Alliance Israélite Universelle
Die {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (deutsch ,Universelle Israel(it)ische Allianz‘; {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); Akronym {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) bzw. AIU) ist eine französisch geprägte jüdische Kultur- und Selbsthilfeorganisation, die international etabliert ist. Im Zentrum ihres Strebens stand die Erlangung gleicher Bürgerrechte für Juden weltweit. Die Alliance Israélite Universelle hat nie die Auswanderung von Juden aus ihren Herkunftsländern gefördert.<ref name=":16">Lisa Moses Leff: L’Alliance israélite universelle. In: Sylvie Anne Goldberg (Hrsg.): Histoire juive de la France. Éditions Albin Michel/Centre national du livre/Fondation du Judaïsme Français, Paris 2023, ISBN 978-2-226-44803-3, S. 430.</ref> Die Organisation diente auch stark den diplomatischen Interessen Frankreichs.<ref name=":17" /><ref name=":16" />
Geschichte
Die Alliance stellte einen Bruch<ref name=":4" /> mit hergebrachten Auffassungen über die konfessionelle Funktion jüdischer Institutionen dar, für die das Consistoire central israélite<ref name=":4" /> stand. Deren öffentliche Reaktion auf die Entführung Edgardo Mortaras wurde von vielen Juden als zu vorsichtig angesehen.<ref name=":17">Philip Nord: L’émergence d’une élite engagée dans la cité. In: Sylvie Anne Goldberg (Hrsg.): Histoire juive de la France. Éditions Albin Michel/Centre national du livre/Fondation du Judaïsme Français, Paris 2023, ISBN 978-2-226-44803-3, S. 425–432, hier S. 429–432.</ref> Die Alliance verstand sich als Erbin der Staatsidee der Republik, aber auch des Judentums, wobei sie unter Wahrung der religiösen Spiritualität der laizistischen Zielsetzung der Trennung von Religion und Staat<ref name=":12" /> verpflichtet war und aus der sogenannten Wissenschaft des Judentums<ref name=":12">Luc Ferry: Judaïsme. In: L’Encyclopédie philosophique : Les mots de la philo. Volume J, Nr. 16. Le Figaro/Éditions Plon, Paris 2017, ISBN 978-2-8105-0787-0, S. 31–82, hier S. 63–69.</ref> schöpfte. Wenn auch in ihrem Wirken überwiegend auf Juden ausgerichtet, war sie universell im Bezug auf die Verbreitung der Erkenntnisse der Aufklärung, wie sie idealtypisch in der Encyclopédie<ref name=":12" /> verwirklicht worden waren. In ihrem Selbstanspruch einer Avantgarde<ref name=":12" /> zur Verteidigung der Menschenrechte und humanitärer Werte stand sie dem frühsozialistischen Denken des Saint-Simonismus<ref name=":12" /> nahe, dessen aus der Wirtschaftspolitik entnommene Konzepte sie auf ihr Wirkungsgebiet anwandte. Personell bestanden enge Verbindungen zur Freimaurerei.<ref name=":12" /> Das Ziel der Alliance in ihrem Wirkungsgebiet war eine „Regeneration“<ref name=":1">Anne-Laure Dupont, Catherine Mayeur-Jaouen, Chantal Verdeil: Histoire du Moyen-Orient du XIXe siècle à nos jours. In: Collection U Histoire. Éditions Armand Colin, Malakoff 2016, ISBN 978-2-200-25587-9, S. 67, 105 ff.</ref><ref name=":4" /><ref name=":11" /> und Emanzipation<ref name=":8">P. Dumont: Alliance Israélite Universelle. In: Dictionnaire de l’Empire ottoman (= François Georgeon, Nicolas Vatin, Gilles Veinstein, avec la collaboration d’Elisabetta Borromeo [Hrsg.]: Collection Biblis. Nr. 255). 2. Auflage. 1 (A-J). CNRS Éditions (Centre national de la recherche scientifique), Paris 2022, ISBN 978-2-271-13934-4, S. 122–125 (erste Auflage bei Librairie Arthème Fayard, Paris 2015).</ref> des Judentums in der jüdischen Diaspora.
Die Alliance Israélite Universelle wurde am 17. Mai 1860<ref name=":11">Pierre Vidal-Naquet: Le privilège de la liberté : A la mémoire de François Delpech, 1935–1982. In: Les Juifs, la mémoire et le présent (= Jean-Claude Zylberstein [Hrsg.]: Collection Le goût de l’Histoire). Éditions Les Belles Lettres, Paris 2023, ISBN 978-2-251-45442-9, S. 276–298, hier S. 290 f. (Ersterscheinung dieses Auszugs im Vorwort zu Jacob Katz: Hors du ghetto. L’émancipation des Juifs en Europe (1770–1870), Collection La Force des Idées, Hachette, Paris 1984; Ersterscheinung des Sammelwerks im Verlag Le Seuil, Paris 1995).</ref> im Paris des Second Empire gegründet. Gründungsort war das Wohnhaus des liberal gesinnten Kaufmanns Charles Netter.<ref name=":11" /> Unter den 17<ref name=":4" /> Anwesenden waren der Oberrabbiner Élie-Aristide Astruc, Isidore Cahen<ref name=":17" /> und Eugène Manuel<ref name=":17" /> sowie Juden aus dem Elsass,<ref name=":11" /> dem südfranzösischen Comtat Venaissin (Comtadins<ref name=":11" />) und einige der als Portugiesen<ref name=":11" /> bezeichneten französischen Sepharden. Sechs Gründer unterzeichneten den Appel aux Israélites<ref name=":17" /> und veröffentlichten ihn. Gleichzeitig bestand in islamischen Ländern die seit Jahrhunderten untergeordnete rechtliche Stellung der Dhimma, deren Lage sich selten durch Gewalt, häufig aber durch Gleichgültigkeit der Institutionen verschlechterte, ein Engagement im Mittelmeerraum drängte sich auf.
