Kreis Tost-Gleiwitz
Der Kreis Tost-Gleiwitz war ein preußischer Landkreis in Oberschlesien, der von 1743 bis 1945 bestand. Die größte Stadt war zunächst die Stadt Gleiwitz, die seit 1897 einen eigenen Stadtkreis bildete. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Schlesien.
Verwaltungsgeschichte
Königreich Preußen
Nach der Eroberung des größten Teils von Schlesien wurden von König Friedrich II. 1742 in Niederschlesien und 1743 auch in Oberschlesien preußische Verwaltungsstrukturen eingeführt.<ref name="gehrke">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Dazu gehörte die Einrichtung zweier Kriegs- und Domänenkammern in Breslau und Glogau sowie deren Gliederung in Kreise und die Einsetzung von Landräten. Die Ernennung der Landräte in den oberschlesischen Kreisen erfolgte auf einen Vorschlag des preußischen Ministers für Schlesien Ludwig Wilhelm von Münchow hin, dem Friedrich II. im Februar 1743 zustimmte.<ref name="oberschlesien1743">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Im Fürstentum Oppeln, einem der schlesischen Teilfürstentümer, wurden aus den alten schlesischen Weichbildern preußische Kreise gebildet, darunter auch der Kreis Tost.<ref name="starke">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Als erster Landrat des Kreises Tost wurde Franz Wolfgang von Stechow eingesetzt.<ref name="landräte">{{#ifexist:Vorlage:bibISBN/{{#invoke:URIutil|plainISBN|9783598232299}} | {{bibISBN/{{#invoke:URIutil|plainISBN|9783598232299}}
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- Die Stadt Ujest sowie die Dörfer Alt Ujest, Jarischau, Kaltwasser, Klutschau, Niesdrowitz wechselten aus dem Kreis Tost in den Kreis Groß Strehlitz.
- Die Dörfer Alt Cosel, Birawa, Brzezetz, Goschütz, Kandrzin, Klein Althammer, Lenartowitz, Libischau, Lichinia, Medar und Blechhammer, Miesce, Ortowitz, Pogorzeletz, Sackenhoym und Slawentzitz wechselten aus dem Kreis Tost in den Kreis Cosel.
- Der Flecken Broslawitz, die Dörfer Groß Wilkowitz, Grzibowitz, Kempczowitz, Konary, Niedar, Nierada, Wieschowa sowie die Kolonien Georgendorf, Glinitz, Larischhof, Marienau und Philippsdorf wechselten aus dem Kreis Tost in den Kreis Beuthen.
- Die Dörfer Knurow, Kriewald, Nieborowitz, Nieborowitzer Hammer, Niederdorf, Ober Wilcza, Pilchowitz, Sczyglowitz, Ungerschütz und Wielepole-Pilchowitz wechselten aus dem Kreis Tost in den neugebildeten Kreis Rybnik.
Das Landratsamt war von 1841 bis 1869 auf Gut Kamienietz, später in der Stadt Gleiwitz. Seit den 1820er Jahren setzte sich der Name Tost-Gleiwitz für den Kreis durch.
Norddeutscher Bund/Deutsches Reich
Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Am 1. April 1897 schied die Stadt Gleiwitz einschließlich der zuvor eingegliederten Landgemeinden Trynnek und Petersdorf aus dem Kreis Tost-Gleiwitz aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis.
Zum 8. November 1919 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst und aus dem Regierungsbezirk Oppeln die neue Provinz Oberschlesien gebildet.
Obwohl eine Mehrheit von 27.198 (57,5 %) zu 20.098 (42,5 %) Stimmen am 20. März 1921 der im Rahmen des Versailler Vertrags durchgeführten Volksabstimmung in Oberschlesien für den Anschluss an Polen votierte, verblieb der Kreis Tost-Gleiwitz fast vollständig beim Deutschen Reich. Lediglich die drei Landgemeinden Gieraltowitz, Mikoleska und Preiswitz fielen an Polen.<ref name="terri" />
Zum 1. Januar 1927 erfolgten weitere Veränderungen der Kreisgrenze:
- Die Landgemeinden Ellguth-Zabrze, Richtersdorf und Zernik wurden nach Gleiwitz eingemeindet.
- Die Landgemeinden und Gutsbezirke Nieborowitz, Nieborowitzer Hammer, Niederdorf, Pilchowitz und Wielepole-Pilchowitz wechselten aus dem aufgelösten Restkreis Rybnik in den Kreis Tost-Gleiwitz.
Ende der 1920er Jahre trat im Kreis Tost-Gleiwitz wie im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform in Kraft, bei der alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Am 1. April 1938 wurden die preußischen Provinzen Niederschlesien und Oberschlesien zur neuen Provinz Schlesien zusammengeschlossen.
