Gewöhnlicher Feldrittersporn
<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Gewöhnlicher Feldrittersporn | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Illustration Consolida regalis0.jpg
Gewöhnlicher Feldrittersporn (Consolida regalis), Illustration | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Consolida regalis | ||||||||||||
| Gray |
Der Gewöhnliche Feldrittersporn (Consolida regalis <templatestyles src="Person/styles.css" />S.F.Gray, Synonym: Delphinium consolida <templatestyles src="Person/styles.css" />L.), auch Acker-Rittersporn oder einfach Feldrittersporn bzw. nur Rittersporn<ref>Vgl. etwa Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 34 (Consolida regalis „rittern sporn“).</ref><ref>Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 174 („Consolida regalis – ritters blomen oder ritters sporn“).</ref> genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Feldrittersporne (Consolida) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).<ref name="Euro+Med" />
Der Gewöhnliche Feldrittersporn wurde in Deutschland zur Blume des Jahres 2026 ernannt.<ref>Blume des Jahres 2026: Der Feldrittersporn. In: loki-schmidt-stiftung.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.</ref>
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Gewöhnliche Feldrittersporn ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern erreicht. Die wechselständigen Laubblätter sind ein- bis mehrfach dreiteilig in 1 Millimeter breite, lineale Zipfel geteilt.
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Mai bis August. In einem traubigen Blütenstand stehen fünf bis acht Blüten jeweils über Tragblättern, die kürzer als Blütenstiele sind. Die zwittrige Blüte ist zygomorph. Die blauviolette Blüte besitzt einen einfachen, etwa 2 bis 4 Zentimeter langen waagrechten oder nach oben zeigenden Sporn, der aus zwei miteinander verwachsenen Nektarblättern gebildet wird. Es ist nur ein Fruchtblatt vorhanden.
Die einzelne kahle Balgfrucht weist eine Länge von etwa 2 Zentimeter auf und enthält viele Samen.
Die Chromosomenzahl für beide europäische Unterarten beträgt 2n = 16.
Ökologie
Der Gewöhnliche Feldrittersporn ist sommer- oder winterannuell und in letzterem Fall dann als Rosettenpflanze überdauernd. Er wurzelt bis 50 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer2001" />
Blütenbiologisch handelt es sich um vormännliche „Glockenblumen mit klebrigem Pollen“. Der Nektartrichter hat einen hummelkopfgroßen Eingang. Der Nektar ist nur langrüsseligen Hummeln und anderen Insekten mit mindestens 15 Millimeter langem Rüssel zugänglich. Griffel und Staubblätter biegen sich zur Reife nach oben. Die Blaufärbung der Blüten wird durch das Anthocyan Delphinidin hervorgerufen.
Die Fruchtreife erfolgt von August bis September. Diese bewirkt Selbstausbreitung der Samen als Austrocknungsstreuer, daneben ist sie ein Windstreuer. Die Samen sind Kältekeimer.
Vorkommen
Der Gewöhnliche Feldrittersporn war in Mitteleuropa weit verbreitet, ist aber durch vermehrten Herbizideinsatz und intensive Bodenkultivierung selten geworden. In Deutschland ist er in der Roten Liste gefährdeter Arten als gefährdet eingestuft.
Der Gewöhnliche Feldrittersporn benötigt nährstoffreiche Getreideäcker, Wegsäume, Trockenplätze. Er gedeiht auch auf warmen, mäßig trockenen bis frischen, nährstoffreichen und basenreichen, neutral-milden, humosen lockeren Lehmböden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Caucalidion lappulae.<ref name="Oberdorfer2001" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Die erste Veröffentlichung erfolgte 1753 als Delphinium consolida <templatestyles src="Person/styles.css" />L. durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 530–531.<ref name="Euro+Med" /> Als Erstbeschreibung gilt Consolida regalis <templatestyles src="Person/styles.css" />Gray durch Samuel Frederick Gray in A Natural Arrangement of British Plants, Volume 2, 1821, S. 711.<ref name="Euro+Med" />
Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten:<ref name="Euro+Med" /><ref>Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8: Nymphaeaceae to Ranunculaceae. S. 72–73, Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6.</ref><ref name="GRIN" />
- Consolida regalis subsp. paniculata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Host) Soó (Syn.: Delphinium paniculatum <templatestyles src="Person/styles.css" />Host): Sie kommt in der Slowakei, in Ungarn, auf der Balkanhalbinsel, in Italien, Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien, in der Ukraine, in Russland, im Kaukasusraum, in der Türkei und in Georgien vor.<ref name="GRIN" />
- Consolida regalis <templatestyles src="Person/styles.css" />Gray subsp. regalis: Sie kommt in Europa, im Kaukasusraum, in der Türkei und im westlichen Sibirien vor.<ref name="GRIN" />
Giftigkeit
Vorlage:Hinweisbaustein Alle Pflanzenteile sind giftig, insbesondere die Samen. Die Samen enthalten bis zu 1,4 % Alkaloide, hauptsächlich Lycoctonin, Delcosin und Delsonin.
