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Herbert Junghanns (Mediziner)

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Herbert Junghanns (* 15. November 1902 in Zwickau in Sachsen;<ref name="Klee292">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 292.</ref> † 24. Februar 1986 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Chirurg und Sanitätsoffizier. Zu seinen Schwerpunkten zählte die Wirbelsäulenchirurgie.<ref name="THI">Prof. Herbert Junghanns (1902–1986) – eine widersprüchliche Karriere. Artikel von Wolfgang Dube und Frank Kandziora in Orthopädie und Unfallchirurgie. Band 157, Nr. 5, 2019, S. 473–491.</ref> Er wirkte als Chefarzt und Professor für Pathologie und Chirurgie der Wirbelsäule.

Leben

Herbert Junghanns, Sohn von Frieda Junghanns, geborener Haubold, und Georg Junghanns, war promovierter Arzt. Er studierte von 1922 bis 1927 Medizin und absolvierte anschließend eine Fachausbildung in Pathologischer Anatomie und Chirurgie. Junghanns trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.532.362),<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/18691481</ref> er schloss sich auch der SA und dem Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebund an. Ab 1937 war er beratender Chirurg im Wehrkreis IX. Seit 1941 war er außerplanmäßiger Professor für Chirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, wo er Oberarzt der Chirurgischen Universitätsklinik war. 1944 war er zusätzlich Arzt im Waldkrankenhaus Köppern, einem psychiatrischen Ausweichkrankenhaus der Aktion Brandt, die unter dem Deckmantel der Räumung von psychiatrischen Anstalten zur Umwandlung in Lazarette die Aktion T4 weiterbetrieb.<ref name="Klee292" />

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Junghanns von 1945 bis 1962 am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Chirurgischen Abteilung. Als langjähriger Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie setzte er sich insbesondere für die anforderungsgerechte Struktur der chirurgischen Ausbildung ein und war für die Einführung des Teilgebiets „Unfallchirurgie“ mitverantwortlich.<ref name="THI"/> Nachdem er 1961 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie geworden war, wurde er 1962 Chefarzt der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt am Main.<ref name="Klee292" /> Im November 1962 gründeten dort auf seinen Aufruf hin 16 wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), welcher er für sieben Jahre vorstand.<ref name="THI"/> Als Chefarzt wirkte er bis 1971.

Von 1971 bis 1981 war er Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Er wirkte zudem als Beratender Arzt der Hessen-Mittelrheinischen Gewerblichen Berufsgenossenschaft.

Ab 1956 war Junghanns Herausgeber der Buchreihe Die Wirbelsäule in Forschung und Praxis. Die Röntgenkunde und Klinik vertebragener Krankheiten. In Band 100 dieser vom Stuttgarter Hippokrates-Verlag veröffentlichten Reihe fasste er 1985 die wesentlichen wissenschaftlichen Ergebnisse gebündelt zusammen. Hierbei kam es zu engen Kooperationen mit Vertretern der Manuellen Medizin im In- und Ausland.<ref>Karel Lewit: Geschichte der Manipulationstherapie. In: Manuelle Medizin. 7. Auflage, unter Mitarbeit von Jochen Sachse und Vladimir Janda. Barth, Heidelberg/Leipzig, 1992. S. 12–19.</ref> Er wurde Ehrenvorsitzender und Ehrenmitglied in- und ausländischer medizinisch-wissenschaftlicher Gesellschaften.

Herbert Junghanns war evangelisch, verheiratet mit der Medizinerin Ilse Junghanns, geborene Marheine, lebte in Bad Nauheim und hatte einen Sohn.

Wissenschaftlicher Beitrag

Junghanns war Erstbeschreiber des Bewegungssegmentes der Wirbelsäule nach Junghanns und verfasste gemeinsam mit seinem akademischen Lehrer und Mentor Georg Schmorl das Lehrbuch Die gesunde und kranke Wirbelsäule in Röntgenbild und Klinik, das als Standardwerk galt.<ref name="THI"/>

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Ehrungen

Schriften (Auswahl)

  • Anzeigen zur chirurgischen Behandlung bei inneren Erkrankungen. Leitfaden für Studenten und praktische Ärzte. Mit einem Geleitwort von Victor Schmieden. Gustav Fischer, Jena 1943.
  • mit Georg Schmorl (†): Die gesunde und die kranke Wirbelsäule in Röntgenbild und Klinik. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1957; 5. Auflage ebenda 1968; Neuauflage ebenda 1983, ISBN 978-3-13-397805-7.
  • Nomenclatura Columnae Vertebralis. 1977.
  • Die Wirbelsäule in der Arbeitsmedizin. Teil 1 und 2. 1979.
  • Die Wirbelsäule im täglichen Leben und im Sport. 1985.

Literatur

  • Rüdiger Döhler, Heinz-Jürgen Schröder, Eike Sebastian Debus: Chirurgie im Norden. Zur 200. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Chirurgen in Hamburg 2017. Kaden Verlag, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-942825-67-2, S. 154–155.
  • Junghanns, Herbert. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 592–593.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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