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Ort |
Themen / Beschlüsse / Folgen |
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| 869
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Konstantinopel IV (869/870) (Ignatianische Synode)
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- Absetzung und Verurteilung des Patriarchen Photios von Konstantinopel wegen unrechtmäßiger Amtsübernahme.<ref>DH 650–654</ref>
- Wiedereinsetzung des Patriarchen Ignatios I. und Bestätigung des römischen Primats.<ref>DH 657–661</ref>
- Verurteilung der Lehre von den zwei Seelen im Menschen (Bekräftigung der Einheit von Leib und Geistseele).<ref>Kanon 11; DH 657</ref>
- Regelung der Rangfolge der Patriarchate: Rom (1.), Konstantinopel (2.), Alexandrien (3.), Antiochien (4.), Jerusalem (5.).<ref>Kanon 21; DH 661</ref>
- Streit um die kirchenrechtliche Unterstellung (Jurisdiktion) des neu missionierten Bulgariens unter Rom oder Konstantinopel.
- Folgen: Verschärfung des Photios-Schismas (Vorgeschichte des Morgenländischen Schismas); Annullierung der Beschlüsse durch ein orthodoxes Gegenkonzil (879/880) nach der Rückkehr von Photios auf den Patriarchenstuhl.
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- Nikolaus I.: Papst, der die Absetzung des Photios forderte und den römischen Primat massiv stärkte.
- Hadrian II.: Papst, unter dem das Konzil stattfand und die Verurteilung des Photios vollzogen wurde.
- Photios I.: Patriarch, der hier als unrechtmäßiger Eindringling verurteilt und exkommuniziert wurde.
- Ignatios I.: vom Konzil rehabilitierter Patriarch und Gegenspieler des Photios.
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| 1123
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Lateran I
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- Bestätigung des Wormser Konkordats: Ende des Investiturstreits (Trennung zwischen weltlicher und geistlicher Amtseinsetzung von Bischöfen)
- Kampf gegen Simonie (Kauf von Kirchenämtern) und Nikolaitismus (Priesterehe).<ref>DH 710–712></ref>
- Verschärfung des Zölibats: Verbot für Priester, Diakone und Subdiakone, mit Ehefrauen oder Konkubinen zusammenzuleben.<ref>DH 711</ref>
- Erklärung der Ungültigkeit von Weihen, die durch Häretiker oder simonistische Bischöfe vollzogen wurden.<ref>DH 710</ref>
- Gewährung von Ablässen für Teilnehmer an Kreuzzügen zum Schutz der Christenheit.
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| 1139
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Lateran II
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- Beilegung des aufgrund der Doppelwahl von Innozenz II. und Anaklet II. (Pierleoni) entstandenen Schismas durch die Verurteilung des Gegenpapstes Anaklet II. und seiner Anhänger.
- Radikale Verschärfung des Zölibats: Ehen von Klerikern (ab dem Subdiakonat) und Mönchen werden nicht mehr nur untersagt, sondern für ungültig erklärt (Einführung des trennenden Ehehindernisses).<ref>DH 715</ref>
- Erneute Verurteilung der Simonie (Ämterkauf) und des Wuchers (Zinsnahme).<ref>DH 716</ref>
- Verbot von Turnieren und der Verwendung der Armbrust gegen Christen (als „Gott verhasste Kunst“).
- Verurteilung der Lehren von Arnold von Brescia und Petrus von Bruis (Kritik an Kindertaufe, Eucharistie und Kirchenbau).<ref>DH 717–718</ref>
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- Innozenz II.: Papst und Einberufer des Konzils zur Beilegung des schismatischen Streits mit Gegenpapst Anaklet II.
- Anaklet II.: Gegenpapst, dessen Schisma hier beendet und dessen Weihen annulliert wurden.
- Bernhard von Clairvaux: der wichtigste theologische Berater und Motor hinter dem Sieg Innozenz' II.
- Arnold von Brescia: Kirchenkritiker, der hier zum ersten Mal verurteilt wurde.
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| 1179
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Lateran III
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- Festlegung der Papstwahl: Einführung der Zwei-Drittel-Mehrheit im Kardinalskollegium zur Vermeidung von Gegenpäpsten.<ref>DH 750</ref>
- Verbot der Kumulation von Pfründen (Anhäufung mehrerer Kirchenämter in einer Hand).
- Regelung des Mindestalters für Bischöfe (30 Jahre) und Priester (25 Jahre).
- Verurteilung der Katharer und Waldenser; Aufruf zum bewaffneten Vorgehen gegen Häretiker.<ref>DH 751–752</ref>
- Bestimmungen zum Schutz der Laienbruderschaften und Einschränkung jüdischer und muslimischer Sklavenhaltung von Christen.
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- Alexander III.: Papst und Gesetzgeber der bis heute gültigen Zwei-Drittel-Mehrheit bei der Papstwahl.
