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Bayerisches Staatsschauspiel

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Datei:2019-01-26 Residenztheater München.jpg
Residenztheater München, Hauptspielstätte des Bayerischen Staatsschauspiels

Das Bayerische Staatsschauspiel in München, auch Residenztheater genannt, ist eines der führenden Sprechtheater Deutschlands. Seine Hauptspielstätten sind das neue Residenztheater am Max-Joseph-Platz, das alte Residenztheater Cuvilliéstheater in der königlichen Residenz und das Theater im Marstall. Es bildet zusammen mit der Bayerischen Staatsoper, dem Staatstheater am Gärtnerplatz, dem Prinzregententheater und den Staatstheatern Regensburg, Nürnberg und Augsburg die Bayerischen Staatstheater.<ref>Staatstheater. Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, abgerufen am 26. Mai 2025.</ref><ref>Theater Regensburg wird Staatstheater. Abgerufen am 24. März 2026.</ref>

Geschichte

Das Bayerische Staatsschauspiel, das aus dem königlichen Hoftheater hervorging, ist eines der traditionsreichsten und bedeutendsten Sprechtheater in Deutschland. Folgende Spielstätten gehören derzeit zum Staatsschauspiel: das Neue Residenztheater, das Cuvilliés-Theater (Altes Residenztheater) und der Marstall (Studio-Bühne).

Kurfürstliches Hofschauspiel

Schon im 16. und 17. Jahrhundert waren am Hof immer wieder Schauspielertruppen aufgetreten, darunter auch die Truppe von Thomas Sackville. Im Georgssaal der Neuveste der Residenz gab es unter Kurfürst Max II. Emanuel Aufführungen insbesondere von französischen Hofschauspielern. Er schloss auch in Venedig einen Vertrag mit dem Komödienprinzipal Francesco Calderoni, dessen Schauspielergesellschaft er für die nächsten Jahre an seine Residenz holte.

1740 hat dann der auch als Bühnenbildner tätige Maler Nikolaus Gottfried Stuber unter Kurfürst Karl Albrecht diesen Georgssaal in ein modernes Logentheater verwandelt, das zehn Jahre später einem Brand zum Opfer fiel, worauf das Residenztheater entstand, das unter Hofintendant Joseph Anton von Seeau vorwiegend mit Opern bespielt wurde. Dennoch wurde unter Max III. Joseph bereits eine »National-Schaubühne« angestrebt, Seeaus Bemühungen in dieser Richtung wurden finanziell und personell unterstützt. 1775 wohnte Gotthold Ephraim Lessing der Aufführung einiger seiner Werke bei. Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz regierte seit Ende 1777 auch in Bayern. Karl Theodor hatte in diesem Jahr seine französischen Schauspieler entlassen und in Mannheim ein deutsches Nationaltheater gegründet. Unter seiner Regierung zog dann auch die erste stehende deutsche Theatertruppe Münchens in das „Kurfürstliche Hof- und Nationaltheater“ (wie ab 1795 das Hoftheater genannt wurde) ein.

Königliches Hofschauspiel

Mit der Erhebung Bayerns zum Königreich entstand 1806 das „Königliche Hof- und Nationaltheater“.

1831 gastierte erstmals Ferdinand Raimund mit seinen Werken und 1845 trat Johann Nestroy in einigen Rollen auf. Zur Mitte des Jahrhunderts gewann das Sprechtheater, das lange im Schatten der Oper gestanden hatte, an Bedeutung. 1852 wurde aus der Uraufführung von Hebbels Agnes Bernauer ein Skandal. Schauspielerinnen wie Marie Dahn-Hausmann oder Lilla von Bulyovsky spielten zuweilen auch bei Hof eine Rolle.

Unter Ludwig II. kam es zu Separatvorstellungen für den Monarchen im Hoftheater, auch Josef Kainz trat damals auf. Klara Ziegler hatte ebenfalls ein Engagement am Hoftheater. 1880 erwuchs aus der Uraufführung von Ibsens neuer Fassung von Nora oder Ein Puppenheim ein weiterer Skandal.

1893 wurde Ernst von Possart Generaldirektor und Intendant der königlichen Hoftheater, womit eine der glanzvollsten Perioden dieser Bühne ihren Anfang nahm. Er trat dort auch weiterhin als Schauspieler und Regisseur auf. Später gehörten Ludwig Thomas Stücke alljährlich zum Programm.

