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Rathenow

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Wappen Deutschlandkarte
Datei:DEU Rathenow COA.svg
Basisdaten
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city 52° 36′ N, 12° 20′ O keine Zahl: {{Metadaten Einwohnerzahl DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code|12063252}}Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city 52° 36′ N, 12° 20′ O
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  }}
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Höhe: 29 m ü. NHN
Fläche: Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „{“ km²
Einwohner: {{Metadaten Einwohnerzahl DE−Vorlage:Deutsches Bundesland/Code|12063252}} (Fehler: Ungültige Zeitangabe)<ref name="Metadaten Einwohnerzahl DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code">{{Metadaten Einwohnerzahl DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code QUELLE}}</ref>
Bevölkerungsdichte: Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „{“ Einwohner je km²
Postleitzahl: 14712
Vorwahl: 03385
Kfz-Kennzeichen: HVL, NAU, RN
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 252
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Berliner Straße 15
14712 Rathenow
Website: www.rathenow.de
Bürgermeister: Jörg Zietemann (parteilos)
Lage der Stadt Rathenow im Landkreis Havelland
<imagemap>

Bild:Rathenow in HVL.png|rahmenlos|300x375px|zentriert|Karte poly 234 173 217 165 225 152 235 153 237 150 249 152 264 155 257 158 257 170 247 171 243 164 Brieselang poly 275 216 275 196 284 194 286 180 261 174 257 174 260 186 250 197 261 219 271 222 Dallgow-Döberitz poly 285 180 254 174 256 166 259 157 270 152 278 154 284 156 288 167 293 167 291 182 Falkensee poly 140 114 132 95 144 81 167 79 156 71 145 60 133 60 118 52 114 69 120 72 117 84 107 81 107 97 122 95 122 103 Friesack poly 80 105 74 102 64 101 61 89 65 76 70 72 79 83 86 81 87 91 90 98 Gollenberg (Havelland) poly 60 75 73 69 72 56 50 63 44 62 Großderschau poly 25 123 36 119 55 104 53 95 45 85 33 78 41 63 37 58 21 62 17 85 Havelaue poly 221 226 229 203 224 197 224 189 210 181 203 178 195 173 188 193 177 207 174 228 201 211 206 223 Ketzin/Havel poly 102 120 110 108 121 102 122 96 106 92 106 75 83 79 Kleßen-Görne poly 117 145 122 136 137 136 134 128 122 127 110 108 93 120 103 127 94 137 98 145 Kotzen (Havelland) poly 124 191 136 184 157 184 162 180 144 169 149 161 161 157 146 146 126 159 111 170 109 161 101 165 115 169 109 182 Märkisch Luch poly 51 231 48 214 53 202 38 204 28 187 26 189 22 200 10 197 15 187 11 183 2 187 5 171 14 167 9 147 24 148 27 139 24 148 35 156 42 158 41 165 33 168 30 182 44 180 55 191 69 200 79 200 80 211 91 214 76 226 62 232 Milower Land poly 142 142 150 122 160 113 153 111 141 111 128 103 115 105 110 110 Mühlenberge poly 179 204 190 189 196 170 206 178 211 178 226 162 211 154 225 151 254 150 256 136 223 133 238 114 248 110 237 96 201 108 194 110 183 108 185 135 177 133 168 151 154 161 142 169 169 177 168 189 Nauen poly 112 183 113 173 100 164 116 158 113 169 129 159 137 149 139 136 130 136 120 144 100 144 90 157 82 158 68 153 69 177 88 177 Nennhausen poly 169 152 177 134 186 139 181 108 175 106 154 114 167 129 170 122 169 131 161 139 Paulinenaue poly 146 148 149 140 163 127 156 114 148 125 143 134 140 151 Pessin poly 74 208 80 198 74 178 89 173 69 175 68 157 59 168 45 180 Premnitz poly 44 178 59 169 63 159 75 156 83 156 79 144 77 130 73 122 51 122 33 122 30 122 28 139 24 154 44 154 45 169 31 170 31 185 Rathenow poly 157 160 165 149 164 134 167 134 171 122 162 130 144 144 Retzow poly 55 96 49 88 33 75 41 64 52 71 61 72 65 81 63 102 Rhinow poly 286 159 294 152 295 142 279 134 276 121 256 121 256 111 241 107 221 133 254 132 255 155 Schönwalde-Glien poly 76 123 84 110 92 94 78 108 72 101 53 98 50 111 31 120 Seeblick poly 79 152 79 134 68 121 80 116 91 97 97 109 92 122 97 123 98 131 95 136 102 144 90 156 Stechow-Ferchesar poly 158 109 176 99 164 91 166 79 144 79 136 93 136 110 Wiesenaue poly 228 199 254 199 259 181 257 166 238 166 232 170 218 165 211 185 225 185 Wustermark

poly 296 108 297 1 192 0 192 49 244 104 Brandenburg

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Vorlage:Check Geschlecht gegen Wikidata

Datei:Blick von den Mühlen auf Rathenow.jpg
Blick von den Mühlen auf Rathenow
Datei:Hafenpromenade.jpg
Blick auf die Hafenpromenade

Rathenow <templatestyles src="IPA/styles.css" />[ˈʁaːtʰənoː] <phonos file="De-Rathenow.ogg"></phonos> ist eine amtsfreie Stadt an der Havel, etwa 70 Kilometer westlich von Berlin und Kreisstadt des Landkreises Havelland in Brandenburg. Seit dem 13. Mai 2013 führt die Mittelstadt offiziell die Zusatzbezeichnung „Stadt der Optik“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mitteilung. (Memento vom 10. Januar 2014 im Internet Archive) (PDF) Innenministerium Brandenburg</ref>

Geografie

Rathenow liegt im Westen des Landkreises Havelland und grenzt an das Land Sachsen-Anhalt (Landkreis Stendal). Die Havel durchfließt das Stadtgebiet.

