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Embraer EMB 110

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Embraer Bandeirante)
Embraer EMB 110
Datei:Aeropelican (VH-TLH) Embraer EMB 110P1 Bandierante on final approach at Sydney Airport.jpg
Embraer EMB 110P1 der Aeropelican
Typ Regionalverkehrsflugzeug
Entwurfsland
Hersteller Embraer
Erstflug 26. Oktober 1968
Indienststellung 1973
Produktionszeit

1972 bis 1990

Stückzahl ≈500

Die Embraer EMB 110 Bandeirante ist ein zweimotoriges Turbopropflugzeug des brasilianischen Flugzeugbauers Embraer. Es wurde für den Regionalverkehr entwickelt und verfügt nicht über eine Druckkabine.

Geschichte

Die Entwicklung der Maschine begann 1965 unter der Projektbezeichnung IPD-6504 unter der Leitung von Major Ozires Silva mit Unterstützung durch den französischen Flugzeugkonstrukteur Max Holste am IPD (Instituto de Pesquisa e Desenvolvimento). Der Erstflug der noch als YC-95 bezeichneten Maschine und als Kleintransportflugzeug für das Militär vorgesehenen Maschine fand am 22. Oktober 1968 statt. Die erste Serienmaschine der Passagierversion flog im Jahr 1972 zum ersten Mal. Der erste zivile Auftrag kam von Transbrasil und umfasste sechs Flugzeuge. Der erste ausländische Zivilauftrag wurde erst 1977 von der französischen Air Littoral erteilt, welche die Version EMB 110P2 mit 21 Sitzen bestellte. Im August 1978 wurde schließlich auch die US-amerikanische Musterzulassung erteilt.<ref>Flight International, Sonderheft EMBRAER at 50, Mai 2019 (englisch), S. 8.</ref>

Bis zum Ende der Produktion im Mai 1990 wurden etwa 500 Exemplare der Bandeirante in verschiedenen Varianten gebaut. Viele der Flugzeuge sind noch heute im Einsatz, vor allem in Brasilien, Ozeanien und Kanada.

Versionen

  • YC-95 oder EMB 100Prototyp
  • EMB 110 – Militärtransporterversion
  • C-95 – Militärtransporterversion für die Força Aérea Brasileira (Brasilianische Luftstreitkräfte)
  • EMB 110A – Funkkalibrationsversion
  • E-95 – Funkkalibrationsversion für die Força Aérea Brasileira
  • EC-95B – Funkkalibrationsversion für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110BÜberwachungsflugzeug
  • R-95 – Überwachungsflugzeugversion für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110CN – drei Marineflugzeuge für die chilenische Marine
  • EMB 110C – erste kommerzielle Version für 15-Passagiere
  • EMB 111A oder P-95 – Seeüberwachungsversion für die Força Aérea Brasileira. Einige wurden nach dem Falklandkrieg von Argentinien geleast.
  • P-95B
  • EMB 111AN – sechs Seeüberwachungsflugzeuge für die chilenische Marine
  • EMB 110E
  • EMB 110E(J) – siebensitzige VIP-Transportversion
  • EMB 110K1 – Frachttransportversion
  • C-95A – Frachtversion für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110P – Regionalflugzeugversion
  • EMB 110P1 – Fracht-/Passagierversion
  • C-95B – Fracht-/Passagierversion für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110P1 SARSAR-Version
  • EMB 110P/A – 18-sitzige Passagierversion für den Export
  • EMB 110P1/A – gemischte Fracht-/Passagierversion mit großer Frachttür
Datei:G-BHYT-Bandierante-1980.jpg
Eine Embraer EMB 110P2 der CSE Aviation
  • EMB 110P1/41 – Fracht-/Passagierversion mit erhöhter Startmasse von 5900 kg
  • EMB 110P1K/110K – Militärversion
  • C-95C – Version der EMB 110P2 für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110P2
  • EMB 110P2/A – modifizierte Regionalflugzeugversion mit bis zu 21 Sitzen
  • EMB 110P2/41 – 21-sitzige Version mit erhöhter Startmasse von 5900 kg
  • EMB 110S1 – geophysikalische Überwachungsversion
  • SC-95 – SAR-Version für die Força Aérea Brasileira
  • XC-95 – meteorologische Forschungsversion für die Força Aérea Brasileira

