Das Stoffgemisch entsteht bei der Nitrierung von Toluol, wobei 2- und 4-Nitrotoluol die Hauptprodukte sind. Nitrotoluole treten als Zwischenprodukte bei der TNT-Herstellung auf und können deshalb oft als Rüstungsaltlast im Boden und Grundwasser nachgewiesen werden.

Vertreter

Nitrotoluole
Name 2-Nitrotoluol 3-Nitrotoluol 4-Nitrotoluol
Andere Namen o-Nitrotoluol,
1-Methyl-2-nitrobenzol,
ONT, 2-NT
m-Nitrotoluol,
1-Methyl-3-nitrobenzol
 
p-Nitrotoluol,
1-Methyl-4-nitrobenzol
 
Strukturformel Struktur von O-Nitrotoluol Struktur von M-Nitrotoluol Struktur von P-Nitrotoluol
CAS-Nummer Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN
PubChem 6944 7422 7473
Summenformel C7H7NO2
Molare Masse 137,14 g·mol−1
Aggregatzustand flüssig fest
Kurzbeschreibung gelbe ölige Flüssigkeit
mit aromatischem Geruch<ref name="GESTIS_o"/>
gelbe Flüssigkeit
mit charakteristischem Geruch<ref name="GESTIS_m"/>
gelbliche Kristalle<ref name="GESTIS_p"/>
 
Schmelzpunkt −4 °C<ref name="GESTIS_o"/> 16 °C<ref name="GESTIS_m"/> 52 °C<ref name="GESTIS_p"/>
Siedepunkt 222 °C<ref name="GESTIS_o"/> 232 °C<ref name="GESTIS_m"/> 238 °C<ref name="GESTIS_p"/>
Löslichkeit praktisch unlöslich in Wasser,
löslich in Aceton, Benzol, Ethanol, Ether und Chloroform
GHS-
Kennzeichnung
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahr<ref name="GESTIS_o"/>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Achtung<ref name="GESTIS_m"/>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahr<ref name="GESTIS_p"/>
H- und P-Sätze 302​‐​340​‐​350​‐​361f​‐​411 302​‐​373​‐​411 301+311+331​‐​373​‐​411
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze
202​‐​264​‐​273​‐​280​‐​301+312​‐​308+313 260​‐​264​‐​270​‐​273
301+312​‐​314
273​‐​280​‐​301+310
302+352+312​‐​304+340+311​‐​314
MAK-Wert Schweiz: 2 ml·m−3 bzw. 11 mg·m−3<ref>Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva): Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach Nitrotoluol (3- und 4-Isomer))Vorlage:Abrufdatum</ref>

Darstellung

Bei der elektrophilen aromatischen Substitution von Toluol mit Salpetersäure ist der +I-Effekt der Methylgruppe für die Stellung des Zweitsubstituenten ausschlaggebend. Als Hauptprodukte entstehen 2-Nitrotoluol (ortho) mit 65 % und 4-Nitrotoluol (para) mit 30 %, 3-Nitrotoluol (meta) dagegen nur zu 5 %.<ref>Beyer / Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie; 19. Auflage; S. Hirzel Verlag; Stuttgart 1981; ISBN 3-7776-0356-2; S. 456.</ref>

Nitrierung von Toluol zu Nitrotoluol
Nitrierung von Toluol zu Nitrotoluol

Das 3-Nitrotoluol ist aus 3-Nitro-4-aminotoluol zugänglich, indem man die Aminogruppe diazotiert und das entstandene Diazoniumsalz reduktiv mit Ethanol umsetzt (Dediazonierung).<ref>H. T. Clarke, E. R. Taylor: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 3, 1923, S. 91, doi:10.15227/orgsyn.003.0091; Coll. Vol. 1, 1941, S. 415 (PDF).</ref>

Eigenschaften

Die Siedepunkte der drei Isomere liegen nah beieinander, während sich die Schmelzpunkte deutlich unterscheiden. Das 4-Nitrotoluol, das die höchste Symmetrie aufweist, besitzt den höchsten Schmelzpunkt.

Verwendung

Die Nitrotoluole sind Zwischenprodukte bei der Herstellung von Toluidinen, bei der organischen Synthese von Pestiziden, Arznei-, Farb- und Kunststoffen.

2- und 4-Nitrotoluol sind Zwischenprodukte bei der TNT-Herstellung, sie werden zunächst zu 2,4-Dinitrotoluol weiternitriert. 2- und 4-Nitrotoluol werden außerdem Plastiksprengstoffen als Markierungsstoff zugesetzt.<ref name="Jehuda Yinon">Jehuda Yinon: Forensic and Environmental Detection of Explosives. John Wiley & Sons, 1999, ISBN 978-0-471-98371-2, S. 167 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Generell sind die Nitrobenzoesäuren aus den Nitrotoluolen durch Oxidation der Methylgruppe zugänglich. So wird z. B. 4-Nitrotoluol durch Natriumdichromat in Gegenwart von konzentrierter Schwefelsäure zur 4-Nitrobenzoesäure oxidiert.<ref>O. Kamm, A. O. Matthews: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 2, 1922, S. 53, doi:10.15227/orgsyn.002.0053; Coll. Vol. 1, 1941, S. 392 (PDF).</ref>

Darstellung von 4-Nitrobenzoesäure
Darstellung von 4-Nitrobenzoesäure

Sicherheitshinweise

Die Nitrotoluole können explosive Dämpfe bilden, greifen Gummi und Kunststoffe an und sind krebserregend.

Weblinks

Commons: Nitrotoluole – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="GESTIS_o">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> <ref name="GESTIS_m">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> <ref name="GESTIS_p">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> </references>

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