Jelenia Góra
Jelenia Góra (Vorlage:IPA; deutsch Hirschberg, 1927–1945 Hirschberg im Riesengebirge; gebirgsschlesisch Herschbrig oder Herschbrich; Vorlage:CsS, auch Hiršperk) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten Polens.
Geographie
Die Stadt liegt in Niederschlesien im Hirschberger Tal an der Mündung des Zacken in den Bober am Fuß des Riesengebirges, das die Grenze zu Tschechien bildet, auf Vorlage:Höhe, rund 90 km südwestlich von Breslau und 70 km östlich von Görlitz. Sie gehört zur Euroregion Neiße und ist Sitz des Karkonoski Park Narodowy (Nationalpark Riesengebirge).
Stadtgliederung
Die Stadtgemeinde Jelenia Góra umfasst eine Fläche von 109 km², rund 80.000 Einwohner und gliedert sich in folgende Stadtteile (dzielnice):
- Śródmieście – Innenstadt
- Cieplice Śląskie-Zdrój, auch Cieplice Zdrój (Bad Warmbrunn)
- Czarne (Schwarzbach)
- Goduszyn (Gotschdorf)
- Grabary (Hartau)
- Jagniątków (Agnetendorf) – Stadtteil
- Maciejowa (Maiwaldau)
- Sobieszów (Hermsdorf unterm Kynast, 1935–1945: Hermsdorf [Kynast])
- Strupice (Straupitz)
- Zabobrze (Sabors)
- Zatorze
sowie die Siedlungen (Vorlage:PlS): Osiedle Orle, Osiedle Pomorskie, Osiedle Skowronków, Osiedle Widok, Osiedle XX-Lecia, Osiedle Zabobrze I, Osiedle Zabobrze II, Osiedle Zabobrze III und Osiedle Żeromskiego.
Geschichte
Hirschberg wurde wahrscheinlich kurz vor 1281 auf herzoglichem Boden gegründet. Es gehörte damals zum Herzogtum Schweidnitz und war Mittelpunkt eines deutschen Rodungsbezirks. Erstmals erwähnt wurde es 1281 als „Hyrzberc“ in einer Urkunde, mit der Herzog Bernhard I. von Löwenberg († 1286) den Johannitern von Striegau einen Grund am Oberlauf des Flusses Zacken verlieh. Eine weitere Erwähnung erfolgte 1288 in einer Urkunde des Herzogs Bolko I., in der dieser „unseren Bürgern von Hyrzberc“ (Vorlage:LaS) die Errichtung einer Schenke in Warmbrunn erlaubte. Für das Jahr 1299 ist Hirschberg als Stadt (civitas) belegt.
Unter Herzog Bolko II. erhielt Hirschberg 1338 das Meilenrecht, 1355 das Salz- und Bergwerksrecht sowie die Freiheit von Abgaben im Handel mit Böhmen, 1361 das Waag- und Münzrecht und 1366 die gegenseitige Zollfreiheit mit Breslau. Nach dem Tod Herzog Bolkos II. 1368 erhielt seine Witwe Agnes von Habsburg zwar ein lebenslanges Nießrecht über das Herzogtum, das jedoch gleichzeitig als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen fiel. 1377 erwarb die Stadt die Vogtei von Herzogin Agnes.
Zwischen 1395 und 1406 gehörte Hirschberg dem böhmischen Oberstburggrafen Johann Kruschina von Lichtenburg. Während der Hussitenkriege wurde die seit 1291 belegte Burg am Hausberg auf Geheiß des Landeshauptmanns zerstört. 1502 gewährte der böhmische König Vladislav II. der Stadt das Recht der freien Ratswahl, sein Nachfolger Ludwig II. 1519 die Abhaltung eines Jahrmarkts und Kaiser Ferdinand II. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen 1532 einen zweiten Markt. Mit der Einführung der Reformation 1524 entwickelte sich Hirschberg zu einem wichtigen evangelischen Zentrum. In der Stadtkirche wurde evangelisch gepredigt und 1566 ein evangelisches Schulhaus errichtet.
