Burgstall Arnstein (Weismain)
| Burgstall Arnstein | ||||||
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Zeichnung der Burgruine Arnstein im Zustand um 1850 mit hoch aufragenden Felspartien und größerem Mauerrest | ||||||
| Alternativname(n) | Veste Arnstein | |||||
| Staat | Deutschland | |||||
| Ort | Arnstein (Weismain) | |||||
| Entstehungszeit | um 1100 | |||||
| Burgentyp | Höhenburg, Felslage | |||||
| Erhaltungszustand | Burgstall: Gräben, Wälle sowie ganz geringe Grundmauerreste erhalten | |||||
| Ständische Stellung | Anfangs Niederer Adel (1100–1244 Arnsteiner), dann Hochadel (1244–1248 Andechs-Meranier, 1248–1394 Truhendinger), später fürstbischöflicher Besitz (1394–1525 Hochstift Bamberg) | |||||
| Geographische Lage | 50° 3′ N, 11° 12′ O
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| Höhenlage | 465 m ü. NN | |||||
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Der Burgstall Arnstein, auch Veste Arnstein genannt,<ref name="bmf">Söhnlein (2008), S. 10</ref> ist der Rest einer mittelalterlichen Felsenburg auf einer 465 m ü. NN hohen Felsgruppe am nordwestlichen Ortsrand von Arnstein im Landkreis Lichtenfels in Oberfranken in Bayern.<ref name="bmf" /><ref name="dechant2010-52">Dechant (2010), S. 52</ref> Sie gilt als Stammsitz der Edelfreien von Arnstein.
Geschichte
Burggründung durch die Edelfreien von Arnstein
Die Burg Arnstein gilt als der Stammsitz der Edelfreien von Arnstein.<ref name="dechant2010-52" /> Als vermutlich erster Angehöriger des Geschlechts wurde noch ohne Familiennamen ein „Haremann“ in einem Brief vom 17. Februar 1079 erwähnt, in dem sich Papst Gregor VII. beklagte,<ref name="voit">Voit (1991), S. 25–28</ref> dass sieben Adelige aus dem Hochstift Bamberg Kirchengut vom König empfangen hätten. Wenn sie dieses behielten, sollten sie exkommuniziert werden.<ref name="voit" /> Die Burg Arnstein wurde etwa 30 Jahre später, um 1100 erbaut.<ref name="voit" />
Fassbar wurde das Geschlecht 1118,<ref name="bmf" /><ref name="voit" /> als „dominus Hermannus de Arnstein“, der sich nach der Burg benannt hatte, in einer undatierten Urkunde aus der Zeit zwischen 1118 und 1136 erschien.<ref name="voit" /> Insgesamt sind von den Arnstein acht Personen, darunter drei Geistliche, bekannt. In ihren Diensten standen vier Ministerialenfamilien.<ref name="voit" /> Zur Burg gehörte bereits zur Zeit des dominus Hermannus de Arnstein ein ausgedehnter Hochgerichts-Sprengel, der sich von Weismain, begrenzt im Osten durch das Kleinziegenfelder Tal bis zur oberen Wiesent erstreckte.<ref name="voit" /> Besitztümer reichten teilweise bis in den Itzgrund.<ref name="voit" />
Niedergang der Arnsteiner und Besitzerwechsel
Bereits vor 1239 wurden Burg und Gericht wahrscheinlich den Herzögen von Andechs-Meranien zu Lehen aufgetragen. Als Anfang des Jahres 1244 das Geschlecht der Arnstein mit Hermann IV. ausstarb, ging die Burg an die Andechs-Meranier über.<ref name="bmf" /> Wenige Monate später, im August 1244, wurde die Burg durch Otto I. von Meranien für 800 Mark Silber zusammen mit den Dörfern „Rodewanstal“ (Rothmannsthal) und „Zaphindorf“ (Zapfendorf) an Eberhard Förtsch<ref name="alleburgen">Burgstall Arnstein in der privaten Datenbank Alle Burgen.Vorlage:Abrufdatum, abgerufen am 12. September 2015</ref> und seinen Sohn Albert von Waldinrode<ref name="alleburgen" /> aus dem Geschlecht der Förtsche von Thurnau verpfändet.<ref>Plank (1951), S. 16</ref> Zwischen 1244 und 1248 war ein Angehöriger des Geschlechts der Rauschner als Burgmann eingesetzt.<ref>Der Burgstall von Lindenberg bei Kasendorf, landschaftsmuseum.de, abgerufen am 28. Dezember 2012</ref> Nach dem Tod Ottos I., des letzten männlichen Andechs-Meraniers auf Burg Niesten, erbte Ottos Schwester Margarete von Andechs-Meranien, die mit Friedrich I. von Truhendingen verheiratet war, die Burg Arnstein.<ref name="hlb">Johannes Mötsch: Langenstadter Spruch, 14. Dezember 1260. In: Historisches Lexikon Bayerns</ref> Sie kam damit in den Besitz der Grafen von Truhendingen.<ref name="bmf" />