Nachbargemeinden

Havelaue Seeblick
Schollene
(Landkreis Stendal)
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Stechow-Ferchesar
Milower Land Premnitz Nennhausen

Stadtgliederung

Laut Hauptsatzung sind neben der Kernstadt als Ortsteile ausgewiesen (eingerückt zugehörige Wohnplätze):<ref name="Hauptsatzung" />

  • Semlin
    • Heidekrug
    • Lötze
    • Semlin Ausbau
  • Steckelsdorf
    • Bölkershof
    • Ludwigslust
    • Steckelsdorf Ausbau

Weitere Wohnplätze gehören zum Gebiet der Kernstadt:<ref>Kommunalverzeichnis des Landes Brandenburg. Stadt Rathenow</ref>

  • Neue Schleuse (Rathenow-West)
  • Nordsiedlung
  • Stadtrandsiedlung
  • Südsiedlung
  • Vogelgesang
  • Waldsiedlung
  • Wolzensee
  • Wolzensiedlung

Innerhalb des Stadtgebiets Rathenow liegen außerdem die Stadtteile bzw. Ortslagen Altstadt und Rathenow-Ost.

Geschichte

Datei:Rathenow-1633-Merian.jpg
Rathenow, 1633
Datei:Rathenow um 1800.jpg
Rathenow, um 1800

Siedlungsanfänge und Entwicklung bis in das späte Mittelalter

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Datei:Burgwall Steckelsdorf.jpg
Burgstall des slawischen Burgwalls „Alt Rathenow“

Schon in prähistorischer Zeit wurde die Gegend um Rathenow besiedelt. Mehrere slawische Burgwälle, wie der Burgwall Stremmewiese sind nachweisbar und als Burgställe erhalten. Im Jahr 1157 wurde auf dem Gebiet der heutigen Steckelsdorfer Gemarkung am Westufer der Havel der Burgwall „Alt Rathenow“ erwähnt, der als Ursprung der Stadt gilt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Ratenowe datiert auf den 28. Dezember 1216, als der Brandenburger Bischof Siegfried II. bei seiner Amtsübernahme dem Brandenburger Domkapitel seine Archidiakonatsrechte bestätigte. Eine spätromanische Kreuzbasilika entstand 1220 als Vorgängerbau der heutigen Sankt-Marien-Andreas-Kirche auf dem Kirchberg, 1288 erhielt der Ort die Gerichtsbarkeit. Im Jahr 1295 verlieh Markgraf Otto IV. Rathenow das Stadtrecht. Von 1517 bis 1562 erfolgte der Umbau der Kirche zu einer spätgotischen Hallenkirche, 1564 erfolgt der Bau des 1945 zerstörten Rathauses. Unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden. Es wohnten 1648 nur noch 40 Menschen in der Stadt.

Die Stadt vom 17. bis ins 20. Jahrhundert

Vorlage:Hinweisbaustein

Nach dem Schwedeneinfall 1674/75 fand während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges am 15. Juni 1675 die Schlacht von Rathenow statt, die die brandenburgischen Truppen gewannen. In der Schlacht bei Fehrbellin erlitten die Schweden drei Tage später die kriegsentscheidende Niederlage.

Rathenow wird als eine der Wiegen der industriellen Optik in Deutschland bezeichnet. Johann Heinrich August Duncker entwickelte in Rathenow die erste Vielspindelschleifmaschine zur rationellen Herstellung von Brillengläsern und begründete dort 1801 die optische Industrie. Sein Sohn und später sein Enkel Emil Busch führten die Optische Industrie Anstalt erfolgreich fort und die spätere Emil Busch AG wurde eines der führenden Unternehmen für optische Erzeugnisse in Europa. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden weitere Groß-, Mittel- und Kleinstbetriebe gegründet darunter die spätere zweitgrößte Firma Nitsche & Günther.

Datei:Wusterwitz-Rathenower-Ziegelei-AG 1873.jpg
Aktie über 600 Mark der Wusterwitz-Rathenower-Ziegelei AG vom 1. Juli 1873 mit Darstellung einer Ringofenziegelei.

