Berenberg Bank
Vorlage:Infobox Kreditinstitut
Berenberg, firmierend unter dem Namen Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG, ist eine deutsche Privatbank mit Sitz in Hamburg. Ihre Ursprünge lassen sich auf die Leinentuchhändler Hans und Paul Berenberg aus den Spanischen Niederlanden zurückführen, die um 1580 nach Norddeutschland flohen. Unter der Leitung von Cornelius Berenberg beschäftigte sich das Geschäft neben dem Kolonialwarenhandel ab dem späten 17. Jahrhundert auch mit Partenreederei, Walfang und Schiffsversicherung. Finanzierungsgeschäfte erlangten erst ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts größere Bedeutung. Johann Berenberg nahm 1769 seinen Schwiegersohn Johann Hinrich Gossler in das Unternehmen auf. Unter der Leitung von Gosslers Schwiegersohn Ludwig Erdwin Seyler wurde das Unternehmen zu einem der führenden Handelshäuser in ganz Deutschland. Das Unternehmen erlangte Reichtum durch den kolonialen Handel zwischen Amerika, Hamburg und Russland. Insbesondere zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es einer der größten Zuckerimporteure Nordeuropas und beteiligte sich auch umfangreich am Handel mit der Britischen Ostindien-Kompanie und Ostasien. Beteiligungen gab es außerdem an Plantagen in Guatemala und Kamerun, wo jeweils Zwangsarbeiter zur Steigerung der Profite eingesetzt wurden. Ferner war Berenberg an der Gründung von Unternehmen und weiteren Banken beteiligt. Ab dem 19. Jahrhundert konzentrierte sich das Unternehmen schließlich auf Finanzdienstleistungen.
Heute ist Berenberg im Investmentbanking, Brokerage und bei Kapitalmarkttransaktionen aktiv, zusätzlich zum Privatbankgeschäft für wohlhabende Kunden, Vermögensverwaltung und Firmenkundenbanking. Die Bank hat etwa 1.500 Mitarbeiter und große Büros in Hamburg, London, Frankfurt und New York City. Haupteigentümer der heutigen Bank ist die Familie von Berenberg-Gossler.
Geschichte
Anfänge im Waren- und Kolonialhandel
Um das Jahr 1580 flüchteten die protestantischen Niederländer Hans Berenberg (1561–1626) und Paul Berenberg (II) (1566–1645) aus Lier in den Spanischen Niederlanden gemeinsam mit vielen anderen Händlern aufgrund ihres Glaubens nach Norddeutschland. Hans und Paul Berenberg siedelten zunächst in Stade und zogen um das Jahr 1590 weiter nach Hamburg. Die Berenbergs waren seit langer Zeit Leinenhändler, handelten auch mit Leinentuch in Hamburg und weiteten ihre Handelsaktivitäten auf andere Güter – insbesondere Kolonialwaren – aus.<ref name="pohlhistory">Nach Angaben der Pressestelle Berenberg in: Manfred Pohl (Hrsg.): Handbook on the History of European Banks. Edward Elgar, Aldershot 1994, S. 362, digitalisat</ref><ref>Vierteljahrsschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie, Band 9, 1881, digitalisat</ref> Es wird davon ausgegangen, dass Hans und Paul Berenberg keine gemeinsame Handlung führten, da beide in den Aufzeichnungen als selbständige Konteninhaber zu finden sind.<ref name="nürn">Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. 54. 1966, digitalisat</ref> Im Jahr 1631 bezog Paul Berenberg beispielsweise eine Schiffsladung vornehmlich bestehend aus Zucker von einem Händler aus Antwerpen.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Das Handelsnetzwerk der beiden umfasste Händler in den Kolonial- und Imperialreichen, insbesondere in England, Archangelsk, im Baltikum, in Italien, Portugal und Spanien.<ref>Percy Ernst Schramm: Hamburger Kaufleute in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. In: Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. 2. Jahrgang, 1957, S. 307–332, hier S. 309 f.</ref><ref>Zur sachlichen und geografischen Ausweitung der Geschäfte siehe auch Maria Möring: Joh. Berenberg, Gossler & Co, Hamburg. (Als Manuskript gedruckt). Christians, Hamburg 1962.</ref> Handelsware wie Tuche, Zucker oder Zimt wurden dann etwa an Händler in Nürnberg verkauft. Ein Zollbuch von 1636 erwähnt in diesem Zusammenhang auch noch einen Andreas Berenberg, der Ingwer nach Nürnberg exportierte.<ref name="nürn" />Vorlage:Doppeltes Bild
Cornelius Berenberg (1634–1711) leitete ab 1660 eine Handlung und erschloss weitere Geschäftsfelder. Dazu zählten durch Anteile an Fracht- und Fangfahrten die Partenreederei (Teileigentum an Schiffen), der Walfang und die Walverarbeitung sowie Schiffsversicherungen. Zu dieser Zeit finanzierten Händler ihre eigenen Aktivitäten: Sie vergaben Kredite an ihre Kunden und liehen ihren Zulieferern Geld zur Tätigung deren Geschäfte.<ref name="Möring-1962">Maria Möring: Joh. Berenberg, Gossler & Co, Hamburg. (Als Manuskript gedruckt). Christians, Hamburg 1962.</ref><ref name="pohlhistory" />
Die Berenbergs blieben in Hamburg Niederländer, bis Cornelius Berenberg am 20. Juni 1684 den Hamburger Bürgereid schwor.<ref>Deutsches Geschlechterbuch. Band 127, 1961, S. 367.</ref> Die Einbindung in die niederländische Einwanderergemeinde Hamburgs zeigten Hochzeiten,<ref name="Möring-1962" /> insbesondere mit den Amsincks,<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Hermann Kellenbenz: Unternehmerkräfte im Hamburger Portugal- und Spanienhandel. 1590–1625 (= Veröffentlichungen der Wirtschaftsgeschichtlichen Forschungsstelle e. V.; Band 10). Verlag der Hamburgischen Bücherei, Hamburg 1954, S. 184 (Digitalisat); siehe auch Percy Ernst Schramm: Hamburger Kaufleute in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. In: Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. 2. Jahrgang, 1957, S. 307–332, hier S. 309.</ref> ferner fürsorglichen Aktivitäten wie etwa die Übernahme von Ämtern der Niederländischen Armen Casse<ref>So waren Hans Berenberg 1606/07, Paul Berenberg 1666/67, Johannes Berenberg 1717/18 und 1733/34 Jahreverwalter der Niederländischen Armen Casse; siehe Vorlage:HambBio</ref> oder Spenden an diese Einrichtung.<ref name="Möring-1962" /> Nach der Einbürgerung stiegen die Berenbergs auch im Hamburger Bürgertum auf. Im 18. Jahrhundert gehörte ihnen eines der ältesten und weitgespanntesten Handelsimperien Deutschlands: Sie schickten ihre Kinder und Geschwister nach London und in andere europäische Handelszentren, die dort Kontore und Filialen leiteten.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Ein Zweig der Familie gründete in London das im Handel mit den westindischen Kolonien aktive Unternehmen Meyer & Berenberg. Meyer besaß Plantagen in Barbados.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>
Ab 1711 leiteten Johann Berenberg und sein Bruder Rudolf (1680–1745) die Geschäfte. Das Unternehmen firmierte zunächst als Johann und Rudolf Berenberg und, nachdem Rudolf Berenberg 1735 Mitglied des Senats geworden war, als Johann und Herr Rudolf Berenberg.<ref>Vorlage:HambBio</ref>
Mitte der 1730er Jahre belieferten Johann und Rudolf Berenberg die baskische Caracas-Kompanie mit deutschen Leinenstoffen, die das Monopol für den Handel zwischen Spanien und der Kolonie Venezuela besaß. Leinen war in Hamburg günstiger einzukaufen als in Amsterdam.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Leinen war in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts eine Handelsware von enormer Bedeutung für die Spanischen Handelskompanien: An den Westafrikanischen Küsten wurde Leinen gegen Sklaven getauscht.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Rudolfs Söhne, Senator Paul Berenberg (IV) (1716–1768) und vor allem Johann Berenberg (1718–1772), gliederten die Geschäfte in fünf Bereiche: Warenhandel, Assekuranzgeschäfte, Besitz von Schiffsparten, Beteiligung an der Walfettgewinnung in der Grönlandfahrt und den Betrieb einer Wachsbleiche zur Verarbeitung des Walfetts.<ref name="schramm1957_313">Percy Ernst Schramm: Hamburger Kaufleute in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. In: Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. 2. Jahrgang, 1957, S. 307–332, hier S. 313.</ref><ref name="2024db">Vorlage:Internetquelle</ref>
1763 konnte sich das Unternehmen, das durch das politische Umfeld in eine Krise geraten war – Ende des Siebenjährigen Krieges sowie des Französischen und Indischen Krieges (1754–1763) – durch Mittel sanieren, die Hamburg über seine Darlehenskasse als Hilfsinstitution für gesunde, jedoch in Schwierigkeiten steckende Firmen errichtet hatte.<ref>Manfred Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 34.</ref>
Der einzige Sohn Johann Berenbergs, Rudolf Berenberg, reiste 1767 auf Geheiß seines Vaters nach Paramaribo und starb dort wenige Monate später. Geschäftsinteressen Berenbergs in der niederländischen Kolonie Suriname sind anzunehmen, doch ist über seine konkreten geschäftlichen Aktivitäten nichts bekannt.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>
Nach dem Tod seines Bruders, der kinderlos geblieben war, nahm Johann Berenberg 1769 seinen Schwiegersohn und langjährigen Mitarbeiter Johann Hinrich Gossler (1738–1790) in das Unternehmen auf. Die Familie Gossler war mindestens seit dem Ende des 16. Jahrhunderts als Kaffamacher in Hamburg ansässig.<ref>Stammfolge der Familie (Berenberg-)Gossler, in: Bernhard Koerner (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch. Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien. Band 19, C. A. Starke, Görlitz 1911, S. 14–50 (Digitalisat im Internet Archive).</ref> Johann Hinrich Gossler hatte 1768 Elisabeth Berenberg (1749–1822) geheiratet, das letzte Mitglied der Familie Berenberg und einzige Erbin Johann Berenbergs. Das Unternehmen firmierte nun unter Joh. Berenberg & Gossler.<ref>Percy Ernst Schramm: Hamburger Kaufleute in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. In: Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. 2. Jahrgang, 1957, S. 307–332, hier S. 312; Maria Möring: Joh. Berenberg, Gossler & Co, Hamburg. (Als Manuskript gedruckt). Christians, Hamburg 1962; Vorlage:HambBio</ref> Johann Hinrich Gossler entwickelte neben dem Warenhandel die Finanzgeschäfte des Unternehmens weiter, da es damals keine Banken gab. Es wurden kurzfristige Kredite ausgegeben, hinzu kam die Schifffahrt und Versicherungsgeschäfte.<ref>Manfred Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 35.</ref> Bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren Finanzierungsgeschäfte von unwesentlicher Bedeutung.<ref>Manfred Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 29.</ref> Von 1778 bis 1780 beschäftigte Goßler zwei Personen in seinem Kontor und hatte vier bis fünf Dienstboten. Von 1785 bis 1789 waren es drei Personen und ein weiterer Dienstbote. Es stellte damals die Regel dar, dass Kaufmänner wie Gossler ihre Kontore mit „sehr kleinen Betriebsgrößen“ betrieben.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Der Warenhandel bei gleichzeitigen Geldgeschäften wurde später auch Merchant Banking genannt. Zu der Zeit war die Bezeichnung nicht geläufig.<ref name="2024db" /><ref>Percy Ernst Schramm: Hamburger Kaufleute in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. In: Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. 2. Jahrgang, 1957, S. 307–332, hier S. 313; zur Geschichte der Merchant Banks in Hamburg siehe Manfred Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 29–64.</ref>
Im Jahr 1788 wurde Ludwig Erdwin Seyler (1758–1836) Teilhaber des Unternehmens. Er war seit 1775 Mitarbeiter der Firma gewesen und hatte 1788 Anna Henriette Gossler (1771–1836), die älteste Tochter der Firmeninhaber Johann Hinrich Gossler und Elisabeth Berenberg, geheiratet. Nach dem Tod seines Schwiegervaters übernahm Seyler 1790 die Leitung des Unternehmens.<ref>Percy Ernst Schramm, Neun Generationen: Dreihundert Jahre deutscher Kulturgeschichte im Lichte der Schicksale einer Hamburger Bürgerfamilie 1648–1948, Band I, Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht, 1963</ref> Der Firmenname wurde 1790 in „Joh. Berenberg, Goßler & Co.“ geändert, um seinen Eintritt in das Unternehmen widerzuspiegeln; Seyler „ist sozusagen der ‚Co.‘ im Firmennamen“.<ref>Wolfgang Seidel: Die ältesten Familienunternehmen Deutschlands, München 2019, S. 34–41 (Digitalisat).</ref> Seither ist der Firmenname unverändert geblieben. Seyler baute als einer der ersten deutschen Kaufleute Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten und Ostasien auf.<ref>Vorlage:NDB</ref>
In den 1790er Jahren wurden Städte an der amerikanischen Ostküste durch Unternehmen wie das von Berenberg & Gossler zu zentralen Warenumschlagplätzen für den Handel zwischen der Karibik und Europa.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Ab 1790 gehörte Joh. Berenberg, Goßler & Co neben Parish & Co zu den Hauptabnehmern von Waren der Britische Ostindien-Kompanie in Hamburg. Da die britische Kolonialgesellschaft nicht ausreichend Schiffe zur Verfügung stellte, wurde der Handel mit anderen Destinationen im Indischen Ozean und Ostasien ausgeweitet, beispielsweise mit der dänischen Kolonie Tharangambadi oder der französischen Kolonie Île de France (Mauritius), von der Zucker bezogen wurde.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Berenberg, Gossler & Co importierten große Mengen Zucker, Baumwolle und Kaffee aus den USA.<ref name="apetersson">Vorlage:Cite book</ref>
Infolge der Hamburger Spekulationskrise des Jahres 1799 schrieb das Bank- und Handelshaus Joh. Berenberg, Gossler & Co. 90.000 Mark Banko als Verlust ab, den es vor allem durch Wechsel auf London (Goldsmith & Eliason, Louis Sack, Persent & Bodecker und andere) erlitten hatte, hinzu kam ein erheblicher Umsatzrückgang in den Folgejahren.<ref>Margrit Schulte Beerbühl: Auf dem Weg in die Moderne: Spekulation und Finanzkrisen im 18. Jahrhundert. De Gruyter Oldenbourg, Berlin u. a. 2023, S. 384. (Open Access)</ref>
Das Unternehmen beteiligte sich auch in den 1790er Jahren auch am Versicherungsgeschäft.<ref name="schramm1957_313" /> Seylers Schwiegermutter Elisabeth Gossler (geb. Berenberg) wurde 1790 als erste Frau in der Firmengeschichte Teilhaberin. Sie schied 1800 aus.<ref>Vorlage:HambBio</ref> Ihr Sohn Johann Heinrich Gossler (II) (1775–1842) wurde 1798 Teilhaber; bis 1836 bzw. 1842 führten Seyler und sein siebzehn Jahre jüngerer Schwager gemeinsam das Unternehmen.<ref name="Schramm1959">Percy Ernst Schramm: Kaufleute während Besatzung, Krieg und Belagerung (1806–1815); der Hamburger Handel in der Franzosenzeit, dargestellt an Hand von Firmen- und Familienpapieren. In Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie, Jahrg. 4, Heft 1 (Februar 1959), S. 1–22. „II. Teil“. In Jahrg. 4, Heft 2 (April 1959), S. 88–114</ref> Die Gewinnanteile des Handelshauses Berenberg verteilten sich um 1809 zu 5/12 (ca. 41 %) auf Seyler, der nach wie vor der leitende Kopf war, und zu 4/12 auf Johann Heinrich Gossler sowie zu 3/12 auf Franz Friedrich Kruckenberg (der mit Margaretha Katharina Gossler, einer Schwester von Johann Hinrich Gossler, verheiratet war).<ref>Percy Ernst Schramm (1963), Neun Generationen, Bd. 1, S. 249</ref>
Während der Besetzung Hamburgs durch die Franzosen von 1806 bis 1814 gehörte Seyler, damals Senior der Firma, zu den prominenten Hamburger Kaufleuten, die von den Franzosen als Geiseln genommen wurden. Nachdem das Mortzenhaus von den französischen Behörden beschlagnahmt und in ein Militärhospital umgewandelt worden war, wurde der Firmensitz in Seylers Wandrahm-Haus verlegt.<ref name="Schramm1959" /> Die Besetzung und die französische Dominanz in Kontinentaleuropa, insbesondere die von Napoleon Bonaparte verhängte Kontinentalsperre sorgten für eine Unternehmenskrise, die zur Bilanzverkürzung und zu Eigenkapital-Einbußen führte.<ref>Percy Ernst Schramm: Hamburger Kaufleute in der 2. Hälfte Des 18. Jahrhunderts. In: Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. 2. Jahrgang, 1957, S. 307–332, hier S. 316.</ref> Es brauchte allerdings kaum zwei Jahrzehnte, um das verlorene Kapital und die abgerissenen Geschäftsverbindungen wieder aufzubauen.<ref name="schramm1969_112">Percy Ernst Schramm: Kaufleute während Besatzung, Krieg und Belagerung (1806–1815). Der Hamburger Handel in der Franzosenzeit, dargestellt an Hand von Firmen- und Familienpapieren. II. Teil. In: Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. 4. Jahrgang, 1959 S. 88–114, hier S. 112.</ref><ref>Zur Bilanzverkürzung in der Franzosenzeit und der nachfolgenden schrittweisen Erholung siehe auch M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 65.</ref>
