Eberhard Zangger
Eberhard Zangger (* 9. April 1958 in Kamen, Nordrhein-Westfalen, als Eberhard Finke) ist ein deutscher Geoarchäologe, Kommunikationsberater und Publizist. Bekannt wurde er vor allem durch seine Thesen zur bronzezeitlichen Geschichte des östlichen Mittelmeerraums. Besondere Aufmerksamkeit erregte seine Hypothese, dass das bei Platon überlieferte Atlantis mit Troia zu identifizieren sei, die in der Fachwissenschaft weithin auf deutliche Ablehnung stieß. Ähnlich umstritten sind seine Thesen zur historischen Rolle der Träger der luwischen Sprache im 2. Jahrtausend v. Chr. In der Fachöffentlichkeit wurden Zanggers Arbeiten wiederholt als außerhalb des etablierten wissenschaftlichen Konsenses stehend rezipiert und zum Teil parawissenschaftlichen Deutungsansätzen zugerechnet. Zangger ist Gründer und Präsident der im April 2014 ins Leben gerufenen Stiftung Luwian Studies, die sich der Erforschung der bronzezeitlichen Kulturen Westanatoliens widmet.
Biographie
Frühes Leben und akademische Ausbildung
Eberhard Zangger wurde im April 1958 unter dem Namen Eberhard Finke als Sohn von Günter und Gerda Finke in eine Handwerkerfamilie geboren. Nach der mittleren Reife begann er 1974 eine zweijährige Ausbildung zum Technischen Assistenten am Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main. Daran schloss sich eine weitere zweijährige Ausbildung zum Geologischen Präparator an der damals ersten und einzigen deutschen Präparatorenschule in Bochum an, die er 1978 abschloss. Im Anschluss arbeitete Finke anderthalb Jahre lang am Deutschen Bergbau-Museum in Bochum, wo er an Projekten beteiligt war, die sich mit den Auswirkungen der Luftverschmutzung auf Kunst- und Kulturdenkmäler befassten. Parallel zu seiner beruflichen Tätigkeit legte Finke die Begabtenprüfung ab, die ihm ein Hochschulstudium ohne Reifezeugnis ermöglichte. Er nahm ein Studium der Geologie und Paläontologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel auf. Für seine Leistungen erhielt er mehrere Stipendien der Studienstiftung des deutschen Volkes – darunter ein Inland-, Übersee- und Doktorandenstipendium.
1984 setzte Finke sein Studium an der Stanford University fort. Dort wurde er 1988 mit einer Dissertation zum Thema Landscape Evolution of the Argive Plain (Greece). Paleoecology, Holocene Depositional History, and Coastal Change promoviert.<ref>Eberhard Finke: Landscape Evolution of the Argive Plain, Greece. Paleoecology, Holocene Depositional History and Coastline Change [Phil. Diss.], Stanford 1988.</ref> Im selben Jahr heiratete er und nahm den Nachnamen seiner Ehefrau an. Das Paar bekam zwei Kinder. Von 1988 bis 1991 war Zangger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department of Earth Sciences der University of Cambridge. In dieser Zeit konzentrierte er sich auf geoarchäologische Fragestellungen und untersuchte unter anderem die Küstenlage der Dimini Magoula im neolithischen Griechenland, die Ausdehnung des Lernäischen Sees und die Funktion mykenischer Flussumleitungen. Diese Forschungen fanden in der Fachwelt einige Beachtung. 1991 gründete Zangger das unabhängige Büro für geoarchäologische Beratung Geoarchaeology International in Zürich und war darüber an mehreren archäologischen Feldprojekten im Mittelmeerraum beteiligt.<ref>Zum Lebenslauf siehe Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 54, 258–85.</ref>
Die Atlantis-Troia-Hypothese
