Todesursache
Die Todesursache ist die Ursache für den Eintritt des Sterbevorgangs und des Todes. Je nach Betrachtungsweise kann man den Begriff unterschiedlich definieren. Im Bereich der Medizin werden nur konkrete Erkrankungen oder äußere Gewalteinwirkungen als Todesursachen benannt. Zu den Todesursachen im weiteren Sinn zählen die grundlegenden Ursachen tödlicher Erkrankungen.
Die Nekrologie ist die Lehre der Todesursachen.
Der Begriff Todesart bezieht sich auf die Unterscheidung der Todesursachen in drei Kategorien: natürlich, nicht natürlich oder ungeklärt.
Todesursache im engeren Sinn
Bestimmung
Die Todesfeststellung (siehe auch Hirntod#Rechtssichere Todesfeststellung sowie Todeszeichen) beim Menschen ist Sache der Ärzte. Der Fachbegriff dafür ist Leichenschau oder Totenbeschau, diese wird in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich durch einen approbierten Arzt durchgeführt. In der Todesbescheinigung (Totenschein, Leichenschein) wird möglichst die Todesursache angegeben.
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Wenn keine natürliche Todesursache festgestellt wird (also unnatürliche oder unklare Ursache), entscheidet der Staatsanwalt über das weitere Vorgehen (Todesermittlungsverfahren). In der Regel folgt eine Obduktion durch einen Gerichtsmediziner. Die Bestimmung der genauen Todesursache durch die Obduktion ermöglicht auch eine wichtige Qualitätskontrolle hinsichtlich der vorhergehenden Diagnosestellung und Therapie.
Insbesondere bei unerwarteten Todesfällen sollte untersucht werden, welche Erkrankung oder Gewalteinwirkung zum Tod geführt hat.
Innerhalb des Sterbevorgangs kann eine weitere Komplikation letztlich zum Tode führen, ohne medizinisch betrachtet Auslöser des Sterbeprozesses zu sein, bei dem immer mehr Organsysteme irreversibel ihre Funktion einstellen. Wenn zum Beispiel jemand mit einem tödlichen Krebsleiden zuletzt an einer Lungenentzündung stirbt, gilt die Krebserkrankung als (auslösende) Todesursache. Bei Menschen mit mehreren Erkrankungen (Multimorbidität) ist es oft nicht leicht, die ausschlaggebende Todesursache und die Abfolge der Zustände, die dazu führten, herauszufinden. Dies kann juristisch von ausschlaggebender Bedeutung sein bei Versicherungsfällen, gewaltsamen Todesfällen oder medizinischen Kunstfehlern, aber auch beim sogenannten „Spättod“ nach Unfall. Das letztendlich zum Tode führende Ereignis kann schon Wochen oder Jahre zurückliegen. Beispiel: traumatische Hirnschädigung → Demenz und Bettlägerigkeit → Lungenembolie → Spättod; Fazit: nichtnatürlicher Tod durch Hirntrauma.
Die statistischen Angaben beziehen sich üblicherweise auf Lebendgeborene, sodass Fehl- und Totgeburten nicht erfasst werden. Infektionen, Fehlbildungen, Mangelversorgung oder Schwangerschaftsabbrüche von Ungeborenen werden daher in den offiziellen Statistiken auch nicht als Todesursache aufgeführt. In Österreich wurden zwischen 1970 und 2010 bei 3.597.777 Lebendgeburten 19.110 Totgeburten (0,5 %) verzeichnet. Die Säuglingssterblichkeit liegt 2010 bei 0,39 %.<ref name="Stat 1" /><ref name="Stat 2" />
Situation nach Ländern
Die Todesursachenstatistik basiert auf den ärztlichen Totenscheinen. Dort muss auch bei Vorliegen mehrerer zum Tode führender Krankheiten eine einzelne Angabe als Todesursache angekreuzt werden.