Bekannt war auch die Ziegelindustrie; ein Großteil der Ziegel für die Bauten von Schloss Sanssouci, des Holländischen Viertels in Potsdam und des Roten Rathauses in Berlin stammen aus Rathenower Produktion. Die Industrie entwickelte sich im 19. Jahrhundert durch den anhaltenden Bauboom in Berlin und Brandenburg zu einem bedeutenden Arbeitgeber der Region. Entlang der Havel von Plaue bis Havelberg entstanden über 50 Betriebe. Der Name Rathenow wurde zur Marke und wurde in Form von Ziegelstempeln auf die Ziegelerzeugnisse aufgebracht (siehe Liste Rathenower Ziegelstempel). Auf dem Rathenower Stadtgebiet gab es bereits seit dem Mittelalter eine Stadtziegelei, später entstanden weitere Ziegeleien am Havelufer. Nach 1920 wurden die meisten Ziegeleien geschlossen, da der Rohstoff langsam zur Neige ging und die Produktion dadurch unrentabel wurde. Von dem einst bedeutenden Industriezweig sind nur wenige bauliche Relikte erhalten, darunter beispielsweise eine Gebäudegruppe des ehemaligen Verblendsteinwerks C. G. Matthes & Sohn an der Herrenlanke im Süden der Stadt und die Villa Schuwardt in Nordend.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat im Jahr 1816 war Rathenow Kreisstadt des Kreises Westhavelland im Regierungsbezirk Potsdam der Provinz Brandenburg. Nachdem der erste Landrat des neuen Landkreises Waldemar von der Hagen zunächst von seinem Gut in Hohennauen aus die Verwaltung übernommen hatte, verlegte er 1824 den Landratssitz nach Rathenow. In der Berliner Straße entstand das erste Landratsamt, welches von einem Neubau, 1893–1895 von Franz Schwechten errichtet, am damaligen Kaiser-Wilhelm-Platz, heute Platz der Freiheit, abgelöst wurde. Rathenow wurde 1851 wieder Garnisonstadt, nachdem nach gewaltsamen Protesten während der Revolution von 1848 die letzte Garnison abgezogen worden war. Die in den Bürgerhäusern untergebrachten Soldaten erhielten ab 1889 ein neues Quartier in der Bahnhofstraße. Von 1889 bis 1891 wurde die Zietenhusarenkaserne mit einfach gegliederten Ziegelbauten errichtet.

Am 1. Juni 1925 schied die Stadtgemeinde Rathenow aus dem Landkreis Westhavelland aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis<ref>Bekanntmachungen der Ministerien. In: Amtsblatt der Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, 6. Juni 1925, S. 233; online.</ref>, der als Enklave mitten im Kreisgebiet lag. Die Kreisstadt für das Westhavelland blieb Rathenow mit seinem Landratsamt.

In der Zeit des Nationalsozialismus war in der Kaserne der Zietenhusaren die Polizeireitschule Rathenow untergebracht. Das Bethaus der Jüdischen Gemeinde in der Fabrikenstraße 2 wurde während des Novemberpogroms 1938 verwüstet und später von der NSV in ein Kinderheim umgewandelt. Heute befindet sich dort eine Einrichtung der Pestalozzischule für Lernbehinderte. Im Zweiten Weltkrieg errichteten die Nationalsozialisten an der Milower Landstraße das KZ-Außenlager Rathenow als Außenlager des KZ Sachsenhausen, in dem mindestens 1000 Männer (nach anderen Angaben auch Frauen) Zwangsarbeit in den Arado-Flugzeugwerken verrichten mussten. Außerdem wurden in 33 Rathenower Lagern mindestens 4975 Zwangsarbeiter und in 12 Westhavelländer Lagern mindestens 2070 Zwangsdeportierte ausgebeutet (Stand 1943/44).<ref>Zur Geschichte – Zwangsarbeit: RAA Brandenburg, Interkultur. Beiträge Nr. 17 Fremdarbeiter in der NS-Zeit, S. 20–35.</ref><ref>Archiv Kulturzentrum Rathenow; Akte Emil Busch AG Rathenow, Berliner Str. 5; Barackenlager – Bauunterlagen, Pacht- und Mietverträge</ref><ref>Märkische Allgemeine Zeitung – Berichte 2001–2002 von Zeitzeugen</ref><ref>Broschüre Zwangsarbeit während der Zeit des Faschismus in Rathenow/Westhavelland von Dieter Seeger (2012)</ref> Die Emil Busch AG betrieb sechs eigene Lager mit mindestens 1600 Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern (1943/44). Alle Lager waren den Betrieben zugeordnet. Im Arbeitskommando des Kriegsgefangenenlagers STALAG IIIA (Lange Pannen) waren mehr als 166 Gefangene zur Zwangsarbeit konzentriert.

Rathenow wurde am 22. März 1944 durch amerikanische Luftangriffe getroffen, wobei mehrere Menschen getötet wurden. Am 18. April 1944 wurden durch Bombenabwurf eines US-amerikanischen Bomberverbandes rund 55 Menschen getötet<ref>Luftangriff. Am 18. April 1944, moz.de. Abgerufen am 17. September 2020.</ref> (nach anderen Angaben 60) und 2200 Bewohner obdachlos.<ref name="rathenow-geschichte">Chronik. In: Website der Stadt Rathenow. Stadt Rathenow, abgerufen am 1. Februar 2026.</ref> Kurz vor Kriegsende im Mai 1945 kämpften einige versprengte deutsche Truppen gemeinsam mit dem Volkssturm unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Keitel gegen die anrückende Rote Armee, wobei etwa 70 Prozent der Stadt zerstört wurden.<ref name="rathenow-geschichte" />

Vom 3. Juni 1945 bis um den 7. Juli 1945 waren im Rathenower Stadtforst die teils verkohlten menschlichen Überreste von Adolf und Eva Hitler, der Familie Goebbels und des letzten Generalstabschefs des Heeres im Zweiten Weltkrieg, Hans Krebs, vergraben. Anschließend wurde die Leichen nach Stendal transportiert.<ref>Harald Sandner: Vom Führerbunker zur Schweinebrücke, Shaker Media, Düren 2023. ISBN 978-3-95631-949-5, S. 143–148</ref>

Nach 1945

Ein Jahr nach dem Krieg begann der Wiederaufbau der zerstörten Innenstadt. Unter Leitung von Haesler wurden am heutigen Platz der Jugend erste Musterbauten errichtet. Die ehemalige Webersiedlung Neufriedrichsdorf wurde 1940 eingemeindet, 1950 wurde Rathenow der Status einer kreisfreien Stadt entzogen. Gleichzeitig wurden die Gemeinde Neue Schleuse sowie die vorgelagerte Magazininsel Teil des Stadtgebiets. Mit der Verwaltungsreform in der DDR im Jahr 1952 wurde die Stadt Verwaltungssitz des Kreises Rathenow im Bezirk Potsdam.