Im Sommer 1991 besuchte Zangger auf Einladung Manfred Korfmanns erstmals die Ausgrabungsstätte des antiken Troia am Hisarlık Tepe. Aufgrund seiner Expertise im Bereich künstlicher Wasserbauanlagen hoffte Korfmann auf weiterführende Anregungen. Da die geomorphologische Analyse der Kanäle in Troia bereits dem Geoarchäologen Ilhan Kayan oblag, erfolgte Zanggers Teilnahme an den Grabungen inoffiziell und lediglich „als Tourist“. Bereits im Vorfeld, noch in Tübingen, hatte Korfmann in einem persönlichen Gespräch Zangger nachdrücklich davon abgeraten, seine seit April 1990 entwickelte Hypothese zu Troia und Atlantis weiterzuverfolgen, was Zangger jedoch nicht beherzigte.<ref>Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 258–67.</ref>
1992 erregte Zangger schließlich mit seinem Werk The Flood from Heaven – Deciphering the Atlantis Legend größere Aufmerksamkeit, indem er erstmals öffentlichkeitswirksam die These formulierte, Platons Atlantis-Erzählung basiere auf der Geschichte Troias. Er argumentierte hierbei, dass Platon eine altägyptische Version der Geschichte Troias für seinen Atlantis-Bericht verwendet habe, indem er Parallelen zwischen der mykenischen Kultur und Platons Beschreibung von Atlantis sowie zwischen dem Troianischen Krieg bei Homer und dem Krieg zwischen Griechenland und Atlantis zog.<ref>Eberhard Zangger: The Flood from Heaven. Deciphering the Atlantis Legend, London 1992. Im gleichen Jahr auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel Atlantis – Eine Legende wird entziffert; erschienen.</ref> Diese These rief insbesondere im angelsächsischen Raum zunächst verhaltenes Interesse,<ref>Phyllis Young Forsyth: Rezension. The Flood from Heaven. Deciphering the Atlantis Legend by Eberhard Zangger. In: The American Historical Review 98/5, 1993, S. 1565.</ref> dann aber vor allem vehemente Kritik hervor und wurde von Altertumskundlern aufgrund von methodischen Unzulänglichkeiten weit überwiegend als nicht haltbar abgelehnt.<ref>Manfred Korfmann: Troia und Atlantis. In: Antike Welt, 1992, S. 299; Thomas A. Szlezák: Atlantis und Troia, Platon und Homer – Bemerkungen zum Wahrheitsanspruch des Atlantis-Mythos. In: Studia Troica 3, 1993, S. 233–37; Edmund F. Bloedow/Giuseppina A. Spina: Two Tales of One City. Atlantis Surfaces from the Deluge to Claim Ilion. In: Studia Troica 4, 1994, S. 159–71; Heinz-Günther Nesselrath: Platon und die Erfindung von Atlantis, München 2002, S. 8f, S. 43–45, Anm. 4–6. Jüngst Stephan W. E. Blum: Troia. Vom vielen Suchen und nichts finden. In: Stefan Baumann (Hrsg.): Fakten und Fiktionen. Archäologie vs. Pseudowissenschaft, Darmstadt 2018, S. 114–29 (PDF).</ref>
Auseinandersetzung mit Manfred Korfmann und Wechsel in die Privatwirtschaft
Ab 1994 erarbeite Zangger eine Chronologie der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen im östlichen Mittelmeerraum des 13. Jahrhunderts v. Chr. Dabei interpretierte er den homerischen Troianischen Krieg als Erinnerung an einen bedeutenden Konflikt, der um 1200 v. Chr. zum Zusammenbruch mehrerer Staaten in der Region führte. Besonderes Gewicht maß er verschiedenen dem luwischen Sprachraum zugehörigen Staaten in Westanatolien bei – darunter Arzawa, Mira, Wilusa, Lukka und Seha – und betonte deren Rolle im Verlauf dieser historischen Ereignisse.<ref>Eberhard Zangger: Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise, München 1994. Jüngere Arbeiten zum Themenkomplex sind ders.: Die luwische Kultur. Das fehlende Element in der Ägäischen Bronzezeit, Istanbul 2016; sowie Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017.</ref>
1998 plante Zangger eine luftgestützte geophysikalische Untersuchung der Troia-Ebene, um Siedlungsschichten und vermeintliche künstliche Hafenbecken zu identifizieren. Das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus verweigerte jedoch die Genehmigung für dieses Projekt – ein Entschluss, der im Einklang mit den wissenschaftlichen Bedenken Manfred Korfmanns stand, der Zanggers Theorien und Interpretationen kritisch gegenüberstand. Der zu diesem Zeitpunkt bereits länger schwelende Konflikt mit dem Tübinger Altertumskundler eskalierte Anfang der 2000er vollends, als Korfmann Zanggers wissenschaftliche Reputation infrage stellte und angab, dieser sei in wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht zu finden.<ref>Im Konkreten sagte Korfmann, von Klaus-Dieter Linsmeier auf die Thesen von Zangger angesprochen, aus: „In Fachpublikationen werden Sie ihn [Zangger] nicht finden. Nur so viel zu seiner These [einer Identität von Troia und Atlantis]: In insgesamt fast dreißig Jahren wurde auf dem Burgberg sehr intensiv gegraben, ohne dass Hunderte von Archäologen und anderen Wissenschaftlern dort etwas von den bei Plato genau geschilderten Merkmalen des Zentrums von Atlantis gefunden hätten. Es gab nicht den kleinsten Rest von goldverkleideten Mauern oder Dachgestühlen aus Elfenbein. Und bei 260 Sondagen im Umland, die der Erforschung der Landschaftsentwicklung galten, kamen keine Hinweise auf Siedlungsreste einer Weltmetropole um den Burgberg Troias herum zum Vorschein.“ Klaus-Dieter Linsmeier: „In seiner Ilias hat Homer die Leiden des Kriegs angeprangert“. Interview mit Manfred Korfmann. In: Spektrum der Wissenschaft 7, 2000, S. 68f, hier: S. 68.</ref> Auch verglich Korfmann Zangger bei anderer Gelegenheit aufgrund von dessen fragwürdigen Interpretationen mit Vertretern der Parawissenschaften.<ref>Korfmann stellte im Zuge seiner Auseinandersetzung mit Zangger eine Parallele zwischen diesem und dem bekannten Schweizer Parawissenschaftler Erich von Däniken her, dessen Werke in Millionenauflage erschienen sind. Diesen Vergleich griff der Althistoriker Frank Kolb 2001 gegenüber Korfmann auf, was die Kolb-Korfmann-Kontroverse auslöste; Gregor Weber: Neue Kämpfe um Troia. Genese, Entwicklung und Hintergründe einer Kontroverse. In: Klio 88, 2006, S. 7–33, insbes. S. 9f., Anm. 16. Auch Stephan W. E. Blum: Troia. Vom vielen Suchen und nichts finden. In: Stefan Baumann (Hrsg.): Fakten und Fiktionen. Archäologie vs. Pseudowissenschaft, Darmstadt 2018, S. 114–29 (PDF); kommt in seiner Analyse der von Zangger vertretenen Thesen zu Troia und Atlantis erneut zum Ergebnis, dass diese in zentralen Punkten jenseits des Rahmens anerkannter Wissenschaft operieren und in wesentlichen Teilen dem Spektrum der Grenzwissenschaft zuzuordnen sind.</ref> Diese Aussagen, Zangger könne in Fachpublikationen nicht gefunden werden, führten zu einem Gerichtsverfahren, in welchem Zangger Korfmann verklagte. Im August 2000 entschied die Pressekammer des Landgerichts München I zugunsten von Zangger und untersagte Korfmann, ihm die wissenschaftliche Befähigung abzusprechen.<ref>Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 80f.</ref>
Zum Zeitpunkt dieser Eskalation hatte sich Zangger aufgrund der zunehmenden Kritik an seinen Theorien und der mangelnden Akzeptanz innerhalb der Fachwelt bereits aus der Forschung zurückgezogen, war in die Privatwirtschaft übergewechselt und arbeitete als Berater für strategische Unternehmenskommunikation für eine Züricher PR-Agentur. 2001 wechselte er zu KPNQwest Schweiz, wo er bis 2002 als Director Corporate Communication tätig war.<ref>Lisa Kumar (Hrsg.): The Writers Directory, 25. Auflage, Bd. 2, M–Z, Detroit u. a. 2010, S. 2498f.</ref> 2002 gründete Zangger in Zürich eine Content-Agentur, die sich auf Wissenschaftskommunikation konzentrierte und seit 2007 unter dem Namen science communications GmbH firmiert. 2017 veröffentlichte er ein Buch über die Pioniere der Archäologie Anatoliens. In diesem stark autobiografischen Werk Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte schilderte Zangger seine Perspektive auf die Ereignisse rund um die von ihm initiierte Troia-Untersuchung sowie die Kontroversen mit Korfmann, welchem er vorwarf, seine Forschungen sabotiert zu haben.<ref>Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, insbes. S. 80f., 110–17, 128–36, 168–76, 258–85. Eine Zusammenfassung seiner Sicht auf die Kontroverse zwischen 1992 und 1994 hatte Zanger bereits im Nachwort von Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise, München 1994, S. 281–89; veröffentlicht.</ref> Einige seiner Aussagen über den bereits 2005 verstorbenen Korfmann wurden von Rezensenten dabei als deutlich grenzüberschreitend empfunden.<ref>Luise Loges: Rezension. Fragwürdige Luwier, Geoarchäologe Eberhard Zangger führt einen Feldzug gegen die etablierte Wissenschaft, auf Spektrum Online, Februar 2018 [abgerufen am 10. März 2025].</ref>
Rückkehr in die Forschung und Debatte um den Nachlass James Mellaarts
Mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Rückzug aus der Forschung gründete Zangger im April 2014 die internationale gemeinnützige Stiftung Luwian Studies, deren Präsident er zugleich wurde. Die Stiftung widmet sich der Erforschung der luwischen Kultur und ihrer Bedeutung in der bronzezeitlichen Ägäis, mit dem Ziel, das Wissen über diese Zivilisation zu vertiefen.<ref>Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 256.</ref>
Neben seinen Arbeiten zu Troia und zur luwischen Kultur der Spätbronzezeit veröffentlichte Zangger auch zu anderen Themen, vor allem in der Geoarchäologie, mit Schwerpunkt auf der Rekonstruktion prähistorischer Küstenlinien und Wasserbauprojekte.<ref>Eberhard Finke/Heinz Malz: Der Lernäische See. Auswertung von Satellitenbildern und Ostracodenfaunen zur Rekonstruktion eines vergangenen Lebensraumes. In: Natur und Museum 118/7, 1988, S. 213–22; Eberhard Zangger: Prehistoric Coastal Environments in Greece. The Vanished Landscapes of Dimini Bay and Lake Lerna. In: Journal of Field Archaeology 18/1, 1991, S. 1–15; ders.: Landscape Changes around Tiryns during the Bronze Age. In: American Journal of Archaeology 98/2, 1994, S. 189–212; ders. u. a.: The Pylos Regional Archaeological Project. Part 2, Landscape Evolution and Site Preservation. In: Hesperia 66/4, 1997, S. 549–641.</ref> Darüber hinaus befasste er sich mit der Rolle der Seevölker beim Zusammenbruch bronzezeitlicher Kulturen<ref>Eberhard Zangger: Ein neuer Kampf um Troia – Archäologie in der Krise, München 1994; der.: Die luwische Kultur. Das fehlende Element in der Ägäischen Bronzezeit, Istanbul 2016. Zanggers Thesen zu den Seevölkern sind in jüngerer Zeit als pseudowissenschaftlich kritisiert worden; Max Gander: Geschichte und Geographie Westkleinasiens in der Hethiterzeit, Heidelberg 2022, S. 18.</ref> sowie mit archäoastronomischen Fragestellungen, etwa zur lunisolaren Kalenderfunktion hethitischer Felsheiligtümer.<ref>Eberhard Zangger/Rita Gautschy: Celestial Aspects of Hittite Religion. An Investigation of the Rock Sanctuary Yazilikaya. In: Journal of Skyscape Archaeology 5/1, 2019, S. 5–38; und Eberhard Zangger u. a.: Celestial Aspects of Hittite Religion, Part 2: Cosmic Symbolism at Yazılıkaya. In: Journal of Skyscape Archaeology 7/1, 2021, S. 57–94.</ref>
Ein weiteres Forschungsfeld war der Nachlass des 2012 verstorbenen britisch-niederländischen Prähistorikers James Mellaart, dessen Erschließung durch Zangger eine akademische Debatte auslöste. Im Juni 2017 erhielt Zangger Zugang zu zahlreichen Manuskripten Mellaarts. Diese bezogen sich auf angebliche Bronze- und Kalkstein-Inschriften, teils in Keilschrift, teils in luwischen Hieroglyphen, die im 19. Jahrhundert beim Dorf Beyköy entdeckt, später jedoch verloren gegangen sein sollen.<ref>Zangger war bereits 1995 auf den Text aufmerksam geworden, den Mellaart schon zwischen 1992 und 1993 in einigen Publikationen am Rande erwähnte; Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 299–301, vgl. auch John David Hawkins: The Fantasies of James Mellaart. Fabrications of an Anatolian Archaeologist. In: The IOS Annual 24, 2024, S. 103–127, hier: S. 119–22.</ref> Zangger schätzte die Bedeutung der Texte als enorm ein, da dieser die von ihm schon länger postulierte Existenz mächtiger luwischer Reiche in Anatolien zu bestätigen schienen. Seiner Einschätzung nach hatte Mellaart die Inschriften zu Lebzeiten deswegen nicht veröffentlicht, weil dies unweigerlich jene Fälschungsvorwürfe bekräftigt hätte, denen Mellaart bereits seit den 60er Jahren ausgesetzt gewesen war. Eine vorläufige Auswertung des Materials sowie der von Mellaart angeblich auf der Grundlage von Georges Perrot angefertigten Zeichnungen des später von Zangger und Frederik C. Woudhuizen als „HL Beyköy 2“ bezeichneten hieroglyphenluwischen Inschriftenfrieses nahm Zangger in sein im Oktober 2017 erschienenes Buch Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte auf.<ref>Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 299–316.</ref> Die Ansicht, der Text könnten gefälscht sein, bezeichnete Zangger in diesem Zusammenhang als „absurd“<ref>Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 301.</ref> und deutete verschiedene Ungereimtheiten als Hinweise auf die Echtheit der Inschrift.<ref>Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, S. 224, 310f.</ref> Zusammen mit Woudhuizen publizierte Zangger noch im Dezember 2017 zunächst online und im Folgejahr auch in gedruckter Form einen Artikel, in dem beide Autoren die Authentizität von „HL Beyköy 2“ und weiteren Hieroglypheninschriften aus dem Nachlass von Mellaart bekräftigten.<ref>Eberhard Zangger/Frederik C. Woudhuizen: Rediscovered Luwian Hieroglyphic Inscriptions from Western Asia Minor. In: Talanta 50, 2018, S. 9–56.</ref> Dies geschah als Reaktion auf die im Herbst des gleichen Jahres innerhalb der Fachwelt aufgeworfenen Zweifel an der Echtheit der Entdeckungen.<ref>Im Zuge dessen wurde bekannt, dass die Inschrift bereits 1989 auf einer internationalen Konferenz in Gent präsentiert und diskutiert worden war. In Fachkreisen herrschte damals weitgehend Konsens, dass es sich um eine moderne Fälschung handele; Eberhard Zangger: James Mellaart’s Fantasies. In: Talanta 50, 2018, S. 125–82, hier: S. 128; Frederik C. Woudhuizen/Eberhard Zangger: Arguments for the Authenticity of the Luwian Hieroglyphic Texts from the Mellaart Files. In: Ebd., S. 183–212, hier: S. 184; und Eberhard Zangger: Der Nachlass von James Mellaart offenbart dessen Archäophantasien, auf Archäologie Online, August 2019 [abgerufen am 10. März 2025]. Für Argumente gegen die Echtheit der Inschrift bereits vor der Publikation von Zanggers Erkenntnissen zum Nachlass, vgl. Michael G. Bányai: Der Beylöy Text. Eine Fälschung? In: Talanta 50, 2018, S. 57–81; zur Unmöglichkeit der Authentizität von Beyköy 2–4 darüber hinaus auch John David Hawkins: The Fantasies of James Mellaert. Fabrications of an Anatolian Archaeologist. In: The IOS Annual 24, 2024, S. 103–27, hier: S. 113–24; welcher darauf hinweist, dass es sich beim Inhalt der Hieroglyphentexte im Wesentlichen um Kauderwelsch handelt.