Den äußeren Anlass zur Gründung der Alliance gaben, neben der besorgniserregenden Armut unter Juden in den extrem beengten Mellah und Hara des Maghreb, zwei schockierende<ref name=":4" /> Ereignisse: Die als Damaskusaffäre<ref name=":4" /> bekannt gewordenen antisemitischen Ausschreitungen von 1840 sowie die 1858 erfolgte kirchliche Entführung<ref>René Rémond: Religion et Société en Europe – La sécularisation aux XIXe et XXe siècles 1789–2000 (= Richard Figuier [Hrsg.]: Points Histoire. H289). 2. Auflage. Éditions du Seuil, Paris 2001, ISBN 2-02-049590-2, S. 136 f.</ref> des jüdischen Kindes Edgardo Mortara<ref name=":4" /> in Bologna. Hinzu kam 1855 ein Fall von Lösegelderpressung<ref name=":4" /> gegen Juden durch staatliche und islamische Institutionen im Jemen. Vor allem der Vorfall im nahen Italien und ultramontane<ref name=":12" /> Pressekampagnen standen im eklatanten Widerspruch zur bereits nahe geglaubten Modernität. Die erste öffentliche Initiative der Alliance war dennoch im Juli 1860 jedoch eine Spendensammlung<ref name=":0">Michel Abitbol: Histoire des juifs – De la genèse à nos jours. In: Marguerite de Marcillac (Hrsg.): Collection tempus. 2. Auflage. Nr. 663. Éditions Perrin, Paris 2013, ISBN 978-2-262-06807-3, S. 543, 546 f., 548.</ref> zugunsten maronitischer Christen im Mutesarriflik Libanonberg, die das Ziel drusischer Übergriffe<ref name=":1" /><ref>David Hirst: Une Histoire du Liban 1860–2009. In: Marguerite de Marcillac (Hrsg.): Collection Tempus. 2. Auflage. Éditions Perrin, Paris 2016, ISBN 978-2-262-06516-4, S. 29 (Originalausgabe: Beware of Small States. Lebanon, Battleground of the Middle East. Faber and Faber, London 2010; übersetzt von Laure Stephan).</ref> geworden waren. Die Loyalität zum christlichen Frankreich, das im August 1860 im Libanon einmarschierte,<ref name=":1" /> wurde damit betont.<ref name=":0" /> Dem Verdacht des Partikularismus setzte die Alliance auch ihr Engagement zugunsten von verfolgten Protestanten<ref name=":12" /> in Spanien entgegen.
Erster Präsident wurde Adolphe Crémieux, der diese Funktion bis zu seinem Tod 1887 behielt. Das Präsidium und das Comité central wurden durch interne Wahlen<ref name=":16" /> unter Beteiligung aller Mitglieder bestimmt. Eine Mitgliedschaft von Einzelpersonen kam durch einfache Spendenüberweisung an die Organisation zustande. 1865 zählte die Alliance bereits über 4600<ref name=":8" /> Mitglieder. In Istanbul setzte sich Abraham de Camondo<ref name=":0" /><ref name=":8" /> (1780–1873) als Förderer für die Alliance ein. Er präsidierte ab November 1863<ref name=":8" /> am Bosporus ein Comité régional.<ref name=":8" /> In Bagdad waren es die Familien Sassoon<ref name=":0" /> und Kadoorie<ref name=":0" /> (Kedourie), die sich für die Alliance einsetzten. Laura Kedourie<ref name=":13">Justin Marozzi: Baghdad: City of Peace, City of Blood. 2. Auflage. Penguin Books (Random House), London 2015, ISBN 978-0-14-104710-2, nicht paginierter zweiter Bildteil, nach S. 224; 263 f., 274 (Erstauflage bei Allen Lane, 2014; zum Aberglauben wird zitiert in Morris Cohen: Superstition among the Jews in Bagdad. In: The Scribe, 46, Januar 1991, S. 3 ff, siehe Fußnote 48, ebd., S. 416).</ref> gründete dort, ergänzend zur seit 1865 bestehenden Knabenschule Albert Daud Sassoon,<ref name=":13" /> 1911 auch eine Mädchenschule. Im Juli 1873 gab der absolutistische Monarch Nāser ad-Din Schāh<ref name=":4" /> seine Einwilligung und ein Schutzversprechen für Schulgründungen der Alliance für die damals vermuteten 20.000<ref name=":18">Marc Lobit: Téhéran, refuge des juifs – Étude des migrations juives en Iran de 1890 à 1979. Préface de Saena Delacroix-Sadighiyan (= Ata Ayati [Hrsg.]: Collection Iran en Transition). Éditions L’Harmattan, Paris 2023, ISBN 978-2-14-034778-8, S. 27, 45, 60, 267.</ref> Juden in Persien um 1866. Eine erste Schulgründung im Reich des Schāh gelang jedoch erst im Jahr 1898.<ref name=":18" />
Yomtov Semach<ref name=":4" /> ging für die Alliance auf Erkundungen in den Jemen und nach Äthiopien, ohne dort weiter tätig zu werden. Die Schulen führten auf deren Weg zur angestrebten Emanzipation zu einer Verwestlichung der Juden in den muslimischen Ländern. Im französisch kolonisierten Algerien erwirkte das Decret Crémieux gar ihre Zwangseinbürgerung.<ref name=":11" /> Der Historiker Michel Abitbol nennt diesen Akkulturationsprozess eine „Dearabisierung“ („désarabisation“<ref name=":0" />). Die kulturelle Gedankenwelt,<ref name=":0" /> Kleidung<ref name=":0" /> und Küche<ref name=":0" /> Europas, insbesondere Frankreichs, wurden angenommen. Wohlhabende Familien bevorzugten, wo vorhanden, so ab 1911<ref name=":4" /> in Italienisch-Libyen, meist die staatlichen, von christlichen Lehrern geführten Schulen gegenüber jenen der Alliance.