Kolonialwarenhandel zwischen Amerika, Hamburg und Russland
Hamburg war ein Zentrum des mitteleuropäischen Kolonialwarenhandels, insbesondere der Zuckerverarbeitung, im 18. und 19. Jahrhundert. Damit profitierten die Händler und die Stadt in ganz erheblichem Ausmaß von einer versklavungsbasierten Plantagenwirtschaft in Übersee.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Vor diesem Hintergrund trugen zur Erholung der Geschäfte die Entwicklung des Handels mit Lateinamerika und die wachsenden Im- und Exportgeschäfte mit Nordamerika bei:<ref name="schramm1969_112" /> 1822 waren die aufständischen spanischen Provinzen in Süd- und Mittelamerika durch die Vereinigten Staaten anerkannt worden. Damit war auch das Handelsmonopol Spaniens mit seinen Kolonien gefallen. In Furcht vor ähnlichen Ereignissen hatte England ebenfalls den unmittelbaren Handel mit seinen Kolonien geöffnet. Berenberg, Goßler & Co. gehörte zu den führenden Hamburger Handelshäusern, die dieses „Neuland“ für sich erschlossen.<ref>Heinrich Reincke: Hamburg. Ein Abriß der Stadtgeschichte. 2. Auflage, Friesen-Verlag, Bremen 1926, S. 215 f.</ref> Hamburg wurde anschließend zu einem Zentrum des sich entfaltenden Kolonialhandels.<ref>Siehe hierzu Gerhard Ahrens: Von der Franzosenzeit bis zur Verabschiedung der neuen Verfassung 1806–1860. In: Werner Jochmann, Hans-Dieter Loose: Hamburg. Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner. Band 1: Von den Anfängen bis zur Reichsgründung, Hoffmann und Campe, Hamburg 1986, S. 415–490, hier S. 444, ISBN 3-455-08709-4.</ref> Astrid Petersson führt aus: „Als Beispiel für ein bedeutendes, u. a. aufgrund seiner umfangreichen Zuckerimporte zu Wohlstand gelangtes Hamburger Handelshaus sei auf die Firma Joh. Berenberg, Goßler & Co. verwiesen. Ihre vielfältigen Zuckerimportgeschäfte in der Zeit nach 1814, insbesondere mit Brasilien, den USA und Ostasien, die teilweise eine Fortsetzung ihrer bereits Ende des 18. Jahrhunderts geplegten Handelsbeziehungen darstellten, dürften wesentlich zum Erwerb ihres Vermögens beigetragen haben. In Verbindung mit ihrer Position als Merchant Bankers erwarb sich jene Firma eine angesehene Stellung über die Grenzen Deutschlands hinaus, die um 1830 nur wenige Handelshäuser aufzuweisen hatten“.<ref name="apetersson" />
Stereoskopie Nr. 0669 von Knackstedt & Näther
Als das Handelshaus anfing in den Vereinigten Staaten Fuß zu fassen, hatte es sich zunächst in Philadelphia etabliert, wo es mit dem „Tycoon des Atlantikhandels“ und Sklavenhalter Stephen Girard zusammenarbeitete. Mit dem Hansisch-Amerikanischen Handelsvertrag von 1827 verschob sich der Schwerpunkt nach Bosten und New York.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Berenberg Gossler beteiligte sich am Handel zwischen den „Westindische Inseln“ (in Havanna wurde etwa Zucker, Kaffee und Baumwolle geladen), Hamburg (hier wurden die Waren aus Amerika gelöscht) und St. Petersburg (dort wurden russische Waren für Amerika geladen).<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref> Johann Heinrich Gossler (III) (1805–1879) heiratete eine junge, wohlhabende Amerikanerin aus Boston, hielt sich mehrmals in den Vereinigten Staaten auf. Er wurde 1829 Teilhaber. Sein jüngerer Bruder Gustav Gossler (1813–1844) assoziierte sich in Boston mit Carl (Charles) Knorre (1804–1848), einem Sohn des Oberalten Georg Knorre, zu Gossler & Knorre (später Gossler & Cie.).<ref>Renate Hauschild-Thiessen: Gossler, Johann Heinrich, in: Hamburgische Biografie, Band 2, Christians, Hamburg 2003, S. 150 f, hier S. 151, ISBN 3-7672-1366-4.</ref> Um die Mitte des 19. Jahrhunderts zählte Joh. Berenberg, Gossler & Co zu den führenden Merchant-Banking-Häusern Hamburgs.<ref>Percy Ernst Schramm: Hamburg, Deutschland und die Welt. Leistung und Grenzen hanseatischen Bürgertums in der Zeit zwischen Napoleon I. und Bismarck. Ein Kapitel deutscher Geschichte. 2., bearbeitete Auflage, Hoffmann & Campe, Hamburg 1952, S. 107 f und S. 423.</ref>
Mit dem Ziel, Kolonisten in Brasilien anzusiedeln, gründete sich 1849 der Colonisations-Verein von 1849 in Hamburg. Das Unternehmen Joh. Berenberg, Gossler & Co wurde kurz darauf Anteilseigner des Vereins.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Im Rahmen der Aktivitäten in Südamerika zählte Berenberg zu den Mitgründern der Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-Gesellschaft.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Das Bank- und Handelshaus gehörte zu den „ersten und hauptsächlichsten direkten Importeure aus Brasilien“, wobei die Einfuhr von Zucker die Hauptrolle spielte.<ref>Vorlage:Literatur</ref> 1872 gehörte Berenberg neben sechs anderen zu den Gründern der Deutsch-Brasilianischen Bank in Hamburg, die jedoch bereits 1875 Insolvenz anmelden musste.<ref>Zur Deutsch-Brasilianischen Bank siehe Carsten Burhop: Die Kreditbanken in der Gründerzeit (= Schriftenreihe des Instituts für Bankhistorische Forschung e. V. Band 21). Steiner, Stuttgart 2004, S. 192–194; Vorlage:Literatur; weitere Gründungsmitglieder waren demnach: Internationale Bank, Norddeutsche Bank, Vereinsbank Hamburg, H. Schröder und Co., L. Behrens & Söhne, Disconto-Gesellschaft.</ref> Die Deutsch-Brasilianischen Bank beteiligte sich an der Vergabe einer Hypothek an die Fazenda Santa Maria, zu der 288 Sklaven gehörten.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Unternehmensgründungen und Investitionen
Als die in den Vereinigten Staaten ausgelöste Weltwirtschaftskrise von 1857 Hamburg erreichte und die Handelsmetropole in erheblichem Ausmaß traf, wurde Johann Berenberg, Goßler & Co. mit einem staatlichen Darlehen von 1,5 Mio. Mark Banco gestützt, das allerdings nicht voll in Anspruch genommen werden musste, weil das Haus sich rasch erholte.<ref>Helmut Böhme: Wirtschaftskrise, Merchant Bankers und Verfassungsreform. Zur Bedeutung der Weltwirtschaftskrise von 1857 in Hamburg (Mit einem Aktenanhang). In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Nr. 54 (1968), S. 77–127, hier S. 101, samt Fußnote 80. Der Vertrag vom 14. Dezember 1857 zwischen der Stadt und dem Bankhaus ist dort abgedruckt auf S. 118–120.</ref><ref>Zur Weltwirtschaftskrise von 1857 und, ihrer Wirkung auf Hamburg und zu ihrer Überwindung dort siehe kurz Gerhard Ahrens: Von der Franzosenzeit bis zur Verabschiedung der neuen Verfassung 1806–1860. In: Werner Jochmann, Hans-Dieter Loose: Hamburg. Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner. Band 1: Von den Anfängen bis zur Reichsgründung, Hoffmann und Campe, Hamburg 1986, S. 415–490, hier S. 482 f., ISBN 3-455-08709-4.</ref> Unter Johann Heinrich Gossler (III) und seinem Sohn Johann (John) B. Gossler (1839–1913) konzentrierte sich das Unternehmen nach eigenen Angaben ab dem Ende der 1860er-Jahre vor allem auf Bankgeschäfte.<ref>Nach Angaben der Pressestelle Berenberg in: Manfred Pohl (Hrsg.): Handbook on the History of European Banks. Edward Elgar, Aldershot 1994, S. 363.</ref> Zugleich wirkte es an einer Vielzahl von Unternehmensgründungen mit, vor allem von Aktiengesellschaften. Dazu gehörten die Hapag (1847), der Norddeutsche Lloyd (1857), die Ilseder Hütte (1858), die Norddeutsche Versicherungs-AG (1857), die Vereinsbank Hamburg (1856) und die Internationale Bank (1870).<ref>Die Internationale Bank wurde 1879 liquidiert, siehe M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 85.</ref> Im Ausland zählte sie zu den Gründungsaktionären der Bergens Privatbank (1855), der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) (1865), der St. Petersburger Internationalen Handelsbank (1869; größte Privatbank Russlands im 19. Jahrhundert),<ref>Zur Gründung siehe die von Alexander II. genehmigte Gründungsurkunde der Bank vom 28. Mai (9. Juni) 1869: Высочайше утвержденный устав С.