Die Todesursachenstatistiken der Staaten unterscheiden sich sehr stark.<ref name="WHO_Top10_2018">The top 10 causes of death, WHO, 24. Mai 2018, abgerufen am 26. Mai 2020.</ref> Am häufigsten werden in Mitteleuropa die Kreislaufkrankheiten und Krebserkrankungen als Todesursache genannt. In Entwicklungsländern dominieren Infektionskrankheiten (oft auf dem Boden einer Mangelernährung).
Weltweit
Weltweit sterben jährlich ca. 50–60 Mio. Menschen (Stand: 2020).<ref>Demographic Overview – World, International Data Base, United States Census Bureau, abgerufen am 23. Mai 2020.</ref>
Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation waren 2019 die zwanzig häufigsten Todesursachen weltweit:<ref name="who_2019">Global Health Estimates 2019 Summary Tables: Deaths by cause, age and sex, by world bank income group, 2000-2019 (XLS-Format), Global health estimates: Leading causes of death, Global health estimates: Leading causes of death, WHO, abgerufen am 7. Dezember 2023.</ref>
| Platz | Todesursache | Jährliche Todesfälle (in Tausend) |
|---|---|---|
| 1 | Koronare Herzkrankheit | 8.885 |
| 2 | Schlaganfall | 6.194 |
| 3 | COPD | 3.228 |
| 4 | Untere Atemwegserkrankungen (Pneumonien) | 2.593 |
| 5 | Neonatale Erkrankungen | 2.038 |
| 6 | Luftröhren-, Bronchial-, Lungenkrebs | 1.784 |
| 7 | Alzheimer-Krankheit und andere Dementias | 1.639 |
| 8 | Durchfallerkrankungen (Cholera, Typhus, Ruhr) | 1.519 |
| 9 | Diabetes mellitus | 1.496 |
| 10 | Nierenerkrankungen | 1.334 |
| 11 | Leberzirrhose | 1.315 |
| 12 | Verkehrsunfall | 1.282 |
| 13 | Tuberkulose | 1.208 |
| 14 | Hypertensive Herzerkrankung (Hochdruckherz) | 1.149 |
| 15 | Kolorektales Karzinom | 916 |
| 16 | Magenkrebs | 831 |
| 17 | Selbstverletzung | 703 |
| 18 | Tod durch Sturz | 684 |
| 19 | HIV/AIDS | 675 |
| 20 | Brustkrebs | 640 |
| sonstige | 15.302 | |
| Insgesamt | 55.416 |
Kurz darauf folgen unter anderem noch Tötungen durch andere Menschen mit etwa 600.000 Opfern pro Jahr. Durch von Stechmücken übertragene Krankheiten sterben etwa 830.000 Menschen pro Jahr.<ref>taz.de, abgerufen am 22. Februar 2023.</ref>
Die Häufigkeiten der Todesursachen unterliegen zeitlichen Änderungen. Wurmerkrankungen standen im Jahr 1996 mit 135.000 Opfern noch an zehnter Stelle. An Durchfallerkrankungen starben im Jahr 2000 noch ca. 2,2 Millionen Menschen. An Diabetes mellitus starben im Jahr 2000 noch weniger als 1 Million.<ref name="WHO_Top10_2018" /> Die HIV-/AIDS-Epidemie erreichte 2005 ihren Höhepunkt mit 1,8 Millionen Toten.<ref>Estimates of global, regional, and national incidence, prevalence, and mortality of HIV, 1980–2015: the Global Burden of Disease Study 2015. In: Lancet HIV, August 2016, 3(8), S. e361–e387. PMC 5056319 (freier Volltext), doi:10.1016/S2352-3018(16)30087-X, online veröffentlicht am 19. Juli 2016.</ref> Im Jahr 2018 starben ca. 770.000 Menschen an HIV/AIDS.<ref>Global HIV & AIDS statistics — 2019 fact sheet. UNAIDS; abgerufen am 26. Mai 2020.</ref>
Die zu Beginn des 21. Jahrhunderts häufigsten Todesursachen sind koronare Herzkrankheiten sowie Schlaganfälle.<ref name="WHO_Top10_2018" />
Deutschland
In Deutschland starben in den Jahren 1990 bis 2016 jährlich zwischen 818.000 und 925.000 Menschen, siehe Geburtenbilanz#Deutschland. Im Jahr 2016 starben 910.902 Menschen.