Nach der am 26. Oktober 1939 erfolgten Annektierung polnischer Gebiete wurde der Kreis Tost-Gleiwitz in den neuen Regierungsbezirk Kattowitz umgegliedert. Zum 18. Januar 1941 wurde die Provinz Schlesien erneut aufgelöst und aus den Regierungsbezirken Kattowitz und Oppeln die neue Provinz Oberschlesien gebildet.
Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde das Kreisgebiet von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Im Kreisgebiet begann daraufhin der Zuzug polnischer Zivilisten, die zum Teil aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. In der Folgezeit wurde die deutsche Bevölkerung größtenteils aus dem Kreisgebiet vertrieben.
Der Kreis wurde zum Powiat Gliwicki. Seine Grenzen wurden bis zu seiner Auflösung im Jahre 1975 beibehalten. Das heutige Kreisgebiet ist daher nicht mehr mit dem alten vergleichbar. So wurden in den neuen Kreis auch Teile des früheren Kreises Rybnik eingegliedert.
Einwohnerentwicklung
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| 1871 | 84.329 | <ref>Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung 1871</ref> | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 1885 | 95.654 | <ref>Gemeindelexikon für die Provinz Schlesien 1885</ref> | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| 1939 | 94.407 | <ref name="demand" /> |
Bei der Volkszählung von 1910 bezeichneten sich 76 % der Einwohner des Kreises Tost-Gleiwitz als rein polnischsprachig und 20 % als rein deutschsprachig.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}, siehe auch Schlesien#Die ethnolinguistische Struktur Oberschlesiens (1819–1910)</ref> 97 % der Einwohner waren 1910 katholisch und 2 % evangelisch.<ref name="demand" />
Landräte
- 1743–1747Franz Wolfgang von Stechow<ref name="landräte" />
- 1747–1758Carl Friedrich von Bludowsky<ref name="landräte" />
- 1759–1787Ernst Silvius von Sack<ref name="landräte" />
- 1797–1806Gustav von Larisch
- –1823Johann Rudolf von Zawadsky
- 1823–1832Max von Brettin
- 1832–1835von Jarotzky (kommissarisch)
- 1835–1841von Gröling
- 1841Sack (kommissarisch)
- 1841–1850Carl von Strachwitz
- 1850von Welczek (kommissarisch)
- 1850von Gronefeld (kommissarisch)
- 1850–1870von Strachwitz
- 1870–1884Arthur von Strachwitz (1833–1895)
- 1885–1891Friedrich von Moltke
- 1891–1905Paul von Schroeter (1859–1907)
- 1905–1922Gustav von Stumpfeld
- 1922–1933Kurt Harbig
- 1933–1934Hans Graf von Matuschka (1885–1968) (kommissarisch)
- 1934–1945Erich Heidtmann (* 1880)
Kommunalverfassung
Der Kreis Tost-Gleiwitz gliederte sich seit dem 19. Jahrhundert in die Städte Gleiwitz (bis 1897), Kieferstädtel, Peiskretscham und Tost, in Landgemeinden und in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.
Verwaltungsstruktur
Amtsbezirke
Der Kreis war um 1928 in die Amtsbezirke Althammer, Bitschin, Brynnek, Kamienietz, Groß Kottulin, Laband, Langendorf, Lubie, Ostroppa, Pilchowitz, Plawniowitz, Rudzinitz, Schakanau, Schieroth, Schloss Kieferstädtel, Schloss Tost, Schönwald, Schwieben und Tworog gegliedert.
Gemeinden
Der Kreis Tost-Gleiwitz umfasste 1929 drei Städte und 92 Landgemeinden:<ref name="terri">Landkreis Tost-Gleiwitz Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 26. Juli 2013.</ref><ref name="demand" />
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- Eingemeindungen bis 1939
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Gutsbezirke
Im Kreis Tost-Gleiwitz bestanden bis 1928 die folgenden Gutsbezirke:
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Ortsnamen
Im Jahre 1936 fanden im Kreis Tost-Gleiwitz umfangreiche Änderungen und Eindeutschungen von Ortsnamen statt:<ref name="demand" /><ref name="terri" />
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Persönlichkeiten
- Franz Graf Ballestrem, Majoratsherr auf Plawniowitz und Ruda, Reichstagspräsident, Zentrumspolitiker;
- Karl Godulla, Industrieller, „Zink-König“
- Georg von Giesche, Kaufmann und Industrieller
Literatur
- Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft VI: Regierungsbezirk Oppeln, S. 92–101, Kreis Tost-Gleiwitz.
- Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 467–561.
- Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 175–176, Ziffer 9.
- Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der preussischen Monarchie, Band 3, Teil 1, Halle 1792, S. 70 ff.
- Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 324–333.
- Schlesisches Güter-Adreßbuch. Verzeichniß sämmtlicher Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke, sowie solcher größeren Güter, welche innerhalb des Gemeindeverbandes mit einem Reinertrag von etwa 1500 Mark und mehr zur Grundsteuer veranlagt sind. Fünfte Ausgabe, Wilhelm Gottlob Korn, Breslau 1894, S. 461–471 (Online).
- Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de
Weblinks
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+ Landkreis Tost-Gleiwitz (Rolf Jehke, 2011)
Einzelnachweise
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Teilprovinzen: Niederschlesien | Oberschlesien
Regierungsbezirke: Breslau | Kattowitz | Liegnitz | Oppeln | Reichenbach
Kreisfreie Städte: Beuthen O.S. | Breslau | Brieg | Gleiwitz | Glogau | Görlitz | Grünberg i. Schles. | Hindenburg O.S. | Hirschberg i. Rsgb. | Kattowitz | Königshütte | Liegnitz | Neisse | Oppeln | Ratibor | Schweidnitz | Waldenburg (Schles)
Landkreise: Bendsburg | Beuthen | Beuthen-Tarnowitz | Bielitz | Blachstädt | Bolkenhain | Breslau | Brieg | Bunzlau | Cosel | Falkenberg | Frankenstein | Fraustadt | Freystadt | Glatz | Glogau | Goldberg | Goldberg-Haynau | Görlitz | Groß Strehlitz | Groß Wartenberg | Grottkau | Grünberg | Guhrau | Guttentag | Habelschwerdt | Hindenburg | Hirschberg | Hoyerswerda | Ilkenau | Jauer | Kattowitz | Krenau | Kreuzburg | Landeshut | Lauban | Leobschütz | Liegnitz | Löwenberg | Lüben | Lublinitz | Militsch | Münsterberg | Namslau | Neisse | Neumarkt | Neurode | Neustadt | Nimptsch | Oels | Ohlau | Oppeln | Kreis Pleß | Landkreis Pleß | Ratibor | Reichenbach | Rosenberg | Rothenburg | Kreis Rybnik | Landkreis Rybnik | Sagan | Saybusch | Schönau | Schweidnitz | Sprottau | Steinau | Strehlen | Striegau | Tarnowitz | Teschen | Tost-Gleiwitz | Trebnitz | Waldenburg | Warthenau | Wohlau
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Teilprovinzen: Niederschlesien | Oberschlesien
Regierungsbezirke: Breslau | Kattowitz | Liegnitz | Oppeln | Reichenbach
Kreisfreie Städte: Beuthen O.S. | Breslau | Brieg | Gleiwitz | Glogau | Görlitz | Grünberg i. Schles. | Hindenburg O.S. | Hirschberg i. Rsgb. | Kattowitz | Königshütte | Liegnitz | Neisse | Oppeln | Ratibor | Schweidnitz | Waldenburg (Schles)
Landkreise: Bendsburg | Beuthen | Beuthen-Tarnowitz | Bielitz | Blachstädt | Bolkenhain | Breslau | Brieg | Bunzlau | Cosel | Falkenberg | Frankenstein | Fraustadt | Freystadt | Glatz | Glogau | Goldberg | Goldberg-Haynau | Görlitz | Groß Strehlitz | Groß Wartenberg | Grottkau | Grünberg | Guhrau | Guttentag | Habelschwerdt | Hindenburg | Hirschberg | Hoyerswerda | Ilkenau | Jauer | Kattowitz | Krenau | Kreuzburg | Landeshut | Lauban | Leobschütz | Liegnitz | Löwenberg | Lüben | Lublinitz | Militsch | Münsterberg | Namslau | Neisse | Neumarkt | Neurode | Neustadt | Nimptsch | Oels | Ohlau | Oppeln | Kreis Pleß | Landkreis Pleß | Ratibor | Reichenbach | Rosenberg | Rothenburg | Kreis Rybnik | Landkreis Rybnik | Sagan | Saybusch | Schönau | Schweidnitz | Sprottau | Steinau | Strehlen | Striegau | Tarnowitz | Teschen | Tost-Gleiwitz | Trebnitz | Waldenburg | Warthenau | Wohlau }} Vorlage:Klappleiste/Ende
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- Ehemaliger Landkreis in Schlesien
- Powiat Gliwicki
- Verwaltungseinheitsgründung 1743
- Aufgelöst 1945