FDGB-Pokal 1970/71
| FDGB-Pokal 1970/71 | |
|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="text-align:center; background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#202122"| | |
| Pokalsieger | SG Dynamo Dresden (2. Titel) |
| Europapokal der Pokalsieger |
BFC Dynamo |
| Beginn | 8. August 1970 |
| Finale | 20. Juni 1971 |
| Finalstadion | Kurt-Wabbel-Stadion, Halle (Saale) |
| Mannschaften | 61 |
| Spiele | 65 |
| Tore | 203 (ø 3,12 pro Spiel) |
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Der FDGB-Fußballpokal wurde in der Saison 1970/71 zum 20. Mal ausgespielt.
Verlauf
Der Pokalwettbewerb 1970/71 begann wie im Vorjahr mit der I. Hauptrunde, die am 8. August 1970 startete und nach territorialen Gesichtspunkten gelost wurde. An dieser nahmen aus der Saison 1969/70 die 15 Bezirkspokalvertreter, 30 Mannschaften aus der DDR-Liga (ohne Staffelsieger) und die beiden Letzten der DDR-Oberliga teil. Bis zum Finale wurden alle Begegnungen in K.-o.-Runden ausgetragen, unentschiedene Spiele wurden verlängert und danach gegebenenfalls wiederholt. Herrschte danach immer noch Gleichstand, zog laut DFV-Reglement die unterklassige Mannschaft in die nächste Runde ein. Gehörten beide Teams der gleichen Spielklasse an, wurde zur endgültigen Entscheidung ein Elfmeterschießen angesetzt.
In der anschließenden Ausscheidungsrunde wurden neben der BSG KKW Nord Greifswald, die durch ein Freilos weiterkam, noch weitere elf Siegermannschaften der I. Hauptrunde gelost.
In der II. Hauptrunde griffen die Oberliga-Mannschaften in den Wettbewerb ein. Chemie Leipzig, Sachsenring Zwickau, Stahl Riesa und Pokalverteidiger Vorwärts Berlin schieden sofort aus. Im Achtelfinale schieden mit den 2. Mannschaften des 1. FC Union Berlin und des FC Karl-Marx-Stadt die letzten Bezirkspokalsieger aus. Von den noch im Wettbewerb befindlichen vier unterklassigen Mannschaften, konnte sich nur die BSG Aktivist Schwarze Pumpe (Rückstufung in die Bezirksliga) durch einen 2:1-Sieg über den Oberligisten Wismut Aue für das Viertelfinale qualifizieren.
Der Vorjahresfinalist Lokomotive Leipzig schied im Viertelfinale nach einer 1:2-Niederlage beim FC Carl Zeiss Jena ebenso aus, wie Bezirksligist Schwarze Pumpe. Im Finale kam es zu einem reinen Dynamo-Duell, da sowohl der neue DDR-Meister Dynamo Dresden (3:2 in Magdeburg) wie auch der BFC Dynamo (2:1 über Jena) ihre Halbfinalspiele siegreich gestalten konnten.
I. Hauptrunde
Die Spiele fanden am 8. und 9. August 1970 statt.
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Durch ein Freilos zog die BSG KKW Nord Greifswald direkt in die Ausscheidungsrunde ein.
Wiederholungsspiele
Die Spiele fanden am 16. August 1970 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| FC Carl Zeiss Jena II | 2:1 | ASG Vorwärts Leipzig |
| BSG Kali Werra Tiefenort | 2:1 | BSG Motor Eisenach |
Ausscheidungsrunde
Die Spiele fanden am 7. Oktober 1970 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| ASG Vorwärts Neubrandenburg | 2:1 | BSG KKW Nord Greifswald |
| BSG Stahl Eisenhüttenstadt | 3:1 | BSG Energie Cottbus |
| BFC Dynamo II | 4:3 | BSG Post Neubrandenburg |
| BSG Stahl Blankenburg<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 0:1 | BSG Wismut Gera |
| ASG Vorwärts Meiningen | 6:2 | BSG Kali Werra Tiefenort |
| BSG Wismut Gera II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 1:1 n. V. | FC Carl Zeiss Jena II |
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Wiederholungsspiel
Das Spiel fand am 14. Oktober 1970 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| FC Carl Zeiss Jena II | 2:0 | BSG Wismut Gera II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * |
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II. Hauptrunde
Die Spiele fanden am 17. Oktober 1970 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| BSG Stahl Eisenhüttenstadt | 2:0 | BSG Chemie Leipzig |
| SG Dynamo Schwerin | 1:2 | F.C. Hansa Rostock |
| F.C. Hansa Rostock II | 1:2 | BFC Dynamo |
| ASG Vorwärts Neubrandenburg | 0:2 | 1. FC Union Berlin |
| ASG Vorwärts Stralsund | 1:2 | 1. FC Magdeburg |
| SG Dynamo Dresden II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 1:3 | HFC Chemie |
| FC Karl-Marx-Stadt II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 2:2 n. V. | FC Vorwärts Berlin |
| BSG Sachsenring Zwickau II | 0:2 | 1. FC Lokomotive Leipzig |
| BSG Aktivist Schwarze Pumpe<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 2:0 n. V. | BSG Stahl Riesa |
| BSG Motor Hermsdorf | 0:2 | FC Carl Zeiss Jena |
| ASG Vorwärts Meiningen | 0:1 | BSG Wismut Aue |
| SG Dynamo Eisleben | 2:3 n. V. | SG Dynamo Dresden |
| BSG Wismut Gera | 2:1 | BSG Sachsenring Zwickau |
| BSG Chemie Leipzig II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 2:4 | FC Rot-Weiß Erfurt |
| 1. FC Union Berlin II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 1:0 | BFC Dynamo II |
| FC Carl Zeiss Jena II | 3:2 | BSG Motor Nordhausen West |
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Wiederholungsspiel
Das Spiel fand am 7. November 1970 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| FC Vorwärts Berlin | 1:1 n. V. | FC Karl-Marx-Stadt II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * |
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Achtelfinale
Die Spiele fanden am 12. und 13. Dezember 1970 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| FC Karl-Marx-Stadt II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 1:2 | 1. FC Lokomotive Leipzig |
| SG Dynamo Dresden | 2:0 | FC Rot-Weiß Erfurt |
| BSG Aktivist Schwarze Pumpe | 2:1 | BSG Wismut Aue |
| BFC Dynamo | 1:0 | BSG Wismut Gera |
| F.C. Hansa Rostock | 0:0 n. V. | BSG Stahl Eisenhüttenstadt |
| FC Carl Zeiss Jena | 6:2 | 1. FC Union Berlin |
| 1. FC Union Berlin II<templatestyles src="FN/styles.css" /> * | 1:3 | HFC Chemie |
| 1. FC Magdeburg | 4:0 | FC Carl Zeiss Jena II |
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Wiederholungsspiel
Das Spiel fand am 16. Dezember 1970 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| BSG Stahl Eisenhüttenstadt | 0:1 | F.C. Hansa Rostock |
Viertelfinale
Die Spiele fanden am 6. und 7. März 1971 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| SG Dynamo Dresden | 2:0 | BSG Aktivist Schwarze Pumpe |
| 1. FC Magdeburg | 2:1 | F.C. Hansa Rostock |
| BFC Dynamo | 2:0 | HFC Chemie |
| FC Carl Zeiss Jena | 2:1 | 1. FC Lokomotive Leipzig |
Halbfinale
Die Spiele fanden am 12. Mai 1971 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| BFC Dynamo | 1:0 | FC Carl Zeiss Jena |
| 1. FC Magdeburg | 2:3 | SG Dynamo Dresden |
Finale
Statistik
| Paarung | SG Dynamo Dresden – BFC Dynamo |
| Ergebnis | 2:1 n. V. (1:1, 0:0) |
| Datum | Sonntag, 20. Juni 1971 um 16:00 Uhr |
| Stadion | Kurt-Wabbel-Stadion, Halle (Saale) |
| Zuschauer | 10.000 |
| Schiedsrichter | Rudi Glöckner (Markranstädt) |
| Schiedsrichterassistenten | Günter Männig (Böhlen), Gerhard Kunze (Karl-Marx-Stadt) |
| Tore | 1:0 Sammer (65.) 1:1 Johannsen (70., Foulstrafstoß) 2:1 Sammer (119.) |
| SG Dynamo Dresden | Manfred Kallenbach – Hans-Jürgen Dörner – Wolfgang Haustein, Klaus Sammer, Frank Ganzera – Uwe Ziegler, Hans-Jürgen Kreische ein weißes C in blauem Kreis, Horst Rau (106. Siegmar Wätzlich) – Dieter Riedel (100. Gert Heidler), Rainer Sachse, Eduard Geyer Cheftrainer: Walter Fritzsch |
| BFC Dynamo | Werner Lihsa – Bernd Brillat – Dieter Stumpf, Wilfried Trümpler, Joachim Hall ein weißes C in blauem Kreis – Harald Schütze (73. Frank Fleischer), Wolfgang Filohn, Peter Rohde, Frank Terletzki – Dietmar Labes, (104. Peter Lyszczan), Norbert Johannsen Cheftrainer: Fritz Bachmann, Günter Schröter |
Spielverlauf
Das Dynamo-Duell der beiden Mannschaften aus Dresden und Berlin fand in dem nur zu einem Drittel gefüllten Hallenser Kurt-Wabbel-Stadion wenig Zuschauerinteresse. Klarer Favorit war die SG Dynamo Dresden, die sich bereits die DDR-Meisterschaft gesichert hatte und mit Sammer, F. Ganzera sowie Kreische drei aktuelle Nationalspieler aufbieten konnte. Die Mannschaft verfolgte das Ziel, erstmals in der Geschichte des DDR-Fußballs das Double – Meisterschaft und Pokal – zu erringen. Die Berliner hatten eine enttäuschende Saison hinter sich, dümpelten im unteren Mittelfeld herum und konnten vom Spielermaterial her dem Gegner nicht das Wasser reichen.
