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Reginald Pole

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Kardinal Reginald Pole (Porträt von Sebastiano del Piombo, um 1540)
Datei:Coat of Arms of Cardinal Reginald Pole.svg
Kardinalswappen bis 1556 (vor seiner Ernennung zum Erzbischof)

Reginald Pole (* 3. März 1500 in Stourton Castle, Staffordshire; † 17. November 1558 in London) war ein englischer Kardinal, Leitungsbeauftragter des Tridentinums und der letzte römisch-katholische Erzbischof von Canterbury (1556–1558) unter der Königin Maria I.<ref>Reginald Pole, archbishop of Canterbury, Website britannica.com (englisch, abgerufen am 11. September 2025)</ref>

Leben

Über seine Mutter, Margaret Pole, 8. Countess of Salisbury, entstammte Pole dem Haus Plantagenet; George Plantagenet, 1. Duke of Clarence, war sein Großvater. Nach dem frühen Tod seines Vaters, Sir Richard Pole im Jahr 1505 wurde er zum Geistlichen bestimmt und wuchs im Kartäuserkloster Sheen Priory bei Richmond auf. Später studierte er an der Universität Oxford und in Padua klassische Sprachen und Theologie, wo er von Heinrich VIII. finanziell unterstützt wurde. Bereits in jungen Jahren erhielt er ein Amt in der vorreformatorischen Kirche von England, ohne jedoch zum Priester geweiht worden zu sein. 1525 kehrte Pole nach England zurück. 1530 lehnte er, empört über die Ethik und Politik seines Vetters zweiten Grades, König Heinrich VIII., und des Kronrates Thomas Cromwell, das Amt des Erzbischofs von York ab und zog 1532 wieder nach Italien.<ref>Estelle Paranque: Reginald Pole: the man who defied Henry VIII, Website artuk.org (18. Juli 2025, englisch, abgerufen am 16. September 2025)</ref>

In Italien 1536 zum Diakon geweiht, erhob Papst Paul III. Reginald Pole im Dezember desselben Jahres zum Kardinal und ernannte ihn im Januar 1537 zum Kardinaldiakon von Santi Nereo ed Achilleo. Zwischen 1536 und 1539 ließ er an der Via Appia in Rom aus Dankbarkeit eine Kapelle errichten für die verhinderte Trennung der englischen katholischen Kirche von Rom, die noch im 21. Jahrhundert besteht.<ref>Cappella di Reginald Pole, Website parcoarcheologicoappiaantica.it (italienisch, abgerufen am 11. September 2025)</ref><ref>Cappella Reginald Pole, Website sovraintendenzaroma.it (italienisch, abgerufen am 11. September 2025)</ref> Im Mai 1540 wechselte er zur Titeldiakonie Santi Vito, Modesto e Crescenzia, um schon im Dezember 1540 Kardinaldiakon von Santa Maria in Cosmedin zu werden. Vom Sommer 1541 bis zum Herbst 1542 residierte er in Viterbo und scharte einen Kreis reformwilliger Personen um sich, zu denen Marcantonio Flaminio, Pietro Carnesecchi, Donato Rullo, Vittore Soranzo, Vittoria Colonna und Apollonio Merenda gehörten.<ref>Manfred E. Welti: Kleine Geschichte der italienischen Reformation (= Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte. Band 193), Mohn, Gütersloh 1985, ISBN 3-579-01663-6, S. 34–37</ref> Sie lasen und besprachen Schriften und Thesen der Reformer Juan de Valdés, Flaminio, Martin Luther und Johannes Calvin.<ref>Davide Romano: Pole, Reginald, Dizionario Biografico degli Italiani - Volume 84 (2015), Website treccani.it (italienisch, abgerufen am 12. September 2025)</ref>

Als päpstlicher Legat für England seit 1536 beriet sich Pole mit Vertretern der Gegner des englischen Königs. Seine Schrift von 1536 pro ecclesiasticae unitatis defensione, in der er die Rechtmäßigkeit von Heinrichs VIII. Herrschaft und Ehen bestritt, seine Ablösung von der Papstkirche kritisierte und die europäischen Fürsten aufrief ihn abzusetzen, führte dazu, dass Heinrich VIII. einen parlamentarischen Strafbeschluss gegen Pole erließ und einen Preis auf seine Ergreifung aussetzte. Seine Familie wurde des Verrats verdächtigt. Sie wurden der Unterstützung der gegen die königliche Kirchenpolitik und Auflösung der Klöster gerichtete Aufstandsbewegung Pilgrimage of Grace angeklagt. Angeblich beabsichtigte seine Mutter auch, Reginald mit der katholischen Prinzessin Mary zu verheiraten, um durch die Verbindung mit dem regierenden Haus Tudor dem Haus Plantagenet wieder zur Macht zu verhelfen. 1539 wurde sein ältester Bruder Henry Pole, 1. Baron Montagu, und 1541 seine Mutter hingerichtet.

