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Blütezeit des Islam

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Der abbasidische Kalif al-Ma'mūn (links) und der byzantinische Kaiser Theophilos (rechts) in der byzantinischen Botschaft vom Patriarch Johannes VII. Grammatikos in 829; Detail aus der Madrider Bilderhandschrift des Skylitzes

Als Blütezeit des Islam (auch Goldenes Zeitalter des Islam genannt) wird in der populärwissenschaftlichen Literatur die unter den Abbasiden (750 n. Chr. – 1258 n. Chr.) entwickelte Zivilisation in den islamisch beherrschten Gebieten bezeichnet.<ref>Lombard, Maurice.: Blütezeit des Islam : eine Wirtschafts- und kulturgeschichte 8.-11. Jahrhundert. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-596-10773-3.</ref> Ein Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Forschung entstand in wenigen Jahrzehnten in der im Jahr 762 gegründeten Stadt Bagdad. Es beerbte die wenige Kilometer entfernte von den Arabern zu Beginn der islamischen Expansion eroberte Metropole Seleukia-Ktesiphon, die Hauptresidenz des spätantiken Sassanidenreichs.

Ebenfalls zu einem Zentrum des Wissens und der Literatur entwickelte sich die Region Chorasan in Zentralasien. Sie bildete später den Kern der iranischen Renaissance.<ref>Monika_Gronke: Geschichte Irans: Von der Islamisierung bis zur Gegenwart. C. H. Beck 2003, ISBN 3-406-48021-7, S. 30–31</ref>

Auch das von den Mauren beherrschte Al-Andalus, insbesondere das Emirat von Córdoba/Kalifat von Córdoba und das spätere Emirat von Granada im Süden der Iberischen Halbinsel erreichten im Mittelalter eine Blüte an Kultur und Wissenschaft.<ref>Friedrich Klütsch: Von der Blütezeit des Islam. Autor und Regisseur Friedrich Klütsch über andalusische Funde, ZDF online, 17. Mai 2009, abgerufen am 5. November 2013</ref>

Die führende Stellung in den Wissenschaften ist noch heute an der arabischen Vorsilbe al- bei grundlegenden Fachbegriffen wie Algebra, Alchemie, Alkohol und Alkalien erkennbar. Die bekanntesten Wissenschaftler waren in folgenden Gebieten tätig:

Medizin

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Darstellung des menschlichen Auges nach Hunayn ibn Ishaq, aus einem Manuskript um 1200.
  • Hunayn ibn Ishaq, latinisiert Johannitius (809–874), christlich-arabischer Mediziner, Geschichtsschreiber, mit Übersetzungen des Aristoteles, Hippokrates und Galenos sowie durch bedeutende Bücher über die Einführung in die Medizin und Augenheilkunde bekannt geworden.
  • Abu Bakr Mohammad Ibn Zakariya al-Razi, latinisiert Rhazes (865–925), persischer Universalgelehrter, erkannte als einer der ersten den Unterschied zwischen Pocken und Masern und probte bereits mit Gipsverbänden zur Heilung von Knochenbrüchen. Sein medizinisches Werk blieb bis zum 17. Jahrhundert unangefochten bestehen.
  • Ibn Sina, latinisiert Avicenna (980–1037), der bekannteste Mediziner des Islam und Perser. Er übersetzte die Schriften des Aristoteles, Hippokrates und Galenos. Außerdem verfasste er den Kanon der Medizin, welcher bis zum 17. Jahrhundert das wichtigste Buch über die Heilkunde darstellte.
  • Ibn an-Nafis (gestorben um 1288) entdeckte durch theoretische Überlegungen den kleinen Blutkreislauf.

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Mathematik

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Mit Girih-Kacheln bestehend aus fünf verschiedenen Fliesenformen, die gemeinsam aperiodisch wiederholte Muster formen, waren islamische Architekten der westlichen Welt um mehr als fünfhundert Jahre voraus: Die Ornamente einiger orientalischer Bauten weisen eine so genannte quasikristalline Geometrie auf.

Astronomie

Sternnamen wie Aldebaran, Algol, Altair, Rigel und andere sowie die Bezeichnung Zenit und Nadir kommen aus dem Arabischen.

Chemie

  • Dschābir ibn Hayyān, latinisiert Geber, der vermutlich in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts wirkende arabische Gelehrte, führte physikalisch-chemische Experimente durch und trug in seinen naturphilosophischen Schriften (Geber-Schriften) eine große Sammlung alchemistischen Wissens zusammen.

Geographie

  • Zu den bedeutendsten islamischen Geographen des Mittelalters zählten der in Diensten des normannischen Königs Roger II. von Sizilien stehende Muhammad asch-Scharif al-Idrisi, latinisiert Dreses (1099–1166), der Karten der zu seiner Zeit bekannten Erdteile anfertigte, und der in Córdoba lebende Abū ʿUbaid al-Bakrī (1014–1094).
  • Ibn Battūta (1304–1377) schildert ausgedehnte Reisen in Asien, Afrika und an der Schwarzmeerküste.

Literatur

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  • Im literarischen Bereich denkt man zuerst an die bekannten „Märchen aus Tausend und einer Nacht“ (alf laila wa-laila), die in verschiedenen Regionen des Orients bereits ab dem 8. Jahrhundert entstanden und durch die Übersetzung von Gustav Weil im deutschsprachigen Raum populär geworden sind.
  • Maßgebend für die persische Literatur ist das Werk von Abū l-Qāsem-e Ferdousī, latinisiert Firdausi, (940–1020), Schāhnāme oder „Königsbuch“, um 1010 entstanden. Geschichten, bei denen urreligiöse Motive und Heldensagen in 50.000 Versen aufgezeichnet wurden.
  • Auch Hafis, (um 1320–ca. 1390) mit seinem Werk „Diwan“ sowie seinen Liebesgedichten bereichert noch bis heute die Kultur unserer Zeit.
  • Der Dichter al-Ma'arri (973–1057) hat in seinem Werk „Sendschreiben über die Vergebung“ (risalat al-ghufran) das Paradies und die Hölle verarbeitet.
  • Der Dichter Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207–1273) mit seinem 25.700 Verszeilen umfassenden Gedicht Mathnawi.
  • Der Dichter und Mystiker Dschami (1414–1492) mit seinem Meisterwerk Lailā und Madschnūn.

Philosophie

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Ein arabisches Manuskript aus dem 13. Jahrhundert: Sokrates (Soqrāt) in Diskussion mit seinen Schülern

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  • Ibn Ruschd, latinisiert Averroes, zählt neben al-Bīrūnī zu den größten Universalgelehrten des Islam. Er verfasste eine medizinische Enzyklopädie und fast zu jedem Werk des Aristoteles einen Kommentar. In der christlichen Scholastik des Mittelalters, auf die er großen Einfluss ausübte, wurde er deshalb schlicht als „der Kommentator“ bezeichnet, so wie Aristoteles nur „der Philosoph“ genannt wurde.
  • al-Kindī, latinisiert Alkindus, ließ zahlreiche Werke von Aristoteles und anderen griechischen Philosophen durch Mitarbeiter, die zum Teil griechisch-christlicher Herkunft waren, übersetzen. Er gilt als erster großer Philosoph des Islam und war einer der Begründer einer mathematischen Denkweise in der Philosophie → Logik.

Musik

Literatur

  • Thomas Bauer: Warum es kein islamisches Mittelalter gab. Das Erbe der Antike und der Orient. C.H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-72730-6.
  • Gudrun Krämer: Geschichte des Islam. C.H. Beck, München 2005, ISBN 978-3-406-53516-1, S. 69–102
  • Maurice Lombard: Blütezeit des Islam. Eine Wirtschafts- und Kulturgeschichte 8.–11. Jahrhundert. Fischer, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-596-10773-3
  • Tamara Sonn: Islam: A Brief History. Wiley, Chichester 2010, ISBN 978-1-4051-8094-8, S. 39–79 (Auszug (Google)Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)

Weblinks

Commons: Blütezeit des Islam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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