Hans Hürlimann
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Hans Hürlimann (* 6. April 1918 in Walchwil; † 22. Februar 1994 in Zug) war ein Schweizer Politiker (CVP) aus dem Kanton Zug. Als Bundesrat von 1974 bis 1982 war er Innenminister und bekleidete einmal das Amt des Bundespräsidenten.
Biografie
Hans Hürlimann war das erste von vier Kindern des Schmieds Johann Hürlimann und von Katharina Hürlimann-Rust. Er wuchs in seinem Bürgerort Walchwil auf. Mit zwölf Jahren trat Hürlimann in die Stiftsschule des Klosters Einsiedeln ein. Dort wurde er unter dem Vulgonamen «Tiger» in der Studentenverbindung Corvina aktiv<ref name="nachruf">P. Erwin Benz: Nachruf auf Hans Hürlimann, in: Zuger Nachrichten vom 2. März 1994, S. 14.</ref> und trat damit dem Schweizerischen Studentenverein bei. Nach der Maturität studierte er von 1939 bis 1943 Rechtswissenschaften in Bern und Freiburg. Er schloss mit einem Doktorat ab. Im Zweiten Weltkrieg leistete er ausserdem ab 1939 Aktivdienst als Infanterist im Zuger Bataillon 48. Er absolvierte die Offiziersschule und wurde 1945 Kompaniekommandant, später Kommandant seines Bataillons. Als Oberst kommandierte Hürlimann ein Gebirgsinfanterie-Regiment. Schliesslich wurde er Generalstabsoffizier und Stabschef der Gebirgsdivision 9.<ref name="lexikon">Urs Altermatt, Urs C. Reinhardt: Hans Hürlimann, in: Das Bundesratslexikon, Zürich 2019, S. 530.</ref>
1946 erlangte er das Zuger Anwaltspatent und wurde Rechtskonsulent bei der städtischen Verwaltung von Zug. Er heiratete im September 1947 Marie-Theres Duft, das jüngste Kind des St. Galler Rechtsanwalts und Nationalrats Johannes Duft. Das Paar wurde von ihrem Bruder, dem katholischen Priester Johannes Duft, getraut.<ref name="nachruf" /> 1949 bis 1954 war Hürlimann als Zuger Stadtschreiber angestellt.
Kantonspolitik
1947 begann er seine politische Karriere mit der Wahl in den Kantonsrat, obwohl er nach eigenen Worten keinen Wahlkampf betrieben habe. Die Partei habe akzeptiert, dass sein Onkel ihn zu seinem Nachfolger bestimmt habe, erzählte er in einem Interview.<ref name="nachruf" /> 1954 wurde er in den Regierungsrat gewählt. Damals war die Kantonsregierung noch ein Nebenamt, und Hans Hürlimann blieb weiterhin als Anwalt tätig. Bis 1962 war er Justiz-, Polizei- und Militärdirektor und anschliessend Erziehungsdirektor. Als solcher war er 1965 Mitgründer der Innerschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz. Von 1968 bis 1973 leitete er die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). 1970 nahm er Einsitz im Schweizerischen Schulrat, dem heutigen ETH-Rat. 1965/1966 war er Landammann des Kantons Zug.
1967 wählte ihn das Zuger Stimmvolk auch in den Ständerat. Er präsidierte unter anderem zwei Jahre lang die ständerätliche Geschäftsprüfungskommission.<ref>Urs Altermatt, Urs C. Reinhardt: Hans Hürlimann, in: Das Bundesratslexikon, Zürich 2019, S. 529.</ref>
Bundesrat
Hans Hürlimann wurde am 5. Dezember 1973 im ersten Wahlgang in den Bundesrat gewählt. Dabei erzielte er 48 Stimmen mehr als der offizielle Kandidat der CVP, der Tessiner Enrico Franzoni.<ref name="lexikon" /> Der eigentliche Favorit, der Solothurner Leo Schürmann, schied nach der am gleichen Tag erfolgten Wahl von Willi Ritschard aufgrund der damals gültigen Kantonsklausel aus. Nach der Wahl übergab er seine bisherigen Mandate.