Bei der ersten Tagungsperiode des Trienter Konzils (1545–1547) übernahm er als einer von drei päpstlichen Legaten zusammen mit den Kardinälen Del Monte und Cervini die Leitung der Kirchenversammlung. Am 28. Juni 1546 reiste er vordergründig aus gesundheitlichen Gründen ab, wobei auch seine positive Einstellung zur lutherischen Rechtfertigungslehre eine Rolle gespielt haben könnte.<ref>Davide Romano: Pole, Reginald, Dizionario Biografico degli Italiani - Volume 84 (2015), Website treccani.it (italienisch, abgerufen am 12. September 2025)</ref> Alle drei waren bei den folgenden Papstwahlen papabile. Nach dem Tod Pauls III. (1549) fehlten Pole im Konklave 1549–1550 nur vier Stimmen für eine Zweidrittelmehrheit. Seine Anhänger versuchten ihn daraufhin per modum adorationis als neuen Papst zu installieren. Auf die Frage, ob er die Wahl annehme, schwieg er und ging in seine Zelle. Am darauffolgenden Tag fehlte ihm die eine entscheidende Stimme. Das Konklave wurde fortgeführt, bis die Mehrheit Giovanni Maria Ciocchi del Monte zum Papst wählte, der den Namen Julius III. annahm.<ref>Hans Küng: Theologie im Aufbruch – Eine ökumenische Grundlegung. Piper Verlag, München 1987, S. 32.</ref>

Nach dem Tode Eduards VI. 1553 wurde Pole von Papst Julius III. nach England geschickt, um Maria I., Eduards Schwester und neue Königin von England, bei der Aussöhnung des Königreiches mit dem Papsttum zu unterstützen. Maria führte wieder den katholischen Gottesdienst in England ein. Am 30. November 1554 sprach Reginald Pole das Parlament sowie das Land von der Kirchenspaltung frei. Papst Paul IV. ernannte Kardinal Pole im Dezember 1555 pro hac vice zum Kardinalpriester von Santa Maria in Cosmedin (1555–1558). Erst am 20. März 1556, einen Tag vor der Hinrichtung des Erzbischofs Thomas Cranmer und seiner Ernennung zum Erzbischof von Canterbury, wurde Pole die Priesterweihe sowie zwei Tage darauf durch den Erzbischof von York, Nicholas Heath, die Bischofsweihe gespendet. Reginald Pole starb am 17. November 1558 in London, nur wenige Stunden nach dem Tod seiner Königin Maria der Katholischen. Durch sein Wirken bei der Rekatholisierung Englands wurde Pole auch über Englands Grenzen hinaus bekannt.

Seit 1552 und insbesondere ab 1555 unter Paul IV. interessierte sich die römische Inquisition für Pole, dem man eine Nähe zur lutherischen Rechtfertigungslehre bzw. zum italienischen evangelismo/Valdesianismo vorwarf. Ein regelrechter Prozess, wie er gleichzeitig etwa gegen den späteren Konzilslegaten Kardinal Giovanni Morone stattfand, konnte aber wegen der Abwesenheit Poles von Rom und seines frühen Todes nicht abgeschlossen werden.<ref>Claus Arnold: Die römische Zensur der Werke Cajetans und Contarinis (1558–1601). Grenzen der theologischen Konfessionalisierung. Schöningh, Paderborn 2008, S. 179–184.</ref>

Forschungsgeschichte

Einer der bedeutendsten Experten für Reginald Pole war Thomas F. Mayer, Professor für Geschichte am Augustana College in Rock Island (Illinois).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20140702172020

