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Asterix bei den Olympischen Spielen (Comic)

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Logo der deutschen Erstausgabe aus dem Jahr 1972

Asterix bei den Olympischen Spielen (französischer Originaltitel: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ist der zwölfte Band der Comic-Reihe Asterix. Wie bei den elf Bänden zuvor stammen die Zeichnungen von Albert Uderzo und die Texte von René Goscinny. Die französische Originalausgabe erschien 1968. Im selben Jahr wurde der Band in Deutschland, aufgeteilt auf mehrere Folgen, in einem Comic-Magazin veröffentlicht. Vier Jahre später erschien die deutschsprachige Übersetzung von Gudrun Penndorf auch als Album.

In dem Band reisen die Männer des gallischen Dorfes nach Griechenland, um die Olympischen Spiele zu besuchen. Asterix und Obelix sollen dort als Athleten an den Spielen teilnehmen. Als sie erfahren, dass die Einnahme kraftsteigernder Mittel verboten ist, ziehen sie Obelix zurück und lassen Asterix ohne den Zaubertrank ihres Druiden starten. Dank einer List gelingt es ihm trotzdem, einen der begehrten Ölzweige zu gewinnen.

Der Band folgt dem humoristischen Stil der Asterix-Reihe. Dazu gehören neben Stilmitteln wie Widersprüchen, Gedankensprüngen und Zweideutigkeiten auch künstlerische und historische Verweise, etwa Latein-Zitate oder die Parodie modernen Liedguts. Auch die stereotype Beschreibung der Griechen als geschäftstüchtig und familiär gut vernetzt entspricht der für die Reihe typischen Reproduktion französischer Klischees über fremde Völker. Daneben parodieren die Autoren moderne Phänomene, etwa den Massentourismus oder das chauvinistische Verhalten von Sportfans.

Auch in ihre Darstellung der Spiele mischen sich zeitgenössische Facetten des Wettkampfsports. So verweist beispielsweise der Umgang mit Doping eher auf sportpolitische Entwicklungen in den 1960er Jahren statt auf antike Realitäten. Trotz dieser vereinzelten Verzerrungen sehen mehrere Geschichtswissenschaftler einen hohen Grad an historischer Authentizität im Comic. Insbesondere die Wiedergabe antiker Architektur wie der Akropolis in Athen und des Heiligtums in Olympia wird positiv hervorgehoben.

2008 erschien ein gleichnamiger Real-Spielfilm, der jedoch nur wenig Gemeinsamkeiten mit den Inhalten des Comics hat.

Handlung

Im Römerlager Aquarium in der Nähe des kleinen gallischen Dorfes trainiert der Legionär Musculus für die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Als die Gallier davon erfahren, beschließen sie, ebenfalls daran teilzunehmen, denn dank des Zaubertranks ihres Druiden Miraculix sind sie unbesiegbar. Tullius Redeflus, Musculus’ Vorgesetzter, weist sie darauf hin, dass außer Griechen nur Römer an den Spielen teilnehmen dürften. Asterix erinnert seine Landsleute aber daran, dass auch sie seit der Eroberung Galliens Römer seien. Die Gallier wählen daher Asterix und Obelix als Athleten aus; alle anderen Männer des Dorfes brechen mit ihnen nach Griechenland auf, um sie bei den Spielen zu unterstützen. Nach der Ankunft in Griechenland besichtigen die Gallier zunächst Athen und lernen die griechische Küche sowie das Athener Nachtleben kennen.

In Olympia demonstrieren Asterix und Obelix den römischen Athleten die Macht des Zaubertranks. Der Ehrgeiz der Römer erlischt; anstelle des Trainings beginnen sie mit ausgelassenen Gelagen. Durch die dabei verströmten Speisedüfte sind die griechischen Athleten nicht mehr gewillt, spartanisch zu essen. Als Kontrabas, ein Mitglied des olympischen Magistrats, die Römer zur Rede stellt und sie darauf hinweist, dass die Einnahme kraftfördernder Mittel streng verboten ist, beginnen die Römer voller Zuversicht wieder mit dem Training; die Gallier ziehen Obelix, der dank des Konsums von Zaubertrank in seiner Kindheit dauerhaft unbesiegbar ist, als Athleten zurück. Asterix soll das Dorf allein – ohne Zaubertrank – vertreten.

Bei den Wettkämpfen haben weder Asterix noch die Römer gegen die gut trainierten Griechen eine Chance. Um die ausländischen Besucher nicht zu verärgern, kündigt der Olympische Senat einen allein den Römern vorbehaltenen Wettlauf an. Asterix und Miraculix stellen den Römern daraufhin eine Falle, indem sie ihnen indirekt mitteilen, wo der Zaubertrank zu finden ist. Beim Wettlauf siegen alle römischen Läufer; Asterix kommt weit abgeschlagen als Letzter ins Ziel. Miraculix kann jedoch beweisen, dass die Römer Zaubertrank genommen haben. Sie werden disqualifiziert und Asterix gewinnt den Ölzweig.

Beim Festmahl nach der Rückkehr ins gallische Dorf gesteht Asterix dem Druiden, dass er den Ölzweig den Römern überlassen hat. Musculus und sein Vorgesetzter Tullius Redeflus werden von Cäsar für Musculus’ angeblichen Sieg bei den Spielen befördert.

Veröffentlichung und Adaptionen

Der Band erschien 1968, im Jahr der Winterspiele von Grenoble und der Sommerspiele in Mexiko. Die Geschichte wurde zuerst als Serie in der französischen Zeitschrift Pilote abgedruckt, vom 15. Februar 1968 (Heft Nr. 434) bis zum 25. Juli 1968 (Heft Nr. 455). Im gleichen Jahr wurde der Band als Album im Verlag Dargaud veröffentlicht.<ref name="comedix2">Marco Mütz: Asterix bei den olympischen Spielen - Band XII. In: Deutsches Asterix Archiv auf comedix.de. Abgerufen am 20. Januar 2026.</ref>

In Deutschland erschien die Geschichte zunächst 1968 im Magazin MV-Comix (Hefte 42 bis 49). Im Jahr der Sommerspiele 1972 in München wurde die Übersetzung von Gudrun Penndorf vom Ehapa Verlag als zwölfter Band der Asterix-Reihe herausgegeben.<ref name="comedix2" /> Der Band erschien unter anderem auch auf Englisch, Spanisch, Türkisch, Altgriechisch, Latein sowie in den Mundarten Hessisch und Steirisch.<ref name="asterix.de">Asterix bei den Olympischen Spielen. In: asterix.de. Abgerufen am 15. September 2025.</ref> Zu den Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin brachte der Ehapa Verlag eine Sonderausgabe in Leichter Sprache heraus. Die Zeichnungen blieben unverändert, die Texte der Sprechblasen des Originals wurden verkürzt und sprachlich vereinfacht. Auch auf die eckige Schrift in den Sprechblasen der Griechen wurde verzichtet.<ref name="Zirpins">Mireilla Zirpins: „Asterix bei den Olympischen Spielen“ – erstmals erscheint ein Asterix-Album in Leichter Sprache. In: rtl.de. 30. Oktober 2023, abgerufen am 26. Oktober 2025.</ref> Die Auflage von 20.000 Exemplaren wurde vor allem an die Teilnehmenden und die freiwilligen Helfer bei den Spielen verteilt und war schnell vergriffen.<ref>Korbinian Eisenberger: Gesprengte Ketten. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 144, 26. Juni 2023, S. 23.</ref>

Außerdem erschien zu dem Band ein deutschsprachiges Hörspiel beim Label Karussell auf MC und CD. Wie bei den Hörspielen zu den elf ersten Asterix-Bänden führte Hans-Joachim Herwald Regie, Wolf Frass war der Erzähler, Peter Heinrich sprach Asterix und Douglas Welbat übernahm die Rolle des Obelix.<ref>Marco Mütz: Hörspiel CD. In: Deutsches Asterix Archiv auf comedix.de. Abgerufen am 29. September 2025. Asterix (Karussell) – Folge 12: Asterix bei den Olympischen Spielen. In: hörspielland.de. Abgerufen am 29. September 2025.</ref>

2008 kam die Realverfilmung Asterix bei den Olympischen Spielen in die Kinos, die allerdings nur wenig Gemeinsamkeiten mit den Inhalten des Comics hat. Trotz hoher Produktionskosten wurde sie von Kritikern weitgehend verrissen. Im Zusammenhang mit dem Film erschienen ein Buch im Ehapa Verlag,<ref>Marco Mütz: Asterix bei den Olympischen Spielen - Das Buch zum Film. In: Deutsches Asterix Archiv auf comedix.de. Abgerufen am 28. September 2025.</ref> ein Handyspiel von EA Mobile.<ref>Marco Mütz: Asterix-Handyspiel - Asterix bei den Olympischen Spielen. In: Deutsches Asterix Archiv auf comedix.de. Abgerufen am 28. September 2025.</ref> sowie ein Videospiel von Atari für PC und diverse Konsolen.<ref>Marco Mütz: Asterix bei den Olympischen Spielen. Wii / Playstation 2 / PC / Nintendo DS. In: Deutsches Asterix Archiv auf comedix.de. Abgerufen am 28. September 2025.</ref> Ihr Inhalt bezieht sich auf die Handlung des Films und nicht des Comics.

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Anlässlich des Filmstarts erschien der Comic-Band mit einem neuen Cover. Auf dem ursprünglichen Titelbild jubeln Miraculix, Obelix und Idefix dem auf dem Siegertreppchen stehenden Asterix zu. Das neue Titelbild zeigte nun neben den genannten Figuren auch einen wütenden Cäsar, obwohl er im Comic fast keine Rolle spielt; nur im letzten Panel sagt er etwas, ohne gezeigt zu werden. Im Film hat er jedoch eine größere Rolle.<ref>René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2016, S. 64 (Limitierte Sonderausgabe mit 16 redaktionellen Zusatzseiten).</ref> 2013 kehrte man wieder zum alten Titelbild zurück, allerdings mit verändertem Schriftbild.<ref name="comedix2" />

Stil und Verweise

Narrativ und Humor

Asterix bei den Olympischen Spielen folgt wie alle Asterix-Comics in seiner Handlung dem Narrativ des Sieges der Kleinen über die Großen bzw. des Einzelnen gegen den Apparat. So besiegen in den Comics die zahlenmäßig unterlegenen Gallier, Briten und Belgier die mächtigen römischen Legionen; das abgelegene Aremorica siegt über das dekadente und romhörige Lutetia. In Olympia siegt der kleine, körperlich eigentlich unterlegene Asterix gegen die großgewachsenen römischen Athleten. Dieses Motiv sieht der Sporthistoriker Andreas Luh als einen wesentlichen Faktor für den weltweiten Erfolg der Reihe, da es länder- und kulturübergreifend nachvollziehbar sei.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 71.</ref>

Der Philosoph Jeremy Barris hebt hervor, dass der Plot von Asterix bei den Olympischen Spielen sich dadurch auszeichne, die Asterix-Welt auf den Kopf zu stellen. Die Gallier – eigentlich immer darauf bedacht, den römischen Eindringlingen Widerstand zu leisten – geben sich in diesem Band begeistert als römische Bürger aus, um an den Spielen teilnehmen zu dürfen. Der gallische Zaubertrank, der sonst stets gegen die Römer eingesetzt wird, hilft ihnen hier, einen vermeintlichen Sieg gegen Asterix zu erringen. Diese Tatsache kommentiert Asterix selbst während des Rennens mit „Hier steht die ganze Welt Kopf!“.<ref>René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2011, S. 14. Barris zitiert die französische Ausgabe sowie die englische, die von Anthea Bell und Derek Hockridge übersetzt wurde.</ref> Das Ende des Comics ist auch ungewöhnlich. Statt dem klassischen Festmahl im gallischen Dorf zeigt das letzte Panel die zufriedenen und triumphierenden Gegner der Gallier.<ref>Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 113–114.</ref>

Der Humor von Asterix bei den Olympischen Spielen ist laut Barris „charmant albern“ und „unprätentiös“ und folge damit dem Stil der Asterix-Reihe.<ref>Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 105.</ref> Als vorherrschende humoristische Stilmittel identifiziert er Widersprüche, Gedankensprünge (non sequiturs), Zweideutigkeiten, begriffliche Verwirrungen und Zirkelschlüsse.<ref name="Barris114">Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 114.</ref> Ein Beispiel für einen eindeutigen Widerspruch ist die Reaktion des römischen Zenturios Tullius Redeflus auf die Erkenntnis, dass die Gallier sich bei den Spielen als Römer ausgeben werden. Auf dem Weg zurück in das Römerlager sagt er empört zu sich selbst: „So ist das! Erst bekämpft man die Leute, überfällt sie, metzelt sie nieder, besetzt sie, und dann drehen sie ohne jeden Grund den Spieß um!“<ref>René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2011, S. 46. Barris zitiert die englische Ausgabe, die von Anthea Bell und Derek Hockridge übersetzt wurde.</ref> Offensichtlich gute Gründe, sich gegen die Römer aufzulehnen, werden als ungültig abqualifiziert.<ref name="Barris114" /> Für den Altphilologen Jaap Toorenaar ist dies nicht nur das schönste Zitat des Comics, sondern gehört auch zu den witzigsten römischen Aussagen der gesamten Asterix-Reihe.<ref>Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. 2012, S. 58, 60.</ref>

Ein komplexes Spiel mit Gedankensprüngen ist am Anfang des Comics zu finden. Der Dorfälteste Methusalix ist soeben von der Champignonsuche im Wald zurückgekehrt und berichtet, dass die Römer im Lager Aquarium guter Dinge zu sein scheinen. Als der Häuptling Majestix fragt, was sie nun machen sollten, antwortet Obelix mit einem Gedankensprung: „Suppe! Aus Champignons macht man am besten Suppe. Schmeckt gut!“. Er bezieht die Frage des Häuptlings also nicht auf die Römer, sondern auf die von Methusalix gefundenen Pilze. Im nächsten Panel reagiert Majestix vermeintlich wütend auf Obelix’ gedankliches Abschweifen ins Kulinarische und fragt, ob er denn an nichts anderes als Suppe denken könne. Das darauffolgende Panel offenbart, dass es ihm aber nur um das vorgeschlagene Gericht ging, wenn er sagt: „Ein Omelett muss man aus Champignons machen! Ein wahrer Feinschmecker isst sie als Omelett!“ Nachdem Majestix, Methusalix und Obelix die Szene verlassen haben, beklagt der Druide Miraculix, dass die drei die Dinge nicht ernst genug nähmen und gutgelaunte Römer ein schlechtes Zeichen sein könnten. Auf Asterix’ Frage, was sie tun sollten, antwortet er: „Wir lassen sie schmoren!“ Im Zusammenhang mit seiner vorherigen Aussage wirkt dies wie eine Metapher auf den Umgang mit den Römern, die gleichzeitig als Wortwitz die Diskussion um die Pilze aufgreift. Das nächste Panel zeigt dann jedoch, dass er nur die Diskussion um die Pilze fortsetzt, wenn er sagt: „Champignons muss man in Butter schmoren, nur so behalten sie ihren typischen Geschmack.“ Der Witz besteht hier laut Barris darin, dass der angebliche Wortwitz gar kein Witz war.<ref>Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 115–117. Die Zitate stammen aus René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2011, S. 6. Barris zitiert die französische Ausgabe sowie die englische, die von Anthea Bell und Derek Hockridge übersetzt wurde.</ref>

Parodien und zeitgenössische Bezüge

Datei:Athena Parthenos LeQuire.jpg
Nachbildung der Athena Parthenos im Parthenon von Nashville, Tennessee

Asterix bei den Olympischen Spielen parodiert an mehreren Stellen übertriebenen Patriotismus und Chauvinismus. Schon bei der Ankunft in Griechenland geben die Autoren solche Ansichten der Lächerlichkeit preis. So rät Häuptling Majestix seinen Landsleuten, sie sollten sich nicht „über die Eingeborenen lustig machen, auch wenn sie keine solche Kultur und keine solch glorreiche Vergangenheit haben wie wir!“<ref>René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2011, S. 22.</ref> Damit geben die Autoren auch einen humoristischen Kommentar zum Selbstverständnis Frankreichs als Kulturnation ab.<ref>Jörg Fündling: Asterix. 100 Seiten. 6. Auflage. Reclam, Ditzingen 2023, ISBN 978-3-15-020418-4, S. 16–17.</ref> Die absurde Abwertung der griechischen Kultur setzt sich während des Besuchs der Akropolis fort. Obelix vermisst hier die Hünengräber seiner Heimat; zwei andere Gallier fühlen sich beim Anblick des Parthenons an Burdigala und Massilia erinnert. Majestix kommentiert die kolossale Statue der Athena Parthenos mit „Für Ausländer nicht schlecht!“<ref>René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2011, S. 25.</ref> Auch in ihrem Verhalten als Zuschauer bei den Spielen zeigen die Gallier chauvinistische Züge. Nachdem Asterix im Wettlauf verloren hat, finden sie allerlei Ausreden, etwa das Klima, den zu harten Boden oder die Nahrung der Wildschweine, die er gegessen hat. Respekt vor der überlegenen Leistung der griechischen Athleten zeigen sie nicht.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 60–61.</ref>

Neben Chauvinismus parodiert das Verhalten der Gallier in Athen die Auswüchse des modernen Massentourismus. Die Veröffentlichung des Comics Ende der 1960er Jahre fiel dabei in eine Zeit, in der der Pauschaltourismus von Westeuropäern wie Franzosen und Deutschen in Länder wie Spanien, Italien und Griechenland immer mehr um sich griff.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 65.</ref> Die Reise der Gallier per gechartertem Schiff mit als Deckspiele und Gymnastik verkauftem Zwangsrudern kann dabei als Parodie auf den Club Med, einen französischen Anbieter für Cluburlaube, verstanden werden. Auf diesen hatten die Autoren schon im Band Asterix als Legionär verwiesen, in dem Cäsar für den Gentile Organisateur eines Feriendorfs gehalten wird. Einen weiteren Verweis baute Uderzo später im Band Die Odyssee ein.<ref>Gudrun Penndorf: Asterix übersetzen – oder das Wechselspiel in Bild und Sprache. In: Kai Brodersen (Hrsg.): Asterix und seine Zeit. Die große Welt des kleinen Galliers (= Beck’sche Reihe. Band 1404). Beck, München 2001, ISBN 3-406-45944-7, S. 212–230, hier: 227.</ref>

Die Thematik des Dopings im Sport, mit der sich der Comic spöttisch auseinandersetzt, hat einen starken Zeitbezug. In den 1960er Jahren kam es zu einigen Dopingskandalen bei der Tour de France.<ref name="Medium 17.2.22">John Breslin: Astérix and the Historical Interpretation. In: Medium.com. 17. Februar 2022, abgerufen am 15. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die im Jahr der Erstveröffentlichung stattfindenden Olympischen Spiele in Mexiko waren die ersten Sommerspiele, bei denen Dopingkontrollen durchgeführt wurden, wenn auch – wegen der noch fehlenden Nachweismöglichkeiten – nur mit bescheidenem Erfolg.<ref>David Chrobok: Zur Strafbarkeit nach dem Anti-Doping-Gesetz (= Neue Juristische Beiträge. Band 116). Herbert Utz Verlag, München 2017, ISBN 978-3-8316-4648-7, S. 1 (zugleich Dissertation an der Universität Bochum 2017).</ref> Als vier Jahre später die deutsche Ausgabe des Comics erschien, hatte das IOC zu den Spielen in München das erste umfassende Dopingkontrollverfahren mit Dopinglisten und Dopingkontrollstationen eingerichtet.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 66.</ref>

Von Völkern und Namen

Datei:Probestück, Berlin, Altes Museum, Vitrine 12.6-5.jpg
Attische Scherbe mit „griechischem Profil“, etwa 460–450 v. Chr.

Wann immer in Asterix-Comics Ausländer auftreten, entspricht ihre Darstellung den unter Franzosen vorherrschenden Klischees über die modernen Vertreter des jeweiligen Volks. Laut dem Romanisten André Stoll gelingt es den Asterix-Autoren durch diese Versetzung der Klischees 2000 Jahre in die Vergangenheit, den „Klischeebesitzer“ zu verunsichern und die Vorurteile parodistisch aufzuheben.<ref>André Stoll: Asterix – das Trivialepos Frankreichs. Bild- und Sprachartistik eines Bestseller-Comics (= DuMont Kunst-Taschenbücher. Band 17). 3. Auflage. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0773-X, S. 97.</ref> In Asterix bei den Olympischen Spielen sind die Griechen sehr geschäftstüchtig, wobei sie stets darauf bedacht sind, Mitglieder ihrer Familie, insbesondere ihre Vettern, mit Aufträgen und Kunden zu versorgen.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 71.</ref> Auch durch ihre grafische Darstellung unterscheiden sie sich von Galliern und Römern. Wie Obelix in einer Szene bemerkt, bilden Nase und Stirn der männlichen Griechen eine Linie. Dieses „griechische Profil“ ist auf antiken Vasen des Rotfigurigen Stils häufig zu finden, während in der Schwarzfigurigen Periode noch stark betonte Nasen abgebildet wurden.<ref>René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 128, 161, Fußnote 15.</ref>

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Drei Versionen einer Sprech­blase mit griechisch anmutender Schrift. Es spricht Fremden­führer Demon­stratos. Oben erschienen spätes­tens 2001, mitte Auflage von 2011, unten Auflage von 2016.

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Bei den Sprechblasen einiger Völker verweisen die Asterix-Autoren durch spezielle Schriftarten auf die Herkunft des Sprechers, etwa mit einer gebrochenen Schrift bei den Goten oder einer ideographischen Schrift bei den Ägyptern. In Asterix bei den Olympischen Spielen nutzen sie für die Griechen eine eckige Schrift, die an antike griechische Steininschriften erinnert und in ähnlicher Form von griechischen Restaurants verwendet wird. Ihre Form unterscheidet sich je nach deutschsprachiger Ausgabe. Schon im zehnten Band Asterix als Legionär nutzten die Autoren eine solche Schrift bei einem griechischen Rekruten.<ref>Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 120. Daniela Pelka: Was Buchstaben zum Ausdruck bringen können: Zu Formen und Funktionen des Schriftbildes. In: Csaba Földes (Hrsg.): Themenfelder, Erkenntnisinteressen und Perspektiven in der Germanistik in Mitteleuropa (= Beiträge zur interkulturellen Germanistik. Band 10). Narr Francke Attempto, Tübingen 2018, ISBN 978-3-8233-8078-8, S. 107–130, hier: 114 (opole.pl).</ref>

Ebenfalls typisch für die Darstellung von Völkern in der Asterix-Reihe sind gleichlautende Namensendungen. Die Namen der Gallier enden – angelehnt an den Namenssuffix -rix des Keltenfürsten Vercingetorix – allesamt auf „-ix“. Bei den Römern enden sie auf „-us“, der häufigsten Endung maskuliner lateinischer Wörter. Die griechischen Namen wiederum enden in Asterix bei den Olympischen Spielen meist auf „-os“, vereinzelt auch auf „-as“.<ref>Sibylle Schneider, Klaus Mühlsteffen: Asterix der Gallier. Sprachwitz der Namen. In: Westfälisches Römermuseum Haltern (Hrsg.): „Die spinnen, die …“. Mit Asterix durch die Welt der Römer. Ehapa, Stuttgart 1999, ISBN 3-7704-0252-9, S. 64–71, Hier: 64, 68, 70.</ref>

In vielen Fällen geben die Namen der Figuren Hinweise auf ihren Beruf oder ihre Eigenschaften. Ein Beispiel ist der Dorfälteste Methusalix, der in Asterix bei den Olympischen Spielen seinen ersten namentlichen Auftritt hat und dessen Alter darin mit 93 angegeben wird. Sein deutscher Name verweist auf die biblische Figur Methusalem, die mehrere hundert Jahre alt geworden sein soll.<ref>Sibylle Schneider, Klaus Mühlsteffen: Asterix der Gallier. Sprachwitz der Namen. In: Westfälisches Römermuseum Haltern (Hrsg.): „Die spinnen, die …“. Mit Asterix durch die Welt der Römer. Ehapa, Stuttgart 1999, ISBN 3-7704-0252-9, S. 64–71, hier: 64, 66.</ref> Im französischen Original heißt er Agecanonix (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), „hohes Alter“). Auch die Ausgaben anderer Länder verweisen auf sein hohes Alter mit Namen wie Senilix (Finnland), Geriatrix (Großbritannien) und Arthritix (USA).<ref>Jörg Fündling: Asterix. 100 Seiten. 6. Auflage. Reclam, Ditzingen 2023, ISBN 978-3-15-020418-4, S. 26.</ref> Passend ist auch der deutsche Name des römischen Athleten Schlagdraufundschlus, der für alle Kampfarten gemeldet ist. Sein französischer Name Chausetrus hat weniger Bezug zur Figur. Er leitet sich von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) („russische Strümpfe“) ab, der französischen Bezeichnung für Fußlappen, die von Soldaten statt Strümpfen um die Füße gewickelt werden.<ref>Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. 2012, S. 62.</ref>

Andere Namen, insbesondere von Randfiguren, haben gar keinen Bezug zur Figur, sondern sollen in erster Linie amüsieren.<ref>Sibylle Schneider, Klaus Mühlsteffen: Asterix der Gallier. Sprachwitz der Namen. In: Westfälisches Römermuseum Haltern (Hrsg.): „Die spinnen, die …“. Mit Asterix durch die Welt der Römer. Ehapa, Stuttgart 1999, ISBN 3-7704-0252-9, S. 64–71, hier: 64.</ref> Beispiele aus dem französischen Original von Asterix bei den Olympischen Spielen sind die griechischen Namen Fécarabos und Garmonparnas (im Deutschen Bratensos und Kontrabas). Ersterer verweist auf die böse Fee Carabosse aus Charles Perraults Dornröschen-Variante La belle au bois dormant, letzterer ist ein Wortspiel mit dem Pariser Bahnhof Montparnasse ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)).<ref>André Stoll: Asterix – das Trivialepos Frankreichs. Bild- und Sprachartistik eines Bestseller-Comics (= DuMont Kunst-Taschenbücher. Band 17). 3. Auflage. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0773-X, S. 114.</ref> Der Name Croquemithène (deutsch Trauerklos) des Vorsitzenden des Olympischen Senats weicht vom sonstigen System ab. Croque-mitaine ist eine französische Kinderschreckfigur.<ref>Jörg Fündling: Asterix. 100 Seiten. 6. Auflage. Reclam, Ditzingen 2023, ISBN 978-3-15-020418-4, S. 39.</ref>

Künstlerische und historische Verweise

In vielen Asterix-Comics haben die Autoren bildliche oder sprachliche Referenzen auf Kunstwerke oder geschichtliche Ereignisse untergebracht. Im französischen Original von Asterix bei den Olympischen Spielen identifiziert André Stoll mehrere solcher Beispiele im Begleittext des „Einlaufs der Nationen“, von denen einige aber in der Übersetzung verloren gingen. So wird darin vom „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)“ gesprochen. Die gängige Bedeutung von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ist „Vorbeimarsch“; unter dieser Bedeutung ist das Wort Defilee auch in die deutsche Sprache eingegangen. Der Ausspruch lässt sich also als „Einmarsch derer von den Thermopylen“ übersetzen. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) steht aber auch für Engpass. Somit kann er auch den Engpass der Thermopylen meinen, der immer wieder Schauplatz wichtiger militärischer Auseinandersetzungen war, etwa der Schlacht bei den Thermopylen im Jahr 480 v. Chr.<ref>André Stoll: Asterix – das Trivialepos Frankreichs. Bild- und Sprachartistik eines Bestseller-Comics (= DuMont Kunst-Taschenbücher. Band 17). 3. Auflage. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0773-X, S. 116–117.</ref>

Bei den nächsten drei beschriebenen Delegationen von griechischen Athleten erkennt Stoll Referenzen auf Kunstwerke, die sich in der Sammlung des Louvre befinden. Die Samothraker sind laut Begleittext des Sieges gewiss. Damit verweisen die Autoren laut Stoll auf die Nike von Samothrake, eine Skulptur der griechischen Siegesgöttin, die auf der Insel Samothraki entdeckt wurde. Über die Mannschaft von der Insel Milos heißt es „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)“ („Die von Milo sind auch gekommen“). Das Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) steht hier vordergründig für gekommen, im Zusammenhang mit Milo erinnert es Stoll aber auch an die Venus von Milo, eine bekannten Skulptur der Aphrodite. Die Athleten von Kythira wiederum seien soeben im Hafen eingetroffen. Hier sieht Stoll eine Reminiszenz an das Gemälde Einschiffung nach Kythera des französischen Rokoko-Malers Antoine Watteau, wobei die Fahrtrichtung des Schiffes umgedreht wird.<ref>André Stoll: Asterix – das Trivialepos Frankreichs. Bild- und Sprachartistik eines Bestseller-Comics (= DuMont Kunst-Taschenbücher. Band 17). 3. Auflage. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0773-X, S. 117–119.</ref>

Weitere Verweise und Wortspiele erkennt Jaap Toorenaar in den nun folgenden Delegationen. Die Athleten aus Marathon treffen laut Begleittext im Laufschritt ein. Dies beziehe sich auf die Legende, ein griechischer Bote sei von Marathon nach Athen gelaufen, um den Sieg in der Schlacht gegen die Perser zu verkünden. Über die Sportler aus Mazedonien heißt es, sie seien ein „gemischter Haufen“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)); ein Wortspiel, denn das französische Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) bezeichnet auch einen gemischten Salat. Dass die Spartaner barfuß einlaufen, verweist laut Toorenaar nicht nur auf ihren im Wort spartanisch verewigten harten Lebensstil, sondern auch auf eine spezielle Form von Sandalen, die im Französischen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) genannt werden. Die Insel Rhodos hat nur einen einzigen massigen Athleten geschickt, der als „Koloss“ beschrieben wird. Dies spielt auf den Koloss von Rhodos an, eine Kolossalstatue, die im dritten vorchristlichen Jahrhundert in der Inselhauptstadt stand und eines der sieben Weltwunder der Antike war.<ref>Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. 2012, S. 59.</ref>

Datei:Aristide Bruant Nini, peau d'chien 1905.ogg
Aristide Bruant: Nini peau d'chien. Aufnahme von 1905