Charles Netter engagierte sich 1881–1882<ref name=":4" /> auch zugunsten von Pogromopfern und baute ein Hilfszentrum für Flüchtlinge in Brody<ref name=":4" /> an der russisch-österreichisch-ungarischen Grenze auf. Die Arbeit, die die Alliance in Europa leistete, erreichte am Ende des Ersten Weltkriegs einen weiteren Höhepunkt, als sie polnische Juden (1919) und russische Juden (1922), als Opfer von Hungersnöten, unterstützte.
Schulen
Juden, Christen und Muslime
Die Alliance profilierte sich mit der Gründung von Schulen in Ländern der muslimischen Welt. Zur Finanzierung trug Maurice de Hirsch<ref name=":8" /> bei. Die ersten Schulen der Alliance im Osmanischen Reich gingen 1864 in der griechischen Stadt Volos,<ref name=":5">Gilles Veinstein, M.-Ch. Varol: Juifs. In: François Georgeon, Nicolas Vatin, Gilles Veinstein, avec la collaboration d’Elisabetta Borromeo (Hrsg.): Dictionnaire de l’Empire ottoman (= Collection Biblis. Nr. 255). 2. Auflage. 1 (A-J). CNRS Éditions (Centre national de la recherche scientifique), Paris 2022, ISBN 978-2-271-13934-4, S. 1143–1161, hier S. 1157 (erste Auflage bei Librairie Arthème Fayard, Paris 2015).</ref> in Damaskus und 1865<ref name=":8" /> Bagdad auf, doch konnte sich erst die 1867 in Adrianopel,<ref name=":5" /> dem heutigen Edirne, gegründete Schule längerfristig halten. Auch der französische Staat betrieb im osmanischen Vielvölkerreich bis vor dem Ersten Weltkrieg Schulen mit 65.000<ref name=":3">Vincent Cloarec, préface de Henry Laurens: La France et la question de Syrie (1914–1918). 3. Auflage. CNRS Éditions (Centre national de la recherche scientifique), Paris 2010, ISBN 978-2-271-07066-1, S. 12 (der Autor zitiert bezüglich des Budgets in: Pierre Guillen: L’Expansion (1881–1898), Imprimerie nationale, Paris 1984, S. 27–32).</ref> bis 90.000<ref name=":3" /> Kindern. Deren Budget belief sich auf 2,5<ref name=":3" /> Millionen Francs (0,1<ref name=":3" /> % des Staatshaushalts). Während der französische Staat seine Schulen mit Blick auf die dort lebenden Christen eröffnete,<ref name=":3" /> sah die Alliance ihre Aufgabe darin, die jüdische Jugend im modernen, europäischen Sinn zu bilden.
Schulen beider Träger standen jüdischen Kindern und Kindern aus den Notabelnfamilien und dem Nachwuchs der christlichen und muslimischen Dienstklasse<ref name=":3" /> offen. So waren 1906 in der Knabenschule der Alliance in marokkanischen Tanger 40 von 300 Schülern katholisch,<ref name=":4">Georges Bensoussan: Juifs en pays arabes – Le grand déracinement, 1850–1975. In: Denis Maraval (Hrsg.): Collection Texto. 2. Auflage. Éditions Tallandier, Paris 2021, ISBN 979-1-02105090-7, S. 37, 75, 303 ff., 311 ff., 354, 370, 386, 388, 404 f., 406, 408–412, 1070.</ref> in der Mädchenschule waren 40 von 320 Schülerinnen katholisch.<ref name=":4" /> Im mesopotamischen Hille hatte die Alliance 16 %<ref name=":4" /> muslimische (schiitische) Schüler um 1909. Die Schule in Mossul zählte 1911 acht<ref name=":4" /> muslimische und sechs<ref name=":4" /> christliche Kinder. Die mächtige Jerusalemer Familie al-Husseini fühlte sich der Alliance verbunden. Neben Djawad al-Husseini<ref name=":7" /> besuchte auch Saʿid al-Husseini,<ref name=":7">Menachem Klein: Jerusalem: geteilt, vereint – Araber und Juden in einer Stadt. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-633-54289-5, S. 74, 84 (gekürzte deutschsprachige Ausgabe von Lives in Common. Arabs and Jews in Jerusalem, Jaffa, and Hebron, C. Hurst & Co. Publishers, 2014; übersetzt von Eva-Maria Thimme).</ref> Jerusalems Bürgermeister von 1905 bis 1908,<ref name=":7" /> als Kind das Alliance-Gymnasium. Dies trug nicht immer zum besseren Zusammenleben bei. Auch der spätere Antisemit Mohammed Amin al-Husseini<ref name=":4" /> besuchte zeitweise die Alliance in Jerusalem. Mit Blick auf mögliche Judenmission<ref name=":4" /> öffneten auch christliche Missionare, wie die einen obligatorischen Katechismus-Unterricht<ref name=":20">Salim Tamari: La Montagne contre la mer – Essais sur la société et la culture palestiniennes. Übersetzt von Dima Al-Wadi (= Farouk Mardam-Bey [Hrsg.]: La bibliothèque arabe : Hommes et sociétés). Éditions Sindbad (Actes Sud)/Institut des Etudes Palestiniennes, Arles/Beirut 2011, ISBN 978-2-7427-9667-0, S. 128, 200.</ref> verlangenden Frères de la doctrine chrétienne,<ref name=":4" /> ihre Schulen für jüdische Schulkinder.