-Петербургского международного коммерческого банка. In: Полное собрание законов Российской империи, собрание второе. Band 44, erster Teil: 1869. Druckerei der 2. Zweigstelle der eigenen Kanzlei Seiner Kaiserlichen Majestät, St. Petersburg 1873, S. 524–533 Nr. 47141, hier S. 524 mit Nennung der Berenberg Bank (online). Zur Bank siehe Sergej Konstantinowitsch Lebedew: С.-Петербургский Международный коммерческий банк во второй половине XIX века: европейские и русские связи. Sankt Petersburg 2003, und den Eintrag St. Petersburg International Commercial Bank in der Encyclopaedia of St. Petersburg (archiviert in archive today, Abruf am 16. Dezember 2022).</ref> der Den Danske Landmandsbank (1871), der Svenska Handelsbanken (1871), der Rigaer Commerzbank (1871)<ref name="Mitgründungen">Zu den Mitgründungen siehe C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 128, S. 141, S. 152–155, S. 236 und S. 260; Zur Liquidation der Deutsch-Brasilianischen Bank nach 14 Monaten siehe M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 95.</ref> sowie der Amerika-Bank Aktiengesellschaft (1906).<ref>Manfred Pohl: Konzentration im deutschen Bankwesen (1848–1980), Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1982, S. 187 f., ISBN 3-7819-0269-2. Diese Bank ging 1909 an die Bank für Handel und Industrie (ebenda).</ref> Nach 1880 zählte das Unternehmen zu jenen Hamburger Banken, die gemeinsam ausländische Anleihen platzierten, beispielsweise chinesische oder südamerikanische Bahn-Anleihen.<ref>M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 71.</ref>
1878 kaufte Joh. Berenberg, Goßler & Co Anteile an der Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Inseln zu Hamburg (DHPG). Die Gesellschaft kaufte Land, Plantagen, Produktionsstätten und Schiffe von Godeffroy & Sohn<ref>Vorlage:Literatur</ref> und baute unter dem Einsatz von Zwangsarbeitern Kokospalmen, Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle an (siehe auch: Geschichte von Deutsch-Samoa).<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Nach dem Tod von Johann Heinrich Gossler (III) im Jahr 1879 führten Johann (John) Berenberg-Gossler<ref>Der Hamburger Senat erlaubte ihm 1880 seinen zweiten Vornamen („Berenberg“) in den Familiennamen aufzunehmen, siehe Vorlage:HambBio</ref> und Ernst Gossler (1838–1893) die Geschäfte.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 168.</ref> Im Streit um den Zollanschluss Hamburgs befürworteten beide die Zolleinheit mit dem Deutschen Reich, waren innerhalb der Stadt dabei jedoch lange in einer Minderheitenposition. In Würdigung seiner Verdienste um den 1888 schließlich vollzogenen Zollanschluss wurde Johann Berenberg-Gossler 1889 in den preußischen Adelsstand erhoben und hieß nun von Berenberg-Gossler. Johann (John) Berenberg-Gossler zählte zu den Finanziers des 1906 enthüllten Hamburger Bismarck-Denkmals.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> 1910 erhielt er den Adelstitel eines Freiherren.<ref name="ReferenceA">Vorlage:HambBio</ref> Die Adelung war in Hamburg umstritten.<ref>Renate Hauschild-Thiessen: „Adel und Bürgertum in Hamburg.“ In: Hamburgisches Geschlechterbuch. 14, 1997, S. 30.</ref> Richard J. Evans bemerkt: „Die Reichen des 19. Jahrhunderts in Hamburg waren größtenteils strenge Republikaner, die Titel verabscheuten, sich weigerten, dem preußischen Adel irgendwelche Ehrerbietung zu erweisen, und standhaft ihrer städtischen Herkunft und ihrem kaufmännischen Erbe treu blieben.“<ref>Richard J. Evans, Death in Hamburg: Society and Politics in the Cholera Years 1830–1910, Oxford, 1987, S. 560</ref>
Plantagenerwerb in Guatemala
1891 gründete Johann Berenberg-Gossler als Vertreter der Bank die Kolonialgesellschaft Chocolá-Plantagen-Gesellschaft in Hamburg. Zweck dieser Gesellschaft war der Erwerb und Betrieb von Plantagen in Guatemala, insbesondere von Kaffee- und Zuckerrohrplantagen, ferner von Weideland. Die Gesellschaft gab 2600 Aktien zu 1000 Mark und Anleihen heraus.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Mit diesem Kapital übernahm sie zunächst die Plantage Chocolá in Suchitepéquez, Guatemala. Auf dem Latifundium lebten und arbeiteten mozos colonos, Landarbeiter der zu den Maya gehörenden Ethnie der Q’eqchi’. Diese wurden infolge liberaler Reformen ihrer gemeinschaftlich genutzten Landflächen enteignet und durch den oligarchisch geprägten Staat Guatemalas gesetzlich zum mandamiento verpflichtet. Die im Hochland lebenden Gemeinschaften der Q’eqchi’ mussten Männer und Frauen zur Arbeit auf die Plantagen schicken. (Siehe auch Geschichte Guatemalas des 19. Jahrhunderts.) Diese Art der Bewirtschaftung führte zu großen Profiten. Die Deutschen erweiterten Chocolá deutlich und machten sie zu einer der wichtigsten Plantagen Guatemalas. Zu Hochzeiten der Gesellschaft um 1900 wuchsen auf ca. 935 Quadratkilometer der Chocolá Plantage 560.000 Kaffeepflanzen.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref name="JHKaplan">Vorlage:Literatur</ref> Als es 1897 aufgrund des verfallenden Kaffeepreises zu Unruhen kam, gehörte Berenberg mit 50 anderen Gläubigern zu den Unterzeichnern einer Petition, in der sie im Rahmen deutscher Kanonenbootpolitik forderten, ein Kriegsschiff zu entsenden. Mit dem Eintreffen des Kreuzers Geier im Jahr 1899 vor Ort wurden die Hamburger Forderungen erfüllt.<ref>Detlef Krause: Die Commerz- und Disconto-Bank 1870–1920/23. Bankgeschichte als Systemgeschichte. Steiner, Stuttgart 2004, S. 225; Katharina Trümper: Kaffee und Kaufleute. Guatemala und der Hamburger Handel 1871–1914 (= Hamburger Ibero–Amerika Studien. Band 7). LIT Verlag, Hamburg 1996, S. 72–75.</ref> Am 14. Dezember 1923 wurde der Besitz der Central American Plantation Corporation (CAPCO) überschrieben. Teil der Transaktion waren die Gebäude, die natürlichen Ressourcen und sogar die Schulden der Arbeiter. Die Maya auf den Plantagen wurden als Teil der Ländereien angesehen und mit diesen verkauft.<ref name="JHKaplan" />
Afrikahandel
Da die koloniale Expansion des Deutschen Reiches 1884 Gewinne versprach, investierte Ernst Gossler 150.000 Mark in die Africanische Dampfschiffs-Actien-Gesellschaft (Woermann-Linie), die zu den bedeutendsten Reedereien in der Afrikafahrt zählte. Johann Berenberg-Gossler wurde ferner zur Gründung am 5. Juni 1885 zum Aufsichtsrat der Woermann-Linie bestellt. 1895 schied Berenberg-Gossler wieder aus dem Aufsichtsrat aus.<ref name="weltaneignung">Vorlage:Literatur</ref> Berenberg-Gossler und Carl Woermann gehörten zu einem Netzwerk von Kaufleuten, die schon 1871 gemeinsam die Hamburg Süd gegründet hatten.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Ebenfalls als Investor war Berenberg-Gossler an der Gründung der Kamerun Land- und Plantagengesellschaft (KLPG) einem Projekt von Adolph Woermann beteiligt.<ref name="weltaneignung" /> Die KLPG war 12.350 ha groß, eingeschlossen der Dorfgebiete.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> 1884 wurde Kamerun eine Kolonie des Deutschen Reichs. Das Plantagenunternehmen in Kamerun war kapitalintensiv – der geschäftliche Erfolg war „maßgeblich von außerökonomischem Zwang und ausgeübter oder angedrohter physischer Gewalt gegenüber den (zwangs-)beschäftigten Afrikaner*innen abhängig“. Es erfolgte der massive Einsatz von Zwangsarbeitern, die durch die Kolonialregierung durch als solche bezeichnete „Strafexpeditionen“ rekrutiert wurden. Auf den Plantagen waren diese dann dem Leid „nicht nur durch Überwachung, Gängelung und brutale körperliche Bestrafung durch die Vorgesetzten, sondern auch durch Unterversorgung und Krankheiten aufgrund von unzureichenden hygienischen Einrichtungen, die zu teilweise drastischen Sterblichkeitsraten führten“ unterworfen. Die KLPG ist als „Keimzelle der kolonialen Plantagenökonomie in Kamerun“ anzusehen. 1895 begann dann unter Jesko von Puttkamer die „Inwertsetzung“ der Kolonie: Bis 1900 wurde das gesamte fruchtbare Land des Kamerunbergs an Plantagengesellschaften vergeben und die dort lebenden Bakweri vertrieben.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Adolph Woermann war maßgeblich an der Errichtung der deutschen Kolonien in Afrika und dem Völkermord an den Herero und Nama beteiligt.
