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Frank Kolb

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Frank Kolb bei einem Vortrag über antike Globalisierung (2008)

Frank Kolb (* 27. Februar 1945 in Merzbach; † 18. Januar 2026) war ein deutscher Althistoriker, der als Professor an den Universitäten Kiel (1977–1986) und Tübingen (1986–2013) lehrte.

Leben

Frank Kolb stammte aus einfachen Verhältnissen. Die ersten zehn Jahre verbrachte er in Merzbach. Er bestand die Aufnahmeprüfung zum Humanistischen Gymnasium in Rheinbach, wohin die Familie umsiedelte. Kolb studierte Geschichte und Latein an der Universität Bonn. Prägend waren für Kolb der Mediävist Eugen Ewig, der Latinist Wolfgang Schmid, der Philosoph Friedrich Schneider und der Althistoriker Johannes Straub.<ref>Antrittsrede von Herrn Frank Kolb an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 19. Februar 2000. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für das Jahr 2000. Heidelberg 2001, S. 36–39, hier: S. 37 (online) (online).</ref> Er wurde 1970 promoviert mit der von Straub angeregten und betreuten Arbeit Literarische Beziehungen zwischen Cassius Dio, Herodian und der Historia Augusta.<ref>Vgl. dazu die Besprechungen von Anthony Birley in: Journal of Roman Studies 64, 1974, S. 266–268; Claudio Zaccaria in: Rivista di Filologia e di Istruzione Classica 102, 1974, S. 229.</ref> Von 1970 bis 1972 war Kolb Assistent von Andreas Alföldi am Institute for Advanced Study in Princeton, von 1973 bis 1977 Assistenz-Professor an der FU Berlin. Er habilitierte sich 1975 an der FU Berlin mit einer Arbeit über Theaterpublikum und Gesellschaft in der griechischen Welt.

Kolb war von 1977 bis 1986 ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität Kiel, bevor er einen Ruf als Nachfolger von Karl-Ernst Petzold an die Universität Tübingen annahm, wo er bis zu seiner Emeritierung 2013 lehrte. 1994 lehnte er einen Ruf auf eine ordentliche Professur an der Universität Zürich ab. Kolb lehrte als Gastprofessor an mehreren ausländischen Universitäten und Forschungsinstituten, 1999/2000 war er Forschungsstipendiat am Historischen Kolleg München. Sein Nachfolger in Tübingen wurde im Februar 2014 Sebastian Schmidt-Hofner.

Als akademischer Lehrer betreute Kolb fünf archäologische und 20 althistorische Dissertationen. Zu Kolbs akademischen Schülern zählten Ralf Behrwald, Thomas Blank, Hartmut Blum, Hartwin Brandt, Marc Domingo Gygax, Ulf Hailer, Oliver Hülden, Hilmar Klinkott, Christina Kokkinia, Jens-Uwe Krause, Gisela Rumpp, Aysun Şanli-Erler, Christof Schuler, Nils Steffensen, Andreas Thomsen, Werner Tietz, Darío N. Sanchez Vendramini, Hertha Schwarz, Katja Sommer, Martin Zimmermann und Nicola Zwingmann.

Ab 1994 war Kolb korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. 1997 wurde er mit dem Max-Planck-Forschungspreis ausgezeichnet. Ab 1999 war er ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Kolb starb im Alter von 80 Jahren am 18. Januar 2026.<ref>Traueranzeigen, abgerufen am 25. Januar 2026.</ref>

Forschungsschwerpunkte

Kolb gehörte zu den profiliertesten deutschen Althistorikern seiner Generation. Er war ein „Kenner aller Epochen und Teilgebiete der Althistorie“,<ref>So sein Schüler Hartwin Brandt: Wie schließt sich die Wahrheit in den Stein? Nicht nur Troja, auch Rom hat er unerbittlich nachgemessen. Zum Tod des Tübinger Althistorikers Frank Kolb. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Januar 2026, S. 12.</ref> er publizierte zu einer ganzen Reihe von Themengebieten wichtige Arbeiten. Seine Forschungsschwerpunkte waren die späte Kaiserzeit, Städtewesen und städtische Kultur der Antike und die Geschichte Lykiens. Von ihm erschien 1984 Die Stadt im Altertum. Diese Darstellung wurde zum Standardwerk. Die Arbeit lieferte erstmals eine systematisch chronologische Darstellung über die antike Stadt als Siedlungsform von den mesopotamischen Städten bis ans Ende der Kaiserzeit. Das Werk wurde 1992 ins Spanische übersetzt. Im Jahr 1995 erschien mit der 800 Seiten umfassenden Darstellung Rom. Die Geschichte der Stadt in der Antike ein weiteres Werk zum antiken Städtewesen. Darin widmete sich Kolb der Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zum Beginn der Spätantike. Im Mittelpunkt des Werkes stand die urbanistische Entwicklung, die die politische Geschichte, die Wirtschafts-, Verwaltungs- und Religionsgeschichte, in Wohnverhältnisse und Infrastruktur einordnet.