Ab 1948 begann der Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Altstadt. Die städtebauliche Struktur wurde bis auf die ungefähre Lage der Straßen vollständig verändert. Die Straßenprofile wurden erheblich aufgeweitet, statt der geschlossenen Straßenfronten aus vielen Einzelbauten entstanden langgestreckte Häuser und zueinander im rechten Winkel stehende Hauszeilen. Am 17. Juni 1953 begannen im Zusammenhang mit dem gegen den Machtanspruch der SED gerichteten Volksaufstand auch in Rathenow heftige Proteste. Dabei wurde der Betriebsschutzleiter des HO-Geschäfts und SED-Mitglied Wilhelm Hagedorn von aufgebrachten Demonstranten so schwer verletzt, dass er kurz darauf im Krankenhaus an einer Gehirnblutung starb.<ref name="Volksaufstand" />

Während der Zeit der DDR arbeiteten im VEB Rathenower Optische Werke (ROW) mehrere tausend Menschen. Ein Großteil der Länder des RGW wurde von hier aus mit Brillen und optischen Geräten beliefert. Mit der deutschen Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion im Jahr 1990 brachen diese Märkte schlagartig weg.

Im November 1989 kam es wie in anderen Städten der DDR zu Protestkundgebungen. Erste Treffen fanden in der evangelischen Lutherkirche statt. Anschließend sammelten sich zum Höhepunkt der Proteste rund 15.000 Menschen und zogen demonstrierend durch die Stadt zum Märkischen Platz. Es fanden mehrere Runde Tische mit Vertretern der Demonstrierenden sowie Vertretern der Stadt statt.

Am 6. Dezember 1993 wurde Rathenow im Rahmen der Kreisreform Kreisstadt des Landkreises Havelland. Im Zuge der Ämterreform bildeten die selbstständigen Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf sowie die Stadt Rathenow das Amt Rathenow.

Die oben genannten fünf Gemeinden wurden mit Wirkung vom 31. Dezember 2001 in die Stadt Rathenow eingegliedert und das Amt Rathenow zur gleichen Zeit aufgelöst.<ref name="Auflösung" />

Basierend auf den in der Stadt vorhandenen qualifizierten Fachkräften auf dem Gebiet der optischen Industrie eröffnete der Optikkonzern Fielmann im Jahr 2002 ein neues Produktions- und Logistikzentrum mit 600 Beschäftigten in der Stadt.

Rathenow wurde 2015 als „Kommune des Jahres“ im Land Brandenburg vom Sparkassenverband OSV für die positive Stadtentwicklung in den letzten Jahren geehrt.<ref>Geehrt vom Sparkassenverband – Rathenow ist die Kommune des Jahres. In: Märkische Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 11. April 2016.</ref>

Dennoch herrscht in der Stadt eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit, während eine zwei Jahrzehnte andauernde Abwanderungsbewegung, vor allem jüngerer Bewohner, in den 2010er Jahren gestoppt werden konnte. Im Plattenbaugebiet Rathenow Ost wurden mehr als 1.000 Wohnungen abgerissen und die brachliegenden Flächen zum Teil zu einem Solarpark umfunktioniert.<ref>Über 800 Jahre Rathenower Stadtgeschichte. Abgerufen am 11. Februar 2024.</ref>

Eingemeindungen

  • 1. März 1948: Gemeinde Neu Friedrichsdorf<ref name="Historisches Gemeindeverzeichnis" />
  • 1. Juli 1950: Gemeinde Neue Schleuse<ref name="Historisches Gemeindeverzeichnis" />
  • 31. Dezember 2001: Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf<ref name="Eingliederungen" />


Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1540 02.500
1648 000 40
1660 01.141
1740 03.820
1770 02.745
Jahr Einwohner
1875 09.949
1890 16.353
1910 24.891
1925 27.566
1933 28.043
1939 32.124
Jahr Einwohner
1946 27.566
1950 29.353
1964 28.961
1971 29.836
1981 32.126
1985 31.500
Jahr Einwohner
1990 30.175
1995 28.625
2000 26.639
2005 26.973
2010 25.301
2015 24.387
Jahr Einwohner
2020 24.179
2021 24.063
2022 24.736
2023 25.055
2024 25.087

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)<ref>Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17</ref><ref>Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7</ref><ref>Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)</ref>, ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022<ref>Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022</ref>

Politik

Die Stadtverordnetenversammlung von Rathenow besteht aus 28 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 54,5 % zu folgendem Ergebnis:<ref>Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024</ref>

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil
2019<ref>Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019</ref>
Sitze
2019
Stimmenanteil
2024
Sitze
2024
AfD 12,8 % 4 30,9 % 9
CDU 25,0 % 7 23,7 % 7
SPD 15,6 % 4 18,7 % 5
Die Linke 23,7 % 7 14,2 % 4
FDP 07,7 % 2 04,3 % 1
Freie Wähler Rathenow 03,5 % 1 03,7 % 1
Bündnis 90/Die Grünen 05,0 % 1 02,7 % 1
Listenvereinigung Fortschritt statt Gleichschritt<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1 02,3 % 1 01,8 %
NPD 02,6 % 1
Die Republikaner / Bürgerbündnis Havelland 01,3 %
Einzelbewerber Jürgen Albrecht 00,6 %
Insgesamt 100 % 28 100 % 28