Lehrpersonal und Organisation
Seit 1867<ref name=":0" /> hatte die Alliance ein eigenes Lehrerseminar, die École normale israélite orientale<ref name=":4" /><ref name=":17" /> (ENIO) in Paris. Ihr erster Leiter war Isaïe Levaillant.<ref name=":17" /> Die ENIO war ab 1890 in Auteuil<ref name=":4" /> domiziliert. Ferdinand Buisson<ref name=":4" /> unterrichtete an der Institution. Die Lehrerinnen wurden getrennt von den Lehrern im Institut Bischoffsheim<ref name=":4" /> im Elsass ausgebildet. Die Bezahlung des Unterrichtspersonals war jedoch bescheiden, weshalb Lehrer häufig von anderen jüdischen Schulen abgeworben wurden. Ein Inhaber des Lehrerdiploms Brevet supérieur verdiente 1919 in Marokko knapp 3300<ref name=":4" /> Francs im Monat, staatlich finanzierte jüdische Schulen, die sogenannten „Écoles franco-israélites“,<ref name=":4" /> bezahlten mit 5500<ref name=":4" /> Francs deutlich mehr. In Marokko waren zwischen 1870 und 1912 fast ein Drittel<ref name=":0" /> des AIU-Lehrpersonals Frauen. Im Ersten Weltkrieg geriet die Alliance in finanzielle Not<ref name=":4" /> und musste Schulen an den Staat abgeben. Frankreich reglementierte ab 1912<ref name=":4" /> sämtliche Schulen im Maghreb.
Indes bot die Schule in Edirne mit 551<ref name=":8" /> Mädchen und 1106<ref name=":8" /> Knaben um 1908 tagsüber rund 50<ref name=":8" /> verschiedene Lehrberufe für Knaben an. Die Auswahl reichte von Schafscherer<ref name=":8" /> über Fotograf<ref name=":8" /> und Uhrmacher<ref name=":8" /> zu Mechaniker<ref name=":8" /> und Schneider.<ref name=":8" /> Wer wollte, konnte auch Klempner<ref name=":8" /> werden. Abends schloss sich der allgemeine Unterricht an.<ref name=":8" /> Jedoch waren die meisten Schulen nicht mit berufsbildenden Angeboten ausgestattet, sie begnügten sich damit, Knaben Buchhaltung<ref name=":8" /> und Mädchen die Hauswirtschaft<ref name=":8" /> zu vermitteln. Der Pionier der Berufsbildung war ab 1872 der Schulleiter von Volos, der aus Tétouan stammende David Cazès.<ref name=":8" /> Zu den Problemen, mit denen die Alliance kämpfte, zählten verfrühte Eheschließung, Schulabbruch oder fehlende Mädchenschulen.<ref name=":4" /> Um 1900 war Narcisse Leven<ref name=":2" /> Präsident der Alliance.
Sprachpolitik und Haltung zum Judentum als Religion
Im Osmanischen Reich unterrichtete die Alliance zunehmend auch Türkisch<ref name=":8" /> und vermittelte osmanisch-patriotisches Gedankengut.<ref name=":0" /> Hingegen bekämpfte die Alliance die Verwendung jüdischer Sprachen wie Ladino,<ref name=":4" /> Jiddisch,<ref name=":4" /> Judäo-Berberisch<ref name=":4" /> und Judäo-Arabisch,<ref name=":4" /> die sie als rückständig und als Entwicklungshindernis betrachtete. Yossef Charvit von der Bar-Ilan-Universität schreibt jedoch, dass in Algerien viele Alliance-Mitarbeiter einen weniger starken Akkulturationsdruck ausüben wollten, was die Leitung in Paris kritisiert habe.<ref>Yossef Charvit: Le judaïsme traditionnel algérien face à la modernité française. In: Sylvie Anne Goldberg (Hrsg.): Histoire juive de la France. Éditions Albin Michel/Centre national du livre/Fondation du Judaïsme Français, Paris 2023, ISBN 978-2-226-44803-3, S. 536 f.</ref> Auch mehrere Mitglieder des jungtürkischen Komitees für Einheit und Fortschritt,<ref name=":9">Michelle U. Campos: Ottoman Brothers – Muslims, Christians, and Jews in Early Twentieth-Century Palestine. Stanford University Press, Stanford (California) 2011, ISBN 978-0-8047-7068-2, S. 84, 219.</ref> denen im Gegensatz dazu schwerlich ein mangelnder Wille zur Modernität vorgeworfen werden konnte,<ref>Pierre Vidal-Naquet: Et par le pouvoir d’un mot… In: Les Juifs, la mémoire et le présent (= Jean-Claude Zylberstein [Hrsg.]: Collection Le goût de l’Histoire). Éditions Les Belles Lettres, Paris 2023, ISBN 978-2-251-45442-9, S. 525–535, hier S. 529 (Ersterscheinung dieses Auszugs als Vorwort in Gérard Challand, Claire Mouradian und Alice Aslanian-Samuelian: Tribunal permanent des peuples. Le Crime de silence, Flammarion, Paris 1984; Ersterscheinung des Sammelwerks im Verlag Le Seuil, Paris 1995).</ref> hatten Schulen der Alliance besucht.