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  }}, Augustana College, 21. Januar 2014, aufgerufen am 5. August 2016.</ref> Mayer erregte ein gewisses Aufsehen mit der These, dass Pole über zwanzig Jahre hinweg in einer homosexuellen Ehe mit Alvise Priuli verbunden gewesen sei, was auch einen Faktor bei der Verfolgung durch die Inquisition dargestellt habe.<ref>Rezension von G. W. Bernard zu Mayer Prince and Prophet.</ref> Ein Schüler von Joseph Ratzinger, Martin Trimpe, promovierte 1972 in Regensburg über Grundmotive der Theologie des päpstlichen Primates im Denken Reginald Poles. Die Arbeit von Trimpe ist die einzige theologische Monographie über Pole, die im 20. Jahrhundert in deutscher Sprache erschienen ist. Sie sei „the only serious treatment“ von Poles Schrift De Summo Pontifice, urteilte Thomas F. Mayer.<ref>Thomas F. Mayer: Reginald Pole: Prince and prophet. New York 2000, S. 176.</ref> Keine der Schriften Poles ist bisher ins Deutsche übersetzt worden. Eine englische Übersetzung von Pro ecclesiasticae unitatis defensione erschien 1965, eine französische Übersetzung 1967.

Schriften (Auswahl)

  • Pro Ecclesiasticae Unitatis Defensione, 1536.
  • Epistolarum Reginaldi Poli S. R. E. Cardinalis et aliorum ad ipsum pars, 2: 1537-1539; 4: 1543-1554.
  • Testamentum vere Christianum: pium ac prudentif simum.
  • De Svmmo Pontifice Christi In Terris Vicario, Eivsque officio & potestate: Liber verè singularis, & eruditionis, & puri sermonis nomine.

Literatur

  • Heinrich Lutz: Friedenslegation des Reginald Pole zu Kaiser Karl V. und König Heinrich II. Nuntiaturberichte aus Deutschland nebst ergänzenden Aktenstücken. 1533 - 1559, De Gruyter, ISBN 978-3-484-80092-2.
  • Thomas F. Mayer: Reginald Pole: Prince and Prophet, Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-37188-0 ({{#if: OqaBq2QGrFEC

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  • Thomas F. Mayer (Hrsg.): The correspondence of Reginald Pole, Ashgate, Aldershot,
  1. A calendar 1518–1546. Beginnings to legate of Viterbo, 2002, ISBN 0-7546-0326-1.
  2. A calendar 1547–1554. A power in Rome, 2003, ISBN 0-7546-0327-X.
  3. A calendar 1555–1558. Restoring the English Church, 2004, ISBN 0-7546-0328-8.
  • Thomas Phillips: The History of the Life of Reginald Pole, Gale ECCO, 2018, ISBN 978-1-379-50303-3; Band 2 unter gleichem Titel, Creative Media Partners, LLC, 2022.
  • James Willoughby: Reformation Cardinal: Reginald Pole in Sixteenth-Century Italy & England, New College Library & Archives.
  • Hubert Jedin: Kardinal Pole und Vittoria Colonna, in: Kirche des Glaubens. Kirche der Geschichte. Ausgewählte Aufsätze und Vorträge, Band 1: Kirchengeschichtsschreibung. Italien und das Papsttum. Deutschland, Abendland und Weltkirche, Herder, Freiburg/Basel/Wien 1966, S. 181–194.
  • {{#if: Walter Troxler|Walter Troxler: }}Reginald Pole. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL){{#if:7|. Band 7, Bautz, {{#switch:7

|1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:789-793|, Sp. {{#iferror:{{#expr:789-793}}|789-793|{{#expr:1*789-793*0}}–{{#expr:-(0*789-793*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070629044218/http://www.bautz.de/bbkl/p/pole_r.shtml%7C}}.{{#if: 7 | |{{#ifeq:||}}}}

  • Rex H. Pogson: Reginald Pole and the Priorities of Government in Mary Tudor's Church, The Historical Journal, Vol. 18, N° 1, 1975, S. 3-20, Cambridge University Press (jstor.org).
  • Manfred E. Welti: Kleine Geschichte der italienischen Reformation (= Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte. Band 193). Mohn, Gütersloh 1985, ISBN 3-579-01663-6, S. 17–138 ({{#if: oYNmAAAAMAAJ

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  • Mathias Mütel: Im Dienst der Einheit: Die Prinzipien theologischer Erkenntnis des englischen Kardinals Reginald Pole (1500–1558) im Spiegel seiner Vita und seiner Traktate ‚De Unitate’ und ‚De Concilio’. In: Annuarium Historiae Conciliorum 46, 2014, S. 371–396.

Weblinks

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Einzelnachweise

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