<templatestyles src="FN/styles.css" />

1 
2019: Die PARTEI / Piraten / PDS / Wählergruppe Tierschutz / Wählergruppe Soziales Havelland / Wählergruppe Bürgerfreundlichkeit / Wählergruppe HipHop
2024: Piraten / PDS / Wählergruppe Tierschutz / Wählergruppe HipHop

Bürgermeister

  • 1844–1849: Johann Heinrich Gustav Fischer<ref name="bgm">Stadt Rathenow: Liste der Bürgermeister</ref>
  • 1852–1876: Karl Heinrich Hermann Große<ref name="bgm" />
  • 1877–1879: Leopold Koeppe<ref name="bgm" />
  • 1879–1906: Friedrich Lange<ref name="bgm" />
  • 1907: Friedrich Ackermann
  • 1907–1933: Ernst Lindner (NLP/DVP)
  • 1933–1938: Wilhelm Räth (NSDAP)<ref name="bgm" />
  • 1938–1945: Kurt Hahn (NSDAP)<ref name="bgm" />
  • 1945: Karl Gehrmann (KPD)<ref name="bgm" />
  • 1945–1950: Paul Szillat (SPD/SED)
  • 1950: Werner Schulze<ref name="bgm" />
  • 1951: Gertrud Kinast, Wilhelm Steinicke<ref name="bgm" />
  • 1953–1957: Ilse Kabelitz<ref name="bgm" />
  • 1957–1970: Ida Dorn<ref name="bgm" />
  • 1970–1973: Willi Schulze<ref name="bgm" />
  • 1974–1988: Johann Schatke<ref name="bgm" />
  • 1988–1990: Gerd Jakobs (SED)<ref name="bgm" />
  • 1990: Werner Fleischer<ref name="bgm" />
  • 1990–2002: Hans-Jürgen Lünser (SPD)<ref name="bgm" />
  • 2002–2022: Ronald Seeger (CDU)<ref>Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 25.</ref>
  • seit 2022: Jörg Zietemann (parteilos)

Ronald Seeger wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 11. März 2018 mit 54,9 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtsperiode bestätigt.<ref>Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 11. März 2018</ref> Er trat zum 31. Mai 2022 vorzeitig von seinem Amt zurück.<ref>Bürgermeister Ronald Seeger geht nach 20 Jahren im Amt – Rekordhalter brachte es auf 34 Jahre. In: Märkische Oderzeitung. Abgerufen am 28. März 2022.</ref>

Jörg Zietemann wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 27. März 2022 mit 59,0 % der gültigen Stimmen gewählt. Er setzte sich dabei gegen die frühere Brandenburger Sozialministerin Diana Golze (Die Linke) durch.<ref>Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 27. März 2022</ref> Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.<ref>Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74</ref>

Wappen

[[Datei:{{#property:p94}}|100px|links|Wappen von Rathenow]] Blasonierung: „In Silber ein rotbezungter goldbewehrter befiederter roter Adlerkopf, seitlich und unten von drei sechsstrahligen blauen Sternen begleitet.“<ref name="Wappen">Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg</ref>
Wappenbegründung: Das früheste Hauptsiegel von Rathenow (14. Jahrhundert) zeigt den Markgrafen mit Lanze und Adlerschild hinter einem Burgtor. Später wird diese Figur zu einem Engel umgedeutet und das Wappenbild um Weintraube und Eichenzweig (mitunter auch Kiefernzweig) ergänzt.<ref name="Städtebuch" /> Das heutige Wappen entstand 1939 nach einem Sekretsiegel von 1394. Die Sterne sind wahrscheinlich raumfüllendes Beiwerk.<ref name="Heinz Göschel">Karlheinz Blaschke, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck: Lexikon – Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik. Hrsg.: Heinz Göschel. 1. Auflage. VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1979, S. 360.</ref>

Das Wappen wurde am 18. März 1993 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Flagge

Die Stadtflagge ist weiß, zeigt den Adlerkopf. Die Sterne sind ein wenig zur Stange hingerückt, sodass ihre Mittelachse auf 2/5 der Flaggenlänge liegt.

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Friedensbrücke über die Havel

Dienstsiegel

Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift: „STADT RATHENOW • LANDKREIS HAVELLAND“.

Städtepartnerschaften

Partnerstädte der Stadt sind:

Sehenswürdigkeiten und Kultur

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Die Schleusenspucker vom Stadtkanal

Rathenow war 2015 einer der Schauplätze der ersten dezentral ausgerichteten Bundesgartenschau (BUGA 2015). Die Veranstaltung wurde zwischen dem 18. April und dem 11. Oktober 2015 gemeinsam in Brandenburg an der Havel, Rathenow, Premnitz, Stölln und Havelberg durchgeführt, sie hatte ca. 1,05 Millionen Besucher.

Vom 22. April bis 15. Oktober 2006 lockte die Landesgartenschau des Landes Brandenburg unter dem Titel Den Farben auf der Spur knapp 500.000 Personen nach Rathenow. Hierzu mussten im Vorhinein umfangreiche Baumaßnahmen sowohl auf dem Weinberg als auch dem Schwedendammgelände durchgeführt werden. So wurde eine stark verfallene Mühle komplett umgebaut. Sie diente vor und während der Gartenschau der LAGA GmbH als Geschäftsstelle und beherbergt ein „grünes“ Klassenzimmer. Danach zog die Musikschule Rathenow in die Räumlichkeiten. Auf dem Gelände der Rathenower Landesgartenschau eröffnete am 28. April 2007 der Optikpark Rathenow.