Die häufigsten natürlichen Todesursachen (Stand 2015, bzw. 2021 wo dies angegeben ist):<ref>Todesursachen in Deutschland 2015. Abgerufen am 29. November 2019.</ref>
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) mit fast der Hälfte aller Opfer (2021: 340.619 Personen, somit 33 % aller Sterbefälle, davon 47 % Männer und 53 % Frauen<ref name="destatis-nr544-2022-12-16">Presse Todesursachenstatistik 2021: 7 % aller Todesfälle gehen direkt auf COVID-19 zurück. In: Pressemitteilung Nr. 544, destatis.de. Statistisches Bundesamt, 16. Dezember 2022, abgerufen am 20. April 2023.</ref>)
- Krebsleiden (Lungenkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs) (2021: 229.068 Personen, somit 22,4 % aller Sterbefälle, davon 54 % Männer und 46 % Frauen<ref name="destatis-nr544-2022-12-16"/>)
- Lebererkrankungen, insbesondere die alkoholische Leberzirrhose
- Lungenerkrankungen (Asthma bronchiale; Chronische Bronchitis und Lungenemphysem, siehe COPD)
- Infektionen (Anmerkung: An COVID-19 als Grundleiden verstarben im Jahr 2021 in Deutschland insgesamt 71.331 Personen<ref name="destatis-nr544-2022-12-16"/>)
Die häufigsten nichtnatürlichen Todesursachen:
- Stürze: knapp 13.000 Personen (2021: 18.183 Personen, davon 50 % Männer und 50 % Frauen<ref name="destatis-nr544-2022-12-16"/>)
- Suizid: über 11.000 Personen, davon 74 % Männer und 26 % Frauen<ref>Statistisches Bundesamt: Anzahl der Gestorbenen nach ausgewählten Todesursachen 2015. Abgerufen am 29. November 2019.</ref> (2021: 9.215 Personen, davon 74 % Männer und 26 % Frauen<ref name="destatis-nr544-2022-12-16"/>)
- Verkehrsunfälle: rund 4.000 Personen<ref>Statistisches Bundesamt: Anzahl der Gestorbenen nach ausgewählten Todesursachen 2015. Abgerufen am 29. November 2019.</ref>
- Andere Unfälle: Arbeitsunfälle, häusliche Unfälle, Sportunfälle
- Verletzungen
- Vergiftungen
Die Reihenfolge der häufigsten Todesursachen unterscheidet sich weiter nach Geschlecht und Altersgruppen, die separat betrachtet werden können (z. B. durch die Alterskrankheiten).
Schweiz
Im Jahr 2015 starben in der Schweiz 67.606 Menschen, 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Grippewelle im Frühjahr, die Hitzewelle im Juli und die Alterung der Bevölkerung haben dazu beigetragen. Entsprechend nahmen die Mortalitätsrate und die verlorenen potenziellen Lebensjahre zu, die Lebenserwartung bei Geburt ging vorübergehend zurück. Die häufigsten Todesursachen sind zwischen dem 15. und dem 40. Altersjahr Unfälle und Suizid, zwischen dem 40. und 80. Altersjahr Krebs und bei über 80 Jahren die Herzkreislaufkrankheiten. Dies geht aus der Todesursachenstatistik des Bundesamts für Statistik hervor.<ref>Todesursachenstatistik 2015 In: bfs.admin.ch, 14. November 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017.</ref> Insgesamt war im Jahr 2016 Krebs die häufigste Ursache für vorzeitige Sterblichkeit.<ref>Krebs. In: bfs.admin.ch. Abgerufen am 3. Mai 2020.</ref> Im Jahr 2017 haben 1043 Menschen Suizid begangen und weitere 1009 Menschen haben dazu assistierten Suizid begangen.<ref>Todesursachenstatistik 2017: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sind weiterhin die häufigsten Todesursachen in der Schweiz. In: bfs.admin.ch. 16. Dezember 2019, abgerufen am 16. Dezember 2019.</ref><ref>Todesursachen-Statistik – Woran die meisten Schweizerinnen und Schweizer sterben. In: srf.ch. 16. Dezember 2019, abgerufen am 16. Dezember 2019.</ref> 2020 starben in der Schweiz insgesamt 76.195 Menschen und 71.166 im Jahr 2021. In beiden Jahren war Covid-19 die dritthäufigste Todesursache.<ref>Covid dritthäufigste Todesursache. In: blick.ch. 20. Dezember 2022, abgerufen am 21. Februar 2023.</ref>
USA
Auch in den USA führen normalerweise Herz-Kreislauf-Erkrankung die Todesursachenstatistik an, gefolgt von Krebserkrankungen. Zwischen Dezember 2020 und Februar 2021, führten jedoch Todesfälle, die im Zuge der globalen Pandemie durch COVID-19 auftraten, die Statistik an.<ref name = STA>Average number of daily deaths in the United States among the leading causes of death from March 2020 to January 2022 Statista, aufgerufen am 26. April 2022</ref>
Im Vergleich zu den Zahlen aus Europa ist der gewaltsame, unnatürliche Tod in den USA eine deutlich häufigere Todesursache. Dabei wird zusammenfassend für Mord, Suizid und Unfälle „gewaltsamer Tod“ (violent death) angegeben, die beschönigende Variante Unfälle (Accidents)<ref name = STA/> ist jedoch auch gängig. Bereits 1980 war gewaltsamer Tod, statistisch gesehen, die häufigste Todesursache für Menschen, die im Alter von 15 bis 24 Jahren, in den USA starben.<ref>P. C. Holinger (1980): Violent deaths as a leading cause of mortality: an epidemiologic study of suicide, homicide, and accidents. The American Journal of Psychiatry 1980 Apr;137(4):472-6, doi:10.1176/ajp.137.4.472.</ref>
Für das Jahr 2017 gab das FBI die Anzahl der Todesdelikte mit 16.214 an,<ref name = FBI>2018 Cirme in the United States Federal Bureau of Investigation, aufgerufen am 26. April 2022</ref> während für 2019 bereits mehr als 19.100 Menschen ermordet wurden.<ref name = NVD>National Violent Death Reporting System Centers for Disease Control and Prevention, aufgerufen am 26. April 2022</ref> Dennoch ist die Zahl der Selbsttötungen, mit über 47.500 (2019), mehr als doppelt so hoch.<ref name = NVD/>
Im Zuge der Opioidkrise in den USA überholten Überdosen 2016 die Herzerkrankungen als häufigste Todesursache bei den unter 55-Jährigen.<ref>Josh Katz und Abby Goodnough: „The Opioid Crisis Is Getting Worse — Particularly for Black Americans“ New York Times vom 22. Dezember 2017</ref>
Unnatürliche Todesursachen
Die nachfolgende Liste enthält Beispiele für unnatürliche Todesursachen.
Bei Verdacht auf ein Tötungsdelikt ist die Todesart gegebenenfalls durch eine rechtsmedizinische Untersuchung zu klären. Bei einer Obduktion wird daher insbesondere auf Vitalzeichen zum Zeitpunkt des Todes geachtet. Ziel ist es dabei festzustellen, ob der unnatürliche Tod durch einen Unfall, einen Suizid oder ein Tötungsdelikt eingetreten ist.<ref>Michael Tsokos: Dem Tod auf der Spur. Dreizehn spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin. 5. Auflage. Ullstein, Berlin 2009, ISBN 978-3-548-37347-8. S. 7–9</ref>
- Verkehrsunfälle: Auto, Bahn, Flugzeug, Fußgänger und Radfahrer
- Häusliche Unfälle
- Sportunfälle: Reitunfälle, Bergunfälle
- Sturz, z. B. Ausrutschen beim Gehen (siehe auch Sturz im Alter)
- Stromunfälle (Unfälle mit elektrischem Strom)
- Brandverletzungen
- Ertrinken
- Erfrieren
- Unfälle mit Schusswaffen
- Tierbiss (Hundebiss usw.)
- Blitzschlag
Absichtliche Tötung:
- Tötungsdelikte
- Suizid
- Exekution (in Ländern mit gesetzlicher Todesstrafe)
Sonstiges:
- Vergiftungen
- Radioaktivität (künstliche und natürlich vorkommende, z. B. Radon)
- Nebenwirkungen von Arzneimitteln, z. B. durch nichtsteroidale Antirheumatika oder bei bestehender Penicillinallergie
- Operations- oder Narkosezwischenfälle, Kunstfehler
Krieg
Global gesehen hat die absolute Anzahl an Todesfällen durch Kriege seit 1946 abgenommen. Je nachdem, ob es internationale Konflikte gab, wie beispielsweise den Koreakrieg, den Vietnamkrieg, oder auch den Ersten und Zweiten Golfkrieg sowie den Irakkrieg, kamen jährlich bis zu einer halben Million Menschen, in Verbindung mit Kriegen, ums Leben.<ref name = WAP>War and Peace after 1945 Our Wold in Data, aufgerufen am 26. April 2022</ref> Dabei ist es insbesondere im Fall eines Bürgerkrieges nicht einfach hier konkrete, belastbare Zahlen vorzuweisen, wie unter anderem die unterschiedlichen Todesopferzahlen und Nachberechnungen für den Amerikanischen Bürgerkrieg illustrieren.<ref>Sezessionskrieg. US-Bürgerkrieg forderte mehr Opfer Handelsblatt, aufgerufen am 26. April 2022</ref>
In durchschnittlichen Jahren liegt die Anzahl der Kriegstoten (einschließlich Bürgerkriegsopfer) jedoch bei etwa 100.000 pro Jahr.<ref name = WAP/>
Im Zweiten Weltkrieg sind in einzelnen Geburtsjahrgängen bis zur Hälfte eines Jahrgangs der deutschen Männer umgekommen. In der Nachkriegsbevölkerung stirbt die Menge der überlebenden Männer tendenziell früher, teilweise auch nach Erkrankungen, die mit Kriegsgefangenschaft in Verbindung stehen. Verletzungen, psychische Belastungen, Mangelernährung oder gesundheitliche Gefährdungen durch Kampfhandlungen verkürzen bei Überlebenden die Lebenserwartung. Bei einer Untersuchung der überlebenden Deutschen beider Weltkriege wurde festgestellt, dass die männlichen Jugendlichen zu Kriegsende später eine deutlich erhöhte Mortalität in den mittleren Altersstufen aufwiesen. Bei deutschen Frauen ist derartiges nicht erkennbar. Ähnliches lässt sich, nicht in gleichem Ausmaß, bei den anderen kriegsführenden Ländern beider Weltkriege beobachten. Erklärt wird das dadurch, dass durch Mangelernährung die Blutgefäßstrukturen beeinträchtigt werden, was sich aber erst in den Altersstufen auswirkt, in denen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache darstellen.<ref name="Luy 2002" /><ref name="Luy 2009" />
Todesursache im weiteren Sinn
Altern
Etwa zwei Drittel aller Todesfälle werden durch Alterskrankheiten verursacht.<ref name="doi10.2202/1941-6008.1011">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> In entwickelten Ländern – zu denen Deutschland zählt – ist dieses Verhältnis noch extremer und kann 90 Prozent erreichen.<ref name="doi10.2202/1941-6008.1011" /> Etwa die Hälfte dieser Tode geschehen allerdings frühzeitig infolge von ungesunder Ernährung oder mangelnder Bewegung.
