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Langblättriges Hasenohr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Langblättriges Hasenohr
Datei:Bupleurum longifolium1 eF.jpg

Langblättriges Hasenohr (Bupleurum longifolium)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Hasenohren (Bupleurum)
Art: Langblättriges Hasenohr
Wissenschaftlicher Name
Bupleurum longifolium
L.

Das Langblättrige Hasenohr (Bupleurum longifolium), auch als Wald-Hasenohr bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hasenohren (Bupleurum) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung

Datei:Bupleurum longifolium2 eF.jpg
Blütenstand mit unreifen Früchten
Datei:Bupleurum longifolium (Langblatt-Hasenohr) IMG 29038.JPG
Döldchen mit Früchten

Vegetative Merkmale

Das Langblättrige Hasenohr wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhe von 30 bis 100 Zentimetern. Bisweilen stirbt sie nach der ersten Samenreife ab. Pro Pflanzenexemplar können sich ein bis mehrere Stängel entwickeln. Die aufrecht wachsenden, stielrunden, weißlich-grün oder grünlich-roten Stängel sind im oberen Bereich verzweigt, selten bildet sich die Verzweigung bereits im unteren Teil des Stängels aus.

Die Laubblätter sind wechselständig am Stängel angeordnet. Die Blattspreite besitzen einen Mittelnerv und gegen den Blattrand zu zeigen sich bogenförmig verlaufende, sich netzig auflösende Seitennerven. Die unteren Laubblätter sind in einen scheidenförmigen Blattstiel verschmälert. Die mittleren und oberen Laubblätter sind sitzend und mit einem tief-herzförmigen Grund stängelumfassend.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis August.<ref name="Thellung1965" /> Der Blütenstand des Langblättrigen Hasenohrs entspricht dem einer Doppeldolde. Der Stiel der Dolde ist etwa so lang wie die Dolde. Die fünf bis zehn dünnen, etwas kantigen Strahlen der Dolde sind bis zu 7 Zentimeter lang.<ref name="Thellung1965" /> Die drei bis vier ungleichen Hüllblätter der Dolde sind bei einer Länge von 0,5 bis 3 Zentimetern sowie einer Breite von 0,5 bis 2 Zentimetern verkehrteiförmig oder breiteiförmig bis lanzettlich oder annähernd kreisrund.<ref name="Thellung1965" /> Die Blattspitze der Hüllblätter kann stumpf oder plötzlich stark zugespitzt ausgeprägt sein.<ref name="Thellung1965" /> Die fünf bis elf Blattnerven verlaufen handförmig.<ref name="Thellung1965" /> Sowohl die Hüllblätter als auch die Hüllchenblätter der Döldchen besitzen eine dünne Textur. Bei grüner Blattfärbung sind sie beinahe undurchsichtig, bei grüngelblicher oder gelblicher Farbgebung halbdurchscheinend. Selten sind sie grünpurpur gefärbt.<ref name="Thellung1965" />

Die lockerstehenden Döldchen mit fädlichen Döldchenstrahlen besitzen fünf bis acht Hüllchenblätter. Sie sind an der Basis sehr kurz, in sehr seltenen Fällen teilweise oder auch gesamt fast bis zur Mitte verwachsen.<ref name="Thellung1965" /> Ihre Form ist länglich-lanzettlich bis beinahe kreisrund, in jedem Fall mehr oder weniger lang zugespitzt.<ref name="Thellung1965" /> Die Spitze kann stumpf oder spitz ausgeprägt sein.<ref name="Thellung1965" /> Die 3-7nervigen Hüllchenblätter sind so lang oder länger als das Döldchen. Die Döldchen enthalten etwa 20 Blüten; sie werden zur Anthese von den Hüllchenblättern überragt oder sind gleich lang oder insbesondere an den Seitendolden kürzer.<ref name="Thellung1965" />

Die Blüte ist zwittrig. Die stark ausgehöhlten, gold-gelben Kronblätter sind bei einer Länge von 0,7 bis 0,8 Millimetern sowie einer Breite von 1 bis 1,3 Millimetern halbkreisförmig oder breit verkehrt-dreieckig und mit einem fast quadratischen eingeschlagenen Läppchen versehen.<ref name="Thellung1965" />

Die Frucht entspricht einer zweiteiligen Spaltfrucht. Die ellipsoid-länglich geformte Frucht ist 4 bis 5,5 Millimeter lang. Ihre Dicke am größten Querdurchmesser beträgt ca. 2,5 Millimeter. Sie ist braun oder schwärzlich gefärbt, dabei glänzend. Die fädlichen bis schwach geflügelten Rippen sind hellbraun. Die schwach gekrümmte Teilfrucht besitzt einen rundlich-sternförmigen Querschnitt.<ref name="Thellung1965" /> Die flache Fugenfläche hat zwei bis vier Ölstriemen, die Tälchen je zwei bis drei. Die Gefäßbündel der dicken Fruchtwand sind deutlich ausgeprägt.<ref name="Thellung1965" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.<ref name="IPCN" /><ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

