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Kleptomanie

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Klassifikation nach ICD-10
F63.2 Pathologisches Stehlen (Kleptomanie)
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11

Kleptomanie ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) „stehlen“ und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) „Raserei, Wut, Wahnsinn“) ist ein Symptom aus der Gruppe der Impulskontrollstörungen. Kennzeichnend sind wiederkehrende Diebstähle ohne erkennbaren Nutzen oder Motiv. Weitgehend synonym sind Begriffe der Umgangssprache wie „zwanghaftes Stehlen“, „neurotisches Stehlen“ etc. Der Begriff stammt aus dem 19. Jahrhundert und wird heute von einigen Autoren als veraltet und irreführend abgelehnt.<ref name="MöllerLaux2009"></ref>

Begriff

Der Begriff wird André Matthey zugeschrieben (Nouvelles recherches sur les maladies d’esprit, 1816);<ref name="Lindemann2015"></ref> er wurde von den französischen Psychiatern Charles Chrétien Henry Marc und Jean-Étienne Esquirol um 1830 aufgegriffen und zu der (heute verlassenen) Monomanielehre ausgebaut.<ref>Thomas Knecht: Pathologische Formen des Stehlens. Schweiz Med Forum 2006; 6, S. 694–698.</ref>

Diagnose

Kennzeichnend ist, dass der Akt des Stehlens selbst den Antrieb bildet, nicht das Diebesgut, welches typischerweise nur geringwertig ist oder sogar nach der Tat weggeworfen wird.<ref name="Vetter2007"></ref> Die psychische Spannung ist vor der Tat hoch und sinkt danach ab. Es gibt eine hohe Komorbidität mit Zwangsstörungen und affektiven Störungen.<ref name="Allroggen2011"></ref> Wie bei allen Impulsstörungen bestehen Impulse, gegen die kein Widerstand geleistet werden kann. Kleptomanische Diebstähle werden nicht begangen, um Ärger oder Wut abzureagieren. Die Diebstähle werden in der Regel als ich-dyston erlebt und ähneln diesbezüglich Zwangshandlungen. Häufig erleben die Patienten nachfolgende Schuldgefühle oder Depressionen.<ref name=":0">Dieter Ebert: Impulskontrollstörungen. In: Psychiatrie Psychotherapie Up2date. Band 2, Nr. 5. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart / New York 2008, S. 321–336, doi:10.1055/s-2008-1067449.</ref>

„Kleptomanie ist gekennzeichnet durch ein wiederkehrendes Unvermögen, starke Impulse zum Stehlen von Gegenständen zu kontrollieren, ohne dass ein offensichtliches Motiv vorliegt (die Gegenstände werden z. B. nicht wegen eines persönlichen Bedarfs gestohlen oder weil damit primär eine Bereicherung verbunden ist). Vor dem Diebstahl besteht ein zunehmendes Gefühl der Anspannung oder affektiven Erregung und während und unmittelbar nach dem Diebstahl ein Gefühl der Freude, Erregung, Erleichterung oder Befriedigung. Das Verhalten lässt sich nicht besser durch eine intellektuelle Beeinträchtigung, eine andere psychische und Verhaltensstörung oder eine Substanzintoxikation erklären.“

ICD-11<ref>BfArM - ICD-11 in Deutsch - Entwurfsfassung. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 12. August 2025; abgerufen am 12. August 2025.</ref>

Häufigkeit

Kleptomanie ist eine seltene Störung. Die Prävalenz soll bei 6/1000 Einwohner liegen.<ref name="Allroggen2011" /> Nur etwa 5 % aller Ladendiebstähle werden durch Kleptomanie verursacht. 3/4 der Täter sind weiblichen Geschlechts. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen liegt der Beginn vor dem 20. Lebensjahr.<ref name=":0" />

Behandlung

Die Behandlung der Kleptomanie erfolgt psychoanalytisch oder verhaltenstherapeutisch. Die kognitive Verhaltenstherapie setzt Methoden der Verdeckten Konditionierung, Aversionstherapie und Systematische Desensibilisierung ein.<ref>Mayo Clinic (Nov. 2014): Kleptomania – Treatments and drugs. (abgerufen am 1. Februar 2017)</ref> Es gibt auch einen pharmakologischen Ansatz mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern oder Naltrexon, der jedoch bisher nicht evidenzbasiert ist.<ref name="ZaudigTrautmann-Sponsel2006"></ref> Weitere Substanzen werden erprobt. Ein neurobiologisches Korrelat, welches sich therapieren ließe, ist bisher nicht gesichert, auch wenn Einzelfallberichte Schädigungen der Leitungsbahnen im Frontalhirn gezeigt haben.<ref name="Grant2006">John E. Grant: Understanding and treating kleptomania: New models and new treatments. Isr J Psychiatry Relat Sci, Vol 43 No. 2 (2006), S. 81–87.</ref>

Bedeutung

Pathologisches Stehlen wird gelegentlich zur Begründung einer verminderten Schuldfähigkeit nach § 21 StGB oder auch herabgesetzter Verantwortlichkeit (§ 3 JGG) herangezogen. Da die im Gesetzestext genannte krankhafte seelische Störung in aller Regel eine der im DSM-IV gelisteten Achse-I-Störungen voraussetzt, kann Kleptomanie ohne Begleiterkrankung höchstens die Merkmale einer schweren anderen seelischen Störung erfüllen. Dazu ist allerdings die Diagnose „Kleptomanie“ keinesfalls ausreichend, vielmehr fordert die Rechtsprechung eine erhebliche antisoziale Persönlichkeitsstörung, die nur im Einzelfall unter Beurteilung der Tatmerkmale, des inneren Erlebens, der Komorbiditäten, Substanzgebrauch, Delinquenzanamnese etc. gutachterlich beurteilt werden kann.<ref name="HäßlerNedopil2015">Frank Häßler, Norbert Nedopil, Wolfram Kinze: Praxishandbuch Forensische Psychiatrie: Grundlagen, Begutachtung, Interventionen im Erwachsenen-, Jugendlichen- und Kindesalter. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Company KG, 2015, ISBN 978-3-95466-145-9, S. 109–112 (Online).</ref>

Literatur

  • Susanne Osburg: Psychisch kranke Ladendiebe. Eine Analyse einschlägig erstatteter Gutachten zur Schuldfähigkeit. Kriminalistik-Verlag, Heidelberg 1992, ISBN 978-3-7832-0292-2.

Einzelnachweise

<references />

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