John von Berenberg-Gossler, der älteste Sohn von Johann von Berenberg-Gossler, verzichtete 1908 auf seine Teilhaberschaft am Unternehmen, die seit Anfang 1892 bestanden hatte. Er wandte sich gegen den Willen seines Vaters der Stadtpolitik zu und wurde Senator, was eine gleichzeitige Tätigkeit im Unternehmen ausschloss.<ref name="ReferenceA" /> Stattdessen übernahm 1913 sein Bruder Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler (1874–1953) die Leitung des Unternehmens.<ref name="ReferenceA" /> Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler zählte zu den vier Führungspersonen der im Jahr zuvor gegründeten Hamburgisch-Konservativen Vereinigung.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Erster Weltkrieg und Republik
Die Bankiersfamilie Berenberg-Gossler, insbesondere Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler, gehörte zu den Unterstützern des Deutschen Wehrvereines, der sich ab 1912 für eine Aufrüstung Deutschlands, für Nationalstolz und Vaterlandsliebe und gegen den „Traum des Weltfriedens und der internationalen Verbrüderung“ aussprach.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Die Aktivitäten des Unternehmens litten im Ersten Weltkrieg erheblich; internationale Geschäfte ließen sich fast nur noch mit neutralen Staaten abwickeln. Handelspartner dafür fanden sich in Kopenhagen, Amsterdam, São Paulo, Buenos Aires und New York. Mit Ausnahme Argentiniens fiel der Zugang zu Märkten in Südamerika ab 1917 weg, ebenso konnte kein Handel mehr mit den Vereinigten Staaten nach deren Kriegseintritt Anfang 1917 betrieben werden.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 189–193; M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 113.</ref>
Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler schloss sich 1918 der DVP an.<ref>Michael Werner: Stiftungsstadt und Bürgertum: Hamburgs Stiftungskultur vom Kaiserreich bis in den Nationalsozialimus. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 449, Fußnote 866, ISBN 978-3-486-71388-6.</ref> Die Geschäfte seiner Bank blieben bis zur Einführung der Rentenmark im November 1923 schwierig, weil erste Erfolge<ref>Hierzu M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 135.</ref> im Schatten der zunehmenden Inflation standen. Der mit ihr im Bankgeschäft verbundene hohe Arbeitsaufwand durch „Nullenschreiben“, Prüfen und Zählen des Notgeldes, Publikumsandrang im Schaltergeschäft und Abwicklung des Giroverkehrs ließ die Zahl der Angestellten, die vor dem Krieg zwischen 20 und 30 gelegen hatte und nach 1918 langsam anstieg, kurzfristig auf rund 400 steigen.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 200–202.</ref>
Nachdem die Jahre der relativen Stabilisierung der Weimarer Republik (1924–1929) für Berenberg positiv verlaufen waren<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 207 f.</ref> – das Geschäft bestand vor allem aus kurzfristigen Finanzierungsgeschäften von Ein- und Ausfuhren sowie aus regem Devisenhandel<ref>M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 142.</ref> – leiteten die Weltwirtschaftskrise und die deutsche Bankenkrise gravierende Veränderungen ein. Zunächst gab das Unternehmen 1929 seinen ohnehin nur noch nachrangigen Warenhandel gänzlich auf. Der Warenspeicher kam in andere Hände. Doch auch das Bankgeschäft litt unter den immer häufiger werdenden Insolvenzen. Die Bank entließ eine Reihe von Angestellten und Cornelius von Berenberg-Gossler sah sich nach einem Kooperationspartner um, mit dem die wirtschaftlichen Probleme zu bewältigen waren. Verhandlungen mit der Bremer Privatbank J. F. Schröder und der Vereinsbank in Hamburg scheiterten. Im November 1929 nahm Berenberg-Gossler daher Gespräche mit Jakob Goldschmidt, dem Inhaber der Darmstädter und Nationalbank (Danat-Bank) auf, einer der größten Banken der Weimarer Republik. Im Ergebnis gingen die beiden Banken zum 1. April 1930 ein „enges Freundschaftsabkommen“ ein: Berenberg-Gossler trat in den Hamburger Lokalausschuss der Danat ein, während ein Direktor der Hamburger Danat-Filiale Mitinhaber von Joh. Berenberg, Gossler & Co. wurde.<ref>Renate Hauschild-Thiessen: Die Weltwirtschaftskrise von 1929 im Spiegel der Tagebücher des Bankiers Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler, in: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter, Bd. 14 (1998–2003), S. 80–92, hier: S. 83–85. Digitalisat. Zitat „enges Freundschaftsabkommen“ dort S. 100; M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 146.</ref><ref>Siehe hierzu auch Personalunion Danatbank – Joh. Berenberg, Gossler & Co. In: Hamburgische Börsen-Halle. Beilage des Hamburgischen Korrespondenten, 20. Februar 1930, Morgenausgabe.</ref> Bald zeigte sich jedoch, dass es im weiteren Verlauf der Wirtschaftskrise nicht genügend Nachfrage für zwei Kreditinstitute in unmittelbarer räumlicher Nähe gab und der ungleich größere Partner Danat klar im Vorteil war. So kam es am 1. April 1931 zu einem neuen Vertrag, der die Geschäfte von Joh. Berenberg, Gossler & Co. auf die Danat-Bank überleitete. Das Kontor der Bank am Adolphsplatz wurde geschlossen und das Haus verkauft, die Angestellten mussten gehen und erhielten Abfindungen, soweit sie nicht von der Danat übernommen wurden oder andere Stellungen fanden. Berenberg-Gossler selbst blieb Vorsitzender des Lokalausschusses der Danat.<ref>Renate Hauschild-Thiessen: Die Weltwirtschaftskrise von 1929 im Spiegel der Tagebücher des Bankiers Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler, S. 85–86. M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 146.</ref>
Doch am 13. Juli 1931 musste die Danat-Bank wegen Zahlungsunfähigkeit ihre Schalter schließen. Zum Jahresende 1931 wurde ihr Hamburger Lokalausschuss aufgelöst, Anfang 1932 ging sie in der Dresdner Bank auf. Bei dieser Fusion blieb der Umgang mit der Firma, also dem Unternehmensnamen Joh. Berenberg, Gossler & Co. zunächst offen. Ende Juni 1932 erhielt Berenberg-Gossler nach Verhandlungen mit der Dresdner Bank die volle Verfügungsgewalt über den Namen zurück, wozu gemäß der Historikerin Renate Hauschild-Thiessen wohl auch beitrug, dass sein Bruder John seit 1912 dem Aufsichtsrat der Dresdner Bank angehörte. Bedingung war, dass die Dresdner Bank eine Option auf eine Beteiligung bis 1937 behielt (die sie nicht zog), eine Bedingung, die dem Firmeninhaber eher hilfreich als drückend erschien. Cornelius von Berenberg-Gossler zog sich aus der Stadt ganz auf seinen Besitz in Niendorf zurück und beschränkte die Aktivitäten der Firma zunächst auf die Verwaltung des Berenbergschen Vermögens, das in der Hauptsache aus Aktien der Ilseder Hütte bestand. Dafür mietete er ein kleines Kontor.<ref>Renate Hauschild-Thiessen: Die Weltwirtschaftskrise von 1929 im Spiegel der Tagebücher des Bankiers Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler, S. 90–92; M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 146 und S. 150.</ref> Einen Sitz im Aufsichtsrat der Hütte hatte er in vierter Generation inne und war „maßgeblich“ am Erwerb der Zeche Friedrich der Große in Herne beteiligt.<ref name="Plett" />
Zeit des Nationalsozialismus
Nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 trat Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler „aus seiner konservativen Gesinnung heraus“<ref>Michael Werner: Stiftungsstadt und Bürgertum: Hamburgs Stiftungskultur vom Kaiserreich bis in den Nationalsozialimus. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 284, ISBN 978-3-486-71388-6.</ref> bzw. als „gestandener Deutschnationaler“ zusammen mit seinen Brüdern John und Andreas der NSDAP bei.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Paul Windolf, Christian Marx: Die braune Wirtschaftselite. Unternehmer und Manager in der NSDAP. Campus, Frankfurt/New York 2022, S. 24, 99.</ref>
Als Großbürger hielt Cornelius von Berenberg den Nationalsozialismus für eine „Bewegung der kleinen Leute“. Die Nationalsozialisten an der Regierung sah er zwar als ein „gefährliches Risiko“ an, weitaus größere Sorgen bereitete ihm jedoch der internationale Kommunismus.<ref>Joachim Szodrzynski: Großbürgerlicher Eigensinn und Zivilcourage. Cornelius Freiherr v. Berenberg-Goßler, in: Frank Bajohr, Beate Meyer, Joachim Szodrzynski (Hrsg.): Bedrohung, Hoffnung, Skepsis. Vier Tagebücher des Jahres 1933, Wallstein, Göttingen 2013, S. 271–288, hier S. 277, ISBN 978-3-8353-1365-1.</ref> In seinem Tagebuch ist verzeichnet, dass er den Filialdirektor der Dresdner Bank in Hamburg, Paul Salomon,<ref>Zu Paul Salomon siehe die Kurzbiografie auf der Website www.stolpersteine-hamburg.de (Abruf am 30. Oktober 2015).</ref> fragte, was er davon halte; dieser habe ihm versichert, dass sich keiner der jüdischen Freunde verletzt fühlen werde, und ihn dazu ermuntert, „weil in die Partei Leute gehen müssten, die nicht antisemitisch seien“.<ref>Tagebuch von Cornelius von Berenberg-Gossler, Eintrag vom 11. März 1933, zitiert nach Martin Zähringer: Die organisierte Judenverfolgung war absehbar (Besprechung Frank Bajohr, Beate Meyer und Joachim Szodrzynski (Hrsg.): „Bedrohung, Hoffnung, Skepsis“), Deutschlandradio Kultur, Beitrag vom 29. Dezember 2013 (Abruf am 20. April 2016).</ref> Da sich das Vorhaben, dem Antisemitismus innerparteilich entgegenzuwirken, als Illusion erwies, kündigte Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler am 11. August 1934 seine NSDAP-Mitgliedschaft wieder und trat aus der Partei aus.<ref>Renate Hauschild-Thiessen: Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler und das Dritte Reich, in: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter, Band 12 (1988), Heft 1, S. 14–32, hier S. 17–21, dort auch die Zeitangaben zur Mitgliedschaft in der NSDAP.</ref> In seiner schriftlichen Begründung führte er dafür die Kirchenfeindschaft des Regimes, den Antisemitismus, die Unterdrückung abweichender Meinungen sowie die mangelnde Gewähr für eine bessere Zukunft an.<ref>Jens Grossmann-Hensel: Die Burg des Bankiers Berenberg. In: Svante Domizlaff: Menschen und ihre Häuser vor dem Dammtor. Eine Adresse in Hamburg (Fotos: Michael Pasdzior), Edition Maritim, Hamburg 2001, S. 77–89, hier S. 88 f., ISBN 3-89225-442-7.</ref> Unter den Unternehmern Hamburgs zählte er zu den überzeugten Gegnern des Nationalsozialismus.<ref>Frank Bajohr: „Arisierung“ in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933–1945, Christians, 2. Auflage, Hamburg 1998, S. 273.</ref><ref>Zu seinem Agieren insgesamt R. Hauschild-Thiessen: Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler und das Dritte Reich, in: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter, Band 12 (1988), Heft 1, S. 14–32.</ref>
Aufgrund der Einschränkungen im internationalen Handel konzentrierte sich das Unternehmen nach eigenen Angaben, das in der Zeit des Nationalsozialismus als Holding geführt wurde,<ref>Rudolf Herlt: Berenberg: Im 400 Jahr offen für das Neue, Die Welt vom 11. Juli 1989; Manfred Pohl, Sabine Freitag (Hrsg.): Handbook on the History of European Banks, S. 364</ref> auf Effektentransaktionen und Platzierungsgeschäfte.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 222 f.</ref> Es beteiligte sich 1937 beziehungsweise 1938 an der Wilhelm Rée (Effektenhandel)<ref>Zu dieser Beteiligung siehe Ingo Köhler: Die „Arisierung“ der Privatbanken im Dritten Reich. Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung, Beck, München 2005, S. 328, ISBN 3-406-53200-4.</ref> und an Erich Sültz (Privatbankier mit Schwerpunkt Effektenhandel).<ref>Zu Erich Sültz siehe die entsprechenden Informationen im Hamburger Abendblatt vom 26. April 1960 (Abruf am 1. November 2015).</ref> Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler setzte sich aufgrund seines hohen Ansehens und seiner Herkunft für seine Freunde unter den jüdischen Kaufleuten und Bankiers in Hamburg ein. Beispielsweise erreichte er 1939 in direkten Verhandlungen mit Karl Wolff, dem Adjutanten Himmlers, die Freilassung von Fritz Warburg, der seit dem Novemberpogrom 1938 in Gestapo-Haft gewesen war.<ref>Die Freilassung Warburgs erfolgte im Mai 1939. Siehe Frank Bajohr: „Arisierung“ in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933–1945, Christians, 2. Auflage, Hamburg 1998, S. 81 und S. 256, ISBN 3-7672-1302-8; Ingo Köhler: Die „Arisierung“ der Privatbanken im Dritten Reich. Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung, Beck, München 2005, S. 336, ISBN 3-406-53200-4.</ref> Richard Kauffmann, dem Inhaber der Rée, half er bei dessen Emigration nach London.<ref>R. Hauschild-Thiessen: Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler und das Dritte Reich, in: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter, Band 12 (1988), Heft 1, S. 14–32, hier: S. 22; M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 159; Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 2. Deutsches Reich 1938–August 1939. Bearb. von Susanne Heim. Oldenbourg, München 2009, S. 340, Fußnote 7, ISBN 978-3-486-58523-0.</ref>
In der Berenberg-Beteiligung Ilseder Hütte wurden in beiden Weltkriegen Zwangsarbeiter zum Erzabbau und in der Stahlerzeugung eingesetzt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Anfang 1944 waren es insgesamt etwa 2.288 Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Berenberg gehörte später zu den Unternehmen, die Geld zur Entschädigung von Zwangsarbeitern in die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ einzahlten.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Heinrich Freiherr von Berenberg-Gossler (1909–1997), Sohn von Cornelius, wurde 1935 Teilhaber.<ref>Joachim Szodrzynski: Großbürgerlicher Eigensinn und Zivilcourage. Cornelius Freiherr v. Berenberg-Goßler, in: Frank Bajohr, Beate Meyer, Joachim Szodrzynski (Hrsg.): Bedrohung, Hoffnung, Skepsis. Vier Tagebücher des Jahres 1933, Wallstein, Göttingen 2013, S. 271–288, hier S. 281 f., Anm. 37, ISBN 978-3-8353-1365-1.</ref><ref name="Personalien">Personalien: In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Mai 1997.</ref> Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beteiligte er sich an Aktivitäten, mit dem Zweck über die Deutsch-Südamerikanische Bank die britische Seeblockade zu umgehen. Geplante Tarngeschäfte über Italien kamen kaum über das Planungsstadium hinaus. Heinrich von Berenberg-Gossler war V-Mann des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS und lieferte einen „Erfahrungsbericht über Italien“<ref>Vorlage:Literatur</ref> an den SD-Leitabschnitt Hamburg, welcher ihn an das Reichssicherheitshauptamt weiterleitete. In dem Schreiben wird Berenberg-Gossler als Mitarbeiter der Deutsch-Südamerikanische Bank bezeichnet.<ref>Johannes Bähr: Die Dresdner Bank in der Wirtschaft des Dritten Reichs (= Klaus-Dietmar Henke: Die Dresdner Bank im Dritten Reich, Bd. 1). Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57759-4, S. 291 mit Anm. 164.</ref>
Nachkriegszeit und Entwicklungen bis 1990
In der unmittelbaren Nachkriegszeit bestand das Unternehmen Joh. Berenberg, Gossler & Co. nur noch als Holding-Gesellschaft, die im Wesentlichen Aktien der Ilseder Hütte enthielt. Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler war stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates dieser Hütte. Im Mai 1945 und in den folgenden Wochen wurde er „erheblich gefordert, denn der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Ewald Hecker musste wegen seiner Verstrickungen mit der NSDAP bzw. der SS aus seiner Funktion entfernt werden“. 1949 wurde von Berenberg-Gossler Aufsichtsratsvorsitzender. Heinrich von Berenberg-Gossler wurde im November 1945 Prokurist bei der Ilseder Hütte.<ref name="Plett">Vorlage:Literatur</ref>
Am 30. August 1948, drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und wenige Wochen nach der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen, öffnete das Bankhaus wieder. Die Familie Berenberg-Gossler hielt 40 Prozent des Kapitals, weitere 40 Prozent lagen bei der Norddeutschen Kreditbank AG (NKB), die restlichen 20 Prozent hielt August Rohdewald, Chef dieser Bremer Bank. Joh. Berenberg, Gossler & Co mit Sitz am Alten Wall 32 konzentrierte sich im ersten Nachkriegsjahrzehnt auf Akzeptgeschäfte, Kontokorrentkredite und die Finanzierung des internationalen Handels. Sie zählte eine Reihe großindustrieller Unternehmen zu ihren Kunden. Heinrich von Berenberg-Gossler wurde ab 1953 Leiter der Bank.<ref name="Plett" /> Zum 1956 errichteten Verwaltungsrat der Bank gehörten unter anderem Clemens von Velsen, Karl Blessing, Ernst Wolf Mommsen und Dieter von Specht.<ref>M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 201. Dieter von Specht war Deutschlandchef von British American Tobacco, Cornelius Freiherr von Berenberg-Gossler war sein Großvater, siehe „Mein Großvater war ein mutiger Mann“, Interview auf der Website des Norddeutschen Rundfunks, 15. Januar 2015 (Abruf am 9. November 2015).</ref>
Ein großer Teil der alten Kunden war bis Ende der 1950er Jahre/Anfang der 1960er Jahre zu Berenberg zurückgekehrt, auch tradierte Auslandskontakte konnten reaktiviert werden.<ref name="Möring-1962" /><ref>M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 200.</ref> Mitte der 1960er-Jahre beschäftigte das Bankhaus etwa 100 Mitarbeiter.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 251.</ref> 1967 beteiligten sich die Philadelphia National Bank<ref>Durch Zusammenschlüsse in Wells Fargo aufgegangen.</ref> und die Bank of Montreal mit je 10 Prozent an Berenberg. Diese Beteiligungen stärkten das Auslandskreditgeschäft, das neben dem Wertpapierhandel und der Vermögensverwaltung zu den Hauptaktivitäten der Bank zählte.<ref>M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 204 f; Manfred Pohl, Sabine Freitag (Hrsg.): Handbook on the History of European Banks, S. 364.</ref> Berenberg wirkte 1967 an 40 und 1968 an 112 Emissionen im In- und Ausland mit, teils in Konsortien, teils in internationalen Verkaufsgruppen. 1968 gehörte Berenberg zu den Gründern der Frankfurter Universal-Investment Gesellschaft.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 256. M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 206.</ref><ref>Website der Universal-Investment Gesellschaft (Abruf am 28. Oktober 2015).</ref> Im Jahr darauf eröffnete die Bank eine Filiale in Frankfurt am Main.<ref>M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 206.</ref>