Bayerisches Staatsschauspiel

Datei:Muenchen Cuvilliestheater.jpg
Cuvilliés-Theater (Altes Residenztheater)
Datei:München Marstall.jpg
Marstall

Als die revolutionären Unruhen Ende 1918 auch München erfassten, wurde Viktor Schwanneke als Interimsdirektor an die nun Bayerische Staatstheater genannten Bühnen (Staatsoper und Staatsschauspiel) nach München zurückgeholt. Aus dem königlichen Hofschauspiel war somit das Staatsschauspiel geworden.

1921 erfolgte die Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals Der Schwierige mit Gustl Waldau und Elisabeth Bergner, das bis 1932 im Repertoire blieb.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Staatsschauspiel besonders unter der Intendanz von Kurt Meisel eine Glanzzeit. Dieser schaffte es, besonders viele Münchner an das Haus zu binden. Zu seinem Ensemble zählten unter anderen Walter Schmidinger und Ingmar Bergman, der einige Jahre in München lebte, insgesamt zehn Inszenierungen umsetzte und „Szenen einer Ehe“ als Theaterfassung hier sogar 1981 uraufführte.

Von 2011/2012 bis 2018/2019 war der Österreicher Martin Kušej Intendant und verfolgte ein Program aus internationaler Dramatik von Shakespeare und Schiller über Ibsen bis zur Gegenwart sowie experimentelle und offene Formen wie die Theaterabende von Oliver Frljić, Milo Rau oder Bernhard Mikeska zeigten. In dieser Zeit arbeiteten u. a. Regisseure wie Frank Castorf, David Bösch, Matjea Koležnik, Andreas Kriegenburg, Amélie Niermeyer, Tina Lanik, Anne Lenk oder Ulrich Rasche sowie zahlreiche junge Regisseure wie Robert Gerloff, Katrin Plötner oder Zino Wey am Residenztheater.

Seit 2019 wird das Residenztheater von Staatsintendant Andreas Beck geleitet. Am Residenztheater arbeiten die Hausregisseure Claudia Bauer, Thom Luz, Elsa-Sophie Jach, Alexander Eisenach und Nora Schlocker sowie weitere Regisseure, u. a. Stefan Bachmann, Sebastian Baumgarten, Michał Borczuch, Joe Hill-Gibbins, Karin Henkel, Schorsch Kamerun, Peter Kastenmüller, Stephan Kimmig, Tilmann Köhler, Bastian Kraft, Daniela Kranz, Antonio Latella, Miloš Lolić, Ulrich Rasche, Georg Ringsgwandl, Michael Schachermaier, Lydia Steier und Simon Stone. Neben der langjährigen Zusammenarbeit und Uraufführungsgeschichte mit dem Autor Ewald Palmetshofer prägen das Repertoire zahlreiche Uraufführungen sowie deutschsprachige Erstaufführungen von Autoren wie Yasmina Reza (James Brown trug Lockenwickler und Die Rückseite des Lebens, Januar 2026), Matthew López (Das Vermächtnis), Franz Xaver Kroetz (Gschichtn vom Brandner Kaspar), Rainald Goetz (Lapidarium), Nele Stuhler (Und oder oder beziehungsweise und…), Albert Ostermaier (Munich Machine), Davide Enia (Finsternis), Lot Vekemans (Blind), Jovana Reisinger (Spitzenreiterinnen) und Robert Icke (Ödipus).<ref>Stücke | residenztheater.de. Abgerufen am 24. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Meist wird das Bayerische Staatsschauspiel im allgemeinen Sprachgebrauch und auch in allen Publikationen mit der Spielstätte Residenztheater namentlich gleichgesetzt.<ref>Das Bayerische Staatsschauspiel, Homepage Residenztheater, Abruf 28. Oktober 2018</ref>

Ensemble

Neben der Bayerischen Staatsoper und dem Gärtnerplatztheater ist das Bayerische Staatsschauspiel heute eines der drei Bayerischen Staatstheater, die in der Hauptstadt beheimatet sind. Das Ensemble von über 50 Schauspielern und 450 Mitarbeitern ist auch eines der größten Deutschlands. Es steht im Wettbewerb zu den Kammerspielen der Stadt München, die ebenfalls zu den wichtigsten Sprechtheatern des deutschen Sprachraumes gehören.

