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SSRI-Absetzsyndrom

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Klassifikation nach ICD-10
Y40-Y59 Unerwünschte Nebenwirkungen bei therapeutischer Anwendung von Arzneimitteln, Drogen oder biologisch aktiven Substanzen
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Y49.2 Sonstige und nicht näher bezeichnete Antidepressiva
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11 Als SSRI-Absetzsyndrom ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) und SSRI-Entzugssyndrom<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig SSRI-Entzugssyndrom trotz langsamen Ausschleichens?] In: Neuro-Depesche. Gesellschaft für medizinische Information, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. Juni 2017.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> wird ein Symptomkomplex bezeichnet, der beim Absetzen von selektiven Serotonin- und/oder Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI, SNRI), auch anderen Antidepressiva auftreten kann.

Vorkommen

Etwa 15 % der Patienten, die mit SSRI oder SNRI behandelt werden, reagieren nach dem Absetzen mit Absetzerscheinungen.<ref></ref> Diese werden oft mit einem Rezidiv der Grundkrankheit verwechselt. Das kann dazu führen, dass unnötig weiter verordnet wird. Bei einem Rezidiv jedoch sollte die Medikation weitergeführt werden.<ref name=":0">Absetzsymptome bei Antidepressiva meist mild. In: Deutsches Ärzteblatt. Deutscher Ärzteverlag, Köln 14. Juli 2025.</ref> Naheliegenderweise kommt es bei Absetzen der Medikamente häufiger zu einem Rezidiv als bei Weiterführen der Behandlung.<ref></ref>

Ein höheres Risiko für Absetzsymptome zeigen MAO-Hemmer, Tricyclika, Paroxetin, Venlafaxin und Desvenlafaxin. Bei Agomelatin, Fluoxetin und Milnacipran wird auch bei abruptem (plötzlichen) Absetzen nur ein geringes Risiko und eine sehr milde Ausprägung beschrieben. Von einem mäßigen Risiko für Absetzsymptome ist bei Citalopram, Escitalopram, Sertralin, Duloxetin und Vortioxetin auszugehen.<ref name=":1">Otto Benkert, Hanns Hippius: Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie. 14. Auflage. Springer, Berlin 2023, ISBN 978-3-662-67684-4, S. 101.</ref>

Auch die Erwartungshaltung der Patienten scheint das Auftreten und die Schwere von Absetzsymptomen zu beeinflussen.<ref name=":1" />

Beschreibung

Absetzerscheinungen treten in der Regel in den ersten 24 Stunden bis eine Woche nach Absetzen ein. Der Zeitpunkt des Eintretens der Absetzerscheinungen hängt unter anderem von der Dosishöhe und Dauer der Medikation und der Halbwertszeit der Wirksubstanz ab.<ref name=":1">Otto Benkert, Hanns Hippius: Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie. 14. Auflage. Springer, Berlin 2023, ISBN 978-3-662-67684-4, S. 101.</ref> Die bei SNRI vergleichsweise starken Symptome können durch die gleichzeitige Einnahme von Fluoxetin vermindert werden, das als SSRI eine relativ lange Halbwertszeit besitzt.

Versuche mit Tieren, die freien Zugang zu SSRI hatten, ergaben zwar keine selbstständige Erhöhung der Dosis, ein plötzliches Absetzen der Wirkstoffgruppe kann jedoch körperliche und psychische Symptome hervorrufen. So wird in den Packungsbeilagen explizit von selbstständigem Absetzen der Medikamente abgeraten. Studien mit Placebos ergaben, dass 35–78 % jener Patienten, die fünf oder mehr Wochen mit dem Medikament behandelt wurden und die Einnahme abrupt beendeten, eines oder mehrere der Absetzsymptome entwickelten.