Doch wieder bewahrheitete sich die alte Weisheit, dass Pokalspiele ihren eigenen Charakter haben. Der Favorit aus Dresden fand nicht in sein Spiel. Seine Mittelfeldstrategen Kreische und Ziegler wurden von den Berlinern Filohn und Rohde kompromisslos abgeschirmt, auch Rau konnte keine Akzente setzen. So hingen die Dresdner Stürmer in der Luft und waren bei den Berliner Verteidigern gut aufgehoben. Insgesamt zeigten sich die Berliner agiler und hatten schon in den ersten zehn Minuten drei gute Tormöglichkeiten. Doch hüben wie drüben gelang es keiner Mannschaft, das Spiel tatsächlich zu ihren Gunsten zu gestalten, eine allgemeine Verkrampfung diktierte das Spiel.
So fiel das erste Tor auch nicht aus einer Kombination heraus. In der 65. Minute schoss der Dresdner Sachse einen Freistoß aus 25 Metern direkt auf das Berliner Tor, Torwart Lihsa brachte den Ball nicht unter Kontrolle, den Sammer, direkt vor dem Tor stehend, über die Linie schieben konnte. Auch der postwendende Ausgleich in der 70. Minute entsprang nicht dem Spielfluss, sondern einem Strafstoß, den Johannsen nach einem Foul von Kreische an Filohn verwandelte. Danach gelang es Dresdnern allmählich, System in ihr Spiel zu bringen, Sammer und Dörner machten jetzt aus der Deckung heraus mehr Druck, dadurch kamen ihre Flügelstürmer Riedel und Sachse besser zum Zuge. Doch auch auf der anderen Seite hatte der BFC seine Abwehr gut aufgestellt, im Mittelfeld setzten Terletzki und Rohde ihre Stürmer immer wieder gut in Szene. So gab es bis zum Ende der regulären Spielzeit ein ausgeglichenes Geschehen, allerdings ohne, dass eine Mannschaft zur Entscheidung fähig war.
In der Verlängerung schienen die Berliner auf der Siegerstraße zu sein, zweimal hatte es der eingewechselte Lyszczan auf dem Fuß, das Spiel zugunsten des BFC zu entscheiden. Schließlich aber sorgte Sammer in der 119. Minute dafür, dass Dynamo Dresden seiner Favoritenrolle gerecht wurde. Geyer schlug von rechts eine Ecke vor das Berliner Tor, Sammer erreichte den Ball per Kopfstoß. Zwar kam Lihsa mit einer Hand noch an die Kugel, doch sie sprang ans untere Lattenkreuz und von dort ins Tor.
Die beiden Trainer kommentierten anschließend das Spiel wie folgt:
- Walter Fritzsch (Dresden): „Das, was ich vermutet habe ist eingetreten. Es war ein typisches Pokalendspiel, das vom Kampf bestimmt wurde. Die Aufgabe, nach der Meisterschaft auch den Pokal zu holen, hat die Mannschaft etwas verkrampft. Der Sieg ist glücklich.“
- Fritz Bachmann (Berlin): „Ich habe an meiner Mannschaft nur das eine auszusetzen, dass sie die vorhandenen Chancen nicht verwertete. Ansonsten ist die Partie so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir haben die Dresdner in ihrem Aktionsradius eingeschränkt und schufen uns die nötigen Torgelegenheiten, bei denen wir allerdings versagten.“ (Deutsches Sportecho 21. Juni 1971)
Literatur
- Die neue Fußballwoche. Fuwo. Sportverlag, ISSN 0323-8407 (Hefte der Saison 1970–1971).
- DSFS AG Nordost (Hrsg.): DDR-Chronik 1949–1991, DDR-Fußball in Daten, Fakten und Zahlen. Band 4: 1969/70–1973/74. Berlin 2008.
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