Hydroxychloroquin
Hydroxychloroquin ist ein zu Chloroquin analoger Arzneistoff zur oralen Therapie der rheumatoiden Arthritis und von Kollagenosen wie dem systemischen Lupus erythematodes sowie zur Behandlung von und Vorbeugung vor Malaria tropica. Chemisch ist es strukturell mit Chinin verwandt.
Pharmakologie
Hydroxychloroquin hemmt die Häm-Polymerase der Plasmodien und bindet an DNA. Es wird in Plasmodien in ihre Vakuolen aufgenommen. Hydroxychloroquin hemmt den Lebensabschnitt der Plasmodien in den Erythrozyten. Es ist weniger giftig für die Retina als Chloroquin.<ref>emedicine.com</ref>
Chloroquin wirkt außerdem als Zink-Ionophor und bewirkt dadurch erhöhte intrazelluläre Zink-Konzentrationen. Zink wiederum wirkt hemmend auf die RNA-Polymerase von Coronaviren.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>
Wie Chloroquin inhibiert Hydroxychloroquin die Autophagozytose.<ref name="PMID21878654">Z. J. Yang, C. E. Chee u. a.: The role of autophagy in cancer: therapeutic implications. In: Molecular cancer therapeutics. Band 10, Nummer 9, September 2011, S. 1533–1541, doi:10.1158/1535-7163.MCT-11-0047, PMID 21878654, Vorlage:PMC (Review).</ref>
In pharmazeutischen Zubereitungen wird das Hydroxychloroquin-Sulfat<ref>Vorlage:Substanzinfo Summenformel C18H26ClN3O·H2SO4. Molare Masse 434,0 g·mol−1.</ref>, ein kristallines, in Wasser leicht lösliches Pulver,<ref>Vorlage:Literatur</ref> eingesetzt.
Analytik
Ähnlich wie Chloroquin kann die Substanz nach angemessener Probenvorbereitung in den unterschiedlichen Untersuchungsmaterialien durch Kopplung der HPLC mit der Massenspektrometrie qualitativ und quantitativ bestimmt werden.<ref>YS Chhonker, RL Sleightholm, J Li, D Oupický, DJ Murry: Simultaneous quantitation of hydroxychloroquine and its metabolites in mouse blood and tissues using LC-ESI-MS/MS: An application for pharmacokinetic studies. In: J Chromatogr B Analyt Technol Biomed Life Sci., 2018 Jan 1;1072, S. 320–327, PMID 29207305.</ref><ref>AK Füzéry, AR Breaud, N Emezienna, S Schools, WA Clarke: A rapid and reliable method for the quantitation of hydroxychloroquine in serum using turbulent flow liquid chromatography-tandem mass spectrometry. In: Clin Chim Acta., 2013 Jun 5,421, S. 79–84, PMID 23485647.</ref><ref>J Yeon Lee, J Lee, S Ki Kwok, J Hyeon Ju, K Su Park, SH Park: Factors Related to Blood Hydroxychloroquine Concentration in Patients With Systemic Lupus Erythematosus. In: Arthritis Care Res (Hoboken), 2017 Apr;69(4), S. 536–542, PMID 27390146.</ref> Auch die Dünnschichtchromatographie und Gaschromatographie wurden erfolgreich zur Analytik eingesetzt.<ref>AV Kemmenoe: An infant fatality due to hydroxychloroquine poisoning. In: J Anal Toxicol., 1990 May-Jun;14(3), S. 186–188, PMID 2374409.</ref>
Nebenwirkungen
Chloroquin- und Hydroxychloroquin-Retinopathie kann als Folge langfristiger Einnahme von Chloroquin oder Hydroxychloroquin auftreten.<ref>Heimann, Heinrich et al.: Atlas des Augenhintergrundes. Kapitel 7: Makulaerkrankungen, Abschnitt 7.7: Chloroquin- und Hydroxychloroquin-Retinopathie. Thieme, 2010. doi:10.1055/b-0034-40509.</ref><ref>Richard Bergholz: Chloroquin-Makulopathie: Risikofaktoren und Früherkennung. Habilitationsschrift. Medizinische Fakultät Charité - Universitätsmedizin Berlin, November 2017. PDF (PDF; 399 kB) </ref>
Unter der Behandlung mit Hydroxychloroquin sind schwere Hypoglykämien – einschließlich Fällen von Bewusstseinsverlust – aufgetreten, die lebensbedrohlich verlaufen können.<ref name="sanofi-2019-04" />