Symptome

Folgende Symptome können beim Absetzen von SSRI auftreten:

Diagnose

Kurz nach dem Absetzen werden depressive Symptome nicht beobachtet. „Frühe Stimmungseinbrüche zeigen eher einen Rückfall als Absetzerscheinungen an.“<ref name=":0">Absetzsymptome bei Antidepressiva meist mild. In: Deutsches Ärzteblatt. Deutscher Ärzteverlag, Köln 14. Juli 2025.</ref>

Die medizinischen Diagnosekriterien für ein SSRI-Absetzsyndrom sind:

  • Unterbrechung, Beendigung oder Verringerung der Dosis einer mit SSRI oder SNRI über vier Wochen oder länger geführten Behandlung
  • Symptome, die sich im sozialen Umfeld bemerkbar machen
  • Symptome, die nicht von der Wirkung von anderen Medikationen und Drogen, oder deren Absetzen verursacht werden können
  • Symptome, die nicht denjenigen entsprechen, deretwegen die Behandlung mit SSRI oder SNRI begonnen wurde

Diese Symptome verschwinden bei erneuter Erhöhung der Dosis auf die gewohnte Menge. Um eine klare Diagnose stellen und die korrekte Behandlung sicherstellen zu können, sollten Ärzte, die SSRI verschreiben, sich mit den Symptomen des Absetzens auseinandersetzen.

Mechanismus

Symptome beim Absetzen von Antidepressiva sind das Ergebnis der Versuche des menschlichen Gehirns, erneut ein neurochemisches Gleichgewicht zu erzeugen. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer erhöhen die Serotonin-Konzentration in der Gewebeflüssigkeit des Gehirns. Beim abrupten Absetzen kommt es daher zu einem Serotonin-Mangel, da der Körper sich durch eine Herabregulation der Serotonin-Empfindlichkeit an das Überangebot des Stoffes durch die SSRI-Medikation angepasst hat. Die Absetzerscheinungen können meist durch Ausschleichen (langsames Verringern der Dosis) über die Dauer von Wochen oder Monaten vermindert oder gänzlich verhindert werden. Auch diese Methode ist aber speziell bei Patienten mit Langzeitbehandlung nicht immer erfolgreich. Alternativ kann auch mit 5-Hydroxytryptophan abgesetzt werden, wobei insbesondere die Kombination beider Stoffe die Gefahr eines Serotonin-Syndroms mit sich bringt.

Prävention

Die Patienten sollten über die lange Halbwertszeit von SSRI informiert werden. Speziell bei einer Umstellung auf Medikamente mit kürzerer Halbwertszeit (beispielsweise Paroxetin) ist dieser Punkt wichtig.

Obwohl nicht sichergestellt werden kann, dass das Absetzen von SSRI symptomfrei verläuft, können das Wiedereinsetzen der Erhaltungsdosis sowie das langsame Ausschleichen die Symptome mildern oder ganz verschwinden lassen.

Behandlung

Die Behandlung der Symptome ist abhängig vom Schweregrad der Absetzerscheinungen und davon, ob nach Absetzen des SSRI weiterhin mit Antidepressiva behandelt wird. Während in jenen Fällen, in denen eine weitere Behandlung mit Antidepressiva indiziert ist, das einfache Wiedereinsetzen der Medikation meist zum Erfolg führt, ist die Behandlung von Patienten, die ganz auf Antidepressiva verzichten, abhängig von der Schwere der Symptome und führt bei leichten Fällen meist durch Beruhigung und Entspannung des Patienten zu Erfolg.

Mittelschwere Absetzsymptome (vor allem Unruhe, Angst oder Schlafstörungen) können mit Benzodiazepinen behandelt werden. In Fällen mit schweren Symptomen oder in Fällen, in denen der Patient nicht auf die Behandlung der Symptome anspricht, kann die Medikation wieder eingesetzt und zu einem späteren Zeitpunkt langsamer in kleineren Schritten (über 8–12 Wochen)<ref name=":1">Otto Benkert, Hanns Hippius: Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie. 14. Auflage. Springer, Berlin 2023, ISBN 978-3-662-67684-4, S. 101.</ref> wiederholt abgesetzt werden.<ref name="DrugSaf2001-Haddad"></ref>

Literatur

  • Gerhard Gründer, Stefan Dangl: Psychopharmaka absetzen? Warum, wann und wie? Elsevier, 2024, ISBN 978-3-437-21199-7.

Einzelnachweise

<references />

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