Seit dem 17. Jahrhundert waren das Hirschberger Tal und Jauer Zentren der Leinenproduktion, insbesondere feiner Schleier, deren Herstellungsweise 1570 aus Holland importiert worden war und für die die Stadt von Ferdinand II. 1630 ein Privileg erhielt. Das Leinen wurde als Nebenerwerb von Kleinbauern, Frauen und Kindern in Heimarbeit hergestellt. In den Handelskontoren nahe den Gewässern wurden sie dann in Lagergewölben gebleicht und aufbewahrt. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Hirschberg mehrmals belagert und zur Zahlung von Kontributionen verpflichtet. 1658 erfolgte die Gründung einer Kaufmannssozietät, die das Monopol auf den Leinenhandel hatte und die Qualität der Ware kontrollierte, was wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung beitrug. Anfangs arbeiteten die Aufkäufer vorwiegend im Auftrag ausländischer Großhändler, doch konnten einige der Schleierherren bald eigene Niederlassungen im Ausland gründen. Zu den Hauptabnehmern der Ware zählten England, Italien, Spanien, Holland, Frankreich, Russland und das Habsburgerreich. Die Handelsherren ließen aufwendige Handelshäuser errichten und erwarben auch Landgüter in der Umgegend.
Trotz der verordneten Rekatholisierung konnte aufgrund der Altranstädter Konvention vor den Toren der Stadt 1708–1718 eine evangelische Gnadenkirche errichtet werden, die im Wesentlichen von den Hirschberger Kaufmannsfamilien finanziert wurde.
Die Errichtung des Hirschberger Gymnasiums<ref>Otto Miller: Zur Geschichte des Hirschberger Gymnasiums. In: Königl. Evangelisches Gymnasium zu Hirschberg in Schlesien. Festschrift zur Feier des zweihundertjährigen Bestehens. Hirschberg 1912, S. 3–44.</ref> war ebenfalls gleich nach der Altranstädter Konvention 1707 in Angriff genommen worden. Das Lyzeum wurde 1709 gegründet und 1712 in eine Gelehrtenschule umgewandelt. Eine Umgestaltung zu einem Humanistischen Gymnasium begann dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts.<ref>Walter Schmidt: Oswald Friedrich Feyerabend (1809–1872). Evangelischer Pfarrer im schlesischen Oderstädtchen Auras / Kreis Wohlau von 1840 bis 1857. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung 34, 2015, S. 265–294, hier: S. 266 f.</ref>
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Hirschberg wie fast ganz Schlesien an Preußen. Die damit verbundene Abtrennung der böhmischen und österreichischen Handelsmärkte führte zu einem beträchtlichen Einbruch der Leinen- und Schleierweberei, die seit dem 16. Jahrhundert florierte und der Stadt zu einer wirtschaftlichen Blüte und Reichtum verholfen hatte. Auch der Import von Baumwolle trug zum Niedergang der Heimproduktion bei, ferner die napoleonische Kontinentalsperre und die Gründung der Erdmannsdorfer Fabrik durch die Preußische Seehandlung 1840.
Nach der Neugliederung Preußens gehörte Hirschberg seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 Sitz des Landkreises Hirschberg im Regierungsbezirk Liegnitz.
Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden neben der Leinenindustrie Maschinen-, Papier- und Zementfabriken sowie Mehl- und Schneidemühlen. Mit dem Eisenbahnanschluss 1866 nach Görlitz und Berlin und ein Jahr später nach Waldenburg und Breslau entwickelte sich Hirschberg zu einem beliebten Ausflugs- und Touristenort. Im Hirschberger Tal entstanden im 19. Jahrhundert etwa 30 teils große Schlösser, etwa das von Prinz Wilhelm von Preußen oder das Schloss Fischbach in Fischbach, das Schaffgotsch-Palais Bad Warmbrunn, das Schloss Schildau in Schildau (einst im Besitz von Prinzessin Luise von Preußen).<ref>Schlesien – Schlösser im Hirschberger Tal. PDF, 62 S., 2007.</ref> Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Hirschberg eine evangelische und vier katholische Kirchen, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Waisenhaus, eine Handelskammer und war Sitz eines Landgerichts.<ref name="Meyers" />
Seit dem 1. April 1922 bildete die Stadt Hirschberg einen eigenen Stadtkreis im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs. 1924 wurde der Gutsbezirk Hartau, 1928 der Gutsbezirk Schwarzbach aus dem Landkreis in die Stadt eingegliedert. Am 9. Juli 1927 erhielt die Stadt Hirschberg, die bisher auch den Zusatz i. Schles. trug, die neue Bezeichnung Hirschberg im Riesengebirge, wobei sich bald die amtliche Schreibweise Hirschberg i. Rsgb. durchsetzte. 1934 wurde eine Hochschule für Lehrerbildung aus Halle hierher verlagert, die bis 1941 bestand und zunächst im seit 1931 bestehenden Neubau des Gymnasiums im Kramstaweg (heute: Hochschule in der ul. Nowowiejska 3) unterkam.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> 1934 wurden vier jüdische Bürger in der Nähe der Halben Meile ermordet. 1936 ging eine Zellwollefabrik in Betrieb. Im Zweiten Weltkrieg wurde in Hirschberg ein Außenlager des KZ Groß-Rosen errichtet<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref> und von Februar bis Mai 1945 wurden Gefangene des Nacht-und-Nebel-Erlasses im Landgerichtsgefängnis Hirschberg inhaftiert.<ref>Hirschberg State Court Prison / Frank Falla Archive</ref>
Gegen Kriegsende wurde Hirschberg im April 1945 von der Roten Armee eingenommen und fiel in der Folge an an Polen. Der Stadtname wurde als Jelenia Góra ins Polnische übersetzt. Die bisherige Bevölkerung wurde bis auf wenige Ausnahmen vertrieben und durch Polen aus Ostpolen ersetzt.