Militärische Nutzer

EMB 110

EMB 111

EMB 111

Zwischenfälle

Vom Erstflug 1968 bis August 2023 kam es mit Embraer EMB 110 zu 99 Totalschäden. Bei 69 davon kamen 546 Menschen ums Leben.<ref>Liste von Unfällen mit Embraer EMB 110, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 20. September 2023.</ref> Beispiele:

  • Am 2. September 1981 stürzte eine Embraer EMB 110P1 der kolumbianischen Taxi Aéreo El Venado (HK-2651) kurz nach dem Start vom Flughafen von Paipa (Kolumbien) ab. Die Maschine war um eine Tonne überladen, also mit rund 150 % der zulässigen Zuladung. Sie konnte nach dem Abheben nicht genug Höhe gewinnen und kurvte drei Kilometer lang um Bäume und Gebäude herum. In einer Linkskurve kam es dann zu einem Strömungsabriss, nach dem das Flugzeug etwa 100 Meter auf einem Hügel entlang rutschte, wobei es zerbrach und Feuer fing. Von den 21 Insassen wurden 20 getötet, alle drei Besatzungsmitglieder und 17 Passagiere.<ref>Flugunfalldaten und -bericht EMB 110 HK-2651 im Aviation Safety Network (englisch)Vorlage:Abrufdatum</ref>
  • Am 19. November 1984 flog eine Embraer EMB 110P1 der britischen Euroair (UK) (G-HGGS) auf einem Postflug von Inverness nach Edinburgh neun Kilometer südlich des Flughafens Inverness in einen rund 500 Meter hohen Hügel. Vier Minuten nach dem Start wurde die Maschine unterhalb der Wolkenbasis bei einer vorgeschriebenen Mindesthöhe von 1500 Meter ins Gelände geflogen, zerbrach und brannte aus. Der Pilot, einziger Insasse, kam ums Leben.<ref>Unfallbericht EMB 110 G-HGGS, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. August 2017.</ref>
  • Am 23. Juni 1985 verursachte bei einem Triebwerk einer Embraer EMB-110P Bandeirante der TABA - Transportes Aéreos da Bacia Amazônica mit dem Luftfahrzeugkennzeichen PT-GJN eine defekte Kraftstoffeinspritzdüse einen Lötlampeneffekt, der den Schaufelring der Verdichterturbine beschädigte und zu thermischer Ermüdung und zum Verlust einer der Turbinenschaufeln führte. Das daraus resultierende Ungleichgewicht führte zu einer Unterbrechung der Kraftstoffrückführung im Bypass der Startsteuerung. Der Motor wurde abgestellt und es wurde versucht, auf einer nahegelegenen Landebahn notzulanden. Es kam jedoch zu einem Strömungsabriss, die Maschine stürzte 1 km vor der Landebahn ab. Alle 17 Insassen kamen ums Leben. Das Flugzeug startete auf dem Juara Airport im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso; Cuiabá war Zielort.<ref>Flugunfalldaten und -bericht Embraer EMB-110P Bandeirante im Aviation Safety Network (englisch)Vorlage:Abrufdatum</ref>
  • Am 20. September 1990 stieg eine EMB 110P1 (PT-FAW) der Regierung des brasilianischen Bundesstaats Pernambuco kurz nach dem Start steil in die Luft und neigte sich nach rechts. Kurz darauf beobachteten Augenzeugen, wie die Maschine im Sturzflug ins Meer stürzte. Bei dem Unfall starben alle 12 Personen an Bord der Maschine. Bei der Unfalluntersuchung wurde angenommen, dass die Besatzung aufgrund der Hektik vor dem Start die Checklisten nicht sauber abgearbeitet hatte, wodurch die Maschine mit einer falschen Startkonfiguration in die Luft stieg. Die Ermittler stellten zudem fest, dass beide Piloten über sehr wenig Flugerfahrung mit der Embraer EMB 110 verfügten. Zudem hatten sie vor dem Unfall länger nicht mehr in einer Maschine dieses Typs gesessen (siehe auch Flugunfall bei Fernando de Noronha 1990).<ref>Unfallbericht EMB 110 PT-FAW, Aviation Safety Network.</ref>
  • Am 11. November 1991 kam es an einer Embraer EMB 110P1 der brasilianischen Nordeste Linhas Aéreas (PT-SCU) beim nächtlichen Startlauf auf dem Flughafen Recife zu einem uneingedämmten Triebwerkschaden, bei dem das Triebwerk in Brand geriet. Anstatt den Start abzubrechen, setzte der Kapitän diesen fort. Nach dem Abheben lösten sich brennende Triebwerksteile von der Maschine und fielen zu Boden. Kurze Zeit später kam es zum Kontrollverlust, die Maschine stürzte 500 Meter nordöstlich vom Flughafen auf einen öffentlichen Platz im Stadtgebiet von Recife und explodierte. Dabei kamen alle 15 Insassen der Embraer und 2 Personen am Boden ums Leben. Als Unfallursachen wurden Wartungsfehler und eine mangelhafte Pilotenausbildung durch die Fluggesellschaft festgestellt (siehe auch Nordeste-Linhas-Aéreas-Flug 115).<ref>Flugunfalldaten und -bericht EMB 110 PT-SCU im Aviation Safety Network (englisch)Vorlage:Abrufdatum</ref>
  • Am 11. Dezember 2004 stürzte eine Embraer EMB 110 der brasilianischen NHR Táxi Aéreo (PT-WAK) im Anflug auf den Flughafen Uberaba (Brasilien) ab. Das Höchstabfluggewicht von 5600 kg war mit 6348 kg weit überschritten. Die Piloten führten den Anflug mit ADF- und GPS-Referenzen durch. Der Kapitän unterschritt die Mindestsinkflughöhe von 3000 Fuß, um eine Wolkenloch zu finden. Da sich hierbei das Gewicht der ungesicherten Fracht verschob, geriet das Flugzeug ins Trudeln und stürzte auf ein Haus. Beide Piloten, die einzigen Insassen auf dem Frachtflug, wurden getötet, ebenso wie ein Hausbewohner. Der Untersuchungsbericht stellte fest, dass die Unternehmenskultur der Firma Verhaltensweisen zuließ, die selbstgefällig waren und denen es an Respekt für festgelegte Normen und Verfahren mangelte. Die mangelnde Durchsetzungskraft und Nachlässigkeit des Copiloten in Verbindung mit der Überheblichkeit des Kommandanten führten dazu, dass die Besatzung unter die MDA sank.<ref>Unfallbericht EMB-110 PT-WAK, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 6. Dezember 2025.</ref>