Der spätere türkische Oberrabbiner Haim Nahum<ref name=":0" /> besuchte die Alliance, wiewohl sie einem säkularen<ref name=":4" /> Unterrichtsverständnis folgte, was ihr den Widerstand zahlreicher Rabbiner einbrachte.<ref name=":4" /> So bekam beispielsweise der Schuldirektor von Tanger, Moïse Fresco, 1885 Ärger, weil er Schülern wissenschaftlich erklärt habe, wie Regen entsteht.<ref name=":4" /> Zudem habe Fresco dargelegt, der Auszug aus Ägypten sei durch tiefen Wasserstand begünstigt worden,<ref name=":4" /> was ihm die Rabbiner als Aussage auslegten, es gebe Gott nicht. Fresco antwortete, er führe keine rabbinische Schule.<ref name=":4" /> Als er 1887 die Talmud Tora (Cheder) von der Alliance-Schule trennte, sprachen sie ein Herem<ref name=":4" /> gegen ihn und zwangen ihn zum Verlassen der Stadt, die Schule blieb während einigen Monaten geschlossen. Neben religiösen Vorbehalten gab es auch solche, die als Aberglaube<ref name=":13" /> galten. So schrieb der Englischlehrer Morris Cohen nach 1890 über ständige Angst vor dem „Bösen Auge“<ref name=":13" /> unter Jüdinnen.
Palästina und das Verhältnis zum Zionismus
Auf Initiative von Charles Netter,<ref name=":11" /> Mitglied im Zentralrat der Alliance, wurde 1870 die Landwirtschaftsschule Mikwe Israel in Palästina gegründet. Im Sinne der von der Aufklärung für alle Menschen angestrebten Verbesserung der Condition humaine, sollten auch die Lebensbedingungen der Juden „normalisiert“<ref name=":11" /> werden. Insofern war das landwirtschaftliche Unterfangen in Palästina, wie der Geisteswissenschaftler Pierre Vidal-Naquet feststellt, keineswegs zionistisch, womit er die Alliance vom Protozionismus des deutschen Frühsozialisten Moses Hess unterscheidet.<ref name=":11" /> Theodor Herzl, der Gründer des politischen Zionismus, war daher ab 1898<ref name=":4" /> kritisch bis offen ablehnend zur Alliance eingestellt. Diese Haltung vertraten auch Achad Ha'am<ref name=":4" /> und Nachum Sokolow.<ref name=":4" /> Jischuv-basierte praktische Zionisten sprachen mit Geringschätzung<ref name=":4" /> von Mikwe Israel. Der Kulturzionist Achad Ha'am warf der Alliance vor, nur eine weitere Entfremdung<ref name=":4" /> in der Diaspora zu sein.
Die Alliance eröffnete in Jerusalem (mit Berufsschule ab 1882<ref>Nathan Weinstock: Terre promise, trop promise – Genèse du conflit israélo-palestinien (1882–1948). Éditions Odile Jacob, Paris 2011, ISBN 978-2-7381-2684-9, S. 61.</ref>), Haifa, Tiberias und 1892<ref name=":6">Yaacov Shavit: Tel Aviv : Naissance d’une ville (1909–1936) (= Mireille Hadas-Lebel [Hrsg.]: Collection Présences du judaïsme. Nr. 28). Éditions Albin Michel, Paris 2004, ISBN 2-226-15434-5, S. 49 (übersetzt von Esther Ifrah).</ref> eine Knabenschule in Jaffa (während sich Chibbat Zion<ref name=":6" /> um die Einrichtung der Mädchenschule in Jaffa kümmerte). Die oft deutschsprachigen Schulen des Hilfsvereins der deutschen Juden machten ihr mit 2624<ref name=":10">Mireille Hadas-Lebel: L’Hébreu, trois mille ans d’histoire. In: Collection Espaces libres. 2. Auflage. Éditions Albin Michel, Paris 2022, ISBN 978-2-226-47736-1, S. 145 (erste Auflage unter gleichem Titel in der Reihe Présences du judaïsme, Éditions Albin Michel, Paris 1992).</ref> Schülern um 1913 Konkurrenz. Nach der Palästinareise Kaiser Wilhelms II. sollte er den französischen Einfluss über den Landstrich in Schach halten.<ref name=":10" /> Die Alliance kam 1913 mit 2071<ref name=":10" /> Schülern auf vergleichsweise bescheidene 35,1 %<ref name=":10" /> der jüdischen Kinder in Palästina.