In den nächsten Jahrzehnten soll die Untere Havel renaturiert werden (siehe Naturschutzgebiet Untere Havel Süd und -Nord) sowie der Fluss seine natürliche Gestalt wiedererlangen. Dadurch wird der Verlauf kurviger und die Auen weiter, was dem Hochwasser-Risiko entgegenwirkt.

Das Kulturzentrum Rathenow (Theater, Optikindustriemuseum,<ref>oimr.de</ref> Kunstausstellungen und Restaurant) befindet sich im Zentrum der Stadt.

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Das Brachymedial-Fernrohr im Optikpark (Rolfsches Fernrohr)

Das Rolfsche Fernrohr ist ein weltweit einzigartiges Brachymedial-Fernrohr. Erbaut wurde es von Ingenieur Edwin Rolf in den Jahren 1949 bis 1953 und stand bis 1994 auf seinem Privatgrundstück. Das Fernrohr ist ein technisches Denkmal, wurde von 1994 bis 1996 vollständig saniert und auf das Gelände der Bruno-H.-Bürgel-Schule umgesetzt. Es befindet sich seit dem 6. Dezember 2008 im Optikpark.

Im Südosten der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Wolzensee. Das Naturschutzgebiet Untere Havel Süd erstreckt sich über eine Fläche von 3933 Hektar die Untere Havel von Rathenow bis Havelsee.

Bauwerke

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Kulturzentrum Rathenow mit Optik-Industrie-Museum

Seit der Bundesgartenschau 2015 ist Rathenow um ein Wahrzeichen reicher: Die Weinbergbrücke, die rund 10 Millionen Euro gekostet hat, überspannt mit ihren zwei charakteristischen Bögen in elegantem Schwung nicht nur die Havel, sondern auch Hellers Loch, ein durch einen Havel-Altarm gespeistes Gewässer.<ref>Brückentaufe mit Tausenden Havelländern – Erster Test der Rathenower Buga-Brücke. In: Märkische Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 11. April 2016.</ref>

In der Umgebung der St.-Marien-Andreas-Kirche befinden sich einige erhaltene Fachwerkhäuser, die in den 2010er Jahren restauriert wurden. Ansonsten prägen Bauten aus der Nachkriegszeit die Altstadt nach fast völliger Kriegszerstörung.

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Die Haesler-Bauten am Friedrich-Ebert-Ring

Am Friedrich-Ebert-Ring befindet sich eine ausgedehnte Wohnanlage aus dreigeschossigen Zeilenbauten, die 1929–1931 von dem Architekten Otto Haesler (damals noch: Celle) geplant und errichtet wurde. Es handelt sich dabei um die architektonisch wohl bedeutendste Wohnsiedlung der Weimarer Republik auf dem Gebiet des späteren Landes Brandenburg. Durch eine Sanierung Mitte der 1990er Jahre wurden die Proportionen der Fassaden durch das Aufbringen eines Wärmedämmsystems empfindlich gestört.

Der Architekt Otto Haesler, nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR übergesiedelt, hatte für die kriegszerstörte Innenstadt von Rathenow einen Wiederaufbauplan vorgelegt, der ebenfalls radikal auf der Zeilenbauweise basierte.<ref>Bernd Geske: Das Haesler-Viertel aus der Nachkriegszeit. In: maz-online.de. 22. März 2019, abgerufen am 2. März 2024.</ref> Dieser Plan wurde nur in Rudimenten ausgeführt. So konnte Haesler rund um den Platz der Jugend in der Altstadt 1950/1951 einige Gebäude tatsächlich bauen. Sie lehnen sich – zum Beispiel mit dem Motiv der erkerartig hervortretenden, verglasten Treppenhäuser – an die Entwürfe des Architekten der zwanziger Jahre an, erreichen allerdings nicht mehr deren Eleganz. Kurz darauf wurde in der DDR der Baustil der „Nationalen Tradition“ obligatorisch; insofern sind die Haesler-Bauten in der Rathenower Altstadt ein seltenes Beispiel für eine sozial engagierte Architektur im Stil der Vorkriegs-Avantgarde in der Anfangszeit der DDR.

Kirchen

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Frontansicht von St. Georg
Datei:HVL 05-14 img 14 Speicher Aussicht.jpg
Kirche St. Marien-Andreas

Evangelische Kirchen

Die in der Altstadt stehende evangelische St.-Marien-Andreas-Kirche wurde Anfang des 13. Jahrhunderts im spätromanischen Stil errichtet und im 15. und 16. Jahrhundert nach Plänen von Meister Lindemann zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgestaltet. Sie wurde nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.

Datei:St. Marien Andreas Kirche.jpg
St. Marien Andreas Kirche
Datei:Blick vom Historischen Friedhof zur Sankt Marien Andreas Kirche.jpg
Blick vom Historischen Friedhof zur Sankt Marien Andreas Kirche

Weitere evangelische Kirchen sind die Auferstehungskirche, ein als Friedhofskapelle von 1914 bis 1917 errichteter Backsteinbau von Curt Steinberg, sowie die 1932 im Stil des Neuen Bauens errichtete Lutherkirche. Darüber hinaus befinden sich in Rathenow eine Landeskirchliche Gemeinschaft sowie weitere evangelische Kirchen in den Ortsteilen von Rathenow.

