Urteil des Paris
Das Urteil des Paris ist eine berühmte Episode der griechischen Mythologie. Der junge Prinz Paris muss das Urteil fällen, welche von drei Göttinnen die schönste ist: Hera, Athene oder Aphrodite.
Bei Homer wird auf das Thema nur angespielt,<ref>Homer, Ilias 24, 28–30</ref> in der Komödie,<ref>Kratinos, Dionysalexandros</ref> der Satire<ref>Lukian, Götterdialoge 20; Meeresgötterdialoge 5</ref> und im Roman<ref>Apuleius, Metamorphosen 10,30–32</ref> wird es dagegen breiter behandelt.
Griechische Mythologie
Alle Götter sind zur Hochzeit des Peleus und der Thetis eingeladen, ausgenommen Eris, die Göttin der Zwietracht. So beleidigt, wirft sie von der Tür aus einen goldenen Apfel mit der Aufschrift τῇ {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)<ref>Bei Lukian (Götterdialoge 20,7 und Meeresgötterdialoge 5) lautet die Inschrift ἡ καλὴ λαβέτω (Die Schöne soll [ihn] nehmen).</ref> (griechisch, „Der Schönsten“, „Für die Schönste“) unter die feiernden Götter des griechischen Olymps.<ref>Bibliotheke des Apollodor, Epitome 3,2</ref> Daraufhin kommt es zum Streit zwischen Hera, Athene und Aphrodite, wem dieser Apfel gebühre (daher auch Zankapfel/Erisapfel).
Zeus als höchster Olympier zieht sich klug aus der Affäre und legt das Urteil in die Hand eines Sterblichen: Er bestimmt den jungen Paris, den schönen, wenngleich verstoßenen Sohn des trojanischen Königs Priamos und der Hekabe, als Schiedsrichter.<ref>Ovid, Heroides 16,65–72</ref> Der Götterbote Hermes wird beauftragt, die Göttinnen zu dem Königssohn zu bringen, der seit seiner Verstoßung unerkannt als Hirte lebt.<ref>Pausanias, 5.19.5.</ref>
Um den Prinzen für sich zu gewinnen, versucht jede der Göttinnen, ihn zu bestechen, und bietet ihm einen Preis an. Hera verspricht ihm Herrschaft<ref>"regna" (Ovid, Heroides 16, 81)</ref> über ganz Asien<ref>"ἁπάσης … τῆς Ἀσίας βασιλεύειν" (Isokrates, Helena 41); "ἁπάσης … τῆς Ἀσίας δεσπότης" (Lukian, Götterdialoge 20,11); "πάσης … Ἀσίης ἡγήτορα" (Kolluthos, Raub der Helena 148)</ref> bzw. die ganze Welt<ref>"Ἀσιάδ’ Εὐρώπης θ’ ὅρους τυραννίδ’ ἕξειν" (Euripides, DieTroerinnen 927–928); "βασιλείαν πάντων" (Apollodorus, Epitome 3,2; "in omnibus terris eum regnaturum" (Hyginus, Fabulae 92)</ref>, Athene verspricht Heldenmut<ref>"virtutem" (Ovid, Heroides 16, 81)</ref> bzw. Sieg im Krieg<ref>"στρατηγοῦνθ’ Ἑλλάδ’ ἐξανιστάναι" (Euripides, Die Troerinnen 926); "κρατεῖν ἐν τοῖς πολέμοις" (Isokrates, Helena 41); "πολεμιστὴν … καὶ νικηφόρον" (Lukian, Götterdialoge 20,12); "πολέμου νίκην" (Apollodorus, Epitome 3,2); "σαόπτολιν" (Kolluthos, Raub der Helena 142)</ref> oder Kunstfertigkeit<ref>"omni artificio scium" (Hyginus, Fabulae 92)</ref>, Aphrodite hingegen bietet Paris die Liebe der schönsten Frau der Welt.<ref>Euripides, Die Troerinnen 929–931</ref> Mit dieser Belohnung kann Aphrodite das Urteil für sich entscheiden.<ref>Hyginus, Fabulae 92</ref>
Die schönste Sterbliche, Helena, war jedoch bereits mit Menelaos verheiratet, dem mächtigen König von Sparta. Der Raub an Helena, der begangen werden musste, um das Versprechen zu erfüllen, soll der Auslöser für den Trojanischen Krieg gewesen sein.