Während seiner Amtszeit stand er dem Eidgenössischen Departement des Innern vor. Als Sozialminister machte er die 9. AHV-Revision und das Gesetz über die berufliche Vorsorge mehrheitsfähig. Hürlimann galt damit als «Vater der 2. Säule». Im Kulturbereich ordnete er unter anderem die Stiftung Pro Helvetia und schuf das heutige Bundesamt für Kultur.<ref>Urs Altermatt, Urs C. Reinhardt: Hans Hürlimann, in: Das Bundesratslexikon, Zürich 2019, S. 534.</ref> Als Bildungs- und Forschungsminister wiederum setzte er sich für ein Forschungsgesetz und die ETH in Lausanne ein.<ref>Urs Altermatt, Urs C. Reinhardt: Hans Hürlimann, in: Das Bundesratslexikon, Zürich 2019, S. 532.</ref>
Hürlimann war Bundespräsident im Jahr 1979 und Vizepräsident im Jahr 1978. Gegen Ende seiner Amtszeit als Bundesrat litt er unter dem Verlust seines im Februar 1980<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> an Krebs verstorbenen Sohnes Matthias.<ref name="seite533">Urs Altermatt, Urs C. Reinhardt: Hans Hürlimann, in: Das Bundesratslexikon, Zürich 2019, S. 533.</ref> Per 31. Dezember 1982 trat er zurück.
Legendär wurde eine Aussage in der Rede, welche er anlässlich der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels am 5. September 1980 hielt. Er versprach der betroffenen Bevölkerung, der Gotthard-Strassentunnel werde «niemals ein Korridor für den Schwerverkehr werden».
Nach seinem Rücktritt wirkte Hürlimann während fünf Jahren als Lehrbeauftragter an der Juristischen Fakultät der Universität Freiburg und nahm humanitär-kulturelle Aufgaben wahr, unter anderem als Direktionsmitglied des Schweizerischen Roten Kreuzes. Er verstarb 1994 nach schwerer Krankheit.<ref name="seite533" /> Die Trauerrede in der Zuger Kirche St. Michael hielt Bundesrat Flavio Cotti.<ref>Karl Etter: Ein offener Wertkonservativer, in: Zuger Nachrichten vom 2. März 1994, S. 13.</ref>
Hans Hürlimanns Sohn Thomas Hürlimann ist einer der bekanntesten Schriftsteller der Schweiz. Sein Roman Der grosse Kater von 1998 erzählt vom Staatsbesuch durch den spanischen König Juan Carlos I. und vom Rücktritt der Hauptfigur als Bundespräsident. In Anlehnung an den Spitznamen des Vaters aus studentischen Zeiten wird die Hauptfigur Kater genannt. Die gleichnamige Verfilmung mit Bruno Ganz in der Hauptrolle erschien im Jahr 2010.
Wahlergebnisse in der Bundesversammlung
- 1973: Wahl in den Bundesrat mit 132 Stimmen (absolutes Mehr: 115 Stimmen)
- 1975: Wiederwahl als Bundesrat mit 206 Stimmen (absolutes Mehr: 114 Stimmen)
- 1977: Wahl zum Vizepräsidenten des Bundesrates mit 192 Stimmen (absolutes Mehr 103 Stimmen)
- 1978: Wahl zum Bundespräsidenten mit 212 Stimmen (absolutes Mehr: 108 Stimmen)
- 1979: Wiederwahl als Bundesrat mit 214 Stimmen (absolutes Mehr: 114 Stimmen)
Literatur
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- Thomas Hürlimann: Meine katholische Familie, in: NZZ Geschichte, Nr. 2 (Juli 2015), S. 43–58.
- Eduard Montalta: Bundesrat Hans Hürlimann. Werden und Wesen einer Persönlichkeit. in: Der Wohlfahrtsstaat, hg. von Hans-Peter Fagagnini und Hans Willi, Olten/Freiburg i. B. 1977/1979, S. 305–310.
- {{#ifeq: Renato Morosoli|Redaktion||Renato Morosoli: }}{{#if:Hürlimann, Hans|Vorlage:Str replace|Hans Hürlimann}}. In: Historisches Lexikon der Schweiz{{#if: |. {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|}}}}{{#if: |, abgerufen am {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}|}}}}.{{#invoke:TemplatePar|valid|1|N>0
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Weblinks
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Einzelnachweise
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Stefano Franscini | Giovanni Battista Pioda | Karl Schenk | Jakob Dubs | Josef Martin Knüsel | Numa Droz | Adolf Deucher | Eugène Ruffy | Adrien Lachenal | Marc Ruchet | Ludwig Forrer | Josef Anton Schobinger | Camille Decoppet | Louis Perrier | Felix Calonder | Gustave Ador | Ernest Chuard | Marcel Pilet-Golaz | Albert Meyer | Philipp Etter | Hans-Peter Tschudi | Hans Hürlimann | Alphons Egli | Flavio Cotti | Ruth Dreifuss | Pascal Couchepin | Didier Burkhalter | Alain Berset | Elisabeth Baume-Schneider
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