Technische Daten

Vorlage:Tabellenstile

Kenngröße Daten der EMB 110P2/41<ref>Jane’s all the world’s aircraft 1983–84, S. 11 f.</ref>
Besatzung 2
Passagiere bis 21
Länge 15,10 m
Spannweite 15,33 m
Höhe 4,92 m
Flügelfläche 29,10 m²
Flügelstreckung 8,1
Leermasse 3590 kg (Passagiervers.), 3393 kg (Frachtversion)
max. Startmasse 5900 kg (P2: 5670 kg)
Reisegeschwindigkeit 411 km/h
Höchstgeschwindigkeit 460 km/h
Dienstgipfelhöhe 6550 m (21.490 ft)
Reichweite 1964 km
Triebwerke zwei Propellerturbinen Pratt & Whitney Canada PT6A-34 mit je 559 kW

Siehe auch

Weblinks

Commons: Embraer EMB 110 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

Verkehrsflugzeuge:

EMB 110EMB 120Embraer/FMA CBA-123 VectorERJ 135ERJ 140ERJ 145ERJ 145 XREmbraer 170Embraer 175Embraer 190Embraer 195

Geschäftsreiseflugzeuge:

EMB 121Phenom 100Phenom 300Legacy 450Legacy 500Legacy 600Legacy 650Praetor 500Praetor 600Lineage 1000

Agrarflugzeuge:

EMB 200

Militärische Baureihen:

EMB 312Super Tucano/ALXEMB 111AMXEMB 145C-390

Antriebslose Flugzeuge:

EMB 400

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