Herrschaft der Truhendinger, Übergang in kirchlichen Besitz und Zerstörung
Nach mehreren Verpfändungen<ref name="voit" /> musste 1394 Graf Johann von Truhendingen verarmt und verschuldet die Burg an das Hochstift Bamberg veräußern, das dort ein Amt einrichtete.<ref name="bmf" /><ref name="voit" /> Nach der Zerstörung im Bauernkrieg im April 1525 wurde sie trotz der von den Bauern gezahlten Strafe von 2000 Gulden nicht mehr aufgebaut.<ref name="bmf" /><ref name="dechant2010-52" /><ref name="voit" />
Wissenschaftliche Untersuchungen
Mitte des 19. Jahrhunderts fertigte der Bamberger Maler Adam Friedrich Thomas Ostertag eine von zwei bekannten Zeichnungen der damaligen Burgruine Arnstein im Zustand vor 1936 an.<ref name="voit-11">Voit (1991), S. 11</ref> Ein Fehler war, dass er im oberen linken Eck das Wappen des 1464 erloschenen Geschlechts der Arnstein aus Arnstein in Unterfranken übernommen hatte, zu denen aber keine verwandtschaftlichen Beziehungen bestanden.<ref name="voit" /> Das Wappen der oberfränkischen Arnstein ist nicht bekannt.<ref name="voit" /> Die zweite Zeichnung auf einer Karte von Christoph Augustin Hannbaumb stammt aus dem Jahr 1798.<ref>Burger-Segl (2006), S. 133</ref>
Anfang des 20. Jahrhunderts bestand der Burgstall aus mehreren hochaufragenden Felsen, größeren Mauerresten und einem gemauerten Kellergewölbe, das im Volksmund als „Verlies“ bezeichnet wurde.<ref name="voit" /> Um 1936/1937 wurden die Felsen sowie die Mauerreste für „reichswichtige Dinge“ abgetragen und für den Bau von Reichsautobahnen sowie für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg verwendet.<ref name="dechant2010-52" /><ref name="voit" />
Der Burgstall besteht gegenwärtig aus verhältnismäßig niedrigen Felspartien und verschwindend geringen Grundmauerspuren und -resten.<ref name="voit" /> Eine bogenförmige Mulde könnte der Überrest eines Halsgrabens sein.<ref name="voit" /> Weitere Beweise für die ehemalige Burg fand der fränkische Burgenforscher Hellmut Kunstmann um 1950 in Form von Gefäßscherben und Ziegeltrümmern an der Stelle der ehemaligen Felsenburg Arnstein.<ref name="voit" />
Literatur
- Ingrid Burger-Segl: Archäologische Streifzüge im Meranierland am Obermain. Bezirk Oberfranken, Bayreuth 2006, ISBN 3-9804971-7-8, S. 133–136.
- Alois Dechant, Gerhard W. Peetz: Wanderführer Weismain. Marie Link Verlag, Kronach 2010.
- Georg Söhnlein: 2. Begegnung mit Franken. Heinrichs-Verlag, Bayerische Verlags-Anstalt, Bamberg 2008, ISBN 978-3-89889-132-5, S. 10–11.
- Willy Plank: Ende einer frühmittelalterlichen Herzogsdynastie – Die Meranier in Franken und auf Burg Niesten. In: Martin Kuhn (Colloquium Historicum Wisbergense): Geschichte am Obermain. Band 1., Colloquium Hist. Wirsbergense, Lichtenfels 1951 [1978], ohne ISBN, S. 15–18.
- Gustav Voit, Walter Rüfer: Eine Burgenreise durch die Fränkische Schweiz – Auf den Spuren des Zeichners A. F. Thomas Ostertag. 2. Auflage. Verlag Palm & Enke, Erlangen 1991, ISBN 3-7896-0064-4, S. 25–28.
Einzelnachweise
<references />
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