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Pyrargyrit

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Pyrargyrit
Datei:Pyrargyrite-t06-128d.jpg
Pyrargyrit-Kristalle aus der Grube Samson, St Andreasberg, Harz, Niedersachsen, Deutschland
Gesamtgröße der Stufe: 3,3 × 3 × 2,6 cm
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Pyg<ref name="Warr"></ref>

Andere Namen
  • Aerosit
  • Antimonsilberblende
  • Dunkles Rotgültig bzw. Dunkles Rotgültigerz
Chemische Formel Ag3[SbS3]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide – Insel(Neso)-Sulfarsenide usw., ohne zusätzlichen Schwefel
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.01a
II/E.07-020

2.GA.05
03.04.01.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-pyramidal; 3m
Raumgruppe R3c (Nr. 161)Vorlage:Raumgruppe/161<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 11,04 Å; c = 8,72 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 6<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {1010}, {1120}, {1011}, {1012}<ref name="SchröckeWeiner" />
Zwillingsbildung nach (1014)<ref name="SchröckeWeiner" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5
Dichte (g/cm3) 5,85
Spaltbarkeit deutlich nach {1011}; sehr undeutlich nach {0112}
Bruch; Tenazität muschelig, uneben
Farbe dunkelrot bis grauschwarz
Strichfarbe kirschrot
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Diamantglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 3,084
nε 2,881<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,203<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig negativ<ref name="Mindat" />

Pyrargyrit, veraltet auch als Dunkles Rotgültig(erz), Antimonsilberblende, Rubinblende oder Aerosit bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Er kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemisch Zusammensetzung Ag3[SbS3]<ref name="StrunzNickel" /> und gehört strukturell zu den Sulfosalzen mit Silber und Antimon.

Pyrargyrit entwickelt meist prismatische oder rhomboedrische Kristalle, findet sich aber auch in Form körniger bis massiger Aggregate von dunkelroter bis grauschwarzer Farbe. Die meist nur durchscheinenden oder gänzlich undurchsichtigen Pyrargyritkristalle zeigen auf den Kristallflächen Diamantglanz. Die Spaltbarkeit ist je nach Spaltrichtung deutlich {1011} bis sehr undeutlich nach {0112}.

Etymologie und Geschichte

Die seit dem 16. Jahrhundert bekannte, wenn auch in verschiedenen Schreibformen überlieferte Bezeichnung Rotgültig bzw. Rotgültigerz (auch rot gold ertz, rod gulden ertz, roth güldenes Erz und ähnliche) umfasste zunächst zwei verschiedene, allerdings ähnlich aussehende Minerale, nämlich den Pyrargyrit und den Proustit. Benannt wurde das Erz aufgrund seiner auffällig roten Färbung, seines blendeartigen Glanzes und seines hohen Silbergehalts von fast 60 %.

Seit 1789 wird nach Abraham Gottlob Werner zwischen Dunklem und Lichtem Rotgiltigerz<ref name="Lüschen" /><ref name="GeoMuseumClausthal" /> unterschieden, allerdings konnte erst 1804 der Chemiker Joseph Louis Proust durch seine chemischen Analysen klären, dass die Rotgültigerze von Antimon (Dunkel, Ag3SbS3) und Arsen (Licht, Ag3AsS3) zwei eigenständige Minerale sind.<ref name="SchröckeWeiner" />

Das Synonym Aerosit gab Selb 1805 einem „auf der kolywänschen Silbergrube in Sibirien vorkommenden, dunklen Rotgültigerz“.<ref name="Aerosit" />

Die Bezeichnung rhomboedrische Rubinblende wurde 1824 von Friedrich Mohs geprägt.<ref name="GeoMuseumClausthal" /><ref name="Witzke" />

Den bis heute gültigen Namen Pyrargyrit für das Dunkle Rotgültigerz prägte 1831 Ernst Friedrich Glocker nach den beiden altgriechischen Worten {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) pûr für „Feuer“ und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) argyros für „Silber“ aufgrund seiner Eigenschaft, vor dem Lötrohr leicht ein Silberkorn erschmelzen zu können.

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Pyrargyrit zur Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Komplexen Sulfide (Sulfosalze)“, wo er zusammen mit Proustit die „Proustit-Reihe“ mit der System-Nr. II/D.01a innerhalb der „Proustit-Xanthokon-Gruppe“ (II/D.01) bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/E.07-20. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der präziser definierten Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Pyrargyrit zusammen mit Debattistiit, Eckerit, Manganoquadratit, Proustit, Pyrostilpnit, Quadratit, Samsonit und Xanthokon eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.<ref name="Lapis" />

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Pyrargyrit dagegen in die neu definierte Abteilung der „Sulfoarsenide, Sulfoantimonide und Sulfobismuthide“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur und der möglichen Anwesenheit zusätzlichen Schwefels, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau und seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung der „Insel-Sulfarsenide (Neso-Sulfarsenide) usw., ohne zusätzlichen Schwefel (S)“ zu finden ist, wo es zusammen mit Proustit die „Proustitgruppe“ mit der System-Nr. 2.GA.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Pyrargyrit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfosalze“ ein. Hier ist er zusammen mit Proustit in der nach diesem Mineral benannten „Proustitgruppe“ mit der System-Nummer 03.04.01 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ zu finden.

Kristallstruktur

Pyrargyrit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3c (Raumgruppen-Nr. 161)Vorlage:Raumgruppe/161 mit den Gitterparametern a = 11,04 Å und c = 8,72 Å sowie 6 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Unter Lichteinwirkung dunkelt der zunächst rot- bis dunkelrotfarbige Pyrargyrit mit der Zeit nach, bis er fast schwarz erscheint. Die Strichfarbe bleibt aber weiterhin kirschrot und ermöglicht damit neben seiner geringen Mohshärte von 2,5 und einer Dichte von 5,85 g/cm³ eine Identifizierung des Minerals.

Pyrargyrit enthält vor allem Silber (59,75 %), Antimon (22,48 %) und Schwefel (17,76 %). Vereinzelt kann auch Arsen enthalten sein.

Zwischen Pyrargyrit und dem verwandten Proustit (Ag3[AsS3]<ref name="StrunzNickel" />) besteht bis zu einer Mindesttemperatur von 360 °C eine lückenlose Mischkristall-Reihe.<ref name="SchröckeWeiner" />

Bildung und Fundorte

Datei:Pyrargyrite-Quartz-rom43b.jpg
Pyrargyrit-Aggregat auf Quarz aus Taxco de Alarcón, Guerrero, Mexiko (Größe: 12 × 8,7 × 7 cm)
Datei:Pyrargyrite-Silver-mun05-59a.jpg
Pseudomorphose von Silber nach Pyrargyrit aus Zacatecas, Mexiko (Größe: 4,1 × 2,4 × 2,4 cm)

Pyrargyrit bildet sich häufig in hydrothermalen Gängen. Prächtige Kristalle von Pyrargyrit sind in einigen deutschen Lagerstätten zu finden, vor allem in Sankt Andreasberg sowie in Freiberg und an anderen Orten im sächsischen Erzgebirge. Beachtliche Funde stammen aus der Slowakei, Böhmen, Rumänien, Spanien, Sardinien und Chile. Heute findet man die schönsten Kristalle des Minerals in Süd- und Mittelamerika.

In Mexiko sind gelegentlich auch Pseudomorphosen von Silber (aus Zacatecas) oder Akanthit (aus Guanajuato<ref>Aufnahme einer Akanthit-Pseudomorphose nach Pyrargyrit aus Guanajuato, Mexiko</ref>) nach Pyrargyrit zu finden.

Weitere Fundorte sind unter anderem verschiedene Regionen in Australien, China und Kanada; Hokkaidō, Honshū und Kyūshū in Japan; Kärnten, Salzburg, Steiermark und Tirol in Österreich sowie verschiedene Regionen in den USA.<ref name="MindatFundorte" /> Insgesamt gelten bisher (Stand: 2012) rund 1300 Fundorte als bekannt.<ref name="Mindat" />

Siehe auch

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 51.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Aerosit"> Carl Cäsar von Leonhard, Karl Friedrich Merz, Johann Heinrich Kopp: Systematisch-tabellarische Uebersicht und Charakteristik der Mineralkörper (siehe 103. Rothgueltigerz) in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. </ref> <ref name="GeoMuseumClausthal"> Pyrargyrit. In: geomuseum.tu-clausthal.de. Technische Universität Clausthal, abgerufen am 15. Oktober 2021. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Lüschen"> Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 304. </ref> <ref name="Mindat"> Pyrargyrite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatFundorte"> Fundorte für Pyrargyrit. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 284–287. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Witzke"> Thomas Witzke: Die Entdeckung von Miargyrit. In: strahlen.org/tw. Abgerufen am 15. Oktober 2021. </ref> </references>