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Günther Mittergradnegger

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Günther Anton Mittergradnegger (* 28. Jänner 1923 in Klagenfurt als Günther Anton Wohlfahrt;<ref name="Geburtsbuch">Geburtsbuch Klagenfurt-St. Ruprecht, tom. XVII, fol. 197 (Faksimile), abgerufen am 9. Januar 2024.</ref> † 25. Februar 1992 ebenda) war ein österreichischer Chorleiter und Komponist.<ref name="oeml">Alexander Rausch: Mittergradnegger, Günther. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7.</ref>

Familie

Günther Mittergradnegger war das erste Kind des aus der Gemeinde Glanegg stammenden Gerichtsbeamten Anton Wohlfahrt (ab 1936 Familienname: Mittergradnegger; * 8. Juni 1884) und der aus der Gemeinde Gmünd stammenden Margaretha Anna Wohlfahrt (geborene Leditznig; ab 1936: Mittergradnegger; * 27. November 1900). Die Eltern haben am 2. August 1922 in Maria Saal geheiratet.<ref name="Geburtsbuch" /><ref name="Trauungsbuch, Eltern" />

Zum Wechsel des Familiennamens von 'Wohlfahrt' zu 'Mittergradnegger' kam es 1936, als der Großvater von Günther, nämlich Michael Mittergradnegger (geb. 1832) in einer späten Eheschließung 1905 seinen Sohn Anton Wohlfahrt (dem späteren Vater von Günther) legitimierte; aber erst 1936 wurde dieser Wechsel des Familiennamens auch behördlich berichtigt.

Im Jahr 1936 beantragte der Vater Anton die Versetzung von Millstatt an das Bezirksgericht Klagenfurt, die wohl aufgrund seiner Nähe zum katholisch-autoritären Regime<ref name="Wadl2022" details="Seite 659.">Wilhelm Wadl: „Ich bin nicht registrierungspflichtig“ – Günther Mittergradneggers angebliche NSDAP-Mitgliedschaft. In: Carinthia I. 212. Jahrgang. Klagenfurt 2022.</ref> auch bewilligt wurde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Mittergradneggers Vater im Jahr 1939 wegen seiner Nähe zum Ständestaat als politisch unzuverlässig zwangspensioniert.

Leben

Datei:Gedenktafel Günther Mittergradnegger, Millstatt, Kärnten.jpg
Gedenktafel für Günther Mittergradnegger am Haus Aribo in Millstatt
Datei:Grab von Günther Mittergradnegger.jpg
Grab von Günther Mittergradnegger am Friedhof Annabichl in Klagenfurt

Günther Wohlfahrt wurde am 28. Jänner 1923 in Klagenfurt geboren und am 5. Februar 1923 auf den Namen Günther Anton getauft.<ref name="Trauungsbuch, Eltern">Trauungsbuch Maria Saal, tom. V, fol. 136 (Faksimile), abgerufen am 9. Januar 2024.</ref> Seit 1936 lautete sein Familienname Mittergradnegger.

In der Volksschulzeit in Millstatt erhielt Günther Mittergradnegger bereits Klavierunterricht. Seit 1933 besuchte er die Bundeserziehungsanstalt für Knaben in Wien.<ref name="Wadl2022" details="Seiten 653–674." /> Nach dem Gymnasiumsbesuch dort besuchte Günther Mittergradnegger ab 1937 die Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt.<ref name="oeml" />

Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland wurde er Leiter des Chores seiner Schule und Oberscharführer in der Hitlerjugend.<ref>Gedenk- und Erinnerungsbeirat Klagenfurt am Wörthersee: [Straßenverzeichnis]. (PDF; 35 kB) Mittergradneggerstraße. In: klagenfurt.at. 9. September 2019, S. 3, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Februar 2022; abgerufen am 9. Juni 2022.</ref> Am 15. April 1942 wurde Mittergradnegger zur Wehrmacht einberufen und im Westkaukasus eingesetzt. Günther Mittergradnegger beantragte am 4. Oktober 1943 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. September 1942 aufgenommen (Mitgliedsnummer 10.082.124).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/28811081.</ref> Nach Ausheilung einer schweren Granatsplitterverletzung wieder fronttauglich geworden wurde er nach Norwegen versetzt.<ref name="Wadl2022" />