Aus seiner Habilitationsschrift entstand 1981 das Werk Agora und Theater, Volks- und Festversammlung, das sich mit den Funktionen von Agorai als Versammlungsplätze in den griechischen Poleis und vor allem mit der Entwicklung des Theaters befasst. Ab 1989 hatte er für zwölf Jahre ein Projekt zur Siedlungsarchäologie der südtürkischen Landschaft Lykien um die Polis Kyaneai nahe dem heutigen Demre. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Kolb 2001 bekannt, als er sich mit dem Archäologen Manfred Korfmann eine zunehmend erbittert geführte Auseinandersetzung über Korfmanns Interpretation des Grabungsbefundes in Troja lieferte. Damit verbunden war die wissenschaftstheoretische Frage nach der Wertigkeit unterschiedlicher methodischer Zugangsweisen zur Ur- und Frühgeschichte. Während Kolbs Position unter Althistorikern breite Zustimmung fand, war das Urteil von Archäologen, Altorientalisten und Sprachwissenschaftlern geteilt, was beim Troia-Symposium (2002) und in späteren Veröffentlichungen deutlich wurde. Spätestens mit dem Tod Korfmanns (2005) kam die Tübinger Troja-Debatte weitgehend zum Erliegen. In seinem Ruhestand arbeitete Kolb an einer großen Gesamtdarstellung der Geschichte Lykiens. Der erste Band von der Frühzeit bis zum Ende der klassischen Zeit wurde 2018 veröffentlicht.

Schriften (Auswahl)

Kolb war Herausgeber der Reihe Lykische Studien, Bände 1–10, Bonn.

  • Literarische Beziehungen zwischen Cassius Dio, Herodian und der Historia Augusta (= Antiquitas. Reihe 4: Beiträge zur Historia-Augusta-Forschung. Band 9). Habelt, Bonn 1972, ISBN 3-7749-1166-5 (Dissertation).
  • Agora und Theater, Volks- und Festversammlung (= Archäologische Forschungen. Band 9). Mann, Berlin 1981, ISBN 3-7861-1262-2 (Habilitationsschrift).
  • Die Stadt im Altertum. C. H. Beck, München 1984, ISBN 3-406-03172-2 (spanische Übersetzung 1992).
  • Untersuchungen zur Historia Augusta (= Antiquitas. Reihe 4: Beiträge zur Historia-Augusta-Forschung. Band 9). Habelt, Bonn 1987, ISBN 3-7749-2316-7.
  • Diocletian und die erste Tetrarchie. Improvisation oder Experiment in monarchischer Herrschaft? (= Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte. Band 27). De Gruyter, Berlin/New York 1987, ISBN 3-11-010934-4.
  • mit Barbara Kupke: Lykien. Geschichte Lykiens im Altertum (= Zaberns Bildbände zur Archäologie. Band 2). Philipp von Zabern, Mainz 1992, ISBN 3-8053-1415-9 (auch schon Sondernummer der Antiken Welt 1989/2).
  • Rom. Die Geschichte der Stadt in der Antike (= Beck’s historische Bibliothek). C. H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-46988-4 (2. Auflage 2002).
  • Herrscherideologie in der Spätantike (= Studienbücher Geschichte und Kultur der Alten Welt). Akademie-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-05-003432-7.
  • als Herausgeber: Chora und Polis (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. Band 54). R. Oldenbourg, München 2004, ISBN 978-3-486-56730-4 (Digitalisat).
  • mit Hartwin Brandt: Lycia et Pamphylia. Eine römische Provinz im Südwesten Kleinasiens (= Zaberns Bildbände zur Archäologie / Sonderhefte der Antiken Welt / Orbis Provinciarum). Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3470-2 (2. Auflage 2006, italienische Übersetzung 2014).
  • als Herausgeber: Allgemeinbildung. Der große Kulturführer durch Geschichte, Kunst und Wissenschaft. Das musst du wissen. Arena, Würzburg 2005, ISBN 3-401-05810-X (Lizenzausgabe 2021).
  • Das antike Rom. Geschichte und Archäologie (= C. H. Beck Wissen). C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-53607-6 (2. Auflage 2009).
  • Burg – Polis – Bischofssitz. Geschichte der Siedlungskammer von Kyaneai in der Südwesttürkei. Philipp von Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3900-1.
  • Tatort »Troia«. Geschichte – Mythen – Politik. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-77009-7 (polnische Übersetzung 2016).
  • Lykien. Geschichte einer antiken Landschaft. Philipp von Zabern, Darmstadt 2018, ISBN 978-3-8053-5178-2.

Literatur

  • Hartwin Brandt: Wie schließt sich die Wahrheit in den Stein? Nicht nur Troja, auch Rom hat er unerbittlich nachgemessen. Zum Tod des Tübinger Althistorikers Frank Kolb. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Januar 2026, S. 12 (FAZ.NET vom 20. Januar 2026 Feuilleton).
  • Antrittsrede von Herrn Frank Kolb an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 19. Februar 2000. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für das Jahr 2000. Heidelberg 2001, S. 36–39 (online).

Weblinks

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Anmerkungen

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Lehrstuhl/Erste Professur: Alfred von Gutschmid (1866–1873) | Christian August Volquardsen (1873–1879) | Georg Busolt (1879–1897) | Christian August Volquardsen (1897–1912) | Max L. Strack (1912–1914) | Hugo Prinz (1915–1934) | Paul L. Strack (1935–1941) | Herbert Nesselhauf (1946–1948) | Alfred Heuß (1948–1955) | Friedrich Vittinghoff (1955–1962) | Horst Braunert (1963–1976) | Frank Kolb (1977–1986) | Peter Weiß (1987–2008) | Andreas Luther (seit 2008)

Zweite Professur: Josef Wiesehöfer (1989–2016) | Hilmar Klinkott (seit 2016)

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Lehrstuhl/Erste Professur: Alfred von Gutschmid (1866–1873) | Christian August Volquardsen (1873–1879) | Georg Busolt (1879–1897) | Christian August Volquardsen (1897–1912) | Max L. Strack (1912–1914) | Hugo Prinz (1915–1934) | Paul L. Strack (1935–1941) | Herbert Nesselhauf (1946–1948) | Alfred Heuß (1948–1955) | Friedrich Vittinghoff (1955–1962) | Horst Braunert (1963–1976) | Frank Kolb (1977–1986) | Peter Weiß (1987–2008) | Andreas Luther (seit 2008)

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