Gewissenhaftigkeit
Gewissenhaftigkeit ist ein faktorenanalytisch ermitteltes Persönlichkeitsmerkmal (vgl. Persönlichkeit) in der Differentiellen Psychologie. Sie beschreibt den Grad an Selbstkontrolle, Genauigkeit und Zielstrebigkeit, der einer Person zu eigen ist.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Zusammen mit der Extraversion, der Verträglichkeit, der Offenheit und dem Neurotizismus bildet es die Big Five.<ref name=":0" />
Beschreibung
Adjektive wie ordentlich, genau, sauber, organisiert, sorgfältig, verantwortungsbewusst, zuverlässig, überlegt und gewissenhaft beschreiben hohe Ausprägungen auf dem Gewissenhaftigkeitsfaktor, wohingegen Adjektive wie unsorgfältig, unachtsam, planlos und ungenau niedrige Ausprägungen beschreiben.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
In der Psychologie unterscheidet man sechs Untereigenschaften (Facetten) der Gewissenhaftigkeit: Kompetenz, Ordnungsliebe, Pflichtbewusstsein, Leistungsstreben, Selbstdisziplin und Besonnenheit. Das Konstrukt stellt sich damit als eine Mischung aus Temperamentseigenschaften und Aspekten von Fähigkeiten und Motivation dar.<ref name=":0" />
Höhere Gewissenhaftigkeitsausprägungen gelten generell eher als sozial erwünscht.<ref name=":0" />
Messung
Diagnostiziert wird das Ausmaß an Gewissenhaftigkeit über Adjektivlisten oder über Persönlichkeitstests wie den NEO-FFI oder das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Am verbreitetsten ist auch heute noch der 1985 von Costa und McCrae entwickelte NEO-PI-R; dieses umfasst 240 Aussagen (Items) zur Fremd- oder Selbstbeurteilung auf einer 5-stufigen Ratingskala.<ref name=":0" />
Zusammenhänge
Stumpf und Parker stellen einen hohen Zusammenhang zwischen Perfektionismus und den Big Five heraus. So korrelieren funktionale Perfektionismus-Facetten wie hohe persönliche Standards und Organisiertheit mit Gewissenhaftigkeit. Dagegen korrelieren dysfunktionale Facetten wie leistungsbezogene Zweifel und Fehlersensibilität mit Neurotizismus.<ref name="stumpf">H. Stumpf, W. D. Parker: A hierarchical structural analysis of perfectionism and its relation to other personality characteristics. In: Personality and Individual Differences. 28 (2000), S. 837–852.</ref>
Unter den fünf Hauptfaktoren der Persönlichkeit sagt selbstbeurteilte Gewissenhaftigkeit das Vorgesetztenurteil über den Berufserfolg am besten vorher.<ref name=":1">Jens B. Asendorpf, Franz J. Neyer: Psychologie der Persönlichkeit. Springer; Auflage: 5., vollst. überarb. Aufl. 2012 (27. November 2012). ISBN 978-3-642-30263-3. Seite 170</ref> Gewissenhafte werden in psychologischen Studien von ihren Ausbildern besser bewertet, haben einen objektiv besseren Output am Arbeitsplatz, zeigen ein besseres Teamverhalten, weisen höhere Leistungen und bessere Führungsqualitäten auf. Sie sind motivierter bei der Zielsetzung, blicken umsichtiger voraus und gehen durchdachter und effizienter vor.<ref name=":1" />
Im Verlauf des Erwachsenenalters nimmt die Gewissenhaftigkeit zu.<ref>Jens B. Asendorpf, Franz J. Neyer: Psychologie der Persönlichkeit. Springer; Auflage: 5., vollst. überarb. Aufl. 2012 (27. November 2012). ISBN 978-3-642-30263-3. Seite 317</ref> Für hochintelligente Kinder der Terman-Studie war niedrige Gewissenhaftigkeit ein Risikofaktor für einen früheren Tod.<ref>Jens B. Asendorpf, Franz J. Neyer: Psychologie der Persönlichkeit. Springer; Auflage: 5., vollst. überarb. Aufl. 2012 (27. November 2012). ISBN 978-3-642-30263-3. Seite 330</ref>
Gewissenhaftigkeit und Extraversion sind die wesentlichen Persönlichkeitseigenschaften, die die Gruppenleistung beeinflussen.
Zusammenhang mit Persönlichkeitsstörungen
Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Gewissenhaftigkeit hängt mit Persönlichkeitsstörungen zusammen, weshalb Gewissenhaftigkeit als einzige Dimension der Big Five zwei Merkmalsdomänen in der ICD-11 stellt, mit der die Persönlichkeit Betroffener beschrieben werden kann. Zu hohe Gewissenhaftigkeit ist das charakteristische Merkmal der zwanghaften Persönlichkeitsstörung und entspricht dem Merkmal 6D11.4 Anankasmus. Zu niedrige Gewissenhaftigkeit entspricht dem Merkmal 6D11.3 Enthemmung. Sie tritt, in Verbindung mit sehr niedriger Verträglichkeit, für gewöhnlich bei der dissozialen Persönlichkeitsstörung auf. Auch die Borderline-Persönlichkeitsstörung korreliert vergleichsweise stark negativ mit Gewissenhaftigkeit.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Weblinks
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Einzelnachweise
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