Ungesunde Ernährung
Etwa 11 Millionen Menschen sterben jährlich aufgrund von falscher Ernährung.<ref>[1], veröffentlicht 2019, abgerufen am 24. November 2022.</ref>
Mangelnde Bewegung
Etwa 5 Millionen Menschen sterben jährlich aufgrund von zu wenig Bewegung.<ref>[2], veröffentlicht am 4. Dezember 2020, abgerufen am 24. November 2022.</ref>
Hunger
Jean Ziegler, der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung 2000 bis 2008, schätzte im Jahr 2007, dass bei ca. 30–40 Mio. der gestorbenen Menschen Hunger bzw. die Folgen von Mangel- und Fehlernährung die Todesursachen seien, siehe auch Welthunger.<ref>Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet. UN World Food Program (WFP), archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Dezember 2008; abgerufen am 22. Oktober 2008.</ref>
Drogen
Häufigere Todesursache sind nicht die illegalen, sondern die legalen Drogen. Mehr als 99 % aller Drogentode werden durch legale Drogen ausgelöst, nur weniger als 1 % durch illegale.
Tabak
2007 wurde die Anzahl der jährlichen durchs Tabakrauchen verursachten Toten auf 5,4 Millionen geschätzt.<ref>Eine Milliarde Raucher-Tote in diesem Jahrhundert, welt.de, 2. Juli 2007, abgerufen am 26. Mai 2020.</ref>
Infolge des Tabakrauchens sterben in Deutschland jährlich 110.000 bis 140.000 Menschen.<ref name="Drogenberichte" /> Zusätzlich wird von 3.300 Todesfällen durch Passivrauchen ausgegangen.<ref name="Drogenbericht2012" />
Alkohol
Die 2018 vorgestellte Auswertung der Studie Global Burden of Disease befasst sich mit den Trinkgewohnheiten in 195 Ländern und den daraus resultierenden gesundheitlichen Problemen. Alkoholkonsum ist demnach, was die häufigsten Todesursachen angeht an siebenter Stelle. Weltweit lassen sich etwa 6,8 Prozent aller Todesfälle bei Männern und 2,2 Prozent bei Frauen auf problematischen Alkoholkonsum zurückführen.<ref>Globale Alkohol-Studie Ärztezeitung Deutschland Abgerufen am 3. April 2021.</ref>
Im Jahr 2016 führte der schädliche Gebrauch von Alkohol nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zu etwa 3 Millionen Todesfällen weltweit.<ref>Global status report on alcohol and health 2018. (PDF; 7,4 MB) World Health Organization, abgerufen am 8. Januar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die Zahl der Todesfälle als Folge von Alkoholmissbrauch wurde in den Berichten der Drogenbeauftragten der Bundesregierung 2002 bis 2008 mit „über 40.000 Menschen“ angegeben.<ref name="Drogenberichte" /> Seit dem Bericht von 2009 (bis einschließlich 2012) werden aufgrund neuerer Berechnungen deutlich höhere Zahlen angegeben, wonach „über 73.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs“ sterben.<ref name="Drogenberichte" /><ref name="Drogenbericht2012" /> Die häufigste alkoholbedingte Todesursache ist die alkoholische Leberzirrhose. Vom Tod durch Alkoholmissbrauch sind Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen.
Illegale Drogen
In Deutschland liegt die Zahl der Tode durch illegale Drogen seit der Wiedervereinigung konstant bei etwa 1.000 bis 2.000 Toten pro Jahr.