Die Wirkung ist ähnlich dem Aconitin, aber schwächer. Früher sind bei der Aufnahme größerer Mengen Vergiftungserscheinungen bei Rindern aufgetreten.
Verwendung
Vorlage:Hinweisbaustein Früher wurden die alkaloidarmen Blüten als Heilmittel eingesetzt, etwa bei Augenleiden, oder als magisches Mittel.<ref>Vgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 174 (zu Consolida regalis).</ref> Da Belege für die Wirksamkeit fehlen, ist die Droge als Arznei nicht mehr gebräuchlich.
Häufig findet man getrocknete Blüten wegen ihrer schönen blauen Farbe aber noch als Schmuckdroge, besonders in Blasen- und Nierentees und auch in Teemischungen für andere Indikationen.
Bilder
Trivialnamen
Für den Gewöhnlichen Feldrittersporn bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Addersporn (mittelniederdeutsch), Adebarsnibben (Mecklenburg, Pommern), Hornkümmel (Schlesien), Kappelkraut, Kreienfot (Mecklenburg), Lerchenklau (Ostpreußen), St. Ottilienkraut, Rätterspuren (Siebenbürgen), Ridderblomen (niederdeutsch), Rittersblume, Ritterspiel, Ritterspörlein, Rittersporen (Eifel), Rittersporn, Rydderblomen (mittelniederdeutsch) und Sporlin (mittelhochdeutsch).<ref>Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 132.(online).</ref>
Geschichte
Quellen
- Antike – Spätantike: Dioskurides 1. Jh.<ref>Pedanios Dioskurides. 1. Jh.: De Medicinali Materia libri quinque. Übersetzung. Julius Berendes. Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902, S. 310 (Buch III, Kapitel 77): Delphinion (Digitalisat)</ref>
- Lateinisches Mittelalter: Cpg 226 1459–1469<ref>Cpg 226, Elsass 1459–1469, Blatt 104v: Ritter sporn wasser ist gut in die augen getroffet (Digitalisat)</ref> – Cpg 545 1474<ref>Cpg 545, Nürnberg (?) 1474, Blatt 108r–108v: Ritter sporn Item ritter sporn wasser ist gut fur alle rotte der augen ein tuch yn dem wasser genetzt reinigt alle rotte von den augen so man es dar auff leget Vnd ist gut fur das zwanck ym leib vnd fur die darm sucht Vnd wer die speis nicht behaltenn mag der trinkt sein Vnd macht wol harmen Vnd treibt auch den stein von der plossen (Digitalisat)</ref> – Cpg 558 um 1470–1485<ref>Cpg 558, Nordbayern, um 1470–1485, Blatt 23r: Rittersporen vasser das ist gutt fur alle rotte in den augen vnd geswer : vnd ein tuch dar jnnen genetzet vnd auf dÿ augen geleget zuget alle rote auch das geswern vnd ist auch gutt fur alle gezwanck in dem leibe vnd fur alles gesucht dar jnne : vnd wer dÿ speÿß nit gehalten mag vnd machet sere harmen vnd treÿbt auß den poßen stain :- (Digitalisat)</ref> – Michael Puff 15. Jh.<ref>Michael Puff: Büchlein von den ausgebrannten Wässern. 15. Jh. Druck Augsburg (Johannes Bämler) 1478 (Digitalisat)</ref> – Gart der Gesundheit 1485<ref>Gart der Gesundheit. Mainz 1485, Kapitel 96: Consolida regalis. Ritters blomen oder ritters sporn (Digitalisat)</ref> – Hortus sanitatis 1491<ref>Hortus sanitatis 1491, Mainz 1491, Teil I, Kapitel 216: Granum culcul (Digitalisat)</ref> – Hieronymus Brunschwig 1500<ref>Hieronymus Brunschwig: Kleines Destillierbuch, Straßburg 1500, Blatt 95v–96r: Ritter sporn (Digitalisat)</ref>
- Neuzeit: Otto Brunfels 1532<ref>Otto Brunfels: Contrafayt Kreüterbůch. Johann Schott, Straßburg 1532, S. 19: Rittersporen (Digitalisat)</ref> – Sebastian Franck 1534<ref>Sebastian Franck: Weltbuch. Tübingen 1534, Blatt 51v: … An S. Johans tag (Sommersonnenwende) machen sye ein simetfeür (Sonnenwendfeuer) … (Digitalisat)</ref> – Hieronymus Bock 1539<ref>Hieronymus Bock: New Kreütter Bůch. Wendel Rihel, Straßburg 1539, Teil I, Kapitel 195: Ritter Sporn (Digitalisat)</ref> – Leonhart Fuchs 1543<ref>Leonhart Fuchs: New Kreütterbuch … Michael Isingrin, Basel 1543, Kapitel 8: Chamillen … Das dritt geschlecht … (Digitalisat)</ref> – Mattioli / Handsch / Camerarius 1586<ref>Pietro Andrea Mattioli: Commentarii, in libros sex Pedacii Dioscoridis Anazarbei, de medica materia. Übersetzung durch Georg Handsch, bearbeitet durch Joachim Camerarius den Jüngeren, Johan Feyerabend, Franckfurt am Mayn 1586, Blatt 330r–330v: Rittersporn (Digitalisat)</ref> – Nicolas Lémery 1699/1721<ref>Nicolas Lémery: Dictionnaire universel des drogues simples. Paris 1699, S. 256–257: Delphinium (Digitalisat); Übersetzung. Vollständiges Materialien-Lexicon. Zu erst in Frantzösischer Sprache entworffen, nunmehro aber nach der dritten, um ein grosses vermehreten Edition […] ins Hochteutsche übersetzt / Von Christoph Friedrich Richtern, […]. Leipzig: Johann Friedrich Braun, 1721, Sp. 396–397: Delphinium (Digitalisat)</ref> – Onomatologia medica completa 1755<ref>Albrecht von Haller (Herausgeber): Onomatologia medica completa oder Medicinisches Lexicon das alle Benennungen und Kunstwörter welche der Arzneywissenschaft und Apoteckerkunst eigen sind deutlich und vollständig erkläret […]. Gaumische Handlung, Ulm / Frankfurt am Main / Leipzig 1755, Sp. 259: Calcatrippa (Digitalisat)</ref>
Historische Abbildungen
-
Wiener Dioskurides 6. Jahrhundert
-
Vitus Auslasser 1479
-
Gart der Gesundheit 1485
-
Hortus sanitatis 1491
-
Otto Brunfels 1532
-
Leonhart Fuchs 1543
-
Hieronymus Bock 1546
-
Mattioli / Handsch / Camerarius 1586
Literatur
- Bruno P. Kremer: Steinbachs großer Pflanzenführer, Ulmer (Eugen), Stuttgart 2005, ISBN 3-8001-4903-6.
- Roth/Daunderer/Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 4. Auflage.
- Ingrid Schönfelder und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen, Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft, 2011, ISBN 3-440-09387-5.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Euro+Med"> E. von Raab-Straube, Ralf Hand, E. Hörandl, E. Nardi (2014+): Ranunculaceae. Datenblatt In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Consolida regalis Gray In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> </references>
Weblinks
- Consolida regalis Gray, Feld-Rittersporn. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Consolida regalis subsp. paniculata (Host) Soó, Rispiger Acker-Rittersporn. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Gewöhnlicher Feldrittersporn. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
Vorlage:Hinweisbaustein Vorlage:Klappleiste/Anfang
Lungen-Enzian (1980) | Gelbe Narzisse (1981) | Rotes Waldvöglein (1982) | Wilde Tulpe (1983) | Sommer-Adonisröschen (1984) | Wald-Akelei (1985) | Arnika (1986) | Stranddistel (1987) | Sumpf-Calla (1988) | Kartäusernelke (1989) | Berg-Sandglöckchen (1990) | Rosmarinheide (1991) | Rundblättriger Sonnentau (1992) | Schachbrettblume (1993) | Breitblättriges Knabenkraut (1994) | Trollblume (1995) | Küchenschelle (1996) | Silberdistel (1997) | Krebsschere (1998) | Sumpfdotterblume (1999) | Purpurblauer Steinsame (2000) | Blutroter Storchschnabel (2001) | Hain-Veilchen (2002) | Kornrade (2003) | Alpenglöckchen (2004) | Großer Klappertopf (2005) | Wiesen-Schaumkraut (2006) | Bach-Nelkenwurz (2007) | Nickende Distel (2008) | Gemeine Wegwarte (2009) | Sibirische Schwertlilie (2010) | Moorlilie (2011) | Heide-Nelke (2012) | Leberblümchen (2013) | Schwanenblume (2014) | Gewöhnlicher Teufelsabbiss (2015) | Echte Schlüsselblume (2016) | Klatschmohn (2017) | Langblättriger Ehrenpreis (2018) | Besenheide (2019) | Fieberklee (2020) | Großer Wiesenknopf (2021) | Vierblättrige Einbeere (2022) | Kleine Braunelle (2023) | Strand-Grasnelke (2024) | Sumpf-Blutauge (2025) | Gewöhnlicher Feldrittersporn (2026)