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Jüdisches Museum der Schweiz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Jüdisches Museum der Schweiz
Fassade JMS
Fassade JMS mit dem Kunstwerk Jeziory von Frank Stella
Daten
Ort Basel, Schweiz
Eröffnung 1966
Leitung
Naomi Lubrich
Website
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Datei:Jüdisches Museum der Schweiz 1966.jpg
Ehemalige Raumansicht Dauerausstellung (1966)

Das Jüdische Museum der Schweiz ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) in Basel ist das nationale Museum für jüdische Religions- und Alltagsgeschichte der Schweiz. Mit seiner Gründung im Jahr 1966 war es das erste jüdische Museum im deutschen Sprachraum nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Museum vereint in seinen Ausstellungsräumen Objekte des Ritus, der Kunst und der Alltagskultur aus dem Judentum von der Zeit des Mittelalters bis in die Gegenwart. Ende November 2025 wurde es nach fünf Jahren Planung und Umbau mit einer neuen Dauerausstellung und Arbeiten von Frank Stella am neuen Standort an der Vesalgasse 5 in Basel wieder eröffnet.<ref name="badische-zeitung.de 2025-11-26 Michael Baas">Michael Baas: In Basel eröffnet das neue Jüdische Museum der Schweiz. In: Badische Zeitung. 26. November 2025, abgerufen am 27. November 2025.</ref>

Geschichte

Das Jüdische Museum der Schweiz in Basel (JMS) wurde 1966 als erstes jüdisches Museum im deutschen Sprachgebiet nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet.<ref>Über uns – Juedisches Museum Schweiz. Abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref> Die Initiative ging von Mitgliedern des jüdischen Vereins «Espérance» aus (eine chevra kadischa), die bei einem Besuch der Ausstellung «Monumenta Judaica» in Köln 1963/1964 Ritualobjekte aus der Basler Judaica-Sammlung entdeckten. Sie entschieden, diese Gegenstände in einem geeigneten Raum in Basel auszustellen.

Bei der Eröffnung des Museums 1966 bestand das Jüdische Museum der Schweiz aus zwei Räumen an der Kornhausgasse 8, die der Innenarchitekt Christoph Bernoulli in einem «sachlichen» Stil ausbaute. Gründungsdirektorin war Katia Guth-Dreyfus; sie leitete das Museum über vier Jahrzehnte. Im Jahr 2010 wurde sie von Gaby Knoch-Mund abgelöst. Im Jahr 2015 übernahm Naomi Lubrich die Leitung.<ref>mit Naomi Lubrich, Leiterin Jüdisches Museum der Schweiz. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, 18. September 2018, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 31. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).@1@2Vorlage:Toter Link/www.srf.ch (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Am 5. Mai 2025 wurde das Museum vorübergehend geschlossen. Es bezog seine neuen Ausstellungsräume in unmittelbarer Nähe zum Hauptsitz der Universität Basel am Petersplatz an der Vesalgasse 5. Die Eröffnung erfolgte am 30. November 2025.<ref>Jüdisches Museum der Schweiz: Eröffnung nach Millionen-Umbau. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, 29. November 2025, abgerufen am 30. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der neue Standort ist ein ehemaliges Tabaklager, das eine doppelt so grosse Ausstellungsfläche wie am alten bietet. Im Mittelalter befand sich auf dem Areal des heutigen Gebäudes der jüdische Friedhof Basels.<ref>Neues Haus – Jüdisches Museum der Schweiz. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. Dezember 2021.@1@2Vorlage:Toter Link/www.juedisches-museum.ch (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Umbau und Neueinrichtung des Museum haben rund 8,5 Millionen Franken gekostet, die grösstenteils durch private Spenden getragen wurden.