Luftverschmutzung
Luftverschmutzung verursacht laut Weltgesundheitsorganisation (2012) und IEA (2016) jedes Jahr den Tod von rund 7 Millionen Menschen weltweit und stellt damit das weltweit größte einzelne umweltbedingte Gesundheitsrisiko dar.<ref name="WHO2014">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig 7 million premature deaths annually linked to air pollution.] WHO, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Energy and Air Pollution.] In: Iea.org. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref name="iea-nyt">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: The New York Times, 2016 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Die IEA stellt fest, dass viele der Grundursachen und Lösungen in der Energiewirtschaft zu finden sind, und schlägt als Lösungen etwa die Stilllegung luftverschmutzender Kohlekraftwerke und die Einführung strengerer Standards für Kraftfahrzeuge vor.<ref name="iea-nyt" /> 2020 berichtete die Europäische Umweltagentur, dass Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung 2012 zu 13 % der menschlichen Tode in der EU beigetragen haben.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Reuters, 8. September 2020 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Eine Studie aus dem Jahr 2021, die ein Modell mit erhöhter räumlicher Auflösung und aktualisierten Daten zur Wirkung verschiedener Konzentrationen verwendet, kommt zu dem Schluss, dass etwa 8,7 Millionen – oder etwa ein fünftel – der Todesfälle in 2018 auf Luftverschmutzung durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückzuführen sind.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Reuters, 9. Februar 2021. Abgerufen am 5. März 2021 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>
Ungünstige Umgebungstemperaturen
Eine Studie zeigt, dass 9,4 Prozent der weltweiten Todesfälle zwischen 2000 und 2019 – etwa 5 Millionen jährlich – auf extreme Temperaturen zurückzuführen sind, wobei kältebedingte Todesfälle den größten Anteil ausmachen und abnehmen und hitzebedingte Todesfälle etwa 0,91 Prozent ausmachen und zunehmen. Die Auftretenshäufigkeit von Herzinfarkten, Herzstillständen und Schlaganfällen nimmt unter solchen Bedingungen zu.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: The Guardian, 7. Juli 2021. Abgerufen am 14. August 2021 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Zwischen 1991 und 2018 wurden bereits 37 Prozent der durch Hitze verursachten Todesfälle der menschengemachten globalen Erwärmung zugeschrieben.<ref></ref><ref>Klimaerwärmung bereits für jeden dritten Hitzetod verantwortlich. Universität Bern, 31. Mai 2021, abgerufen am 14. September 2021.</ref>
Antibiotikaresistente Keime
Jährlich über 1,3 Millionen sterben laut der Weltgesundheitsorganisation durch antibiotikaresistente Keime.<ref>[3], abgerufen am 10. Dezember 2022.</ref>
Siehe auch
- Sterben, Tod
- Epidemiologie, Lebenserwartung
- Zivilisationskrankheit
- Karōshi
- Liste ungewöhnlicher Todesfälle
Literatur
Weblinks
- Steffen Kröhnert, Rainer Münz: Sterblichkeit und Todesursachen. In: Online-Handbuch Demografie. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, August 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Januar 2011; abgerufen am 25. November 2017.
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Todesursachen.
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Publikationen im Bereich Todesursachen. Abgerufen am 4. Oktober 2017
- Sterbefälle nach ausgesuchten Todesursachen 1901–1938. Lebendiges Museum Online, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. Januar 2010; abgerufen am 25. November 2017.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Drogenberichte"> Die einzelnen Berichte können auf der <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Publikationenübersicht ( vom 27. Januar 2012 im Internet Archive) des Drogenbeauftragten der Bundesregierung abgerufen werden. </ref> <ref name="Drogenbericht2012"> Drogen- und Suchtbericht 2012 (PDF; 2,5 MB) der Drogenbeauftragten der Bundesregierung </ref> <ref name="Luy 2002"> </ref> <ref name="Luy 2009"> Marc Luy: </ref> <ref name="Stat 1"> Lebend-/Totgeburten nach Berichtsjahr. Statistik Austria, abgerufen am 28. Februar 2012 (SDB-Online-Datenbank: Links oben Tab „Datenbanken → Statistiken → Bevölkerung → Geburten → Geborene“ auswählen; Jahren 1970–2010). </ref> <ref name="Stat 2"> Gestorbene und Säuglingssterblichkeit seit 1946. Statistik Austria, 19. Mai 2011, abgerufen am 28. Februar 2012. </ref> </references>