Die Stadt hatte keine Kriegszerstörungen erlitten, gleichwohl wurden zahlreiche Häuser der Altstadt nach 1945 dem Verfall preisgegeben. Nach 1965 erfolgte eine vereinfachte Rekonstruktion der Ringbebauung. 1975 bis 1998 war die Stadt Hauptstadt der Woiwodschaft Jelenia Góra. Die Wirtschaftsuniversität Breslau (Uniwersytet Ekonomiczny we Wrocławiu) betreibt hier eine Außenstelle mit einem Schwerpunkt auf Regionalwirtschaft und Tourismus.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1787 | Vorlage:06.295 | |
| 1816 | Vorlage:06.513 | mit Neugrunau<ref>Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 187.</ref> |
| 1825 | Vorlage:06.184 | davon 5.320 Evangelische, 780 Katholiken, 84 Juden<ref>Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 939–940.</ref> |
| 1840 | Vorlage:07.144 | davon 6.004 Evangelische und 130 Juden<ref>Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 837–839.</ref> |
| 1867 | 10.464 | am 3. Dezember<ref name="Kgl_Stat_Büro">Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 248–249, Ziffer 1.</ref> |
| 1871 | 11.776 | am 1. Dezember, davon 9.007 Evangelische, 2.400 Katholiken, 29 sonstige Christen, 336 Juden, vier Sonstige<ref name="Kgl_Stat_Büro" /> |
| 1890 | 16.314 | davon 12.206 Evangelische, 3.526 Katholiken und 388 Juden<ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> |
| 1900 | 17.865 | mit der Garnison (ein Jägerbataillon Nr. 5), davon 4.118 Katholiken, 335 Juden<ref name="Meyers">Vorlage:Meyers-1905</ref> |
| 1905 | 19.317 | am 1. Dezember, einschließlich aktiver Militärpersonen (666 Mann); davon 14.408 Evangelische (14.389 mit deutscher Muttersprache, drei mit tschechischer Muttersprache, 16 sprechen eine andere Sprache) und 4.455 Katholiken (4.149 mit deutscher Muttersprache, 115 mit tschechischer Muttersprache, 171 sprechen eine andere Sprache, 20 sprechen Deutsch und eine andere Sprache) sowie 124 andere Christen, 328 Juden und zwei Sonstige<ref name="KöStat1905">Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Heft VI: Provinz Schlesien. Berlin 1908, S. 118–119, Ziffer 1 (Google Books).</ref> |
| 1925 | 28.673 | davon 21.993 Evangelische, 5.776 Katholiken, 122 sonstige Christen, 266 Juden<ref name="MR" /> |
| 1933 | 30.692 | davon 23.168 Evangelische, 5.860 Katholiken, 66 sonstige Christen, 240 Juden<ref name="MR" /> |
| 1939 | 32.764 | davon 23.982 Evangelische, 6.422 Katholiken, 224 sonstige Christen, 70 Juden<ref name="MR" /> |
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1970 | 55.814 | |
| 1997 | 93.400 | <ref>Website der Stadt, Miasto w statystyce – Ludność i powierzchnia, abgerufen am 8. Februar 2015</ref> |
| 2014 | 81.640 | <ref>Vorlage:Webarchiv Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. Februar 2015</ref> |
Politik und Verwaltung
Stadtpräsident
An der Spitze der Stadtverwaltung steht der Stadtpräsident. Von 2010 bis 2018 war dies Marcin Zawiła (PO), der das Amt bereits 1990 bis 1994 innehatte und bei der turnusmäßigen Wahl im Oktober 2018 nicht erneut kandidierte.