Das Paris-Urteil in der Kunst
Das Urteil des Paris war bereits in der griechischen Vasenmalerei ein häufig dargestelltes Thema. Auch bei den Etruskern findet man dieses Sujet auf Bronzespiegeln und in der Malerei. In nachantiker Zeit und in einem historischen Umfeld, in dem die Darstellung von Nacktheit verpönt war, blieb das Thema beliebt für Gemälde und Skulpturen. Schließlich bot es die Gelegenheit, drei unbekleidete Frauen in unterschiedlicher Pose abzubilden, während der mythologisch-moralische Hintergrund der Szene die Maler vor dem Vorwurf der Obszönität bewahrte. Die Maler konnten die Spannung des Bildes in den verschiedenen Phasen der Vorbereitung suchen und wie Peter Paul Rubens in die beziehungsreichen Blicke der Urteilsfindung legen. Bei Paul Cézanne ist das Urteil gefallen, die eine Göttin verliert ihr Gesicht, die andere wendet sich bereits ab.<ref>Martin R. Dean: Der Augenblick – für immer offengehalten. In: NZZ, 15. November 2014, S. 28</ref>
Bekannte Beispiele sind:
- Römisches Mosaik in Kos auf der griechischen Insel Kos<ref>Stefan O. Schüller: Die Westlichen Ausgrabungen.</ref>
- Sandro Botticelli, 1445–1510, Ölgemälde, 1485–1488
- Lucas Cranach d. Ä., 1472–1553, und seine Malerwerkstatt haben zahlreiche Varianten des Themas geschaffen. Heute in u. a.
- Das Urteil des Paris (Berliner Schloss)
- Kunsthalle Karlsruhe,
- Statens Museum for Kunst in Kopenhagen,
- Metropolitan Museum of Art in New York
- Schlossmuseum Schloss Friedenstein in Gotha.
- Marcantonio Raimondi, 1474–1534, Kupferstich, um 1515/16<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Raffael und Marcanton – ein kongeniales Team ( vom 25. Dezember 2004 im Internet Archive) Kunstgeschichtliches Institut der Ruhr-Universität Bochum</ref>
- Niklaus Manuel Deutsch, um 1484–1530, Ölgemälde, um 1517/18, Kunstmuseum Basel
- Frans Floris de Vriendt, 1517–1570, Ölgemälde
- Hendrick van Balen, 1575–1632, Ölgemälde
- Peter Paul Rubens, 1577–1640, Ölgemälde, 1606–1608, Museo del Prado, Madrid; Ölgemälde, um 1632–1635, National Gallery, London sowie National Gallery of Art, Washington, D.C.
- Massimiliano Soldani-Benzi, 1656–1740, Bronzeskulptur, um 1695/1700
- Francesco Fontebasso, 1709–1768, Ölgemälde
- Martin Johann Schmidt, 1718–1801, Ölgemälde
- Jacques Offenbach, 1819–1880, Operette „Die schöne Helena“, 1864
- Arnold Böcklin, 1827–1901, Ölgemälde
- Anselm Feuerbach, 1829–1880, Ölgemälde
- Henri Fantin-Latour, 1836–1904, Ölgemälde
- Hans von Marées, 1837–1887, Ölgemälde, als Beutekunst im Besitz Russlands
- Paul Cézanne, 1839–1906, Ölgemälde, 1862–1864
- Max Klinger, 1857–1920, Gemälde, 1886/87
- Enrique Simonet, 1866–1927, Ölgemälde, um 1904
- Ernst Ludwig Kirchner, 1880–1938, Ölgemälde, 1913, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen
- Karl Stachelscheid, 1917–1970, Ölgemälde
- Ivo Saliger, 1894–1987, Ölgemälde, 1939, Deutsches Historisches Museum, Berlin
- Bohuslav Martinů, 1890–1959, Oper, 1953
- Egbert Herfurth, *1944, Inversdarstellung "Parisurteil" – eine Frau mit Apfel wählt aus drei Männertypen, 1976
- Stefan Thomas, 1932–2025, Skulptur aus mehreren Statuen, 1979 Schuhmarkt Parchim, seit 2000 Grünfläche "Rosengarten" in Parchim, weitere Variante in Greifswald im Hof der Berufsschule
- Wilfried Fitzenreiter, 1932–2008, Skulptur aus mehreren Statuen, Chemnitz/Brühl, 1979<ref>Skulpturen und Plastiken in der Chemnitzer Innenstadt. Abgerufen am 23. August 2018.</ref>
- Markus Lüpertz, *1941, Skulptur aus mehreren Statuen, 2001, Ku’damm-Eck am Kurfürstendamm in Berlin<ref>Ku’damm Eck im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf</ref>
Literarische Bearbeitungen
In der Literatur und im Theater fand die Handlung ebenfalls ihren Niederschlag.
- Das Parisurteil, Nürnberger Fastnachtsspiel des 15. Jahrhunderts<ref>Das Parisurteil. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 7, Sp. 312–314.</ref>
- Jean de La Fontaine: Die Zwietracht (Fabel)
- Leopoldo de Villati: Das Urtheil des Paris. Ein musicalisches Schäfer-Spiel in einer Handlung, Berlin 1752<ref>Digitalisat in der Library of Congress.</ref>
- Christoph Martin Wieland: Das Urtheil des Paris. In: Comische Erzählungen. Frankfurt und Leipzig [= Zürich] 1765.
- Franz Peter Sennfelder: Die Hochzeit des Peleus und der Thetis; Oder Das Urtheil des Paris. Ein allegorisch-heroisches Schauspiel, 1770<ref>Digitalisat bei Google Books.</ref>
- Karl Ignaz Förg: Das Urtheil des Paris, eine mit Musick vermischte Parodie in einem Aufzuge [München, ca. 1775]<ref>Digitalisat (PDF) im MDZ.</ref>
- August von Kotzebue: Das Urtheil des Paris. Eine heroische Komödie, 1804<ref>Erschienen in: Almanach Dramatischer Spiele zur geselligen Unterhaltung auf dem Lande von A. von Kotzebue. zweiter Jahrgang. F. T. de La Garde, Berlin 1804, S. 5–48 (Digitalisat im MDZ).</ref>
- Josef Viktor Widmann: Ein greiser Paris. Dramatische Plauderei in einem Akt (nach einem Motiv aus Boccaccio’s Decamerone), 1897<ref>Erschienen in: J. V. Widmann: Jung und alt. Drei Dichtungen. Liebeskind, Leipzig 1897, S. 109–141 (Digitalisat im Internet Archive).</ref>
- Von Otto Wilhelm Reuther gibt es eine musikalische Komödie in einem Akt mit Musik von Cesar Bresgen, 1913–1988 (Deutschland, 1943)
Literatur
- Gustav Türk: Paris. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 3,1, Leipzig 1902, Sp. 1580–1638 (Digitalisat).
- Inge El-Himoud-Sperlich: Das Urteil des Paris. Studien zur Bildtradition des Themas im 16. Jahrhundert. Dissertation, München 1977.
- Anneliese Kossatz-Deissmann: Paridis iudicium. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae. Band 7,1 (1994), S. 176–188, mit etwa 100 Abbildungen in Band 7,2.
- Thomas Blisniewski: „Und wandte seine Blicke zur Wollust …“ Das Parisurteil der „Hamburger Erbsenschote“. In: Bruckmanns Pantheon, 53.1995, S. 183–188
Weblinks
- Paris-Urteil. In: Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann.
Einzelnachweise
<references />