Benndorf (Braunsbedra)
Benndorf war ein Ortsteil von Braunsbedra im heutigen Saalekreis, der durch den Tagebau von Braunkohle zu einer Wüstung in Sachsen-Anhalt geworden ist.
Geographische Lage
Benndorf lag im Geiseltal nördlich von Braunsbedra. Nachbarorte waren Gräfendorf im Westen, Körbisdorf im Osten und Zützschdorf im Süden. Die ehemalige Ortsflur liegt heute im Osten des Geiseltalsees zwischen Braunsbedraer Ufer und der Insel im See.<ref>Karte mit den verschwundenen Orten im Geiseltal</ref>
Geschichte
In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Benndorf als zehntpflichtiger Ort Bebendorpf im Friesenfeld erstmals urkundlich erwähnt.<ref>Reg. Thur. Nr. 287</ref> Im Ort befand sich ein Rittergut, nach diesem benannte sich die Familie von Benndorf, eine erloschene Ministerialenfamilie. Zu ihren Nachfolgern zählte u. a. die Familie Taubenheim von 1467 bis 1676. Jakob von Taubenheim als Kirchenpatron setzte 1544 nach fast fünfzehnjähriger Auseinandersetzung mit dem Bischof von Merseburg einen lutherischen Pastor ein. Benndorf war damit eine der ersten Gemeinde der Gegend, die die Reformation einführten.<ref name="Kirche"/> Bis 1847 stand das Gut im Besitz von Julius von Zech-Burkersroda.<ref>Geschichte des Ritterguts Benndorf. Abgerufen am 5. April 2025.</ref>
Benndorf gehörte bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Merseburg, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand.<ref>Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.</ref> Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort zu Preußen und wurde dem Kreis Merseburg<ref>Der Landkreis Merseburg im Gemeindeverzeichnis 1900. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 6. Juli 2024; abgerufen am 7. August 2025.</ref> im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1944 gehörte.
Am 1. April 1937 wurden Benndorf, Körbisdorf und Naundorf zur Gemeinde Benndorf/Geiseltal vereinigt. Durch die Verwaltungsreform im Jahre 1950 kamen Teile des Kreises Querfurt zum Kreis Merseburg. In diesem Zuge wurde am 1. Juli 1950 Wernsdorf<ref>Wernsdorf im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref> (mit dem am 1. Oktober 1936 aufgenommenen Zützschdorf<ref>Zützschdorf auf www.genealogy.net</ref>) eingemeindet. Als Folge des Braunkohlenabbaus im Geiseltal wurde Benndorf 1953 umgesiedelt und ein Jahr später abgebaggert. Die Umsiedlung Naundorfs folgte 1954, die von Zützschdorf und Wernsdorf 1956 und ein Jahr später die Umsiedlung von Körbisdorf. Anschließend wurden die Orte devastiert.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Ort auf www.devastiert.de ( vom 23. September 2015 im Internet Archive)</ref>
Dabei wurde auch die 1944 durch einen Luftangriff zerstörte und seitdem als Sommerkirche genutzte Dorfkirche Benndorf im Jahr 1955 abgetragen. Diese im Kern romanische Kirche hatte 1704 ein barockes Kirchenschiff erhalten. Die Toten auf dem Friedhof wurden nach Frankleben umgebettet.<ref name="Kirche">Geschichte der Kirche von Benndorf. Abgerufen am 5. April 2025.</ref> Drei weibliche Heilige, darunter eine Gottesmutter Maria mit Kinde, die Reste eines gotischen Schnitzaltars von 1510, befinden sich im Kunstmuseum Moritzburg in Halle.<ref>Benndorf (Braunsbedra), ehem. Kirche. Abgerufen am 8. März 2023.</ref>
Literatur
- Steffan Bruns: Ortschronik Benndorf, Naundorf, inkl. Wernsdorf, Körbisdorf, Zützschdorf, Gräfendorf (Sachsen-Anhalt, Saalekreis, Geiseltal – alle Orte heute wüst). Mit dem Ortsfamilienbuch der Gemeinden Benndorf, inkl. Körbisdorf, Zützschdorf, Gräfendorf (alle von 1575 bis 1815), Wernsdorf (1575 bis 1730) und Naundorf (1575 bis 1899). Vollständige Auswertung der Kirchenbücher. Plaidt: Cardamina 2012, ISBN 978-3-86424-087-4
Weblinks
Einzelnachweise
<references/>
Koordinaten: 51° 18′ 13″ N, 11° 53′ 4″ O
{{#coordinates:51,303611111111|11,884444444444|primary
|dim=
|globe=
|name=
|region=DE-ST
|type=landmark
}}
Vorlage:Klappleiste/Anfang
Vollständig abgebrochene Orte
Benndorf |
Bündorf (Wüstung) |
Eptingen |
Gehüfte |
Geiselröhlitz |
Gräfendorf |
Kämmeritz |
Kleinkayna |
Körbisdorf |
Lützkendorf |
Naundorf |
Möckerling |
Petzkendorf |
Runstedt |
Wernsdorf |
Zöbigker |
Zorbau |
Zützschdorf
Teilweise abgebrochene Orte
Großkayna |
Krumpa |
Neubiendorf |
Neumark |
Roßbach
Vorlage:Klappleiste/Ende