Sein Nachfolger wurde Jerzy Łużniak (ebenfalls PO). Die Wahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 11. Juni 2024.</ref>
- Jerzy Łużniak (Koalicja Obywatelska) 43,2 % der Stimmen
- Hubert Papaj (Wahlkomitee „Koalition für Jelenia Góra“) 21,2 % der Stimmen
- Anna Korneć-Bartkiewicz (Prawo i Sprawiedliwość) 19,4 % der Stimmen
- Jadwiga Błaszczyk (Trzecia Droga) 10,3 % der Stimmen
- Piotr Paczóski (Lewica) 5,9 % der Stimmen
In der damit notwendig gewordenen Stichwahl konnte sich Łużniak mit 58,9 % der Stimmen gegen Papaj durchsetzen und wurde wiedergewählt.
Die Wahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 17. August 2020.</ref>
- Jerzy Łużniak (Koalicja Obywatelska) 45,6 % der Stimmen
- Krzysztof Mróz (Prawo i Sprawiedliwość) 23,5 % der Stimmen
- Paweł Gluza (Wahlkomitee „Sozialexperten für Jelenia Góra“) 15,0 % der Stimmen
- Hubert Papaj (Wahlkomitee „Hubert Papaj – Lasst uns die Stadt pflegen“) 14,8 % der Stimmen
- Übrige 1,1 % der Stimmen
In der damit notwendig gewordenen Stichwahl konnte sich Łużniak mit 59,8 % der Stimmen gegen den PiS-Kandidaten Mróz durchsetzen und neuer Stadtpräsident werden.
Stadtrat
Der Stadtrat umfasst 23 Mitglieder, die direkt gewählt werden. Die Wahl im April 2024 führte zu folgendem Ergebnis:<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 11. Juni 2024.</ref>
- Koalicja Obywatelska (KO) 44,8 % der Stimmen, 13 Sitze
- Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 23,6 % der Stimmen, 7 Sitze
- Wahlkomitee „Koalition für Jelenia Góra“ 14,2 % der Stimmen, 2 Sitze
- Lewica 9,1 % der Stimmen, kein Sitz
- Trzecia Droga (TD) 8,3 % der Stimmen, 1 Sitz
Die Wahl im Oktober 2018 führte zu folgendem Ergebnis:<ref>Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 17. August 2020.</ref>
- Koalicja Obywatelska (KO) 42,9 % der Stimmen, 12 Sitze
- Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 23,9 % der Stimmen, 7 Sitze
- Wahlkomitee „Hubert Papaj – Lasst uns die Stadt pflegen“ 12,2 % der Stimmen, 3 Sitze
- Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) / Lewica Razem (Razem) 10,9 % der Stimmen, 1 Sitz
- Wahlkomitee „Sozialexperten für Jelenia Góra“ 9,3 % der Stimmen, kein Sitz
- Übrige 0,8 % der Stimmen, kein Sitz
Wappen
Wappenbeschreibung: In Silber auf grünem Dreiberg ein roter, schwarzgehufter stehender Zwölfender-Hirsch mit einem grün-goldenen stilisierten, dreiblättrigem Kleeblatt im Maul. Es gehört damit zu den Redenden Wappen.
Ein älteres Wappen war schräglinks in Silber und Blau gespalten und der Hirsch war laufend mit einem Kleeblatt im Maul.<ref>Autorenkollektiv: Meyers Konversationslexikon. Band 8, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 567.</ref>
Städtepartnerschaften
Die Partnerstädte von Jelenia Góra sind (Stand September 2022):<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
- Bautzen, Deutschland
- Boxberg/O.L., Deutschland
- Cervia, Italien
- Changzhou, China
- Erftstadt, Deutschland
- Heidelberg, Deutschland
- Jablonec nad Nisou, Tschechien
- Randers, Dänemark
- Sjewjerodonezk, Ukraine
- Tequila, Mexiko
- Tyler, USA
- Valkeakoski, Finnland
Ehemalige Partnerstädte:
- Wladimir, Russland (Zusammenarbeit wegen des Russischen Überfalls auf die Ukraine suspendiert)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
Museen
- Riesengebirgsmuseum Hirschberg (Vorlage:PlS), ein Heimat- und Glasmuseum
- Automuseum (Vorlage:PlS, seit März 2025 vorübergehend geschlossen)
- Militärmuseum (Vorlage:PlS)
Musik
Konzerte finden meist in der Mehrzweckhalle Hala Sportowo Widowiskowa statt.