Datei:Auferstehungskirche von 1917 auf dem Historischen Friedhof.jpg
Auferstehungskirche von 1917 auf dem Historischen Friedhof

Vereinigung Evangelischer Freikirchen

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen ist in Rathenow mit zwei Gemeinden vertreten. An der Berliner Straße 29 hat seit 2011 die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) ihr Gemeindezentrum. Das Gotteshaus der Siebenten-Tags-Adventisten befindet sich in der Friedrich-Engels-Str. 26.<ref name="rathenow-kirchen">Kirchen / Religionen. Rathenow.de; abgerufen am 17. September 2020.</ref>

Katholische Kirchen

Die erste katholische Kirche seit der Reformation in Rathenow wurde im Jahr 1893 als Kirche St. Georg geweiht. Die Kirche blieb unvollendet. Ihre Pfarrei gehört zum Erzbistum Berlin. Die 1962 geweihte Kirche St. Josef befand sich am Horstenweg im Ortsteil Steckelsdorf (Ausbau); sie bestand bis 2024 und gehörte zur Pfarrei St. Elisabeth mit Sitz in Tangermünde und damit zum Bistum Magdeburg.

Weitere religiöse Gemeinschaften

Auch weitere religiöse Gemeinschaften sind in Rathenow vertreten. Die neuapostolische Gemeinde, die 1908 gegründet wurde, hat ihre Kirche an der Kleinen Hagenstraße 7–8. Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage versammeln sich in der Heinrich-von-Rosenberg-Straße 50 und die Zeugen Jehovas in der Genthiner Straße 48a. Auch das Apostelamt Jesu Christi verfügt in Rathenow über eine Gemeinde. Treffpunkt ist die Große Milower Straße 3a.<ref name="rathenow-kirchen" />

Denkmäler

Datei:Bismarckturm Rathenow.jpg
Bismarckturm
  • Auf dem Weinberg, einem innenstadtnahen Erholungspark (2006 Teil der Landesgartenschau), steht der 1914 eingeweihte 32 m hohe Bismarckturm, errichtet zu Ehren Otto von Bismarcks, der in der Nähe von Rathenow in Schönhausen/Elbe geboren wurde. Der Turm wurde 1945 schwer beschädigt, in den 1960er Jahren gab es Umbauversuche zu einer Sternwarte, 2003 wurde er nach Sanierung wieder eingeweiht.<ref>Jörg Bielefeld: Monument im neogotischen Stil: Der Bismarckturm in Rathenow. In: bismarcktuerme.net. Abgerufen am 5. Juli 2021.</ref>
  • Denkmal für die Opfer des Faschismus (von 1951) auf dem Stufenunterbau des 1942 eingeschmolzenen Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals auf dem Platz der Freiheit
  • Gedenkstätte für die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus auf dem Städtischen Friedhof westlich der Großen Milower Straße für 98 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern. Auf dem gleichen Friedhof sind 56 weitere Opfer der Zwangsarbeit begraben
  • Gedenkstätte für Zwangsarbeiter und ihre Kinder auf dem 1943 errichteten Ausländerfriedhof in einem Wald zwischen Bammer Landstraße und der B 188, zu erreichen über die Neufriedrichsdorfer Straße
Datei:Gedenkstätte für die Opfer von Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Neufriedrichsdorf.jpg
Gedenkstätte für die Opfer von Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Neufriedrichsdorf
  • Jüdischer Friedhof mit Gedenkstein für die von den Nationalsozialisten umgebrachten jüdischen Bürger der Stadt an der Neufriedrichsdorfer Straße
  • Gedenktafel am ehemaligen Betsaal der Jüdischen Gemeinde Fabrikenstraße 2 zur Erinnerung an die ausgerottete Gemeinde
  • Gedenktafel an der evangelischen Dorfkirche des Ortsteils Steckelsdorf für die jüdischen Opfer der Umschulungsorganisation Landwerk (Hachschara) am Horstenweg 5/6
  • Gedenktafel für Pfarrer August Froehlich am Pfarrhaus von St. Georg Rathenow in der Friesacker Straße

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Rathenow mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmalen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Datei:Fotothek df roe-neg 0006733 034 Zwei Männer an einem Mikroskop des VEB Rathenowe.jpg
VEB Rathenower Optische Werke auf der Leipziger Herbstmesse 1954

Gericht

Die Stadt ist Sitz des für den westlichen Bereich des Landkreises Havelland zuständigen Amtsgerichts Rathenow.

Optische Industrie

Die Wirtschaftsentwicklung der Stadt Rathenow ist eng mit der Entwicklung der optischen Industrie verbunden. Nach Etablierung der späteren Rathenower Optische Werke (ROW) siedelten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts bis zu 300 Unternehmen der optischen Industrie in Rathenow an.

Viele Jahrzehnte lang arbeiteten mehrere Tausend Menschen in diesem Bereich. Nach 1949 avancierte Rathenow beispielsweise zum alleinigen Fabrikationsort für Brillengläser in der DDR. Einige der nach 1990 privatisierten Nachfolgeunternehmen von ROW sind weiterhin im Bereich der optischen Industrie tätig (z. B. Mikroskopbau durch Askania).

Sonstige Industrie

Bis 1990 hatte das Kombinat Industriewaren Rathenow seinen Sitz in Rathenow. Dieses wurde durch den Stammbetrieb VEB Ofen- und Herdbau Rathenow geführt, der zu DDR-Zeiten rund 600 Mitarbeiter beschäftigte und Öfen herstellte. Neben dem ebenfalls in Rathenow ansässigen Lederwarenproduzent VEB Leder- und Plastverarbeitung Rathenow gehörten noch weitere Betriebe zum Kombinat, die verschiedene Gebrauchswaren sowie Industriewaren wie beispielsweise Hubwagen herstellten.