Sammlung

Die ersten Gegenstände, die im Jüdischen Museum der Schweiz gezeigt wurden, stammen aus der Judaica-Sammlung des Schweizerischen Museums für Volkskunde (jetzt Museum der Kulturen Basel).<ref>Geschichte. In: mkb.ch. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. September 2020; abgerufen am 20. August 2020.</ref> In den folgenden Jahren wurde die Sammlung durch Objekte aus Basel und der Region Oberrhein, aus den beiden Surbtaler Judendörfern Endingen und Lengnau sowie aus der übrigen Schweiz und Europa erweitert.<ref>Jewish Museum of Switzerland. In: aejm.org. Abgerufen am 20. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Besonders nennenswert sind die «Lengnauer Mappot», eine Sammlung von 218 Torawimpeln, die sich über fast drei Jahrhunderte erstreckt und damit die grösste zusammenhängende Mappot-Sammlung einer bekannten Gemeinschaft darstellt.<ref name="FGG"/>

Inhaltliche Schwerpunkte sind Zeremonialobjekte aus Silber, reich bestickte Textilien aus dem 17. bis 20. Jahrhundert und Dokumente zur Kulturgeschichte der Juden in der Schweiz. Als historisch einzigartig gelten die monumentalen mittelalterlichen Grabsteine und die Basler hebräischen Drucke. Dokumente zu den Basler Zionistenkongressen und Originalbriefe von Theodor Herzl, dem Autor von Der Judenstaat, zeigen Basel als Stadt und die Schweiz als Land, wo Weltpolitik gemacht wurde.<ref>Jüdisches Museum der Schweiz. Museen Basel, abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref> Das Museum sammelt auch zeitgenössische Judaica, Kunst und Alltagsobjekte aus der Schweiz.<ref>Sammlung – Juedisches Museum Schweiz. Abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref>

Beispiele

«Aron ha kodesh» (Toraschrein) aus Solothurn
Datei:Tora shrine from Solothurn.tif
Dieser «aron ha kodesh» oder «Heiliger Schrein» wurde für den 1893 eingeweihten ehemaligen Gebetsraum der jüdischen Gemeinde Solothurn angefertigt. Die Inschrift lautet: «Wisse, vor wem du stehst!».

Die kleine jüdische Gemeinde der Stadt musste 1986 ihren Gebetsraum aufgeben, und die Einrichtungsgegenstände wurden zwischen der Jüdischen Gemeinde Bern und dem Jüdischen Museum der Schweiz in Basel aufgeteilt.<ref name="CBNL"/>

Beschneidungsbank
Datei:Brit milah bench.jpg Diese Beschneidungsbank wurde 1791 geschnitzt und 1973 in die Sammlung des Museums aufgenommen. Sie diente in der Synagoge für die Brit Mila und ist mit Worten aus dem ersten Buch Mose beschriftet: «Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden (Genesis 17:11).»<ref name="CBNL"/>
Lichtdruck des Ersten Zionistenkongresses
Datei:Participants of the First Zionist Congress.jpg Mit dem Lichtdruckverfahren aus der Mitte des 19. Jahrhunderts war es relativ einfach, Hunderte von Fotografien auf einmal herzustellen. Dieser Lichtdruck zeigt die 162 Teilnehmer des Ersten Zionistenkongresses, der 1897 in Basel stattfand. Während die meisten Teilnehmer Männer waren, nahmen auch einige Frauen teil. Frauen durften teilnehmen, aber nicht wählen. Ihre Fotos befinden sich in der unteren Reihe.<ref name="CBNL"/>
Mappa aus Lengnau
Datei:Mappa from Lengnau 1744.jpg Ein Torawimpel wird aus dem Stofftuch angefertigt, mit dem ein neugeborener Junge an seiner Brit Milah gewickelt wurde. Er verbindet die gemeinschaftliche Welt der Synagoge mit dem Leben des Einzelnen.

Dieser gestickte Torawimpel aus grobem Leinen stammt aus dem Jahr 1744 und gehört zu den «Lengnauer Mappot». Die Inschrift lautet: «Samuel, Sohn des Meir, der geboren wurde unter einem guten Stern am Freitag, Schabbatabend, 2. Kislew 5505, möge er heranwachsen zur Torah, zur Chuppa und zu guten Taten, Amen Selah.»<ref name="FGG"/>

Eine Blumenvase ist mit buntem Garn auf dem Wimpel gestickt. Symbolisch steht sie für die Tora, die auch als Baum des Lebens gesehen wird.<ref>Julie-Marthe Cohen, Felicitas Heimann-Jelinek, Ruth Jolanda Weinberger: Judaica Handbook. (PDF) 2019, abgerufen am 8. Dezember 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Pass mit einem Judenstempel
Datei:J-stamped passport.tif Am 30. Dezember 1938 wurde der Reisepass (Deutsches Reich) von Agathe Süss mit «J» gestempelt, um sie als Jüdin zu kennzeichnen. Da ihre Tochter mit einem Schweizer Staatsangehörigen verheiratet war, konnte sich die 63-Jährige ein Visum für die Schweiz beschaffen. Süss hat sich mit ihrem Schwiegersohn in Basel niedergelassen und konnte so dem Holocaust entfliehen.<ref name="CBNL"/>
Taschenuhr aus La Chaux-de-Fonds
Datei:Jewish Pocket Watch.tif Diese Taschenuhr aus Silber und Messing wurde 1901 von Jules Levy in La Chaux-de-Fonds hergestellt, wie aus der Inschrift zu lesen ist: «Jules Levy. Chaux-de-Fonds. Tischri 5662. Mon cher oncle.» Levys «lieber Onkel» war Aron Rhein. Tischri ist der erste Monat des jüdischen Kalenderjahres, der zwischen September und Oktober liegt. Die Stundenziffern werden hier durch hebräische Zeichen dargestellt.

Die 1833 gegründete jüdische Gemeinde von La Chaux-de-Fonds wuchs schnell und zählte rund 900 Mitglieder, als die lokale Uhrenindustrie um 1900 ihren Höhepunkt erreichte.<ref name="CBNL"/>

Toramantel aus Endingen
Datei:Yellow Toramantle, Endingen.jpg Dieser Toramantel wurde 1967 im Lagerraum der Synagoge in Endingen (Aargau) gefunden. Es handelt sich bei dem Material um eine französische Seide des 18. Jahrhunderts, die ursprünglich als Damenkleid, vielleicht auch als Hochzeitskleid, verwendet worden war. Es wurde als Toramantel umgestaltet, eine umstrittene, aber vor dem 20. Jahrhundert übliche Praxis.<ref name="CBNL"/>

Ausstellungen

  • 1976: «10 Jahre Jüdisches Museum der Schweiz»
  • 1999: «Tefillin»
  • 1999–2000: «Tierkreiszeichen»
  • 2000: «Die Rabbiner Ris. Eine Familie in der Region»
  • 2002: «Mesusot»
  • 2002–2003: «Speisen am Schabbat»
  • 2003–2004: «Jüdische Hochzeitsverträge aus der Braginsky Collection, Zürich»
  • 2004–2005: «Anne Frank. Eine Familiengeschichte über Grenzen»
  • 2005–2006: «Truhe auf Wanderschaft. Eine jüdische Familiengeschichte aus Frankfurt und Basel»
  • 2006–2007: «Ins Licht gerückt. Sammlungszugänge der letzten 10 Jahre»
  • 2007–2008: «Endingen-Lengnau. Auf den Spuren der jüdischen Landgemeinden im Aargau»
  • 2009–2009: «Merkwürdig. Objekte, die aus der Reihe tanzen»
  • 2010–2016: «HERZLichen Glückwunsch.» Sonderausstellung zum 150. Geburtstag von Theodor Herzl
  • 2010–2014: «…und Hanna und Sarah». Installation im Hof von Renée Levy
  • 2011: «Von Neumond zu Vollmond»
  • 2011–2012: «Am Übergang. Bar und Bat Mitzwa»
  • 2012: «1001 Amulett. Schutz und Magie – Glaube oder Aberglaube?»
  • 2014–2016: «Gesucht. Gefunden. Partnerschaft und Liebe im Judentum»
  • 2016: «Schweizer Juden. 150 Jahre Gleichberechtigung / Stimmen zur Emanzipation» (Installation im Hof)
  • 2016: «Jubiläum! Das Jüdische Museum der Schweiz wird 50»
  • 2017: «Altland. Theodor Herzls europäisches Erbe»
  • 2017: «Kunst nach Chagall. Das Jahrhundert nach dem Durchbruch» (in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Basel)
  • 2018–2019: «Das Tagebuch. Wie Otto Frank Annes Stimme aus Basel in die Welt brachte»
  • 2019: «ISREALITIES. Sieben fotografische Reisen»
  • 2019–2020: «Pässe, Profiteure, Polizei. Ein Schweizer Kriegsgeheimnis»
  • 2021–2024: «Buchstäblich jüdisch. Eine Deutungsgeschichte.» Installation in den neuen Räumen in der Vesalgasse 5

Siehe auch

Publikationen

  • 2003: Jüdische Hochzeitsverträge aus Italien.
  • 2006: Truhe auf Wanderschaft. Eine jüdische Familiengeschichte aus Frankfurt und Basel.
  • 2006: Ins Licht gerückt. Sammlungszugänge der letzten 10 Jahre.
  • 2007: Endingen-Lengnau. Auf den Spuren der jüdischen Landgemeinden im Aargau.
  • 2010: HERZLichen Glückwunsch! Sonderausstellung zum 150. Geburtstag von Theodor Herzl.
  • 2011: Gaby Knoch-Mund (Red.): Am Übergang. Bar und Bat Mizwa. Wie werden jüdische Kinder und Jugendliche erwachsen? Basel, ISBN 978-3-033-03025-1.
  • 2013: 1001 Amulett. Schutz und Magie – Glaube oder Aberglaube.
  • 2014: Gaby Knoch-Mund: Gesucht. Gefunden. Partnerschaft und Liebe im Judentum. Basel, ISBN 978-3-033-04633-7
  • 2018: Caspar Battegay, Naomi Lubrich: Jüdische Schweiz. 50 Objekte erzählen Geschichte / Jewish Switzerland: 50 Objects Tell their Stories. Christoph Merian Verlag, Basel 2018, ISBN 978-3-85616-847-6.
  • 2020: Fabio Luks: CHAI – {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value). Oder wenn Grabsteine vom Leben erzählen / CHAI – {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value). Or when Gravestones Speak of Life. edition clandestin, Biel, ISBN 978-3-905297-99-7.
  • 2020: Pandemie und Poesie. Ein jüdisches Lexikon. edition clandestin, Biel, ISBN 978-3-907262-08-5.
  • 2021: Naomi Lubrich: Pässe, Profiteure, Polizei. Ein Schweizer Kriegsgeheimnis. edition clandestin, ISBN 978-3-907262-09-2.
  • 2022: Naomi Lubrich (Hrsg.): Geburtskultur: Jüdische Zeugnisse aus der ländlichen Schweiz und dem Umland. Schwabe Verlag, Basel, ISBN 978-3-7965-4607-5.
  • 2022: Naomi Lubrich (Hrsg.): What’s in a Name? 25 Jüdische Geschichten. edition clandestin, ISBN 978-3-907262-34-4.

Literatur

Weblinks

Commons: Jüdisches Museum der Schweiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="FGG">Florence Guggenheim-Grünberg: Die Torawickelbänder von Lengnau. Zeugnisse jüdischer Volkskunst. In: Beiträge zur Geschichte und Volkskunde der Juden in der Schweiz. Band 9. Zürich 1967.</ref> <ref name="CBNL">Caspar Battegay, Naomi Lubrich: Jüdische Schweiz. 50 Objekte erzählen Geschichte / Jewish Switzerland: 50 Objects Tell their Stories. Christoph Merian Verlag, Basel 2018, ISBN 978-3-85616-847-6.</ref> </references>

Koordinaten: 47° 33′ 27″ N, 7° 34′ 59″ O; CH1903: 610874 / 267445

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