Im Jahr 1970 zog das Privatbankhaus an den Neuen Jungfernstieg 20. Es belegte fünf der zehn Stockwerke eines neuen, von Jost Schramm und Gerd Pempelfort entworfenen Bürohauses, das die Nordstern-Versicherung errichtet hatte.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 257. Zum Gebäude siehe Am Neuen Jungfernstieg, Hamburger Abendblatt vom 21. Juli 1970 (Abruf am 1. November 2015).</ref> Anfang der 1970er-Jahre änderten sich die Besitzverhältnisse: Die NKB, mittlerweile mit der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt verschmolzen, benötigte aufgrund finanzieller Schwierigkeiten Hilfe und wurde von der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) gestützt. Der NKB-Anteil an Berenberg, der sich damals auf 50 Prozent belief, ging zu acht Zehnteln an die Nord/LB, je ein Zehntel ging an die Philadelphia National Bank und die Bank of Montreal, deren Beteiligungen damit auf jeweils 15 Prozent stiegen.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 259; M. Pohl: Hamburger Bankengeschichte, S. 211.</ref> 1980 überschritt die Zahl der Bankmitarbeiter erstmals die 200. Anfang 1982 erwarb Gertrud Reemtsma, Witwe des Hamburger Tabakunternehmers Philipp Fürchtegott Reemtsma und Mutter von Jan Philipp Reemtsma, die Anteile, die bis dahin von der Bank of Montreal gehalten worden waren.<ref>Neuer Kommanditist, Die Welt vom 6. Januar 1982; Gertrud Reemtsma an Berenberg beteiligt, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Januar 1982; Gertrud Reemtsma erwarb 15 Prozent, Handelsblatt vom 7. Januar 1982; Erfreuliches Jahr für Berenberg-Bank, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. April 1982.</ref> Im Mai 1987 verkaufte die Nord/LB 15 Prozent der Berenberg-Anteile rückwirkend zum 1. Januar 1987 an Joachim Egon Fürst zu Fürstenberg.<ref>Ein Fürst stieg bei der Berenberg-Bank ein, Handelsblatt vom 22. Mai 1987; Fürstenberg-Beteiligung an Berenberg Bank, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. Mai 1987.</ref> Ende Juni 1988 stieg die ARAG als Kommanditist bei Berenberg ein. Ihr Anteil belief sich auf 10 Prozent, die von der Nord/LB stammten. Die Nord/LB hielt damit 15 Prozent,<ref>ARAG bei Berenberg Kommanditist, Hamburger Abendblatt vom 26. September 1988; ARAG übernahm Anteil am Bankhaus Berenberg, Handelsblatt vom 27. September 1988.</ref> bis sie den ARAG-Anteil nach wenigen Jahren wieder zurücknahm.<ref>Berenberg – Tradition statt Experiment, Die Welt vom 31. März 1992; Ein fabelhaft solides Geschäft, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. März 1992.</ref>
Eine wichtige Säule des Bankgeschäfts blieb in den 1980er-Jahren die Finanzierung und Abwicklung von Außenhandelstransaktionen. Die Kreditpolitik blieb vorsichtig: 80 bis 90 Prozent aller Kredite waren innerhalb von 90 Tagen zurückzuzahlen.<ref>Hierzu Kapital wurde aufgestockt, Handelsblatt vom 11. Januar 1983; Das 392. Jahr war sehr gut, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. April 1983; Privatbank hat glänzend verdient, Süddeutsche Zeitung vom 26. März 1987; Berenberg Bank stärkt ihren Privatkunden-Service, Hamburger Abendblatt vom 15. April 1988.</ref>
Seit der deutschen Wiedervereinigung
Im Juli 1990 trat Hendrik Riehmer bei Berenberg ein.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 275.</ref> Bis zu seinem Tode im Mai 1997 war Heinrich Freiherr von Berenberg-Gossler Vorstandsvorsitzender der Bank. Sein Nachfolger als Generalbevollmächtigter wurde Hans-Walter Peters, der 1994<ref>Zu Peters Werdegang siehe die entsprechenden Angaben des Bundesverbands deutscher Banken (Abruf am 1. November 2015).</ref> im Bankhaus als Direktor begann. Er galt damals ebenfalls als Experte für das Wertpapiergeschäft und brachte Kunden aus der Versicherungsbranche mit. Die Arbeit für diese institutionellen Anleger markierte für Berenberg den Einstieg in das großvolumige Wertpapiergeschäft. Von Bedeutung war dabei die Vermögensverwaltung mit ihren für den Arbeitskreis Versicherungen aufgelegten Spezialfonds. Peters, der im Jahr 2000 zum persönlich haftenden Gesellschafter der Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG aufstieg, hatte diesen Kreis Ende der 1980er-Jahre initiiert und leitet ihn seither.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 279–282.</ref> Der Umfang des Wertpapiergeschäfts, der Vermögensberatung und -verwaltung, des Geschäfts mit institutionellen Anlegern, des Managements von Spezialfonds und des Privatkundengeschäfts nahmen seit Mitte der 1990er-Jahre deutlich zu. Diese Entwicklung spiegelte sich im personellen Wachstum: Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seit 2000 mehr als verdreifacht. Zum Jahresende 2000 waren 358 Mitarbeiter beschäftigt, zum 31. Dezember 2014 arbeiteten 1150 Mitarbeiter bei Berenberg.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 286 f, S. 291; Geschäftsbericht 2014 (Abruf am 2. November 2015), S. 44.</ref>
Das Netz der Niederlassungen wurde ebenfalls erweitert. Zu der seit 1969 bestehenden Frankfurter Filiale kamen Standorte in Berlin (1998–2002), Bremen (1999), Düsseldorf (2003), München (2005), Bielefeld (2005), Stuttgart (2006), Wiesbaden (2006–2012), Salzburg (2009–2012) und Braunschweig (2010) hinzu.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 288 und S. 294; zu Braunschweig siehe die Vorlage:Webarchiv (Abruf am 1. November 2015).</ref> Im Ausland errichtete die Privatbank nach Zürich und Luxemburg weitere Filialen in Shanghai (2002), London (2003), Paris (2004) und Wien (2010).<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 287 und S. 293; zu Shanghai siehe die Meldung des China Internet Information Center (CIIC) vom 30. Mai 2002 (Abruf am 1. November 2015); zu Paris siehe Vorlage:Webarchiv (Abruf am 1. November 2015); zu Wien siehe Vorlage:Webarchiv (Abruf am 1. November 2015), S. 17.</ref> Tochtergesellschaften gibt es in Genf (2010), Boston (2011), New York (2012), San Francisco (2014) und Chicago (2014).<ref>Siehe Vorlage:Webarchiv auf der Berenberg-Website (Abruf am 12. November 2015); Vorlage:Webarchiv (Abruf am 1. November 2015), S. 32; Florian Hamann: Gutes Geschäftsjahr 2012: Berenberg baut Investmentbanking weiter aus, Bericht auf eFinancialCareers vom 12. Februar 2013 (Abruf am 12. November 2015); Wie sich die Berenberg Bank 2014 geändert hat, private banking magazin (online) vom 22. April 2014 (Abruf am 12. November 2015).</ref> 2015 galt London, gemessen an der Mitarbeiterzahl, als größter Standort nach Hamburg.<ref>„Tradition kann nur entstehen, wenn man sich wandelt“, Börsen-Zeitung vom 7. März 2015 (Abruf am 4. November 2015).</ref>
Nach dem Ausscheiden von Joachim von Berenberg-Consbruch (2005), Claus-Günther Budelmann (2008)<ref>Zu Claus-Günther Budelmann siehe die entsprechenden Informationen im Hamburger Abendblatt vom 20. April 2009 (Abruf am 1. November 2015).</ref> und Andreas Brodtmann (2015) aus der Unternehmensleitung bestand das Führungsgremium der Bank aus Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer. Peters übernahm 2009 die neu geschaffene Position des Sprechers der persönlich haftenden Gesellschafter.<ref>Mark C. Schneider: Berenbergs erste Stimme, Handelsblatt vom 5. Januar 2009 (Abruf am 2. November 2015).</ref> Im September 2020 wurden Christian Kühn und David Mortlock als zusätzliche persönlich haftende Gesellschafter ernannt.
Die Nord/LB verkaufte 2010 ihren 25-Prozent-Anteil, sie erhöhte mit dem Erlös vor dem Hintergrund der Finanzkrise ihr Eigenkapital. 21 Prozent der Berenberg-Anteile erwarb eine Beteiligungsgesellschaft, die Peters und Riehmer gehört; die restlichen 4 Prozent übernahm die Familie Berenberg-Gossler.<ref>C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 302 f; Martin Kopp: NordLB verkauft Berenberg-Anteile an die Gesellschafter, Die Welt vom 3. Februar 2010 (Abruf am 2. November 2015).</ref>
Nach der Finanzkrise von 2007/2008 baute die Bank das Investmentbanking gegen den Trend deutlich aus. Dies zeigte sich insbesondere am Wachstum entsprechender Mitarbeiterzahlen sowie in einer Vielzahl von Kapitalmarkttransaktionen und Börsengängen.<ref>„Berenberg drückt Privatkunden keine Börsengänge auf“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. März 2017.</ref><ref name="Bremse">Erfolgsverwöhnte Berenberg Bank tritt auf die Bremse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. November 2018.</ref>
Die Schweizer Tochtergesellschaft von Berenberg war bis zur Implementierung einer Weißgeldstrategie 2011 umfangreich in die Verwaltung nicht deklarierter Vermögen involviert. 2017 einigte sie sich mit der Kölner Staatsanwaltschaft auf die Zahlung von knapp vier Millionen Euro Bußgeld.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> 2018 verkaufte Berenberg 80,1 Prozent seiner Anteile an der Schweizer Tochtergesellschaft an eine Gruppe privater Investoren sowie das dortige Management. Die Bank erhielt zunächst die Firma Bergos Berenberg AG, seit dem Kauf der restlichen Berenberg-Anteile im Jahr 2020 durch weitere Aktionäre firmiert sie seit 2021 als Bergos AG.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im Jahr 2016 veräußerten Berenberg und das Bankhaus Lampe ihre jeweiligen 50-Prozent-Anteile an der Universal-Investment-Gesellschaft an den britischen Finanzinvestor Montagu.<ref>Vorlage:Internetquelle Zu Montagu siehe Vorlage:Webarchiv.</ref> Dennis Kremer, Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, bezeichnete die Berenberg Bank 2019 als „aggressive Investmentbank“. 85 Prozent der Erträge verdiene sie mit Provisionen im Investmentbanking, 15 Prozent entstünden über das Geschäft mit Zinsen.<ref name="Ramba">Vorlage:Internetquelle</ref> Ende 2018 wurden Pläne der Bank bekannt, das Investmentbanking zurückzufahren und stärker auf Vermögensverwaltung zu setzen.<ref name="Bremse" />