Verkehr

Straßenverkehr

Rathenow liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen B 102 Richtung Brandenburg an der Havel und Neustadt (Dosse) sowie der B 188 Richtung B 5 Hamburg–Berlin und Stendal.

Datei:ICE Bruecke.jpg
Eisenbahnbrücke über die Havel
Datei:Bahnhof Rathenow mit historischen Kleinbahngleisen.jpg
Bahnhofsgebäude Rathenow, mit historischen Kleinbahngleisen

Schienenverkehr

Der Bahnhof Rathenow liegt an den Bahnstrecken Berlin–Hannover und Brandenburg–Neustadt (Dosse). Es bestehen folgende Verbindungen im Regionalverkehr: RE 4 stündlich über Berlin nach Falkenberg (Elster) sowie zweistündlich nach Stendal, RB 34 ebenfalls zweistündlich nach Stendal als auch stündlich die RB 51 nach Brandenburg an der Havel. Hierbei ergänzen sich die Linien RE 4 und RB 34 zu einem Stundentakt, wobei die Zwischenhalte nur von der letzteren bedient werden.

Von Dezember 2007 bis Dezember 2009 hielten hier auch Züge der IC-Linie Stettin–Berlin–Amsterdam und von April bis Oktober während der BUGA 2015 Züge der IC-Linie Berlin–Amsterdam.

Vom 2. April 1900 bis 1945 war Rathenow der Ausgangsbahnhof der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen. Die Verbindung nach Neustadt (Dosse) wurde Ende 2003, das Teilstück von Rathenow nach Rathenow Nord Ende 2005 eingestellt.

Busverkehr

In und um Rathenow verkehren Busse der Havelbus Verkehrsgesellschaft, die die einzelnen Ortsteile und die umliegenden Städte und Gemeinden mit Rathenow verbinden.

Datei:HVL 05-14 img 04 Rathenow Optikpark.jpg
Ausflugsschiff Sonnenschein an der Havel (in Höhe des Optikparks)

Schiffsverkehr

Durch die Lage Rathenows an der Havel kann hier Schifffahrt betrieben werden. Es gibt einen Hafen und eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe ins Havelland. Für die Schifffahrt auf der Unteren Havel-Wasserstraße betreibt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Spree-Havel zwei Schleusen in Rathenow. Die Schleuse Rathenow liegt am Durchstich der Havel westlich der Altstadt. Die zweite ist die Stadtschleuse Rathenow am Stadtkanal, der die Altstadt umschließt.

Flugverkehr

Privaten und gewerblichen Flugverkehr gibt es in Stechow.

Bildung

Datei:Friedrich-Ludwig-Jahn Gymnasium.jpg
Friedrich-Ludwig-Jahn Gymnasium

In Rathenow gibt es die vier Grundschulen Am Weinberg, Friedrich Ludwig Jahn, Geschwister Scholl sowie die Grundschule Otto Seeger in Rathenow-West. Als weiterführende Schulen existieren das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium, die Bruno-H.-Bürgel-Gesamtschule und die Oberschule Johann Heinrich August Duncker. Außerdem gibt es zwei Förderschulen: die Förderschule Spektrum mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und die Förderschule J. H. Pestalozzi mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen.

Weitere Bildungseinrichtungen sind die Musikschule Rathenow, die Musik-, Kunst- und Volkshochschule Havelland, das Oberstufenzentrum Havelland und das Bildungs- und Technologiezentrum für Augenoptik des Landes Brandenburg.

Sport

Der Verein FSV Optik Rathenow spielt seit der Saison 2022/23 in der fünftklassigen Oberliga Nordost.

Persönlichkeiten

Datei:Byste av Rosemarie Köhn i Gjerdrum.jpg
Denkmal der Rathenower Ehrenbürgerin Rosemarie Köhn in Gjerdrum, Norwegen

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Datei:Rathenow Duncker-Denkmal.JPG
Denkmal für Johann Heinrich August Duncker, den Begründer der optischen Industrie in Rathenow
Datei:Stolpersteine Steinstr. 1 Rathenow.jpg
Stolpersteine für Alfred und Franziska Kornblum geb. Windmüller, Steinstraße 1
bis 1900
1901 bis 1950
ab 1951

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen

Literatur

Weblinks

Commons: Rathenow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Hauptsatzung"> Hauptsatzung der Stadt Rathenow vom 17. Mai 2018. (PDF) </ref> <ref name="Eingliederungen"> Eingliederungen der Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf in die Stadt Rathenow. (PDF; 846 kB) Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 8. Oktober 2001. In: Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, Nummer 44, S. 694, 30. Oktober 2001 </ref> <ref name="Auflösung"> Auflösung des Amtes Rathenow. (PDF; 846 kB) Mitteilung des Ministeriums des Innern vom 8. Oktober 2001. In: Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, Nummer 44, Potsdam, den 30. Oktober 2001, S. 694. </ref> <ref name="Städtebuch"> Evamaria Engel, Lieselott_Enders, Heinrich Schich (Hrsg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 2000, ISBN 3-17-015388-9, S. 443. </ref> <ref name="Volksaufstand"> Tod in Rathenow. In: Der Spiegel. Nr. 25, 2003 (online). </ref> <ref name="Historisches Gemeindeverzeichnis"> Beitrag zur Statistik. (PDF) In: Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005, 19.5 Landkreis Havelland; Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik. </ref> </references>

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