Zu dem Ensemble des Residenztheaters gehören viele bekannte Schauspieler: Liliane Amuat, Anna Bardavelidze, Benito Bause, Mareike Beykirch, Patrick Bimazubute, Inge Birkmann, Sibylle Canonica, Carolin Conrad, Valentino Dalle Mura, Robert Dölle, Christoph Franken, Vincent Glander, Michael Goldberg, Evelyne Gugolz, Franziska Hackl, Pia Händler, Isabell Antonia Höckel, Steffen Höld, Barbara Horvath, Florian Jahr, Katja Jung, Nicola Kirsch, Juliane Köhler, Thomas Lettow, Vincent zur Linden, Florian von Manteuffel, Nicola Mastroberardino, Max Mayer, Barbara Melzl, Niklas Mitteregger, Antonia Münchow, Delschad Numan Khorschid, Johannes Nussbaum, Thomas Reisinger, Vassilissa Reznikoff, Max Rothbart, Lukas Rüppel, Noah Saavedra, Pujan Sadri, Hanna Scheibe, Myriam Schröder, Charlotte Schwab, Lisa Stiegler, Oliver Stokowski, Cathrin Störmer, Thiemo Strutzenberger, Moritz von Treuenfels, Michael Wächter, Ulrike Willenbacher, Simon Zagermann.

Intendanten (Auswahl)

1824 bis 1833 Johann Nepomuk von Poißl, 1833 bis 1842 Karl Theodor von Küstner, 1842 bis 1844 Eduard von Yrsch, 1844 bis 1851 August von Frays, 1851 bis 1857 Franz von Dingelstedt, 1868 bis 1892 Karl von Perfall, 1894 bis 1905 Ernst von Possart, 1938 bis 1945 Alexander Golling, 1945 bis 1948 Paul Verhoeven, 1948 bis 1953 Alois Johannes Lippl, 1953 bis 1958 Kurt Horwitz, 1958 bis 1972 Helmut Henrichs, 1972 bis 1983 Kurt Meisel, 1983 bis 1986 Frank Baumbauer, 1986 bis 1993 Günther Beelitz, 1993 bis 2001 Eberhard Witt, 2001 bis 2011 Dieter Dorn, 2011 bis 2019 Martin Kušej.

Seit 2019 ist Andreas Beck Intendant. Das Residenztheater unter seiner künstlerischen Leitung steht für ein Ensembletheater, das den Schwerpunkt auf zeitgenössische Dramatik mit Uraufführungen und Neudichtungen neben der Pflege eines klassischen Repertoires legt. Klassische Stoffe und Texte werden aus dem Hier und Jetzt heraus befragt und erfahren eine Neudichtung oder Übertragung. Mit der Uraufführung von Ewald Palmetshofers für das Residenztheater als Auftragswerk entstandenem Theatertext „Die Verlorenen“ wurde die erste Spielzeit der neuen Intendanz am 19. Oktober 2019 im Residenztheater eröffnet.<ref name=":0">Peter Jungblut, Bayerischer Rundfunk: Von Basel nach München: Andreas Beck neuer Intendant am Bayerischen Staatsschauspiel. 12. Dezember 2017 (br.de [abgerufen am 20. August 2019]).</ref>

Verein der Freunde des Residenztheaters e. V.

Der Verein wurde am 21. Oktober 1976 von den damaligen bayerischen Landtagsabgeordneten Jürgen Böddrich (SPD), Roland-Friedrich Messner und Erich Schosser (CSU), dem Bankier Wilhelm Arendts, dem Verleger Günter Olzog, dem Schauspieler Karl Lieffen und dem damaligen Ministerialdirektor Lothar Müller vom bayerischen Kultusministerium gegründet. Gründungsvorsitzender war Roland-Friedrich Messner. Es folgten 1982 Günter Olzog, 1990 Hermann Clemm, 1997 Reinhard Hinne, 2006 Kurt Baike, 2009 Horst Avenarius, 2012 Stefan Meissner. Seit 2018 ist Marissa Biebl Erste Vorsitzende des Vereins. Zeitweise gehörten die Schauspieler Christine Ostermayer und Martin Benrath dem Vereinsvorstand an.

Der Verein unterstützt die Theaterarbeit insbesondere durch die Förderung verschiedener Projekte.

Der Verein vergibt seit 1997 jährlich im Gedenken an den früheren Intendanten Kurt Meisel den mit 5.000 Euro ausgestatteten Kurt-Meisel-Preis zur Anerkennung großer Schauspielkunst sowie seit 1999 in der Regel jährlich zwei mit je 3.000 Euro ausgestattete Förderpreise für herausragende künstlerische Leistungen am Bayerischen Staatsschauspiel. Zwischen 1983 und 1996 wurde unregelmäßig ein Preis des Vereins für eine herausragende schauspielerische Leistung vergeben, im Jahr 2021 erstmals der „Resi sendet – Digitalpreis 2021“.

Weblinks

Commons: Residenztheater (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 48° 8′ 23,8″ N, 11° 34′ 43,6″ O

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