Nach dem Krieg heiratete er am 25. Mai 1947 standesamtlich in Maria Feicht Erika Stanner (* 23. Februar 1925; † 9. November 2019).<ref>Parte für Erika Mittergradnegger, abgerufen am 9. Januar 2024.</ref> Am 3. August 1947 fand die kirchliche Trauung in Klagenfurt statt.<ref name="Geburtsbuch" /> Aus der Ehe gingen zwei Kinder, Erika und Wolfgang, hervor.

Mittergradnegger besuchte nach 1945 das Konservatorium Klagenfurt bei Robert Keldorfer.<ref name="oeml" /><ref name="micabio" /> Danach studierte er an der Universität Wien Volkskunde und Musikwissenschaft und schloss dieses Studium im Jahr 1964 mit der Promotion zum Dr. phil. ab.<ref name="oeml" /><ref name="micabio" />

Mittergradnegger war hauptberuflich Lehrer. Er gründete im Oktober 1948 den Kärntner Madrigalchor Klagenfurt.

Zusammen mit dem Mundartdichter Gerhard Glawischnig schuf Mittergradnegger als Komponist zahlreiche Kärntner Mundartlieder und tat sich als ein bedeutender Vertreter des Neuen Kärntnerliedes hervor. Nebenbei komponierte er auch Messen und vertonte hochdeutsche Chorlieder. Ab dem Jahr 1975 war er verantwortlicher Redakteur der Kärntner Kulturzeitschrift Die Brücke.<ref>Die Brücke (seit 1975) im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. Abgerufen am 4. Oktober 2017.</ref>

Günther Mittergradnegger verstarb am 25. Februar 1992 und wurde auf dem Zentralfriedhof Annabichl in Klagenfurt beigesetzt.<ref>Verstorbenensuche Günther Mittergradnegger. In: klagenfurt.at, abgerufen am 12. September 2021.</ref>