In Asterix-Comics wird häufig gesungen. Nicht nur der Barde Troubadix, auch Asterix und Obelix oder römische Legionäre stimmen immer wieder Lieder an, deren Texte sich an französische Chansons oder Volkslieder anlehnen. In der deutschen Übersetzungen werden sie durch passende deutschsprachige Lieder ersetzt.<ref>Gudrun Penndorf: Asterix übersetzen – oder das Wechselspiel in Bild und Sprache. In: Kai Brodersen (Hrsg.): Asterix und seine Zeit. Die große Welt des kleinen Galliers (= Beck’sche Reihe. Band 1404). Beck, München 2001, ISBN 3-406-45944-7, S. 212–230, hier: 222–223.</ref> Auf ihrer Schiffsreise nach Griechenland schmettern die Gallier kurz vor ihrer Ankunft in Piräus ein Lied. Der französische Text lautet „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)“ („In Lutetia liebt man sie sehr, / Nini mit der Wildschweinhaut“), eine Parodie des Liedes Nini peau d'chien von Aristide Bruant, in dem es heißt: „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)“ („An der Bastille liebt man sehr / Nini mit der Hundehaut“).<ref>André Stoll: Asterix – das Trivialepos Frankreichs. Bild- und Sprachartistik eines Bestseller-Comics (= DuMont Kunst-Taschenbücher. Band 17). 3. Auflage. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0773-X, S. 126–127.</ref> In der deutschen Übersetzung stimmen sie stattdessen den Refrain des Schlagers Ein Schiff wird kommen an,<ref>René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2011, S. 21.</ref> der vor allem in der Aufnahme von Lale Andersen bekannt wurde. In dem Lied spielt der Hafen von Piräus eine Rolle.<ref name="comedix">Marco Mütz: Sprachspiele - Asterix bei den Olympischen Spielen. In: Deutsches Asterix Archiv auf comedix.de. Abgerufen am 8. September 2025.</ref>

Ein charakteristisches Merkmal der Asterix-Comics ist das Einstreuen von lateinischen Begriffen und Zitaten. Anders als im Französischen werden sie in der deutschen Ausgabe in Fußnoten übersetzt.<ref>Jörg Fündling: Asterix. 100 Seiten. 6. Auflage. Reclam, Ditzingen 2023, ISBN 978-3-15-020418-4, S. 36.</ref> Häufig stammen solche Zitate aus der Bibel. Ein Beispiel dafür ist der Vers Et nunc reges, intelligite erudimini, qui judicatis terram („So seid nun verständig, ihr Könige, lasst euch warnen, ihr Richter auf Erden!“), den der betrübte Zenturio Tullius Redeflus vor sich hin murmelt, nachdem er von der Teilnahme der „römischen Gallier“ an den Spielen erfahren hat. Es handelt sich um den zehnten Vers des zweiten Psalms aus dem Buch der Psalmen.<ref>André Stoll: Asterix – das Trivialepos Frankreichs. Bild- und Sprachartistik eines Bestseller-Comics (= DuMont Kunst-Taschenbücher. Band 17). 3. Auflage. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0773-X, S. 104–105.</ref> Andere Zitate stammen aus antiken Klassikern, etwa die Wendung Mens sana in corpore sano („Gesunder Geist in einem gesunden Körper“), die einer der geschlagenen Gegner des Kampfsportlers Walros bei der Siegerehrung von sich gibt. Sie ist ein verkürztes Zitat aus den Satiren des Juvenal, der im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert lebte.<ref>Veni, Vidi, Vici. Das große Asterix Latinum. Egmont, Berlin 2023, ISBN 978-3-7704-2910-3.</ref>

An anderen Stellen verweisen die Autoren nur indirekt auf lateinische Wendungen. Als sich die griechischen Athleten angesichts der römischen Gelage über ihre karge Kost beschweren, sagt einer von ihnen: „Wenn ihr Spiele wollt, dann gebt uns Brot!“; eine Verdrehung des Ausdrucks panem et circenses (Brot und Spiele), der ebenfalls aus den Satiren des Juvenal stammt.<ref>Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. 2012, S. 61–62.</ref> Als Asterix seine Freunde darüber aufklärt, dass sie seit Cäsars Eroberung Galliens eigentlich Römer seien, nutzt er im Original die Formulierung „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)“ (er [Cäsar] hat genug Kommentare zu diesem Thema geliefert). Dies verweist auf die Commentarii de bello Gallico, Cäsars Bericht über den Gallischen Krieg. Im Deutschen fehlt diese Andeutung; hier sagt Asterix stattdessen „Er hat es doch oft genug erwähnt“.<ref>Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. 2012, S. 60. Das deutsche Zitat stammt aus René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2011, S. 14.</ref> Ähnliche Verweise auf Cäsars Bericht sind in den Bänden Asterix und der Arvernerschild sowie Die Trabantenstadt zu finden, bei letzterem ebenfalls nur im Original.<ref>Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. 2012, S. 56, 79.</ref>

Goscinny und Uderzo haben sich in diesem Band selbst verewigt. Am Eingang des olympischen Dorfes ist ein Relief zu sehen, auf dem sie – in Anlehnung an die Bändigung des Kretischen Stiers durch Herakles – mühelos einen Stier bezwingen. Unter den Figuren stehen die Namen „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)“ und „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)“. Sie werden als despotes ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bzw. tyrannos ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bezeichnet.<ref>René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. 2001, S. 135. Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 35. Jeremy Barris: Asterix, Carnival, and the Wonder of Everyday Life. 2017, S. 118. Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. 2012, S. 61. Josef Mühlenbrock: Die Trabantenstadt. Die Architektur der Römer bei Asterix. In: Westfälisches Römermuseum Haltern (Hrsg.): „Die spinnen, die …“. Mit Asterix durch die Welt der Römer. Ehapa, Stuttgart 1999, ISBN 3-7704-0252-9, S. 48–55, hier: 50–51. Van Royen und van der Vegt sowie Luh und Toorenaar interpretieren die beiden Bezeichnungen als Beschreibung des neben ihr stehenden Autors. Demnach wäre Goscinny der despotes, während Uderzo der tyrannos wäre. Barris und Mühlenbrock hingegen interpretieren sie als Sprechblasen. Somit würde Goscinny Uderzo als despotes bezeichnen, während dieser ihn einen tyrannos nennt. Ähnlich sieht es Marco Mütz auf comedix.de. Auch auf den redaktionellen Zusatzseiten der Sonderauflage von Asterix bei den Olympischen Spielen aus dem Jahr 2016 wird die Zeichnung so interpretiert.</ref>

Historische Authentizität

Die historische Genauigkeit der Asterix-Comics wird sehr unterschiedlich beurteilt. Christine Gundermann, deren Forschungsschwerpunkt auf Public History liegt, sieht Asterix als „Geschichtsgroteske“, in der „historische Elemente[] […] lediglich zur Ironisierung aktueller Lebensumstände [dienen].“ Die Reihe erzähle dabei weder römische noch gallische Geschichte.<ref>Christine Gundermann: 50 Jahre Widerstand: Das Phänomen Asterix. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History. Band 6, Heft 1, S. 115–128, hier: 123, doi:10.14765/zzf.dok-1837.</ref> Ähnlich sieht es die Museumspädagogin Renate Wiechers. Zwar biete Asterix sowohl für Grundschüler als auch Lateinlehrer etwas; man solle aber nicht erwarten, dass Asterix römische Geschichte vermittele.<ref>Renate Wiechers: Asterix und die Goten. Asterix in Germanien? In: Westfälisches Römermuseum Haltern (Hrsg.): „Die spinnen, die …“. Mit Asterix durch die Welt der Römer. Ehapa, Stuttgart 1999, ISBN 3-7704-0252-9, S. 24–31, hier: 31.</ref> Altertumsforscher gehen mit der Asterix-Reihe weitaus weniger streng ins Gericht und sehen vielmehr ein hohes Maß an historischer Authentizität.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 13.</ref> Das gilt insbesondere für den Band Asterix bei den Olympischen Spielen. Der Olympia-Archäologe Ulrich Sinn kommt in Bezug auf die Darstellung von Olympia im Comic zu dem Schluss, „daß Goscinny und Uderzo die charakteristische Atmosphäre des Platzes während der Festzeit wunderbar eingefangen haben.“<ref>Ulrich Sinn: Asterix und Olympia. 2001, S. 176.</ref> Eine „weitgehende historische Stimmigkeit“ sieht auch der Sporthistoriker Andreas Luh.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 56.</ref> Zwar erschienen nicht alle Details historisch authentisch und manches sei dramaturgisch oder parodistisch überzogen, aber nur weniges sei falsch dargestellt.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 73.</ref>

Teilnehmer

Eine der wesentlichen Fragen historischer Studien zu Asterix bei den Olympischen Spielen ist es, ob Römer und Gallier überhaupt an den Spielen teilnehmen durften.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 14–18. Ulrich Sinn: Asterix und Olympia. 2001, S. 160–163. René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 123–125.</ref> Laut überliefertem Reglement war nur freien männlichen Griechen ohne schwere Vorstrafen die Teilnahme an den Olympischen Spielen erlaubt. Wer genau als Grieche angesehen wurde, änderte sich jedoch im Laufe der Zeit. So galten beispielsweise im frühen 5. Jahrhundert vor Christus die Makedonen noch nicht als solche. Spätestens mit der Gründung von griechischen Kolonien an verschiedenen Orten im Mittelmeerraum wurde das Griechentum zu einer Frage von Bildung und Erziehung und nicht mehr von ethnischer Abstammung. Entscheidend war nun vor allem, den Prozess der Paideia, also der Ausbildung in einem Gymnasion, durchlaufen zu haben.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 15–16.</ref>

Obwohl das für die meisten Römer nicht galt, war ihnen nach der griechischen Niederlage im Achaiischen Krieg im Jahr 146 v. Chr. und der Unterwerfung Griechenlands unter römische Kontrolle eine Teilnahme an den Spielen aus politischen Gründen kaum noch zu verbieten. Etwa ein Jahrhundert später wurde Griechenland als Provinz Achaea unter direkte römische Herrschaft gestellt. Ab da hatten römische Bürger auch das griechische Bürgerrecht und waren damit ohne Einschränkung zur Teilnahme an den Spielen berechtigt. Anders als in den Comics dargestellt, bedeutete dies aber nicht automatisch eine Teilnahmeberechtigung für Gallier. Das römische Bürgerrecht erhielten nach der Eroberung Galliens nur wenige Mitglieder der gallischen Eliten, die damit zu einer Zusammenarbeit mit Rom motiviert werden sollten. Erst 212 n. Chr. wurde mit der Constitutio Antoniniana allen freien Bewohnern des römischen Reichs das Bürgerrecht verliehen.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 16, 18.</ref>

Auch wenn Römer zur Teilnahme an den Olympischen Spielen berechtigt waren, hielt sich ihre Begeisterung für die Spiele in Grenzen. Sie sahen im griechischen Wettkampfsport einen sinnlosen Müßiggang ohne militärischen Nutzen. Außerdem hatten sie moralische Vorbehalte gegenüber der Nacktheit der Sportler. So sind nur wenige römische Teilnehmer an den Spielen dokumentiert. Solche Teilnahmen waren dann aber die Angelegenheit des Einzelnen; eine römische Delegation mit Auswahlprozess und Belohnung für den Sieger, wie im Comic dargestellt, ist nicht überliefert.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 17–18.</ref>

In einer Szene beschäftigt sich Asterix bei den Olympischen Spielen mit der Rolle von Frauen bei den Spielen. Unter höhnischem Gelächter der männlichen Zuschauer wird einer Frau der Zugang zu den Wettkampfstätten verweigert. Historisch korrekt ist es, dass Frauen gemäß ihrer untergeordneten Rolle in der griechischen Gesellschaft von der aktiven Teilnahme ausgeschlossen waren. Dennoch finden sich Frauen in den Siegerlisten. Ein Beispiel ist Kyniska, die Tochter des spartanischen Königs Archidamos II., die zu Beginn des vierten Jahrhunderts vor Christus zweimal im Wagenrennen siegte. Dies war möglich, da im Pferdesport nicht der Wagenlenker oder Reiter zum Sieger ernannt wurde, sondern der Besitzer der Pferde – eine Regelung, mit der hochgestellten Persönlichkeiten die Gelegenheit für einen Sieg in Olympia gegeben werden sollte. Historisch korrekt ist es auch, dass es verheirateten Frauen unter Androhung der Todesstrafe verboten war, bei den Olympischen Spielen zuzuschauen. Für unverheiratete Frauen und Mädchen galt dieses Verbot jedoch nicht.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 18–19. Ulrich Sinn: Asterix und Olympia. 2001, S. 174–176.</ref>

Reise nach Athen

Datei:The Acropolis of Athens on January 23, 2021.jpg
Blick auf die Akropolis aus ähnlicher Richtung wie im Comic

Das Schiff der Gallier erreicht Griechenland über den Hafen von Piräus, dessen Darstellung einschließlich der des Leuchtturms als realistisch bewertet wird.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 23. René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 126–127.</ref> Im Hafen bietet sich Demonstratos den Galliern als Reiseführer an. Auch antike Quellen erwähnen Menschen, die Reisenden Sehenswürdigkeiten präsentierten. So berichtet Plutarch von den Führern in Delphi, die nur ihr übliches Programm abspulten, ohne auf die Bitten der Besucher einzugehen.<ref>Josef Mühlenbrock: Die Odyssee. Asterix und Obelix auf Reisen. In: Westfälisches Römermuseum Haltern (Hrsg.): „Die spinnen, die …“. Mit Asterix durch die Welt der Römer. Ehapa, Stuttgart 1999, ISBN 3-7704-0252-9, S. 56–63, hier: 63.</ref> Demonstratos führt die Gallier nach Athen, was den Gepflogenheiten in der Antike entspricht. Die Stadt genoss hohes Ansehen und viele gebildete Römer statteten ihr gern einen Besuch ab. Einer von ihnen war Cicero, dem laut eigener Aussage Athens Sehenswürdigkeiten viel Spaß gemacht haben.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 23.</ref>

Ein großes Panel zeigt die Fahrt der Gallier im Pferdewagen nach Athen. Im Hintergrund erhebt sich die Akropolis mit dem Nike-Tempel und dem Parthenon über der Stadt. Ihre Darstellung ist historisch im Großen und Ganzen korrekt. Bei ihrem Besuch der Akropolis bestaunen die Gallier die vergoldete Kolossal-Statue der Athena Parthenos. Auch ihr Aussehen entspricht weitgehend der Beschreibung bei Pausanias, nur die Lanze fehlt. Allerdings ist ihr Standort falsch. Sie stand nicht, wie im Comic dargestellt, unter freiem Himmel, sondern im Inneren des Parthenons.<ref>René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 129–130. Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 24.</ref>

Datei:Ancient Greek pottery in the Museo Gregoriano Etrusco 04.jpg
Ödipus und die Sphinx auf einer Kylix, etwa 470–460 v. Chr. Die Schale nutzt im Comic ein Künstler als Vorlage.

Auf der Akropolis lässt sich der Schmied Automatix von einem Künstler auf einer Bauchamphore verewigen. Als Vorlage dient eine Trinkschale, die Ödipus mit der Sphinx zeigt. Die Amphore ähnelt in Form und Dekoration Panathenäischen Preisamphoren. Sie waren allerdings keine Souvenirs für Touristen, sondern wurden als Preise bei den Panathenäen vergeben. Auch viele andere Gallier erwerben Souvenirs. Einer trägt eine Amphore, bei der es sich aber um eine römische statt einer griechischen handelt. Andere – unter ihnen Majestix – haben kleine Modelle des Parthenons gekauft. Dass Reisende bereits in der Antike Souvenirs mitbrachten, ist belegt. Unter diesen waren auch Modelle von Sehenswürdigkeiten. Die Bibel erwähnt beispielsweise den Silberschmied Demetrios, der Nachbildungen des Artemis-Tempels herstellte.<ref>René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 131–132, 152. Josef Mühlenbrock: Die Odyssee. Asterix und Obelix auf Reisen. In: Westfälisches Römermuseum Haltern (Hrsg.): „Die spinnen, die …“. Mit Asterix durch die Welt der Römer. Ehapa, Stuttgart 1999, ISBN 3-7704-0252-9, S. 56–63, hier: 63.</ref>

In Olympia

Bevor der Comic die Ankunft der Gallier in Olympia zeigt, wird erst die Architektur des Heiligtums präsentiert. Laut Andreas Luh mischt sich dabei viel historisch Authentisches mit einigen Verzerrungen und Verfälschungen, aber nur wenigen eindeutigen Fehldarstellungen.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 25.</ref> Insgesamt vermittelten die Asterix-Autoren „einen sehenswerten Überblick, [der] dem Betrachter eine gelungene Orientierung über die antike Gesamtanlage Olympias in römischer Zeit liefert.“<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 30.</ref> Gut erkennbar seien der Zeustempel, der Heratempel, das Metroon sowie das Philippeion. Statt der eigentlich zwölf Schatzhäuser zeigt der Comic nur sechs. Während die quadratische Palästra, die Trainingsstätte der Kampfsportler, authentisch dargestellt ist, fehlt das langgestreckte Gymnasion mit seiner etwa 200 Meter langen Laufbahn. Das Hellanodikeion – der Amtssitz der Kampfrichter, der sogenannten Hellanodiken – stand nicht in Olympia, sondern in Elis.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 26–29.</ref>

Fehlerhaft ist laut Luh die Darstellung des Stadions und des Hippodroms. Den Zuschauern standen im Stadion keine steinernen Sitztribünen zur Verfügung. Stattdessen mussten sie auf den Erdwällen stehen; nur für die Hellanodiken gab es Sitzmöglichkeiten. Ähnliches gilt für das Hippodrom. Hier zeigen die Comic-Autoren – wohl angelehnt an die späteren römischen Zirkusanlagen – ein vollständiges Zuschaueroval. Allerdings wurde vermutlich der südliche Erdwall des Athletikstadions als alleinige Zuschauertribüne verwendet. Die von den Autoren angegebene Laufbahnlänge des Stadions von etwa 192 Metern ist historisch korrekt. Auch die Legende, dies entspreche 600 Fußlängen des Herakles, ist überliefert. Allerdings hätte der mythische Begründer von Olympia damit eine EU-Schuhgröße von 50 und nicht 46, wie es fälschlicherweise im Comic heißt. Die Ausmaße des Hippodroms stimmen hingegen nicht. Ist es im Comic ähnlich groß wie das Athletikstadion, war es in Wirklichkeit mit einer Länge von 600 Metern und einer Breite von 200 Metern deutlich größer als dieses.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 30–32.</ref>

Im Asterix-Band erreicht die gallische Delegation direkt Olympia, um dort ihre beiden Athleten für die Teilnahme an den Spielen anzumelden. Dies entspricht jedoch nicht dem eigentlichen Prozedere bei den antiken Spielen. Stattdessen mussten die Athleten an einem vierwöchigen Pflichttraining in Elis teilnehmen. Damit wollten die Hellanodiken einen hohen Leistungsstandard bei den Spielen sicherstellen. Von Elis aus führten die Hellanodiken die Sportler und Trainer dann zu Fuß in einer feierlichen Prozession in das etwa 60 Kilometer entfernte Olympia.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 34.</ref>

Datei:Red-figure kylix, jumper with halteres, AGMA, 225324x.jpg
Nackter Weitspringer mit Sprunggewichten. Rotfigurige Darstellung auf einer Kylix, etwa 510 v. Chr.

In zwei Paneln zeigen die Comic-Autoren das Training der griechischen und römischen Sportler. Die Darstellung ist im Großen und Ganzen historisch plausibel. So ist eine Vielzahl von modern anmutenden Trainingsmethoden überliefert. Falsch ist jedoch die Darstellung von Sportlern, die den Hochsprung trainieren. Diese Disziplin gab es bei den antiken Spielen noch nicht. Die von den Hochspringern im Comic verwendeten Gewichte, die sogenannten Halteres, gehörten stattdessen zur Wettkampfausstattung der Weitspringer. Auch die bekleideten Athleten sind unhistorisch. Sowohl die leicht- als auch die schwerathletischen Sportarten wurden nackt ausgeführt.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 35–37. René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 143–144.</ref>

Angesichts der römischen Gelage rühmen im Comic zwei olympische Verwaltungsbeamte die tugendhaften griechischen Athleten, die sich nur von Feigen, Oliven, rohem Fleisch und Wasser ernährten. Richtig ist, dass der Ernährung der Sportler im antiken Griechenland eine große Bedeutung beigemessen wurde. Dabei wurden allerdings sehr verschiedene Lehren zur optimalen Diät vertreten, die nicht alle so spartanisch waren, wie im Comic dargestellt.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 40–41.</ref>

Nachdem sie über die Doping-Regeln informiert wurden, suchen Asterix, Obelix und Miraculix nach ihren gallischen Freunden. Dabei bewegen sie sich durch eine als „Olympisches Dorf“ bezeichnete Ansammlung von Zelten, die Besucher der Spiele beherbergen. Dies ist eine treffende Darstellung der Atmosphäre im antiken Olympia. Die meisten der zehntausenden Besucher der Spiele lebten auf der Festwiese außerhalb des Heiligen Bezirks in Zelten, Laubhütten und Bretterbuden.<ref>Ulrich Sinn: Asterix und Olympia. 2001, S. 163–165. Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 33–34.</ref>

Ablauf der Spiele

Bei einigen zentralen Elementen ihrer Darstellung der Spiele orientierten sich Goscinny und Uderzo mehr an den modernen Spielen als an ihren antiken Vorgängern. So zeigen sie, wie ein einzelner Athlet im Namen aller vor dem olympischen Feuer den Olympischen Eid ablegt. Anders als bei den Spielen der Neuzeit legten in der Antike aber alle Athleten den Eid nach ihrer Ankunft in Olympia im Bouleuterion ab. Außerdem zeigen die Autoren, wie die Mannschaften der verschiedenen Herkunftsorte in das Stadion einziehen. Ein solcher „Einmarsch der Nationen“ war zwar Teil der meisten neuzeitlichen Spiele, in der Antike hat es ihn aber nicht gegeben. Weder das römische Reich noch die griechischen Poleis schickten organisierte Mannschaften, sondern die Athleten mussten ihre Teilnahme eigenständig melden. Die Darstellung der Siegerehrungen mit Treppchen und Auszeichnung für die drei Erstplatzierten ist ebenfalls unhistorisch. In der Antike wurde nur der Sieger ausgezeichnet, selbst Zweitplatzierte galten als Verlierer und zogen Hohn und Spott auf sich.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 44–45, 51. Ulrich Sinn: Asterix und Olympia. 2001, S. 159.</ref>

Beim Thema Doping verweist der Comic eher auf zeitgenössische Sportpolitik statt auf historische Realitäten. Im Jahr der französischen Erstveröffentlichung hatte das IOC erstmals Dopingkontrollen durchgeführt.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 65.</ref> Im Comic verkündet Kontrabas, Mitglied des Olympischen Magistrats, dass laut den Olympischen Gesetzen „das Einnehmen jeglicher kraftfördernder Mittel verboten [ist] und mit Disqualifikation bestraft [wird].“<ref>René Goscinny, Albert Uderzo: Asterix bei den Olympischen Spielen. Ehapa, Stuttgart 2011, S. 33.</ref> Richtig ist, dass „die Athleten […] über einem Eberopfer schwören [mussten], daß sie sich keinen Verstoß gegen die olympischen Wettkämpfe zuschulden kommen lassen werden.“<ref> Zitiert nach: Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 43</ref> Auch die Disqualifikation von Athleten, wie sie im Comic die römischen Läufer trifft, ist überliefert.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 55.</ref> Ein Verbot von leistungssteigernden Mitteln oder gar eine Bestrafung wegen der Einnahme ist jedoch nicht belegt. Vielmehr waren solche Mittel – etwa zermahlene Stierhoden, Heiltränke und Kräuterpflaster – üblich und nicht verpönt.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 42–44.</ref>

Auffällig ist die Ausblendung alles Kultischen im Comic. Neben ihrem sportlichen Charakter waren die Olympischen Spiele der Antike vor allem ein religiöses Fest zu Ehren von Zeus. Der Comic zeigt aber weder Gebete noch Opfer an den griechischen Göttervater. Damit folgt er dem Stil der Asterix-Reihe, auf religiöse Themen weitestgehend zu verzichten. Dies steht im Gegensatz zur eigentlichen Bedeutung von Religion für die Völker der Antike; vielmehr spiegelt diese Ausblendung die untergeordnete Rolle von Religion im heutigen Frankreich.<ref>Wolfgang Spickermann: Asterix und die Religion. In: Kai Brodersen (Hrsg.): Asterix und seine Zeit. Die große Welt des kleinen Galliers (= Beck’sche Reihe. Band 1404). Beck, München 2001, ISBN 3-406-45944-7, S. 105–126, hier: 105, 112.</ref>

In der Darstellung der eigentlichen Sportwettbewerbe mischen sich historische Fakten mit modernen Ausprägungen des Sports. Bei den Laufwettbewerben ist es richtig, dass der Lauf über 20 Stadien eine der Disziplinen war. Auch die steinerne Startschwelle mit Furchen ist korrekt dargestellt. In diese Furchen konnten die Läufer ihre Zehen krallen, um sich beim Start besser abzudrücken. Allerdings starteten die Läufer nicht wie im Comic dargestellt aus der Hocke. Stattdessen standen sie aufrecht und in leichter Schrittstellung mit nach vorn gestreckten Armen. Dabei hatte jeder Läufer seine eigene Startvorrichtung, die aus zwei senkrechten Pfählen und einer Querlatte bestand. Die einzelnen Startvorrichtungen waren über Stricke miteinander verbunden. Sie sorgten dafür, dass beim Start alle Querlatten gleichzeitig nach unten klappten und den Läufern das Loslaufen ermöglichten. Das Startsignal war „Alipte“ für „los“ oder der Trompetenstoß eines olympischen Herolds.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 45–46. René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 147.</ref> Der im Comic beschriebene Ausruf des Namens von Hirtengott Pan ist ein Wortspiel der Asterix-Autoren. „Pan“ ist das französische Äquivalent zum lautmalerischen „Peng“ einer Startpistole.<ref name="comedix" />

Datei:Boxers Panathenaic Met 06.1021.51.jpg
Faustkämpfer auf einer schwarz­figurigen Panathe­näischen Amphore, etwa 520 v. Chr.

Die Darstellung der Kampfsportwettkämpfe folgt weitestgehend den historischen Überlieferungen. Beim Faustkampf tragen Walros aus Rhodos und sein römischer Kontrahent Schlagdraufundschlus eine Art Handschuh. Der Sporthistoriker Andreas Luh erkennt darin die scharfkantigen Lederriemen (Himantes) antiker Faustkämpfer wieder, die Flavius Philostratos in seinem Werk Über die Gymnastik erwähnt.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 46.</ref> Die Altertumsforscher René van Royen und Sunnyva van der Vegt beschreiben sie hingegen als weiche Boxhandschuhe, von denen Pausanias berichtet, sie seien von Faustkämpfern getragen worden, bevor die scharfen Riemen eingeführt wurden.<ref>René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 148.</ref> Die massigen Staturen der Comic-Kontrahenten entsprechen antiken Darstellungen, wie sie auf Vasen zu finden sind. Da es keine Gewichtsklassen gab, dominierten Schwergewichte den Faustkampf. Beim Pankration, einer Mischung aus Ringen und Faustkampf, zeigt der Comic, wie Walros mit voller Wucht auf seinen griechischen Gegner springt. Laut Philostratos gehörte dies zu den erlaubten Kampftechniken; verboten war es nur, den Gegner zu beißen oder in seinen Körperöffnungen zu bohren.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 48–49.</ref>

Andreas Luh sieht in der Figur Walros Bezüge zu historischen Persönlichkeiten. So berichtet dessen Bruder den Galliern auf der Tribüne, dass ihr ältester Bruder noch viel stärker sei, sich aber noch nicht von einer Ohrfeige ihrer Mutter erholt habe. Dies könnte laut Luh auf den antiken Faustkämpfer Diagoras von Rhodos und seine Familie verweisen. Diagoras war sehr erfolgreich und wurde Periodonike. Auch Söhne und Enkel von ihm siegten bei den Olympischen Spielen; seine Tochter Kallipatira trat verbotenerweise als Trainerin auf.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 50–51.</ref>

Dass der Olympische Senat einen eigenen Laufwettbewerb für römische Athleten veranstaltet, passt durchaus zu historischen Begebenheiten. Zum einen wurden regelmäßig neue Disziplinen eingeführt, während andere abgeschafft wurden. Zum anderen verhielt sich die Heiligtumsverwaltung im Laufe der Jahrhunderte taktisch klug und zeigte eine hohe Bereitschaft, sich den politischen Gegebenheiten anzupassen. Eines der berüchtigtsten Beispiele ist der Besuch des römischen Kaisers Nero im Jahr 67. Für ihn wurde die Veranstaltung um zwei Jahre verlegt und eine palastartige Unterkunft gebaut. Zudem richtete man eigens für ihn ein Fohlenrennen mit Zehnergespann aus, bei dem er zum Sieger ausgerufen wurde, obwohl er vom Wagen gefallen sein soll.<ref>Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! 2018, S. 53–54. René van Royen, Sunnyva van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt. S. 150.</ref>

Literatur

  • Andreas Luh: Und Asterix hat doch recht! Asterix bei den Olympischen Spielen als Mittel historischer Bildung. 2. Auflage. Arete, Hildesheim 2018, ISBN 978-3-942468-93-0.
  • Andreas Luh: Asterix bei den Olympischen Spielen. Fiktion und Wirklichkeiten, (sport)historische Erinnerung und kollektives Gedächtnis. In: Andreas Luh, Norbert Gissel (Hrsg.): Neue Forschung zur Kulturgeschichte des Sports. Feldhaus, Hamburg 2018, ISBN 978-3-88020-663-2, S. 93–112 (d-nb.info).
  • Ulrich Sinn: Asterix und Olympia. In: Kai Brodersen (Hrsg.): Asterix und seine Zeit. Die große Welt des kleinen Galliers (= Beck’sche Reihe. Band 1404). Beck, München 2001, ISBN 3-406-45944-7, S. 159–176.
  • Jaap Toorenaar: Asterix, die fröhliche Wissenschaft. Arboris, Zelhem 2012, ISBN 978-90-344-0723-8, Kapitel Asterix und die Olympischen Spiele, S. 58–62.

Weblinks

Einzelnachweise

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