</ref> Im Februar 2018 durchsuchte Zangger fünf Tage lang gemeinsam mit James Mellaarts Sohn das ehemalige Studierzimmer des Prähistorikers, um weitere Dokumente zu den Beyköy-Texten zu sichten. Dabei gelangte er zu dem Schluss, dass Mellaart im Laufe seines wissenschaftlichen Wirkens umfangreiches Material gefälscht hatte.<ref>Eberhard Zangger: James Mellaart’s Fantasies. In: Talanta 50, 2018, S. 125–82.</ref> Ungeachtet dieser neuen Befunde hielten Zangger und Woudhuizen an der Authentizität der Hieroglypheninschrift „Beyköy 2“ und implizit auch an der Echtheit der übrigen hieroglyphenluwischen Inschriften aus Mellaarts Nachlass fest.<ref>Eberhard Zangger/Frederik C. Woudhuizen: Early Mediterranean Scripts, Istanbul 2021, S. 91–103. Lediglich von der Authentizität der Keilschrifttexte sind Woudhuizen und Eberhard Zangger mittlerweile abgerückt; Eberhard Zangger: James Mellaart’s Fantasies. In: Talanta 50, 2018, S. 125–82, hier: S. 169–72, 177–79. Als eigentlichen Ursprung von Beyköy 2 vermuten sie den illegalen Kunsthandel; Frederik C. Woudhuizen/Eberhard Zangger: Arguments for the Authenticity of the Luwian Hieroglyphic Texts from the Mellaart Files. In: Talanta 50, 2018, S. 183–212, hier: S. 189.</ref> Diese Positionierung wurde in der Fachwelt mit deutlicher Irritation aufgenommen und löste teils scharfe Kritik aus.<ref>Vladimir Stissi: What is Drawn and Written is not Necessary True. Contextualising Mellaart’s Fakes. In: Talanta 50, 2018, S. 87–124; Max Gander: Geschichte und Geographie Westkleinasiens in der Hethiterzeit, Heidelberg 2022, S. 18, 512, Anm. 329; John David Hawkins: The Fantasies of James Mellaart. Fabrications of an Anatolian Archaeologist. In: The IOS Annual 24, 2024, S. 103–27, hier: S. 123; Diether Schürr: Ein pathologischer Betrüger – James Mellaart. In: Gephyra 30, 2025, S. 195–216, hier: S. 196.</ref>
Von 2020 bis 2024 absolvierte Zangger ein Studium an der Harvard University und erwarb dort einen Master of Liberal Arts (ALM) in Extension Studies, Field of Anthropology and Archaeology.<ref>Stiftung Luwian Studies: Masterabschluss und zwei Auszeichnungen von der Harvard University für Eberhard Zangger, online unter LuwianStudies.org, Mai 2024 [abgerufen am 10. März 2025].</ref> Die Masterarbeit erfolgte zum Thema From Memes to Marx. Social Media as the New Frontier of Ruling Class Dominance.<ref>Eberhard Zangger: From Memes to Marx. Social Media as the New Frontier of Ruling Class Dominance [Master’s thesis, Harvard University] Cambridge 2024 (PDF).</ref>
Veröffentlichungen in Auswahl
Monographien
- Landscape Evolution of the Argive Plain, Greece. Paleoecology, Holocene Depositional History and Coastline Change [Phil. Diss.], Stanford 1988.
- The Flood from Heaven. Deciphering the Atlantis Legend, London 1992, ISBN 0-283-06084-0.
- Geoarchaeology of the Argolid, Berlin 1993, ISBN 3-7861-1700-4.
- Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise, München 1994, ISBN 3-426-26682-2.
- Die Zukunft der Vergangenheit. Archäologie im 21. Jahrhundert, München 1998, ISBN 3-426-77504-2.
