Jörg Rüdiger Siewert
Jörg Rüdiger Siewert (* 8. Februar 1940 in Berlin; † 9. Januar 2024 in München) war ein deutscher Chirurg und Hochschullehrer. Er arbeitete vor allem auf dem Gebiet der Viszeralchirurgie und förderte die strukturierte interdisziplinäre Krebsdiagnostik und ‑therapie.
Leben
Nach seiner Ausbildung am Rudolf-Virchow-Krankenhaus ging Siewert 1969 nach Göttingen zu Hans-Jürgen Peiper. 1982 wurde er als Nachfolger von Georg Maurer nach München berufen. Dort arbeitete er als Ärztlicher Direktor am Klinikum rechts der Isar und lehrte als Ordinarius für Chirurgie Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Er brachte das Klinikum in die Spitzengruppe der deutschen Universitätskliniken.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Harter Hund in der Chirurgie ( vom 15. Mai 2007 im Internet Archive) (FTD vom 31. Juli 2006).</ref>
Nach seiner Emeritierung in München war Siewert von Juli 2007 bis November 2011 als Nachfolger von Eike Martin (* 1944) Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg.<ref>Neue Führungsspitze am Universitätsklinikum Heidelberg (idw vom 3. Januar 2007).</ref><ref>Universitätsklinikum Heidelberg: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Professor Dr. Guido Adler wird neuer Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg ( vom 21. Mai 2015 im Internet Archive). 23. Mai 2012.</ref> Von März 2010 bis November 2011 war er zudem kommissarischer Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Freiburg. Im November 2011 wechselte er regulär nach Freiburg und bekleidete zum 31. Oktober 2018 das Amt des Leitenden Ärztlichen Direktors.<ref>Der Chef der Uniklinik Freiburg spricht über die Zukunft des Krankenhauses (BZ vom 19. Januar 2012).</ref>
2002/03 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. 2002 wurde er durch den Senat von Berlin als einer von fünf externen Experten in die Kommission „Strukturreformen in der Berliner Hochschulmedizin“ berufen. 2003 wurde er zum Präsidenten der International Surgical Society (ISS/SIC) für die Jahre 2003 bis 2005 gewählt. Von 2006 bis 2012 war er Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD), einer Interessensvertretung aller 34 deutschen Unikliniken. Er war ab 1993 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina<ref>Mitgliedseintrag von Jörg Rüdiger Siewert (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher LeopoldinaVorlage:Abrufdatum</ref> und Senator der Sektion 17 (Chirurgie, Orthopädie und Anästhesiologie).
Wirken
Sein wissenschaftliches Spezialgebiet war die Chirurgie des Magens und der Speiseröhre, insbesondere durch filmische Darstellung einer mit Hans-Jürgen Peiper entwickelten Operationstechnik zur Rekonstruktion nach totaler Magenresektion.
Siewert entwickelte unter anderem eine Operation zur Verbindung von Speiseröhre und Dünndarm (Ösophagojejunoplikatio nach Siewert/Peiper) nach einer operativen Totalentfernung des Magens. Außerdem stammt von ihm eine Einteilung des Adenokarzinoms der Speiseröhre:
- AEG I distales Ösophagus-Ca
- AEG II Cardia-Ca
- AEG III subcardiales Magen-Ca
Siewert hat zahlreiche Publikationen, Monographien, Handbücher und Operationslehren veröffentlicht.
Rolle im Plagiatsverfahren gegen Hans-Hermann Dickhuth
Siewert nahm als Sachverständiger im Habilitationsausschuss der Universität Freiburg maßgeblich Einfluss darauf, dass dem ehemaligen Ärztlichen Direktor der Sportmedizin Hans-Hermann Dickhuth im Jahr 2013 aufgrund von unzitierten Übereinstimmungen seiner Habilitationsschrift mit mehreren Doktorarbeiten die Habilitation entzogen wurde.