Die Jerusalemer Alliance leitete um 1900 Albert Abraham Antébi (1873–1919).<ref name=":2">Vincent Lemire, avec Katell Berthelot, Julien Loiseau et Yann Potin: Jérusalem, histoire d’une ville-monde des origines à nos jours. In: Collection Champs histoire. Éditions Flammarion, Paris 2016, ISBN 978-2-08-138988-5, S. 344.</ref> Der umtriebige Damaszenser Ingenieur, geboren als Ibrahim Entaibi,<ref name=":20" /> war mit 15 Jahren nach Frankreich gegangen.<ref name=":14">Isabelle Albaret: ANTÉBI Albert (1873–1919). (Lexikonartikel). In: Tilla Rudel (Hrsg.): Jérusalem: Histoire, promenades, anthologie et dictionnaire (= Jean-Luc Barré [Hrsg.]: Collection Bouquins). Éditions Robert Laffont/Centre national du livre, Paris 2018, ISBN 978-2-221-11597-8, S. 936 f.</ref> Er hinterließ eine Korrespondenz aus rund 10.000<ref name=":14" /> Briefen. Antébi galt als der „Konsul der Juden“<ref name=":14" /> in Palästina. Zusammen mit einer gewissen Miss Landau<ref name=":20" /> vertrat er die Anliegen der Jerusalemer Juden gegenüber der osmanischen Militärverwaltung. Er war mit Marie-Joseph Lagrange<ref name=":14" /> von der École biblique et archéologique française de Jérusalem befreundet, mit dem ihn Debatten und diplomatische Zusammenarbeit verbanden. Der Politische Zionismus ließ ihn kalt, vielmehr wollte er « la conquête pacifique et économique de la Palestine sous les auspices de la France »<ref name=":19">Henry Laurens: Les Livres du Mois: L’homme du sérail. In: Le Monde diplomatique. November 1996, abgerufen am 30. April 2024.</ref> – „die friedliche und wirtschaftliche Eroberung Palästinas unter dem Schutz Frankreichs“. Trotz Antébis feindseliger<ref name=":8" /><ref name=":9" /> Haltung gegenüber dem Zionismus trugen die Alliance und auch er selbst mit seiner praktischen Unterstützung<ref name=":8" /> für eine jüdische Heimstätte in Palästina schließlich doch bedeutend zur Verwirklichung des Zionismus bei.<ref name=":8" /><ref name=":9" />
Nach der Staatsgründung Israels im Mai 1948 wurden in den 1950er Jahren die Schulen und Mikwe Israel vom israelischen Erziehungsministerium enteignet. Die Bezugsgruppe der Alliance erhielt die Bezeichnung Mizrachim und galt im dominierenden Diskurs des neuen Staates faktenwidrig als vom liberalen und universellen Denken der Aufklärung völlig unberührt. Erneut waren die Juden muslimischer Länder der Gegenstand einer Assimilation.<ref>Sylvaine Bulle: Israël après de 7-Octobre. Presses Universitaires de France, Paris 2026, ISBN 978-2-13-089020-1, S. 55 f.</ref>
Zeitschriften, Bibliothek und Archive der Alliance Israélite Universelle
Die Alliance Israélite Universelle gab von 1864 bis 1913 das Bulletin de l’Alliance Israélite Universelle<ref name=":4" /> heraus. Dessen Erscheinen wurde in den Kriegsjahren 1913 bis 1920 eingestellt. Ab Januar 1921 wurde es unter dem neuen Titel Paix et Droit<ref name=":4" /> publiziert, musste jedoch in den Jahren des Holocaust von 1940 bis 1944 eingestellt werden. Seit 1944 erscheint es mit dem Titel Cahiers de l’Alliance Israélite Universelle.<ref name=":4" />
Die Bibliothek der Alliance mit über 50.000 Bänden war ab 1937 an der Rue La Bruyère 45 im 15. Arrondissement domiziliert. Im Zweiten Weltkrieg wurden 647<ref name=":15">Jean-Claude Kuperminc: La bibliothèque de l’Alliance, au cœur d’un réseau mondial. In: Sylvie Anne Goldberg (Hrsg.): Histoire juive de la France. Éditions Albin Michel/Centre national du livre/Fondation du Judaïsme Français, Paris 2023, ISBN 978-2-226-44803-3, S. 1002 f.</ref> Bücherkisten am 9. bis 16. August 1940 vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg gestohlen und meist an die „Bibliothek zur Erforschung der Judenfrage“<ref name=":15" /> in Frankfurt a. M. geliefert. Nach dem Krieg erhielt die Alliance durch das Offenbach Archival Depot über einen Zeitraum von zehn Jahren einen Großteil der Bücher wieder zurück. Allerdings gelang es den Verantwortlichen 1940, das AIU-Archiv nach Bordeaux und dann ins Ausland zu evakuieren, wo es bei den Institutionen des Freien Frankreich eingelagert war. 1992 wurde bekannt, dass die sowjetische Rote Armee Aktenbestände der Alliance aus dem Raubgut der Deutschen in Moskau gelagert hatte. Im Jahr 2000 hat Russland 30 Archivkartons an den AIU-Sitz in Paris zurückerstattet. 1989 bezog die Bibliothek ihren renovierten Sitz in Paris.<ref name=":15" />
Niederlassungen 1914 nach Georges Bensoussan und Schülerzahlen 1913 nach Michel Abitbol