Bauwerke
- Die katholische Stadtpfarrkirche St. Erasmus und Pankratius (Kościól par. ŚŚ. Erazma i Pankracego) wurde erstmals 1288 erwähnt und 1303 in Stein neu errichtet. Von 1524 bis 1629 diente sie als evangelisches Gotteshaus. 1662 wurde sie auf Veranlassung der Jesuiten grundlegend renoviert. Die Ausstattung der dreischiffigen Basilika mit Westturm und Zwiebelhelm ist im Wesentlichen barock, so der Hauptaltar, der 1713–1718 von dem Bildhauer Thomas Weisfeldt (1670–1721) aus Oslo und dem Tischler David Hielscher geschaffen wurde, das Hauptaltargemälde stammt vom Glogauer Maler Johann Kretschmer.
- Die Mariensäule neben der Kirche stammt vermutlich ebenfalls von Thomas Weisfeldt, die Statue des böhmischen Landesheiligen Johannes Nepomuk stammt vermutlich von Joseph Anton Lachel.
- Die ehemals evangelische Gnadenkirche zum Heiligen Kreuz (Kościół Św. Krzyża) wurde 1709 bis 1718 nach dem Vorbild der Stockholmer Katharinenkirche errichtet. Um die Kirche befindet sich ein weitläufiger Friedhof, der so genannte Gnadenkirchhof. Er ist von einer Mauer mit 19 Grufthäusern von Patrizierfamilien der 1658 begründeten Hirschberger Kaufmannssozietät umgeben.
- Das Rathaus wurde 1361 erstmals urkundlich erwähnt. Der jetzige Barockbau von Christoph Gottlieb Hedemann stammt aus den Jahren 1744 bis 1747 und ist noch heute Sitz der Stadtverwaltung. Um 1910 wurde das Rathaus mit den benachbarten „Siebenhäusern“ verbunden.
- Die Bürgerhäuser am Ring (Plac Ratuszowy) mit gewölbten Laubengängen aus der Barock- und Rokokozeit wurden nach 1945 dem Verfall preisgegeben und nach 1965 vereinfacht rekonstruiert. Hier wohnten die reichsten Bürger der Stadt. Je nach ihrer Bestimmung gab es Kürschner-, Tuch-, Garn-, Seildreher-, Weißgerber-, Korn- und Butterlauben.
- Der ehemalige Kaiser-Wilhelm-Turm (Aussichtsturm) von 1911 auf dem Hausberg (375 m) wurde im Jahre 2011 erneuert.
- Ruine der Burg Chojnik (Kynast) im Ortsteil Sobieszów.
Parks
Im Stadtteil Cieplice Śląskie-Zdrój befinden sich der 1713 angelegte Kurpark und der Norwegische Park mit einzigartigen Skulpturen.
Sport
Nur ca. 20 km vom Stadtzentrum von Jelenia Góra entfernt finden Wintersportler Skigebiete Nähe Karpacz.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
In Jelenia Góra produziert die Firma Jelenia Plast.
Verkehr
Der am 20. August 1866 eröffnete Bahnhof Jelenia Góra liegt an der Bahnstrecke Wrocław Świebodzki–Zgorzelec. Später kamen die Strecken Kamienna Góra–Jelenia Góra, Jelenia Góra–Kořenov und Bahnstrecke Jelenia Góra–Żagań hinzu.
Die Stadt liegt an der Nationalstraße 3, zudem beginnt dort die Nationalstraße 30. Nächste Autobahnen sind die A4 mit der Anschlussstelle 12-Kostomłoty (Richtung Breslau) und A18 mit der Anschlussstelle 6–Bolesławiec (Richtung Cottbus).
