Acker-Senf
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| Acker-Senf | ||||||||||||
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| Datei:Sinapis arvensis pont-aval-revigny-ornain 55 05062005 2.JPG
Acker-Senf (Sinapis arvensis) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Sinapis arvensis | ||||||||||||
| L. |
Der Acker-Senf (Sinapis arvensis) oder Ackersenf, Falscher Hederich oder Wilder Senf ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Senfe (Sinapis) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie wird schon lange genutzt und war schon in der Bronzezeit ein häufiges „Unkraut“.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Acker-Senf ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimeter erreicht. Der Stängel ist aufrecht, kantig gefurcht, meist ästig und im unteren Teil abstehend behaart.<ref name="Markgraf1958" />
Die unteren Laubblätter sind mit dem Stiel bis zu 20 Zentimeter lang und 6 Zentimeter breit, sind stark gegliedert bis leierförmig gefiedert mit einem großen Endabschnitt. Sie sind mehr oder weniger borstig behaart.<ref name="Markgraf1958" /> Die oberen Blätter sind kleiner, im Mittel etwa 5 Zentimeter lang und 2 Zentimeter breit; sie sind kurz gestielt oder sitzend, eiförmig oder länglich, meist ungeteilt und scharf und unregelmäßig gezähnt.<ref name="Markgraf1958" />
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober. Die Blütenstände sind endständige Trauben, die zunächst halbkugelig-doldentraubig sind, sich aber beim Abblühen strecken und locker werden.<ref name="Markgraf1958" /> Die Blütenstiele sind dünn, kahl oder borstig behaart.<ref name="Markgraf1958" />
Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und vierzählig. Die vier waagerecht abstehenden Kelchblätter sind bei einer Länge von 5 bis 6 Millimetern sowie einer Breite von 2,5 bis 3 Millimetern elliptisch und meist kahl.<ref name="Markgraf1958" /> Die Kronblätter sind fast doppelt so lang wie der Kelch. Die vier schwefel-gelben Kronblätter sind 5 bis 6 Millimeter lang und 4 Millimeter breit.<ref name="Markgraf1958" /> Die rundlich verkehrt-eiförmige Platte ist am Grund plötzlich zusammengezogen in einen sehr schlanken Nagel.<ref name="Markgraf1958" /> Die Blüte besitzt sechs lange Staubblätter, wovon sich zwei außen und vier innen befinden.
Die Schote ist kahl, stielrund und etwas perlschnurartig eingeschnürt mit 8 bis 13 Samen in zwei Fächern und drei bis fünf geraden, starken Nerven auf jeder Fruchtklappe. Sie ist 2,5 bis 4 Zentimeter lang und 2,5 bis 3 Millimeter dick.<ref name="Markgraf1958" /> Die Schote läuft in einen 1 bis 1,5 cm langen, fast runden, geraden Schnabel aus. Der Stiel der Schote ist aufrecht oder mehr oder weniger abstehend und 4 bis 7 Millimeter lang.<ref name="Markgraf1958" /> Die schwarzen Samen sind bei einem Durchmesser von 1 bis 1,3 Millimetern kugelig. Die Samenschale ist dunkelrot oder schwärzlich-braun fast glatt und verschleimt bei Benetzung stark.<ref name="Markgraf1958" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.<ref name="Oberdorfer2001" />
Vorkommen
Der Acker-Senf ist ein Archäophyt und wurde mit dem Ackerbau aus dem Mittelmeerraum in die nördlichen Regionen Europas eingeschleppt. Sein Heimatgebiet ist Europa, Asien und Nordafrika.<ref name="GRIN" /> In den gemäßigten Zonen ist er darüber hinaus weltweit verbreitet.
Der Acker-Senf kommt verbreitet in Unkraut-Fluren, auf Brachen, an Wegen und Schuttplätzen vor. Er bevorzugt nährstoff- und basenreiche Böden, ist ein Lehmzeiger und tritt oft in großen Gruppen auf.<ref name="Oberdorfer2001" /> Er gedeiht in Mitteleuropa in Gesellschaften der Verbände Caucalidion, Aperion, Fumario-Euphorbion oder Sisymbrion.<ref name="Oberdorfer2001" /> Er gedeiht in Deutschland in einem Boden mit pH-Wert 6,4 bis 7,7.<ref name="Markgraf1958" />
Nach Ellenberg ist er eine Halblichtpflanze, ein Mäßigwärmezeiger und eine Klassencharakterart der Getreide-Beikrautfluren (Secalietalia).<ref name="Ellenberg1996" /> Acker-Senf wächst in der Ebene und im Gebirge bis 1000 m Höhe<ref name="Düll2005" />, nach Erich Oberdorfer sogar bis 1230 m Höhe.<ref name="Oberdorfer2001" /> Am Riffelberg bei Zermatt wurde die Art sogar in 2565 Meter beobachtet.<ref name="Markgraf1958" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten von Sinapis arvensis (Syn.: Brassica kaber var. pinnatifida <templatestyles src="Person/styles.css" />(Stokes) L.C.Wheeler<ref>Robert Zander: Handwörterbuch der Pflanzennamen. 13. Auflage, hrsg. von Fritz Joseph Encke, Arno Fritz Günther Buchheim, Siegmund Seybold, Eugen Ulmer, Stuttgart 1984, S. 488.</ref>):
- Sinapis arvensis <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. arvensis
- Sinapis arvensis subsp. allionii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jacq.) Baillarg.: Sie kommt nur in Ägypten vor.<ref name="GRIN" />
Ökologie
Der Acker-Senf ist sommerannuell<ref name="Düll2005" /> und wurzelt über einen Meter tief.<ref name="Oberdorfer2001" />
Seine Blüten sind homogame bis vorweibliche „Nektar führende Scheibenblumen“. Sie haben eine Lebensdauer von zwei Tagen.<ref name="Markgraf1958" /> Der Kelch steht an den geöffneten Blüten ab, weshalb der Nektar offen dargeboten wird. Die Pollen spendende Seite der Staubbeutel weist zur Reife nach oben. Die gelben Kronblätter besitzen, außer im zentralen Teil, eine hohe UV-Reflexion. Bestäuber sind Käfer, Bienen, Fliegen und Schmetterlinge. Er ist eine gute Bienenweide.<ref name="Markgraf1958" /> Selbstbestäubung ist aber häufig.<ref name="Düll2005" />
Die Früchte sind Schoten mit einem samenfreien oberen Abschnitt. Sie öffnen sich durch Austrocknung selbst. Die Art ist ein Selbst-, Wind- und Tierstreuer. Durch Menschenausbreitung ist sie zum Kulturbegleiter geworden. Die kugeligen Samen besitzen eine Samenschale, die bei Feuchtigkeit schleimig aufquillt. Dadurch findet auch Klebverbreitung statt. Kräftige Exemplare können bis zu 25.000 Samen erzeugen.<ref name="Markgraf1958" /> Die Samen sind lange Jahre keimfähig, kommen aber nur nahe der Bodenoberfläche zur Keimung.<ref name="Düll2005" /> Die Samen behalten ihre Keimfähigkeit im Boden 25 bis 50 Jahre.<ref name="Markgraf1958" /> Sie können auch durch zehnjähriges Umpflügen kaum entfernt werden.<ref name="Markgraf1958" />
Stechend riechende, scharfe Senföle schützen verwundete Pflanzen vor Pilzbefall und Pflanzenfressern. Die Raupen der Kohlweißlinge bevorzugen jedoch Pflanzen mit Senfölen, die auch in den erwachsenen Schmetterlingen noch nachweisbar sind und die Raupen vor Fressfeinden schützen. Unter den Senfölen ist Sinigrin nachgewiesen.<ref name="Markgraf1958" /> Der Gehalt an ätherischen Senfölen ist nur wenig geringer als beim Schwarzen Senf (Brassica nigra).<ref name="Markgraf1958" />
Die Samen sind giftig für Vögel.<ref name="Markgraf1958" />
Die Asche der Pflanzenteile ist reich an Kalium, Kalzium, Phosphor und Magnesium.<ref name="Markgraf1958" />
Verwendung
Die Samen können denen des Weißen Senfs (Sinapis alba) beigemischt werden. Feingehackte Blätter können als Gewürz dienen. Blütenknospen können wie Brokkoli zubereitet werden. Krautige Teile sind nach längerem Kochen als Gemüse geeignet.<ref name="Düll2005" />
Quellen
Literatur
- Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur. Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5.
- Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.
- Tai-yien Cheo, Lianli Lu, Guang Yang, Ihsan Al-Shehbaz, Vladimir Dorofeev: Sinapis. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 8: Brassicaceae through Saxifragaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2001, ISBN 0-915279-93-2. Sinapis arvensis Linnaeus., S. 23 – textgleich online wie gedrucktes Werk
Einzelnachweise
<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Sinapis arvensis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Ellenberg1996"> </ref> <ref name="Düll2005"> </ref> <ref name="Markgraf1958"> Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. S. 468–472. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Verlag Carl Hanser, München 1958. </ref> </references>
Weblinks
- Sinapis arvensis L., Acker-Senf. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Acker-Senf. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- heilkräuter.de – Acker-Senf als Heilpflanze.