(heutige Staatsgrenzen und Ortsnamen; Schülerzahlen für den Iran für 1913 nach Marc Lobit, S. 253)<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />
Algerien ab 1865 (1858 Schüler)
Ägypten ab 1896 (823 Schüler)
- Alexandria (ab 1897)
- Kairo (ab 1896)
- Tanta (ab 1905)
Bulgarien
Frankreich ab 1860
Griechenland
- Chania
- Thessaloniki (ab 1873<ref>Catherine Pinguet: Salonique 1870–1920. Hrsg.: Photographies de la collection Pierre de Gigord, préface de Paul Salmona. CNRS Éditions (Centre national de la recherche scientifique), Paris 2023, ISBN 978-2-271-14312-9, S. 15.</ref>)
- Rhodos
Iran ab 1898 (2844 Schüler)
- Abadan
- Bidschar
- Borudscherd
- Buschehr
- Golpayegan
- Hamadan (660 Schüler)
- Kaschan
- Kerman
- Kermānschāh
- Nehawand
- Isfahan (648 Schüler)
- Sanandadsch
- Schiras (332 Schüler)
- Teheran (ab 1898; 638 Schüler)
- Tuserk
- Yazd
Irak ab 1865 (4396 Schüler)
- Amara (ab 1910)
- Arbella
- Bagdad (ab 1865, Mädchenschule ab 1911)
- Basra (ab 1903, Mädchenschule ab 1913)
- Hanekine
- Hille (ab 1907)
- Hindye
- Mandali (Mendell)
- Mossul (ab 1906)
- Kefil
- Kirkuk (ab 1913)
- Sulaimaniyya
Israel/Palästina ab 1870 (1691 Schüler)
- Jaffa
- Jerusalem
- Mikwe Israel (Landwirtschaftsschule)
- Safed
Libanon (mit Syrien: 2286 Schüler)
Libyen ab 1889 (397 Schüler)
Marokko ab 1862 (5049 Schüler)
- Azemmour
- Casablanca
- Debdou
- Demnate
- El Jadida
- Essaouira
- Fès (ab 1884)
- Ksar-el-Kebir, (Spanisch-Marokko)
- Larache (Spanisch-Marokko)
- Marrakesch (ab 1899)
- Meknès (ab 1910)
- Oujda
- Rabat
- Safi
- Salé
- Sefrou
- Settat
- Tanger (Spanisch-Marokko)
- Taza
- Tétouan (Spanisch-Marokko)
Schweiz
Syrien ab 1880 (mit Libanon: 2286 Schüler)
Tunesien ab 1878 (3135 Schüler)
Türkei ab 1867 (heutiger europäischer Teil: 8523 Schüler/asiatischer Teil 2676 Schüler)
Deutschland und die Alliance
Ein deutscher Name konnte sich nicht dauerhaft etablieren. Die Zeitschrift Ost und West führte ab 1912 die Bezeichnung „Organ der AIU“ und vereinzelt als zusätzlichen Namen dieses Herausgebers: „Deutsche Conferenz-Gemeinschaft“.
Im Berner Prozess um die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ benutzte der deutsche antisemitische Gutachter Ulrich Fleischhauer die Bezeichnung „Israelitischer Weltbund“ für die AIU. Die Unterlagen zu diesem Berner Prozess im Archiv der AIU in Paris hat Catherine Nicault gesichtet.<ref>Catherine Nicault: Le procès des protocoles des sages de sion, une tentative de riposte juive à l’antisémitisme dans les années 1930. In: Vingtième Siècle. Revue d’histoire, #53, Janvier-mars 1997, p.68–84. Cf. Artikel Nicault, online.</ref>
Die Nationalsozialisten nutzten dementsprechend die Existenz der AIU als Beweis für die „jüdische Weltverschwörung“ und dafür, dass, jedenfalls aus der Sicht der Besatzer in Paris, diese Stadt das europäische Zentrum der Verschwörung ist und deshalb hier die härtesten Verfolgungsmaßnahmen stattfinden müssten. Im Nürnberger Prozess zitierte der Ankläger 1946 im Prozess gegen den Pariser Judenreferenten Theodor Dannecker diesen und Herbert Hagen wie folgt:
- Die Auswertung des in Deutschland, Österreich, ČSR und Polen sichergestellten Materials ließ den Schluß zu, daß die Zentrale des Judentums für Europa und damit die Hauptverbindung nach den überseeischen Ländern in Frankreich zu suchen sei. Aus dieser Erkenntnis heraus wurden daher zunächst die bereits bekannten großen jüdischen Organisationen, wie „Weltjudenkongreß“ … durchsucht und versiegelt.<ref> Online ČSR wurde hier durch Computerfehler zu ÈSR verschrieben. Ein Nazi-Dokument mit dem Titel „Aktionen der Sipo und des SD, (SS-Einsatzkommando Paris) gegen diese Organisationen und führende jüdische Personen“. An der Stelle der Auslassungen standen weitere jüdische Organisationen, die hier nicht gelistet sind. Auch das Faksimile ist an dieser Stelle nicht zugänglich.</ref>
Am Salomon Ludwig Steinheim-Institut an der Universität Duisburg-Essen gibt es einen Forschungsschwerpunkt zur Tätigkeit der AIU in deutschsprachigen Ländern. Die Ergebnisse werden in der Zeitschrift Kalonymos publiziert.<ref>Annette Sommer: Weltbürgerliche Utopie. Die AIU in Deutschland 1860–1914. Kalonymos, Heft 1, Essen 2015, S. 10 (mit 2 Abb.), auch online.</ref> Den Forschungsbereich koordiniert Carsten Wilke von der Central European University. Das Archiv der AIU befindet sich nach einer kriegsbedingten Verschleppung (1940 Abtransport nach Berlin und 1945 in das Sonderarchiv Moskau des sowjetischen Sicherheitsdienstes) seit 2001 wieder in Paris.
Literatur
Statuten
- Allgemeine Israelitische Allianz Bericht, Statut. Paris 1874, S. 1 (google.de).
Zeitdokumente
- Albert Confino: L’action de l’Alliance israélite en Perse. Algier 1941 (Confino war Lehrer in Isfahan von 1901 bis 1905).<ref name=":18" />
- Appel aux Israélites. Manifest, Paris 1860.
- Alliance Israélite universelle. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 1, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 379.
- Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Silberfiche-Edition. Hrsg.: D. Trietsch (zeitweise) & L. Winz. 8 Jahrgänge. Charlottenburg 1901–1908. Fortgesetzt als Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Hrsg.: L. Winz. 15 Jahrgänge. Charlottenburg 1909–1923. – Ab 1912 mit dem Zusatz: „Organ der Alliance israélite universelle.“ Olms, Hildesheim 1999.
- Instructions générales pour les professeurs, Alliance Israélite Universelle, Paris 1903.
Sachbücher
- Élizabeth Antébi: L’Homme du Sérail. Biographie de Albert Abraham Antébi, Nil Éditions (Diffusion: Le Seuil), Paris 1996, ISBN 978-2-84111-042-1.<ref name=":19" />
- André Chouraqui: L’Alliance Israélite Universelle et la renaissance juive contemporaine. Cent ans d’histoire. Presses universitaires de France, Paris 1965.
- Björn Siegel: Zwischen Paris und Gondar. Die Missionen der Alliance Israélite Universelle 1867 und 1907–1908 nach Äthiopien, In: Orient als Grenzbereich? Rabbinisches und außer-rabbinisches Judentum. Hrsg. von Annelies Kuyt, Gerold Necker. Reihe: Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, 60. Harrassowitz, Wiesbaden 2007, S. 249–264.
- Carsten L. Wilke: Völkerhass und Bruderhand. Ein deutsch-französischer Briefwechsel aus dem Jahr 1871 (Zwischen Moritz Landsberg und Isidore Loeb). In Kalonymos. H. 4, 2008, 11. Jg., S. 1–5 Online.
- Wolfgang Treue: Jüdisches Weltbürgertum oder nationales Judentum? Die AIU und der Zionismus in Deutschland. In: Kalonymos 13. Jg., 2010, H. 3, S. 9–12 Online.
- Rafael Arnold: Anschluss an die moderne Welt. 150 Jahre AIU. In: Dokumente-Documents. In: Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog. No. 1, Bonn, März 2010, ISSN 0012-5172 S. 100–102 (Lit.).
- Ost und West. Band 1. Nabu Press (das ist: Bibliobazaar), Charleston (South Carolina), 2010, ISBN 1-146-87939-3.
- Björn Siegel:<ref>Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für die Geschichte der deutschen Juden Universität Hamburg; seit 2014 DAAD-Fachlektor für deutsch-jüdische Geschichte am Center for German Jewish Studies an der University of Sussex.</ref> Österreichisches Judentum zwischen Ost und West. Die Israelitische Allianz zu Wien 1873–1938. Campus, Frankfurt 2010.
- Bearbeitet erneut veröffentlicht als: Die Israelitische Allianz zu Wien 1873–1938. In: Europäische Traditionen. Enzyklopädie jüdischer Kulturen. Projekt des Simon-Dubnow-Instituts. Metzler’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2012.
- Björn Siegel: Das ‘Es werde Licht ist gesprochen…’. Die Bildungsmissionen der Israelitischen Allianz zu Wien, der Baron Hirsch Stiftung und der Alliance Israélite Universelle im Vergleich 1860–1914. In: Transversal. Jg. 12, 2011, H. 1–2, S. 83–112.
- Carsten L. Wilke: Alliance israélite universelle. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 1: A–Cl. Metzler, Stuttgart/Weimar 2011, ISBN 978-3-476-02501-2, S. 42–50.
- Dominique Trimbur: Alliance Israélite Universelle (Frankreich). In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus, Band 5, De Gruyter-Saur 2012, ISBN 978-3-598-24078-2, S. 14–16.
- Georges Bensoussan: L’Alliance Israélite Universelle (1860–2020). Juifs d’Orient, Lumières d’Occident. Paris 2020.
- David Hamann: Ein Billett von Brody über Berlin nach New York: Organisierte Solidarität deutscher Juden für osteuropäische jüdische Transmigrant*innen 1881/82 (= Europäisch-jüdische Studien Bd. 67), Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-106362-1.
Weblinks
- Offizielle Website (französisch, englisch)
- Zeitschrift Ost und West, Band 7 1907, wahlweise in versch. Dateiformaten, in unterschiedlichen Auszügen; sämtliche Ausgaben gibt es auch bei Compact Memory online
- Die AIU 1860 - 1914, von Carsten Wilke, 2007. Der erste deutsche Vertreter im ZK der AIU war Rabbi Zacharias Frankel, Breslau, im Jahr 1867
- Paix et droit: organe de l'Alliance israélite universelle
Einzelnachweise
<references />