Werke

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  • Heiligenbluter Krippenmesse – für gemischten Chor mit Orgelzwischenspielen<ref name="micawerke" />
  • Die Weihnachtsgeschichte – nach dem Evangelisten Lukas<ref name="micawerke" />
  • Wir feiern heut’ Advent – Adventkantate für die Kleinsten<ref name="micawerke" />
  • Die Gailtaler Weihnacht – Solo für Chor<ref name="micawerke" />
  • Der Weg nach Emmaus – Solo für Chor<ref name="micawerke" />
  • Kleine Pfingstmotette – Solo für Chor<ref name="micawerke" />
  • Lieder für Feste, Feiern und frohes Singen – für Gemeinschaftschor und kleine Bläserbesetzung<ref name="micawerke" />
  • Aus der Liedermappe des Kärntner Lehrerquintetts – Solo für Chor<ref name="micawerke" />
  • Kärntner Bildstöcklmesse – Solo für Chor<ref name="micawerke" />
  • Kinder singen – Lieder für Kindergarten, Schule und Familie<ref name="micawerke" />
  • Drei kleine geistliche Chöre – Solo für Chor<ref name="micawerke" />
  • Chume, chum, geselle min – für Chor<ref name="micawerke" />
  • Fünf amerikanische Negro-Spirituals – für gemischten Chor<ref name="micawerke" />
  • Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder – Kantate für Kinderchor und Begleitinstrumente<ref name="micawerke" />
  • O Mensch, dein Bild – Aschermittwoch-Kantate für gemischten Chor, Orchester, Orgel und Holzbläser<ref name="micawerke" />
  • Ich hab dir ein Lied gesponnen – Liederzyklus nach zeitgenössischer afrikanischer Lyrik für Tenor und Gitarre, eingerichtet von Konrad Ragossnig<ref name="micawerke" />
  • Fröhliche Kräuterwelt – Zyklus für Chor a cappella<ref name="micawerke" />
  • Missa Domitiani für Chor und Orgel – Missa brevis<ref name="micawerke" />
  • Kleine Psalmenmotette – für gemischten Chor<ref name="micawerke" />
  • Drei Laub auf einer Linden – für gemischten Chor<ref name="micawerke" />
  • Requiem – für gemischten Chor und Einzelstimmen<ref name="micawerke" />
  • Drei Evangelienmotetten – für Chor a cappella<ref name="micawerke" />
  • Missa a cappella – für gemischten Chor<ref name="micawerke" />
  • Polsterzipfelreime – Kinderverse für Solostimme<ref name="micawerke" />
  • Ich treib in meinen Träumen – für Chor a cappella nach zeitgenössischer afrikanischer Lyrik<ref name="micawerke" />
  • Der kleine Prinz – für gemischten Chor und Soli<ref name="micawerke" />
  • für gemischten Chor und Soli – für gemischten Chor a cappella<ref name="micawerke" />
  • Ringlspiel – für Chor a cappella<ref name="micawerke" />
  • für Chor a cappella – Ein Liedzyklus für Chor a cappella<ref name="micawerke" />
  • Karelische Impression – Drei Chöre an Kärnten nach Texten von Otto Maria Polley<ref name="micawerke" />
  • Cantus carinthicus. Bilder aus der Geschichte Kärntens – Kantate für Soli, Chor, Soloinstrumente und Sprecher nach Texten von Gerhard Glawischnig<ref name="micawerke" />
  • Is schon still uman See – "Neues Kärntnerlied" nach einem Text von Gerhard Glawischnig<ref name="micawerke" />
  • Markuspassion – für gemischten Chor<ref name="micawerke" />
  • Sieben Sinnsprüche des Omar Chayyām – für gemischten Chor<ref name="micawerke" />
  • Millstätter Passion – für Soli, gemischten Chor, Bläser, Schlagzeug und Orgel<ref name="micawerke" />
  • Unter der Linden – für gemischten Chor<ref name="micawerke" />
  • Viele Tiere groß und klein – Kantate für Kinderchor und Schlaginstrumente<ref name="micawerke" />
  • Laßt springen die Füße – Schul- und Jugendmusik (1945–1955)<ref name="micawerke" />
  • Glückskind und Pechmarie – Schul- und Jugendmusik (1945–1955)<ref name="micawerke" />
  • Liebe lange Straße – Schul- und Jugendmusik (1945–1955)<ref name="micawerke" />
  • A Stern ist niederg'fallen – Kantate für Einzelstimmen, gemischten Chor und Instrumente nach einer Weihnachtslegende von Wilhelm Rudnigger (1949)<ref name="micawerke" />
  • Dies ist das Land – Aus „Schwarzer Orpheus“, für gemischten Chor (1950)<ref name="micawerke" />
  • Heiteres Herbarium – nach Texten von Karl Heinrich Waggerl für Tenor und Gitarre (1959/1972)<ref name="micawerke" />
  • Stiller als eine Wolke – Chorzyklus für gemischten Chor a cappella nach Texten von Gerhard Glawischnig (1964)<ref name="micawerke" />
  • Kinderwelt – Szenische Kantate für Kinder und Instrumente (1970/1980)<ref name="micawerke" />
  • Kärntner Hochzeitsmesse – nach alten und neuen Kärntner Weisen für gemischten Chor (1970)<ref name="micawerke" />
  • Kleine deutsche Messe – für Männerchor a cappella (1978)<ref name="micawerke" />

