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Gustav Bauer

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Gustav Bauer, 1920
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Erste Kabinettssitzung des Kabinetts Scheidemann am 13. Februar 1919 in Weimar. V.l.: Ulrich Rauscher, Pressechef der Reichsregierung, Robert Schmidt, Ernährung, Eugen Schiffer, Finanzen, Philipp Scheidemann, Reichskanzler, Otto Landsberg, Justiz, Rudolf Wissell, Wirtschaft, Gustav Bauer, Arbeit, Ulrich von Brockdorff-Rantzau, Auswärtiges, Eduard David ohne Portefeuille, Hugo Preuss, Inneres, Johannes Giesberts, Post, Johannes Bell, Kolonien, Georg Gothein, Schatz, Gustav Noske, Reichswehr
Datei:Bauer Gustav Grab auf dem Evangelischen Friedhof Glienicke-Nordbahn.jpg
Grab auf dem Evangelischen Friedhof Glienicke/Nordbahn

Gustav Adolf Bauer (* 6. Januar 1870 in Darkehmen (Ostpreußen); † 16. September 1944 in Berlin) war SPD-Politiker. In den letzten Wochen des Kaiserreichs war er Staatssekretär und vom 21. Juni 1919 bis zum 26. März 1920 Reichskanzler der Weimarer Republik (bis 14. August 1919 mit dem Titel Reichsministerpräsident).

Leben

Gustav Bauer, dessen Vorfahren 1731/32 aus Süddeutschland (wahrscheinlich mit den Salzburger Exulanten) nach Ostpreußen ausgewandert waren, war der Sohn des Gerichtsvollziehers Gustav Bauer und der Henriette Bauer, geborene Groß. Nach dem Abschluss der Volksschule in Königsberg 1884 arbeitete er zunächst als Schreiber in einer Rechtsanwaltskanzlei. 1888 musste ihm nach einer schweren Erkrankung ein Bein amputiert werden. Von 1893 bis Dezember 1895 war er Bürovorsteher beim prominenten Strafverteidiger Fritz Friedmann. Bauer gründete 1895 den „Zentralverein der Bureauangestellten Deutschlands“, dem er bis zur Fusion mit dem „Verband der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen“ 1908 vorstand.

Nachdem er 1902 seinen Arbeitsplatz wegen der gewerkschaftlichen Tätigkeit verloren hatte, machte er sich als Gastwirt selbständig, gab dies jedoch auf, als er 1903 hauptamtlich die Leitung des zentralen Arbeitersekretariats der Freien Gewerkschaften in Berlin übernahm. Von 1908 bis 1918 hatte Bauer das Amt des zweiten Vorsitzenden der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands inne. Der Aufsichtsrat der neu gegründeten Volksfürsorge wählte ihn 1912 zum Vorsitzenden. Im selben Jahr zog er als sozialdemokratischer Abgeordneter für den Wahlkreis Breslau 6 (Breslau-Ost) in den Reichstag ein, wo er seit 1915 dem Haushaltsausschuss angehören sollte.

Bauer gehörte zum rechten Parteiflügel der SPD, der während des Ersten Weltkrieges die Burgfriedenspolitik mittrug. Im Jahr 1917 war er an der Gründung des Volksbundes für Freiheit und Vaterland beteiligt, dem Gegengewicht zur rechtsextremistischen Deutschen Vaterlandspartei, die den Burgfrieden ablehnte und auf einen „Siegfrieden“ setzte. Im Oktober 1918 berief ihn der Reichskanzler Max von Baden zum Staatssekretär des Reichsarbeitsamtes.

Nach der Novemberrevolution wurde er in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Dem Kabinett Scheidemann gehörte Bauer seit dem 13. Februar 1919 als Reichsarbeitsminister an. Nachdem Scheidemann, der sich geweigert hatte, den von den Siegermächten vorgelegten Vertrag von Versailles anzunehmen, am 20. Juni 1919 zurückgetreten war, bildete Bauer am folgenden Tag als Reichskanzler das Kabinett Bauer. Schon am 22. Juni war er für die Annahme des Vertrages, wollte aber bei der Entente noch gegen Einzelbestimmungen (Kriegsschuldfrage und Auslieferung von deutschen Staatsbürgern) protestieren. Jetzt musste er in der Sitzung der Weimarer Nationalversammlung einen Tag später eingestehen, dass seine Interventionen bei den Siegermächten keinen Erfolg gezeigt hatten. Dass er sich trotzdem für die Unterzeichnung des Vertrages aussprach, begründete er vor dem Parlament wie folgt:

Meine Damen und Herren! Keinen Protest heute mehr, keinen Sturm der Empörung. Unterschreiben wir, das ist der Vorschlag, den ich Ihnen im Namen des gesamten Kabinetts machen muß. Die Gründe, die uns zu diesem Vorschlag zwingen, sind die selben wie gestern, nur trennt uns jetzt eine Frist von knappen vier Stunden vor der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten. Einen neuen Krieg können wir nicht verantworten, selbst wenn wir Waffen hätten. Wir sind wehrlos, wehrlos ist aber nicht ehrlos. Gewiß, die Gegner wollen uns an die Ehre, daran ist kein Zweifel, aber dass dieser Versuch der Ehrabschneidung einmal auf die Urheber selbst zurückfallen wird, dass es nicht unsere Ehre ist, die bei dieser Welttragödie zugrunde geht, das ist mein Glaube, bis zum letzten Atemzug. (Quelle: Protokoll der 41. Sitzung der Weimarer Nationalversammlung vom 23. Juni 1919)

Somit unterschrieben Bauers Kabinettsmitglieder Hermann Müller und Johannes Bell den Versailler Vertrag. Zu Bauers Leistungen zählten die Übernahme des Eisenbahnwesens in die Reichszuständigkeit sowie die mit Matthias Erzberger durchgesetzte Finanzreform. Bauer musste 1920 nach dem Kapp-Putsch zurücktreten, weil er ebenso wie der Reichswehrminister seines Kabinetts, Gustav Noske, das Vertrauen seiner Partei und der Gewerkschaften verloren hatte; aber in der folgenden Regierung seines Parteifreundes Hermann Müller bekleidete er das Amt des Schatzministers und ab 1. Mai 1920 auch das Verkehrsressort, welches er bis zum 25. Juni 1920 leitete. 1921 gehörte er bis November 1922 dem zweiten Kabinett Wirth als Vizekanzler und Reichsschatzminister an.

Im November 1924 schloss ihn die SPD wegen seiner persönlichen Beziehung zu dem wegen Hinterziehung und Korruption Hauptangeklagten im Barmat-Skandal aus und im Februar 1925 veranlasste ihn die SPD-Fraktion Bauer zum Verzicht auf sein Reichstagsmandat. Nachdem das Parteischiedsgericht der SPD den Ausschluss am 14. Mai 1926 hob aufgehoben hatte, nahm er sein Reichstagsmandat wieder auf. Bauer war zur Zeit der Weimarer Republik Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Dem Reichstag gehörte er bis 1928 an, dann zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück und wurde Geschäftsführer einer Berliner Wohnungsbaugenossenschaft.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er im Mai 1933 wegen Anschuldigungen im Zusammenhang mit Steuerdelikten für eine Woche in Untersuchungshaft genommen. Vermutlich war dies eine Intrige, denn Beweise konnten nicht vorgelegt werden. Das Verfahren gegen ihn wurde 1935 eingestellt.

Bauer war verheiratet, die Ehefrau Hedwig war eine geborene Moch, die Ehe blieb kinderlos. Gustav Bauer starb in Berlin-Hermsdorf. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Kirchengemeinde Glienicke/Nordbahn.

Literatur

  • S. Ittershagen: Bauer, Gustav Adolf. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon. Dietz Verlag 1970, S. 21–22.
  • Bernd Braun: Die Reichskanzler der Weimarer Republik. Zwölf Lebensläufe in Bildern. Droste, Düsseldorf 2011, S. 100–133. ISBN 978-3-7700-5308-7.
  • Eckhard Hansen, Florian Tennstedt (Hrsg.) u. a.: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 2: Sozialpolitiker in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 1919 bis 1945. Kassel University Press, Kassel 2018, ISBN 978-3-7376-0474-1, S. 10 f. (Online, PDF; 3,9 MB).
  • Paul Mayer: Bauer, Gustav Adolf. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Karlludwig Rintelen: Ein undemokratischer Demokrat: Gustav Bauer. Gewerkschaftsführer - Freund Friedrich Eberts - Reichskanzler. Eine politische Biographie, Lang, Frankfurt/M. 1993, ISBN 3-631-45299-3 (die einzige Biographie Gustav Bauers und eine äußerst kritische dazu)
  • Martin Voigt: Gustav Adolf Bauer. S. 177–190. In: Wilhelm v. Sternburg (Hrsg.): Die deutschen Kanzler. Von Bismarck bis Schmidt. Königstein/Ts.: Athenäum 1985. ISBN 3-7610-8382-3.

Weblinks

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Joseph Wirth (Reichskanzler, Zentrum) | Gustav Bauer (SPD) | Walther Rathenau (DDP) | Adolf Köster (SPD) | Gustav Radbruch (SPD) | Andreas Hermes (Zentrum) | Robert Schmidt (SPD) | Anton Fehr (BBB) | Heinrich Brauns (Zentrum) | Otto Geßler (DDP) | Wilhelm Groener (parteilos) | Johannes Giesberts (Zentrum)

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