- Friedrich I. Barbarossa: Kaiser, dessen langer Kampf gegen den Papst den Anlass für die neuen Wahlregeln gab.
- Petrus Waldus: Begründer der Waldenser, der hier vergeblich um die Predigterlaubnis bat.
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| 1215
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Lateran IV
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- Innozenz III.: Papst auf dem Höhepunkt seiner Macht, Einberufer und dominierender Gesetzgeber des Konzils.
- Friedrich II.: vom Papst unterstützter römisch-deutscher König, dessen Herrschaftsanspruch hier kirchenrechtlich gegen Otto IV. abgesichert wurde.
- Dominikus und Franz von Assisi: Ordensgründer, die während des Konzils in Rom waren, um die Bestätigung ihrer Ordensregeln zu erwirken.
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| 1245
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Lyon I
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- Prozess gegen Kaiser Friedrich II.: Förmliche Absetzung des Kaisers durch Papst Innozenz IV. wegen Eidbruchs, Ketzerei und Kirchenraub.<ref>DH 830</ref>
- Aufruf zum Sechsten Kreuzzug unter König Ludwig IX. von Frankreich.
- Maßnahmen zur Verteidigung gegen den Einfall der Mongolen in Osteuropa.
- Regelung des Prozessrechts für kirchliche Gerichte.
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- Innozenz IV.: Papst und Initiator des Prozesses gegen den Kaiser.
- Friedrich II.: Römisch-deutscher Kaiser, der wegen Eidbruchs und Häresie förmlich abgesetzt wurde.
- Balduin II.: Lateinischer Kaiser von Konstantinopel, der auf dem Konzil um militärische Hilfe gegen die Griechen bat.
- Ludwig der Heilige: König von Frankreich, der als Vermittler zwischen Papst und Kaiser auftrat und das Kreuzfahrerheer anführte.
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| 1274
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Lyon II
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- Kurzzeitige Union mit der Ostkirche: Anerkennung des römischen Primats und des Filioque durch die griechischen Gesandten.<ref>DH 850–853</ref>
- Dogmatische Definition des Heiligen Geistes: Er geht „ewig aus dem Vater und dem Sohn hervor, nicht wie aus zwei Prinzipien, sondern wie aus einem einzigen Prinzip“.<ref>DH 850</ref>
- Lehre über das Fegefeuer (poenis purgatoriis seu catharteriis).<ref>DH 464</ref>
- Neuregelung der Papstwahl (Konstitution Ubi periculum): Einführung des strengen Konklave (Einschließung der Kardinäle bei Brot und Wasser zur Beschleunigung der Wahl).
- Verbot der Gründung neuer Bettelorden (außer Dominikaner, Franziskaner, Karmeliten und Augustiner-Eremiten).
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- Gregor X.: Papst und Initiator der Union mit den Griechen sowie der neuen Konklave-Ordnung.
- Michael VIII. Palaiologos: byzantinischer Kaiser, der aus politischer Not die Union mit Rom vorantrieb.
- Bonaventura: bedeutender franziskanischer Theologe und Kardinal, der maßgeblich an den Unionsverhandlungen mitwirkte und während des Konzils verstarb.
- † Thomas von Aquin: berühmtester Theologe seiner Zeit, der auf dem Weg zum Konzil verstarb, aber dessen Gutachten die Verhandlungen beeinflusste.
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| 1311–1313
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Vienne
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- Aufhebung des Templerordens (Vox in excelso): Einzug der Güter und Übertragung an den Johanniterorden.<ref>DH 891</ref>
- Verurteilung der Lehren der Begarden und Beguinen (Geistliche Armutsbewegung) sowie der Lehre vom „Zustand der Vollkommenheit“.<ref>DH 891–899</ref>
- Dogmatische Definition zur Seele: Die vernunftbegabte Seele ist die unmittelbare und wesentliche Form des menschlichen Leibes (gegen Petrus Johannis Olivi).<ref>DH 902</ref>
- Reform der Orden (Streit um die strenge Armut bei den Franziskanern / Spiritualen).
- Einführung des Fronleichnamsfestes für die Gesamtkirche.
- Einrichtung von Lehrstühlen für Hebräisch, Arabisch und Chaldäisch an den großen Universitäten (Missionsgedanke).
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- Clemens V.: Papst, der unter dem massiven Druck der französischen Krone den Templerorden auflöste.
- Philipp IV. (der Schöne): König von Frankreich, der die Vernichtung der Templer vorantrieb, um deren Reichtum zu beschlagnahmen.
- Jacques de Molay: letzter Großmeister der Templer, dessen Schicksal und Orden hier besiegelt wurden.
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| 1414–1418
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Konstanz
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- Kaiser Sigismund: entscheidend für die Einberufung.
- Johannes XXIII.: Pisaner (Gegen-)Papst, der das Konzil eröffnete, floh und schließlich abgesetzt wurde.
- Gregor XII.: Papst, der das Konzil päpstlicherseits nochmals einberufte, fernblieb und abdankte.
