Jockel Fuchs
Jakob „Jockel“ Fuchs (* 11. Dezember 1919 in Hargesheim bei Bad Kreuznach; † 6. März 2002 in Mainz) war ein deutscher Politiker (SPD). Als solcher war er unter anderem Mitglied des Landtages sowie von 1965 bis 1987 Oberbürgermeister der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.
Leben
Jockel Fuchs besuchte die Volksschule und bestand 1938 die Abiturprüfung. Am 2. Juni 1938 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. September desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.950.499).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/9990498</ref><ref name="Fuchs">Carsten Dirx: Rheinland-Pfälzische Bibliographie. Abgerufen am 24. Mai 2020.</ref> In den Jahren 1938 und 1939 absolvierte er ein Volontariat beim nationalsozialistischen Nationalblatt in Bad Kreuznach. Von 1939 bis 1945 diente Fuchs im Reichsarbeitsdienst sowie der Wehrmacht. Während des Zweiten Weltkriegs war er zuletzt im Rang eines Leutnants der Luftwaffe in Norwegen eingesetzt<ref name="Fuchs"/><ref>Bundesarchiv, BS 63-1 Kartei</ref> und wurde dort am 9. Mai 1945 gefangen genommen. Als Kriegsgefangener wurde er über das sogenannte Feld des Jammers, dem Rheinwiesenlager Bretzenheim bei Bad Kreuznach, wo er 14 Tage unter freiem Himmel untergebracht war, in ein Lager in der Nähe von Le Mans gebracht.<ref>Jockel Fuchs: Mainzer Jahre – schöne Jahre, Erinnerungen 1945 bis 1947, S. 10</ref> Am 25. November 1947 wurde er aus der französischen Kriegsgefangenschaft entlassen.<ref>Bundesarchiv, ZA 13/8485</ref><ref>Jockel Fuchs: Mainzer Jahre schöne Jahre, Erinnerungen 1945–1997, S. 10</ref>
Im Jahr 1948 trat Fuchs der SPD bei und war seit dem 1. März desselben Jahres als Redakteur bei der sozialdemokratischen Zeitung Freiheit tätig, deren Chefredakteur er im Jahr 1957 wurde.<ref>Jockel Fuchs: Mainzer Jahre – schöne Jahre, Erinnerungen 1945–1997, S. 10</ref><ref>Die 100 größten Rheinland-Pfälzer: Fuchs, Jockel. Mainzer Oberbürgermeister zum Anfassen – Schon zu Lebzeiten eine Legende. In: www.swr.de. Südwestrundfunk, 14. August 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Dezember 2013; abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref> Im Jahr 1949 wurde er Vorsitzender der Jusos Mainz, was er bis 1952 blieb. In den Jahren 1955 bis 1975 war er Mitglied der SPD-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag, deren Fraktionsvorsitzender er in den Jahren 1970 und 1971 war. Von 1966 bis 1970 war er auch Vorsitzender der SPD Rheinland-Pfalz. Von 1962 bis 1973 gehörte Fuchs dem SPD-Parteivorstand an. Im Jahr 1962 wurde er Mitglied des ZDF-Fernsehrates, dessen Vorsitzender er ab 1976 bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1992 war. Im Mai 1965 wurde Fuchs zum Oberbürgermeister von Mainz gewählt, nachdem der Stadtrat im Januar desselben Jahres gegen eine Verlängerung der Amtszeit von Franz Stein gestimmt hatte. Dieses Amt des Stadtoberhaupts von Mainz hatte Fuchs bis Mai 1987 inne.
Jockel Fuchs starb im März 2002 nach längerer Krankheit im Alter von 82 Jahren. Er wurde auf dem Hauptfriedhof Mainz bestattet.<ref>knerger.de: Das Grab von Jockel Fuchs</ref> Fuchs war seit 1951 verheiratet und hinterließ zwei Söhne.
Bedeutung als Oberbürgermeister
In seiner Amtszeit als Oberbürgermeister erlangte der volkstümlich eingestellte Jockel Fuchs überaus große Beliebtheit, seine unkonventionelle Amtsführung und sein guter Draht zu den Bürgern der Stadt trugen ihm einen legendären Ruf ein. Es wurde ihm nachgesagt, „populärster Mainzer seit Gutenberg“<ref>„Der populärste Mainzer seit Gutenberg“ Sonderseite der Allgemeinen Zeitung Mainz vom 7. März 2002</ref> zu sein.
Der Aufstieg der Stadt Mainz zu einer modernen Großstadt in den 1960ern und 1970ern ist maßgeblich mit dem Namen von Fuchs verbunden. Dazu gehörten vor allem die Ansiedlung des ZDF<ref>Gestorben: Jockel Fuchs. Der Spiegel vom 11. März 2002.</ref><ref>Die 100 größten Rheinland-Pfälzer: Fuchs, Jockel. Mainzer Oberbürgermeister zum Anfassen – Schon zu Lebzeiten eine Legende. In: www.swr.de. Südwestrundfunk, 14. August 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Dezember 2013; abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref> auf dem Lerchenberg und des IT-Unternehmens IBM. Auch die Rheingoldhalle, das erste Hilton auf bundesdeutschem Gebiet und das Einkaufszentrum „Am Brand“ entstanden in dieser Zeit in der Mainzer Innenstadt. Des Weiteren wurden 1969 die sechs Vororte Drais, Ebersheim, Finthen, Hechtsheim, Laubenheim und Marienborn nach Mainz eingemeindet.
Fuchs setzte die von seinem Vorgänger Franz Stein begonnene Politik der Völkerverständigung fort. In seiner Amtszeit wurden Zagreb (1967), Valencia (1978) und Haifa (1987) Partnerstädte von Mainz. Am 23. Mai 1978 empfing er die britische Königin Elisabeth II. und Prinz Philip zu einem Staatsbesuch in Mainz.<ref>Foto: Jockel Fuchs trifft die Queen. Studierendenrevolte, Queenbesuch, Niki Laudas Unfall – Die Siebziger Jahre in Rheinland-Pfalz. In: www.swr.de. Südwestrundfunk, 25. Dezember 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Dezember 2013; abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref> Das Verschwinden des englischen Redemanuskripts überspielte Fuchs dabei gegenüber den Staatsgästen, laut seiner eigenen Aussage, mit seinem bekannt gewordenen Denglisch-Zitat:
„And now we go enunner, in die Druckerwerkstatt.“<ref>Nachruf auf Spiegel.de, abgerufen am 6. Oktober 2015</ref><ref>Queen-Besuch in Mainz 1978 „Your Majesty, now we go 'enunner'“. Politiker und Journalist – Jakob „Jockel“ Fuchs. In: www.swr.de. Südwestrundfunk, 14. August 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. August 2017; abgerufen am 27. Dezember 2025.</ref>
Auszeichnungen
- Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1970)
- Ehrendoktorwürde der Chung-ang-Universität Seoul (1971)
- Großes Silbernes Ehrenzeichen mit Stern der Republik Österreich<ref>Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)</ref> (1973)
- Leibniz-Medaille der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (1974)
- Großes Bundesverdienstkreuz (1974) mit Stern (1979) und Schulterband (1987)
- Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz (1991)
- Honorarkonsul von Kroatien (1994)
- Orden des Kroatischen Flechtwerks (1998)
- Mainzer Ehrenbürger (1998)
Würdigungen
- Jockel-Fuchs-Platz vor dem Rathaus von Mainz (postum zum ersten Jahrestag seines Todes 2003)
Literatur
- Werner Hanfgarn, Erich Stather: Allerlei Füchse zu märchenhafter Verwendung anheim gegeben von siebenunddreissig Zeitgenossinnen und Genossen. Schmidt, Mainz 1989, ISBN 3-87439-206-6.
- Werner Hanfgarn, Erich Stather (Hrsg.): Botschaften an Jockel : Erfundene Briefe aus der Vergangenheit von Drusus bis zum Geiger-Fränzje. Aus Anlass der Vollendung der Amtszeit von Oberbürgermeister Jockel Fuchs. Schmidt, Mainz 1987, ISBN 3-87439-138-8.
- Werner Hanfgarn, Erich Stather: Der Fuchs : 20 Jahre Oberbürgermeister der Stadt Mainz. Ein Erinnerungsbuch. Krach, Mainz 1985, ISBN 3-87439-116-7.
- Werner Hanfgarn: Jockel Fuchs : Episoden aus 60 Jahren. Krach, Mainz 1979, ISBN 3-87439-066-7.
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erinnerung an einen großen Mainzer ( vom 5. Mai 2004 im Internet Archive) – von Jens Beutel
- Literatur von und über Jockel Fuchs im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das Mainzer Aushängeschild ( vom 21. August 2017 im Internet Archive), Artikel zum 50. Jubiläum der Amtseinführung, 30. April 2015.
- Biografie auf regionalgeschichte.net
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
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Franz Konrad Macké |
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fuchs, Jockel |
| ALTERNATIVNAMEN | Fuchs, Jakob |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (SPD), MdL und Oberbürgermeister von Mainz |
| GEBURTSDATUM | 11. Dezember 1919 |
| GEBURTSORT | Hargesheim, Bad Kreuznach |
| STERBEDATUM | 6. März 2002 |
| STERBEORT | Mainz |
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- Oberbürgermeister (Mainz)
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