Plagiatsvorwürfe
Im November 2014 wurde bekannt, dass Siewerts in Göttingen entstandene Habilitationsschrift unzitierte Übereinstimmungen mit der Doktorarbeit seines ehemaligen Mitarbeiters und heutigen Präsidenten des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Hans-Fred Weiser aufweist.<ref>Sönke Iwersen, Jan Keuchel: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. (Handelsblatt vom 5. November 2014).</ref>
Ein vom Rektor der Universität Freiburg auf Bitten Siewerts eingesetztes Dreiergremium befand nach Überprüfung der Habilitationsschrift, es bestehe „kein Anfangsverdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens“.<ref>Badische Zeitung Klinikchefs wollen Klarheit (Badische Zeitung online vom 8. November 2014).</ref><ref>Universität Freiburg: Unbegründete Vorwürfe (Pressemitteilung der Universität Freiburg).</ref> Allerdings wurden Zweifel an der Neutralität des Dreiergremiums geäußert, da mit dem Rechtsmediziner Stefan Pollak eines der Mitglieder Siewert dienstrechtlich direkt unterstellt ist und mit Kerstin Krieglstein ein weiteres Mitglied auf Vorschlag Siewerts in das Amt der Dekanin gewählt wurde.<ref>Laborjournal: Aufarbeitung oder Augenwischerei? (Laborjournal vom 17. Februar 2015).</ref>
Hingegen äußerte das Ombudsgremium der Universität Göttingen in einer Sitzung Mitte Januar 2015 „einen Anfangsverdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens“.<ref>Hermann Horstkotte: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Uni Göttingen lässt Hochschullehrerprüfung von Jörg Rüdiger Siewert prüfen ( vom 22. März 2015 im Internet Archive) (Göttinger Tageblatt online vom 10. Februar 2015).</ref> Die Ermittlungen wurden am 12. Juni 2015 eingestellt, Siewerts Schrift wurde nicht beanstandet. Kritiker bemängelten, es werde mit zweierlei Maß gemessen,<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Plagiatsvorwürfe: Freiburger Uniklinik-Chef Siewert entlastet.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> nach Recherchen des Handelsblatts beruht der Freispruch angeblich auf einer fragwürdigen Beweislage. Die Universität Göttingen weigert sich jedoch, das Gutachten zu veröffentlichen,<ref>Jan Keuchel: Unter Verschluss (Handelsblatt vom 29. Juli 2015).</ref> obwohl Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät Göttingen, erklärt hatte, man wolle das Ergebnis der anstehenden Göttinger Klärung „transparent und nachvollziehbar kommunizieren“.<ref>Hermann Horstkotte: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Uni Göttingen lässt Hochschullehrerprüfung von Jörg Rüdiger Siewert prüfen ( vom 22. März 2015 im Internet Archive) (Göttinger Tageblatt online vom 10. Februar 2015).</ref>
Ehrungen
- Deutscher Krebspreis (1994)
- Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (1997)
- Bayerischer Verdienstorden (2001)
- Offizier des Ehrenlegion (2001)
- Ehrenmitglied der Bayerischen Chirurgenvereinigung (2002)
- Bundesverdienstkreuz am Bande (2002)
- Ehrenmitglied der Berliner Chirurgischen Gesellschaft (2003)
- Ehrenmitglied der Polnischen Chirurgischen Gesellschaft (2003)
- Ehrendoktorwürde der Universität Lucian Blaga Sibiu (2003)
- Deutsche Krebshilfe Preis (2004)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( vom 27. April 2017 im Internet Archive)</ref>
- Ehrenmitglied der Mexikanischen Gesellschaft für Chirurgie (2006)
- Ehrenmitglied der American Surgical Association
- Ehrenmitglied des Forum MedTech Pharma (2007)
- Ehrendoktorwürde der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (2013)
- Rudolf-Nissen-Medaille (2015)
Veröffentlichungen (Auswahl)
- mit Karl Hempel und Leo Lehr: Ambulante Chirurgie. Definitionen, sozio-ökonomische und juristische Aspekte. In: Der Chirurg. Band 66, 1995, S. 277–281.
- Chirurgie. 8. Auflage. Berlin/Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-30450-0.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Siewert, Jörg Rüdiger |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chirurg und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 8. Februar 1940 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 9. Januar 2024 |
| STERBEORT | München |
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