- Oddo di Colonna: Auf dem Konzil durch das einzigartige Wahlgremium zum Papst Martin V. gewählt (Ende des Schismas).
- Jan Hus: Böhmischer Reformator, der trotz kaiserlichen Geleits als Häretiker verurteilt und verbrannt wurde.
- Hieronymus von Prag: Gelehrter und Mitstreiter von Hus, ebenfalls in Konstanz als Häretiker hingerichtet.
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| 1431–1449
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Basel/Ferrara/Florenz
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- Abschluss der Unionen mit der Ostkirche: Griechische Union (Bulle Laetentur caeli), Armenische Union (Exsultate Deo) und Koptische Union (Cantate Domino).<ref>DH 1300–1353</ref>
- Dogmatische Einigung über das Filioque (Hervorgang des Geistes aus dem Vater und dem Sohn als einem Prinzip) und den römischen Primat.<ref>DH 1300–1302</ref>
- Detaillierte Definition der Sakramente (Lehre von Materie, Form und Spender): Erste lehramtliche Fixierung der Siebenzahl.<ref>DH 1310–1328</ref>
- Lehre über das Fegefeuer und die unmittelbare Gottesanschauung (Visio beatifica) der Gerechten nach dem Tod.<ref>DH 1304–1306</ref>
- Folge: Scheitern der Union in Konstantinopel (1453 Fall der Stadt); dauerhafte Unionen blieben nur bei kleineren Gruppen (z. B. unierte Armenier).
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- Eugen IV.: Papst, der das Konzil gegen den Widerstand der Konziliaristen in Basel nach Italien verlegte.
- Johannes VIII. Palaiologos: byzantinischer Kaiser, der zur Union drängte, um militärische Hilfe gegen die Türken zu erhalten.
- Bessarion: griechischer Erzbischof und späterer Kardinal, der als Brückenbauer entscheidend an der Union mitwirkte.
- Markus von Ephesus: Hauptexponent der griechischen Opposition, der die Union als einziger Bischof nicht unterzeichnete.
- Nikolaus von Kues: bedeutender Gelehrter und Diplomat, der zunächst den Konziliarismus in Basel verteidigte, dann aber zum Papst überlief und die Union in Florenz mitverhandelte.
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| 1512–1517
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Lateran V
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- Verurteilung des Gegenkonzils von Pisa und Bestätigung der päpstlichen Autorität über das Konzil (Ende des Konziliarismus).
- Dogmatische Definition der Unsterblichkeit der Individualseele gegen neu-aristotelische Irrtümer (Bulle Apostolici regiminis).<ref>DH 1440–1441</ref>
- Regelung der Vorzensur für Druckwerke (Einführung der kirchlichen Druckerlaubnis).
- Aufruf zum Türkenkrieg und Reformdekrete für den Klerus (die jedoch weitgehend wirkungslos blieben).
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- Julius II.: Papst, der das Konzil als Antwort auf das schismatische Gegenkonzil von Pisa einberufte.
- Leo X.: Papst, der das Konzil zum Abschluss führte und die päpstliche Autorität über das Konzil festschrieb.
- Kajetan: Generaloberer der Dominikaner und bedeutender Theologe, der die päpstliche Gewalt gegen den Konziliarismus verteidigte.
- Aegidius de Viterbo: Kardinal und Reformer, der die berühmte Mahnung aussprach: „Das Heilige muss die Menschen verändern, nicht die Menschen das Heilige“.
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| 1545–1563
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Trient
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- Paul III., Julius III. und Pius IV.: die drei Päpste, die die verschiedenen Phasen des Konzils einberuften und leiteten.
- Karl V.: Kaiser, der das Konzil zur Beilegung der Glaubensspaltung im Reich forderte.
- Ferdinand I.: Kaiser in der Endphase, der durch diplomatisches Geschick den erfolgreichen Abschluss des Konzils ermöglichte.
- Giovanni Morone: Kardinallegat und geschickter Diplomat, der das Konzil in der kritischen Endphase vor dem Scheitern rettete.
- Reginald Pole: Kardinallegat und Vertreter einer gemäßigten Reformströmung, der später England rekatholisierte.
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| 1869–1870
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Vatikan I
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| 1962–1965
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Vatikan II
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- Johannes XXIII.: Papst und Initiator des Konzils mit dem Ziel des Aggiornamento (Verheutigung der Kirche).
- Paul VI.: Papst, der das Konzil nach dem Tod seines Vorgängers fortführte, zum Abschluss brachte und die Umsetzung der Reformen begann.
- Augustin Bea: Kardinal und Wegbereiter der Ökumene, maßgeblich an der Erklärung Nostra aetate über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen beteiligt.
- Karl Rahner und Joseph Ratzinger: einflussreiche Konzilsberater/Periti.
- Insgesamt etwa 2500 Konzilsväter sowie 315–450 theologische Berater, darüber hinaus auch Beobachter aus anderen Kirchen.
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