Zum Inhalt springen

Wilhelm von Waldow (Politiker, 1856)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wilhelm Hans August von Waldow, auch Hans August Wilhelm von Waldow (* 31. Oktober 1856 in Berlin; † 27. Juli 1937 ebenda) war ein deutscher Verwaltungsjurist in Preußen.<ref>Hartwin Spenkuch (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Band 8/II. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-11827-0, S. 665; preussenprotokolle.bbaw.de (PDF).</ref>

Leben

Wilhelm von Waldow wurde geboren als Sohn des königlich-preußischen Oberforstmeisters und Fideikommissherrn auf Dannenwalde, Adolf (Friedrich August) von Waldow (1820–1906) und dessen Frau Elisabeth geb. von Rochow-Plessow (1826–1904).<ref>Wilhelm Spatz, Willy Hoppe: Die Geschichte derer v. Waldow unter Benutzung des von dem Kammerherrn Franz v. Waldow u. d. Staatsminister a. D. Wilhelm v. Waldow gesammelten Materials. Ernst Rohde, Berlin 1927, S. 138 f.</ref>

Seine ersten zwei Lebensjahre verbrachte Waldow in Berlin; dann zog die Familie infolge von Versetzungen des Vaters erst nach Frankfurt (Oder), dann nach Posen und schließlich nach Königsberg. Am 4. September 1874 legte Wilhelm als Zögling No. 372 an der Klosterschule Roßleben das Abitur ab.<ref>Karl Jenrich: Album der Klosterschule Rossleben 1854-1904. Wilhelm Sauer, Rossleben 1904, S. 105 (kit.edu).</ref> Von 1874 bis 1877 studierte er Rechts- und Staatswissenschaft an der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg, der Georg-August-Universität Göttingen und der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. 1876 wurde er Mitglied des Corps Saxonia Göttingen.<ref>Wolfgang von der Groeben: Verzeichnis sämtlicher Mitglieder des Corps Saxonia Göttingen 1844 bis 2006. Düsseldorf 2006.</ref><ref>Kösener Corps-Listen 1930. Eine Zusammenstellung, Hrsg. Otto Gerlach. Im Selbstverlag des Verlages der Alten Corpszeitung, Frankfurt am Main 1930, 47/304.</ref> Nach erfolgreichem Studienabschluss arbeitete Waldow am Appellationsgericht Frankfurt a. d. Oder. Er erhielt am 2. Januar 1878 die Ernennung zum Gerichtsreferendar, diente aber 1878/79 als Einjährig-Freiwilliger beim 2. Garde-Regiment zu Fuß der Preußischen Armee.

Am 1. April 1881 trat Waldow in den höheren Verwaltungsdienst und wurde Regierungsreferendar. Als solcher arbeitete er bei der Regierung in Danzig. Nachdem er 1884 die große Staatsprüfung bestanden hatte, wurde er zum Regierungsassessor ernannt und bei der Regierung in Bromberg eingestellt. Es folgten Anstellungen im preußischen Ministerium des Innern in Berlin, bei der Regierung in Frankfurt (Oder) und ein Jahr später wieder im Innenministerium in Berlin. 1886 übernahm er die kommissarische Verwaltung des Landratsamtes des Kreises Fischhausen im Regierungsbezirk Königsberg. Nachdem er am 3. November 1886 hier zum Landrat ernannt worden und in Königsberg sechs Jahre tätig gewesen war, übernahm er 1892 die kommissarische Verwaltung des Kreises Niederbarnim im Regierungsbezirk Potsdam. Er förderte den Chaussee- und Kleinbahnbau und baute das Feuerlöschwesen aus.

Am 4. August 1890 heiratete Waldow in Königsberg Elisabeth von Werder (1866–1950), Tochter des Generals Hans von Werder und der Rose, geborene von Albrecht. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, von denen zwei den Vater überlebten.<ref>Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser, A (Uradel) 1985. Band XVIII, Band 87 der Gesamtreihe GHdA. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1985, S. 449–450. ISSN 0435-2408</ref>

Von 1894 bis 1898 war Waldow Mitglied des Preußischen Landtages. Am 2. Februar 1898 wurde er Oberpräsidialrat in Königsberg und daselbst am 9. Oktober 1899 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Königsberg.

1903 wurde er zum Oberpräsidenten der Provinz Posen ernannt. Dort übernahm er zugleich die Ämter des stellvertretenden Präsidenten der Ansiedlungskommission für Westpreußen und Posen, des Kurators der Königlichen Akademie zu Posen und des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft zu Posen. Als 1906 sein Vater starb, erbte Waldow die Güter Dannenwalde und Gramzow. In dieser Phase wirkte er auch als Testamentsvollstrecker<ref>Nachlassregulierung des Rochus v. Rochow († 30. August 1901) auf Stülpe (Handakten des Testamentsvollstreckers Oberpräsident Wilhelm v. Waldow); 1908–1910. BLHA-recherche.brandenburg.de; Herrschaftliches Gutsarchiv von Rochow-Plessow-Stülpe, Rep. 37 Stülpe-Plessow Film 21.</ref> für seinen Cousin Rochus von Rochow-Stülpe und erhielt dadurch Kontakt mit dem bekannten Saatzüchter Ferdinand von Lochow-Petkus. 1910 wurde er Wirklicher Geheimer Rat. 1911 wurde er zum Oberpräsidenten der Provinz Pommern mit Amtssitz in Stettin ernannt.

Am 6. August 1917 erhielt Waldow die Ernennung zum Staatsminister und wurde Staatssekretär des Kriegsernährungsamtes. In der Novemberrevolution schied er aus dem Staatsdienst aus. Ab 1920 wirkte er als Abgeordneter und später zeitweise als Vorsitzender vom Landesverband Mecklenburg-Strelitz der antisemitischen Deutschnationalen Volkspartei.

1936 wurde Wilhelm von Waldow Ehrenkommendator der Mecklenburgischen Genossenschaft des Johanniterordens. Dieser anerkannten evangelischen Kongregation trat er als Anwärter und nachfolgend als Ehrenritter bereits 1893 bei, den Rechtsritterschlag erhielt er 1902.<ref>Mecklenburgische Genossenschaft des Johanniterordens (Hrsg.): Mecklenburgische Genossenschaft des Johanniterordens 1861–2011. Rudolf Otto, Berlin 2011, DNB 1128093057, S. 259.</ref> Waldows Schwestern Wilhelmine und Klara waren ebenso karitativ im Orden als Johanniterschwestern aktiv.<ref>Hans Friedrich v. Ehrenkrook: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. In: Gesamtreihe GHdA. Adelige Häuser A III, Nr. 15. C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1957, DNB 451802497, S. 496.</ref> Und Sohn Franz (1894–1961), der auch das Gut Dannenwalde bis zur Bodenreform übernahm,<ref>Christoph Franke, Moritz Graf Strachwitz v. Groß-Zauche u. Camminetz: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. In: Gesamtreihe GHdA. Adelige Häuser A XXVIII, Nr. 138. C. A. Starke, 2005, ISSN 0435-2408, DNB 977722074, S. 467.</ref> trat gleichfalls in die Tradition seines Vaters. Er promovierte 1929 an die Universität Göttingen mit einer Arbeit über Landwirtschaftsrecht<ref>Franz von Waldow: Das Arbeitsrecht der Land- und Forstwirtschaft. In: Universität Göttingen (Hrsg.): Bibliothek des Instituts für Arbeitsrecht, Platz der Göttinger Sieben 6, Juridicum. Signatur, 23 VIII. Präsenzbestand Uni Göttingen, Göttingen 1929, S. 1–69 (uni-goettingen.de).</ref> und wurde nach dem II. Weltkrieg Ehrenritter des Johanniterordens.<ref>Gesamtliste der Mitglieder des Johanniter-Ordens nach dem Stand vom Juli 1953. Eigenverlag, Bonn 1953, S. 125 (deutsche-digitale-bibliothek.de).</ref>

Ehrungen

Im damaligen Kreis Niederbarnim wurden einige heute zu Berlin gehörende Straßen nach Waldow benannt: 1900 in der von ihm genehmigten und mitgegründeten Colonie Carlshorst die Waldowallee,<ref>Waldowallee. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref> in Oberschöneweide der Waldowplatz<ref>Waldowplatz. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref> und zwei Waldowstraßen.<ref>Waldowstraße (Oberschöneweide 1898–1958). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins</ref><ref>Waldowstraße (Oberschöneweide seit 1900). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref> Weitere Waldowstraßen gibt es in Hohenschönhausen,<ref>Waldowstraße (Hohenschönhausen). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref> Niederschönhausen,<ref>Waldowstraße (Niederschönhausen). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref> Mahlsdorf,<ref>Waldowstraße (Mahlsdorf). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref> und Reinickendorf.<ref>Waldowstraße (Reinickendorf). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Die Geschichte derer v. Waldow unter Benutzung des von dem Kammerherrn Franz v. Waldow u. d. Staatsminister a. D. Wilhelm v. Waldow gesammelten Materials, bearb. von Willy Spatz, nach dessen Ableben vollendet von Willy Hoppe, Verlag R. Rohde, Berlin 1927, S. 178–181.
  • Claudia Wilke: Die Landräte der Kreise Teltow und Niederbarnim im Kaiserreich. Eine biographisch-verwaltungsgeschichtliche Studie zur Leistungsverwaltung in der Provinz Brandenburg, Hrsg. Brandenburgische Historische Kommission e. V., Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998, S. 159–179. ISBN 3-930850-70-2. Zufolge der Waldow-Post (Nachrichten- und Familienblatt derer v. Waldow) Nr. 32/33, 12. Dezember 1999, S. 4, bezüglich einer Aussage zu den Nachfahren mit einem Fehler behaftet.

Weblink

Einzelnachweise

<references />

VorgängerAmtNachfolger
Adolf Tortilowicz von Batocki-FriebeStaatssekretär im Kriegsernährungsamt
1917–1918
Emanuel Wurm

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

Vorlage:Navigationsleiste Landräte des Landkreises NiederbarnimVorlage:Navigationsleiste Regierungspräsidenten im Regierungsbezirk KönigsbergVorlage:Klappleiste/Anfang

Joseph von Zerboni di Sposetti (1815–1824) | Theodor von Baumann (1825–1830) | Eduard von Flottwell (1830–1840) | Adolf Heinrich Graf von Arnim-Boitzenburg (1840–1842) | Carl Moritz von Beurmann (1843–1850) | Gustav von Bonin (1850–1851) | Eugen von Puttkamer (1851–1860) | Gustav von Bonin (1860–1862) | Karl von Horn (1862–1869) | Otto Graf von Königsmarck (1869–1873) | William Barstow von Guenther (1873–1886) | Robert Graf von Zedlitz-Trützschler (1886–1890) | Hugo Freiherr von Wilamowitz-Moellendorff (1890–1899) | Rudolf von Bitter der Jüngere (1899–1903) | Wilhelm von Waldow (1903–1911) | Philipp Schwartzkopff (1911–1914) | Hans von Eisenhart-Rothe (1914–1918)

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang

Datei:Wappen Preußische Provinzen - Pommern.png

Karl von Ingersleben (1815–1816) | Johann August Sack (1816–1831) | Moritz Haubold von Schönberg (1831–1835) | Wilhelm von Bonin (1835–1852) | Ernst Senfft von Pilsach (1852–1866) | Ferdinand von Münchhausen (1867–1882) | Ulrich von Behr-Negendank (1883–1891) | Robert Viktor von Puttkamer (1891–1899) | Helmuth von Maltzahn (1900–1911) | Wilhelm von Waldow (1911–1917) | Hermann Freiherr von Ziller (1917–1918) | Georg Michaelis (1918–1919) | Julius Lippmann (1919–1930) | Carl von Halfern (1930–1933) | Franz Schwede (1935–1945) Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein