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Litauen

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Litauen [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈlɪtaʊ̯ən; selten: ˈliːtaʊ̯ən]<ref>Stefan Kleiner, Ralf Knöbl et al.: Duden – Das Aussprachewörterbuch. Verlag Bibliographisches Institut, Berlin 2015. In diesem Wörterbuch, das keinen über Deutschland hinausgehenden Anspruch erhebt, ist die Variante mit Langvokal als „selten“ gekennzeichnet.</ref><ref>Eva-Maria Krech, Eberhard Stock et al.: Deutsches Aussprachewörterbuch. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009. In diesem Wörterbuch mit dem Anspruch, die Aussprachenormen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz abzudecken, ist keine Variante mit Langvokal verzeichnet.</ref> ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), amtlich Republik Litauen, litauisch Lietuvos Respublika) ist der südlichste der drei baltischen Staaten. Er grenzt im Westen an die Ostsee und hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Belarus, Polen und Russland (Exklave Oblast Kaliningrad). Litauen ist sowohl von der Fläche als auch von der Einwohnerzahl das größte Land des Baltikums.

Von etwa 1253 bis 1795 war Litauen ein Großfürstentum, ab 1569 als Polen-Litauen Teil einer Realunion. Mit der 3. Teilung Polens kam sein Gebiet 1795 an Russland und Preußen, das seinen Anteil 1807 an das Herzogtum Warschau und an Russland verlor, bis Litauen 1918 im Akt der Unabhängigkeitserklärung Litauens zur souveränen Republik wurde. Nach der sowjetischen Okkupation (1940), unterbrochen von der deutschen Besetzung (1941–1944), erlangte es 1990 die Unabhängigkeit zurück. Im Zuge der EU-Erweiterung 2004 wurde Litauen Mitgliedstaat der Europäischen Union und Mitglied der NATO. Seit dem 1. Januar 2015 ist Litauen das 19. Mitglied der Eurozone.

Litauen hat über drei Millionen Einwohner (Stand: 2025). Hauptstadt und größte Stadt Litauens ist Vilnius (612.000 Einwohner). Weitere Großstädte sind Kaunas (311.500), Klaipėda (165.000) und Šiauliai (117.000). Panevėžys ist die fünftgrößte Stadt mit 88.000 Einwohnern.<ref>Sparčiausiai per 25 metus pagal gyventojų skaičių išaugo Vilnius, Šiauliai ir Kaunas (Statistik 2025)</ref>

Geographie

Litauen befindet sich im Süden des Baltikums. Die Zuordnung der Gesamtregion wiederum ist umstritten und wird neben geographischen Faktoren auch von historisch-kulturellen und politischen Aspekten beeinflusst. So wird das Baltikum sowohl Nordeuropa,<ref>United Nations Statistics Division – Standard Country or Area Codes Classifications (M49). In: unstats.un.org. Abgerufen am 2. November 2022.</ref> Mitteleuropa (Ostmitteleuropa),<ref>Ständiger Ausschuss für Geographische Namen (StAGN): P. Jordan: „Großgliederung Europas nach kulturräumlichen Kriterien“, Europa Regional 13 (2005), Heft 4, Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig.</ref> Osteuropa<ref>Bundeszentrale für politische Bildung: Bundeszentrale für politische Bildung: Das Europalexikon – Baltikum</ref> und Nordosteuropa zugeordnet.<ref>Der neue Fischer Weltalmanach 2017, S. 278. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016.</ref>

Litauen grenzt im Norden an Lettland, im Osten und Südosten an Belarus. Die Grenze zu Polen im Süden ist nur etwa 100 Kilometer lang. Sie gilt als die wichtigste Verbindung nach Mittel- und Westeuropa und ist als sogenannte Suwałki-Lücke von großer strategischer Bedeutung. Nach Südwesten schließt sich als Exklave die russische Oblast Kaliningrad an, die Grenze wird teilweise von der Memel gebildet. Im Westen liegt die Ostsee, zu der Litauen über den Hafen Klaipėda Zugang hat.

Geografen des Institut Géographique National, des nationalen Geographieinstituts Frankreichs, errechneten im Jahr 1989 den geographischen Mittelpunkt Europas und ermittelten eine Stelle im Dorf Purnuškės etwas nördlich von Vilnius.

Geologie

Landkarte Litauens mit farbiger Markierung topografischer Unterschiede. Hauptstadt, Distrikthauptstadt, Stadt, Wallfahrtsort und Flughafen sind eingezeichnet und in der Legende links unten erläutert.
Topographie Litauens

Litauen liegt innerhalb der Osteuropäischen Plattform und ist daher tektonisch seit geologisch längerer Zeit relativ ruhig. Die Oberfläche wurde entscheidend durch die mehrmaligen Vorstöße des Inlandeises während des Eiszeitalters geprägt. Nur ganz vereinzelt stehen deshalb ältere Gesteine an der Erdoberfläche an. Landschaftlich gehört fast ganz Litauen zum Jungmoränenland, das vom Eis der letzten, der Weichseleiszeit überdeckt wurde. Vor 20.000 Jahren, auf dem Höhepunkt der Weichselvereisung, blieb lediglich ein kleiner Streifen im äußersten Südosten eisfrei.

Im Westen grenzt das Land mit Sandstränden an die Ostsee. Der Niederlitauische Landrücken im westlichen Teil Litauens gehört zum Baltischen Landrücken. Das Hügelland im Südosten gehört zum Belarussischen Höhenrücken. Hier liegen die mit 294 m höchsten Erhebungen Litauens (Aukštasis kalnas und Juozapinės kalnas). Die größten Flüsse sind Memel und Neris, die beide in Belarus entspringen. Im Nordosten befindet sich die Seenplatte von Hochlitauen. Zahlreiche Seen gibt es auch im Süden. Insgesamt nehmen Seen etwa 1,5 % der Landesfläche ein. Teile des Kurischen Haffs und der Kurischen Nehrung gehören ebenfalls zu Litauen.

Den größten Teil der Landesfläche nehmen landwirtschaftliche Nutzflächen ein. Knapp über 30 % der Fläche ist von Wäldern bedeckt und über 3 % von Mooren und Sümpfen. Die Fläche Litauens besteht aus 62.680 km² Land- und 2.620 km² Wasserfläche.<ref name=":0">world fact book.</ref>

Klima

Kaunas
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
39
 
-3
-9
 
 
31
 
-1
-8
 
 
35
 
4
-4
 
 
42
 
11
2
 
 
55
 
18
7
 
 
69
 
21
11
 
 
80
 
22
12
 
 
78
 
22
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17
8
 
 
45
 
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4
 
 
53
 
4
-1
 
 
47
 
0
-5
Vorlage:Farbe Temperatur (°C)   Vorlage:Farbe Niederschlag (mm)
Quelle: Lithuanian Hydrometeorological Service

Das Klima in Litauen ist ein gemäßigtes Kontinentalklima. Der an der Küste vorherrschende Westwind trägt warme und feuchte Luft von der Ostsee ins Landesinnere.

Wärmster Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17 °C, kältester Monat der Januar mit durchschnittlich −5,1 °C. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 6,2 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 661 mm, im Südwesten deutlich darüber, im Norden darunter.

Umwelt

Es gibt über 200 Naturschutzgebiete verschiedener Bestimmung und verschiedenen Ranges in Litauen. Dazu gehören fünf Nationalparks, sieben Schutzgebiete nach der Ramsar-Konvention,<ref>Ramsar Convention – Briefing Notes (englisch)</ref> vier Totalreservate und dreißig Regionalparks. Über 14 % der Landesfläche werden von Naturschutzgebieten eingenommen, wie etwa dem Gebiet Praviršulio tyrelis. Ein unter Moorkundlern sehr bekanntes Hochmoor ist das Moor Aukštumala zwischen Sowetsk und Klaipėda, da es weltweit das erste Moor war, dem eine spezielle Monographie (C. A. Weber, 1902) gewidmet war. Während der westliche Teil noch sehr gut erhalten ist, wird im östlichen Teil von einer Tochtergesellschaft des deutschen Konzerns Klasmann-Deilmann großflächig Torf abgebaut.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Über eine Exkursion von Moorkundlern ins Aukštumala-Moor/Litauen. (Memento vom 8. September 2003 im Internet Archive).</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Moorschutz in Europa – Restauration und Klimarelevanz. (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive). PDF; 0,3 MB.</ref> Das Hochmoor ist Teil des Regionalparks Memel-Delta.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Karte des Regionalparks Memel-Delta (Memento vom 27. März 2007 im Internet Archive)</ref> Oberlitauen (Aukštaitija) ist teils sehr hügelig und seenreich, im Zentrum dieser Gegend liegt der Nationalpark Aukštaitija.

Bevölkerung

Demografie

<templatestyles src="Vorlage:Galerie/styles.css" />

Litauen hatte 2023 2,9 Millionen Einwohner.<ref>Population, total. In: World Economic Outlook Database. Weltbank, 2023, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,4 %. Trotz eines Sterbeüberschusses (Geburtenziffer: 7,8 pro 1000 Einwohner<ref>Birth rate, crude (per 1,000 people). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> vs. Sterbeziffer: 15,1 pro 1000 Einwohner<ref>Death rate, crude (per 1,000 people). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>) wuchs die Bevölkerung durch Migration. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,3, die der Europäischen Union betrug 1,5.<ref name="Gebrat">Fertility rate, total (births per woman). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Lebenserwartung der Einwohner Litauens ab der Geburt lag 2022 bei 75,8 Jahren.<ref name="LebErw">Life expectancy at birth, total (years). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 43,7 Jahren.<ref>World Population Prospects 2022 – Population Dynamics – Download Files. Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen, 2021, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Jahr 2023 waren 15,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahren,<ref>Population ages 0-14 (% of total population). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> während der Anteil der über 64-Jährigen 21,2 Prozent der Bevölkerung betrug.<ref>Population ages 65 and above (% of total population). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Jahr 2023 lebten 69 Prozent der Einwohner Litauens in Städten.<ref name="BevStadt">Urban population (% of total population). Weltbank, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Litauen einen rasanten Wandel zu einer urbanen Gesellschaft erlebt. 1959 lebten noch drei Fünftel (60 %) der Bevölkerung auf dem Land, 1970 war das Verhältnis ausgeglichen, und 1990 war das Verhältnis von zwei Dritteln städtischer Bevölkerung zu einem Drittel Landbevölkerung erreicht.

Migration

Etwa 15.100 Litauer wanderten von Januar bis August 2012 in ein anderes Land aus. Die Mehrheit davon sind junge Erwachsene. Sie sehen im Ausland eine größere Chance auf dem Arbeitsmarkt als in Litauen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Volkszählung 2011 (Memento vom 5. November 2012 im Internet Archive)</ref> Die Zielländer sind europäische Staaten wie das Vereinigte Königreich, Irland, Norwegen, Schweden, Dänemark und Island. Im Jahre 2017 waren in Litauen selbst 4,3 % der Bevölkerung im Ausland geboren.<ref>Migration Report 2017. (PDF) UN, abgerufen am 30. September 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Origins and Destinations of the World’s Migrants, 1990–2017. In: Pew Research Center’s Global Attitudes Project. 28. Februar 2018 (pewglobal.org [abgerufen am 30. September 2018]).</ref> Der Trend hat sich geändert und seit dem Jahr 2018 immigrieren mehr Menschen nach Litauen als emigrieren, auch dank sehr schneller Verbesserung der ökonomischen Situation.<ref>Emigration-immigration statistics. Abgerufen am 25. Mai 2024.</ref>

Schätzungen zufolge leben oder arbeiten etwa 200.000 Litauer im westlichen Ausland, ohne dass die litauischen Meldebehörden hiervon offizielle Kenntnis haben. Nach statistischen Angaben haben seit dem Jahr 2005 über 218.000 Menschen offiziell das Land verlassen; bei einer Zuwanderung von gut 60.000, ein Wanderungsverlust von knapp 158.000 Menschen, was mehr als 3 % der Bevölkerung entspricht. Das litauische Statistikamt gibt die inoffizielle Abwanderungsrate für die Jahre 2001 bis 2007 mit etwa 112.000 Personen an. Seither stellen Litauer stets 85 % der Auswanderer, 2001 war weniger als die Hälfte litauischer Staatsangehörigkeit. Andersherum stellen die Litauer seit 2005 etwa 70 % der Einwanderer, während es 2001 nur 15 % waren. Infolge der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Litauen hat die (offizielle) Immigration aus dem Nachbarland Belarus zugenommen, liegt aber weiterhin deutlich unter 1000 Personen im Jahr, im Saldo bei unter 500 Personen. In den Jahren 2009 und 2010 gab es einen markanten Unterschied: So haben 2009 nur 22.000 Menschen das Land verlassen, 2010 hingegen 84.000 Menschen. 2011 gab es einen Rückgang: 54.000 Menschen haben das Land verlassen, 16.000 sind dagegen eingewandert.<ref name="LSA"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Datenbankabfrage, Litauisches Statistikamt, 12. Mai 2012 (Memento vom 16. Februar 2009 im Internet Archive)</ref> 2013 wanderten 39.000,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Trends der Migration (litauisch) (Memento vom 14. März 2016 im Internet Archive)</ref> im nächsten Jahr 36.600 und 2015 sogar 44.500 Menschen aus.<ref>Po ketverių metų pertraukos – emigracijos šuolis. (litauisch), dt. Nach einer vierjährigen Pause ein Auswanderungssprung, Verslo žinios am 21. März 2016, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref> Im Jahr 2016 emigrierten 51.000 Litauer,<ref>Statistika Lietuvoje (Bernardinai.lt)</ref> 2017 sogar 57.200.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skaičiai stulbina: 2017 m. (Memento vom 21. September 2020 im Internet Archive) (litauisch), abgerufen am 14. Juli 2019.</ref><ref>2017 pusmetį emigravo. (litauisch), dt. In der ersten Jahreshälfte 2017 sind rund 10.000 Menschen ausgewandert. Das sind mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. DELFI am 10. Juli 2017, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref>

Die Gesamtzahl der Einwohner sank von 1990 bis 2017 wegen der Emigration von 3,7 auf 2,8 Mio. (2017 gab es 1,4 % weniger und 2018 0,5 % weniger ständiger Einwohner).<ref>Gyventojų skaičiaus mažėjimas. (litauisch), dt. Der Bevölkerungsrückgang hat sich in Litauen auf 2,8 Millionen Menschen verlangsamt. Verslo žinios am 11. Januar 2019, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref>

2018 immigrierten 12.300 Personen, davon 5.700 aus der Ukraine, 26 % aus Belarus und 6 % aus Russland. Auch nach dem Brexit ist das Vereinigte Königreich das beliebteste Auswanderungsziel der Litauer. An zweiter Stelle folgt die Ukraine und an der dritten Belarus.<ref>Statistik des Europäischen Migrationsnetzes</ref> Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 suchten zahlreiche Ukrainer in Litauen Zuflucht. Am 26. August 2022 gab die litauische Migrationsbehörde an, dass das Land bis dahin 60.000 ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat. Demzufolge waren damals bereits 2,5 % der Bevölkerung Litauens Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Bevölkerungsstruktur

Der mit Abstand größte Teil der Bevölkerung besteht aus Litauern. Jedoch gibt es im Land auch nationale Minderheiten, überwiegend Slawen. Die polnische Minderheit in Litauen,<ref>Bevölkerungsstruktur. 9. Februar 2009, abgerufen am 14. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> die vor allem im Bezirk Vilnius lebt, ist teilweise seit über hundert Jahren ansässig.

Die in Resten vorhandene, zahlenmäßig geringer werdende deutsche Minderheit in Litauen („Litauendeutsche“) blieb in ihrer langen Geschichte im Unterschied zu den Deutsch-Balten ohne größere historische, politische, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung. Die weitgehende Umsiedlung der Litauendeutschen nach Deutschland im Frühjahr 1941 war eine Folge des Hitler-Stalin-Paktes.

Russen kamen zumeist während und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Litauen, als das Land Teil der Sowjetunion war. Die russischsprachige Bevölkerung in Litauen, die nach den Polen die zweitgrößte Minderheit darstellt, konzentriert sich auf die Hauptstadt Vilnius (vor allem den Stadtteil Naujoji Vilnia), die Hafenstadt Klaipėda (Memel), die Region Mažoji Lietuva (Kleinlitauen) und auf Industriestandorte wie Elektrėnai und Visaginas.

Bevölkerung von Litauen nach ethnischer Gruppe 1959–2021
Ethnische Gruppe Zensus 1959<ref>https://demoscope.ru/weekly/ssp/sng_nac_59.php</ref> Zensus 1970<ref>https://demoscope.ru/weekly/ssp/sng_nac_70.php</ref> Zensus 1979<ref>https://demoscope.ru/weekly/ssp/sng_nac_79.php</ref> Zensus 1989<ref>https://demoscope.ru/weekly/ssp/sng_nac_89.php</ref> Zensus 2001<ref name="db1.stat.gov.lt"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jūs prisijungėte prie Rodiklių duomenų bazės (Memento vom 14. Oktober 2013 im Internet Archive)</ref> Zensus 2011<ref name="db1.stat.gov.lt" /> Zensus 2021<ref>Population by ethnicity. (XLSX; 11 kB) 2021 Population an Housing Census data. In: osp.stat.gov.lt. Abgerufen am 27. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl %
Litauer 2.150.767 79,3 2.506.751 80,1 2.712.233 80,0 2.924.251 79,6 2.907.293 83,4 2.561.314 84,2 2.378.118 84,6
Polen 230.107 8,5 240.203 7,7 247.022 7,3 257.994 7,0 234.989 6,7 200.317 6,6 183.421 6,5
Russen 231.014 8,5 267.989 8,6 303.493 8,9 344.455 9,4 219.789 6,3 176.913 5,8 141.122 5,0
Belarussen 30.256 1,1 45.412 1,5 57.584 1,7 63.169 1,7 42.866 1,2 36.227 1,2 28.183 1,0
Ukrainer 17.692 0,7 25.099 0,8 31.982 0,9 44.789 1,2 22.488 0,6 16.423 0,5 14.168 0,5
Juden 24.667 0,9 23.538 0,8 14.691 0,4 12.390 0,3 4.007 0,1 3.050 0,1 2.256 0,1
Tataren 3.020 0,1 3.454 0,1 3.984 0,1 5.135 0,1 3.235 0,1 2.793 0,1 2.142 0,1
Deutsche 11.166 0,4 1.904 0,1 2.616 0,1 2.058 0,1 3.243 0,1 2.418 0,1 1.977 0,1
Roma 1.238 0,1 1.880 0,1 2.306 0,1 2.718 0,1 2.571 0,1 2.115 0,1 2.251 0,1
Letten 6.318 0,2 5.063 0,2 4.354 0,1 4.229 0,1 2.955 0,1 2.025 0,1 1.572 0,1
Esten 352 0,0 551 0,0 546 0,0 598 0,0 400 0,0 314 0,0 233 0,0
Lipka-Tataren 423 0,0 388 0,0 352 0,0 289 0,0 273 0,0 241 0,0 n/a n/a
Andere oder unspezifiert 4.425 0,2 6.004 0,2 10.327 0,3 12.727 0,3 40.136 1,2 39.279 1,3 55.318 2,0
Gesamt 2.711.445 3.128.236 3.391.490 3.674.802 3.483.972 3.043.429 2.810.761

Daneben leben in Litauen (2011) noch:<ref>Deutschlandfunk: Islam „Wir sind zuerst Polen, dann Muslime“</ref>

Die kleinste Minderheit stellen die Karäer, ein sich zum Judentum bekennendes Turkvolk, dar, das überwiegend in Trakai siedelt und noch etwa 241 Menschen zählt (1989: 289). Knapp 33.000 Einwohner (1 % der Befragten) geben keine Volkszugehörigkeit an.<ref>Einwohner-Statistik 2011</ref>

Sprachen

Grafische Karte Litauens mit farbig markierten Anteilen polnischsprachiger Bewohner in jeder Region, die von 5 % bis über 75 % gehen. Die größte Dichte liegt im Südosten.
Die polnischsprachige Minderheit in Litauen lebt vor allem in der Umgebung von Vilnius (poln. Wilno)

Vorlage:Hinweisbaustein Litauisch als Muttersprache sprechen etwa 2.694.000 Einwohner (inklusive der Sprecher des Schemaitischen). Das Litauische gehört zu den baltischen Sprachen, zu denen auch das Lettische zählt. Litauisch gilt in manchen Merkmalen als besonders archaisch und wird daher der rekonstruierten indoeuropäischen Ursprache als besonders nahestehend eingeordnet.

In Klaipėda (Memel) und auf der Kurischen Nehrung finden sich noch einige Litauer, die Deutsch sprechen. Polnisch ist im östlichen Teil, besonders in den ländlichen Regionen um Vilnius und im Gebiet um die Ortschaft Dieveniškės, häufig anzutreffen, da dort trotz der Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine große polnische Minderheit verblieben ist. Durch die lange Präsenz des Russischen in Litauen hat sich das von den Polen gesprochene Polnisch teilweise mit russischen Wörtern und Ausdrücken vermischt, das nun als litauisches Polnisch gesprochen wird.

Während Russisch bei älteren Litauern (über 40 Jahre) noch als Lingua Franca gilt, übernimmt bei den Jüngeren nunmehr das Englische diese Rolle.

Religion

Seitliche Farbfotografie einer Kirche mit weißem Turm und roter Spitze. Die Spitze hat neben dem großen Turm vier kleine Ecktürme. Der untere Bereich besteht aus dunkelbrauner Steinmauer und das weiße Kirchenschiff hat ein rotes Dach.
Evangelisch-lutherische Kirche Šilutė

Der Großteil der Litauer (2011: 77 %) ist römisch-katholisch und gehört der Katholischen Kirche in Litauen an, etwa 4,1 % sind russisch-orthodox. Etwa 1,9 % gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Litauen und 0,2 % (7000 Mitglieder) gehören zur Evangelisch-Reformierten Kirche in Litauen. Laut einer Umfrage vom Oktober 2008<ref>Umfrageergebnisse (lit.)</ref> bezeichnen sich gut zwei Drittel der befragten Katholiken als den Glauben praktizierend. 10 % aller Befragten sahen sich als nicht gläubig. Eine Beteiligung der (katholischen) Kirche an der Gesetzgebung oder Wortmeldung zu aktuellen Themen oder Wahlempfehlungen lehnt die überwiegende Mehrheit ab (75–80 %, je nach Fragestellung).

Vilnius ist der Sitz eines Apostolischen Nuntius, der als diplomatischer Vertreter des Papstes für Estland, Lettland und Litauen zuständig ist. Es leben etwa 21.000 (0,6 %) Muslime in Litauen sowie etwa 3.000 Zeugen Jehovas. Rund 4.000 Litauer bekennen sich zur neuheidnischen Romuva-Bewegung, die offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt ist.<ref>Sabine Herre: Gebrauchsanweisung für das Baltikum, München/Berlin 2014, Gebrauchsanweisung für das Baltikum von Sabine Herre; Google Books, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref>

Der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Litauen betrug vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 9 %, Vilnius galt zeitweise als das Jerusalem des Nordens. Während der deutschen Besetzung Litauens von 1941 bis 1944 wurden über 90 % der jüdischen Einwohner ermordet.

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen des Eurobarometers ergab im Jahr 2020, dass für 37 Prozent der Menschen in Litauen Religion wichtig ist, für 31 Prozent ist sie weder wichtig noch unwichtig und für 32 Prozent ist sie unwichtig.<ref></ref>

Gesundheit

Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2022 7,5 % des Bruttoinlandsprodukts.<ref>Current health expenditure (% of GDP). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Jahr 2019 praktizierten in Litauen 44,8 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.<ref>Global Health Workforce statistics database. In: The Global Health Observatory. Weltgesundheitsorganisation, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Sterblichkeit bei unter Fünfjährigen betrug 2022 3,5 pro 1000 Lebendgeburten.<ref>Mortality rate, under-5 (per 1,000 live births). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Lebenserwartung der Einwohner Litauens ab der Geburt lag 2022 bei 75,8 Jahren<ref name="LebErw" /> (Frauen: 80,3,<ref>Life expectancy at birth, female (years). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Männer: 71,5<ref>Life expectancy at birth, male (years). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>). Die Lebenserwartung stieg von 72 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 5 %.<ref name="LebErw" />

Geschichte

Grafische Karte Litauens mit dem Titel „Litauen im 13. bis 15. Jahrhundert“. Die unterschiedlichen Erwerbungen der einzelnen Regionen sind farbig markiert und in einer Legende unten links erläutert.
Litauens Expansion nach Südosten unter den Großherzögen Mindaugas I. Vytenis, Algirdas und Vytautas – die territoriale Entwicklung im Spätmittelalter

Baltische Stämme besiedelten das Gebiet ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. Fürst Mindaugas, der sich 1253 vom Papst abgesegnet zum König krönen ließ, brachte die Nachbarstämme mit militärischer Gewalt unter seine Hoheit. Sein Fürstentum/Königreich umfasste bei seinem Tod 1263 in etwa das Gebiet des heutigen Litauens. Die Reichsbildung erfolgte gerade noch zeitig genug, um den von Norden und Süden vordringenden Rittern des Deutschen Ordens erfolgreich Widerstand leisten zu können.

Parallel dazu erfolgte im 14. Jahrhundert die Expansion nach Osten. Aus dem Zerfall der alten Kiewer Rus nach dem Mongolensturm bis 1240 hatten sich mehrere Nachfolgefürstentümer entwickelt. Durch den Deutschen Orden wurde Litauen an einer expansiven Westpolitik gehindert, während die Ostflanke durch den Mongolensturm offen lag. In dieses Machtvakuum stieß das Großfürstentum Litauen vor und geriet mit der Eroberung von Kiew (nach 1362) in die Konkurrenz zum Großfürstentum Moskau um die Vorherrschaft unter den Teilfürstentümern der Rus. Die litauische Ostexpansion fand ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Großfürst Jogaila übernahm 1386 durch Heirat und den Übertritt zum Christentum (nach Mindaugas’ Tod 1263 war Litauen wieder heidnisch „geworden“) die polnische Königskrone und gründete damit die Polnisch-Litauische Personalunion. Jogaila begründete zudem das Herrschergeschlecht der Jagiellonen. Nach der siegreichen Schlacht bei Tannenberg 1410 wurde die Bedrohung durch den Deutschen Orden endgültig beseitigt. Ein vereintes polnisch-litauisches Heer gewann diese Schlacht.

Im 15. Jahrhundert herrschten patrilineare Mitglieder der litauischen Herrscherdynastie der Gediminiden-Jagiellonen über Litauen und Polen sowie über Ungarn, Kroatien, Böhmen und Moldawien.<ref>Gediminaičiai. Visuotinė lietuvių enciklopedija.</ref><ref>Jogailaičiai. Visuotinė lietuvių enciklopedija.</ref>

Die enge politische Einheit Polens und Litauens mündete 1569 in die Realunion von Lublin, die das Ende des eigenständigen Litauens bedeutete, nachdem der litauische Adel bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten zunehmend unter den Einfluss der polnischen Kultur und Sprache gelangt war. So ging Litauen in den Zeiten der Reformation den polnischen Weg und blieb katholisch, während das nördliche, deutsch beeinflusste Baltikum protestantisch wurde. Litauen blieb bis zu den Teilungen Polens beim polnischen Staat und kam dann 1795 unter russische Herrschaft. Zwei polnisch-litauische Aufstände in den Jahren 1831 und 1863 wurden vom russischen Zaren blutig unterdrückt.

Im Ersten Weltkrieg wurde am 18. August 1915 während der Sommeroffensive die Stadt Kaunas von den Deutschen erobert. Darauf folgte die deutsche Besatzung Litauens. Das Territorium wurde dem Oberbefehlshaber Ost unterstellt. Chef der Verwaltung Litauens wurde Fürst Franz Joseph von Isenburg. Zuerst in Tilsit ansässig, wurde diese Verwaltung im April 1916 nach Kaunas und im März 1917 nach Vilnius verlegt.

Unabhängigkeit

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Antanas Smetona

Das Ende des Ersten Weltkriegs mit der Oktoberrevolution und dem nachfolgenden Bürgerkrieg führte im Februar 1918 – noch unter deutscher Besatzung – zur Ausrufung der unabhängigen Republik Litauen, die nach Kämpfen gegen Rote Armee und polnische Truppen auch durchgesetzt werden konnte. Hauptstadt war in dieser Zeit allerdings nicht der historische Großfürstensitz Vilnius, sondern Kaunas, da das Wilnaer Gebiet von Polen besetzt war (1920 bis 1939, 1923 vom Völkerbund anerkannt). Im Jahr 1923 annektierte Litauen das durch den Friedensvertrag von Versailles seit 1920 von Deutschland abgetrennte Memelland. Der Völkerbund erkannte den Schritt an, nachdem Litauen dem Gebiet Autonomie eingeräumt hatte.

Die parlamentarische Demokratie, die mit der Verfassung von 1922 eingeführt worden war, wurde im Dezember 1926 durch den Putsch von Antanas Smetona beseitigt; Smetona regierte anschließend diktatorisch bis 1940. Es wurden neue Verfassungen eingeführt, die die autoritäre Führung Smetonas bestätigten, darunter die Litauische Verfassung von 1928 und die von 1938. Smetonas autoritäres Regime verfolgte einen letztendlich erfolglosen Neutralitätskurs, um zwischen den großen Machtblöcken – der kommunistischen Sowjetunion im Osten und dem nationalsozialistischen Deutschland im Westen – nicht zerrieben zu werden. Nach einem deutschen Ultimatum musste Litauen, mittlerweile außenpolitisch isoliert, am 23. März 1939 das Memelland an das nationalsozialistische Deutschland abtreten.

Zweiter Weltkrieg

Kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überließ die Sowjetunion bei der Besetzung Ostpolens Litauen das Wilnaer Gebiet und zwang es gleichzeitig in politische Abhängigkeit. Smetona dankte im Juni 1940 ab, und nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen wurde eine pro-sowjetische Regierung ins Amt gebracht, die den Beitritt zur Sowjetunion erklärte (3. August 1940).

Im Zuge des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion besetzten deutsche Truppen das litauische Staatsgebiet in den Tagen vom 22. bis 27. Juni 1941. Die deutsche Luftwaffe erlangte in wenigen Stunden die Lufthoheit, und dann durchbrachen Panzereinheiten den Raum bis zur sowjetischen Grenze. Am 23. Juni verkündete die Führung der Litauischen Aktivistenfront das Bestehen eines eigenen litauischen Staates. Diesen Vorstoß unterbindend befahl Adolf Hitler am 29. Juni 1941, eine deutsche Besatzungsmacht einzurichten. Wenige Tage später, am 28. Juli 1941, nahm der deutsche Generalkommissar seine Tätigkeit als Okkupationsmacht in Litauen auf. Während dieser Zeit hatten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD mit litauischen Hilfswilligen und sogenannten Schutzmannschaften mit der Ermordung von Juden, Kommunisten, Sowjetbürgern des zerschlagenen Machtapparates und zum Teil Sympathisanten einer eigenen litauischen Freiheitsfront begonnen.<ref>Karl Heinz Gräfe, Vom Donnerkreuz zum Hakenkreuz. Die baltischen Staaten zwischen Diktatur und Okkupation, Edition Organon, Berlin 2010, S. 150 ff.</ref> Diese Vernichtungskommandos setzen bis Dezember 1941 ihre verbrecherische Tätigkeit fort und beseitigten einen Großteil der jüdischen Bevölkerung. Die Überlebenden wurden in Ghettos konzentriert. 90 % der jüdischen Bevölkerung des Landes erlebten das Kriegsende nicht.

Im Zuge ihrer Sommeroffensive 1944 eroberte die Rote Armee Litauen zurück. Die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (LSSR) wurde wiederbegründet. Der Widerstand der sogenannten „Waldbrüder“ gegen die sowjetische Besatzung stand ohne ausländische Unterstützung auf verlorenem Posten und war ab 1948 auf einige wenige Partisanenverbände geschrumpft. Stalin ließ 1949 in einer dritten großen Deportationswelle Zehntausende „staatsfeindliche Elemente“ nach Sibirien deportieren, nachdem bereits in den Jahren 1940/41 und 1945/46 Verhaftungen und Deportationen in großem Stil durchgeführt worden waren. Viele der Deportierten starben in den Straflagern im Osten der Sowjetunion. Zu den Deportierten gehörten auch deutsche „Wolfskinder“, die im Verlauf der Kriegswirren vor dem Verhungern aus dem Königsberger Gebiet nach Litauen geflohen und oft bei Bauern untergekommen waren.<ref>Ruth Kibelka: Wolfskinder. Grenzgänger an der Memel, Basisdruck, Berlin 1996, ISBN 3-86163-064-8.</ref>

Zur Unterstützung der Waldbrüder wurde von den Briten die British Baltic Fishery Protection Service eingesetzt, eine Tarnorganisation des britischen Geheimdienstes MI6, die offiziell der Royal Navy zugehörte. Sie wurde im Jahr 1949 gegründet – offiziell, um die Seegrenzen der britischen Besatzungszone in der Ostsee zu überwachen, tatsächlich aber um Geheimoperationen im Ostseeraum durchzuführen.

Wiedererlangung der Unabhängigkeit

Frontale Schwarzweißfotografie von einer Menschenmenge an einem Bürgersteig. In der Mitte werden drei Plakate mit kyrillischer Schrift „CCCP“ gehalten, was die ehemalige Sowjetunion darstellt. Rechts neben den Plakaten steht ein alter Mann mit Fotoapparat.
Litauer beim Gorbatschow-Treffen in Šiauliai

Bis Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich rund 65.000 Litauer als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland abgesetzt.<ref>Franz-Josef Sehr: Vor 75 Jahren in Obertiefenbach: Die Ankunft der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg (Hrsg.): Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2021. Limburg 2020, ISBN 978-3-927006-58-4, S. 125–129.</ref>

Vorlage:Hinweisbaustein Im Zuge der Perestrojka, die im Baltikum die singende Revolution auslöste, erklärte sich Litauen 1990 als erste Unionsrepublik der Sowjetunion zum souveränen Staat und benannte den Obersten Sowjet in Verfassunggebende Versammlung um. Island war der erste Staat, der 1991 das unabhängige Litauen anerkannte. Bei den Januarereignissen in Litauen am 13. Januar 1991 versuchten pro-sowjetische militärische Kräfte erfolglos, die junge Demokratie mit Panzern zu stürzen. 14 jugendliche Demonstrierende starben am Fernsehturm.

In Reaktion darauf erklärten die Litauer in einer Volksabstimmung am 8. Februar 1991 ihr „Ja“ zur Unabhängigkeit des Landes. Bei einer Wahlbeteiligung von 84,7 % sprachen sich 90,5 % für die Unabhängigkeit aus. Nach dem misslungenen Moskauer Putschversuch gegen Gorbatschow im August 1991 erkannten die Länder des Westens die Unabhängigkeit Litauens wie auch der Nachbarländer Lettland und Estland an. Nach anfänglicher Wirtschaftskrise und politischer Instabilität aufgrund einer radikalen Privatisierung gewann die Reformpolitik zunehmend an Dynamik, insbesondere nach Überwindung der Russlandkrise im Jahr 2000.

Litauen wurde 2004 Mitglied von EU und NATO. Seit dem 21. Dezember 2007 ist Litauen Teil des Schengen-Raums und seit dem 1. Januar 2015 Mitglied der Eurozone.

Politik

Politisches System

Litauen ist eine semipräsidentielle Republik. Hauptstadt und Regierungssitz Litauens ist Vilnius. Nach der Verfassung ist Litauen eine demokratische und rechtsstaatliche Republik mit Gewaltenteilung.

Präsident

Frontales Farbporträt eines Mannes in dunkelblauem Anzug mit Ansteckmikrofon und weiß-blauer Krawatte. Er hat weißes Haar und blickt lächelnd nach rechts.
Präsident Gitanas Nausėda

Staatsoberhaupt ist der Präsident, der im Gegensatz etwa zum deutschen Bundespräsidenten nicht nur repräsentative Aufgaben wahrnimmt. Vielmehr ist der Präsident der Republik Litauen noch vor dem Außenminister verantwortlich für die Außenpolitik des Landes. Darüber hinaus verfügt er über ein weitgehendes Veto-Recht, das es ihm ermöglicht, zuvor vom Seimas erlassene Gesetze zu blockieren. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Vorsitzende des Seimas und der Premierminister, die gemäß der Verfassung in Abwesenheit des Präsidenten die Republik Litauen (im Inland) leiten bzw. gegenüber ausländischen Staatsgästen vertreten können. Der amtierende Präsident ist seit dem 12. Juli 2019 Gitanas Nausėda (* 1964).

Parlament

Das litauische Parlament wird Seimas genannt. Der Name stammt von der polnischen Bezeichnung Sejm und verweist auf die lange gemeinsame litauisch-polnische Geschichte. Das Einkammerparlament besteht aus 141 Parlamentariern,<ref>Internetpräsenz. In: www.lrs.lt. Lietuvos Respublikos Seimas, abgerufen am 23. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> die für vier Jahre gewählt werden. Die letzten Parlamentswahlen erfolgten im Oktober 2024. Vorsitzender des Seimas ist der parteilose Saulius Skvernelis.<ref>Seimas 2012–2016 (englisch)</ref>

Das Parlament hat die Befugnis, mit Zweidrittelmehrheit die Verfassung zu ändern. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Regierung

Der Regierungschef Litauens ist der Premierminister. Er besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Regierung. Seit September 2025 ist Inga Ruginienė Regierungschefin.

Die Verwaltung Litauens wird jeweils durch die Fachminister geleitet. Sie stehen an der Spitze des Ministeriums und anderer untergeordneter Behörden.

Recht

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Die vorübergehende Verfassung vom November 1918 erkannte allen Litauerinnen und Litauern unabhängig vom Vermögen das aktive und passive Wahlrecht für die Parlamentswahlen zu.<ref name="Birmontinee79" /> Am 20. November 1919 wurde das Wahlgesetz vom konstituierenden Parlament verabschiedet.<ref>Toma Birmontinee, Virginija Jureniene: The Development of Women’s Rights in Lithuania: Striving for Political Equality. In: Blanca Rodríguez-Ruiz, Ruth Rubio-Marín: The Struggle for Female Suffrage in Europe. Voting to Become Citizens. Koninklijke Brill NV, Leiden und Boston 2012, ISBN 978-90-04-22425-4, S. 79–93, S. 86–87.</ref> Damit konnten litauische Frauen ab 1919 unter denselben Bedingungen wie Männer wählen und gewählt werden.<ref name="HDR343">United Nations Development Programme: Human Development Report 2007/2008. New York, 2007, ISBN 978-0-230-54704-9, S. 343.</ref> In der ersten konstituierenden Parlamentswahl von 1920 wurde dieses Recht dann erstmals angewendet.<ref name="Birmontinee79">Toma Birmontinee, Virginija Jureniene: The Development of Women’s Rights in Lithuania: Striving for Political Equality. In: Blanca Rodríguez-Ruiz, Ruth Rubio-Marín: The Struggle for Female Suffrage in Europe. Voting to Become Citizens. Koninklijke Brill NV, Leiden und Boston 2012, ISBN 978-90-04-22425-4, S. 79–93, S. 79.</ref> Auch unter sowjetischer Verwaltung blieb das aktive und passive Frauenwahlrecht gesetzlich geschützt. Das Recht wurde bei der Unabhängigkeitserklärung Litauens implizit bestätigt und durch die Verfassung explizit institutionalisiert.<ref name="ipu-913450">Historical data on women. In: data.ipu.org. IPU Parline – Global data on national parliaments, 6. September 1991, abgerufen am 3. Oktober 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Für internationales Aufsehen sorgte das Land im Juli 2009, als ein „Moralgesetz“ verabschiedet wurde, das die Diskriminierung von Homosexualität fördere. Zwar lehnte auch das damalige Staatsoberhaupt Dalia Grybauskaitė das Gesetz ab, jedoch sah sie sich verfassungsrechtlich gezwungen, es zu unterschreiben.<ref>Präsidentin entsetzt über Moralgesetz. taz am 18. Juli 2009, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref>

Parteienlandschaft

Die litauische Parteienlandschaft ist zersplittert. Den kleineren Parteien kommt durch die häufigen Regierungskrisen und wechselnde Mehrheiten im Parlament ein nicht unerheblicher Einfluss auf die parlamentarische Willensbildung zu.

Außer den Konservativen (Tėvynės Sąjunga) und Sozialdemokraten (Lietuvos socialdemokratų partija) haben die meisten Parteien keine ausgeprägte Parteienhierarchie. Sie sind in der Festlegung ihrer praktischen Positionen mehr von ihren politischen Führungskräften und deren persönlichen Interessen abhängig, als von Parteiprogrammen oder festen ideologischen Ansichten.

Mehrere Parteien wurden zu dem Zweck gegründet, Einzelpersonen eine Parteiplattform zu bieten: etwa 1998 die Neue Union für Artūras Paulauskas, 2002 die Ordnung und Gerechtigkeit (Liberaldemokraten) für Rolandas Paksas, 2003 die Arbeitspartei für Viktoras Uspaskichas oder 2006 die Liberale Bewegung für Petras Auštrevičius. Die genannten Parteiführer konnten sich zuvor in ihrer Stammpartei nicht durchsetzen und gründeten kurzerhand eine neue Partei, um ihren Interessen mehr Gewicht zu verleihen. Auch die jüngste erfolgreiche Parteigründung der Volksauferstehungspartei (seit April 2008) ist mehr von ihrem populären Vorsitzenden Arūnas Valinskas bestimmt, denn von ihren programmatischen Aussagen.

Fast alle Parteien verfolgen ein marktwirtschaftliches Konzept, am offensten die Liberalen der Liberalen und Zentrumsunion und der Liberalen Bewegung sowie die Konservativen – mit Einschränkungen auch die Sozialdemokraten, die Arbeitspartei und die Liberaldemokraten. Die Konservativen und die Liberalen finden ihre Wählerschaft eher unter den Gebildeten und „Gewinnern“ der letzten zehn Jahre, während Sozialdemokraten, Arbeitspartei und Liberaldemokraten mit populistischen Versprechungen bei der einfachen Bevölkerung, die in den letzten Jahren wenig vom Wirtschaftsaufschwung profitiert hat, um Unterstützung werben. Geografisch gesehen sind die liberalen Parteien fast ausschließlich in den Städten vertreten, während sich die Bauernpartei und die Christdemokraten auf die ländliche Bevölkerung stützen.

Nach der Affäre um den ehemaligen Präsidenten Rolandas Paksas ist ein Teil seiner Wählerschaft zur neu gegründeten Arbeitspartei übergelaufen. Paksas hatte viele der weniger wohlhabenden Wähler für sich eingenommen, indem er versprach, ihre Interessen, die Interessen der runkeliai („Rüben“) gegen die machtpolitischen Eliten des Landes zu verteidigen. Mit dem Niedergang der Arbeitspartei haben die Liberaldemokraten ihre Stellung festigen können. Sie sind neben Sozialdemokraten und Konservativen in Stadt und Land gleich stark vertreten.

Nach der Zersplitterung der Parteienlandschaft nach den Wahlen von 1996 war in den letzten Jahren eine gewisse periodische Konsolidierung jeweils vor den anstehenden Wahlen festzustellen, um in einer Koalition die Wahlaussichten zu verbessern, so etwa die Koalition von Liberaler Union, Zentrumsunion und Modernen Christdemokraten zur Liberalen und Zentrumsunion im Jahr 2003. Die Sozialdemokraten bildeten mit den Sozialliberalen 2004 angesichts verheerender Wahlprognosen ein Wahlbündnis A. Brazausko ir A. Paulausko koalicija „Už darbą Lietuvai“ (A. Brazauskas’ und A. Paulauskas’ Koalition „Arbeit für Litauen“), hier allerdings nur für die Wahl auf Basis zweier eigenständiger Parteien. Zuletzt erfolgte der Zusammenschluss der Christdemokraten mit dem Vaterlandsbund.

Politische Indizes

Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene politische Indizes
Name des Index Indexwert Weltweiter Rang Interpretationshilfe Jahr
Fragile States Index 37,4 von 120 153 von 179 Stabilität des Landes: sehr stabil
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land
2024<ref>Fragile States Index: Global Data. Fund for Peace, 2024, abgerufen am 24. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Demokratieindex 7,59 von 10 36 von 167 Unvollständige Demokratie
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2024<ref>The Economist Intelligence Unit’s Democracy Index. The Economist Intelligence Unit, 2024, abgerufen am 24. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Freedom in the World Index 89 von 100 Freiheitsstatus: frei
0 = unfrei / 100 = frei
2024<ref>Countries and Territories. Freedom House, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Rangliste der Pressefreiheit 81,7 von 100 13 von 180 Zufriedenstellende Lage für die Pressefreiheit
100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage
2024<ref>2024 World Press Freedom Index. Reporter ohne Grenzen, 2024, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 63 von 100 32 von 181 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber 2024<ref>CPI 2024: Tabellarische Rangliste. Transparency International Deutschland e. V., 2025, abgerufen am 29. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Lobbyismus

Interessenverbände spielen im politischen System keine so wichtige Rolle wie in anderen Ländern. Die Gewerkschaften haben eine sehr geringe Bedeutung im politischen und sozialen Leben. Die Abgrenzung der Parteien untereinander ist gering und kaum durch ideologische Barrieren behindert. Hingegen spielt die persönliche Bekanntschaft eine große Rolle und wird daher auf den verschiedenen Ebenen der politischen Entscheidungsfindung geltend gemacht.

Außenpolitik

Seitliche Farbfotografie einer Menschengruppe, die in drei Reihen posiert. Fast alle tragen dunkle Anzüge, nur drei Personen haben rote Blazer. Auf einem Schild im Vordergrund steht „Tratado de Lisboa“. Im Hintergrund ist eine gotische Gebäudefassade zu erahnen und mehrere Europaflaggen stehen an beiden Seiten.
Unterzeichnung des Vertrags von Lissabon im Jahr 2007

Litauen ist Mitglied vieler internationaler Organisationen. Die wichtigsten Leitlinien litauischer Außenpolitik sind die Westbindung, die transatlantische und europäische Integration und regionale Stabilität in Europa. Zentraler Aspekt für die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist dabei die Mitgliedschaft in der NATO, der Litauen am 29. März 2004 beitrat.

Während des Konfliktes um die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine im November/Dezember 2004 engagierte sich der litauische Präsident Valdas Adamkus gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Aleksander Kwaśniewski als Vermittler zwischen den Konfliktparteien. Die Medien beider Länder unterstützten Wiktor Juschtschenko.

Seit dem 1. Mai 2004 ist Litauen Mitglied der EU. Die bereits für den 1. Januar 2007 geplante Einführung des Euro wurde verschoben. Sie erfolgte am 1. Januar 2015.

Mit der Erweiterung des Schengen-Raums 2007 trat auch Litauen diesem bei. Die Grenzkontrollen an der Grenze zu EU-Staaten, d. h. Lettland und Polen, wurden am 21. Dezember 2007 abgeschafft.

Das Verhältnis zwischen Litauen und Russland ist angespannt. Unter anderem verbot die russische Regierung 2013 den Import von Milchprodukten aus Litauen. Die litauische Regierung nahm im Gegenzug einen russischen Fernsehsender aus dem Programm.<ref>Die Welt: Russland stoppt alle Milch-Importe aus Litauen. Artikel vom 8. Oktober 2013.</ref> Zu Beginn des Jahres 2018 waren im November 2017 Einreisesperren für 49 russische Funktionäre wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverstöße, Geldwäsche und Korruption ausgesprochen worden.<ref>NZZ, 16. Januar 2018, S. 2.</ref>

Die litauisch-polnischen Beziehungen wurden nach 1990 zeitweise durch Streitigkeiten über den Status der Polen in Litauen überschattet. Beide Länder sind allerdings enge militärische und sicherheitspolitische Verbündete gegen Russland.<ref>Mehr Militärkooperation mit Polen. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Januar 2024, abgerufen am 17. Mai 2024.</ref> Seit dem Euromaidan wurden die Beziehungen der zwei Länder weiter verstärkt und im Jahr 2017 wurde eine Litauisch-Polnisch-Ukrainische Brigade aufgestellt.

Am 5. Juli 2018 erfolgte der Beitritt zur OECD.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL, OECD, 5. Juli 2018. Abgerufen am 6. Juli 2018 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Im August 2021 zog die Volksrepublik China ihren Botschafter aus Litauen ab und forderte die litauische Botschafterin in der Volksrepublik auf, das Land zu verlassen. Grund war, dass die Republik China eine Auslandsvertretung in der litauischen Hauptstadt Vilnius unter dem Namen „Taiwanisches Vertretungsbüro in Litauen“ eröffnet hatte.<ref>Der Spiegel: China weist Litauens Botschafter aus. Abgerufen am 10. August 2021.</ref> Dies führte zu Spannungen und wirtschaftlichen Sanktionen Chinas gegen Litauen. Die EU verhielt sich indifferent.<ref>tagesschau.de: Taiwan-Botschaft in Vilnius: Litauen bringt die EU ins China-Dilemma. Abgerufen am 11. September 2022.</ref> Zuvor war Litauen bereits aus dem 17+1-Gipfel ausgetreten.<ref>deutschlandfunkkultur.de: China gegen Litauen – Die EU laviert in der Taiwan-Frage. Abgerufen am 11. September 2022.</ref>

Im März 2026 hat Litauen im sauerländischen Altena ein weiteres Konsulat in Deutschland eröffnet.<ref>WDR: Altena bekommt Honorarkonsulat: Ex-Bürgermeister Hollstein ist Honorarkonsul von Litauen. 18. März 2026, abgerufen am 20. März 2026.</ref> Damit befinden sich Stand März 2026 insgesamt sieben litauische Auslandsvertretungen in Deutschland.<ref>Auswärtiges Amt: Vertretungen Litauens in Deutschland. Abgerufen am 20. März 2026.</ref>

Europapolitik

Litauen ist seit dem 1. Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union. Die Beitrittsverhandlungen zwischen Litauen und der EU erreichten 2001 wichtige Fortschritte, die hauptsächlich unter der damaligen schwedischen EU-Ratspräsidentschaft erzielt wurden. Litauen hatte sich in einem Volksentscheid im Mai 2003 mit über 90 % Zustimmung für die Mitgliedschaft (ab Mai 2004) in der Europäischen Union entschieden. Erstmals seit dem Start der Währungsunion verweigerte die Europäische Kommission im Jahr 2006 einem Mitgliedsland die Euro-Einführung. Litauen durfte wegen überhöhter Inflation des Litas nicht der Euro-Zone beitreten. Erst seit Januar 2015 ist das Land Teil der Eurozone. Damit ist der Euro die staatliche Währung in Litauen.

In der zweiten Jahreshälfte 2013 (Juli bis Dezember 2013) übernahm Litauen die EU-Ratspräsidentschaft und folgte damit Irland (Januar bis Juni 2013). Abgelöst wurde Litauen durch Griechenland (Januar bis Juni 2014).<ref>Programm des Dreiervorsitzes: Irland – Litauen – Griechenland. eu2013.ie, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref>

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Militär

Frontale Farbfotografie von einer aufgereihten Armee auf einem Feld. Im Vordergrund stehen mehrere Soldaten mit Flaggen der NATO-Mitglieder und einer NATO-Flagge. Im rechten Hintergrund stehen Panzer.
Litauische Soldaten mit ihren NATO-Verbündeten in Pabradė, Litauen, während Iron Sword 2014

Im Zuge der NATO-Osterweiterung wurden 1999 Polen, Tschechien und Ungarn Mitglieder der NATO. Danach erfolgte die Einladung der Länder Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei und Slowenien, die am 29. März 2004 der NATO beitraten.

Mangels eigener moderner Jagdflugzeuge ist ständig eine Staffel von Jagdfliegern der NATO-Verbündeten auf dem Flugplatz Zokniai bei Šiauliai stationiert.

Litauische Truppen nahmen an internationalen Friedensaktionen im Kosovo und in Afghanistan teil. Als George W. Bush Anfang 2003 bei verbündeten bzw. befreundeten Staaten um Unterstützung im Irakkrieg (Dritter Golfkrieg) warb, erklärten sich einige osteuropäische Staaten (darunter Litauen) zur Hilfe bereit.<ref name="SPON-233833">Irak-Politik: Osteuropäer leisten Washington den Treueschwur. In: Spiegel Online. 5. Februar 2003, abgerufen am 12. April 2020.</ref> Litauen war von Beginn an ein Land der Koalition der Willigen; es stellte Unterstützungstruppen (Sanitätspersonal, Logistik) für den Einsatz im Irak. Im Juni 2006 waren 150 Litauer im Irak.

Bei der Suche von Seeminen (Ostsee) arbeiten die Streitkräfte Litauens eng mit Belgien, Estland, Deutschland, Frankreich, Lettland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden und dem Vereinigten Königreich zusammen.

Nach der als immer größer empfundenen Bedrohung durch den Nachbarn Russland im Zuge des Russisch-Ukrainischen Krieges führte das litauische Parlament 2015 wieder eine allgemeine Wehrpflicht ein,<ref>Russland verdoppelt Zahl der Soldaten bei Militärmanöver. Die Zeit am 19. März 2015, abgerufen am 19. März 2015.</ref> mit einer Dienstzeit von 9 Monaten.<ref>Stefan Locke: Warum zögert sie noch? In Litauen ist Landesverteidigung nicht mehr nur Sache der Armee. Spätestens seit Putins Überfall auf die Ukraine engagiert sich dafür beinahe die gesamte Gesellschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. August 2024, S. 3.</ref> Nach Analysen zum russischen Vorgehen in der Ukraine wurden Fernsehberichte und Kampagnen in den sozialen Medien, die die Idee einer historischen Zugehörigkeit von Teilen Litauens zu Russland und Informationen über die angebliche Unterdrückung ethnischer Russen im heutigen Litauen verbreiten, als Versuch der Regierung der Russischen Föderation interpretiert, die russische Öffentlichkeit auf eine Auseinandersetzung vorzubereiten. Die Anwesenheit einer Kampfgruppe von etwa 1000 Soldaten aus anderen europäischen Staaten in Litauen sei deshalb als Mittel zur Abschreckung nach Einschätzung des litauischen Verteidigungsministers vom März 2017 notwendig.<ref>Emma Graham-Harrison, Daniel Boffey: Lithuania fears Russian propaganda is prelude to eventual invasion. The Guardian vom 3. April 2017.</ref> Die Militärausgaben wurden zudem deutlich erhöht. Litauen gab 2017 knapp 1,7 % seiner Wirtschaftsleistung oder 0,8 Mrd. Dollar für seine Streitkräfte aus.<ref>Home | SIPRI. Abgerufen am 10. Juli 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 24. Februar 2022 rief die litauische Regierung aufgrund der akuten Bedrohungslage durch Russland einen bis zum 10. März dauernden Notstand aus und beorderte die Armee an die Landesgrenzen mit Belarus.<ref>DWN Express – Litauen erklärt Notstand und schickt Truppen an die Grenze. Abgerufen am 27. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>RedaktionsNetzwerk Deutschland: Litauen: Ausnahmezustand von Präsidenten wegen Krieg in Ukraine verhängt. 24. Februar 2022, abgerufen am 27. Februar 2025.</ref> Der Präsident Gitanas Nausėda kündigte 2025 an, von 2026 bis 2030 die Verteidigungsausgaben auf fünf bis sechs Prozent des BIP zu erhöhen.<ref>Anja Keinath, dpa: Nato-Mitglied: Litauische Regierung will Militärausgaben deutlich steigern. In: Die Zeit. 17. Januar 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 27. Februar 2025]).</ref>

Verwaltungsgliederung

Grafische Karte Litauens mit den Verwaltungsbezirken. Die Stadtgemeinden und neuen Gemeinden sind farbig markiert.
Selbstverwaltungseinteilung Litauens,
gelb = Stadtgemeinden, grün = Neue Gemeinden

Seit der Verwaltungsreform der 1990er-Jahre gibt es in Litauen nur eine Ebene von Gebietskörperschaften mit gewählten Ratsversammlungen und gewählten Bürgermeistern. Das sind die 60 Savivaldybės (Selbstverwaltungen). In Zuschnitt und Funktion liegen sie zwischen deutschen Gemeinden und deutschen Kreisen. Man unterscheidet:

  • 7 Stadtgemeinden
  • 2 selbstverwaltete Kurorte
  • 43 Rajongemeinden (aus früheren Kreisen/Rajonen hervorgegangen)
  • 8 „Neue“ Gemeinden

Unterhalb der Selbstverwaltungen gibt es noch die über 600 Gemeindebezirke, mit administrativen Aufgaben, aber ohne Selbstverwaltungsorgane. Die meisten Städte und Dörfer sind keine Gebietskörperschaften, sondern nur statistische Einheiten.

Über den Selbstverwaltungen gab es noch die Verwaltungsebene der zehn Verwaltungsbezirke (lit. apskritis, pl. apskritys). Deren Aufgaben werden allerdings seit dem Jahr 2010 teils zentral von Ministerien übernommen, teils wurden sie an die Gemeinden delegiert. Die Bezirke sind nur noch statistische Einheiten: <imagemap> Bild:Lithuania, administrative divisions - de (districts) - colored.svg|mini|Die ehemaligen zehn Bezirke Litauens

poly 505 757 504 715 495 688 467 673 467 660 492 625 511 607 525 600 547 609 573 607 592 598 624 588 655 587 655 600 660 620 696 623 726 622 753 621 738 648 724 666 714 687 718 720 719 752 701 756 694 746 690 733 654 749 640 762 617 760 609 750 579 755 558 754 Alytus poly 358 446 369 444 401 445 433 440 479 438 506 442 520 449 522 455 498 461 490 470 504 493 512 503 519 514 519 547 521 571 533 581 539 594 532 597 521 598 489 623 476 642 466 658 461 666 445 649 427 636 407 620 392 633 374 627 367 596 365 551 379 532 399 516 404 494 387 477 Marijampolė poly 369 329 374 359 389 376 402 382 436 386 477 395 505 407 502 433 496 439 500 446 519 450 514 462 499 473 494 479 504 503 526 529 537 566 544 605 546 613 562 610 602 594 624 584 645 580 655 577 667 540 671 501 687 499 698 502 705 498 703 482 682 470 672 461 672 442 671 413 655 386 650 364 634 346 616 343 592 338 569 314 545 309 536 316 525 328 497 323 480 316 454 312 446 317 420 327 Kaunas poly 711 361 710 343 699 330 675 341 664 353 649 364 653 389 668 405 671 434 672 454 675 463 687 474 703 485 716 490 703 523 679 528 652 577 652 596 658 615 663 619 700 620 734 621 763 625 756 643 739 686 748 696 782 674 800 656 820 646 830 649 835 669 834 684 835 693 862 693 871 685 871 657 837 642 832 637 848 613 864 551 879 504 903 474 909 476 916 476 942 434 954 430 975 430 1017 417 1018 414 1024 390 993 397 973 403 958 403 943 393 919 376 910 377 876 375 869 375 861 397 870 431 871 442 858 452 821 452 796 452 791 445 782 427 787 406 737 367 Vilnius poly 704 264 683 328 715 346 714 361 729 370 747 371 759 384 774 386 784 420 784 444 802 454 843 451 855 445 864 442 864 424 855 413 856 387 875 367 896 367 934 376 969 388 1005 393 1028 393 1037 382 1037 376 995 366 976 363 976 353 990 320 995 303 1006 283 992 271 961 265 958 245 934 220 906 195 896 208 886 228 867 254 842 265 808 260 Utena poly 601 120 601 143 601 160 586 191 590 210 590 232 586 252 585 261 587 278 576 295 567 308 571 323 596 336 617 338 641 344 670 351 682 339 699 302 704 264 705 254 747 251 783 252 805 252 833 247 864 249 880 234 908 197 894 182 861 165 846 157 840 147 767 136 751 128 743 113 728 81 706 76 666 105 652 114 635 110 Panevėžys poly 350 89 343 143 354 167 374 164 369 185 361 199 359 223 344 250 331 288 339 312 362 328 384 336 410 336 430 329 474 313 509 326 519 327 528 328 559 318 579 287 581 274 572 232 571 229 581 224 585 212 587 179 594 156 605 132 584 103 567 93 541 93 499 88 472 85 439 86 424 97 417 90 Šiauliai poly 248 299 224 312 238 341 250 342 257 361 245 396 235 403 204 411 242 441 263 445 285 448 358 453 381 450 434 448 478 442 492 442 501 415 498 401 480 397 423 384 400 379 384 368 361 330 352 311 323 285 287 282 Tauragė poly 79 376 141 394 156 376 185 403 206 416 240 390 244 387 262 354 248 338 231 332 228 312 233 293 214 264 185 247 184 234 191 201 201 173 241 147 257 137 243 94 236 87 190 105 157 121 125 148 124 166 119 171 97 184 Klaipėda poly 243 82 253 121 253 141 239 153 215 160 191 183 187 204 186 220 190 234 202 255 216 277 233 300 250 300 271 285 317 281 338 281 362 238 359 214 367 194 363 180 366 164 354 148 354 131 357 107 352 92 343 84 321 79 306 79 288 75 269 75 Telšiai

poly 1 631 100 642 206 655 326 656 396 641 417 654 431 674 465 691 475 704 488 741 499 803 513 816 5 816 Polen poly 64 383 147 399 158 390 175 406 187 415 232 443 243 447 262 453 269 465 298 452 346 452 355 463 369 479 389 491 391 496 393 516 386 529 377 543 372 550 369 562 366 583 366 615 369 628 373 636 331 639 286 635 202 638 164 654 0 632 3 474 30 440 Russland poly 104 2 79 64 106 155 112 168 129 166 129 142 158 124 174 99 212 90 246 79 266 70 304 69 338 69 374 77 387 80 410 72 430 84 439 100 458 80 514 81 523 85 554 87 586 90 625 98 649 103 672 103 698 71 725 60 747 80 762 110 778 128 794 137 817 136 838 135 878 149 890 164 904 175 941 203 955 213 965 232 976 253 981 260 989 265 1002 270 1028 262 1032 264 1061 240 1080 232 1093 231 1092 0 Lettland poly 1093 238 1074 241 1056 254 1043 271 1023 278 1011 275 1008 281 1003 303 1001 323 1001 327 996 349 991 368 1003 373 1021 369 1046 372 1053 385 1048 397 1022 404 1016 418 983 429 967 433 952 460 947 472 929 481 906 486 901 488 882 496 869 512 865 533 865 549 870 575 870 579 866 587 858 598 848 615 843 639 861 649 863 653 874 682 867 707 840 713 816 703 812 684 811 676 803 677 786 688 771 696 761 702 752 705 732 707 726 704 726 704 722 715 719 729 718 741 713 747 674 765 672 755 656 770 639 772 614 766 603 763 584 761 558 765 532 768 524 764 513 762 505 760 517 818 1092 817 Belarus

</imagemap>

  1. Bezirk Alytus (Alytus)
  2. Bezirk Kaunas (Kaunas)
  3. Bezirk Klaipėda (Klaipėda)
  4. Bezirk Marijampolė (Marijampolė)
  5. Bezirk Panevėžys (Panevėžys)
  6. Bezirk Šiauliai (Šiauliai)
  7. Bezirk Tauragė (Tauragė)
  8. Bezirk Telšiai (Telšiai)
  9. Bezirk Utena (Utena)
  10. Bezirk Vilnius (Vilnius)

Bis zum 1. Juli 2010 waren die Bezirke mit von der Regierung eingesetzten Präfekten ohne gewählte Organe, aber mit den Verwaltungen (Beamten) ausgestattet.

Grafische Landkarte Litauens mit fünf Regionen und ihren ehemaligen Namen.
Historische Regionen Litauens in den bestehenden Landesgrenzen

Traditionell wird Litauen in vier historische Regionen eingeteilt: Das sind: Aukštaitija (Oberlitauen) im Nordosten bis hinunter zur Hauptstadt Vilnius, die größte der vier Regionen, Žemaitija (Niederlitauen), die traditionell wohlhabende Suvalkija oder auch Sūduva im Südwesten und die traditionell eher arme Dzūkija im Süden. Eine fünfte Region, die in Litauen meistens als Teil von Niederlitauen angesehen wird, bildet Kleinlitauen (Mažoji Lietuva), das den äußersten westlichen Streifen Litauens bildet, bis 1918 als Teil Ostpreußens zum Deutschen Reich gehörte und danach Memelland genannt wurde. Es ist allerdings nur ein Teil des historischen Kleinlitauens.

Wirtschaft

Grafische Europakarte mit blau markierten Staaten des Europäischen Binnenmarkts.
Litauen ist seit 2004 Teil des Europäischen Binnenmarkts

Mit dem Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft war ein struktureller Wandel verbunden. Dieser hat sich seit dem Beitritt des Landes zur EU im Jahr 2004 verschärft. Die litauische Wirtschaft befindet sich seit einigen Jahren nunmehr auf Wachstumskurs (etwa 3 % jährlich). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2015 bei 37,2 Mrd. Euro,<ref name="auswaertiges-Amt">Litauen Wirtschaft. In: www.auswaertiges-amt.de. Auswärtiges Amt, 31. März 2016, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 4. Dezember 2016.@1@2Vorlage:Toter Link/www.auswaertiges-amt.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> das BIP pro Kopf bei 13.282 Euro.<ref name="auswaertiges-Amt" /> Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Litauen Platz 41 von 137 Ländern (Stand 2017–2018).<ref>At a Glance: Global Competitiveness Index 2017–2018 Rankings. In: Global Competitiveness Index 2017-2018. (weforum.org [abgerufen am 6. Dezember 2017]).</ref> Der Index für wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der 15 höchste von 176 Ländern.<ref>Index of Economic Freedom: All Country Scores. In: www.heritage.org. The Heritage Foundation, abgerufen am 24. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Wichtigste Exportartikel Litauens sind Maschinen, Elektroartikel, Textilien und Lebensmittel.

Das Land führt eine Wertpapierbörse – die NASDAQ OMX Vilnius – mit ihrem Leitindex, dem OMX Vilnius Index.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und anderer Kennzahlen<ref name="BIP IMF"/>
Jahr 2010 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
BIP in Mrd. USD
(Kaufkraftparität)
64,6 86,5 89,6 95,5 102,9 114,0 115,9 130,4 143,2 149,2 157,0
BIP pro Kopf in USD
(Kaufkraftparität)
20.863 29.713 31.141 33.595 36.497 40.567 41.253 46.441 50.577 51.940 54.369
BIP-Wachstum
(real)
0,3 % 2,8 % 2,6 % 4,7 % 4,8 % 4,7 % 0,0 % 6,4 % 2,5 % 0,4 % 2,7 %
Inflation
(in Prozent)
1,2 % −0,7 % 0,7 % 3,7 % 2,5 % 2,2 % 1,1 % 4,6 % 18,9 % 8,7 % 0,9 %
Staatsverschuldung
(in Prozent des BIP)
37 % 43 % 40 % 39 % 33 % 36 % 46 % 43 % 38 % 37 % 38 %

Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote betrug im Juni 2018 6,8 % und lag damit minimal unter dem EU-Durchschnitt.<ref>Home – Eurostat. In: ec.europa.eu. Abgerufen am 8. August 2018.</ref> Im Jahr 2017 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 13,5 %.<ref>Unemployment, youth total (% of total labor force ages 15–24) (modeled ILO estimate) | Data. In: data.worldbank.org. Abgerufen am 8. August 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Jahr 2015 arbeiteten 9,1 % aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 25,2 % in der Industrie und 65,8 % im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Beschäftigten wurde für 2017 auf 1,47 Millionen geschätzt; davon sind 50,6 % Frauen.<ref>The World Factbook – Central Intelligence Agency. In: www.cia.gov. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. August 2016; abgerufen am 6. August 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Tourismus

Frontale Farbfotografie einer braunen Burg mit vier Türmen. Die vorderen drei Türme sind mit zwei überdachten Gängen und kleinen Fenstern verbunden. Auf dem mittleren Turm ist eine Fahne. Im Vordergrund ist eine Wasserfläche mit Segelbooten und rechts eine Brücke.
Wasserburg in Trakai

Im Jahr 2024 besuchten etwa 1,4 Millionen ausländische Touristen Litauen<ref>Tourism statistics | Lithuania Travel. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Dezember 2024; abgerufen am 11. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Am beliebtesten war das Land bei Besuchern aus Polen, Deutschland und Lettland. Die Touristenzahlen haben bisher nicht das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht (2019 waren es noch 1,9 Millionen Besucher). Bei Besuchern aus westlichen Ländern gibt es Vorbehalte hinsichtlich der Sicherheitslage im Baltikum.<ref>Jolita Variakojienë, Irena Achonen: The impact of war in Ukraine on the inbound tourism in Lithuania. In: Turystyka i Rozwój Regionalny. Nr. 18, 20. Dezember 2022, ISSN 2543-8859, S. 121–128, doi:10.22630/TIRR.2022.18.24 (edu.pl [abgerufen am 11. März 2025]).</ref> Außerdem wurde seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine die Vergabe von kurzfristigen Schengen-Visa an russische Staatsbürger eingeschränkt.<ref>Estonia, Latvia, Lithuania and Poland stop entry to Russian tourists through external borders - News. 9. September 2022, abgerufen am 11. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Bleona Restelica: Lithuania to Extend National Sanctions on Russian & Belarusian Citizens for Another Year. 23. Dezember 2024, abgerufen am 11. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Staatshaushalt

Im Jahr 2016 umfasste der Haushaltsplan Ausgaben von umgerechnet 15,1 Mrd. US-Dollar; dem standen Einnahmen von umgerechnet 14,6 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 1,0 % des BIP.<ref name="CIA"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The World Factbook (Memento vom 13. Mai 2020 im Internet Archive)</ref>
Die Staatsverschuldung betrug 2016 40,0 % des BIP.<ref name="CIA" />

2020 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:<ref>Lithuania. In: The World Factbook. Central Intelligence Agency, 3. Oktober 2024 (cia.gov [abgerufen am 14. Oktober 2024]).</ref>

Infrastruktur

Energie

Frontale Farbfotografie eines Industriegebäudes mit drei dicken Rohren, die in der Höhe verbunden sind. Links steht auf dem Dach „Valgykla“. Im Vordergrund stehen auf einem Parkplatz Autos.
Das Kernkraftwerk Ignalina in Drūkšiai

In Litauen wurden in den 1990er- und 2000er-Jahren zum Teil mehr als 75 Prozent der nötigen Elektrizität durch das Kernkraftwerk Ignalina (Bautyp: RBMK wie auch in Tschornobyl) bereitgestellt. In dieser Zeit hatte Litauen neben Frankreich den höchsten Prozentsatz an Atomstrom in der Welt. Nachdem der erste Reaktor zu Jahresbeginn 2005 abgeschaltet worden war, ging der zweite (und letzte) Reaktor wegen der Verpflichtungen aus dem EU-Beitrittsabkommen zum 31. Dezember 2009 vom Netz. Ein von der litauischen Regierung bei den Parlamentswahlen 2008 zur Abstimmung gestelltes Referendum über die Verlängerung der Laufzeit des AKW Ignalina wurde zwar von über 90 % der Abstimmenden bejaht, scheiterte jedoch an der zu geringen Wahlbeteiligung (48,4 %). In jedem Fall hätte die EU-Kommission einer Abänderung des Beitrittsvertrags wohl nicht zugestimmt.

Das Gas- und Schwerölkraftwerk von Lietuvos energija in Elektrėnai, das zurzeit nur Spitzenlast abdeckt, wird in der Lage sein, die litauische Eigenversorgung an Strom bis 2015 zu gewährleisten. Allerdings bedingt das eine hohe Abhängigkeit von Lieferungen fossiler Brennstoffe (Gas, Schweröl) aus Russland. Um diese Abhängigkeit auf absehbare Zeit wieder zu reduzieren, ist der Bau des Kernkraftwerks Visaginas geplant. Im Referendum über einen Wiedereinstieg Litauens in die Kernenergienutzung am 14. Oktober 2012<ref>Litauer könnten umstrittenes Kernkraftwerk stoppen. Zeit online am 14. Oktober 2012, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref> sprachen sich 64,8 % der Wähler gegen das Kraftwerk aus.<ref>Litauen stimmt gegen Atomkraft. In: Frankfurter Rundschau, 15. Oktober 2012, abgerufen am 16. Oktober 2012.</ref>

Erneuerbare Energien werden in den letzten Jahren vermehrt eingesetzt, vorwiegend Energieerzeugung aus Biomasse. Dafür sorgen insbesondere EU-Fördermittel sowie Nichtregierungsorganisationen und Verbände von Energieerzeugern. In Litauen waren im Jahr 2009 68 Windkraftanlagen in Betrieb, mit einer installierten Leistung von 91,2 MWe und einer jährlichen Auslastung von 21,89 %.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lithuanian Wind Energy Association – Statistics (Memento vom 8. Dezember 2012 im Internet Archive)</ref> Eine staatliche Förderung existiert nicht.

Telekommunikation

Litauen hat das in der EU und Europa am besten ausgebaute Glasfasernetz. Nach einer vom FTTH Council Europe im Jahr 2013 veröffentlichten jährlichen Studie<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Winners and losers emerge in Europe’s race to a fibre future. (Memento vom 14. Oktober 2017 im Internet Archive) (PDF; 448 kB, englisch), Pressemitteilung vom 20. Februar 2013, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref> sind im Land circa 32 % der Haushalte mit FTTH versorgt. Davon haben etwa 31 % einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Damit ist Litauen im europäischen Vergleich prozentual führend. Schweden hat mit nahezu 23 % die nächsthöchste FTTH-Durchdringung in Europa.

Der Anschluss an das Festnetz ist vom Anschlussinhaber zu finanzieren, sodass speziell in ländlichen Gebieten Festnetzanschlüsse meist nur dort vorhanden sind, wo sie bereits unter sowjetischer Besetzung gebaut wurden. Das litauische Mobilfunknetz (Telefon und Internet) ist deshalb sehr gut ausgebaut, selbst in ländlichen Gegenden und im Wald gibt es selten Funklöcher. Im Jahr 2023 nutzten 88,5 Prozent der Einwohner Litauens das Internet.<ref>Individuals using the Internet (% of population). In: data.worldbank.org. Weltbank, abgerufen am 9. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Verkehr

Farbfotografie von einem schmalen Flussverlauf, der durch einen dichten Wald führt.
Fluss Vilnia bei Vilnius

Litauen verfügt über eine große Bedeutung als Transitland zwischen Mitteleuropa und Nordeuropa, zwischen der Oblast Kaliningrad und dem russischen Kernland sowie zwischen Belarus und Skandinavien. Litauen besitzt außerdem eine wichtige Funktion als Erdöl-Transitland.

Die Hauptstadt Vilnius befindet sich aufgrund ihrer Nähe zur stark abgeriegelten EU-Außengrenze nach Belarus in einer Art „totem Winkel“. Daher hat die zweitgrößte Stadt Kaunas in verkehrsplanerischer Hinsicht eine größere Bedeutung für Litauen als Vilnius.

Straßen

Grafische Karte von Litauen mit sechs europäischen Fernstraßen E28, E67, E77, E85, E262, E272. Die wichtigsten Knotenpunkte Vilnius, Kaunas, Panevėžys, Šiauliai, Klaipėda sind eingezeichnet.
Das litauische Europastraßennetz

Das gesamte Straßennetz umfasste 2012 etwa 84.166 km, wovon 72.297 km asphaltiert sind.<ref name=":0" /> Litauens Straßennetz befindet sich noch im Ausbau. Die wichtigsten Verbindungen sind die Autobahnen VilniusKaunasKlaipėda (dt. Memel) und Vilnius–Panevėžys sowie die Fernstraße E 67 „Via Baltica“ von Warschau über Kaunas und Riga nach Tallinn bzw. Helsinki, die langfristig zur Vollautobahn ausgebaut werden soll. Im Bau sind zudem Autobahnen rund um Šiauliai und in der Region Telšiai.

Der Güterkraftverkehr in Litauen umfasste im Jahr 2012 insgesamt 5960 Millionen tkm, davon ungefähr 40 % inländische Transporte. Im Inland wurden im gleichen Jahr knapp 30 % der Güter auf der Straße transportiert (Modal Split, nach tkm gemessen).<ref>Modal Split und Aufkommen im Straßengüterverkehr in der EU. (PDF; 256 kB) Der Anteil des Straßenverkehrs am Inlandgüterverkehr blieb 2012 bei rund 75%. In: ec.europa.eu. Eurostat Pressestelle, 1. Oktober 2014, abgerufen am 29. Januar 2025.</ref>

Schifffahrt

In Klaipėda befindet sich ein wichtiger Seehafen mit Fährverbindungen in den gesamten Ostseeraum (u. a. nach Kiel) und zunehmender Bedeutung für den Frachtverkehr. Daneben sind die Memel und die Neris für die Binnenschifffahrt befahrbar, die jedoch bedeutungslos ist.

Fluglinien

Litauen hat vier internationale Flughäfen: Vilnius, Kaunas (in Karmėlava); selten bzw. nur saisonal angeflogen werden Palanga und Šiauliai. Es bestehen Verbindungen in zahlreiche Länder Europas. Der Einzugsbereich des Flughafens Riga in Lettland erstreckt sich bis nach Litauen.

Auch Billigflüge mit Air Baltic, Ryanair und Wizz Air werden aus deutschen Städten wie Frankfurt am Main, Hahn, Berlin, Bremen, Hamburg, Hannover, München, Düsseldorf, Dortmund und Karlsruhe angeboten.

Eisenbahn

Nachtaufnahme zweier Bahnsteige mit Gleisen in der Mitte. Im Hintergrund ist ein Fußgängerüberweg. Der Bahnhof ist spärlich beleuchtet, nur rechts ist der Bahnsteig gut zu erkennen.
Bahnhof Vilnius (2008)

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Litauens Eisenbahn verkehrt großteils (wie in der gesamten ehemaligen Sowjetunion und in Finnland) auf Breitspur von 1520 mm, während in Mitteleuropa Normalspur (1435 mm) verwendet wird. Deswegen müssen Züge von Polen ins Baltikum umgespurt werden. Hierzu werden teilweise moderne Umspursysteme wie das polnische SUW-2000-System verwendet.

Die schnellen Direktzugverkehre zwischen Vilnius und Warschau führten bis 1990 über bis dahin zur Sowjetunion gehörendes belarussisches Gebiet. Zur Vermeidung der daraus resultierenden Grenzformalitäten wird über Šeštokai (LT) und Suwałki (PL) mit dem wiedereröffneten Eisenbahn-Grenzübergang Mockava eine alternative Nebenstrecke betrieben. Seit Juni 2016 gibt es am Wochenende direkte Zugverbindungen von Polen nach Litauen (BiałystokKaunas); das Umsteigen in Šeštokai entfällt, da die Strecke auf Normalspur umgestellt ist.

Der direkte Nachtverkehr wurde bis zum Jahr 2011 über eine IC-Busverbindung bedient, deren Betreiber PKP Intercity war. Diese Busverbindung ersetzte den bis 2004 zwischen Vilnius und Warschau verkehrenden direkten Nachtzug.

Seit dem 6. Januar 2025 besteht eine Verbindung zwischen Tallinn und Vilnius mit einem täglich verkehrenden Zugpaar. Zunächst musste in Riga und Valga jeweils umgestiegen werden. Seit dem 10. Februar 2025 wird zwischen Vilnius und Valga durchgehend gefahren. Die Fahrzeit über die Gesamtstrecke beträgt etwa 10 Stunden. Bis zum Jahr 1998 verkehrte in dieser Verbindung der „Baltic Express“. Mit Fertigstellung von Rail Baltica soll der Verkehr auf diese Infrastruktur verlegt werden.<ref>NN: Passenger railway service connects the capitals of the Baltic States. In: OSJD Bulletin 1/2025, S. 43f.</ref>

Busse

Für die nationale und internationale Personenbeförderung spielt auch der Omnibusverkehr (z. B. die Fernbuslinien von Eurolines, Ecolines oder Lux-Express) eine wichtige Rolle.

Feuerwehr

In der Feuerwehr in Litauen waren im Jahr 2019 landesweit 2845 Berufs- und 1765 freiwillige Feuerwehrleute organisiert, die in 81 Feuerwachen und Feuerwehrhäusern, in denen 224 Löschfahrzeuge und 48 Drehleitern bzw. Teleskopmasten bereitstehen, tätig sind.<ref name="CTIF-WFS01">Nikolai Brushlinsky, Marty Ahrens, Sergei Sokolov, Peter Wagner: Welt-Feuer-Statistik Ausgabe Nr. 26-2021. (PDF) Tabelle 1.13: Personal und Ausstattung der Feuerwehren der Staaten in 2010–2019. Weltfeuerwehrverband CTIF, 2021, abgerufen am 18. Februar 2022.</ref> Die litauischen Feuerwehren wurden im selben Jahr zu 30.666 Einsätzen alarmiert, dabei waren 11.509 Brände zu löschen. Hierbei wurden 70 Tote von den Feuerwehren bei Bränden geborgen und 164 Verletzte gerettet.<ref name="CTIF-WFS04">Nikolai Brushlinsky, Marty Ahrens, Sergei Sokolov, Peter Wagner: Welt-Feuer-Statistik Ausgabe Nr. 26-2021. (PDF) Tabelle 1.2: Verdichtete Kennzahlen der Brandsituation in den Staaten für das Jahr 2019. Weltfeuerwehrverband CTIF, 2021, abgerufen am 18. Januar 2022.</ref> Die nationale Feuerwehr- und Rettungsorganisation Priešgaisrinės apsaugos ir gelbėjimo departamentas prie Vidaus reikalų ministerijos repräsentiert die litauische Feuerwehr im Weltfeuerwehrverband CTIF.<ref name="FL07">Lithuania. Members. Comité technique international de prévention et d’extinction du feu (CTIF), abgerufen am 25. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Kultur

Farbige Eckansicht eines dunklen Holzhauses mit Reetdach und einem roten Schornstein. Die Fensterläden sind geschlossen. Im Vordergrund sind ein grauer Lattenzaun und ein Jesuskreuz mit einer betenden Figur aus Holz darunter.
Altes litauisches Holzhaus

Litauen wurde von vielen geschichtlichen Ereignissen geprägt, darunter von der langen gemeinsamen Geschichte mit Polen, mit der Hanse und im Ostseeraum. Litauen kam 1795 bei der dritten Teilung Polens zum russischen Kaiserreich; die russisch-orthodoxe Kirche breitete sich aus.
Im Westen Litauens ist hanseatisch-nordeuropäische Tradition mit starken deutschen, dänischen und schwedischen Einflüssen sichtbar, z. B. (Backsteingotik, Fachwerkhäuser). Im Osten Litauens, auch in Vilnius, gab es mehr polnische Kulturelemente.

Die barocke Altstadt von Vilnius ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, ebenso die Dünen auf der Halbinsel Kurische Nehrung (Neringa) und die archäologische Stätte Kernavė.

Musik

Literatur

Film

Schwarzweißes Porträt eines alten Mannes in leichter Obersicht. Sein dunkler Hut verdeckt seine rechte Stirn und ein schwarzes Muttermal ist auf seiner rechten Wange. Er hält etwas über seine linke Schulter.
Jonas Mekas wurde oft „der Pate des amerikanischen Avantgardekinos“ genannt

Nach Amerika ausgewanderte Litauer realisierten bereits im Jahr 1909 erste litauische Filme. Anfang der 1940er Jahre wurde das Lietuvos kino studija gegründet. Es stand zur Zeit der Sowjetunion unter staatlicher Kontrolle und war alleinige Zentrale der litauischen Filmindustrie. Jährlich produzierte man drei bis vier Spielfilme und dreißig bis vierzig Dokumentarfilme.

Nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1991 ging die Zahl der litauischen Filme stark zurück und private Unternehmen übernahmen die Filmindustrie. Filmemacher wie Arūnas Matelis und Šarūnas Bartas erhielten Aufmerksamkeit auf internationalen Filmfestivals und Algimantas Puipa war in Litauen kommerziell erfolgreich.

Museen und Galerien

Frontale Farbfotografie eines zweigeschossigen neobarocken Gebäudes. Das beige Gebäude ist mit weißen Ornamenten und Giebelfeldern verziert. Der Mittelteil hat Säulen und eine Terrasse sowie im Obergeschoss einen Balkon. Links ist ein Nebengebäude mit einer Kuppel. Der Garten mit Blumenbeeten und einer weißen Skulptur ist über eine kurze Treppe zu erreichen.
Bernsteinmuseum Palanga

Es gibt zahlreiche Museen und Galerien in Litauen.

  • Nationalmuseum: Das Nationalmuseum befindet sich in Vilnius neben der Kathedrale. Weitere Filialen sind über die Stadt verteilt. Die Ausstellung ist reich an archäologischen und ethnographischen Exponaten.
  • Teufelsmuseum in Kaunas: In der litauischen Mythologie und als Symbol im Alltagsleben spielt der Teufel eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu mitteleuropäischen Vorstellungen gilt er nicht als die Verkörperung des absoluten Bösen, sondern mehr als eine Art Trickster, der den Menschen auch hilft. Deshalb finden sich in der Öffentlichkeit verhältnismäßig viele Teufels-Statuen und -Abbildungen.
  • Das Bernsteinmuseum im Kurort Palanga an der Ostsee, im Schloss von Grafen Tiškevičius, bietet unikale Kollektionen von Bernstein. Es gibt auch ein kleineres Bernsteinmuseum in Nida.
  • KGB-Museum: Im Herzen von Vilnius befindet sich das ehemalige Gefängnis des KGB, das als Museum dient. Verschiedene Zellen und Erschießungskammern stehen zur Besichtigung.

Symbole und Heilige

Frontale Farbfotografie eines Hügels mit vielen unterschiedlich großen Kreuzen. In den vorderen Reihen sind kleine, hellbraune Kreuze. In der Mitte führt eine Treppe zur Spitze, wo zwei Menschen gehen. An jeder Seite steht jeweils ein großer Jesus.
Berg der Kreuze
  • Das Staatswappen zeigt einen gegen Westen reitenden Reiter (lit. vytis, zu vyti; dt. „jagen, verfolgen“). Das litauische Wappen ist seit dem Jahr 1366 belegt.
  • Der Patron Litauens ist der Heilige Kasimir. Die Kasimirsmesse findet jedes Jahr am Wochenende vor dem 3. März in der Altstadt von Vilnius statt. Es werden Erzeugnisse des traditionellen und Kunsthandwerks angeboten und alte Künste und Gewerbe gezeigt.
  • Häufig anzutreffen ist eine Skulptur des Schmerzensmannes, (lit. Rūpintojėlis; dt. „der sich kümmernde“). Diese zeigt Jesus Christus in sitzender Haltung, das Kinn auf die Hand gestützt, in sinnierender Haltung. Sie ist nicht kanonisch, weshalb eine Herkunft aus der vorchristlichen Religion erwogen wird. Als Souvenirs kann man kleine Skulpturen in vielen litauischen Galerien kaufen.
  • Bernstein ist ebenfalls ein typisches, häufig angebotenes Souvenir der Baltikumreisenden, auch wenn die meisten Steine aus der Oblast Kaliningrad stammen.
  • Der Berg der Kreuze (lit. Kryžių Kalnas) befindet sich bei der Stadt Šiauliai (dt. Schaulen). Er symbolisiert auch den Kampf gegen Sowjetmacht und Okkupation.
  • Die Weinraute, obwohl nicht in Litauen heimisch, gilt als Nationalblume. Sie war (und ist) insbesondere im Hochzeitsbrauch unabdingbar. Jetzt ist sie mithin noch in dörflichen Gärten und auf Friedhöfen anzutreffen.

Gesellschaft

Seit der Unabhängigkeit Litauens im Jahr 1991, die von breiten Bevölkerungsschichten unterstützt wurde, ist die Zustimmung zur Demokratie hoch. Dementsprechend haben sich relativ gefestigte Institutionen entwickelt. Auch bildeten sich in Litauen zunehmend gesellschaftlich verankerte Interessengruppen heraus, die Rolle der Gewerkschaften ist allerdings eher unbedeutend. Generell herrscht eher Skepsis gegenüber staatlichen Einrichtungen und den Entscheidungen des Parlaments.<ref>Entwicklung der Entwicklung und Transformation. Ländergutachten 2003 – Litauen. In: bti2003.bertelsmann-transformation-index.de. Bertelsmann Stiftung, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. Juni 2019; abgerufen am 13. September 2024.</ref>

Der Einfluss der Kirche in Litauen nahm seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 stark zu. Homosexualität wurde 1993 zwar legalisiert, sie ist aber nach wie vor weithin ein Tabu.

Medien

Die litauische öffentlich-rechtliche Mediengruppe, Lietuvos nacionalinis radijas ir televizija betreibt drei Fernsehsender, drei Radiostationen und ein Medienportal.<ref>Apie LRT. Lietuvos nacionalinis radijas ir televizija (LRT), abgerufen am 13. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zu den meistgesehenen privaten Fernsehsendern gehören TV3<ref>Apie tv3. Abgerufen am 13. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und Laisvas ir nepriklausomas kanalas (LNK).<ref>Lnk.lt. Laisvas ir nepriklausomas kanalas, abgerufen am 13. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

In Litauen erscheinen einige national verbreitete Tageszeitungen, darunter die Lietuvos rytas und die deutschsprachige Baltische Rundschau.

Sport

Frontale Farbfotografie einer Mannschaft in weißen Trikots, die sich in einer Reihe in den Armen halten und sich vorbeugen. Vor ihnen streckt ein Spieler seine Hände in die Höhe. Alle haben die Nationalflagge Litauens um ihre Schultern geknotet. Im Hintergrund ist eine Tribüne mit Zuschauern.
Die litauische Basketballnationalmannschaft gewann bei der Basketball-Weltmeisterschaft 2010 den 3. Platz

Basketball ist der Nationalsport in Litauen. Die litauische Basketballmannschaft zählt zu den besten Mannschaften Europas und konnte dreimal die Europameisterschaft gewinnen. Bereits 1937 und 1939 konnte Litauen die Europameisterschaften in dieser Sportart gewinnen. Diese Tradition fand ihre Fortsetzung in der sowjetischen Zeit, als litauische Spieler immer wieder Teil der sowjetischen Auswahlteams waren. Bekannte Namen sind Kazys Petkevičius, Modestas Paulauskas, Sergejus Jovaiša, Arvydas Sabonis, Rimas Kurtinaitis und Šarūnas Marčiulionis. Marčiulionis gehört zusammen mit Sabonis zur Goldenen Generation litauischer Basketballspieler, die ab Anfang der 1980er-Jahre zunächst für die Sowjetunion und ab 1991 für das wieder unabhängige Litauen zahlreiche Erfolge einheimsten. Beide wurden in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen (Sabonis im August 2011, Marčiulionis 2014).

Bei den ersten Olympischen Spielen nach der wiedererlangten Unabhängigkeit konnte das litauische Basketballteam der Herren 1992 in Barcelona überraschend Bronze gewinnen, ein Erfolg, der 1996 und 2000 wiederholt werden konnte. Nach Silber 1995 wurde die neue Generation um Šarūnas Jasikevičius und Arvydas Macijauskas 2003 Europameister.

Unter den Mannschaften im Basketball zählen „Žalgiris Kaunas“ und „Lietuvos rytas Vilnius“ seit langer Zeit zu den Topadressen in Europa.

Andere Mannschaftssportarten fristen demgegenüber ein Schattendasein. Das größte Fußballstadion des Landes in Kaunas fasst gerade einmal 20.000 Zuschauer. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Bei den olympischen Sportarten hat Litauen eine Tradition guter Werfer (Romas Ubartas und Virgilijus Alekna) sowie Radfahrer und Ruderer.

Der litauische Tennisspieler Ričardas Berankis erreichte im Jahr 2007 Platz eins der Juniorenweltrangliste und schaffte es im November 2010, als erster Litauer in die Top 100 der Weltrangliste einzuziehen. Mit Laurynas Grigelis gibt es noch einen weiteren Tennisspieler aus Litauen, der im Jahr 2017 in den Top 300 stand.<ref name="FJ001">Laurynas Grigelis Men's Singles Overview. Year-end Ranking. In: www.itftennis.com. International Tennis Federation (ITF), 2022, abgerufen am 31. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Sommer 2011 fand die Basketball-Europameisterschaft in Litauen statt.

Special Olympics Litauen wurde im Jahr 1989 gegründet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.

Feiertage

Siehe auch

Portal: Litauen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Litauen

Literatur

  • Mathias Niendorf: Geschichte Litauens. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2022, ISBN 978-3-447-10822-5.

Weblinks

Wiktionary: Litauen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Litauen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 56° N, 24° O

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Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen
und Vatikanstadt:

Albanien | Andorra | Belarus | Belgien | Bosnien und Herzegowina | Bulgarien | Dänemark<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 | Griechenland | Irland | Island | Italien<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 | Kasachstan<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1 | Kroatien | Lettland | Liechtenstein | Litauen | Luxemburg | Malta | Moldau | Monaco | Montenegro | Niederlande<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 | Nordmazedonien | Norwegen<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 | Österreich | Polen | Portugal<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 | Rumänien | Russland<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1 | San Marino | Schweden | Schweiz | Serbien | Slowakei | Slowenien | Spanien<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 | Tschechien | Türkei<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1 | Ukraine | Ungarn | Vatikanstadt | Vereinigtes Königreich<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2

Abhängige Gebiete:

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Hat zusätzliche Gebiete außerhalb Europas.
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