- Die luwische Kultur. Das fehlende Element in der Ägäischen Bronzezeit, Istanbul 2016. ISBN 605-9680-21-6.
- Die Luwier und der Trojanische Krieg. Eine Entdeckungsgeschichte, Zürich 2017, ISBN 978-3-280-05647-9.
- (mit Frederik C. Woudhuizen): Early Mediterranean Scripts, Istanbul 2021, ISBN 978-605-7673-93-0.
Herausgeberschaften
- (mit Ivo Hajnal/Jorrit M. Kelder): The Political Geography of Western Anatolia in the Late Bronze Age. Proceedings of the EAA Conference Bern, 7 September 2019, Budapest 2022, ISBN 978-615-5766-54-1.
Aufsätze
- (mit Tjeerd H. van Andel): Land Use and Soil Erosion in Prehistoric and Historical Greece. In: Journal of Field Archaeology 17/4, 1990, S. 379–96.
- Prehistoric Coastal Environments in Greece. The Vanished Landscapes of Dimini Bay and Lake Lerna. In: Journal of Field Archaeology 18/1, 1991, S. 1–15.
- Prehistoric and Historic Soils in Greece. Assessing the Natural Resources for Agriculture. In: Berit Wells (Hrsg.): Agriculture in ancient Greeceproceedings of the seventh international symposium at the Swedish Institute at Athens, 16–17 May, 1990, Stockholm 1992, S. 13–19.
- Plato’s Atlantis Account. A distorted Recollection of the Trojan War. In: Oxford Journal of Archaeology 18/1, 1993, S. 77–87.
- The Island of Asine. A Paleogeographic Reconstruction. In: Opuscula Atheniensa 20/15, 1994, S. 221–39.
- (mit Michael Timpson u. a.): The Pylos Regional Archaeological Project. Landscape Evolution and Site Preservation. In: Hesperia 66/4, 1997, S. 549–641.
- (mit Michael Timpson u. a.): Searching for the Ports of Troy. In: Philippe Leveau u. a. (Hrsg.): Environmental Reconstruction in Mediterranean Landscape, Oxford 1998, S. 89‒103.
- Das Atlantis=Troja-Konzept. Auf den Spuren einer versunkenen Kultur in Westkleinasien. In: Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich 143/1, 1998, S. 13‒23.
- (mit Serdal Mutlu/Fabian Müller): Die Luwier – Bindeglied zwischen Mykenern und Hethitern. In: Mitteilungen aus dem Heinrich-Schliemann-Museum Ankershagen 10/11, 2016, S. 53–89.
- (mit Frederik C. Woudhuizen): Rediscovering Luwian Hieroglyphic Inscriptions from Western Asia Minor. In: Talanta 50, 2018, S. 9–56.
- (mit Rita Gautschy): Celestial Aspects of Hittite Religion. An Investigation of the Rock Sanctuary Yazılıkaya. In: Journal of Skyscape Archaeology 5/1, 2019, S. 5–38, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}.
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- (mit Alper Aşınmaz/Serdal Mutlu): Middle and Late Bronze Age Western Asia Minor. A Status Report. In: Ivo Hajnal u. a. (Hrsg.): The Political Geography of Western Anatolia in the Late Bronze Age, Budapest 2022, S. 39–180.
- (mit Daniel Sarlo/Fabienne Haas Dantes): The Earliest Cosmological Depictions. Reconsidering the Imagery on the ˁAin Samiya Goblet. In: Journal of the Ancient Near Eastern Society “Ex Oriente Lux” 49 (2025), S. 49–84.
- Creation Myths and Cosmological Concepts in the Ancient Near East. From Uruk via Hattusa to Athens. In: Dimitriya Spasova (Hrsg.): Megalithic Monuments and Cult Practices. Proceedings of the Fourth International Symposium Blagoevgrad, 10–14 October 2024, Bd. 2, Blagoewgrad 2025, S. 28–50.
Weblinks
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- Homepage von Luwian Studies.
- Homepage der Science Communications GmbH.
Anmerkungen
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