An Pilz-Arten wurden Puccinia bupleuri-falcati und Leptosphaeria modesta am Langblättrigen Hasenohr beobachtet. Die Larve von Schizomyia pimpinellae lebt in der Frucht.<ref name="Thellung1965" />

Vorkommen

Das Langblättrige Hasenohr ist von Süd-, Mittel- und Osteuropa bis ins südliche Russland weitverbreitet. In Mitteleuropa kommt es in der Unterart Bupleurum longifolium subsp. longifolium zerstreut bis selten vor. Es dringt von Südengland bis nach Südeuropa und die Karpaten vor und besiedelt Höhenlagen von 400 bis 2000 Metern.<ref>Eintrag Bupleurum longifolium bei Flore Alpes (fr.)</ref> Seine Bestände in Österreich und der Schweiz sind zerstreut bis selten, gebietsweise gilt es als „gefährdet“. Bupleurum longifolium kommt in Deutschland in der Mitte und im Süden zerstreut bis selten vor. Sehr selten ist es auch in den Allgäuer- und Berchtesgadener Alpen zu finden, wo es auf einer Höhenlage von bis zu 1800 Meter im Tiroler Teil der Allgäuer Alpen am Schartschrofen bis 1870 Meter aufsteigt.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> Im Kanton St. Gallen erreicht es am Speer bis zu einer Höhenlage von bis 1950 Meter (?) und bei den Churfirsten bis 1800 Meter.<ref name="Thellung1965" />

Bupleurum longifolium wächst in Laubmischwaldgesellschaften, Buchenwäldern, an Waldrändern, in Gebüschen und Hochstaudenfluren. Es gedeiht meist auf mehr oder weniger frischen, nährstoffreichen, meist kalkhaltigen, tonigen oder lehmigen Böden.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Das Langblättrige Hasenohr ist eine Charakterart der Assoziation Hasenohr-Laserkraut-Saum (Bupleuro longifolii-Laserpitietum latifolii) im Verband der thermophilen Saumgesellschaften (Verband Geranion sanguinei). Diese montane Saumgesellschaft erstreckt sich in Hochlagen von der Schwäbischen Alb bis zum Steigerwald. Neben den namensgebenden Charakterarten Breitblättriges Laserkraut und Langblättriges Hasenohr bestimmen Wald-Witwenblume, Berg-Distel, Blaugrüne Segge, Wald-Storchschnabel, Hasenlattich, Große Bibernelle und Ochsenauge das Bild der Assoziation.<ref name="Weber2003">Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume. Ulmer Verlag 2003, ISBN 3-8001-4163-9, S. 180 f.</ref> Innerhalb der Ordnung Nordisch-subalpine Hochstaudenfluren (Adenostyletalia) kommt es in Gesellschaften der Verbände subalpine Grünerlen-Gebüsche und Hochstaudenfluren (Adenostylion) und subalpine Hochgrasfluren, subalpine Reitgras-Rasen (Calamagrostion arundinaceae) vor.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref>Betulo-Adenostyletea Lexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag.</ref>

Datei:Bupleurum aureum kz01.jpg
Bupleurum longifolium subsp. aureum
Datei:Nouvelle flore coloriée de poche des Alpes et des Pyrénées (6298809540).jpg
Illustration aus Nouvelle flore coloriée de poche des Alpes et des Pyrénées

Systematik

Je nach Autor werden für Europa wenige Unterarten angegeben:

  • Bupleurum longifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. longifolium
  • Bupleurum longifolium subsp. aureum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hoffm.) Soó (Syn.: Bupleurum aureum <templatestyles src="Person/styles.css" />Hoffm.): Im Rang einer Art kommt sie vom europäischen Russland bis Sibirien und Zentralasien (Kasachstan, Kirgisistan), Mongolei bis zum westlichen Xinjiang (nur im Tian Shan) vor.<ref name="FoC2005" /> Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.<ref name="IPCN" />
  • Bupleurum longifolium subsp. vapincense <templatestyles src="Person/styles.css" />(Vill.) Todor (Syn.: Bupleurum vapincense <templatestyles src="Person/styles.css" />Vill.): Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.<ref name="IPCN" /> Nach Euro+Med ist Bupleurum longifolium subsp. vapincense als Synonym zu Bupleurum longifolium zu stellen.<ref name="Euro+Med" />

Literatur

  • Thomas Gaskell Tutin: 56. Bupleurum L. S. 345–350. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea, Band 2: Rosaceae to Umbelliferae., Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X. eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.

Einzelnachweise

<references> <ref name="IPCN"> Bupleurum longifolium bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Bupleurum longifolium L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 269. </ref> <ref name="Thellung1965"> Albert Thellung: Umbelliferae. S. 1108–1112. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. </ref> <ref name="FoC2005"> She Menglan (佘孟兰), Mark F. Watson: Bupleurum. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 14: Apiaceae through Ericaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2005, ISBN 1-930723-41-5. Bupleurum aureum Fischer ex Hoffmann., S. 63 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="Euro+Med"> Ralf Hand (2011+): Apiaceae. Datenblatt Bupleurum longifolium In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks