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Anton-Wilhelm-Amo-Straße

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Anton-Wilhelm-Amo-Straße
Mohrenstraße (bis 18. Juli 2025)
Datei:DEU Berlin COA.svg
Wappen
Straße in Berlin
Datei:Mohrenstraße, Berlin-Mitte.jpg
Blick entlang der Straße nach Osten
Datei:Placeholder.svg
Basisdaten
Ort  Berlin
Ortsteil  Mitte
Angelegt 
Neugestaltet 
Hist. Namen  Mohren-Straße (18. Jh.),
Mohrenstraße (bis 18. Juli 2025)
Name erhalten 
Anschluss­straßen  Voßstraße (westlich),
Hausvogteiplatz (östlich)
Querstraßen  Wilhelmstraße,
Mauerstraße
Glinkastraße,
Friedrichstraße,
Charlottenstraße,
Markgrafenstraße,
Jerusalemer Straße
Plätze  Zietenplatz,
Gendarmenmarkt,
Hausvogteiplatz
Nummern­system 
Bauwerke  siehe: hier
U-Bahn-Stationen
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Straßengestaltung
Länge rund 900 m

-

Karte
Vorlage:Maplink

Die Anton-Wilhelm-Amo-Straße ist eine Straße im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Der Straßenname ehrt den gleichnamigen Philosophen, der im 18. Jahrhundert der erste schwarze „Magister legens“ (Privatdozent) in Deutschland war.

Von ihrer Erbauung um das Jahr 1700 bis 2025 trug sie den Namen Mohrenstraße. Mit dem Argument, dass der Begriff „Mohr“ für schwarze Personen „heutzutage jedenfalls teilweise als anstößig empfunden“ werde,<ref>Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin vom 8. Juli 2025. rsw.beck.de</ref> wurde die Straße mit Wirkung vom 18. Juli 2025 umbenannt.

Geographie

Die Straße verläuft in der historischen Friedrichstadt in ost-westlicher Richtung vom Hausvogteiplatz bis zur Wilhelmstraße und bildet an einem Teilabschnitt die südliche Seite des Gendarmenmarktes. Am westlichen Ende der Anton-Wilhelm-Amo-Straße liegt der gleichnamige U-Bahnhof der Linie U2. Die in der Straße zahlreich erhaltenen oder nach den Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Gebäude stammen weitgehend aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert und stehen unter Denkmalschutz.

Entwicklung

Die Straße entstand um das Jahr 1700 bei der Anlage der Friedrichstadt und endete im Westen ursprünglich an der Mauerstraße. Zusammen mit weiteren Straßen rund um den Hausvogteiplatz an ihrem Ostende bildete sie durch die dort ansässigen Konfektionsgeschäfte in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg das Hauptzentrum der deutschen Textilkonfektion.<ref>Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940. Versuch einer Geschichte. Band 4. Berlin 1941. (Durchschrift des Originalmanuskripts (Inhaltsverzeichnis)).</ref>

Joachim Ernst Berger (1666–1734), der von 1697 bis 1732 Prediger der evangelisch-lutherischen Gemeinde der Friedrichstadt war, schreibt in seiner Chronik der Friedrichstadt: „A Eodem [1707] im Ausgang besagten Monaths [Mai], bekahmen die Gaßen, dem publico zum besten, ihre Nahmen.“ Der von Berger genannte 9. Straßenname ist die Mohren-Straße.<ref>Joachim Ernst Berger: Kernn aller Fridrichs-Städtschen Begebenheiten, um 1730. (Staatsbibliothek Berlin, Handschriftenabteilung, Ms Boruss. Quart 124, S. 30.).</ref> Im ersten Stadtplan der königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin aus dem Jahr 1710 ist die Mohrenstraße ebenfalls bereits enthalten.

1946 befanden sich an der damaligen Mohrenstraße die Redaktionsräume der Zeitschrift Die Weltbühne, die 1946 von Maud von Ossietzky im v. Ossietzky-Verlag neu herausgegeben wurde.<ref>Ursula Madrasch-Groschopp: Die Weltbühne. Porträt einer Zeitschrift. Ullstein Sachbuch, 1985, S. 470 ff.</ref> Mit Umgestaltung beziehungsweise Bebauung der einstigen Stadtplätze Zietenplatz und Wilhelmplatz (späterer Thälmannplatz) zu DDR-Zeiten wurde der Straßenabschnitt, der die Verbindung zur Wilhelmstraße herstellt, in die Mohrenstraße mit einbezogen.

Ausgewählte Bauwerke des 18. bis 21. Jahrhunderts

Eigentümer vieler Häuser an der damaligen Mohrenstraße waren im 19. Jahrhundert vor allem Versicherungsunternehmer, Bankiers, Handwerksmeister oder wohlhabende Kaufleute. Die hier um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert zahlreich errichteten drei- oder viergeschossigen Gebäude dienten hauptsächlich als Verwaltungssitz für Versicherungen, Banken, Handelshäuser, Verlage oder ähnliche Unternehmen. Trotz starker Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs sind viele Häuser erhalten geblieben oder wiederaufgebaut und Ende des 20. Jahrhunderts renoviert worden. Heute stehen zahlreiche dieser Gebäude unter Denkmalschutz.

Gebäude Geschichte Abbildung Anmerkung
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 1–5 Die Grundstücke Nr. 1–5 am damaligen Straßenanfang waren Teil des Baublocks zwischen seinerzeitiger Mohrenstraße, Mauerstraße, Kaiserhofstraße und Wilhelmplatz, der komplett vom 1876 eröffneten Hotel Kaiserhof eingenommen wurde. Außer dem Hotel mit Restaurant und mehreren Läden beherbergte das Gebäude auch das Stadtpostamt Nr. 50 mit einer Telegrafenstation.<ref name="adress/1900" />
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 6 / Ecke Glinkastraße 8 Im Haus Nr. 6 bezog im April 1850 Gottfried Keller bei seinem ersten Berlin-Aufenthalt ein „schönes Eckzimmer dicht neben der Dreifaltigkeitskirche.“ Als er 1853 nach Berlin zurückkehrte, lebte er in einer anderen Wohnung in der Mohrenstraße.<ref>Karl Voss: Reiseführer für Literaturfreunde Berlin. Vom Alex bis zum Kudamm. Ullstein, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1980, ISBN 3-548-04069-1, S. 78 f., Zitat S. 78.</ref>

Um 1910 entstand auf dem Grundstück Anton-Wilhelm-Amo-Straße 6 / Ecke Glinkastraße 8 das Verwaltungsgebäude der Wiener Versicherungsgesellschaft Der Anker nach einem Entwurf des Architekten Adolf Zabel.<ref>Baudenkmal Mohrenstraße 6 (1911)</ref><ref name="adresss/1914">Mohrenstraße 6. In: Berliner Adreßbuch, 1914, Teil 3, S. 609 f. (Eigentümer Der Anker, Gesellschaft für Lebens- und Rentenversicherungen mit dem Direktor P. Schlesinger).</ref>

Datei:Berlin, Mitte, Mohrenstraße, Versicherung Der Anker 01.jpg
Baudenkmal
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 7/8 Geschäftshaus der drei Rex-Firmen: J. L. Rex (Tee, Kaffee, Kakao), Rex & Co. (Japan-China-Orientwaren, feine Lederwaren, Reise- und Gebrauchsartikel) und Louis Rex (Weingroßhaus mit Zigarrenabteilung), erbaut um 1908 nach einem Entwurf der Architekten Cremer und Wolffenstein.
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 9 Im Haus Mohrenstraße 9 gab es um das Jahr 1900 die Weinhandlung Traube & Sohn.<ref name="adress/1900" />
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 10 Im Gebäude Nr. 10 unterhielt Carl Stangen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sein auch international agierendes Reisebüro (Carl Stangen’s Reisebureau; Abbildung von 1895).
Datei:Carl Stangen 1895 Mohrenstraße 10.jpg
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 11/12 Im Gebäude Nr. 11/12 war das Hotel Stadt Magdeburg mit einer Weingroßhandlung untergebracht.
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 17/18 Karl Marx wohnte hier 1837 bis 1838 während seines Studiums. Im September 1929 ehrte auf Antrag der SPD-Stadtverordnetenfraktion die Stadt Berlin das Andenken an den „Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus“ durch eine Gedenktafel am Haus. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie im Juli 1933 entfernt.<ref>Berlin ehrt Karl Marx. In: Vorwärts vom 1. September 1929 / Vossische Zeitung, 27. Juli 1933.</ref> Das Haus an der Ecke der Friedrichstraße fiel einem der Luftangriffe der Alliierten auf Berlin zum Opfer.<ref>Karl Voss: Reiseführer für Literaturfreunde Berlin. Vom Alex bis zum Kudamm. Ullstein, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1980, ISBN 3-548-04069-1, S. 78, dort auch das Zitat.</ref>
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 20/21 Im Gebäude Nr. 20 befand sich zunächst das Hotel Zum Norddeutschen Hof. Der 1908 nach dem Entwurf des Berliner Architekten Georg Rathenau errichtete Neubau des Gebäudes 20/21 diente zur DDR-Zeit als NDPD-Haus und Haus des Deutschen Handwerks.<ref>Baudenkmal Mohrenstraße 20/21 (1908)</ref>
Datei:Berlin, Mitte, Mohrenstrasse 20-21, Zentralverband des Deutschen Handwerks.jpg
Baudenkmal
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 22/23 / Ecke Charlottenstraße 60 Geschäftshaus der Berlinischen Bodengesellschaft,<ref name="adresss/1914" /> erbaut 1907 nach Entwurf der Berliner Architekten Cremer und Wolffenstein<ref>Baudenkmal Mohrenstraße 22/23 (1907)</ref>
Datei:Berlin Gendarmenmarkt Rausch Chocolatiers.jpg
Baudenkmal
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 27/28 / Ecke Friedrichstraße Heute Quartier 205, Architekt Oswald Mathias Ungers, 1996 als Warenhaus eröffnet. Der Haupteingang befindet sich auf dem Grundstück Friedrichstraße 67. Das achtgeschossige Bauwerk ist durch einen Tunnel mit dem Quartier 206 verbunden und bildet den südlichen Teil der Friedrichstadt-Passagen.
Im Vorgängerbau des Gebäudes mit der Nr. 27 bezogen 1829 der Dichter Heinrich Stieglitz und seine Frau Charlotte ihre erste gemeinsame Wohnung.<ref>Stieglitz. In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1829.</ref> Auf dem Grundstück Mohrenstraße 27/28 befand sich später das Hospiz der Berliner Stadtmission.
Datei:Berlin - Quartier 205.jpg
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 30 Das Gebäude Nr. 30 liegt gegenüber des Deutschen Doms am Gendarmenmarkt. 1989 begann die DDR-Hotelkette Interhotel mit dem Bau des heutigen Gebäudes; im November 1990 wurde es als Domhotel eröffnet.<ref name="bz" /> 1991 kaufte die Hilton-Worldwide-Gruppe den Bau<ref>kar: Das Hilton und die Hauptstadt. In: Die Welt. 16. Juni 2000 (welt.de).</ref> und führt hier mit dem Hilton Berlin das größte Fünf-Sterne-Hotel der Stadt.<ref name="bz">Hilton investiert 20 Millionen Euro. In: bz-berlin.de. Abgerufen am 1. Januar 2021.</ref>
Datei:Hilton Berlin.JPG
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 31 Im Gebäude Nr. 31 waren das Hotel de France, das Café Schiller sowie die 16. Gemeindeschule mit der 1. Städtischen Volksbibliothek untergebracht. Mehrere Verlage sind ebenfalls als Nutzer ausgewiesen.
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 36/37 Hier und gegenüber (Nr. 41) liegen die Mohrenkolonnaden, errichtet 1787 zur Zierde der Mohrenbrücke, die den Festungsgraben überspannte. Die frisch verheiratete Adele Gerhard zog 1889 mit ihrem Ehemann in eines der Häuser am Festungsgraben. Es bildete den Hintergrund ihres 1917 erschienenen Romans Am alten Graben. In den 1900er Jahren mussten diese Häuser bei der Beseitigung des Festungsgrabens und der Mohrenbrücke neuen, mit den Kolonnaden direkt verbundenen Geschäftshäusern weichen.<ref>Karl Voss: Reiseführer für Literaturfreunde Berlin. Vom Alex bis zum Kudamm. Ullstein, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1980, ISBN 3-548-04069-1, S. 78.</ref> Das Gebäude Nr. 37a war ein Geschäftshaus von 1896 (Damenkonfektion Goldenbaum & Lichtenstein),<ref name="adresss/1914" /> Architekt: Carl Bauer<ref name="M37">Baudenkmal Mohrenstraße 37a/b</ref>, das Haus Nr. 37b (mit Kronenstraße 38–40) war das Geschäftshaus Prausenhof, erbaut 1913 nach Entwurf von Architekt Ludwig Otte.<ref name="M37" />
Zu DDR-Zeiten diente das Gebäude Nr. 36/37 als Internationales Pressezentrum, in dem Günter Schabowski am 9. November 1989 die neuen Reiseregelungen für DDR-Bürger verkündete, womit er zum Mauerfall beitrug.<ref>Presseamt beim Ministerrat der DDR. Stelen der Robert-Havemann-Gesellschaft, revolution89.de</ref> Eine Informationsstele der Robert-Havemann-Gesellschaft erinnert vor Ort.<ref>Presseamt beim Ministerrat der DDR. berlin.de, aktualisiert am 8. August 2011; abgerufen am 2. November 2016.</ref>
Heute dient das Gebäude Nr. 36/37 dem Bundesministerium der Justiz.
Datei:Berlin, Mitte, Mohrenstrasse 37, Bundesministerium der Justiz.jpg
Baudenkmal
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 39–44 / Ecke Hausvogteiplatz 8/9 Geschäftshaus Zum Hausvoigt, 1890 errichtet für zwei Konfektions-Gesellschaften,<ref name="adresss/1914" /> Architekt: Otto March<ref>Baudenkmalkomplex Hausvogteiplatz 8/9 und Mohrenstraße (1889–1890)</ref>
Datei:Berlin, Mitte, Hausvogteiplatz, Geschaeftshaus Zum Hausvoigt 05.jpg
Baudenkmal
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 49 Im Gebäude Nr. 49 befand sich seit dem 18. Jahrhundert die vornehme Gaststätte Englisches Haus. In ihr trafen sich jeden Montag die Mitglieder des 1749 gegründeten Berliner Montagsclubs und hier bewirtete er seine Gäste, darunter Hegel, Fichte, Goethe, Schiller und die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt. Auch die Militärische Gesellschaft, die Berliner Liedertafel, der Verein Berliner Künstler und die literarische Gesellschaft Tunnel über der Spree wählten das Englische Haus zu ihrem Treffpunkt.<ref>In den Jahren 1890 und 1900 gab es laut Adressbuch hier keine Gaststätte, stattdessen wurden für das Haus Nr. 49 nur private Bewohner genannt. Im Haus Nr. 51 erscheint je ein Gastwirt: Winkelmann (aber nur als Verwalter; 1890) und C. Voigt (1900). (Mohrenstraße 49. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1900, Teil 3, S. 424.)</ref>
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 51/52 Verwaltungsgebäude der Deutschen Innen- und Außenhandels-Gesellschaft (DIA) von 1955<ref>Baudenkmal Mohrenstraße 51</ref> Baudenkmal
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 53–61 Verwaltungsgebäude der Allianz- und Stuttgarter Lebensversicherungsbank AG, erbaut 1936 nach Entwurf des Architekten Heinrich Rosskotten.<ref>Baudenkmal Mohrenstraße 53–61 (1937–1943)</ref> Baudenkmal
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 58/59 Büro- und Geschäftshaus der Allgemeinen Unfall- und Haftpflicht-Versicherungs-AG „Zürich“, erbaut 1913–1915 nach Entwurf der Berliner Architekten Richard Bielenberg und Josef Moser.<ref name="adresss/1914" />
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 62 Ursprünglich Sitz der Preußischen Lebens-Versicherungs-AG
Datei:Berlin, Mitte, Glinkastrasse, Buerogebaeude Preussische Lebensversicherung.jpg
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 63 Verwaltungsgebäude der Allianzversicherung von 1913, Architekt: Bodo Ebhardt.<ref name="adresss/1914" /><ref>Baudenkmal Mohrenstraße 63/64</ref> Die Säulenfassade an der Südseite stand in Bezug zu der gegenüberliegenden Dreifaltigkeitskirche. 1950 erfolgte ein Umbau für die Nutzung durch die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Aus dieser Zeit stammt auch das Relief an der Fassade an der Glinkastraße mit dem Porträt des russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka.
Datei:Berlin, Mitte, Mohrenstraße, Glinka-Haus 01.jpg
Baudenkmal
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 64 Heute Sitz der Vertretung des Freistaates Thüringen beim Bund. Auf dem Grundstück stand ab 1933 das Thüringen-Haus als Vertretung des thüringischen Staates in Berlin, es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach der deutschen Wiedervereinigung ging das bis dahin nicht wieder bebaute Grundstück in den Besitz des neugegründeten Freistaates Thüringen über. Das derzeitige Gebäude wurde von dem Erfurter Architekturbüro Dr. Worschech und Partner geplant und 1999 bezogen.<ref>Christian Fröhlich: Die Thüringer Landesvertretung feiert sich und den Freistaat beim jährlichen Sommerfest in der Thüringer Allgemeine, 15. Juni 2010.</ref>
Datei:Berlin, Mitte, Mauerstraße, Thüringische Landesvertretung 01.jpg
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 65 Preußische Hypotheken-Aktienbank (1870–1929)
Datei:Berlin mohrenstraße 65 (preuß hypotheken- und aktienbank) (blätter arch kunsthandw 25 (1912), Tf 25.jpg
Anton-Wilhelm-Amo-Straße 66 Geschäftshaus des Kur- und Neumärkischen Ritterschafts-Kredit-Instituts von 1890,<ref>Baudenkmal Mohrenstraße 66 (1890–1892)</ref> im gleichen Haus befanden sich die Mittelmärkische Ritterschafts-Direktion sowie eine Weingroßhandlung und zahlreiche Wohnungen,<ref name="adresss/1914" /> auch das Gesandtschaftbüro der Vereinigten Staaten (von Amerika) war hier etabliert.<ref>Mohrenstraße. In: Berliner Adreßbuch, 1890, Teil 2, S. 325 ff..</ref>
Vor 1945 war es das letzte Haus an der Mohrenstraße, seine Westseite lag am damaligen Wilhelmplatz.
Datei:Berlin, Mitte, Zietenplatz, Ritterschaftsdirektion 02.jpg
Baudenkmal
Dreifaltigkeitskirche Fundamente der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dreifaltigkeitskirche von etwa 1750
Datei:Bundesarchiv Bild 183-1987-0127-503, Berlin, Dreifaltigkeitskirche.jpg
Baudenkmal
Deutscher Dom An der Nordseite der Anton-Wilhelm-Amo-Straße am Gendarmenmarkt; erbaut im Auftrag von König Friedrich II. in den Jahren 1780–1785 von Carl von Gontard im Stil des Barock. Nach Beschädigung im Zweiten Weltkrieg 1983–1996 außen originalgetreu und innen modern wiederaufgebaut. Seit 2002 ist hier die Parlamentshistorische Ausstellung des Deutschen Bundestages untergebracht.
Datei:Berlin, Deutscher Dom -- 2013 -- 4576.jpg
Baudenkmal
U-Bahnhof Anton-Wilhelm-Amo-Straße U-Bahnhof Anton-Wilhelm-Amo-Straße der Linie U2 von 1908 und 1952<ref>Baudenkmal U-Bhf Mohrenstraße</ref>
Datei:U-Bahnhof Mohrenstr.jpg
Baudenkmal
U-Bahnhof Stadtmitte U-Bahnhof Stadtmitte der Linien U2 und U6 von 1908<ref>Baudenkmal U-Bhf Stadtmitte</ref>
Datei:Berlin - U-Bahnhof Stadtmitte (9548211997).jpg
Baudenkmal
Mohrenkolonnaden Die Mohrenkolonnaden von 1787<ref>Baudenkmal Mohrenkolonnaden (1787)</ref> stehen zu beiden Seiten der Mohrenstraße. In den Mohrenkolonnaden hatten sich Geschäfte angesiedelt: Laden 1 = Perückenmacher, Laden 2 = Fleischer (1900: Bienenerzeugnisse), Laden 3 = Handschuhhandlung, Laden 4 = Zündwaren (1900: Parfümerie), Laden 5 = Hofschuhmacher.
Datei:2010-07-27 Mohrenkolonnaden.jpg
Baudenkmal

Straßenname Mohrenstraße

Deutungen zur Herkunft

Variante 1: Nach einem schwarzen Bewohner der Straße

Über den Ursprung des Straßennamens schrieb Leopold Freiherr von Zedlitz 1834: „Den Namen erhielt sie, wie man erzählt, von einem Mohren, welcher sich in den Diensten des Markgrafen von Schwedt befand, und durch die Freigebigkeit des Gebieters hier ein Haus bauen konnte.“<ref>Neustes Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam zum täglichen Gebrauch der Einheimischen und Fremden aller Stände, enthaltend: die Beschreibung oder Nachweisung alles Wissenswerthen der Oertlichkeit, mit besonderer Berücksichtigung der Beziehungen der Hauptstadt zu den Provinzen. Herausgegeben durch einen Verein der Ortskunde, unter dem Vorstande des L. Freiherrn von Zedlitz. (Z. N.) [Motto.] Berlin 1834. Gedruckt bei A. W. Eisersdorff. S. 492; zlb.de.</ref>

Variante 2: Nach schwarzen Bewohnern der Straße

Hermann Vogt schrieb 1885 zur Namensgebung: „bei Anlage der Friedrichstadt neu entstanden, hat ihren Namen von den Mohren empfangen, die Friedrich Wilhelm I. von den Holländern erhalten und in einem Hause dieser Straße einquartiert hatte, um sie von hier aus den einzelnen Regimentern als Janitscharenträger zu überweisen“.<ref>Hermann Vogt: Die Straßen-Namen Berlins. (PDF) Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 22, Berlin 1885, S. 63.</ref> Da Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1714 die „Anschaffung von 150 Mohren“ plante, könne die Namensgebung nach obiger Aussage auf die Zeit um 1715 eingegrenzt werden.<ref>Dok. 186 Ramler’s Bericht über Anschaffung von 150 Mohren. Vom 25. November 1714. In: Richard Schück Brandenburg-Preußens Kolonialpolitik unter dem Großen Kurfürsten und seinen Nachfolgern (1647–1721). Zweiter Band, Verlag von Fr. Wilh. Grunow, Leipzig 1889, S. 564–566.</ref> Im Berliner Adressbuch des Jahres 1900 heißt es entsprechend: „Nach den von Friedrich Wilhelm I. hier einquartirten Mohren, die er von den Holländern erhalten hatte und als Janitscharenträger verwandte“.<ref name="adress/1900">Mohrenstraße. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1900, Teil 3, S. 423–425.</ref> Diese Variante ist aber eindeutig falsch, da die Namensgebung bereits 1707 erfolgte, und 1710 im ersten Stadtplan der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin die Straße als Mohrenstraße dokumentiert ist.<ref>Mohrenstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref>

Variante 3: Nach angesiedelten ehemaligen Sklaven

Andere Angaben sprechen für eine Straßenbenennung während der Regierungszeit König Friedrichs I. (1688–1713), der zugleich Herrscher über die Handelskolonie Groß Friedrichsburg in Westafrika war und schon als Kurfürst Friedrich III. die nach ihm benannte Friedrichstadt anlegen ließ. So berichtet Friedrich Nicolai über das Quartier, das die Mohrenstraße und den Gendarmenmarkt umfasst: „Die erste Anbauung geschah gleich 1688, von der jetzigen Kronenstraße bis zur Jägerstraße, auf dem Grunde des ehemaligen Churfürstlichen Vorwerks und Gartens […] 1706 bekamen die Straßen ihre Namen.“<ref>Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, 1779, S. 152/153</ref> Auch im Berliner Stadtplan von 1710, der allerdings einen späteren Rekonstruktionsversuch darstellt, ist die Mohrenstraße bereits namentlich verzeichnet.<ref>Plan von Berlin, 1710, Rekonstruktionsversuch.</ref>

Gesichert ist, dass zur brandenburgisch-preußischen Kolonialzeit (1682/1683–1717) Jungen und junge Männer aus Westafrika als Militärmusiker, Hof- und Kammerdiener in Berlin arbeiten mussten. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg hatte 1680 den nach Westafrika entsandten Kapitän Bartelsen beauftragt, „ein halb Dutzend Sklaven von 14, 15 und 16 Jahren, welche schön und wohlgestaltet seien“, zu erwerben und an seinen Hof nach Berlin zu übersenden.<ref>Zitat in: Brandenburg-Preußens Versklavungshandel und Einbindung in den europäischen Kolonialismus. Beitrag des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin, abgefragt am 27. Juli 2021.</ref> Im Jahr 1682 befahl er Kapitän Voss, mit „zwantzig großen Sclaven von 25 bis 30 Jahren und zwantzig Jungen von 8 bis 16 Jahren“ zurückzukommen.<ref>Richard Schück: Brandenburg-Preußens Kolonialpolitik unter dem Großen Kurfürsten und seinen Nachfolgern (1647–1721). Verlag von Fr. Wilh. Grunow, Leipzig 1889, Band II, Dok. 64 Instruktion für den Commandeur de Voss zur Schiffahrt nach der guineischen Küste nebst dem von Gröben, 17. Mai 1682.</ref> Auch zeitgenössische Abbildungen belegen die Anwesenheit mehrerer dunkelhäutiger Menschen in Berlin, so zum Beispiel Peter Schenks kolorierter Kupferstich Schwarzer Militärmusiker am Brandenburger Hof (1696–1701)<ref>Tafel 20 in: Peter Schenk: Kurfürstlich Brandenburgische Militär- und Hoftrachten. Amsterdam 1696–1701, SMB-SPK.</ref> und Paul Carl Leygebes berühmtes Gemälde Tabakskollegium Friedrichs I. in Preußen von etwa 1709/1710, auf dem drei junge Schwarze und ein Diener mit Turban im Schloss zu sehen sind.<ref>Paul Carl Leygebe: Das Tabakskollegium Friedrichs I. in Preußen und seiner dritten Gemahlin Königin Sophie Luise in der Drap dór-Kammer des Berliner Schlosses, 1709/1710. Wikimedia Commons.</ref>

Variante 4: Nach dem Ort der Unterkunft einer afrikanischen Delegation

Nach der Meinung des Historikers Ulrich van der Heyden sei die Straßenbezeichnung zur Zeit ihrer Entstehung „überhaupt nicht rassistisch oder kolonialistisch konnotiert“ gewesen, sondern beziehe sich auf eine Delegation afrikanischer Repräsentanten Ende des 17. Jahrhunderts aus der brandenburgischen Kolonie Groß Friedrichsburg (im späteren Ghana). Die Abordnung soll unter der Leitung des „Häuptlings“ Janke aus dem Dorf Pokesu (später: Princes Town) gestanden und in einem Gasthaus vor den Toren Berlins Quartier bezogen haben. Sie habe dem Großen Kurfürsten ihre Aufwartung gemacht, nachdem sogenannte Schutzverträge unterzeichnet worden waren. Die Delegierten sollen insgesamt vier Monate in Berlin geweilt haben und, wie damals üblich, zu Fuß vom Quartier zum Schloss gegangen sein. Der wiederholt genutzte Weg habe von den Berlinern daraufhin den Namen Mohrenweg erhalten.<ref>Ulrich van der Heyden: Auf Afrikas Spuren in Berlin. Die Mohrenstraße und andere koloniale Erblasten. Berlin 2008.</ref>

Christian Kopp, Historiker und Aktivist bei Berlin Postkolonial e. V., wirft Ulrich van der Heyden im Online-Magazin Lernen aus der Geschichte vor, die historischen Belege für seine These schuldig zu bleiben. Der Gesandte Janke sei – abgesehen von einem Diener – allein nach Berlin gekommen, um sich dem Kurfürsten zu unterwerfen. Dieser Besuch wäre bereits 1684, also Jahre vor der offiziellen Benennung der Mohrenstraße erfolgt. Bezüglich dieser Gegenthesen stützt sich Kopp auf Richard Schück: Über eine Unterbringung in einem Wirtshaus an der späteren Mohrenstraße sei angeblich nichts überliefert. Auch auf dem historischen Stadtplan von Johann Bernhard Schultz von 1688 wäre kein Mohrenweg oder ein Gasthaus eingezeichnet.<ref>Magazin Lernen aus der Geschichte, Ausgabe März 2015: White Myths – Black History: Der Fall der Berliner „Mohrenstraße“ von Christian Kopp. Herausgegeben von der Agentur für Bildung – Geschichte, Politik und Medien e. V., Berlin.</ref>

Diskussion um eine Umbenennung

Seit den 1990er Jahren wurde in Berlin im Kontext einer umfassenderen Debatte über möglicherweise historisch belastete Straßennamen auch eine Umbenennung der Mohrenstraße und der gleichnamigen U-Bahn-Station diskutiert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Projektgruppe zur Umbenennung der Mohrenstraße (Memento vom 15. November 2012 im Internet Archive)</ref>

Verschiedene Akteure, beispielsweise der Afrika-Rat Berlin-Brandenburg, Afrodeutsche und Vertreter von Organisationen wie der Internationalen Liga für Menschenrechte, der Initiative Schwarzer Menschen und kolonialkritische Gruppen wie der Verein Berlin Postkolonial oder das Netzwerk von über 100 entwicklungspolitischen Vereinen, Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER), prangerten in diesem Zusammenhang einen diskriminierenden Hintergrund der Bezeichnung Mohr an.<ref>Umbenennung Mohrenstraße – Sondertermine im Bürgeramt. Bezirksamt Mitte, Pressemitteilung, Nr. 180/2025, 6. August 2025.</ref>

Die Beibehaltung des Namens Mohrenstraße ist nach ihrer Meinung auch Ausdruck einer mangelnden Aufarbeitung von europäischem und deutschem Rassismus und Kolonialismus. Als Alternativen wurden Straßennamen nach der Königin von Saba, Nelson Mandela oder Anton Wilhelm Amo vorgeschlagen. Politische Unterstützung erhielten die Befürworter einer Umbenennung von Vertretern der PDS und der Grünen im Bezirk Mitte. Auch Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hatte sich dafür ausgesprochen.<ref>Torben Ibs: Das unrühmliche Erbe der Kolonien. In: taz, 13. November 2004.</ref><ref>Rainer L. Hein: Nicht nur der Mohr soll gehen. In: Die Welt, 13. November 2004.</ref><ref name="welt11022005">Rainer L. Hein, Steffen Pletl: Kulturausschuss will Forum zur Umbenennung der Mohrenstraße. In: Die Welt, 11. Februar 2005.</ref> Im Februar 2009 machte die Naturfreundejugend-Berlin auf die Problematik aufmerksam,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Möhrchen(-straße) statt Märchenland. (Dokumentation der Pink Rabbit Kampagne) (Memento vom 12. Dezember 2013 im Internet Archive).</ref> indem sie einen rosafarbenen Hasen die Straße in „Möhrenstraße“ umbenennen ließ.<ref>Svenja Bergt: Mit Mohrrüben gegen die Nation. In: taz, 13. Februar 2009.</ref> Etwa 200 Menschen demonstrierten am 22. Februar 2014 für eine Umbenennung in Nelson-Mandela-Straße.<ref>Proteste für die Umbenennung der Mohrenstraße. In: Berliner Zeitung, 24. Februar 2014.</ref> Am 23. August 2014, dem Internationalen Tag für die Erinnerung an den Handel mit Versklavten und an seine Abschaffung, feierte ein Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Gruppen, Decolonize Mitte, das 1. Fest zur Umbenennung der M-Straße.<ref>Bündnis zur Umbenennung der Mohrenstraße Decolonize Mitte.</ref> Am 23. August 2015 fand das zweite Fest statt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />2. Fest zur Umbenennung der Berliner „Mohrenstraße“. (Memento vom 7. März 2016 im Internet Archive) Bei: ber-ev.de.</ref><ref>Stefan Strauß: Aktion gegen Rassismus – Initiative fordert Umbenennung der Mohrenstraße in Berlin. In: Berliner Zeitung, 23. August 2015.</ref> 2018 forderten Aktivisten beim fünften Fest die Umbenennung nach Anton Wilhelm Amo, der mit seiner Magisterarbeit Die Rechtsstellung des Mohren in Europa zum ersten schwarzen Akademiker und Philosophen Deutschlands wurde.<ref>Jonas Wahmkow: Protest gegen Straßennamen in Berlin: Warum nicht Anton-W.-Amo-Straße? In: Die Tageszeitung. 17. August 2018 (taz.de [abgerufen am 30. Juli 2019]).</ref><ref>Zur Inauguraldissertation siehe: Anton Wilhelm Amo argumentiert gegen die Legalität der Sklaverei in Europa (1729). Information des Black Central European Studies Network (BCESN), abgerufen am 21. August 2020.</ref>

Datei:Mohrenstraße Umbenennungsfest.jpg
Fünftes „Umbenennungsfest“ für die Mohrenstraße

Im Januar 2015 geriet Dieter Hallervorden im Kontext der Mohrenstraße in die Schlagzeilen. Die BVG hatte von Prominenten Durchsagen der U-Bahnhöfe sprechen lassen. Hallervorden kündigte hierbei die U-Bahn-Station Mohrenstraße an, was angesichts der 2012 medial breit geführten Debatte um das in seinem Theater aufgeführte Blackface-Stück Ich bin nicht Rappaport von Herb Gardner zu Protesten und Berichterstattung führte.<ref>Dieter Hallervorden hat Ärger wegen „Mohrenstraße“. In: Der Tagesspiegel, 22. Januar 2015.</ref><ref>Meiden Sie die Mohrenstraße, Dieter Hallervorden. Welt Online, 23. Januar 2015.</ref><ref>Dieter Hallervorden und das Problem Mohrenstraße. In: B.Z., 23. Januar 2015.</ref><ref>Dieter Hallervorden provoziert mit der „Mohrenstraße“. In: Stern, 22. Januar 2015.</ref>

Gegner einer Umbenennung verwiesen darauf, dass es sich um einen inzwischen historischen Straßennamen handele, der anstelle eines neutralen Straßennamens weiterhin Anlass zu Diskussionen bieten würde. Die Berliner CDU, die sich gegen eine Umbenennung stellte, hielt das Wort Mohr nicht für rassistisch, da es auf Maure zurückgehe und so ursprünglich eine wertfreie Benennung für einen muslimischen Nordafrikaner gewesen sei.<ref>Henkel: PDS-Forderungen nach Straßenumbenennungen unangemessen. CDU-Presseerklärung vom 28. Januar 2005.</ref> Bundestagsabgeordnete der CDU bewerteten die Umbenennungs-Diskussion und die von den Befürwortern angeführten Argumente als „abstrus“ und „Unsinn“.<ref name="welt11022005" />

Im Juli 2020 schlug der Versuch der BVG fehl, zumindest den U-Bahnhof Mohrenstraße umzubenennen; er sollte den Namen der angrenzenden Glinkastraße tragen.<ref>Nach Rassismus-Debatte: BVG will U-Bahnhof Mohrenstraße umbenennen. In: Der Tagesspiegel. 3. Juli 2020, abgerufen am 4. Juli 2020.</ref><ref>Mohrenstraße soll in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt werden. In: B.Z.,. 21. August 2020, abgerufen am 21. August 2020.</ref> Dies wurde kritisiert, da der Komponist Michail Glinka Antisemit gewesen sein soll, woraufhin die BVG den Namen nur noch als „mögliche Alternative“ bezeichneten.<ref>Umbenennung in Glinkastraße laut BVG noch nicht fix. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. September 2020; abgerufen am 11. September 2020.</ref>

Am 20. August 2020 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte auf Antrag von SPD und Grünen und mit Unterstützung der Linkspartei, das Bezirksamt zu ersuchen, „die Umbenennung der Mohrenstraße gem. Berliner Straßengesetz […] vorzunehmen und unverzüglich den Vorgang […] zu starten.“ Zur Umbenennung nach Amo solle es nur eine Information der Anrainer und keine Beteiligung geben,<ref>Drucksache – 2586/V der BVV Mitte.</ref> auch sollen keine weiteren Vorschläge eingereicht werden.<ref>„Berlin schreibt Weltgeschichte“ – Mohrenstraße wird „unverzüglich“ umbenannt. In: Welt Online, 21. August 2020.</ref>

Umbenennung

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Neues Straßenschild ‚Anton-Wilhelm-Amo-Straße‘ über dem alten Schild der Mohrenstraße, angebracht durch das Bezirksamt Mitte am 21. August 2025 (im Hintergrund der Deutsche Dom)

Am 4. Mai 2021 gab das Bezirksamt Mitte unter Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) den 1. Oktober 2021 als Datum der Umbenennung der Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße bekannt, denn: „Nach heutigem Demokratieverständnis ist der bestehende rassistische Kern des Namens belastend und schadet dem nationalen und internationalen Ansehen Berlins.“<ref></ref> Der neue Name werde „seit vielen Jahren von zivilgesellschaftlichen Akteurinnen/Akteuren vorgeschlagen, um eine historische Persönlichkeit afrikanischer Herkunft zu ehren[,] die eng mit der Geschichte des Straßennamens verbunden ist.“<ref name="Bezirksamt/Amtsblatt">Umbenennung einer öffentlichen Straße im Ortsteil Mitte. In: Amtsblatt für Berlin. Band 75, Nr. 32, 1. August 2025, S. 2117 (berlin.de [PDF] Bezirksamt Mitte von Berlin).</ref> Der Historiker Götz Aly rief daraufhin in seiner Kolumne in der Berliner Zeitung dazu auf, Widerspruch gegen die Umbenennung einzulegen, da die ursprüngliche Benennung nicht herabsetzend gemeint gewesen sei und der Begriff heutzutage auch als Schimpfwort nicht mehr existiere.<ref></ref> Ende Juni 2021 kritisierte er ebendort die für diesen Widerspruch angekündigten Gebühren von bis zu 741,37 Euro,<ref>Meine letzte Kolumne. In: Berliner Zeitung, 29. Juni 2021.</ref> tatsächlich erhob das Bezirksamt dann eine Gebühr von 148,27 Euro.<ref>Pressemitteilung vom 18. August 2022. berlin.de; abgerufen am 10. Juli 2023.</ref>