Auszeichnungen

  • 1971 Verleihung des Berufstitels Professor durch den Bundespräsidenten<ref name="oeml" />
  • 1974 Großer Kulturpreis des Landes Kärnten<ref name="oeml" />
  • 1978 Würdigungspreis für Musik des Landes Kärnten<ref name="oeml" />
  • 1983 Goldenes Verdienstkreuz des Landes Kärnten<ref name="oeml" />
  • 1986 Österreichisches Ehrenkreuz 1. Klasse für Wissenschaft und Kunst<ref name="oeml" />
  • 1998 Benennung einer Straße „Mittergradneggerstraße“ im Klagenfurter Stadtteil Völkermarkter Vorstadt<ref>Hermann Theodor Schneider: Neue Straßennamen in Klagenfurt. In: Carinthia I. 188. Jahrgang. Klagenfurt 1998, S. 586 (onb.ac.at [abgerufen am 13. Dezember 2022]).</ref>
    • Der Gemeinderat der Stadtgemeinde Klagenfurt hat 2008 vier belastete Straßenbenennungen umbenannt. 47 Straßennamen bleiben, darunter die Mittergradneggerstraße. Der Vorsitzende der Historikerkommission Peter Gstettner präsentierte 2016 im Stadtsenat 47 Vorschläge, belastete Namensbezeichnungen von Straßen und Plätzen mit erläuternden Zusatztafeln zu versehen. Dies ist bis dato nicht geschehen.<ref>Zusatztafeln für historisch belastete Straßennamen. GRÜNE, Klagenfurt, 30. April 2019.</ref><ref>https://www.mein-klagenfurt.at/aktuelle-pressemeldungen/pressemeldungen-mai-2019/zusatztafeln-fuer-historisch-belastete-strassennamen-in-klagenfurt.</ref>
    • Kontroverse zur NSDAP-Mitgliedschaft von Günther Mittergradnegger: Als sich die Stadt Klagenfurt mit Straßennamen von Personen mit Verbindung zum Nationalsozialismus beschäftigte, wurde auch seine NSDAP-Mitgliedschaft bekannt. 2022 veröffentlichte der Historiker Wilhelm Wadl in der Zeitschrift des Geschichtsvereins für Kärnten die These, dass Günther Mittergradnegger nie NSDAP-Mitglied war.<ref name="Wadl2022" /> Zur Mitgliedschaft in der Hitlerjugend wird zutreffend angeführt, dass diese verpflichtend war und ohne Beleg behauptet, dass Mittergradnegger den Rang des Oberscharführers automatisch erhielt, da er von Anton Anderluh damit beauftragt wurde, die Spielschar – den Schulchor der Lehrerbildungsanstalt – zu leiten.<ref name="Wadl2022" details="Seite 663." /> Weiters sei Mittergradnegger zum Zeitpunkt der angegebenen Antragstellung bereits im Kriegsdienst in Norwegen gewesen, was im Text erst für eine Woche später belegt ist. Sein Beitrittsansuchen sei nicht vorhanden, was allerdings wegen Kriegsverlusten generell nur in einem geringen Ausmaße der Fall ist. Sein Name sei als „Mittergradenegger Günther“ falsch geschrieben, was bei einer Beteiligung des Antragstellers schwer möglich sei; allerdings basieren diese Karteikarten auf den schriftlichen Anträgen und enthalten deshalb Übertragungsfehler.<ref name="Wadl2022" details="Seiten 668–670." /> Abschließend argumentiert Wadl, dass laut Organisationshandbuch der NSDAP eine Aufnahme erst dann rechtswirksam sei, wenn die Mitgliedskarte ausgehändigt wurde. Bei Mittergradnegger sei das aber nicht möglich gewesen, da er bis Mai 1945 im Kriegseinsatz war.<ref name="Wadl2022" details="Seite 674." />
  • Gedenktafel am Haus Aribo in Millstatt

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="micabio">Nikolaus Fheodoroff: Mittergradnegger Günther. Biografie. In: Musikdatenbank von mica – musicaustria.at. Music Information Center Austria, 1991, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 12. September 2021; (mit Link zum Werkeverzeichnis).</ref> <ref name="micawerke">Werkverzeichnis von Günther Mittergradnegger. Mit Biografie. In: Musikdatenbank von mica – musicaustria.at. Music Information Center Austria, 23. Februar 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 12. September 2021; (Werk 1–15 von 48 wird angezeigt; Mementos weiterer verfügbar).</ref> </references>

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