Medien
- Sender Jelenia Góra
1957 wurde in Jelenia Góra in der ul. Sudecka 55 bei 50°53'51" nördlicher Breite und 15° 44'34" östlicher Länge ein Rundfunksender für Mittelwelle eingerichtet, der als Antennenträger bis 1967 einen 47 Meter hohen Holzturm verwendete. Dieser Turm war möglicherweise der einzige nach 1945 für Rundfunksendezwecke in Polen errichtete Holzturm. 1967 wurde der Holzturm durch einen 72 Meter hohen Stahlmast ersetzt. Seit der Einstellung des Mittelwellensendebetriebs 1994 dient dieser Sendemast zur Verbreitung von UKW-Hörfunkprogrammen.<ref>Vorlage:Webarchiv (polnisch)</ref>
Bildung
Zu den weiterführende Schulen des sekundären Bildungsbereichs gehören das 1. Liceum Ogólnokształcące und das 2. Liceum Ogólnokształcące. Letzteres ist nach Cyprian Kamil Norwid benannt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Neben der ortsansässigen Hochschule Karkonoska Akademia Nauk Stosowanych haben auch die Technische Universität Breslau und die Wirtschaftsuniversität Breslau Außenstellen in Jelenia Góra.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Persönlichkeiten
Bis 1700
1701–1900
Ab 1901
Sagen
In Hirschberg spielt die Rübezahl-Sage Rübezahl als Holzhauer. Nach der Sage lebte im Ort ein geiziger Bäcker, der die Not der ihm Holz liefernden Bauern ausnutzte. Rübezahl bot dem Bäcker an, ihm für eine Hucke Holz die von einem Bauern gerade erworbene große Menge Holz zu hauen. Der Bäcker willigte ein. Rübezahl zog daraufhin sein eigenes linkes Bein aus der Hüfte und hackte damit das Holz rasend kurz und klein und lud sich schließlich die gesamte Holzmenge auf. Das Holz warf er beim Hof des Bauern ab. Der schockierte Bäcker nutzte fortan die Bauern nicht mehr aus.<ref>E. Berger: Rübezahl und Andere Gebirgssagen. Buchhandlung Gustav Fock, S. 87 ff.</ref>
Literatur
- Vorlage:MerianTopo
- Hirschberg, Kreisstadt, am Bober, Regierungsbezirk Liegnitz, Provinz Schlesien. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Hirschberg (meyersgaz.org).
- Günther Grundmann: Hirschberg. In: Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 189–193.
- Erle Bach: Das alte Hirschberg zwischen Handel und Poesie. Eine 700jährige Stadt im Herzen Europas im Spiegel ihrer Geschichte. Husum Verlag 1992, ISBN 3-88042-619-8.
- Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien. München·Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 387–394.
- Gerhard Schiller: Der Hirschberger Gnadenkirchhof mit seinen Grufthäusern. Erinnerung an seine Geschichte und die hier Ruhenden. Jelenia Góra 2013, ISBN 978-83-64313-24-0.
Weblinks
Vorlage:Commons Vorlage:Wikivoyage
- Stadt Hirschberg i. Schles. (Territorial.de)
- Offizielle Webpräsenz der Stadt
- e-riesengebirge.de über Jelenia Góra
- (MP3; 606 kB) Mundartbeispiel ehemaliger Deutscher Einwohner (Baberhäuser, Lautdenkmal) (MP3; 606 kB) Mundartbeispiel ehemaliger Deutscher Einwohner (Baberhäuser, Lautdenkmal)
- Private Website zum historischen Hirschberg (polnisch)
- Website des Freundeskreises Erftstadt-Jelenia Gora (Hirschberg) e. V., Partnerschaftsverein für die Städtepartnerschaft
- Schlosspark Paulinum auf der Homepage des Gartenkulturpfades beiderseits der Neiße
- Historisches Meßtischblatt von 1893, Hirschberg und Umgebung auf einer Generalstabskarte: maps.mapywig.org
- Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Jelenia Góra auf der Website „Virtuelles Schtetl“
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="Schiller19"> NDB 21 (2003), S. 401–402: deutsche-biographie.de </ref> <ref name="Schiller18"> NDB 10 (1974), S. 411 f.: deutsche-biographie.de </ref> <ref name="Schiller17"> NDB 17 (1994), S. 96: deutsche-biographie.de </ref> <ref name="Schiller15"> Vorlage:ADB </ref> <ref name="Schiller14"> Vorlage:Zedler Online </ref> <ref name="Schiller16"> Artikel auf den Websites der Digital Library of Jelenia Góra </ref> <ref name="Schiller13"> Artikel auf den Websites der Forschungsstelle für Personalschriften an der Universität Marburg </ref> <ref name="Schiller12">Artikel auf den Websites des Vorlage:Webarchiv</ref> <ref name="Schiller11"> Vorlage:ADB </ref> </references>
Vorlage:Navigationsleiste Woiwodschaft Niederschlesien Vorlage:Normdaten