Die Bank betreibt heute die Geschäftsfelder Investmentbank, Wealth und Asset Management sowie Corporate Banking.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Neben den deutschen Standorten betreibt die Bank Niederlassungen in England, Frankreich, Schweden, der Schweiz und den USA. Die Bank erzielte 2021 mit 170,1 Millionen Euro den größten Gewinn ihrer Geschichte,<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> leitete jedoch 2022 aufgrund abflauender Geschäfte einen Stellenabbau ein.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Die Bank pflegt erfolgreich das Image der ältesten noch existierenden Privatbank Deutschlands.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Sie organisiert Turniere im Golf-, Polo- und Galopprennsport sowie Oldtimer-Veranstaltungen.<ref>Siehe Vorlage:Webarchiv auf der Berenberg-Website (Abruf am 4. November 2015); siehe die Informationen zur Berenberg Polo Trophy in Oberursel 2013 (Abruf am 4. November 2015)</ref><ref>Hamburger sponsern Pferderennen in Iffezheim, Die Welt vom 6. September 2011 (Abruf am 4. November 2015).</ref><ref>Vorlage:Webarchiv auf der Berenberg-Website (Abruf am 4. November 2015).</ref>
Seit Oktober 2025 wurde der Hauptsitz in Hamburg vom neuen Jungfernstieg in die City-Nord verlegt, um alle Hamburger Mitarbeiter in einem Gebäude zu vereinen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Gesellschafter
Die Bank wird seit Gründung von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt.<ref>Andreas Dombret: Vorlage:Webarchiv, in: 425 Jahre Berenberg, Verlagsbeilage der Börsen-Zeitung vom 1. September 2015 (Abruf am 5. November 2015).</ref>
Mit Stand Dezember 2024 verteilen sich die Stimmrechtsanteile wie folgt:<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
- 30,88 Prozent Familie von Berenberg-Gossler mit Angehörigen
- 21,41 Prozent PetRie Beteiligungsgesellschaft mbH (Hans-Walter Peters (Geschäftsführer) und Hendrik Riehmer)<ref>Beteiligt seit 2010, siehe Martin Kopp: NordLB verkauft Berenberg-Anteile an die Gesellschafter, Die Welt vom 3. Februar 2010 (Abruf am 2. November 2015).</ref> und Hans-Walter Peters
- 14,25 Prozent Christian zu Fürstenberg<ref>Das Haus Fürstenberg ist seit 1987 beteiligt, siehe C. von Bernstorff, H. von Bernstorff, E. Eckardt: Nur der Wandel ist beständig, S. 270.</ref>
- 14,25 Prozent Jan Philipp Reemtsma<ref>Familie Reemtsma ist seit 1982 beteiligt.</ref>
- 11,40 Prozent Compagnie du Bois Sauvage S.A., Brüssel<ref>Beteiligt seit 2002, siehe Birger Nicolai: Belgier steigen bei Berenberg ein, Die Welt vom 14. Februar 2002 (Abruf am 2. November 2015). Es handelt sich um Anteile, die die Philadelphia National Bank 1967 erworben hatte. Verkäufer dieser Anteile war 2002 eine Tochter der mit der Wachovia verschmolzenen First Union.</ref>
- Vorlage:07,81 Prozent Hendrik Riehmer, David Mortlock, Christian Kühn und ehemalige phG
2022 wird Hendrik Riehmer als Chef der Berenberg Bank im Handelsblatt genannt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Bereits 2019 war laut der FAZ klar, dass Riehmer der Nachfolger von Hans-Walter Peters werden würde.<ref name="Ramba" />
Kritik
Berenberg Art Advice
Im September 2011 gründete die Bank mit einer Beteiligung von 51 Prozent die Kunstberatung Berenberg Art Advice GmbH.<ref name="wiwo2104Unverstaendliche">Andreas Wildhagen: Unverständliche Rolle der Privatbank Berenberg, Wirtschaftswoche, 15. August 2014 (Abruf am 13. April 2016).</ref> Geschäftsführer waren der Kunstberater Helge Achenbach, der ehemalige Direktor einer Kunstversicherung Stefan Horsthemke und der Leiter der Düsseldorfer Berenberg-Niederlassung Raymund Scheffler. Im November 2012 wurde zudem mit der gleichen Geschäftsführung der Berenberg Art Capital Fund aufgelegt. Scheffler verließ die Bank im März 2013 „aus persönlichen Gründen“.<ref name="Faz2013EndeExperiment">Anne Kohlick: Ende eines Experiments, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Juli 2013 (Abruf am 13. April 2016); Vorlage:Webarchiv, Pressemitteilung Berenberg vom 21. Mai 2013 (Abruf am 13. April 2016).</ref> Der für Berenberg Art Advice tätige Kunsthistoriker Thomas Kellein machte den Vorstand der Bank darauf aufmerksam, dass Achenbach den Chemie-Unternehmer Christian Boehringer bei mehreren Kunstkäufen von Dezember 2012 bis Mai 2013 übervorteilt habe.<ref>Lucas Elmenhorst: Das Phantom Thomas Kellein, Handelsblatt, 7. Januar 2015 (Abruf am 13. April 2016).</ref> Die Bank wirkte auf eine Erstattung von 1,2 Millionen Euro von Achenbach an Böhringer hin, ohne die Vorfälle zunächst zu veröffentlichen.<ref name="wiwo2104Unverstaendliche" /> Im Juli 2013 wurden der Berenberg Art Capital Fund aufgrund fehlender Investoren und geänderter gesetzlicher Rahmenbedingungen aufgelöst, die Bank trennte sich von Achenbach.<ref name="Faz2013EndeExperiment" /> Zugleich wurde die Berenberg Art Advice aufgelöst, weil die Bank „die Beratung im Kunstbereich künftig enger an die Aktivitäten des Mutterhauses anbinden und an den Hauptsitz Hamburg verlegen“ wolle.<ref>Vorlage:Webarchiv, Pressemitteilung der Berenberg Art Advice, (Webarchiv vom 24. Juli 2013)</ref> Achenbach wurde wegen anderer Betrugsvorwürfe im März 2015 zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.<ref>Haftstrafe für Kunstberater Achenbach, Frankfurter Allgemeine Feuilleton, 16. März 2015.</ref>
Panama Papers
Im Zusammenhang mit den Panama Papers werfen Journalisten des NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung der Bank vor, mit Kunden zusammengearbeitet zu haben, die mutmaßlich in Drogenkriminalität, Geldwäsche, Schwarzgeldgeschäfte und illegalen Waffenhandel verwickelt seien.<ref>Zwielichtige Kunden bei Berenberg Bank, Meldung auf ndr.de vom 12. April 2016 (Abruf am 13. April 2016); Hans Leyendecker, Georg Mascolo, Klaus Ott und Jan Strozyk: Älteste deutsche Privatbank gerät unter Druck. In: Süddeutsche Zeitung, 13. April 2016, abgerufen am 13. April 2016.</ref> Nach Angabe der Journalisten wurde Berenberg dabei mehrfach als besonders kooperativer Partner der Kanzlei Mossack Fonseca erwähnt. Berenberg werden 13 Briefkastenfirmen mit mehr als 75 Konten zugeordnet; für alle der involvierten 28 deutschen Banken ist von 1.200 Briefkastenfirmen die Rede.<ref>Bankenpräsident startet mit Ballast. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. April 2016, abgerufen am 13. April 2016.</ref>
Das ZDF berichtete, Mitarbeiter aus der Compliance-Abteilung der Bank hätten bereits im Juli 2013 intern vor Geschäften mit Offshore-Gesellschaften in Panama gewarnt, als bei einer internen Prüfung zahlreiche Verbindungen zu einem mutmaßlichen Geldwäsche-Netzwerk entdeckt wurden, das im Rahmen der Offshore-Leaks-Veröffentlichungen bekannt wurde. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte nach der Anzeige Ermittlungen aufgenommen, stellte diese jedoch im Juni 2015 ein, weil „keine Anhaltspunkte für konkrete Straftaten festgestellt werden konnten“.<ref name="spon-2016-04-12">David Böcking und Nicolai Kwasniewski: Panama Papers: Berenberg-Mitarbeiter warnten vor Offshore-Geschäften. in: Spiegel Online, 12. April 2016, abgerufen am 13. April 2016.</ref><ref>Arne Storn: Im ehrenwerten Haus. In: Die Zeit, 14. April 2016.</ref> Zwei langjährige Mitarbeiterinnen der Compliance-Abteilung wurden nach ihren internen Hinweisen zunächst freigestellt, schließlich fristlos gekündigt und mit Hausverbot belegt.<ref name="spon-2016-04-12" /><ref>Vorlage:Webarchiv. In: Frontal21, ZDF, 12. April 2016, abgerufen am 13. April 2016.</ref> Fortgesetzte Recherchen deckten 2016 weitere zweifelhafte, bei Berenberg geführte Konten auf.<ref name="Süddeutsche 2016">Klaus Ott, Jan Strozyk: Die fragwürdigen Geschäfte von Deutschlands ältester Privatbank. In: Süddeutsche Zeitung, 9. Juni 2016.</ref>
Die Staatsanwaltschaft Köln stellte Anfang Dezember 2016 ihre Ermittlungen ein. Sie teilte mit, dass „der Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit den ermittelten Offshore-Gesellschaften […] vollständig ausgeräumt werden“ konnte. Auch der Verdacht der „Zurverfügungstellung eines Systems […] konnte […] nicht erhärtet werden“.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Anhang
Unternehmensveröffentlichungen
- Clarita von Bernstorff (geborene von Berenberg-Gossler), Hartwig von Bernstorff, Emanuel Eckardt: Nur der Wandel ist beständig: Berenberg. Die Geschichte der ältesten Privatbank Deutschlands, Carl Hanser Verlag, München 2015, ISBN 978-3-446-44669-4. Ein Buchprojekt der Berenberg Bank in Kooperation mit Hanser Corporate.
Die Bank führte das Projekt unter Leitung von Karsten Wehmeier, Direktor Unternehmenskommunikation der Bank, durch. Beim Wettbewerb Best of Content Marketing wurde das Buch 2016 als „Imagepublikation“ nominiert. Der Vertrieb erfolgt als Direktvertrieb, eine Teilauflage über den Hanser Verlag.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref name="hanser">Vorlage:Internetquelle</ref> Eine englische Ausgabe erschien im selben Jahr.<ref>Bibliografische Angaben zu dieser Ausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref> - Berenberg Bank. In: Manfred Pohl, Sabine Freitag (Hrsg.): Handbook on the History of European Banks (European Association for Banking History e. V.) Elgar Aldershot Publishing, 1994, ISBN 1-85278-919-0, S. 362–365.
Literatur
- Maria Möring: Joh. Berenberg, Gossler & Co, Hamburg. (Als Manuskript gedruckt). Christians, Hamburg 1962.
- Manfred Pohl: Hamburger Bankengeschichte. Hase & Koehler, Mainz 1986, ISBN 3-7758-1136-2, S. 33 ff.
- Wallstreet an der Binnenalster, erschienen in Manager Magazin, von Tim Bartz, Mark Böschen, Sven Clausen, 2014.
Weblinks
Einzelnachweise
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