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Hans Leussink

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Datei:20. Tagung 1970 Chemiker- H. Leussink - LABW - Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 092443b.jpeg
Hans Leussink (1970)

Hans Leussink (* 2. Februar 1912 in Schüttorf, Kreis Bentheim; † 16. Februar 2008 in Karlsruhe) war ein deutscher Bauingenieur für Geotechnik, Hochschullehrer und Politiker. Er war von Oktober 1969 bis März 1972 parteiloser Bundesminister für Bildung und Wissenschaft.

Ausbildung, Beruf und Familie

Hans Leussink, Sohn von Gertie Leussink, geborener Barkemeyer, und des Architekten Gerhard Leussink, besuchte in Gronau das Gymnasium. Nach dem Abitur 1930 absolvierte Leussink ein Studium des Bauingenieurwesens in Dresden an der Technischen Hochschule, das er als Diplom-Ingenieur beendete. Schon als Student und auch nach dem Examen arbeitete er an den Autobahn-Planungen mit.<ref>Burkert, S. 13</ref> 1935 wurde er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Technische Mechanik der Bergakademie Freiberg (Sachsen) bei Franz Kögler.

Am 7. Oktober 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.804.923).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/25670336</ref><ref>BT-Drs. 17/8134 vom 14. Dezember 2011: Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion Die Linke ea.: „Umgang mit der NS-Vergangenheit“, S. 13 (PDF).</ref>

1937/38 arbeitete Leussink in einem Ingenieurbüro in Freiberg/Sachsen. Von 1939 bis 1946 war er Betriebsleiter am Erdbau-Institut an der Technischen Hochschule München. 1941 wurde er mit der Dissertation Versuche mit geländegängigen Erdbaugeräten unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses der Bodenart an der TH München zum Dr.-Ing. promoviert. 1942 wurde er als Soldat eingezogen, war aber nur ein knappes Jahr im Kriegsdienst in Russland, wo er verwundet wurde und wieder an die Technische Hochschule München zurückkehrte. Erneut eingezogen, wurde er Volkssturmmann und geriet als solcher in amerikanische Kriegsgefangenschaft.<ref>Burkert, S. 13</ref>

Nach dem Krieg und nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft war Leussink von 1946 bis 1952 im Architektur- und Ingenieurbüro seines Vaters in Schüttorf und parallel ab 1950 in Essen/Ruhr in einem eigenen Ingenieurbüro tätig.<ref>Burkert, S. 13</ref> Nach seiner Habilitation war er ab Oktober 1954 ordentlicher Professor für Grundbau, Tunnelbau und Baubetrieb an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wo er als Direktor des Instituts für Bodenmechanik und Felsmechanik das geotechnische Institut erheblich ausbaute und zu internationaler Geltung führte.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Institut für Bodenmechanik und Felsmechanik – Geschichtliches (Memento des Vorlage:IconExternal vom 30. Januar 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ibf.uni-karlsruhe.de.</ref>

Von 1956 bis 1958 amtierte er als Dekan der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, von 1958 bis 1961 als Rektor der TH Karlsruhe (ab 1967 Universität Karlsruhe). Er war von 1960 bis 1962 Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz und 1962/63 Vorsitzender des Ausschusses für Forschung und Hochschulwesen des Europarats. Von 1963 bis 1969 gehörte er außerdem dem Wissenschaftsrat an, ab 1965 als dessen Vorsitzender.

Hans Leussink war evangelisch, ab 1941 verheiratet mit Erika-Renate Leussink, geborener Hagemann, und lebte in Karlsruhe-Durlach.

Öffentliche Ämter

Am 22. Oktober 1969 wurde er als Bundesminister für Bildung und Wissenschaft in das erste Kabinett von Bundeskanzler Willy Brandt berufen. Im Rahmen dieser Aufgabe leitete er 1970/71 die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung. Er gehört zu den wenigen parteilosen Bundesministern in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Am 26. Januar 1972<ref name="spiegel-43019787">„Rückgriff aufs dritte Glied“. In: Der Spiegel. Nr. 6, 1972 (online31. Januar 1972).</ref> trat er von diesem Amt zurück;<ref>Er hatte Brandt Anfang Dezember 1971 um Entlassung gebeten; die Suche nach einem Nachfolger zog sich hin (Der Spiegel vom 31. Januar 1972).</ref> sein Nachfolger wurde am 15. März 1972 Klaus von Dohnanyi.

Ferner arbeitete Leussink in Aufsichtsgremien zahlreicher Institute, Stiftungen und Verbände mit, zum Beispiel seit 1972 als Senator der Max-Planck-Gesellschaft, ebenfalls seit 1972 Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Volkswagenwerk, seit 1973 Mitglied, ab 1978 Vorsitzender des Kuratoriums der Deutsch-Britischen Stiftung für das Studium der Industriegesellschaft, ebenfalls seit 1973 Vorsitzender des Auswahlausschusses für das US-Senior-Scientists-Programm der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, seit 1974 Vorsitzender des Kuratoriums des Max-Planck-Instituts für Kernphysik, seit 1975 Mitglied des Auswahlausschusses des John McCloy-Funds, seit 1976 Mitglied des Kuratoriums des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik.

Hans Leussink gehörte dem Kuratorium der 1968 ihre Tätigkeit aufnehmenden Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung seit deren Errichtung im Jahre 1967 an und hatte von 1979 bis 2007 das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden inne. Seitdem war er Ehrenmitglied des Kuratoriums. Er war zudem von 1967 bis 1969 und von 1972 bis 1998 Mitglied im Verwaltungsrat der Fried. Krupp GmbH und ab 1968 im Aufsichtsrat der Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp.

Trivia

Kein ehemaliger Bundesminister erreichte ein höheres Lebensalter als Hans Leussink mit 96 Jahren und 14 Tagen, bis Helmut Schmidt dies am 6. Januar 2015 erreichte.

Leussink blieb bis zum Jahr 1998 der letzte parteilose Bundesminister. Dies änderte sich, als Werner Müller als Bundeswirtschaftsminister in das Kabinett Schröder I berufen wurde.<ref>Bundesjustizminister Klaus Kinkel war 1991 zwei Tage vor seiner Ernennung der FDP beigetreten.</ref>

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Versuche mit geländegängigen Erdbaugeräten unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses der Bodenart (= Forschungsarbeiten aus dem Straßenwesen. Band 30). 1941.
  • Der Sicherheitsgrad im Erd- und Grundbau (= Der Bauingenieur. Heft 33). 1942.
  • Gedanken zur Erziehung des wissenschaftlichen Ingenieurs (= Karlsruher Akademische Reden. Neue Folge, Nr. 16).
  • als Hrsg.: Baugrund und -werk.

Ehrungen und Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

  • Ernst Elitz, Hayo Matthiesen: Mein Gott, was sollen wir denn tun? SPIEGEL-Gespräch mit dem Minister für Bildung und Wissenschaft Hans Leussink. In: Der Spiegel. Nr. 11, 1970, S. 38–46 (online).
  • Leussink, Hans. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 760.
  • Steffen Burkert, Ein Grafschafter als Minister in Brandts Bundeskabinett. Die kurze bundespolitische Karriere des gebürtigen Schüttorfers Hans Leussink (1912-2008). In: Ders. (Redaktionsleitung): Bentheimer. In: Das Bentheimer Land, Bd. 226/2019, S. 11–26.

Weblinks

Fußnoten

<references />

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Hans Leussink (parteilos, 1969–1972) | Klaus von Dohnanyi (SPD, 1972–1974) | Helmut Rohde (SPD, 1974–1978) | Jürgen Schmude (SPD, 1978–1981) | Björn Engholm (SPD, 1981–1982) | Dorothee Wilms (CDU, 1982–1987) | Jürgen Möllemann (FDP, 1987–1991) | Rainer Ortleb (FDP, 1991–1994) | Karl-Hans Laermann (FDP, 1994) | Jürgen Rüttgers (CDU, 1994–1998) | Edelgard Bulmahn (SPD, 1998–2005) | Annette Schavan (CDU, 2005–2013) | Johanna Wanka (CDU, 2013–2018) | Anja Karliczek (CDU, 2018–2021) | Bettina Stark-Watzinger (FDP, 2021–2024) | Cem Özdemir (Grüne, 2024–205) | Karin Prien (CDU, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Willy Brandt (SPD) | Walter Scheel (FDP) | Hans-Dietrich Genscher (FDP) | Gerhard Jahn (SPD) | Alex Möller (SPD) | Karl Schiller (SPD) | Helmut Schmidt (SPD) | Josef Ertl (FDP) | Walter Arendt (SPD) | Georg Leber (SPD) | Käte Strobel (SPD) | Lauritz Lauritzen (SPD) | Egon Franke (SPD) | Hans Leussink (parteilos) | Klaus von Dohnanyi (SPD) | Erhard Eppler (SPD) | Horst Ehmke (SPD) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang Gerhard Hess | Helmut Thielicke | Erwin Fues | Hermann Heimpel | Albert Kolb | Helmut Coing | Gerd Tellenbach | Hermann Jahrreiß | Hans Leussink | Julius Speer | Rudolf Sieverts | Walter Rüegg | Hans Rumpf | Gerald Grünwald | Gerd Roellecke | Werner Knopp | Hansjürg Steinlin | George Turner | Theodor Berchem | Hinrich Seidel | Hans-Uwe Erichsen | Klaus Landfried | Peter Gaehtgens | Margret Wintermantel | Horst Hippler | Peter-André Alt | Walter Rosenthal Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang Helmut Coing | Ludwig Raiser | Hans Leussink | Reimar Lüst | Theodor Heidhues | Wilhelm A. Kewenig | Andreas Heldrich | Hans-Jürgen Engell | Heinz Heckhausen | Kurt Kochsiek | Dieter Simon | Gerhard Neuweiler | Karl-Heinz Hoffmann | Dagmar Schipanski | Winfried Schulze | Karl Max Einhäupl | Peter Strohschneider | Wolfgang Marquardt | Manfred Prenzel | Martina Brockmeier | Dorothea Wagner Vorlage:Klappleiste/Ende

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