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Dystonie

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Bei der Dystonie (Vorlage:GrcS, ‚falsch‘; {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) handelt es sich um eine Gruppe von Bewegungsstörungen, deren neurologischer Ursprung in den motorischen Zentren im Gehirn liegt. Sie wird zu den extrapyramidalen Hyperkinesien gerechnet. Meist äußern sich Dystonien in Verkrampfungen und Fehlhaltungen, z. B. des Kopfes (Torticollis). Zur Therapie wird u. a. Botulinumtoxin angewendet.

Die hier beschriebene Dystonie hat nichts mit der vegetativen Dystonie zu tun.

Arten

Zu den Dystonien gehören Verkrampfungen, Athetosen, Tremor, Ballismus und Chorea. Unterscheiden kann man außerdem nach Ausbreitungsgrad zwischen fokalen (nur eine Körperregion betroffen), segmentalen (mehr als eine Körperregion betroffen) und generalisierten (der ganze Körper betroffen) Dystonien. Weiterhin wird unterschieden zwischen primären idiopathischen Dystonien (ohne erkennbare Ursache, dazu gehören alle erblichen Dystonien) und sekundären Dystonien mit bestimmter Ursache (z. B. schwere Verletzung). Bei einer Hemidystonie ist nur eine Körperseite betroffen und die Symptome sind nicht lokal.<ref>Hemidystonie, Deutsche Dystonie Gesellschaft</ref>

Dystonien sind von den Betroffenen nicht unterdrückbar. Oft existiert aber das Phänomen einer geste antagoniste (‚gegenwirkende Geste‘; französisch), bei dem z. B. ein Antippen des Kinns oder eine Berührung der Haut die Symptomatik mildert.

Diagnostisch sind kurzdauernde Dystonien oft leicht mit Tics zu verwechseln. Bei letzteren beschreiben die Betroffenen eine Art Spannungsgefühl, das sie dazu zwingt, eine Bewegung auszuführen, die kurzfristig aber auch unterdrückt werden kann.

Ursachen

In den meisten Fällen handelt es sich um die idiopathisch Form und es kann keine Ursache gefunden werden.

Genetische Ursachen

Es wurde beschrieben, dass das Gen THAP1 (Synonym DYT6, Dystonia 6) eine Rolle bei erblich bedingten Bewegungsstörungen, einschließlich Muskelkontraktionen, spielt. THAP1 steht für Thanatos-associated [THAP] domain-containing apoptosis-associated protein 1 (THAP1) und ist ein DNA bindendes Protein, welches mit dem Protein PAWR/PAR-4 interagiert, das eine Rolle bei der Apoptose spielt.<ref name="pmid19182804">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>Cem Sengel, Sophie Gavarini, Nutan Sharma, Laurie J Ozelius, D Cristopher Bragg: Dimerization of the DYT6 dystonia protein, THAP1, requires residues within the coiled-coil domain. In: J Neurochem. 2011 Jul 14, S. 21752024.</ref> Die erblich bedingte Idiopathische Torsionsdystonie (vgl. dazu Ziehen-Oppenheim-Syndrom) wird auch als Dystonia musculorum deformans bezeichnet.<ref>Immo von Hattingberg: Idiopathische Torsionsdystonie. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 1347.</ref>

Arzneimittelinduziert

Einige Psychopharmaka können eine vorübergehende oder irreversibel ein Dystonie auslösen. Dazu zählen Antipsychotika (etwa Haloperidol), Antidepressiva und andere. Diese Form nennt man akute Dystonie bei Frühdyskinesie und Tardive Dystonie bei Spätdykinesie.

Typische Erscheinungsformen

Datei:Dystonia2010.JPG
Patient mit Symptomen einer Dystonie

Je nach betroffener Muskelgruppe ergibt sich eine andere Symptomatik:

  • Die zervikale Dystonie oder der Torticollis spasmodicus, die sich in einer Fehlhaltung des Kopfes äußert.
  • Der Blepharospasmus, auch Lidkrampf oder Blinzeltic genannt, der zu unkontrollierbarem Blinzeln führt. In schweren Fällen werden Betroffene funktionell blind.
  • Die oromandibuläre Dystonie, die die Mundpartie und den Kauapparat befällt. Betroffenen fällt es schwer zu essen.
  • Die spasmodische Dysphonie, die auch Stimmkrampf genannt wird. Betroffene sprechen verhaucht oder gepresst und werden kaum mehr verstanden.
  • Die Gliederdystonie, die als Schreibkrampf, Musikerkrampf oder Fußdystonie auftreten kann. In allen Fällen führt sie zu einer Verkrampfung der Glieder, die es Betroffenen unmöglich macht zu schreiben, zu musizieren oder zu gehen.
  • Das Segawa-Syndrom, welches durch Stellungsanomalien der Beine gekennzeichnet ist und durch einen Gendefekt auf dem Chromosom 14 hervorgerufen wird.
  • Die okulogyre Krise, bei welcher sich die Augäpfel der Betroffenen -üblicherweise- nach oben drehen.

Weitere Erscheinungsformen sind denkbar. Bei schwach ausgeprägter Verkrampfung können auch nur allgemeine Verspannungen als Kompensationmuster auftreten.

Therapie

Die Therapie erfolgt bei begrenzter Ausdehnung der Dystonien oft durch lokale Injektionen von Botulinumtoxin (meist Serotyp A). Die Wirkung setzt nach drei bis sieben Tagen langsam ein und erreicht nach drei Wochen ihren Höhepunkt. Die Injektionen müssen jeweils im Abstand von Wochen bis Monaten wiederholt werden, wobei bei manchen Patienten die Wirkung abnimmt. In diesem Fall kann die Dosis bis zu einer gewissen Grenze gesteigert oder auf Serotyp 2 umgestiegen werden. Bei fortgeschrittener Resistenz oder ausgedehnten Dystonien setzt die maximal applizierbare Dosis der Therapie eine Grenze; eine mögliche Nebenwirkung ist z. B. Mundtrockenheit.

Andere Medikamente, die hier therapeutische Anwendung finden, sind Anticholinergika. Die Ausschaltung der betroffenen Muskeln kann auch operativ erfolgen, indem die entsprechenden – allerdings später wieder nachwachsenden – Nervenfasern durchtrennt werden. Die Tiefe Hirnstimulation ist eine zugelassene Therapie zur Behandlung von Dystonien und wird meist angewendet, wenn die Therapie mit Botulinumtoxin nicht mehr ausreichend oder unwirksam ist. Hierbei werden Regionen des Gehirns durch ein Implantat elektrisch stimuliert, wodurch sich die Bewegungsabläufe verbessern können.

Bei einigen der genetisch verursachten Dystonien helfen Medikamente wie L-Dopa.

Anatomie

Die Ursache von Dystonien liegt in einer Störung der Regulation der unbewussten Motorik im Bereich der Basalganglien im Gehirn. Besonders der Globus pallidus internus scheint eine Rolle zu spielen (vgl. Morbus Parkinson).

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Dystonie wird meist mit 16 von 100.000 Betroffenen angegeben.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Neuere Untersuchungen zeigen deutlich höhere Fallzahlen mit 66 von 100.000 Betroffenen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die Differenz in den ermittelten Werten lässt sich mit der schwierigen Diagnose und der darausfolgenden Dunkelziffer erklären.

Siehe auch

Literatur

  • {{#if: S1|S1-|}}Leitlinie Dystonie{{#if: Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)| der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)|}}. In: AWMF online {{#if: 2012|(Stand 2012)|}}
  • Andrea H. Nemeth: Dystonia Overview. PMID 20301334.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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