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Jüdischer Friedhof (Kempten)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Jüdische Grabdenkmale - panoramio.jpg
Der jüdische Friedhof in Kempten

Der Jüdische Friedhof in der kreisfreien Stadt Kempten im Allgäu ist eine kleine Bestattungsstelle für die Angehörigen der jüdischen Religion. Die letzte Bestattung fand im Jahr 2008 mit Sondergenehmigung statt, die Stätte ist eigentlich seit 1981 für weitere Beerdigungen geschlossen gewesen. Es war der Friedhof der Jüdischen Gemeinde Kempten.

Geschichte

Der 1550 Quadratmeter große jüdische Friedhof wurde in den 1870er Jahren (vor 1876) von der jüdischen Filialgemeinde Kempten angelegt und liegt westlich des katholischen Friedhofs. Damit der jüdische Friedhof von den Nazis unbeschadet blieb, wurde auf Bürgermeister Otto Merkts Initiative eine Hecke um die kleine Fläche angelegt und der Friedhof am 20. Mai 1939 von der Stadt übernommen.<ref name="alemannia">alemannia-judaica.de: Jüdischer Friedhof Kempten (abgerufen am 7. April 2012)</ref> In einer Ecke hinter dem Jüdischen Friedhof befindet sich ein Grabstein für nichtjüdische Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die während des Zweiten Weltkriegs dort beerdigt wurden.

Datei:Gedenkstein 16 jüdische KZ-Opfer Kempten.jpg
1960 errichteter Gedenkstein für 16 jüdische KZ-Opfer (2023)

Im Jahre 1960 wurde innerhalb des von einer Thuja-Hecke und Drahtzaun eingefriedeten Friedhofs ein Gedenkstein mit den Namen von 16 in der NS-Zeit ermordeten Kemptener Bürgern jüdischer Konfession aufgestellt:<ref name="alemannia" /> Die kaum lesbare Inschrift auf dem Gedenkstein

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   |name=Gedenkstein für 16 jüdische KZ-Opfer aus Kempten
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  }} für diese 16 jüdischen KZ-Opfer aus Kempten unterhalb des Davidsterns lautet:<ref name="WernerKZfriedf2011">Constanze Werner: KZ-Friedhöfe und -Gedenkstätten in Bayern – Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet… Hrsg.: Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. 1. Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2483-1, KZ-Grabstätten auf dem Jüdischen Friedhof, Stadt Kempten (Allgäu), S. 247–249; hier: S. 248 f. (439 S.).</ref>

<poem> Oskar und Hedwig Hauser Mathilde Kohn ∙ Hedwig Kohn ∙ Julius Kohn ∙ Edith Landauer ∙ Else Liebenthal Gertrud Liebenthal ∙ Bella Kleeblatt ∙ Martha Kleeblatt Rosa Loew ∙ Elvira Stein Sigmund Ullmann Louis Viktor ∙ Samuel und Julie Walter Sie alle lebten in Kempten 1942 1945<ref name="WernerKZfriedf2011" /> </poem> umrahmt im Uhrzeigersinn von links nach rechts von folgendem Psalm:<ref name="WernerKZfriedf2011" /> <poem> Der Du mich hast schauen lassen viel Not und Leiden Du wirst wiederum mich beleben und aus den Tiefen der Erde mich wiederum erheben Psalm 71/20<ref name="WernerKZfriedf2011" /> </poem>

Datei:Neustes Grabmal Esther Dobias Jüd. Friedhof Kempten.jpg
Vorerst das letzte Grab auf dem Friedhof: 2008 wurde mit einer Ausnahmegenehmigung Esther Dobias bestattet.

1954 wurde die erste jüdische Beerdigung nach dem Zweiten Weltkrieg von zahlreichen Interessierten verfolgt. Ein Jahr darauf übernahm der Landesverband der Israeliten den Friedhof von der Stadt. In den Jahren 1970 und 1981 erfolgten die vorerst letzten Beerdigungen auf dem Friedhof. Der Friedhof wurde daraufhin 1981 geschlossen. Im Jahre 2008 fand eine Bestattung mit einer Ausnahmegenehmigung statt. Bei dieser Bestattung wurde die mit 97 Jahren in Kempten verstorbene Else „Esther“ Dobias in der Nähe ihrer Schwester Adele beerdigt, wie sie es gewünscht hatte. Zwei Mitarbeiter eines jüdischen Bestattungsunternehmens schaufelten von Hand das Grab, weil der Friedhof so eng war, dass der Einsatz eines Baggers unmöglich war. Die Beisetzung nahm der Rabbiner Henry G. Brandt vor.<ref name="alemannia" />

Literatur

  • Ralf Lienert: Die Geschichte der Juden in Kempten. Selbstverlag, Kempten 1998, OCLC 163840888 (178 S.).
  • Constanze Werner: KZ-Friedhöfe und -Gedenkstätten in Bayern – Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet… Hrsg.: Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. 1. Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2483-1, KZ-Grabstätten auf dem Jüdischen Friedhof, Stadt Kempten (Allgäu), S. 247–249 (439 S.).

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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Landkreis Neu-Ulm: Illereichen | Neu-Ulm | Osterberg
Landkreis Unterallgäu: Fellheim

Vorlage:Klappleiste/Ende

Koordinaten: 47° 44′ 6,3″ N, 10° 18′ 37,9″ O

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