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Auch ich habe in Arkadien gelebt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Et-in-Arcadia-ego.jpg
Giovanni Francesco Barbieri: Et in Arcadia ego (um 1628)

Auch ich habe in Arkadien gelebt ist eine kurze Erzählung von Ingeborg Bachmann, die die Autorin unter dem Namen Inge Bachmann<ref>Bareiss, Ohloff, S. 18, Eintrag 44</ref> im „Morgen“, der Monatsschrift freier Akademiker, im April 1952 in Wien publizierte.<ref>Verwendete Ausgabe, S. 603 letzter Eintrag</ref>

Inhalt

Handlung

Der mittellose Erzähler beteiligt sich am Bau einer breiten Straße, die über eine Weltstadt ans Meer führt. In jener großen Stadt macht der Erzähler nach dem Straßenbau sein Glück. Was er auch anpackt – es gelingt. Seinen geheimsten Wunsch, ans Meer zu fahren, erfüllt er sich allerdings nicht. Denn der Erzähler muss sich in der großen Stadt jeden Werktag neu bestätigen.

Interpretation

Der Erzähler, aus seinem bergigen, von Schafherden belebten Arkadien hinab in den Alltag gestiegen, bleibt trotz seiner hastigen Reise von Erfolg zu Erfolg in jener Weltstadt lebenslang Arkadier. Zur beständigen Zugehörigkeit zu diesem Land bedarf es keiner Reise ans Meer. Der Erzähler fährt nur manchmal auf seiner breiten Straße in Richtung Meer bis an den Stadtrand, um die Abendsonne zu sehen. Genauer, es geht um die letzten zwei Sonnenstrahlen. Das sind silbrige Geleise zum Sonnenball. Dieser ist ein riesiger, sinkender Bahnhof, der „alle Wanderer in den Himmel heimholt“<ref>Verwendete Ausgabe, S. 40, 1. Z.v.u.</ref>.

Weigel schockiert den Leser mit dem Ungeheuerlichen. Der Bahnhof mit Geleisen assoziiere Auschwitz.<ref>Weigel, S. 258, 11. Z.v.u.</ref>

Rezeption

Ingeborg Bachmanns Bild von den zwei silbrigen Geleisen in den Bahnhof Sonne nennt Bartsch „lyrisch-utopisch“<ref>Bartsch, S. 48, 19. Z.v.u.</ref>, wenn er das seltsame Anklammern des Arkadiers an dieser „kapitalistischen Wettbewerbsgesellschaft“<ref>Bartsch, S. 48, 5. Z.v.o.</ref> bespricht. Aus der großen Stadt sei Rückkehr nach Arkadien schier unmöglich<ref>Bartsch, S. 163, Mitte</ref>.

In späteren Jahren habe sich die Autorin nicht mehr gegen die Moderne empört.<ref>Jost Schneider in: Albrecht und Göttsche, S. 110, rechte Spalte, 16. Z.v.u.</ref>

Mit dem Titel knüpfe die Autorin in die Klassiker an. Geesen<ref>Geesen, S. 82–89</ref> nennt GoethesItalienische Reise“ und SchillersResignation“ als Vorbilder. Bei der genannten Weltstadt, in der ein Arkadier an Identität eigentlich nur verlieren könne, denkt Geesen an Babylon. Weigel gibt eine bestürzende Auslegung des Titels an, die Erwin Panofsky („Sinn und Deutung in der bildenden Kunst“ (DuMont, Köln 1978)) gefunden hat: Der Tod ist überall; sogar mitten in Arkadien.<ref>Weigel, S. 256</ref>

Literatur

Textausgaben

Verwendete Ausgabe
  • Christine Koschel (Hrsg.), Inge von Weidenbaum (Hrsg.), Clemens Münster (Hrsg.): Ingeborg Bachmann. Werke. Zweiter Band: Erzählungen. Piper, München 1978 (5. Aufl. 1993), Band 1702 der Serie Piper, ISBN 3-492-11702-3, S. 38–40

Sekundärliteratur

  • Otto Bareiss, Frauke Ohloff: Ingeborg Bachmann. Eine Bibliographie. Mit einem Geleitwort von Heinrich Böll. Piper, München 1978. ISBN 3-492-02366-5
  • Kurt Bartsch: Ingeborg Bachmann. Metzler, Stuttgart 1997 (2. Aufl., Sammlung Metzler. Band 242). ISBN 3-476-12242-5
  • Mechthild Geesen: Die Zerstörung des Individuums im Kontext des Erfahrungs- und Sprachverlusts in der Moderne. Figurenkonzeption und Erzählperspektive Ingeborg Bachmanns. Schäuble, Rheinfelden 1998. ISBN 3-87718-836-2 (Diss. München 1998)
  • Monika Albrecht (Hrsg.), Dirk Göttsche (Hrsg.): Bachmann-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart 2002. ISBN 3-476-01810-5
  • Sigrid Weigel: Ingeborg Bachmann. Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses. dtv, München 2003 (Zsolnay, Wien 1999). ISBN 3-423-34035-5, S. 252–259

Siehe auch

Einzelnachweise

<references /> Vorlage:Klappleiste/Anfang Prosa
Das Honditschkreuz | Die Fähre | Im Himmel und auf Erden | Das Lächeln der Sphinx | Die Karawane und die Auferstehung | Der Kommandant | Auch ich habe in Arkadien gelebt | Ein Geschäft mit Träumen | Portrait von Anna Maria | Der Schweißer | Der Hinkende | Das dreißigste Jahr (Erzählband) mit den Erzählungen Jugend in einer österreichischen Stadt, Das dreißigste Jahr, Alles, Unter Mördern und Irren, Ein Schritt nach Gomorrha, Ein Wildermuth und Undine geht | Malina (Roman) | Der Fall Franza | Simultan (Erzählband)

Lyrik
Die gestundete Zeit (Gedichtband) (u. a. mit den Gedichten Alle Tage und Die gestundete Zeit) | Anrufung des großen Bären (u. a. mit den Gedichten Erklär mir, Liebe und Reklame) | Wahrlich | Letzte, unveröffentlichte Gedichte | Ich weiß keine bessere Welt

Hörspiele
Ein Geschäft mit Träumen | Die Zikaden | Der gute Gott von Manhattan | Die Radiofamilie

Libretti
Ein Monolog des Fürsten Myschkin | Der Prinz von Homburg | Der junge Lord

Essays
Probleme zeitgenössischer Dichtung | Ein Ort für Zufälle | Römische Reportagen – Eine Wiederentdeckung | Kritische Schriften

Übersetzungen
Thomas Wolfe: Das Herrschaftshaus | Giuseppe Ungaretti: Gedichte

Briefwechsel
Ingeborg Bachmann / Hans Werner Henze: Briefe einer Freundschaft | Herzzeit. Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan | „Wir haben es nicht gut gemacht.“ Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch Vorlage:Klappleiste/Ende