Es wurde über Kardiomyopathien berichtet, die zu Herzinsuffizienz führen können, einschließlich Fällen mit tödlichem Ausgang.<ref name="sanofi-2019-04" />
Hydroxychloroquin kann zu einer dosisabhängigen Verlängerung des QT-Intervalls führen. Bei Patienten mit Herzvorerkrankungen, oder bei gleichzeitiger Anwendung von Substanzen, die das QT-Intervall verlängern, kann das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien erhöht sein.<ref name="sanofi-2019-04">Vorlage:Internetquelle</ref>
Eine im November 2020 vorgelegte Überprüfung sieht einen Zusammenhang zwischen der Verwendung chloroquin- oder hydroxychloroquinhaltiger Arzneimittel und dem Risiko für psychiatrische Störungen und suizidalem Verhalten.<ref name="bfarm-2020-11-27">Vorlage:Internetquelle</ref>
Therapeutische und experimentelle Verwendung
Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
Hydroxychloroquin ist zugelassen zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und des systemischen Lupus erythematodes (SLE), wobei die Latenz bis zum Wirkbeginn relativ lang ist und die Wirksamkeit geringer als die von Methotrexat ist.<ref name="mutsch">Vorlage:Literatur</ref> Hydroxychloroquin ist etwas besser verträglich als Chloroquin. Beim SLE gehört es zusammen mit den nichtsteroidalen Antiphlogistika zu den Mitteln der 1. Wahl. Es wird zudem in der adjuvanten Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis verwendet.<ref name="mutsch" />
COVID-19
Vorlage:Siehe auch In Deutschland gibt es keine Zulassung des Medikaments für die Behandlung von COVID-19.
Eine am 7. Mai 2020 in der Fachzeitschrift The New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie des Irving Medical Center in Manhattan<ref>Vorlage:Literatur</ref> kommt zu dem Schluss, dass Hydroxychloroquin bei Covid-19-Erkrankungen weder schadet noch nützt. Das Medikament wurde bei 811 Patienten eingesetzt (Kontrollgruppe: 565 Patienten), was es mutmaßlich zur bis dahin weltweit größten Behandlungsserie machte.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Die Arbeitsgruppe COVRIIN am Robert-Koch-Institut bewertet die Datenlage mit Stand März 2022 dahingehend, dass kein klinischer Vorteil nachgewiesen sei, es in Studien aber einen Trend zu erhöhter Sterblichkeit gegenüber der Standardtherapie gebe. Seitens des RKI wird vom Einsatz des Medikaments außerhalb von klinischen Studien abgeraten.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Die Leitlinie der Fachgruppe zur COVID-Therapie der National Institutes of Health rät von der Behandlung von COVID-Patienten mit Hydroxychloroquin und Chloroquin sowohl bei ambulanten wie auch stationären Patienten ab, auch im Rahmen einer klinischen Prüfung.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Zudem ist es nicht als Prophylaxe gegen eine Infektion geeignet.
Eine französisch-kanadische Studie kam 2024 zu einer Schätzung, nach der während der Coronapandemie in Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, der Türkei und den Vereinigten Staaten Verschreibungen des Medikaments mit knapp 17.000 Fällen zur Übersterblichkeit beigetragen haben könnten. Diese Studie wurde inzwischen vom Herausgeber zurückgezogen.<ref>Pradelle A, Mainbourg S, Provencher S, Massy E, Grenet G, Lega JC. Deaths induced by compassionate use of hydroxychloroquine during the first COVID-19 wave: an estimate. Biomed Pharmacother. 2024 Jan 2;171:116055. doi:10.1016/j.biopha.2023.116055 Epub ahead of print.</ref>
Handelsnamen
Monopräparate
Plaquenil (CH), Quensyl (D)
Weblinks
Einzelnachweise
<references />