Sieben Klagen von Anliegern, darunter Aly, schoben zunächst die Durchführung der Umbenennung auf.<ref>1134 Widersprüche gegen die Umbenennung der Mohrenstraße. In: Der Tagesspiegel. 30. Juni 2021, abgerufen am 29. Dezember 2021.</ref><ref>Mohrenstraße darf umbenannt werden (Nr. 28/2023). 6. Juli 2023, abgerufen am 7. Juli 2023.</ref> Mit Beschluss des Berliner Verwaltungsgerichts vom 6. Juli 2023 wurde Alys Klage, die als Musterklage gewertet wurde, abgewiesen. Als Grund nannte das Gericht verwaltungsrechtliche Umstände; politische und historische Überlegungen hätten keine Rolle gespielt. Das Bezirksamt sei auf Grundlage des Berliner Straßengesetzes formal zuständig und habe die Umbenennung somit rechtmäßig verfügt.<ref>Mohrenstraße in Berlin-Mitte darf umbenannt werden. In: rbb24. 7. Juli 2023, abgerufen am 11. Juli 2023 (Sendung: rbb24 Inforadio, 06.07.2023, 15 Uhr).</ref> Mindestens ein Anwohner legte gegen diese Entscheidung Berufung ein. Diese wurde vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg am 9. Juli 2025 endgültig abgewiesen.<ref>Umbenennung der Mohrenstraße rechtskräftig. (berlin.de [abgerufen am 9. Juli 2025]).</ref><ref>Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 8. Juli 2025 – OVG 1 N 59/23.</ref><ref>Umbenennung der Berliner Mohrenstraße rechtskräftig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. Juli 2025, abgerufen am 9. Juli 2025.</ref>

Die Straße wurde mittels sofortiger Vollziehung im Amtsblatt für Berlin vom 18. Juli 2025 in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt, mit der Begründung, dass für die „sechs noch erstinstanzlich anhängigen Klageverfahren […] keine Aussicht auf Erfolg“ bestehe und ein „weiteres Abwarten […] lediglich zur Verzögerung der neuen Beschilderung der umbenannten Straße ohne jeglichen sachlichen Grund führen“ würde.<ref>Umbenennung der Mohrenstraße im Bezirk Mitte von Berlin (Ortsteil Mitte). In: Amtsblatt für Berlin. Band 75, Nr. 30, 18. Juli 2025, S. 2011–2012 (berlin.de [PDF] Bezirksamt Mitte von Berlin).</ref> Die zeremonielle Umbenennung wurde für den 23. August 2025 terminiert.<ref>Umbenennung in Berlin-Mitte: Mohrenstraße heißt ab 23. August Anton-Wilhelm-Amo-Straße. In: rbb24. 18. Juli 2025, abgerufen am 21. Juli 2025.</ref> Am 21. August 2025 wurden die ersten Straßenschilder mit dem neuen Namen montiert.<ref>Umbenennung der Mohrenstraße: Erste Schilder hängen schon. rbb, 21. August 2025, abgerufen am 22. August 2025.</ref>

Am selben Tag entschied das Verwaltungsgericht Berlin nach einem Eilantrag, dass es „an einem besonderen öffentlichen Interesse für die sofortige Vollziehung“ fehle und die Dringlichkeit nicht insofern gegeben ist, „dass sie vor Abschluss des Klageverfahrens vollzogen werden müsse“.<ref></ref><ref>Umbenennung der Mohrenstraße fällt vorerst aus (Nr. 39/2025). In: Berlin.de. Verwaltungsgericht Berlin, 22. August 2025, abgerufen am 22. August 2025.</ref> Das Bezirksamt Mitte unter Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) legte gegen die Entscheidung Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ein.<ref name="Bezirksamt/BeschwerdeOVG">Bezirksamt Mitte legt Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht ein – Rechtslage zur Umbenennung der Mohrenstraße bleibt eindeutig. In: Berlin.de. Bezirksamt Mitte, 22. August 2025, abgerufen am 22. August 2025.</ref> Die Rechtslage bleibe eindeutig, der Eilbeschluss des Verwaltungsgerichts sei rechtsfehlerhaft.<ref name="Bezirksamt/BeschwerdeOVG" /> Die BVG stoppten die ebenfalls für den 23. August 2025 geplante Umbenennung des U-Bahnhofs Mohrenstraße.<ref>Umbenennung der Mohrenstraße vorerst gestoppt – Bezirk legt Beschwerde dagegen ein. In: rbb24. 22. August 2025, abgerufen am 22. August 2025.</ref> Am 22. August 2025 hob das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Entscheidung des Verwaltungsgerichts wieder auf, da nach dem gegenwärtigen Stand ein Erfolg der Klagen der Antragsteller in hohem Maße unwahrscheinlich sei.<ref>Umbenennung der Mohrenstraße kann erfolgen – 29/25. In: berlin.de. Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, 22. August 2025, abgerufen am 22. August 2025.</ref>

Am 23. August 2025, dem Internationalen Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und an seine Abschaffung, fand auf dem an die Straße angrenzenden Hausvogteiplatz ein Festakt zur Umbenennung der Straße statt.<ref name="Tagesspiegel/2025-08-23" /> Dabei enthüllte Remlinger symbolisch ein Straßenschild mit dem neuen Namen.<ref name="Tagesspiegel/2025-08-23">Teresa Roelcke, Ingo Salmen, Cristina Marina: Hunderte feiern neue Anton-Wilhelm-Amo-Straße: Berliner Mohrenstraße nach langem Streit umbenannt. In: Tagesspiegel. 23. August 2025 (tagesspiegel.de [abgerufen am 23. August 2025]).</ref> Die Schilder mit dem alten Namen werden für sechs Monate „rot aber noch lesbar durchgestrichen“ vor Ort bleiben.<ref name="Bezirksamt/Amtsblatt" />

Siehe auch

In mehreren Orten Deutschlands gibt es Straßen, die weiterhin den Namen Mohrenstraße tragen.

Literatur

Weblinks

Commons: Anton-Wilhelm-Amo-Straße (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 52° 30′ 44,2″ N, 13° 23′ 31,8″ O

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